Vom Fachmann für Kenner | Juni 2008


Geschichte heute

Morgens in der Münchener U-Bahn. ­Eine etwa sechzehnjährige Schülerin zu ihrem etwa zwanzigjährigen Bekannten: »Mist, wir schreiben heute ’ne Arbeit in Geschichte, Drittes Reich und so. Was könnte denn da abgefragt werden?«
Er: »Sicherlich kommt ’ne Frage zur Endlösung.«
Sie: »Wie?«
Er: »Die Judenvernichtung.«
Sie: »Ach so. Und dann muß ich schreiben, daß das nicht okay war?«
Er: »Nee, ich würde die einzigartige Systematik und das Ausmaß der Vernichtung erklären.«
Sie: »Ich sag ja: daß das nicht so okay war.«

Tobias Jelen

Anmerkung zu einem feministischen Theorem

Wenn Krawatten tatsächlich Phallussymbole wären, würde man sie bestimmt nicht verknoten.

Andrea Maisy

Sündhaft

Die Referentin des Seminars zum Thema »Zeitmanagement bei Abschlußarbeiten« erklärte, man solle sich nach getanem Tagwerk mit etwas belohnen, das man gerne mag. Daraufhin meldete sich eine Teilnehmerin, die sich als Studentin der katholischen Theologie vorstellte und im nächsten Atemzug folgende durchaus ernstgemeinte Frage stellte: »Darf ich mich denn auch bestrafen, wenn ich einmal nichts für die Uni gemacht habe?«

Valeska Schuh

Der, die, das

Als gesicherte Erkenntnis können wir ­soziolektübergreifend gelten lassen, daß das Wort »Bong« in allen drei grammatischen Genera verwandt werden kann. Es erscheint plausibel anzunehmen, daß dieses nur als kreative Ambiguität charakterisierbare Phänomen der flexiblen Zuordnung des grammatischen Geschlechts ­primär auf die psychischen Zustände beim Gebrauch besagten Gerätes zurückzu­führen ist. Wenn sich diese – in weiteren psycholinguistischen Untersuchungen zu prüfende – These als empirisch fundiert herausstellen sollte, müßte man sagen, »Bong« sei – in Anlehnung an den Begriff »lautmalerisch« – (grammatisch) ein ­geschlechtsmalerisches Wort und somit unzweifelhaft der wichtigste bislang bekannte Vertreter der Klasse der Grammati­kopoetika, die ich gestern abend beim, na, Sie wissen schon, erfunden habe.

Kai Becker

Darüber reden

Wichtig beim Sex ist auch, daß man hinterher darüber redet, daß man z.B. sagt: »Mama, die kann das einfach nicht.«

Christoph Span

Freier Wille

Zu der großen Frage, ob es einen freien Willen bzw. ein Bewußtsein gibt, habe ich seit längerem folgendes selbstausgedachtes Argument: Wenn ich eine Maschine wäre – warum sollte ich dann keine sein wollen? Folglich kann ich keine sein. Nun habe ich gemerkt, daß empirische Evidenz für mein Argument quasi überall auf der Straße liegt und in den Kneipen hängt: Man beobachte mal, wie Spiel-, Kaugummi- und andere Automaten malträtiert werden. An deren Stelle würde ich auch lieber bewußtlose Maschine bleiben.

Michael Höfler

Der Ton macht die Musik

Ein Freund von mir, ein sehr begabter Pianist, lebt seit einiger Zeit in den USA und begleitet dort verschiedene Aufführungen. Bei einer der ersten Vorstellungen begrüßte er den Fagottspieler mit einem freundlichen: »Ah, there is the Fagott!« Daß er das Wort hierbei englisch aussprach, war seiner späteren Ansicht nach der Grund dafür, daß er in dem Orchester keine Freunde mehr fand.

Frank Scheller

Namensschöpfung

Genesis heißt bekanntlich nicht nur die Schöpfungsgeschichte der Bibel, sondern auch eine englische Rockpopband. Aktu­elle Fotos der Musiker werfen allerdings die Frage auf, wer sich nach wem benannt hat. 

