Hello, Michelle Obama! In Ihrem Podcast haben Sie Berufseinsteiger/innen dazu aufgefordert, sich in Geduld zu üben: »Wenn man dir die Gehaltserhöhung nicht gewährt, obwohl du glaubst, sie verdient zu haben, stärkt das deinen Charakter.« Und diese Charakterstärkung, finden Sie, bereite die jungen Leute auf eine Führungsrolle vor. Stärkt das wegen der nicht gewährten Gehaltserhöhung fehlende Geld denn dann ebenfalls den Charakter. Bereitet Hunger gut auf eine Führungsposition vor? Dann hätten die derzeitigen hohen Lebenshaltungskosten und die Inflation in den USA ja auch ihr Gutes: In wenigen Jahren wird sich das Land vor fähigen, wenn auch obdachlosen Präsidentschaftskandidat/innen kaum retten können! Fiebert schon der nächsten ausbleibenden Gehaltserhöhung entgegen: Titanic Hä, Erfurter/innen? Ihr seid laut Glücksatlas die zufriedensten Deutschen. Außerdem habt Ihr bei der letzten Bundestagswahl die AfD zu Eurer stärksten Kraft gewählt. Aber wenn Ihr AfD-Anhänger/innen seid, wie könnt Ihr dann glücklich sein? Stören Euch nicht die ganzen Shishabars in Eurer schönen Stadt? Dass Ihr im Juni die Innenstadt meiden müsst, weil Ihr sonst der CSD-Parade begegnen könntet? Dass Eure Heimat Teil der Europäischen Union ist? Und Merkel ist doch auch immer noch nicht im Gefängnis! Warum steckt Ihr denn ob dieser ganzen Missstände den Kopf in den Sand und seid einfach zufrieden, Erfurter/innen? Eure gute Laune ist ja geradezu unpatriotisch! Euer alter Griesgram Titanic Bitte um kurze Aufmerksamkeit, »Spiegel«! »Merlin war 12, als er 20 Stunden Porno am Stück guckte. Zerstört das Internet unsere Sexualität?« titelst Du auf Deiner Webseite. Ohne den Artikel gelesen zu haben (alle Hände voll zu tun), fragen wir uns jetzt: Guckte Merlin einen 20-stündigen Porno am Stück, denselben Porno immer wieder über 20 Stunden am Stück oder doch 20 Stunden lang mehrere Pornos? Außerdem: Könnte das Problem auch darin liegen, dass ein Zwölfjähriger überhaupt erst die Gelegenheit bekommt, 20 Stunden ungestört »Porno« zu gucken? Muss schon wieder los: Titanic Griaß Di, Ötzi! Was müssen wir da im Spiegel lesen? »Berühmter Gletschermann: Pilze und Bakterien besiedeln die Ötzi-Mumie. Droht ihr der Zerfall?« Im schlimmsten Fall könnte »der Steinzeitmann«, also Du, in seiner Hightech-Kammer allmählich vergammeln. Das ist ja furchtbar! Und das trotz aller Vorkehrungen, die einst getroffen wurden: »Kurz nach seiner Entdeckung wurde der Eismann mit einem Antipilzmittel behandelt.« Schlimm, schlimm. Andererseits, Ötzi: Lohnt sich das Weiterexistieren denn noch, wenn man sich 5000 Jahre nach dem Ableben mit derart einfallslosen Umschreibungen wie »Gletschermann«, »Steinzeitmann« und »Eismann« herumschlagen muss? Dann kann man doch eigentlich auch endgültig abtreten, oder nicht? Mach’s gut, Du archäologische Lichtgestalt, Du Alpen-Original, Du grundsolide Steinzeit-Dauerwurst! Titanic Hm, Frank-Walter Steinmeier, Ihre »Anfang des Jahres geäußerten historischen Bedenken, Olympia genau 100 Jahre nach den Spielen unter Adolf Hitler in Deutschland stattfinden zu lassen, seien zwar nicht verschwunden, heißt es aus dem Bundespräsidialamt. Steinmeier sei mittlerweile aber fest davon überzeugt, dass alle Beteiligten mit diesem Datum verantwortungsvoll umgehen würden«, informiert uns die Tagesschau. Von Ihnen persönlich erführen wir jetzt noch gern, was a) »mittlerweile« passiert ist, dass Ihre Bedenken, die gerade noch »historisch« waren, holterdiepolter einer festen Überzeugung gewichen sind, und b), woher Sie jetzt schon wissen, wer denn 2036 zu diesen »verantwortungsvoll umgehenden« »Beteiligten« gehören wird. Insbesondere, wer die Regierung stellen wird, die, kommt es nicht zu vorgezogenen Neuwahlen, 2033 gewählt, aber – das ist unsere einzige Hoffnung – immerhin nicht mehr von Ihnen ernannt worden sein wird. No Futur II! Titanic Krass, »Tagesspiegel«-Redakteur Robert Klages! Was lesen wir da in der Überschrift Ihres Kommentars? »Robert Klages findet: Koksen vor Kindern in der U-Bahn: Das muss wirklich nicht sein.