Der zweite Bahnhof (1. Teil) Ein in der älteren Eisenbahn-Literatur häufig vorkommendes Motiv ist der „Zweite Bahnhof“. Darunter versteht man ein mit einer regulären Bahnstation zwar namensgleiches, äußerlich jedoch stark von dieser abweichendes Gebäude an einer anderen, oft unsinnigen Stelle in der Nähe des Originals. Dieses Motiv tritt vorwiegend in Träumen von Menschen auf, die über lange Zeit hinweg täglich mit der Eisenbahn zur Schule oder Arbeit und zurück fahren. Seltener sind Berichte über im Wachleben (in der sogenannten Realität) gemachte Erfahrungen mit diesem Phänomen. Mir selbst ist es in jungen Jahren einmal begegnet.Als ich an einem frühen Nachmittag von der Schule heimfuhr, bog der Nahverkehrszug kurz vor meinem Reiseziel überraschend nach links ab, anstatt geradeaus weiterzufahren. Er hielt dann etwa zweihundert Meter von der eigentlichen Station entfernt an einer gänzlich anders aussehenden, die trotzdem den gewohnten Namen trug. Entsprechend verunsichert stieg ich aus. Weil aber die Gegend, abgesehen von der unmittelbaren Umgebung des Bahnhofs, größtenteils vertraut wirkte, hatte ich keine Schwierigkeiten mit der Orientierung. Bald erreichte ich die Straße, in der ich mit meinen Eltern wohnte. Unser Haus war allerdings nicht mehr das altbekannte. In Bauweise und Größe unterschied es sich gewaltig von dem vormaligen. Auch meine Eltern waren ganz andere, mir gänzlich fremde Leute. Nichtsdestoweniger sahen sie in mir ganz selbstverständlich ihren Sohn. Das brachte mich auf den Gedanken, ich selbst könne mich ebenfalls äußerlich verändert haben. Im Garderobespiegel fand ich dafür aber keinen Beweis. (Fortsetzung folgt) Beitragsnavigation Mehr Autobahnen gegen Waldbrände!