Thorsten Mausehund

Noch mal von vorne

Wenn der Mitbewohner mit dem Telefon am Ohr entnervt durch die Wohnung ­tigert und in gewissen Zeitabständen überdeutlich Schlüsselwörter wie »Service!« oder »Konto!« in den Hörer brüllt, so setzt er sich höchstwahrscheinlich gerade mit dem Tele­fon­computer eines größeren Dienstleistungsunternehmens auseinander. Wenn man dann im Vorbeigehen ein klar vernehmbares »Hauptmenü!« dazwischenschreit, ist einem zwar ein Schlag in die Magengrube oder die Weichteile gewiß; Spaß macht es aber trotzdem.

Josef Brinkmann

Mein Sommerdrink des Jahres

Zwei Drittel Cola Zero, ein Drittel Cola light, Eiswürfel dazu – fertig!

Mark-Stefan Tietze

Brett vorm Kopf

Als ich neulich bei der Morgenlektüre die recht konventionelle Anzeige las, die ein benachbarter Kneipen-DJ anläßlich der Geburt seines Sohnes in der Lokal­presse geschaltet hatte, nahm es mich wunder, wie sehr mich diese Allerweltsbotschaft bewegte. Eine diesbezüglich zu Rate gezogene Freundin erklärte mir, meine Ergriffenheit sei nichts ­Ungewöhnliches und habe ihre Ursache wahrscheinlich einzig in der Tatsache, daß meine Frau die Mutter des Kindes ist. Hätte ich auch selber drauf kommen können.

Klaus Weidenbrücher

Ein Fall für PETA!

Wie viele niedliche, kleine Schlümpfe müssen eigentlich für eine Kugel Schlumpf-Eis ihr Leben lassen?

Nico Walser

Cuisine-Tip

Wenn Sie die Qualität des Öls testen möchten, welches Ihnen in Restaurants mit medi­terraner Küche zum individuellen Verfeinern von Salaten zur Verfügung ­gestellt wird, empfiehlt sich eine einfache Methode: Lassen Sie einen Tropfen des Öls unauffällig auf eines Ihrer Kleidungsstücke fallen. Verschwindet der ­dadurch entstandene Fleck nach kurzer Zeit, ist das Öl verwässert. Wenn nicht, handelt es sich um Qualitätsware. Für diesen Test übrigens besonders geeignet: Seiden- oder Leinenhosen und vor allem Cashmere-Pullis von Armani.

Tim Wolff

Aufmerksamer Typ

Frauen haben, so ist mir aufgefallen, von wenigen Ausnahmen wie Strumpfmo­dels und Transen mal abgesehen, meist un­faß­bar, skurril, ja, zum Kichern kurze Beine. Echt! Da ich aber nicht glaube, daß dies in die Kategorie von Aufmerksamkeit fällt, auf die die Girls abfahren, behalte ich das mal lieber für mich.

Jan Böhmermann

Richtigstellung

Um mit einem weitverbreiteten medizinischen Irrtum aufzuräumen, der sich in den allgemeinen Sprachgebrauch derart eingeschlichen hat, daß so manchem Psychiater der Haarkranz zu Berge ­stehen dürfte: Menschen mit mehreren Persönlichkeiten als »schizophren« zu bezeichnen, ist schlichtweg falsch. Die korrekte diagnostische Bezeichnung hierfür ist vielmehr »multiple Persönlichkeitsstörung« beziehungsweise »dissoziative Identi­tätsstörung«. Mit Schizophrenie hat das nichts zu tun! Das wollten wir mal gesagt ­haben!

Moritz Veltmann & Co.

An den Verlesern sollt ihr sie erkennen

Hinterm Wiener Stephansdom firmiert der Schmuckhändler Frey Wille. Daß ich beim Lesen dieses Namens jedesmal in Richtung »Freier Wille« assoziiere, ­meine Freundin eher in Richtung »Free Willy«, sagt über die Verteilung des ­Intellekts in unserer Partnerschaft gar nichts aus; ich bin nur einfach der ­größere Angeber.

Michael Ziegelwagner

Umweltfreundlich

Wenn mein beruflicher und gesellschaftlicher Aufstieg weiterhin so rasant fortschreitet, wähle ich beim nächsten Autokauf ein Modell mit Hybrisantrieb.

