Ein aufgeweckter Knabe Wie der Papst zehn oder elf Jahre alt gewesen ist, hat er schon gern mit seinen Kameraden „Kirche“ gespielt, und so haben sie sich aus Zeitungspapier Bischofsmützen gebastelt, der Obermayer Franzl hat im Wald einen langen Stecken mit eingedrehtem Ende gefunden, den haben sie als Hirtenstab verwendet, und der Ratzinger Sepp hat natürlich immer nur den Herrn Kardinal gespielt. Aber so lang wie sie auch gespielt haben – es ist nichts Rechts draus worden, irgendwas haben sie falsch gemacht. So sind sie im Kreis herumgesessen und die Köpf haben ihnen geraucht, und erst der Hinterweger Alois ist plötzlich draufgekommen, was gefehlt hat: „Na sicher“, hat er ausgerufen und sich vor die Stirn geschlagen, „es is weger dem Kinderschänden! Das können mir ja praktisch gar net nachspielen, weil mir sind alle miteinander ja sowieso alles Kinder!“ Da haben alle gelacht. Nomen est omen… Für seinen Papstnamen hat sich Joseph Ratzinger schon früh entschieden: So findet sich bereits im Tagebuch des Achtjährigen Für und Wider in Form einer Plus-Minus-Liste. Gegen die Favoriten Innozenz („Plus: Klingt sexy unschuldig“), Johannes („Plus: Wie der Name eines Johannes, so auch sein Johannes“) und Pius („Plus: Klingt wie Plus“) setzt sich am Ende ein doppelt unterstrichenes „Benedikt!!!“ durch. Als Ratzinger dann am 19. April 2005 endlich zum Papst gewählt wurde, mußte er nicht lange überlegen, zählte die bisherigen Benedikts fix durch und war die Nr. 16. Beitragsnavigation Geschichten vom Papst (II) Realität noch einmal gepatcht