Vom Fachmann für Kenner | Dezember 2006


Neulich bei der Zahnärztin

Nur ein einziges in der Redaktionsküche gefundenes Katzenpfötchen von Katjes (»weich & würzig«), und das Gold-Inlay ist wieder mal draußen. Kollege Rürup meint zwar, ich hätte vielleicht nur eine Katzenpfötchenallergie, doch Kollegin Werner schickt mich lieber zur Zahnärztin eine Etage höher. Die junge Ärztin findet in der Lücke im Backenzahn ein bißchen Karies, das sie rausbohren will, und fragt, ob ich eine Betäubung möchte, es könne ein bißchen wehtun. Ganz gegen meine Gewohnheit will ich keine, beschwere mich deshalb aber auch hinterher über den ausgebliebenen Schmerz. Das verblüfft die Zahnärztin. Sie hat plötzlich den Verdacht, der Zahn sei vielleicht schon tot, und testet mit Wattestäbchen und flüssigem Stickstoff die Kälteempfindlichkeit des Zahns – da ist aber keine, die Ärztin sorgt sich sehr. Also geht es ans Röntgen, danach erneute Verblüffung: Der Zahn ist völlig okay. Als ich frage, ob es vielleicht daran liegen könne, daß ich »eher so der gefühllose Typ« bin, nickt sie nachdenklich, und wir einigen uns darauf.

Ich hab’s jetzt also quasi amtlich!

Mark-Stefan Tietze

Der abgeschlossene Roman

Der Partykeller meines Onkels. Hier feierten wir eine Zeitlang so ziemlich alles, was anstand – vor allem weil er immer zwei, drei volle Halbliter-Kisten mit Dortmunder Export im Keller stehen hatte, auf die wir ungefragt zurückgriffen, und weil er ein duldsamer Mensch war, der sich über gar nichts beschwerte. Nicht über die Druckbeschallung bis fünf Uhr morgens, selbst dann nicht, wenn er Frühschicht hatte; nicht über die zehn bis zwanzig Gäste, die sich im Laufe eines Abends trotz eigens angebrachter Wegweiser in sein Schlafzimmer verirrten und nach der Toilette fragten; nicht über die Flaschen im Vorgarten, selbst dann nicht, wenn es Dortmunder Export war; nicht über gebrauchte Präservative in der Dusche, Kotzmosaike in der Hofeinfahrt. Nur einmal, als er zwei versoffene Knaller dabei erwischte, wie sie in seiner Küche – dieser verflixte kleine Hunger zwischendurch! – dem dicken rotweißen Prügel luftgetrockneter Mettwurst zu Leibe rückten, platzte ihm der Kragen, und er schrie so laut, daß man es trotz der Musik im Keller hörte, aber nicht verstand. Bleich kamen die beiden in den Keller zurück und berichteten immer noch heillos verstört. Er habe ihnen die Mettwurst an die Kehle gehalten und immer wieder »ABFLUG« gebrüllt, immer wieder: »ABFLUG… ABFLUG…!« Noch als sie die Kellertreppe hinuntergerannt seien, habe er ihnen dieses eine Wort nachgebrüllt. »Ist dein Onkel ein Freak oder so was?«

»Könnte man sagen«, nickte ich.

Frank Schäfer

Stalker-Logik

Habe mit Claudia Schiffer Schluß gemacht, nachdem sie nichts von mir wollte.

Sascha Dornhöfer

Gewürzmischung

An der Pfeffermühle, erinnert sich die Großmutter, habe noch lange nach deren Stillegung der aromatische Pfeffergeruch die Luft geschwängert. Deshalb vermische sich ihr beim Kochen noch heute die Erinnerung an diesen Ort ihrer Jugend mit der Geschichte der Frau, die im Gebüsch neben der Pfeffermühle gefunden worden sei, so leblos wie unbekannt. Ganz sicher sei sie das Opfer eines Gewaltverbrechens gewesen, das aber nie habe aufgeklärt werden können. Wochenlang sei die Bevölkerung zur Angabe von Beobachtungen aufgefordert worden, was sie selbst aber ignoriert habe, obwohl sie zur ehemaligen Pfeffermühle und den dort ein- und ausgehenden Menschen einiges zu sagen gehabt hätte. Die Frau, meint die Großmutter, wäre durch ihre Aussage sowieso nicht mehr lebendig geworden.