Hendrik Wieduwilt

Ratgeber

Nachdem mein Versuch, die aktuelle Beziehung mit erotischen Inhalten aus dem World Wide Web etwas aufzupeppen, recht kläglich gescheitert war, war ich einige Zeit ratlos, bis ich in einem Warte­zimmer in einer Frauenzeitschrift den ­Hinweis las, daß es auf die ­meisten Frauen wie ein Aphro­disiakum wirke, wenn sich ihre Männer an der Hausarbeit betei­ligten. Flugs nutzte ich eine Abwesen­heit meiner Liebsten, um die ganze Wohnung auf Hochglanz zu ­bringen. Ihre Reaktion beim Nachhausekommen entsprach dann allerdings mit »Putzen deine Internet­schlampen jetzt schon für dich?« nicht ganz meinen Hoffnungen.

Helge Möhn

Paradigmenwechsel

Früher: »Nee nee, das ist kein Holz, das ist Laminat.« – »Echt? Sieht ja voll aus wie Holz!«
Heute: »Verdammt, nein! Das ist kein Laminat, das ist Echtholz!« – »Echt? Hab ich für Laminat gehalten. Weil: sieht so voll aus wie Holz.«

Volker Surmann

Heimliches Laster

Ein guter Freund erzählte mir, einige Wochen keinen Alkohol zu ­trinken, sei eine feine Sache: kein Kater mehr, die Leber könne sich erholen, auch sonst fühle er sich besser. Einen Haken gebe es aller­dings, denn mittlerweile wisse aufgrund der gängigen Alkoholsucht-Tests jeder, daß es ein typisches Trinkerkennzeichen sei, über einen längeren Zeitraum überhaupt keinen Alkohol zu trinken. Während er also sonst gewohnt sei, seinen Alko­holkonsum herunterzuspielen, sehe er sich plötzlich mit einer neuen Situation konfrontiert: die Abstinenz zu verheimlichen.

Friedrich Krautzberger

Geduld, bitte

Angesichts ihrer hervorragenden ­Plagiate elektronischer Geräte würde es mich nicht wundern, wenn die Chinesen in zehn Jahren eine Demokratie hätten, die genauso aussieht wie unsere, dabei aber besser funktioniert und nur die Hälfte kostet.

Björn Högsdal

Störung

Das Geräusch kam irgendwo aus dem vorderen Teil meines Wagens. Es klang, als ob jemand mit einem Strohhalm rhythmisch die letzten Tropfen aus einem Glas saugen würde. Beunruhigenderweise ­steigerte sich die Lautstärke, und hinzu gesellte sich ein Schleifton, der immer ­schriller und irrer wurde. Mit Warn­blinker fuhr ich im Schrittempo zur nächsten Halte­möglichkeit und stellte den Motor ab. Der Lärm blieb. Im lokalen »Freien Sender Kombinat« lief eine Industrial-Sendung. Ich fuhr erleichtert nach Hause, die Sendung wurde dann noch ganz gut.

Tina Schneider

Erziehungstip Nr. 232

Als die zweijährige Tochter sich ­weigerte, woanders als im elterlichen Bett zu schlafen, erklärten wir ihr, wie traurig doch Fred, ihr Riesenteddy, wäre, wenn sie nicht bei ihm schliefe. Dieses Argument überzeugte sie sofort. Seither schläft nicht nur die Tochter mit Fred, dem Riesen­teddy, im Ehebett, sondern natürlich auch Bibi, der Plüschaffe, und Anna, die ­Puppe, und man kann der Kleinen jeden Abend erklären, daß zumindest ihr Kran Kai, den sie immer wieder mit großen, tränenfeuchten Augen hinter sich her ins Schlaf­zimmer zieht, gar keine Gefühle hat und ­deshalb nicht traurig sein kann, wenn er als einziger ohne sie im Kinderzimmer schläft.

