Bewaffnung Ich werde anderen Menschen zukünftig nur noch mit einem Welpen im Arm entgegentreten. Teja Fischer Habenwollen Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden? Ludger Fischer Fast schon Werbung Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«? Jasper Nicolaisen Stimmbildung Unser Kirchenchor ist mittlerweile auch ganz schön in die Jahre gekommen. Man hört nur noch die Lagen Alt und Tremor. Helge Möhn Oberstudiodirektor Im Gymnasion, das die maulfaule Jugend heutzutage ja meist als »Gym« bezeichnet, fühlte ich mich unlängst aufgerufen, drei jungen Menschen beizubringen, dass der »Bizep«, über den sie so gern sprechen, realiter »Bizeps« heißt. Einmal medias in res, klärte ich sie auch noch darüber auf, dass die entsprechende Pluralform nicht etwa, wie die finsteren bárbaroi vom Duden behaupten, »Bizepse« lautet, sondern selbstverständlich »Bizipedes« korrekt ist. Etwas nebulös wirkte auf mich notabene das Zucken des Musculus deltoideus, mit dem die juvenilen Gymnasten auf mein spontanes Seminar reagierten. Bedeutete es tiefe Dankbarkeit? Oder doch nur »Leck mich am Gluteus«? Dr. Andreas Maier Automobile Existenz-Metaphern »Wie sagt man so schön: Ich will ein Leben auf der Überholspur.« – »Aber passt zu dir nicht eher: ein Leben auf dem Pannenstreifen?« Jürgen Miedl Nachtmusik Letzte Nacht verirrte sich eine Mücke in mein Schlafzimmer. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber diese Mücke hatte etwas Besonderes an sich. Ihr Surren war ungewöhnlich laut und klang dabei fast wie eine menschliche Singstimme, von der Stimmlage irgendwo zwischen Alt und Sopran. Dünn zwar, aber immerhin! So was hört man nicht alle Nächte. Ich habe sie dann mit dem Programmheft der Oper erschlagen. So viel Zeit muss sein. Dominik Wachsmann Unpolitische Tiere: der Adler Adler, Adler schweb empor Du hast heute Großes vor Flieg hinauf auf deinen Schwingen Schwebe über allen Dingen Segle, kreise, räsoniere Sinne nach und meditiere Über diese Frage nur: War heute nicht die Müllabfuhr? Gunnar Homann Französisch für Anfänger Zur Förderung der deutsch-französischen Verständigung habe ich mal eine Zeile eines beliebten deutschen Laternenumzugsliedes übersetzt: La Bimmel la Bammel la Boum. Dorthe Landschulz An der Peripherie »Dies, mein Junge«, sagte der alte Mann, der sich neben mich auf die Bank gesetzt hatte, »dies sind nicht die Bretter, die die Welt bedeuten. Aber sind sie deshalb etwa weniger bedeutend?« Fragend sah er mich an. Ich wusste nicht, was ich darauf hätte antworten können, darum schwieg ich bedeutungsvoll und deutete durch eine sachte Kopfbewegung Zustimmung an. »Natürlich sind sie das, Dummkopf!« schrie er plötzlich, sprang auf und stürmte laut schimpfend, mit dem Gehstock in meine Richtung fuchtelnd, davon. Tibor Rácskai Redensart »Das Glück liegt auf dem Rücken der Pferde«, sagen sie – und dann setzen sie sich einfach drauf! Thomas Weyer Zu ihrem Uniabschluss wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt. Laura Brinkmann Für zwischendurch »Leute, da kommt ihr nie und nimmer drauf.« »Worauf?« »Sag ich doch.« Thorsten Mausehund Kriegsgeschäfte Nach amerikanischem Vorbild sollen nun auch Reenactments der Schlachten Napoleons stattfinden. Diese Schauspiele können oft einen ganzen Tag lang dauern. Wer zwischendurch mal dem Ruf der Natur folgen muss, kann dies selbstverständlich kostenlos auf einer der bereitstehenden mobilen Festivaltoiletten (»Dixis«) tun. Gegen einen fairen Aufpreis kann man allerdings auch sein persönliches WaterLoo erleben. Lorenz Fritzsche Killing me soft– Er sitzt in der Son–. In unserer Fußgängerzo–. Mit Saxoph–. Und einem kleinen Verstärk–. Er spielt zum Playba–. Immer nur den Anfang jeder Phra–. Es ist anstreng–. Bis zum Ende reicht die Luft ni–. I did it my–. El Condor pa–. Killing me soft–. Peter P. Neuhaus Engagiert! Wer glaubt, dass Jogginghosen-Style gleichbedeutend mit beruflicher Selbst-Sabotage sei, hat noch nie in weißen Sweatpants bei einem Start-up in Berlin-Mitte vorgesprochen. Dominik Mauer Add Blue Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet. Tobias Speckin Kollektives Delir Schneeweißer Sand, metallisch scharfkantig verkrustetes Salz, brennende UV-Strahlung und gleißendes Licht – das sind die Attribute, von denen Millionen schwärmen, während sie von sogenannten »Traumstränden« faseln. Der eigentliche Todes- ist ihr Sehnsuchtsort, eine mineralische, strukturlose und desinfizierte Glutzone zwischen fruchtbarem Land und wimmelndem Meer, in der keinerlei Leben, sei es noch so klein, noch so hart, noch so schlau, die geringste Chance hat. Genauso wie die Toilettenschüssel zu Hause bei Hygienefanatikern. Theobald Fuchs Botanischer Imperativ Mein Freund Bert spricht mit seinen Zimmerpflanzen, vergisst aber immer, sie zu bewässern. Darum hat er die neueste Gisbert genannt. Cornelius W.M. Oettle Ende aus Nur für die Akten: Das einzige, was der Menschheit wirklich den Arsch retten kann, sind gepolsterte Radlerhosen. Felix Scharlau Beitragsnavigation Briefe an die Leser | September 2019 September 2019