30 Jahre Deutsche Einheit – das soll auch im Püppchenstudio gefeiert werden. Aus diesem Grund wird hier ein Beitrag wiederholt, der 2001 in der Titanic erschien:

Wie ich Franz Kafka und die Beatles zusammenbringen wollte (1.Teil) 

Im trostlosesten Vorort einer Stadt mit vier Buchstaben (Warschau) wartet je­mand tagein tagaus darauf erlöst zu werden. Mein Gott, das bin ja ich, wie ich im Radiogeschäft meines Vaters herumstehe! Während er in dem kleinen Raum hinter dem Laden unermüdlich neue Apparate baut und alte repariert, versuche ich, die, die schon fertig sind, zu verkaufen. Ich eigne mich vorzüglich zum Verkäufer, was mir jedoch ganz besonders am Herzen liegt, ist unsere Schall­plattenabteilung. Für meine Begriffe ist sie ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäfts, stellen doch die Schallplatten einen erheblichen Anreiz zum Er­werb eines von meinem Vater gebauten Phonographen dar. Andererseits nehmen die einfachen Vorortmenschen, die so ein Gerät (meist in Verbindung mit einem von Vaters Radios) kaufen, auch gern die eine oder andere Schall­platte mit, um sie darauf abzuspielen. Nicht selten kommen solche Kunden später wieder, um sich weitere Platten anzuschaffen, entweder weil die ersten inzwischen beschädigt sind, oder weil ganz einfach mehr Abwechslung ge­wünscht wird. Dem tragen wir Rechnung mit einem reichhaltigen Angebot, wir führen Musik zu allen Gele­genheiten und Sprachaufnahmen sowohl ernster als auch heiterer Art. Sämt­liche Schallplatten, die wir zum Kauf anbieten, habe ich selbst ganz allein aufgenommen. Das dazu nötige altmodische Band­gerät hat mein Vater nach einer Vision rein intuitiv, also völlig ohne Bauplan, angefertigt. Es dient uns noch zu einem weiteren Zweck: Jeder, der will und dafür bezahlt, kann in unserem Geschäft selbst Tonaufzeichnungen machen. Wenn dann so eine Aufnahme beendet ist, lasse ich davon bei einem ganz lächerlichen Press­werk eine Vinylplatte herstellen. Der zu zahlende Preis ist eben so lächerlich wie die Firma und die in den Kosten inbegriffene Gestaltung der Hülle.


Meine pseudonyme Visitenkarte (gestaltet von Friedrich Forssman