Thomas Winkler

Auf dem Flohmarkt

Die Schlange am Würstchenstand ist schon recht lang, als sich ein Punk mit einer ­riesigen Regenbogenfahne anstellt. ­Etwas geringschätzig, aber doch interessiert ­mustert ihn die ebenfalls wartende ­ältere Dame: »Junger Mann, darf ich fragen, wer gewonnen hat?«

Marcel Vega

 

Ratgeber Schmerz

Wer wie ich das Problem hat, sich bei ­unangenehmen Zahnarztbesuchen auf nichts anderes als die zu erwartende Pein konzentrieren zu können, dem lege ich folgenden Geheimtip ans Herz: einfach auf dem Weg zur Praxis ein parkendes Auto streifen, Fahrerflucht begehen und dann im Zahnarztstuhl völlig verängstigt bangen, ob sie einen wohl erwischen ­werden.

Christian Martin

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Michael Haberland, Organisator des Münchener Oktoberfests,

im Spiegel beschrieben Sie, wie man sich die digital stattfindende Wiesn vorzustellen hatte: »Alle Teilnehmer bekommen eine Wiesn-Box und einen Zoom-Link. Dann geht’s los. A Guadn!« Und weiter? »Sie klicken auf den Link zur verabredeten Uhrzeit, und dann stoßen wir gemeinsam an. O’zapft is’!«

Mal ehrlich, Haberland: Glauben Sie wirklich, dass Ihre ins Interview gejohlten Animationsrufe darüber hinwegtäuschen können, dass das alles ziemlich traurig klingt? Unser Tipp: Bei der nächsten Pandemie das Fest ganz absagen und einmal kräftig »Schaun’ mer mal!« brüllen.

A Guadn! Titanic

 Weißt Du, Zahnarztpraxis Enciso,

was wir gerufen haben, als wir eine Werbepostkarte von Dir mit dem Aufdruck »So muss Zahnarzt« aus dem Briefkasten holten? Genau: »Das kann Papierkorb.«

Maul! Titanic

 Überrascht, Katja Kipping (Die Linke),

nahmen wir Ihren Tweet nach der Wahlschlappe zur Kenntnis: »In der Mittagspause gönne ich mir heute eine starke Dosis vom Känguru-Humor. Tut an Tagen wie diesen besonders gut«, versehen mit einem Bild von zwei Marc-Uwe-Kling-Hörbüchern. So viel Masochismus hätten wir Ihnen gar nicht zugetraut. Andererseits ergibt dann auch die Mitgliedschaft in einer Partei mit Sahra Wagenknecht Sinn.

Oder ist etwa alles nur ein geschickter Versuch, den Grünen & Co. die Stammwählerschaft mithilfe von deren Stammhumor abzugraben? In diesem Falle: Clever! Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl.

Extra starke Erkenntnisse von Titanic

 So schloss sich der Kreis, Angela Merkel,

So schloss sich der Kreis, Angela Merkel,

als Sie bei einem Wahlkampfauftritt auf Rügen versprachen, nach Ihrer Kanzlerinnenschaft in Berlin und in der Uckermark wohnen zu bleiben. »Von dort ist es durch die schöne A20 nicht mehr weit in meinen ehemaligen Wahlkreis.«

Klar, irgendwas mit Autobahnen hören die Deutschen ja gern, um Ihren Vorgänger mit dem Schnauzbärtchen nicht ganz vergessen zu müssen. Allerdings haben wir nicht vergessen, dass auf einem Teilstück ebenjener Autobahn 20, kurz nachdem es 2005 durch Sie als frisch gewählte Bundeskanzlerin freigegeben worden war, die Fahrbahn einbrach und ein Loch hinterließ, das nicht nur symbolisch tief und breit klaffte. »Eine fürchterliche Schmach« nannten Sie das damals. Pff! Eine schändliche Niederlage auf hierzulande heiligem Schlachtfeld!

Aber vermutlich setzen Sie bei den Autobahn-Deutschen einfach auf das große Vergessen. Hat beim Führer schließlich auch geklappt. Und gewählt werden müssen Sie ja auch nicht mehr.

Sagt zum Abschied leise »Umleitung«: Titanic

 Markus Lanz!

