Titanic
»Comedy ist ein brutaler Sport, der die Wahrheit misshandelt und die Logik verdreht. In Amerika werden Leute Komiker, weil es bei uns keinen Stierkampf gibt.«Elayne Boosler
Regelrecht glückselig machte mich die Serie »Pluribus« aus der Feder von »Breaking Bad«-Schöpfer Vince Gilligan. Ein geheimnisvolles Virus verwandelt darin die Erdbevölkerung in eine Herde dauergrinsender und allzeit freundlicher Menschenhüllen, die in einer Art Kollektivbewusstsein miteinander verbunden sind. Nur Carol Sturka, eigentlich Autorin von Schundromanen, ist aus unerklärlichen Gründen nicht darin aufgegangen. Und bis die Herde herausgefunden hat, wie Carol gegen ihren Willen zu einer von ihnen gemacht werden kann, erweisen sich alle um sie herum als so hilfsbereit und zuvorkommend wie möglich, was Carols Aversion der entindividualisierten Menge gegenüber nicht mindert. Neben großartigen Grusel- und Horrorszenen ist in all dem immer auch schon der Witz angelegt, den die logline der Serie mit den Worten zusammenfasst: »The most miserable person on Earth must save the world from happiness.«
Die Menschen, austauschbar und steuerbar vom Kollektivbewusstsein, wirken hier einerseits unheimlich, sorgen aber, andererseits, immer auch für komische Momente. Etwa wenn Carol, die sich an all das erst gewöhnen muss, erfährt, dass ein Flugzeug gerade von einem Kind geflogen wird. Oder wenn der DHL-Mann, noch in rot-gelber Arbeitskluft, im Krankenhaus aus dem OP-Saal kommt und, ganz selbstverständlich chirurgisch bewandert, über den Status eines Patienten informiert.
Eine Pointe ganz anderer Art ist es, dass auch Spitzenserienkunst wie diese nicht von der Eindeutschung verschont bleiben darf und mit dem Ergänzungstitel »Glück ist ansteckend« versehen werden muss; der einen aber nicht davon abhalten sollte, sein Glück mit der Serie zu versuchen.