Ludger Fischer

Verspätung

Mir ist vor kurzem aufgefallen, daß meine asiatischen Kommilitonen immer zu spät zu den Vorlesungen kommen. Aber: Asien ist halt auch nicht der nächste Weg.

Jonas Haas

Alternative Erziehungsmethoden

Jüngst an Halloween. Des Abends sitzt ein Herr mit Hund an der Bar eines Restaurants. Die Tür wird von einem Schwarm verkleideter Fünftkläßler aufgerissen, die allesamt »Süßes oder Saures!« brüllen und sofort lautstark am Tresen nach einer Runde »Cola Light, aber zum Mitnehmen!« verlangen. Ein Mädchen kräht: »Aber ich will meine Cola in einem ganz kleinen Glas, das kleinste, was Sie haben!« Der Herr am Tresen schiebt ihr wortlos sein volles Schnapsglas vor die Nase. Sie jedoch schaut gebannt den Hund an, der zu seinen Füßen sitzt. »Kann ich den streicheln?« fragt sie den Herrn. »Probier doch mal«, antwortet er.

Katrin Meyer

Bin ich der neue Lichtenberg?

»Er las immer Rostock statt Rohrstock, so sehr hatte er den Kempowski gelesen.«

(Na ja, wohl eher nicht, wie?)

Stefan Gärtner

Späte Reue

Eine Sache belastet mich schon seit Jahren. Die Betroffenen weilen längst nicht mehr unter uns, aber ich kann mit dem Geheimnis nicht mehr leben. Als Kind war ich im Besitz zweier Großmütter, die ich übers Jahr kaum zu Gesicht bekam, von denen ich aber zu Weihnachten beschenkt wurde, meist per Paket oder Brief. Von »Oma Badpyrmont« bekam ich regelmäßig Socken und Unterhosen, von »Oma Berlin« zwanzig Mark. Dem zu jedem Silvester lautwerdenden Ruf der Mutter – »Bedank dich doch endlich mal für die Geschenke!« – folgte ich zwar eines Tages, dachte aber vorher ein bißchen nach und schrieb an Oma Badpyrmont: »Liebe Oma Berlin! Vielen Dank für die hundert Mark. Ich habe mich sehr gefreut und werde sicher über die Hälfte davon aufs Sparbuch…«, und verschickte anschließend den gleichen Brief mit wieder falscher Anrede auch an Oma Berlin. Im nächsten Jahr gab es an Weihnachten je Oma hundertzwanzig Mark, und die Sache kam nie zur Sprache. Entschuldigung nachträglich. Ich brauchte die Kohle.

Kolja Klimm

Guter Rat

Was Singles gegen die Einsamkeit tun können: In der Kneipe einfach immer zwei Biere bestellen und getrennt zahlen.

Tibor Rácskai

Müßte man reklamieren

Man hört ja immer wieder von Leuten, die sich ein Schriftzeichen einer fremden Sprache tätowieren lassen, bevorzugt des Japanischen, auf jeden Fall aber einer Sprache, die weder sie noch der Tätowierer beherrschen. Und eines Tages erfahren sie dann, daß das Zeichen, mit dem sie da herumlaufen, keineswegs, wie im Katalog des Tätowierstudios verzeichnet, »Lautlos schleichender Panther« bedeutet, sondern »Fleck, den ein Topf in einer feuchten Spüle hinterläßt, nachdem er zuvor auf einer etwas angerosteten Herdplatte gestanden hat«.

Mir ist es ganz ähnlich ergangen mit meinen Pheromonen, die gleichfalls nicht die Botschaft übermitteln, die sie sollen. Bestellt hatte ich »Wildfremde schöne Frau im Bus, rubbel deine Brüste an meinem Gesicht«. Geliefert wurde aber »Mensch gleich welchen Geschlechts, aber mit Wurst-atem, setz oder stell dich im Bus möglichst nah neben mich«.

Eduard Harfst

Dr. phil. futur.