Sie sind im April von Ihrem Moderatorenkollegen Micky Beisenherz in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung aufgrund Ihrer wie auch immer gearteten Interviewtechnik als »Deutschlands schönste Grillzange« bezeichnet worden. Auf die Frage, ob das nicht Sexismus in die andere Richtung sei, antworteten Sie beim Jahrestreffen des Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger in Berlin: »Absolut.« Sie hätten sich zwar darüber gefreut, aber gleichzeitig gedacht: »Schreib’ das mal 2021 über eine Frau. Dann gibt es aber richtig ein paar hinter die Ohren und auch zu Recht.«

Da stimmen wir Ihnen ausnahmsweise ausnahmslos zu, ziehen dem kleinen Würstchen Beisenherz einfach mal präventiv die Löffel lang und verleihen Ihnen stattdessen ganz unzweideutig den zu Ihrem Moderations- und Interviewstil ohnehin viel besser passenden Titel »Deutschlands eitelste Flachzange«.

Grillt alles und jeden und auch zu Recht: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Gesundheitsfrage

Gibt es so was wie Fremdhypochondrie, also dass man immer Angst hat, andere Leute hätten irgendwas oder ihnen würde etwas zustoßen? Ich frage für eine Freundin, bei der ich befürchte, dass sie das hat.

Paula Irmschler

 Emotionskontrolle

Schon ewig her, da fiel mir in einem Plattenladen in Sevilla auf, dass die Regalfächer A–K und M–Z relativ spärlich bestückt waren. Die Fächer L hingegen barsten fast schon vor Fülle. Eine nähere Überprüfung der L-Fächer brachte Klarheit: Los The Beatles, Los The Clash, Los The Doors, Los The Eagles, Los The Rolling Stones, um nur einige Beispiele zu nennen. Ich habe trotz rudimentär vorhandener Spanischkenntnisse davon abgesehen, das Personal darauf anzusprechen, denn diese mehr als amüsante Sortierung machte mir schlagartig klar, dass ich durchaus ein Typ bin, der etwas kann, was viele erst mühselig lernen müssen: loslassen.

Tom Breitenfeldt

 Next-Level-Kosmopolit

Ständig trifft man jemanden und sowieso kennt man fast alle über zwei Ecken: Ja, China ist für mich so ein richtiges Milliardendorf!

Leo Riegel

 Bittgesuch

Ich liebe Online-Petitionen, ich unterzeichne jede. Hätte es sie früher gegeben, viel Leid wäre der Menschheit erspart geblieben. »Stopp Römer nach Germanien!« 200 000 Unterzeichner, und die alten Germanendörfer am Rhein stünden noch heute Stein auf Stein. »Für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, für Brot für alle, für das Volk als Souverän und noch ein paar andere Sachen. Sind Sie dabei? Hier können Sie unterschreiben!« 5 Millionen ratifizierende Franzosen, darunter der französische König, und der blutige Sturm auf die Bastille wäre nie geschehen. Dasselbe gilt für »Europa raus aus Afrika« oder »Herr Bismarck, erlauben Sie das Wahlrecht für alle!« Auch die Sponti-Bewegung hätte mit ihren Zielvorstellungen auf diesem Weg mehr Erfolg gehabt, von »Macht aus dem Staat – Gurkensalat!« bis »Miethaie zu Fischstäbchen!« Keine Ahnung, ob die rot-gelbe Staatsgewalt alle Anliegen wirklich erhört hätte, aber man hätte es versuchen können.

Ella Carina Werner

 Letztes Aufbäumen

Dass ein Smartphone beim Hochfahren mal – Gott zum Gruße! – vibriert, geschenkt. Die Geräte eines gewissen südkoreanischen Herstellers allerdings erbeben auch während des Herunterfahrens bei schon ausgeschaltetem Bildschirm noch mal kurz. Ganz so, als klopfte ein doch noch nicht Verstorbener von innen an den Sargdeckel.

Andreas Lugauer

Vermischtes

Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Das schreiben die anderen

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

  • 20.09.:

    In der Jungen Welt würdigt Stefan Gärtner den 80jährigen Eckhard Henscheid.

  • 14.09.:

    NDR Zeitzeichen zum 80. Geburtstag von Eckhard Henscheid.

Titanic unterwegs
26.10.2021 Hänigsen, Kunstspirale Thomas Gsella
27.10.2021 Braunschweig, Kult Thomas Gsella
28.10.2021 Hannover, Pavillon Thomas Gsella und Ella C. Werner mit M. Knepper
28.10.2021 Hamburg, Literaturhaus Gerhard Henschel