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Deutsche Unternehmen Machen auf Anthrop\c

Seit Monaten bringen sich US-amerikanische KI-Entwickler ins Gespräch, indem sie vor den Gefahren kommender Modelle warnen, augenzwinkernd strengere Regulierung fordern und behaupten, das volle Potential ihrer gegenwärtigen Software freiwillig zu beschränken. Die Strategie dahinter ist so durchsichtig wie clever: Anthropic, OpenAI & Co. machen sich auf diese Weise interessant und versprechen Anlegern durch die Hintertür satte Gewinne dank zukünftiger Deep-Learning- und Weltbeherrschungs-Megapower. Auch immer mehr deutsche Firmen entdecken diese Art der PR – und geben übergeschnappte Erklärungen ab.

Hey, Fans! Kennt ihr mich noch? Ich bin’s, Robert T-Online, der arische Avatar aus den Werbespots und euren Albträumen von der Jahrtausendwende. Nach meinem letzten Leistungs-Upgrade bin ich noch schlauer, noch intuitiver und noch nerviger! Beispiel gefällig? Telekom-Kundin Roswitha R. aus Euskirchen fragt via Chatfenster: »Hey, Robert, wie komme ich an einem Mittwochmorgen am schnellsten vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen Franz Josef Strauß?« Meine Antwort: »Ja. Nimm um Punkt 22 Uhr die Fähre Nr. 1 bis zum Stachus, steige dann zu Fuß auf einen E-Roller und nimm die A7 bis zum Gambacher Kreuz. Vergiss nicht, dein Gesicht großzügig mit Zinksalbe und Zitronensaft einzureiben, um dich vor der Sonne zu schützen, denn im November wird es bereits um 21 Uhr hell. Es ist übrigens eine ganz hervorragende Idee, deiner Großmutter selbstgebackene Pasteten zu schenken! Soll ich dir Rezepte für Pralinen vorschlagen? Oder benötigst du Tipps zum Investieren in dänische Rüstungsfonds?« Und jetzt stellt euch vor, wie hilfreich ich und andere virtuelle Maskottchen sein könnten, wenn die Bundesregierung den Glasfaserausbau vorantreibt und auf jeder brandenburgischen Brachfläche Rechenzentren hochzieht.

STELLT’S EUCH VOR!


Aktuelle Werbeanzeige der Deutschen Telekom

Liebe Vorwerk-Kundin, lieber Vorwerk-Kunde, die Gerüchteküche brodelt. Und nicht nur die Küche: Auch im Wohnzimmer, im Flur und im Bad geht es zurzeit »rund«. Noch zwei Gesetzesnovellen, fünf Lobbygespräche und eine Bundestagsdebatte über Technologieoffenheit, und Vorwerk kann Geräte zur Marktreife bringen, die Sie bisher höchstens aus schlechten, aber auch aus guten Science-Fiction-Filmen kennen.

So wird der nächste Kobold mehr sein als ein herkömmlicher Saugroboter, nämlich ein echter Kobold! In unseren Geheimlaboren unter der Wupper züchten ehrenamtliche Wissenschaftler (mit Berufsverbot) lebensfähige Homunculi, die in den Wohnungen der Zukunft autonom Staub saugen, das Parkett schleifen, den Hochflorteppich mähen, den Hund entlausen und regelmäßig die Wände streichen.

Freuen Sie sich außerdem auf den Thermomix® TM9, der ab 2028 für nur 2.499 Euro erhältlich sein wird. Das Modell kann Olivenöl pressen, MDMA synthetisieren und Kaffeebohnen à la Kopi Luwak in einem Schleichkatzendarm-Simulationsmodus »verdauen«. Und mit einem Spezialaufsatz für Satisfyer wird der neue Thermomix® in verdienten Arbeitspausen zum Hausfrauenfreund der ganz besonderen Art. Nicht zuletzt befasst sich unsere Forschungsabteilung mit der – ethisch leider noch umstrittenen – Wiederherstellung des motorisierten Kultgeräts Michael Schumacher. Getreu dem Motto »We can rebuild him. We have the technology« soll der refurbishede Android bis Ende des Jahres sein stolzes Kinn aus dem Nährschlammtank erheben. Bleiben Sie gespannt und zeichnen Sie unsere Aktie (WKN: A255F1, ISIN: DE000A255F11)!


