Offenbacher Anthologie (27)

SCHEICH ABU MAZA EL-ASRI
PILLE PI UND PILLE PU

Pille pi und pille pu
Milch gibt uns die liebe Kuh

Pille pu und pille pei
Und die Henne gibt das Ei

Pille pei und pille paum
Lustig steht der Apfelbaum

Pille paum und pie-hie-se
Auf der grünen Wie-hie-se

Es heißt, wo er auftaucht und liest und spricht, ruft und flüstert, wo er seine Lieder brummt und piepst und seine Reime jauchzt und tanzt und hüpft, da jubeln die Kinder Afghanistans. In der Tat federleicht beschwört der in seiner Heimat als „Ringelnatz der Rechtgläubigen“ gelobte Dichter und Zeichner eine gute, wahre und schöne Welt voller liebender Eltern, friedlicher Tiere und süßer Früchte. Ganze Gebirgshöhlen vermag der ansteckend fröhliche Scheich mit kleinen und großen Zuhörern zu füllen; und auch Letztere kreischen vor Vergnügen, wenn Abu Maza Al Asri auf die Höhlenwände stegreifzeichnet mit just jener lustigen Handprothese, die der im Nebenjob als Sittenwächter Tätige zum Halsaufschlitzen nutzt, denn von ihrer Arbeit zu leben vermögen auch im Hindukusch nur wenige Künstler.
HANS MAGNUS ENZENSBERGER