« Da haben Sie sich aber ein kontroverses Thema ausgesucht! Ihre Redaktion ächzt sicher schon unter der Last der bösen Briefe von der Kokser-Lobby, die Ihre Schmähschrift ausgelöst haben dürfte. Wir hätten da direkt noch ein paar weitere Ideen zu brandheißen Thinkpieces aus dem urbanen Leben, an die sich sonst keiner rantraut: Wie wäre es mit »Obdachlose bestehlen – das hat wirklich keinen Stil!« oder »Nackt auf einem Einrad durch die Fußgängerzone fahren – das gehört sich nicht!« Ist sich sicher, dass Sie damit längst überfällige Diskussionen lostreten werden: Ihr Meinungsmagazin Titanic Tolle Idee, Gregor Gysi! Sie trommeln im Interview mit dem Magazin der Süddeutschen für eine Koalition zwischen Union und Linkspartei und versuchen, auch Ihren Mitinterviewten Horst Seehofer von dieser Idee zu überzeugen. So behaupten Sie: »Die AfD ist der Union viel fremder.« Und stellen klar: »Wir sind natürlich keine linksextreme Partei! Das war nie die Richtung meiner Partei. Von Anfang an nicht. Die Brandmauer gegen uns, von der Herr Seehofer redet, gibt es gar nicht.« Und jetzt nehmen wir mal an, Sie haben mit dieser Strategie Erfolg, Gysi: Wie könnten denn die zu jeder guten Koalition gehörenden Kompromisse aussehen? Die Linke darf das bedingungslose Grundeinkommen einführen, die CDU dafür bedingungslose Abschiebungen? Der anti-imperialistische Flügel Ihrer Partei überzeugt die Union, Staatsräson und Waffenlieferungen an Israel sein zu lassen, dafür muss Heidi Reichinnek mit Markus Söder auf Tiktok tanzen? Die Renten werden erhöht, aber alle Über-75jährigen erschossen? Die Wehrpflicht kommt, allerdings nur für Frauen? Geht jetzt schon mal auf die Barrikaden: Ihre Titanic Salve, Ulf Poschardt! Im Spiegel haben Sie Ihre Zukunftsvisionen für die Zeit nach Ihrem Rückzug als »Premium«-Herausgeber der Springer-Gruppe ausgebreitet: »Ich rede immer über Disruption. Jetzt disruptiere ich mich selbst raus aus der Hierarchie und fange dort neu an, wo auch ein 19jähriger wahrscheinlich anfangen würde.« – Beim Latinum? Dann toi, toi, toi, Poschi! Korruptiert sich niemals selbst: Titanic Cinemaxx! »Gebe Deinen Code ein« – gib Dir doch bitte einen Ruck: Bis sich der falsche Imperativ, wie ja auch sonst alles Falsche, durchgesetzt hat, ist derlei nicht großes Kino, sondern Mist. Orientier’ Dich einfach am Süßwarenregal: Solange die Bonbons nicht »Nehme 2« heißen, hat wie immer recht: Deine Nimmtante Titanic Und apropos, liebe »Süddeutsche«! Weil es der türkische Staatspräsident so will, wird der türkische Oppositionsführer abgesetzt: »Weil Recep Tayyip Erdogan eine Opposition möchte, die von ihrem Vorhaben absieht, Wahlen gewinnen zu wollen.« Mit ein bisschen mehr Einsichtsfähigkeit müssten wiederum wir von unserem Vorhaben absehen, diese unzerstörbare Pressemarotte aus der Welt schaffen zu wollen; wo nicht, halten zu Gnaden, schlicht zu schaffen. Denn noch einmal und immer wieder: Wenn wir was vorhaben, dann wollen wir es und haben nicht erst vor, es zu wollen, und wenn Du nicht willst, SZ, dass wir Dir immer diese Briefe schreiben, dann zeig’ ein bisschen guten Willen, hier lernwillig zu sein. Und nicht sein zu wollen, sakra! Deine Lieblingsopposition Titanic Bravo, Journalismus-Influencerin Carlott Bru! In einem Artikel für das Magazin Journalist zum Thema Netzwerken musstest Du eine Erkenntnis loswerden: »Ich habe beschlossen, mich nicht mehr ausschließlich mit Journalistinnen und Journalisten anzufreunden.