Inhalt der Printausgabe

August 2002


Zweiter und letzter Teil der großen Geheimdienst-Serie in dieser Zeitschrift
Bitte nicht lesen: Geheim!
(Seite 5 von 9)

Abteilung III!
Das operative Kerngeschäft der Agenten wird allerdings in Abteilung III gesteuert. "Human Intelligence" - das steht für klassische Spionage, für Observation, Einbruch mit Todesfolge und ausgedehnte Reisen in ferne Länder. In der Einsatzzentrale werden die entscheidenden Befehle zur Infiltration internationaler Organisationen wie UNO, FIFA oder FILA erteilt, die Eliminierung unliebsamer afrikanischer Politiker angeordnet und immer wieder überhöhte Spesenrechnungen moniert. Nebenan im Schulungszentrum lernen daheimgebliebene Agenten ständig neue Mittel der Geheimdienstarbeit kennen: Wie man z.B. eine Zitrone unter Einsatz eines GPS-Gerätes zerteilt, mit Waffengewalt alles aus den Hälften herauspreßt, mit dem Saft geheime Botschaften auf Papier schreibt - und wie man diese mit Hilfe einer durch ein Taschenmesser, ein Stück Schnur und eine verspiegelte Sonnenbrille entfachten Kerze wieder sichtbar macht. Solche Tricks der Geheimhaltungsstufe dunkelrot werden beim BND allerdings nur unter der Hand weitergegeben, nur an verdiente, absolut vertrauenswürdige Mitarbeiter und oft genug erst nach langwierigen Verhören und Kitzelattacken des Informanten.
Die besten Männer bekommen jedoch nicht immer die angenehmsten Aufgaben: Eher unbeliebt sind die Trainingsstunden in der Klimakammer, die im Geheimdienstjargon gern "handelsübliche Tiefkühltruhe" genannt wird. Die Spione, die in diesem Sommer aus der Kälte kommen, werden in Sibirien eine gefährliche Mission erledigen: Tote Briefkästen aus der Zeit des Kalten Krieges sollen endlich ein Staatsbegräbnis bekommen und flächendeckend durch tote Telefonzellen ersetzt werden. Bis zu einem solchen Auftrag ist es jedoch ein langer Weg. Nur wer stundenlang am Tresen sitzen kann, ohne ein einziges Bier bestellen zu müssen, wer beim Tanztee nichts anderes aufreißt als ein weiteres Päckchen Zigaretten und überdies sagen kann, daß selbst sein Zwillingsbruder sich für ein Einzelkind hält, wird für tauglich befunden, konspirative Vier-Augen-Gespräche in der Damenumkleide des Mossad zu übernehmen.

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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Lustiger Zufall, »Tagesspiegel«!

»Bett, Bücher, Bargeld – wie es in der Kreuzberger Wohnung von Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette aussah«. Mit dieser Schlagzeile überschreibst Du Deine Homestory aus Berlin. Ha, exakt so sieht es in unseren Wohnungen auch aus! Komm doch gern mal vorbei und schreib drüber. Aber bitte nicht vorher die Polizei vorbeischicken!

Dankend: Titanic

 Grunz, Pigcasso,

malendes Schwein aus Südafrika! Du warst die erfolgreichste nicht-menschliche Künstlerin der Welt, nun bist Du verendet. Aber tröste Dich: Aus Dir wird neue Kunst entstehen. Oder was glaubst Du, was mit Deinen Borsten geschieht?

Grüße auch an Francis Bacon: Titanic

 Sie, Victoria Beckham,

Sie, Victoria Beckham,

behaupteten in der Netflix-Doku »Beckham«, Sie seien »working class« aufgewachsen. Auf die Frage Ihres Ehemanns, mit welchem Auto Sie zur Schule gefahren worden seien, gaben Sie nach einigem Herumdrucksen zu, es habe sich um einen Rolls-Royce gehandelt. Nun verkaufen Sie T-Shirts mit dem Aufdruck »My Dad had a Rolls-Royce« für um die 130 Euro und werden für Ihre Selbstironie gelobt. Wir persönlich fänden es sogar noch mutiger und erfrischender, wenn Sie augenzwinkernd Shirts mit der Aufschrift »My Husband was the Ambassador for the World Cup in Qatar« anbieten würden, um den Kritiker/innen so richtig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In der Selbstkritik ausschließlich ironisch: Titanic

 Wussten wir’s doch, »Heute-Journal«!

Deinen Bericht über die Ausstellung »Kunst und Fälschung« im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg beendetest Du so: »Es gibt keine perfekte Fälschung. Die hängen weiterhin als Originale in den Museen.«

Haben Originale auch schon immer für die besseren Fälschungen gehalten:

Deine Kunsthistoriker/innen von der Titanic

 Mmmmh, Thomas de Maizière,

Mmmmh, Thomas de Maizière,

über den Beschluss der CDU vom Dezember 2018, nicht mit der Linkspartei oder der AfD zusammenzuarbeiten, an dem Sie selbst mitgewirkt hatten, sagten Sie bei Caren Miosga: »Mit einem Abgrenzungsbeschluss gegen zwei Parteien ist keine Gleichsetzung verbunden! Wenn ich Eisbein nicht mag und Kohlroulade nicht mag, dann sind doch nicht Eisbein und Kohlroulade dasselbe!«

Danke für diese Veranschaulichung, de Maizière, ohne die wir die vorausgegangene Aussage sicher nicht verstanden hätten! Aber wenn Sie schon Parteien mit Essen vergleichen, welches der beiden deutschen Traditionsgerichte ist dann die AfD und welches die Linke? Sollte Letztere nicht eher – zumindest in den urbanen Zentren – ein Sellerieschnitzel oder eine »Beyond Kohlroulade«-Kohlroulade sein? Und wenn das die Alternative zu einem deftigen Eisbein ist – was speist man bei Ihnen in der vermeintlichen Mitte dann wohl lieber?

Guten Appo!

Wünscht Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Überraschung

Avocados sind auch nur Ü-Eier für Erwachsene.

Loreen Bauer

 Tiefenpsychologischer Trick

Wenn man bei einem psychologischen Test ein Bild voller Tintenkleckse gezeigt bekommt, und dann die Frage »Was sehen Sie hier?« gestellt wird und man antwortet »einen Rorschachtest«, dann, und nur dann darf man Psychoanalytiker werden.

Jürgen Miedl

 Neulich

erwartete ich in der Zeit unter dem Titel »Glückwunsch, Braunlage!« eigentlich eine Ode auf den beschaulichen Luftkurort im Oberharz. Die kam aber nicht. Kein Wunder, wenn die Überschrift des Artikels eigentlich »Glückwunsch, Braunalge!« lautet!

Axel Schwacke

 Bilden Sie mal einen Satz mit Distanz

Der Stuntman soll vom Burgfried springen,
im Nahkampf drohen scharfe Klingen.
Da sagt er mutig: Jetzt mal ehrlich –
ich find Distanz viel zu gefährlich!

Patrick Fischer

 Teigiger Selfcaretipp

Wenn du etwas wirklich liebst, lass es gehen. Zum Beispiel dich selbst.

Sebastian Maschuw

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.04.2024 Berlin, Heimathafen Neukölln Max Goldt
18.04.2024 Hamburg, Centralkomitee Ella Carina Werner
19.04.2024 Wuppertal, Börse Hauck & Bauer
20.04.2024 Eberswalde, Märchenvilla Max Goldt