Mr. Maher Goes to Washington »He got the White House again, but he’s not going to get my mind«. So leitete Bill Maher noch sein Anfang des Jahres erschienenes HBO-Special ein und hat den Mund wohl etwas zu voll genommen. Maher, einerseits verdienstvoller Kritiker u. a. des linken Antisemitismus an US-Universitäten sowie derer, die dank Identitätspopanz ohne Umwege in reinem Zivilisationshass gelandet sind, war andererseits stets auch konsequenter Gegner Trumps und der MAGA-Bewegung. Ein Spannungsfeld, das sich immer genau so lange auch als humoristisch ergiebig erwies, bis Maher mit seinen Tiraden gegen die »woke« Linke wieder einmal in letztlich demselben unreflektierten Reduktionismus landete, mit dem illiberale Kräfte auch außerhalb der USA in den letzten Jahren Land gewinnen konnten. Hier hatte Maher immer schon common ground mit Gästen wie Musk und konnte plötzlich über den woke mind virus palavern, als wäre derlei Gerede nicht die fixe Idee, die man anderen unentwegt unterstellt. Auf Initiative Kid Rocks kam es kürzlich zum Treffen mit Trump, der bislang kein gutes Wort für Maher übrig hatte, und einem Editorial (Mr. Maher Goes to Washington) in der darauffolgenden Ausgabe von Real Time. Maher sei zumindest nicht im Outfit Selenskyjs gekommen, lautet ein Gag zu Beginn, mit dem die Latte gleich einmal so tief gehängt wurde, dass auch kein Durchkommen mit intaktem Rückgrat mehr denkbar gewesen wäre. Dazu erfährt man, dass in der Abstellkammer, die einst durch Clinton und Lewinsky Ruhm erlangte, heute das MAGA-Merch liegt und – leider nur für Maher eine weltbewegende Nachricht –, dass auch Trump dann und wann über Mahers Witze lachen kann. Überhaupt hätte er, Maher, einen entspannten, ja kritikfähigen Trump erlebt, der so gar nicht zu dem Bild passe, das man sonst von ihm habe. Als läge diesem Bild nicht Handfestes zugrunde. Er sei natürlich nicht plötzlich pro MAGA und kritisiere immer noch das Bestreben Trumps, eine dritte Amtszeit möglich zu machen, oder den Zollkrieg. Allein, der Umstand, dass wenig später in der Talkrunde ausgerechnet Steve Bannon wie ein Anstandswauwau neben ihm sitzt, mag das alles nicht so recht unterstreichen. Das Gewitzel mit einem Bannon, der klipp und klar sagt, Trump werde auch ein drittes Mal gewählt werden, egal, was das Gesetz sagt, wirkt dann endgültig wie ein Fäustchen in den Wind – mit MAGA am Tisch, das illustriert das Ganze immerhin schön und deutlich, hört der Spaß also auf. Beitragsnavigation Powersätze für den Ruhestand Ach du dickes Ei