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Gsella am Donnerstag

admin

Offenbacher Anthologie (22)

BIBI ÖLGRUND / HOLVAR GOLDSTRØM  
HAWAIIAN SUMMER

 

 

Zehn Milliarden Geld geerbt
Leben rosarot gefärbt
Liebe liegend lebenlassen
Haut mit Haut erregt umfassen
Segeln, Schlafen, Surfen, Poppen
Spielbankhoppen, Edelshoppen
Prassen zwischen Nacht und Licht –
Dir zum Lob, Welt, dies Gedicht!

Ins sozialdemokratische Norwegen der 1970er Jahre schlug es als eine Bombe, deren Druckwellen Jahrzehnte spürbar waren, wenn nicht bis heute sind: das „Manifest der Superreichen“. Sechs junge Autorinnen und Autoren, allesamt Milliardenerben der norwegischen Öl- und Diamant-Oligarchie, wandten sich gegen eine Literatur, die in ihren Augern einseitig gesellschaftskritisch und gefangen war in einem Ton nörgeliger Weltanklage und Unzufriedenheit mit dem Bestehenden. Dagegen setzte die Gruppe ihren in allen Zeitungen des Landes vierseitig geschalteten Aufruf mit dem Titel „Das Leben ist toll – Man muß es nur genießen“. Er fand, wie gesagt, disparate Aufnahme; Respekt sogar bei Gewerkschaftern und Kommunisten verschaffte ihm allerdings, daß im Text die Probe aufs Exempel durchaus gewagt wurde: mit obigem Acht- und einem nicht minder wohlgefügten Vierzeiler des Lyrikerpaares Ölgrund / Goldstrøm: „Nie verzichten, niemals darben / Komplett ausgesorgt zu haben / Geld wie Heu und Glück wie’n Schwein – / Leben kann so herrlich sein.“ Schade, daß das Paar danach nie wieder von sich hören ließ!
PETER SLOTERDIJK

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