Offenbacher Anthologie (19) JEANNE-MARIANNE GASPÈREJeunesse à Reims 2005–2009 05ach helft mir doch in meiner notvor langeweile geh ich tot 06warum zum teufel leb ich hierich sitze hier und langweil mir 07ich wohne in der blödsten Stadtich hab die langeweile satt 08das leben ist ein schwarzes lochund langweilt mich echt immer noch 09für dieses jahr die zeile:ich sterb vor langeweile Weder vor noch, bis heute, nach diesen Versen hat Jeanne-Marianne Gaspère sich lyrisch geäußert, und doch zählen diese lakonisch düsteren, wie in einer Endlosschleife gefangenen Verse zu den meistgelesenen der französischen Literatur: eine Erfolgsgeschichte, die, wie Gaspères Biographien übereinstimmend schreiben, im Sommer 2000 begann. Der 10. Juni war ein stiller, drückend heißer Tag, und wie immer saß die damals dreizehnjährige Gaspère nach der Schule im „Café de la Gare“, trank wie immer schweigend und gelangweilt eine Cola. Um kurz nach 14 Uhr aber sprach sie plötzlich laut und deutlich einen Paarreim, um gleich darauf wieder zu verstummen – bis sie, am 5. August des Folgejahres, den zweiten Vers von sich gab. Die Kellner wurden aufmerksam, Youtube tat das Seine, Verlage verkauften Zigtausende bibliophiler Bände, Haffmans übertrug sie als „Fliegende Blätter“ ins Deutsche, und längst verbringen Lyrikfreunde aus ganz Europa Tage und Wochen im Café, hoffend, diese einzigartige poésie publique im Moment ihrer Geburt zu erhaschen. Welch ein Glück, welch ein Geschenk, wenn es gelingt! FELICITAS VON LOVENBERG Beitragsnavigation Verteidigungsminister: Atom-U-Boot-Kollision nur Spitze des Eisbergs Aufatmen bei Opel!