Was, wenn der kurz vor dem Abschluß seiner Promotion stehende Grunbirg Mombassi zum Thema »Humor im Fünften Reich (1989-2037) im Spiegel zeitgenössischer Satiremagazine« auf diesen Beitrag stoßen wird? Der ja mit »Humor« überhaupt nichts zu tun hat?

Das wird ihn, glaube ich, ziemlich aus dem Konzept bringen.

Jan Sneyd

Kodiertes Kosen

Ich turtele gern, vor allem per Tastendruck. Aber simse ich meinen Liebsten als »Schmusi« oder »Knuffelchen« an, simst er zurück: »Bleib mir weg mit dem schwülstigen Scheiß!« So traute ich mich lange Zeit nicht, meine Gefühle auszudrücken – bis ich entdeckte, wie ich den T9-Modus, den automatischen Wortfinder in meinem Handy, für meine Zwecke nutzen kann. Tippe ich jetzt »Schmusi«, steht da »Schnüri«, »Schmusekatze« wird zu »Schnupfkauz«. Mein Liebster liest: »Hallo Schnüri! Ich bin vermarst in dich! Laß uns tusteln. Deine Schnupfkauz.« Und simst zurück: »Hey, soviel Wortwitz hätte ich dir gar nicht zugetraut!« Er nennt das »ironisch gebrochen«. Ich nenne das: kodiertes Kosen – die neue Sprache der Liebe für alle, die es mit Spöttern und Verstockten zu tun haben!

Ella Carina Werner

Neulich hat endlich, endlich jemand unaufgefordert Kleopatra als neues Unter-thema ins Gespräch eingebracht. Die daraufhin von mir gesprochenen Sätze waren, zugegeben, schon ein bißchen vorbereitet, aber es hat sich gelohnt: »… ja, Kleopatra war natürlich kraß drauf. Die hat ja auch im Blut ihrer Feinde und Gefangenen gebadet, um schöner zu werden. Ach nee, das hab ich jetzt verwechselt – die hat in Eselsmilch gebadet. Das mit dem Blut, das war ja ich!«

Jan Wilhelm Kleineke

Farbenblind

Wenn man nachts bei Rot über eine verwaiste Kreuzung schlendert, plötzlich ein Streifenwagen heranbraust und man aus aufgerissenem Autofenster angeraunzt wird: »Farbenblind?«, sollte man tunlichst die Klappe halten, sonst sitzt man bis morgens auf einer Polizeiwache und wartet auf den Augenarzt, der einem die angeborene Farbsehschwäche bestätigt.

Daniel Sibbe

Frauen leicht gemacht

Sie schreiben einen Diätratgeber und haben noch keinen Titel? Keine Ursache, gern geschehen.

Utz Held

Vielleicht später mal

Wenn man seine wertvolle Arbeitszeit in einer großen Projektsitzung verbringt, umgeben von den Leitern anderer Abteilungen, und zwei Stunden lang phrasenfrei und konstruktiv diskutiert, gedankliche Fortschritte erzielt und am Ende zu einem Ergebnis kommt, das nicht nur der Geschäftsführung gegenüber präsentabel ist, sondern ein großes Problem löst und außerdem die Firma voranbringt, dann piepst der Funkwecker. Man reibt sich verwundert die Augen und denkt: »Es müßte aber doch möglich sein, irgendwie, irgendwann.«

Torsten Jansen

Aufruf zu mehr Toleranz

Nach dem Besuch eines islamischen Landes muß ich sagen: Im großen und ganzen machen Muslime auch nichts anderes als wir, nur daß sie dabei wesentlich strenger riechen.

Jan Freunscht

Malern

Hat man schweißgebadet, fluchend und mit viel Wut im Bauch die hohen Decken und Wände seiner Altbauwohnung mit Farbrollen und Teleskopstangen gestrichen, dann darf man sich auf den nächsten Tag freuen. Wenn an diesem nämlich die Farbe getrocknet ist und man mit einem kleinen Pinsel die am Vortag unerreichbar gebliebenen Ecken und Kanten ausbessern will, jedoch vom ins Zimmer flutenden Tageslicht den Nachweis erbracht bekommt, daß zwischen alter und neuer Farbschicht nicht ein Fitzelchen Unterschied auszumachen ist, kann man mit dem Rest der weißen Farbe die Frage »Warum habe ich Idiot mir eigentlich die ganze Arbeit gemacht?« auf die weiße Wand schreiben. Und schon ist die Wohnung fertig zur Übergabe.

