Briefe an die Leser | März 2021


Ähm, »Spiegel«?

Zum Thema Schule während der Pandemie schreibst Du: »Schulen sind offenbar nicht der safe space, den wir uns alle erhofft haben.« Das ist natürlich schade, aber wenn wir uns richtig erinnern, waren Schulen eigentlich nie dafür bekannt, besonders safe spaces zu sein …

Traumatisierte Grüße von Deiner Titanic

Gott zum Gruße, Rainer Maria Kardinal Woelki!

Über Eure Rolle im ewigwährenden Missbrauchsskandal der katholischen Würdenträger kann man getrost streiten, zum Beispiel felsenfest der Meinung sein, dass Ihr der Aufarbeitung der traurigen Geschichte tatkräftig im Wege steht, oder jedoch mit einiger Bestimmtheit annehmen, dass Ihr jede Aufklärung aus persönlichen Gründen planmäßig sabotiert – aber was sagen Eure Eminenz denn dazu, dass die Termine für einen Austritt aus der katholischen Kirche in Köln Zeit online zufolge bis Ende April ausgebucht sind?

Wie? Wieder nichts mitgekriegt?!

Es wäre ja auch ein strahlendes Wunder gewesen, glauben Eure Betbrüder von Titanic

Moskauer Richter,

nun habt Ihr Alexei Nawalny erst zu 30 Tagen Haft und dann zu zwei Jahren und acht Monaten Straflager verurteilt, weil er gegen Bewährungs- und Meldeauflagen verstoßen haben soll, auch während der Zeit, in der er sich wegen seiner Vergiftung mit einem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe in stationärer Behandlung befand.

Klar, hohes Gericht, Koma rechtfertigt keinen Verstoß gegen Bewährungsauflagen. Da könnte ja jeder kommen und Vergiftung und tiefgreifende Bewusstseinsstörung vortäuschen, um sich Euren Auflagen zu entziehen! Und das dürft Ihr weder gutheißen noch billigen noch durchgehen lassen.

Streng und strong: Titanic

Jan Marsalek!

Auf welcher Südseeinsel auch immer Sie diesen Brief mit Ihrem TITANIC-Gold-Abo lesen: Anlässlich Ihres 40. Geburtstags ist es an der Zeit, Ihr beispielloses Wirken zu würdigen! Dass Sie im Februar 2019 den Döspaddeln von der Staatsanwaltschaft München I die Story vom Pferd erzählen konnten, gehört noch zu den kleineren Übungen. Auch dass die Bafin jahrelang nicht Sie im Visier hatte, sondern Dan McCrum, den investigativen Journalisten von der Financial Times, der das ganze »House of Wirecard« (McCrum) als solches enttarnte – nun, die Bafin eben … Auch dass die Münchner Staatsanwaltschaft eine Anzeige der Bafin gegen McCrum ernstnahm und gegen den ermittelte, statt gegen Sie – siehe oben. Dass Sie einen »kurzen Draht« zur österreichischen Regierung Kurz-Strache hatten – wie sagt der Wiener: »Ja eh!«

Dito, dass Ihnen das deutsche Bundeskanzleramt über Ihren Mittelsmann Karl-Theodor zu Guttenberg offenstand, der noch im September 2019 erfolgreich für Sie bei Merkel vorsprach. Dass sich das BKA und Aktenzeichen XY seit Sommer 2020 erfolglos mit der Fahndung nach Ihnen abmühen, ist da kaum noch der Erwähnung wert. Dass sowohl SPD-Kanzlerkandidat Scholz als auch sein mutmaßlicher Unionskontrahent Söder Grund genug haben, vor Ihnen zu zittern, auch das gehört irgendwie dazu bzw. liegt in der Natur der Sache.

Nein, es sind weniger die durchaus verdienstvollen Details, es ist mehr das von Ihnen geschaffene Gesamtkunstwerk Wirecard, das einem Respekt abverlangt: eine Aktiengesellschaft in Aschheim bei München, deren Aktie vor einem Jahr noch bei 140 Euro stand und jetzt für 49 Cent gehandelt wird, Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro, die niemandem auffallen, 250 000 Anleger, die oftmals um ihr gesamtes Vermögen geprellt wurden, und ein Mann, der auf einer Südseeinsel sein TITANIC-Gold-Abo genießt!

