Künstliche Hässlichkeit Es ging dann doch schnell. Wurde man anfangs wenigstens nur auf X und anderen digitalen Jauchegruben mit schlecht gebasteltem Midjourney-Content zugespamt, so wird einem heute selbst in Dokumentationen der öffentlich-rechtlichen Sender der AI-Salat vorgesetzt. Zu den bisher gängigen Stock-Clips eine deutlich sichtbare Verschlechterung, da die KI-Bilder im TV bisweilen alle Kinderkrankheiten der Programme wie Fantasie-Schriftzeichen mit sich bringen. Jetzt also auch in Ihrer Mediathek, weil bekanntlich eh schon alles egal ist. Eine Arte-Dokumentation mit dem schon seltsam raunenden Titel »Moneyland – Die dunklen Geschäfte der Finanzindustrie« ist dann etwa auch mit dystopisch anmutenden KI-Bildern versehen, die Hochhäuser in einer wilden Mashup-Ästhetik, irgendwo zwischen Matrix und Höllenfeuer, zeigen, einer Aufmachung also, wie man sie bisher allenfalls aus mit Verschwörungstheorien gespickten YouTube-Filmchen kannte. War dann aber hoffentlich wenigstens so billig, wie es aussieht. Zarte Wellen schlug jüngst das Instagram-Video eines Illustrators, der in kritischer Absicht auf eine Anzeige der Zeit-Verlagsgruppe aufmerksam machte. Geboten war eine Hospitanz als »KI-Künstler«. Was nur eine Idee liefert, wie es bald in den Verlagen aussehen wird bzw. für Künstler ohne »KI« in der Berufsbezeichnung. Dabei lässt sich doch gerade in der Zeit regelmäßig so schön nachlesen, was der Aufstieg der künstlichen Intelligenz so alles mit sich bringen wird und was das mit »uns« macht. Aber so steht es eben um Kunst, Kultur und Krempel. Dass besagte Kultur, wie Adorno wusste, alles mit Ähnlichkeit schlägt, ist nun einmal Arbeitsgrundlage der KI. Und dass sich die Leute mit seelenlosem Daten-Potpourri abspeisen lassen, geht noch auf die rein menschliche Ramschproduktion zurück. Nur folgerichtig daher, dass man sich nun von künstlich generierter Hässlichkeit oder ganzen KI-Büchern von Amazon-Künstlern mit Long-Tail-Konzept, die eben noch in Sachen Mindset oder Bitcoin unterwegs waren, auch nicht weiter irritieren lässt. Diskurs, Kritik und Fun total! Den neuen Debattenbeitrag »Best of Content« von Fabian Lichter gibt es jeden Sonntag nur bei TITANIC! Beitragsnavigation Powersätze für die erste Hitzewelle des Jahres Demnächst auf Spiegel+