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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Erfolg

Es gibt ja keine dummen Fragen, sondern bloß dumme Antworten, aber auch hier hat die Regel ihre Ausnahme: „Wie wichtig ist die Kindheit für das Leben?“ will „SZ Familie“ wissen, und da ist natürlich alles drin: Entweder ist die Kindheit so wichtig für das Leben wie das Frühstück für den Tag, dann kann man den Nachwuchs auch weiterhin in den Arm nehmen und ihm die Arbeit in der Coltanmine ausreden. Oder Heimito von Doderer hat unrecht: „Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer“, und „ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter“, dann braucht es aber auch keine Studien zu „DDR-spezifischen Konstellationen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“, die grosso modo nichts anderes ergeben, als was Studien zur Gewalt gegen Heimkinder West ergeben haben, abgesehen freilich davon, dass „die Situation für Kinder, die zu Hause Missbrauch erlebten“, sogar besonders „ausweglos“ war, weil es „nach außen nach heiler sozialistischer Familie (habe) aussehen müssen“, wie meine neue beste Freundin H. Roßbach nur zu gern rapportiert. Im Westen dagegen war die heile kapitalistische Familie bekanntlich längst von allen als Trug und Zwangsanstalt durchschaut und nahmen Mütter die missbrauchenden Väter schon aus Prinzip und wirtschaftlicher Unabhängigkeit nicht in Schutz; und wurde Kindsmissbrauch nur dann beschwiegen, wenn die Opfer die Kinderfreunde von Michael Jackson waren. (Im übrigen war die Scheidungsrate in der DDR viel höher als im Westen; soviel zur heilen sozialistischen Familie.) 

Die dumme Frage erhält aber ihren guten Sinn, wenn wir bei der Frankfurter Konkurrenz vorbeischauen und die Bezahlschranke uns gottlob einen Artikel über Helikopter-Eltern vom Hals hält, die, gegen das Klischee, „vieles richtig“ machten, denn „laut einer Studie machen Eltern, die sich intensiv um ihre Kinder kümmern, diese im späteren Leben erfolgreicher. Müssen wir unsere Kleinen mehr coachen?“

„Der Artikel wurde erfolgreich in den Warenkorb gelegt.“ Verkaufsdeutsch, Internet, 2019 (und früher)

Unbedingt, denn Kindheit wird zweifellos wichtig, wo sich ihr Erfolg am Erfolg bemisst, und wer sich heute nicht dafür schämt, seine Kleinen zu coachen, wird später, wenn sie Chefärzte, Geigenvirtuosen, Kindheitsforscherinnen oder Qualitätsjournalistinnen geworden sind, die nach dem Motto „Mein Name ist Phrase, ich weiß von nichts“ ständig „nach dem Motto“ sagen („Das Stigma Heimkind habe an ihnen gehaftet. Nach dem Motto: ,Die lügen sowieso’“), im Bewusstsein diese schöne Welt verlassen, den Nachwuchs gut aufgestellt und topfit gemacht zu haben. Wie sich auch eine Karriere als Fußballmillionario längst nicht mehr irgendwelchen Dorfbolzplätzen (= einer Freiheit) verdankt, sondern Sportinternaten als Teil eines „Drill- und Züchtungsapparates“ (Jürgen Roth), zu dem naturgemäß der „eklatante Mangel an Erfahrungen“ außerhalb seiner selbst gehört. Ein Mangel, der im sich abschließenden und verrammelnden Bürgertum zur Tugend wird.

Das, und nichts anderes, ist coachen, und wer coacht, will, dass sein Kind gewinnt. (Ruhig mal jemand fragen, der ein Kind auf einer Schule für die höheren Stände hat, wie der letzte Elternabend gewesen ist.) Nun kann man finden, dass man da in unserer schönen Leistungsgesellschaft keine Wahl hat; aber wer über die Bezahlschranke einer Zeitung für Gutverdiener hüpfen kann, hätte soviel Wahl allemal, dem „Sinn für das Defizitäre, das Unbesonnene, das Unpraktische“ (Gunnar Homann) ein Türchen offenzuhalten, wär’n sie nicht alle durchs Dauerfeuer der Agenturen so rettungslos blödkartätscht, dass die Nachricht, wie singulär der Sozialismus seine Kinder missbraucht hat, nur das bestätigt, was sie immer schon wussten:

nichts.




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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ihnen, Steve Jobs,

Ihnen, Steve Jobs,

wird es wahrscheinlich egal sein, aber wir wollten Sie dennoch informieren, dass Ihr Vermächtnis auf Erden recht vielgestaltig ausgefallen ist. So lasen wir bei stern.de: »Alte Schlappen für über 20 000 US-Dollar: Birkenstock-Sandalen von Steve Jobs stehen zum Verkauf.«

Dieser Reliquienhandel ist übrigens ein wahres Geschäftsmodell geworden: »Die Schuhe sind nur ein kleiner Teil von Jobs’ mehr oder weniger freiwilligem Nachlass. Seine Angestellten leerten die Mülltonnen offenbar mehrfach gründlich. Die Beute habe man mit den Gärtnern, Freunden oder Second-Hand-Geschäften geteilt.« Sollte es nun bald an Ihren Sargdeckel klopfen, Jobs, dann wissen Sie: Da braucht wer Nachschub. Aber als Ex-CEO kennen Sie sich ja aus mit der dubiosen Beschaffung von Ressourcen!

