Süßer lesen Die Literaturbranche hat sich wieder einmal neu erfunden. Mit einer Idee, mindestens so glorreich wie die Idee des goldenen Tickets aus »Charlie und die Schokoladenfabrik«. Sie lautet: Wenn Bücher sich nicht mehr verkaufen, tarnt man sie eben schlicht als den Markenkram, der die Kunden gerade abholt und wieder so beherzt zugreifen lässt wie damals zu seligen Kinderzeiten vorm Süßigkeitenregal. Man gebe dazu ein paar Seiten Buddenbrooks sowie die Sammlung Werbeprospekte aus dem Treppenhaus in den Verlags-Thermomix, mische alles einmal gut durch, verleime es, und fertig ist der Bestseller, irgendwo zwischen verklärendem Heimatkitsch und schamlos, aber süßlich ausgebeuteten Erinnerungen an (auch ökonomisch) einfachere Zeiten. Bücher aus diesem Fertigungsverfahren tragen dann Titel wie: »Haribo – So schmeckt das Glück«, »Ritter Sport – Ein Traum von Schokolade« oder aber »Die Douglas-Schwestern«. Alles Romane, wohlgemerkt. Der Inhalt ist allerdings stets zweitrangig bzw. so Wurst wie die von Tönnies – ein Familienglück. Die Verlage aber freuen sich, denn Leser respektive Naschkatzen kaufen diese Bücher bereitwillig, auch weil sie aussehen wie ein Geschenkpaket von Rewe oder der Gutschein an der Drogeriekasse, den man mal eben so mitnimmt beim Klopapierkauf. »Als die junge Clara zum ersten Mal ein Stück Schokolade probiert, weiß sie sofort, dass sie die süße Köstlichkeit zu ihrem Beruf machen will. 1912 legt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Alfred Ritter den Grundstein für eine Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik. Clara erfindet schließlich eine quadratische Tafel, deren zahlreiche Sorten das Zeug haben, die Welt zu erobern«, heißt es im Klappentext des Ritter-Sport-Romans. Doch Obacht: Nicht in den Buchdeckel beißen! Nur so wird Lesen zu dem Content-Erlebnis, das man heute haben will, und Literatur lässt sich endlich so wegkonsumieren und vernaschen, wie es sich in der Amazon- und Temuwelt auch gehört. Wie es weitergeht, erfährt man auf der nächsten Buch- bzw. Süßwarenmesse. Je nachdem, in welche Supermarktregale es die Literatur in der kommenden Zeit noch verschlagen mag. Diskurs, Kritik und Fun total! Den neuen Debattenbeitrag »Best of Content« von Fabian Lichter gibt es jeden Sonntag nur bei TITANIC! Beitragsnavigation Make Germany American Again! (MGAA) Diese Änderungen verspricht der erste US-amerikanische Papst