« Du seist nämlich zu dem Schluss gekommen, dass diese Praxis auf Dauer Deiner Arbeit nicht guttue. Das leuchtet ein. Viel zuträglicher ist es doch für Dich, wenn Du Dich stattdessen mit den CEOs, Unternehmensberater/innen und der Human-resources- Leitung Deiner Redaktion anfreundest. Weiß Deine Business-Freundin Titanic Huhu, Kölner Dom! Du bist vielleicht kein Weltwunder, aber immerhin das identitätsstiftende Wahrzeichen einer Großstadt in der Nähe von Düsseldorf. Außerdem bist Du eine der Sehenswürdigkeiten Deutschlands, die Tourist/innen aus aller Welt anlocken – und zwar in rauen Mengen. Aus diesem Grund möchte Deine Leitung nun allen Erwachsenen, die Dich besichtigen wollen und nicht ausdrücklich vorhaben, zu beten oder an einem Gottesdienst teilzunehmen, ein Eintrittsgeld von zwölf Euro abknöpfen. Die tourismusfreundliche FAZ empört sich denn auch gleich: »Das ist eine geistliche Bankrotterklärung für eine Kirche, die doch für ihre frohe Botschaft werben will. Und ein Tabubruch in Deutschland.« Wir Brauchtumsfreund/innen hingegen freuen uns über diesen schönen Rückgriff auf die altehrwürdige katholische Tradition des Ablasshandels. Dieser wurde bereits den Gläubigen im 15. und 16. Jahrhundert mit den Worten ans Herz gelegt: »Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.« Und das, Kölner Dom, ist doch kein Tabubruch, sondern eine äußerst frohe Botschaft – sowohl für Dich als auch die Tourist/innen! Freut sich andächtig mit: Titanic Wüst, »FAZ«, geht es bei Dir zu, kaum hat jemand das Wort »Kanzlerwechsel« gedacht: »Nach derzeitiger demoskopischer Lage hat er beste Aussichten, aus der Landtagswahl in elf Monaten wieder als Sieger hervorzugehen – wenn er es vermag, seine Landes-CDU nach dem Motto ›Es geht um NRW‹ vom schlechten Bundestrend abzukoppeln. Das wird eine Gratwanderung, weil jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt wird: Ist das ein Angriff auf Merz? Will er sich in Stellung bringen? Einstweilen hält Wüst den Ball auffällig flach, gibt kaum Interviews in überregionalen Medien, geht selten in Talkshows. Allzu lange wird der nordrhein-westfälische Ministerpräsident diese Minimal-Kommunikation nicht mehr durchhalten können. Eben weil er sich im bald beginnenden Landtagswahlkampf von Schwarz-Rot in Berlin abgrenzen muss.« Es ist, FAZ, halt bloß ein Vorurteil, dass bei Dir die Arbeitswelt erst in der Vorstandsetage beginnt: Rangierbahnhof, Bergwacht, Goldschmiede, Bundeswehr, Fußball, Grenzschutz – und das in sieben Sätzen! Bloß das Korrektorat überlassen wir besser der KI, was? Solidarisch: Titanic Hej, Copenhagenize-Index! Du bist ein Ranking, das die Fahrradfreundlichkeit von Städten bemisst. Benannt nach der dänischen Hauptstadt, bekanntermaßen das Zweirad-Mekka, hast Du Dir unseren Respekt verdient: Kopenhagen hast Du 2025 nämlich nur auf Platz 2 gesetzt. Beeindruckt von Deiner Neutralität: Titanic Du, Franziska Zimmerer (»Welt«), beklagst Dich in Deinem Kommentar, dass in deutschen Büros gearbeitet werde »wie auf einem sehr langen Kindergeburtstag«: Es fänden zu viele Workshops statt, in denen Roadmaps erarbeitet würden. Zudem herrsche eine »verhunzte Business-Sprache« vor, die das »Hin-und-Her- Schieben von Verantwortung« erleichtere. Sag, Franziska, wie sahen denn Deine Kindergeburtstage aus? Roadmaps zeichnen statt Topfschlagen? Verhunzte Business-Sprache statt »Hoch soll sie leben«? Ist dankbar, damals nicht eingeladen worden zu sein: Titanic