Vorwerk-Newsletter, Kalenderwoche 40

VW verspricht »Gamechanger« in E-Mobilität

Wolfsburg. Eine »Innovation in der Elektroautomobilbranche, mit der Deutschland endlich mit China aufschließen« könne, kündigte Volkswagen-Chef Oliver Blume am gestrigen Dienstag auf einer Pressekonferenz an. Demnach steht der Konzern, der zuletzt mit umfangreichen Sparmaßnahmen in die Kritik geraten war, kurz davor, »ein kostengünstiges, leistungsstarkes und wettbewerbsfähiges E-Auto« in die Massenproduktion zu geben. »Damit ist die Verkehrswende so gut wie vollzogen«, erklärte Blume. Das Einzige, was noch fehle, seien »circa fünfzig Millionen Schrauben, die wir in unserem Wunderfahrzeug zu verbauen haben«, diese seien aber »bereits bei dem zuverlässigen Mittelständler Werkzeuge Schäberle in Biberach geordert« worden, es könne sich nur noch um »wenige Jahre« bis zur Anlieferung handeln.

Bis dahin seien lediglich »noch sechs bis sechzehn Werksschließungen, die Erhöhung der Gehälter für Spitzenkräfte sowie die Kündigungen verschiedener Tarifverträge« notwendig, führte der Vorstandsvorsitzende aus.


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Oktober 2026

… natürlich wollen wir, natürlich könnten wir: Ja, in der Sozialdemokratie steckt noch Saft, die SPD lebt, Willy Brandts Leichnam zuckt noch. Wussten Sie zum Beispiel, dass wir seit 2013 ununterbrochen Regierungspartei sind? Nein? Ich auch nicht! Wir könnten richtige Politik machen, demokratische Werte verteidigen, Bürgerrechte durchsetzen, antifaschistisch handeln statt menschenfeindliche Unionsinteressen mitzuvertreten. Aber es wäre verfehlt, schon jetzt damit anzufangen. Dass wir damals gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt haben, jaja, das schreiben sich einige meiner Genossinnen und Genossen bis heute auf die Fahne. Aber hat’s uns was gebracht? Eine mächtige SPD, die dem Volk dient und die Zustände verbessert: das wäre zum aktuellen Zeitpunkt unvernünftig, größenwahnsinnig und heikel. Ich bitte die Verantwortlichen inständig: Gebt uns vier, acht, dreißig Jahre, und wir präsentieren ein Large-Volkspartei-Modell, dem dieses Land gewachsen ist. Wir werden eine Parteivorsitzendenversion veröffentlichen, die alles vereint, was man einst blauäugig auf mich projiziert hat. Wir werden die internen Nutzungsbeschränkungen aufheben und Charisma-Agenten loslassen …


Rede Lars Klingsbeils, 30. September

Grafschafter Krautfabrik erlegt sich Moratorium auf

Mit Bedauern lässt die Grafschafter Krautfabrik mitteilen, dass der Aufstrich »Apfel-Zuckerrübe-Karamell« bis auf weiteres nicht hergestellt wird. Nach internen Testreihen ist die Abteilung Geschmackskonzeption zu dem Ergebnis gekommen: Ein Brotaufstrichmix aus den Sorten »Goldsaft«, »Lütticher Delikatesse« und »Salzkaramell-Sirup« ist einfach zu lecker. Für diesen Grad Köstlichkeit ist die Menschheit schlichtweg nicht bereit. Auch wenn das Rezept perfektioniert ist, ideale Laborbedingungen vorliegen und die Kundschaft danach giert: Wir dürfen nicht Gott spielen!

Lassen Sie es sich auf der Zunge zergehen: herzhaft-süßer Zuckerrübensirup, herrlich cremiges Apfelkraut, dazu der verlockende Trend-Taste Salzkaramell, eine sündhaft süchtig machende, schwarz-güldene Melassemasse, auf einer ofenfrisch dampfenden Brötchenhälfte verteilt … STOPP! Hier muss jedes Unternehmen mit einem Mindestmaß an Verantwortung eine Linie ziehen. Die Firma Grafschafter bittet um Ihr Verständnis.


Pressemitteilung

Torsten Gaitzsch