Chapeau und cheers! Titanic

Sie, Karl-Heinz Rummenigge,

überraschten beim Rückrundenauftakt Ihrer Münchner Bayern gegen den FC Schalke 04 durch das Tragen einer futuristisch anmutenden Maske mit transparenter Mundpartie, wie er mitunter auch von hörbeeinträchtigten Menschen zur besseren Kommunikation mit Hörenden befürwortet wird. Fernsehbilder zeigten, wie Sie sich damit im Gesicht vor dem Anpfiff unterhielten, aber noch während der ersten Spielhälfte wieder mit einem handelsüblichen Einweg-MNS auf der Tribüne saßen. Der Bild erklärten Sie: »Als Brillenträger habe ich – wie wahrscheinlich viele andere auch – das Problem, dass meine Brille immer beschlägt, wenn ich eine Maske trage. Das sollte bei dieser Maske nicht der Fall sein – war es aber leider doch. Deswegen bin ich auf Schalke dann zu einer herkömmlichen FFP2-Maske zurück.«

Schon okay! Zumindest der Dank vieler Hörgeschädigter dürfte Ihnen dadurch erst recht gewiss sein.

Erzählt kein᾽ Schmarrn: Titanic

Eins noch, Rummenigge!

Bundesligaprofis könnten Ihrer Ansicht nach Vorbilder bei der Impfung gegen das Coronavirus sein. »Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung«, mutmaßten Sie beim Sender Sport1.

Zuvor sollten Sie Ihren kickenden Idolen dann allerdings einimpfen, beim kleinsten Piks in den Reklamierarm nicht gleich laut aufzuschreien, sich theatralisch hinzuschmeißen und mit schmerzverzerrtem Gesicht meterweit über den Boden zu rollen!

Ihre Taktikfüchse von Titanic

Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

Seriously, »WDR«?

»Keinen Newswert« habe ein Video gehabt, in dem NRW-Ministerpräsident Laschet zugibt, man habe 2018 »einen Vorwand« zur Räumung des Braunkohlegebiets Hambacher Forst gesucht und diesen im Brandschutz für den Wald gefunden. Den Beitrag habe man deshalb und »wegen journalistischer Mängel« kurzerhand gelöscht. Einen Spiegel-Bericht über den Vorfall bezeichnetest Du, WDR, kürzlich als »tendenziös« und »unwahr«.

Was denn jetzt: Kein Newswert oder journalistische Mängel? Tendenziös oder unwahr? Mit derlei unklaren Klarstellungen liefert man Kritikern im Netz einen weiteren Vorwand, die Schlagworte »Staatsrundfunk« und »Systemmedien« wieder ins Spiel zu bringen. Wie man in den Hambacher Forst hineinruft, so schallt es heraus.

Warnt: Titanic

Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

Aua, Claus Strunz, c/o »Bild«,

Ihr Schmerz über die Niederlage von Friedrich Merz bei der Abstimmung über den CDU-Parteivorsitz muss wirklich groß sein. Weshalb Sie umgehend forderten: »Merz muss in die FDP!«

Was ein bisschen so klingt, als müsse er jetzt zur Strafe für sein Versagen in den Gulag. Aber so meinten Sie das natürlich gar nicht, sondern: »Merz und Lindner wären die zwei gegen den Rest der Schwarz-Grün-Rot-Blau-Links-Welt, die Deutschland droht. Oder anders gesagt: die Achse der Vernunft.« Oder noch anders gesagt: Zwei gegen den Rest der Welt. Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle. Zwei Nasen tanken Super. Oder halt schlicht: Pat und Patachon.

Heute mal unvernünftig: Titanic

Moderator Steffen Hallaschka (»WDR«)!

Sie haben in der Sendung »Die letzte Instanz« über Rassismus diskutieren lassen und dafür Thomas Gottschalk, Micky Beisenherz, Janine Kunze und Jürgen Milski ins Studio eingeladen. Als es dafür viel Kritik gab, entschuldigten Sie sich auf Facebook: »Die letzte Instanz« sei nicht als klassischer Polit-Talk angelegt. Sondern: »Bei uns kommen Prominente zusammen, die bereit sind, auf Basis ihrer persönlichen Erfahrungen zu debattieren. Wie eine Runde von Freunden, die sich in einer Kneipe trifft.«

Schön und gut, Hallaschka! Nur: Könnten Sie uns bitte verraten, in welchen Kneipen Sie und Ihre Freunde sich zu treffen pflegen?

Würde dann nämlich ohne vorherige Absprachen einen großen Bogen darum machen: die letzte Instanz von Titanic

Esten!