Grüße ins ewige Business von Titanic

 Wie wenig, »Spiegel«,

muss man eigentlich tun, um von Dir als nicht rechts entlastet zu werden? Liest man Deine Reportage über die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori, wohl sehr wenig. Denn dort schreibst Du, Cademartori sei »keine Rechte. Sie steht für eine diverse Gesellschaft, wenn bei Veranstaltungen Altherrenwitze gerissen werden, rollt sie mit den Augen.« Oha, mit den Augen rollt sie, na dann. Lass uns raten: Wer Zunge schnalzend an einem brennenden Flüchtlingsheim vorbeiläuft, ist kein Nazi, und wer »pfft« macht während einer AfD-Kundgebung, kein Faschist?

Presst entschieden die Lippen aufeinander: Titanic

 Hmmm, Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter,

zu Ihrer Rolle bei der Vergabe der Männerfußball-WM an Katar sagen Sie heute: »Die Leute stellen sich Einflussnahme immer wie in Gangsterfilmen vor – mit Koffern voller Geld, die an einem geheimen Ort übergeben werden. So war das aber nicht.« Ach: So war das nicht – na dann! Eine Frage, Blatter: Wie sehr mussten Sie sich konzentrieren, um nicht versehentlich die Beschaffenheit der besagten Geldkoffer und den Übergabeort zu beschreiben?

Fragen sich

Ihre Detektiv/innen von Titanic

 Vorbildlich, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir,

finden wir ja Ihren Vorstoß, Containern zu legalisieren. Wir hoffen allerdings doch sehr, dass dies nicht schon die von Ihnen als »Deutschlanddiät« angekündigte Kampagne für bezahlbares Essen ist?

Muss auch so genug Müll schlucken: Titanic

 Eine Frage, Dating-App Bumble …

Welchen Sinn hat es, dass Du in einer Werbung eine Nutzerin Deines Dienstes wahnsinnig davon beeindruckt zeigst, dass ein Lukas laut eigenen Angaben »Abenteuer und Kaffee« liebt? Was möchtest Du uns damit vermitteln, dass sie ihn sofort anschreibt und ein Treffen vorschlägt? Willst Du uns unbedingt den langweiligsten Typen andrehen, den es auf Deiner Plattform gibt? Oder ist das – bedenkt man die begeisterte Reaktion der Frau – etwa noch der interessanteste, den du zu bieten hast?

Sind vor der Antwort trotz Kaffee eingeschlafen:

Deine anspruchsvollen Großstadtsingles von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Konsequent

Wer Ananas sagt, muss auch Abnabnabs sagen!

Daniel Sibbe

 Taktik für 8

Besuch bei Tante und Onkel, beide sehr betagt. Beim Scrabblespiel liegen sie zu Beginn etwas zurück, es fallen ihnen nur kurze Worte wie »EIN« ein. Nach dem abgeschmetterten Versuch, den schon daliegenden Artikel »DER« in das zusammenhängende Wort »DERRABE« zu verwandeln, bekommt das Spiel eine Wendung: Die Senioren entdecken den S-Buchstaben und den Genitiv für sich und heimsen viele Punkte ein mit »MOPSES«, »STRUMPFLOCHS«, »RATTENZAHNS«, alles ist wieder offen …

Miriam Wurster

 Täter-Opfer-Umkehr

Nächte im Krankenhaus sind nie besonders schön. Diesmal aber war es der reine Horror. Mein hochmodernes Bett ließ sich nicht um einen Millimeter verstellen, egal, wie oft und wie verzweifelt ich immer wieder auf die Tasten der Fernbedienung drückte. Und die Tatsache, dass alle paar Minuten eine arme Seele im Nebenzimmer vor Schmerzen laut schrie und jammerte, machte die Situation nicht besser. Am nächsten Morgen klärte mich das Pflegepersonal darüber auf, dass ich nicht zu dumm zum Drücken einer Taste sei, sondern dass es sich einfach um die falsche Fernbedienung gehandelt habe, nämlich um die eines anderen Bettes! Jetzt finde ich: Auch wenn man frisch operiert die ganze Nacht komplett ferngesteuert in seinem Bett hin- und her- und hoch- und runtergefahren wird, ist das noch lange kein Grund, so zu schreien, dass die anderen Patienten nicht schlafen können.

Martina Werner

 Lasst mich in Ruhe!

Sollten jemals Zeitreisen möglich sein, müsste man fast Mitleid mit dem jungen Hitler haben. Ohne etwas getan zu haben, würde er in ständiger Angst leben, weil andauernd Fremde versuchten, ihn umzubringen.

Karl Franz

 Waldbaderegel Nr. 1

Nicht vom Waldrand springen!

Tom Breitenfeldt

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 10.01.: "Der Teufel vom Dachboden" – Eine persönliche Pardon-Geschichte in der Jungen Welt von Christian Y. Schmidt.
  • 13.12.:

    Anlässlich des 85. Geburtstages Robert Gernhardts erinnert Christian Y. Schmidt in der Jungen Welt an den Satiriker und Vermieter.

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

Titanic unterwegs
05.02.2023 Berlin, Kino International Max Goldt
05.02.2023 Berlin, Babylon:Mitte Martin Sonneborn
05.02.2023 Hamburg, Schmidtchen Ella Carina Werner
07.02.2023 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Backlash-Lesung