Nils Heinrich

Nutzlos

Der kleine Sohn von Bekannten hat sich irgendeinen Virus eingefangen. Es nützt also nichts, daß seine Eltern ihn Linux genannt haben.

Uwe Geishendorf

Pawlowscher Hund

Als ich am Kopenhagener Flughafen ankam, hatte ich auf einmal so eine seltsame, visuell verwackelte Wahrnehmung. Erst später wurde mir die ursächliche Konditionierung bewußt – für mich war die dänische Sprache bislang exklusiv mit den Dogma-Filmen verbunden gewesen.

Johannes Kreidler

Überraschung

In sinnloser Euphorie kündigt die senile Radiomoderatorin das neue Lied von G.G. Anderson an. Das neue Lied? Das würde ja heißen, G.G. Anderson lebt! Das Leben bringt jeden Tag neue Überraschungen mit sich, teils auch böse.

Dirk Warnke

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Und dass Sie, Ernst Paul Dörfler,

meinen, ein Buch auf den Markt bringen zu müssen, das da betitelt ist »Aufs Land«, finden Sie das nicht, unter uns gesagt, ein wenig: platt?

Fragen die Städter von Titanic

 Wirtschaftsjournalist Philipp Krohn!

Es sei, dozieren Sie in einem FAZ-Kommentar, »von Vorteil, wenn der Wähler in einer Wahl ein breites Angebot hat. Stehen alle Parteien für dieselben Ideen, fehlt der Wettbewerb, sie zu schärfen.«

Das ist hübsch neoliberal überlegt. Allerdings trifft genau das Gegenteil zu: Erst wenn alle Parteien für dasselbe wären, müssten sie ihre Ideen »schärfen«, um sich voneinander abzuheben. So reicht ein Blick aufs nächstbeste Plakat, um sie alle für unwählbar zu halten.

Eh konkurrenzlos: Titanic

 Ganz ruhig, Heckler & Koch,

denn unser erster Gedanke, als wir im Redaktionsnetzwerk Deutschland die Schlagzeile »Patentstreit um neues Sturmgewehr: Heckler & Koch zieht vor Gericht« lasen, war: Hoffentlich nicht besagtes Sturmgewehr! Vor allem, weil es im Text weiter hieß: »Die US-Firma Magpul und Heckler & Koch treffen sich … im Düsseldorfer Landgericht.«

Findet so was zum Schießen: das mit krachenden Pointen geladene Magazin Titanic

 Scheidender Innenminister Seehofer!

Angesichts der trotz Pandemie gut besuchten Stadien während der Fußball-EM haben Sie die Uefa kritisiert und schlussfolgerten: »Ich habe da ein bisschen den Verdacht, dass es um Kommerz geht.« Am selben Tag lasen wir in einem Tweet Ihres Innenministeriums: »BM Seehofer hat vereinsrechtliche Ermittlungsmaßnahmen gegen die Rockergruppierung ›Bandidos MC Federation West Central‹ angeordnet. Es besteht der dringende Verdacht, dass Zweck und Tätigkeit des Vereins den Strafgesetzen zuwiderlaufen.«

Sind Sie angesichts dieser mutigen Verdächtigungen sicher, dass ein Mann mit Ihrem Scharfsinn sich aus der Politik zurückziehen sollte, Sherlock Horst?

Fragen die Verdachtsfälle von Titanic

 Universitätsstadt Göttingen,

Universitätsstadt Göttingen,

natürlich: Deine wissenschaftlichen Errungenschaften sind unbestritten, die Liste Deiner Nobelpreisträger ist lang. Planck und Gauß liegen auf Deinen Friedhöfen. Wir kennen die Geschichten. Aber mal ehrlich: So viel Aufmerksamkeit wie letztens, als der an einer Riesenschildkröte erstickte Wels im Kiessee entdeckt wurde, hast Du seit einer halben Ewigkeit nicht bekommen. Deshalb solltest Du die Umbenennung in »Welsstadt Göttingen« zumindest in Erwägung ziehen. Alles andere wäre doch ziemlich undankbar.

