Ich bin’s, Lars Klingbeil von der SPD. Und: Ja, es gibt uns noch. Das ist komischerweise die meistgestellte Frage hier im Zelt. Dann wird gelacht. Man sieht, die Stimmung ist hervorragend. Ich melde mich nämlich von der Wiesn, also live vom Oktoberfest, und schreibe diese Zeilen gerade in der Kloschlange. Gefühlt stand ich vor zehn Minuten auch schon hier an, aber der eine Kaulitz-Bruder und die Klum haben mich in Beschlag genommen, dann kam auch schon wieder so eine riesige Maß an den Tisch, und streng genommen ist das ja auch alles Nebensache für so einen Artikel. Uff. Das drückt jetzt aber ordentlich im Kopf. Das ist doch auch nie und nimmer alkoholfrei, was mir dieses Popsternchen da bestellt. Und was dauert das denn so lange? Stellen die da drinnen einen Haushalt auf? So, jetzt ist’s wieder besser. Der Punkt ist: Wir Politiker müssen uns auch einmal volksnah zeigen. Das ist wichtig für die Umfragewerte und die sind ja heute bekanntlich alles, das Alpha und Obazda in der Politik. Und die Rechnung geht auf: Ich wurde schon ein paar Mal erkannt und musste Autogramme geben, allerdings halten mich die meisten hier momentan noch für den Schlagzeuger von Tokio Hotel. So kann man natürlich keine soziale Gerechtigkeit unters Volk bringen und dann ist auch die Frage, warum ich eigentlich als Vizekanzler überhaupt hier unten sitze bei den C-Promis und der Merz, die Bas und der Söder wie die Schaumkrone oben auf dem Podest thronen. Ich wollte ja selber schon hochsteigen, wurde aber brüsk abgewiesen von so einem Trachtengorilla und bekam zu hören, sie hätten da oben schon einen Drummer. Ja, was soll ich machen? Jetzt kommt noch gleich die Riesenbrezel an den Tisch und ich muss mich hier ausklinken aus dem Text und darauf achten, dass ich auch noch etwas abbekomme. Aber liebe Wählerinnen und Wähler, Sie sehen, dass ich hier rund um die Uhr alles gebe, um es sozial und menschlich zu halten in diesem Land. Der Herbst der Reformen – noch schnell dazu – er wird kommen, das steht fest, da rüttelt kein Schlagzeuger, ich meine Vizekanzler, und auch kein Oktoberwind mehr dran. Aber mit ein bisschen Starkbier im Kopf, das können Sie von uns Politprofis aus dem Zelt vielleicht für sich persönlich mitnehmen, kann man’s irgendwie überstehen. Ihr Lars Klingbeil (SPD!) »Nur für Gäste« – die neue Kolumne von Ghostwriter Fabian Lichter. Ab jetzt jeden Mittwoch nur bei TITANIC! Beitragsnavigation Vorschlag zur Güte #81 Prominente Stimmen zum geplanten Catcalling-Verbot