Jung geblieben

Längst hat sich die Ästhetik des Plattformkapitalismus auch bei den klassischen Medien durchgesetzt. Bei den Nachrichtenangeboten wimmelt es von Instagram- und TikTok-Erklärbären, die wirken sollen, als hätten sie sich frisch aus dem Jugendzimmer zugeschaltet, nur um dem Zuschauer ein paar Fakten aus dem Weltgeschehen zu vermitteln. Dabei scheint man allerdings überwiegend der Meinung zu sein, dass Menschen unter 30 Inhalte ohne Listen, Emojis und Kita-Ton nicht mehr zu vermitteln sind.

Nachrichten, die für konventionelle Menschen geschrieben und gesendet werden, müssen daher hinterher noch einmal eingedampft, durch den Listicle-Fleischwolf gejagt und anschließend von einem dafür schon wieder zu alten Redakteur auf den entsprechenden Kanälen vorgetanzt werden. Die Generation Y war die erste, der man einen ganz eigenen Medien-Sektor in diesem Umfang einrichtete und der man das Nachrichtengeschehen ohne vorgeschalteten Filter nicht mehr zutraute.

Kacheln, Reels und TikTok-Clips erinnern bisweilen an verfilmte Gruppenreferate. Der Nahostkonflikt in 15 Sekunden, Trumps Protektionismus in drei Slides, Krieg im Sudan von einem Spät-Millennial mal eben locker, aber mitfühlend von einer Couch aus wegerklärt. Zwischen mehrjährigen Wohnungssuche-Marathons und ironisch genommener Prekärexistenz bleibt natürlich auch für Nachrichten wenig Zeit, insofern kommt man nachfolgenden Generationen eben auf diesem Wege entgegen.

Formal und inhaltlich unterscheidet sich das alles nur noch wenig von den Kindernachrichten, unterbietet diese bisweilen; es scheint ausgemachte Sache zu sein, dass auch Menschen, die sich statistisch gesehen in Studium oder Ausbildung befinden, zumindest einmal dazu fähig sein sollen, nicht mehr wie Erwachsene behandelt werden dürfen. Anders, glaubt man offensichtlich, nicht mehr existieren zu können, ohne die Zielgruppe »junge Leute« an die alternativen Medien zu verlieren. Ob derlei Infantilisierung da allerdings wirklich hilfreich ist, müsste einmal eine 5-Punkte-Kachel klären.