Meinen die Welsbürger von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Hat der

eigene Zynismus schon eine pathologische Stufe erreicht, wenn man im Tagesschau-Corona-Liveblog erst die Meldung liest: »UN: Zahl der Hungernden ist in der Pandemie gestiegen«, dann direkt darunter: »Gastgewerbe leidet nach Lockdown unter Personalmangel« und als Reaktion auf beides denkt: »Kein Wunder«?

Andreas Braune

 Logisch

Wie nennt man es, wenn die am häufigsten gestellten Fragen zu einem Sachverhalt an zentraler Stelle beantwortet sind? – Das Themengebiet wurde weitgehend FAQiert.

Tina Manske

 Geladen

Während eines nächtlichen Sommergewitters gerieten meine Freundin und ich unlängst in der Fensterfrage aneinander. Sie habe Angst vor Kugelblitzen, sagte sie, hätte es daher gerne geschlossen, ich hingegen, entgegnete ich, hätte zwar generell Verständnis für irrationale Ängste, aber doch nicht bei Treibhaustemperaturen im Zimmer. Nach einigem Hin und Her war sie dann schließlich doch von der Unsinnigkeit ihrer Angst überzeugt. Bei all der negativen Energie, die ich ausstrahlte, sagte sie, sei es schon sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Blitz ausgerechnet in meiner Nähe entladen würde. Geht doch.

Fabian Lichter

 Wir Kinder vom Bahnhof ZOB

Im Rahmen der Bundesinitiative für gleichwertige Lebensverhältnisse soll auch in Filmförderung in strukturschwachen Regionen investiert werden. Erstes Projekt: ein weiteres Remake des Klassikers »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«, das diesmal jedoch die Jugend-Drogenszene in ländlichen Gebieten thematisieren soll. Titel siehe oben.

Julia Mateus

 G’schichtsstund’n

Ja mei, hört’s halt zu, ihr Hundskrüppel! D’ Junge Union wurd’ bereits 1947 gegründet, auch hier bei uns in Bayern. Die Sach’n ist aber die – des wissen heutzutag’ nur die wenigsten! –, dass die »JU« im Freistaat zwischenzeitlich einmal anders hieß, und zwar von Anfang der 60er bis in die frühen 70er Jahre. Als Franz Josef Strauß selig nämlich 1961 endlich zum Vorsitzenden der Christsozialen g’wählt war, nannten sich die jungen CSUler fortan nur noch »Franz Josef Boys«. Erst ein Jahrzehnt später wurde diese Umbenennung wieder z’rückg’nommen, nämlich aus diesen beiden Gründen: Erstens wollt’ man nicht in Verbindung g’setzt werden mit dem damals aufstrebenden Düsseldorfer Kunstverbrecher Joseph Beuys. Und zwoatens sahen sich d’ »Franz Josef Boys« durch die umstrittene Einführung des bayerischen Frauenwahlrechts im Jahr 1968 gezwungen, auch Weiber, also quasi »Girls« mitmachen zu lassen. So endete auch dieses rühmliche Kapitel bayerischer Geschichte, gell?

Moritz Hürtgen

Vermischtes

Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 22.07.:

    In der Taz nimmt Stefan Gärtner Abschied von Mitte.

  • 16.07.:

    Moritz Hürtgen schreibt in der Taz über Entpolitisierung durch Hypnose.

  • 02.07.:

    Die Volksstimme fasst zusammen, was ein TITANIC-Titel in Michael Wendlers Kopf auslöste.

  • 30.06.:

    Im Spiegel-Interview (hinter der Bezahlschranke) lobt Otto Waalkes die TITANIC.

  • 29.06.:

    Zum 15. Todestag Robert Gernhardts widmet NDR Kultur dem TITANIC-Mitbegründer ein Audio-Feature.

Titanic unterwegs
06.08.2021 Erfurt, Kleine Synagoge Katharina Greve: »Antisemitismus für Anfänger«
08.08.2021 Hamburg, Zinnschmelze Ella Carina Werner
11.08.2021 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner
15.08.2021 Hofheim am Taunus, Stadtmuseum »Unkraut vergeht nicht«