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Gärtners kritisches Weihnachtsfrühstück: Die heilige Familie

admin

Das will ich mir jetzt aus Barmherzigkeit verkneifen, die Bahn mal wieder zur Rede zu stellen dafür, Dutzende Milliarden in technophilen Entscheider-Träumen zu versenken, damit es sich noch energischer kreativen Zeitarbeitsplätzen hinterherrasen läßt, während unser Intercity von D. nach H. schon mit einem Wagen weniger einfuhr und nur glückliches Geschick verhinderte, daß es der Wagen war, für den unsere Reservierung galt. (Es gibt ja Leute, die die gegenwärtigen Verhältnisse für Krieg halten. Immerhin die Flüchtlingszüge haben wir schon; oder jedenfalls manchmal.) Hinter Kassel stand dann plötzlich diese junge deutsche Familie im Abteil, die wegen der üblichen Anschlußzugsprobleme und eines Ausweich-ICE, der unseren Zug überholt hatte, ihre Plätze erst zwei Stunden später in Anspruch nehmen konnte (und auch mußte), und das Erstaunliche war, daß die Herrschaften, die auf diesen Plätzen saßen, die Plätze sogar ohne Murren, ja geradezu verständnisvoll hergaben; wenn schon sonst nichts, macht doch die Bahn als Schicksalsgemeinschaft die Leute freundlich, wenigstens manchmal und untereinander.

Also diese Familie, zwei frühe Dreißiger, zwei Kinder, vielleicht drei und eineinhalb, und wir hatten uns nie gesehen und haben bloß zwei freundliche Sätze miteinander gewechselt; und trotzdem erkannte ich sie: weil es nämlich exakt die Familie war, die gemeint ist, wenn die Mittelschicht von der Mittelschicht spricht.

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