Ready for Take-off, Dorothee Bär! »Dorothee Bär würde gern selbst ins All fliegen«, erfahren wir aus dem Spiegel. Da ist doch ein Brief an die Leser drin versteckt! Der Text liegt uns auf der Zunge, aber wir kommen gerade nicht drauf! Irgendwas mit einem Erdtrabanten, zu dessen Ansteuerung wir Sie vielleicht auffordern könnten? Oder auf den man Sie katapultiert? Und die Erde wäre dann ein erträglicherer Ort? Geben Sie uns noch einen Moment, dann fällt uns bestimmt was ein! Sind wirklich Sind wirklich nicht All-wissend: Ihre Mondkälber von Titanic Und Du, Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), klagst in Deiner Rolle als Präsident des Deutschen Städtetages über die klammen Kassen der Kommunen: »So schlecht ging es den deutschen Städten und Gemeinden seit 1945 nie zuvor!« Gratulation, Burkhard! Nie zuvor seit 1945 ist ein Satz auf den letzten Metern beziehungsweise durch die letzten Buchstaben noch so schön verhunzt worden. Anerkennende Grüße von Titanic Überraschend, Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, ist es ja eher nicht, dass Sie auf die Frage, ob eine Frau das Bundespräsidialamt bekleiden sollte, rumeiern: »Ich hätte es ganz gerne und viele andere in Deutschland auch. Aber letztlich kommt es doch nicht aufs Geschlecht an, sondern dass du bereit bist, zu hören und zu geben, und den Eindruck erworben hast, dass das Leben dir einige Sachen beigebracht hat, die du mit anderen teilen möchtest.« Dass Sie jederzeit gewillt sind, den Inhalt Ihres Kopfes mit allen zu teilen, die nicht schnell genug außer Hörweite sind, beweisen Sie praktisch ständig. Aber da Sie nach den anderen von Ihnen genannten Voraussetzungen nie Bundespräsident hätten werden dürfen, hält sich demnächst wieder gerne an die vom Leben beigebrachte Erkenntnis, Ex-Bundespräsidenten einfach zu ignorieren: Titanic Was ist denn bei Dir los, »Spiegel«? Jüngst lautete eine Deiner Überschriften: »Diesen Rubens erwarb einst Hitlers Chefeinkäufer. Heute gehört das Werk dem deutschen Staat. Und damit fangen die Probleme an«. Eine andere: »Ein Heidelberger Konzern verspricht, eines der größten Klimaprobleme beim Bauen einzudämmen. Die Bilanz nach einem Jahr ist mies«. Und, besonders heftig: »›Du bist ein Prachtstück‹ – diese Klavierspielerin soll einen verheirateten Zahnarzt bezirzt haben, um mit gefälschten Kremlvollmachten die ›Russenhäuser‹ in Berlin zu verscherbeln«. Seit wann bestehen Deine Überschriften denn aus ellenlangen Zusammenfassungen, Spiegel? Na ja, Du wirst dafür schon Deine Gründe haben. Aber wir können uns nicht vorstellen, dass es sich lohnt, für die Lektüre ein Abo abzuschließen. Bei der Menge an Titel steht darunter wahrscheinlich bloß »Siehe oben«! Die Redaktion dieses Satiremagazins hat eine deutsche Zeitschrift gelesen. Die Bilanz ist mies. Deshalb hat die Redaktion des Satiremagazins einen Brief an die Zeitschrift geschrieben: Titanic Über Dich und Deinen Timmy, Till Backhaus (SPD), wollen wir eigentlich überhaupt gar nichts mehr lesen. Aber eines müssen wir doch noch anmerken. Nachdem der ins offene Meer verfrachtete Wal nämlich tot vor der dänischen Küste gefunden worden war, erklärtest Du der Presse bedauernd: »Leider hat das Tier seine Chance nicht nutzen können.« Hast Du Dich da nicht etwas im Ton vergriffen? Potentiale ausschöpfen, jeder kann es schaffen, und wer es nicht schafft, der hat leider seine Chancen nicht nutzen können – das mag der für Sozialdemokrat/innen angemessene Tonfall gegenüber uns Menschen sein, aber doch nicht gegenüber einem so erhabenen Wesen wie dem Wal! Bittet um mehr Feingefühl: Titanic Beitragsnavigation Briefe an die Leser | April 2026