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(Was bisher geschah)

Jedenfalls kam Petra nicht zurück, und Henner hatte sich mit zwei Bieren in der Hand zu dem verstummten Kartentischler gesetzt und redete, nonchalant rauchend, auf ihn ein, auch deshalb, weil der sich, von der stundenlangen Raserei offenbar zutiefst erschöpft, nicht wehrte. Kurtchen überlegte, in wel­chem Maße die regelmäßigen Exaltationen, die da in der Nachbarschaft vor sich gingen, eben diesen, nämlich einen hygienischen Zweck hatten, die überschüssige Energie zu kanalisieren und ihr einen Weg ins Freie zu schaf­fen, damit man hernach in kreatürlicher Erschöpfung vor sich hin stieren konnte und selbst die halbrelevanten Geschichten irgendeines Wirtsmanns sich in das beruhigende Rauschen einer Eichendorffschen Quelle verwandelt­en. Es war wie Fernsehen nach dem Sport: Man hat gelie­fert, jetzt darf man aufgeben.

Endlich kam Petra doch zurück, und Kurtchen unterdrückte den Impuls, den Abend an der Quelle, nämlich im Rauschen der Tischgeschichten Henners versanden zu lassen, nein, das würde nichts bringen, darin lag kein Fort­schritt. Er hatte die letzte noch zu gut in Erinnerung, als es zum wiederholten Mal um ein neues Gastrokonzept gegangen war und Henner erklärt hatte, er wolle jetzt „endlich auch mal die Busineßidioten abgreifen“ und „Mittags­tisch“ anbieten, „ganz klein, ein Gericht, mit Suppe„, ohne Mit­tagstisch nämlich laufe es gar nicht mehr, nicht daß er da extra was verdiene, „das zieht dir die Butter nicht vom Brot, verstehst du“, aber es gehe hier halt und unabweisbar „um Kundenbindung“, denn ohne Kundenbindung, da sei man „als Geschäftsmann im Arsch“ usw., Kurtchen erinnerte sich haupt­sächlich daran, daß mehrfach, ja praktisch ständig das Wort „Mittags­tisch“ gefallen war und er, Kurtchen, keine Sekunde den Eindruck gehabt hatte, es handle sich hierbei um mehr als eine vollkommene Schnapsidee. In die Extra Bar zum Mittagessen gehen, das taten wahrscheinlich nur Leute, die ihren Wo­chenendeinkauf im Hauptbahnhof tätigten; außerdem gab es über­haupt keine Büros in der Gegend, in denen Busineßidioten hät­ten tätig sein können, und Kurtchen fragte sich, wie oft er das, was aus Hen­ners Küche fiel, überhaupt schon mal in nüchternem Zustand verzehrt hatte. Es war ihm schleierhaft, wie Henner seine Küche in Richtung Busi­neßmittagstisch umzuorganisieren gedachte: Bislang gab es bloß angeko­kelte Hot Dogs und einen Hackauflauf unklarer Zusam­mensetzung, den Henner, wohl um mögliche Einwände von vornherein un­gültig zu stempeln, als „Fraß“ annoncierte, in der reichlich un­begründeten Hoffnung, daß, wer eine Mahlzeit bestellt, sich freut, wenn Iro­nie serviert wird.

Kurtchen stand auf, damit Petra sich erst gar nicht wieder hinzusetzen brauchte, den Rechnungsbetrag hatte er, weil er Henner in seinen wahr­scheinlich gastrorevolutionären Überlegungen nicht stören, aber auch nicht noch länger warten wollte, unter den Bierfilz geklemmt, und zwar für Petra mit, es dauerte ihm jetzt alles zu lange. Außerdem hatte er auf diese Weise etwas gut, auch wenn er ahnte, daß ihn dies morgen als Verpflichtung er­schrecken würde.

Nächstes Mal bist du an der Reihe“, sagte Kurtchen und plänkelte mit der Rechten in Richtung Tischplatte. Petra war so umgehend einverstanden, daß Kurtchen den Gedanken ans Erwachen verdrängte und sich einfach freute, daß er etwas zur Zufriedenheit und nachgerade souverän geregelt hatte. (wird fortgesetzt)