Eine Präsidentin namens Kersti Kaljulaid: Okay, kann man machen. Aber jetzt auch noch eine Premierministerin namens Kaja Kallas? Habt Ihr da oben keine anderen Buchstaben? Oder seid Ihr so was wie das baltische Entenhausen?

Mit Grüßen an die Neffen Küks, Kaks und Kolm: Titanic

Liebe Frau Ernährungsministerin Klöckner,

das war sicherlich ganz und gar nicht nach Ihrem Geschmack, dass nun den neugierigen Verbraucherschützern von Foodwatch der Geduldsfaden gerissen ist und diese Sie jetzt einfach verklagen. Und das, obwohl Ihr stets bemühtes Ministerium ja schon klargestellt hat, warum die Offenlegung Ihrer Lobbyisten-Kontakte nicht möglich sei: Ihre zahllosen BFFs aus der Ernährungsmafia sind in dieser ausladenden Menge einfach nicht lückenlos zu erfassen. Und bevor man sich den Vorwurf »mangelnder Vollständigkeit« gefallen lassen muss, macht man lieber gar nichts und setzt wie gewohnt auf »den Ball ausrollen lassen«.

Aber die größte Buddy-Show wurde ja glücklicherweise direkt in aller Öffentlichkeit ausgetragen, als Sie den Wasserfürsten von Nestlé den Pelz kraulten. Und dass Sie sich lieber mit Bauernverbänden und Süßwaren-Unternehmen treffen, anstatt auch mal einzubeziehen, was Umwelt- und Tierschützer zu sagen haben, liegt ganz bestimmt nur daran, dass die Excel-Tabelle mit Ihrer Kontaktliste nach 1 048 756 Zeilen bekanntermaßen am Limit und leider voll ist.

Muss aufstoßen: Titanic

Glück auf, Glücksforscher/innen!

Geld stinkt zwar nicht, aber anscheinend Eure einstigen Erkenntnisse darüber. So behauptetet Ihr in vielen (be-)dürftigen Studien, Geld mache nur bis zu einer gewissen Einkommensgrenze glücklich. Jetzt lasen wir allerdings in der Rheinischen Post: »Menschen mit eher kleinem Verdienst konnten sich bislang damit trösten, dass ein sehr großes Gehalt auch nicht glücklicher macht … Doch eine Studie aus den USA im Fachjournal PNAS besagt nun, dass nicht nur die allgemeine Lebenszufriedenheit, sondern auch das tägliche emotionale Wohlbefinden durchaus bei hohem Einkommen weiterwachsen.«

Was uns daran ärgert, ist nicht etwa, dass damit auch noch der letzte Tropfen (wenn auch nur emotionaler) Gerechtigkeit in unserem Schweinesystem verdunstet, sondern: Ihr verhökert etwas als neue Erkenntnis, das wir aus eigener Erfahrung längst wissen!

Fragt das nächste Mal einfach Eure stets bestgelaunten Bestverdienerinnen auf der Titanic

Wupp-di-ka, Wuppertaler Karnevalisten!

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, konntet Ihr Euren einstigen Karnevalsprinzen so gar nicht wuppen: »Die Wuppertaler Karnevalisten durften ihrem Prinzen nach dem Auftauchen von Nacktfotos kündigen. Das hat das Wuppertaler Amtsgericht am Freitag entschieden und die Klage des Mannes zurückgewiesen … Der Karnevalsprinz war zum Ende der vergangenen Session fristlos rausgeworfen worden: ›Du bist im Prinzen-Ornat in unmöglicher, schamverletzender, fast pornografischer Pose und damit eines Prinzen der Stadt Wuppertal unwürdiger Art abgebildet, deine Amtszeit ist mit dem heutigen Tag … beendet‹, hieß es in dem Kündigungsschreiben.«

Weil Euer »Prinz« einmal auf fast nackt statt Fastnacht machte, veranstaltet Ihr so einen bitterernsten Amtsenthebungsklamauk? Wir glauben ja gerne, dass Ihr Dinge nicht mit Humor nehmen könnt, das beweisen Eure alljährlichen Sitzungen zur Genüge. Uns wundert eher: Welche Tat soll denn unmöglicher, schamverletzender und unwürdiger sein, als Euch im Prinzenkostüm vorstehen zu müssen?

Fragt mit dreifachem Tusch Titanic

Geschickt, Google!

In Deiner Online-Kampagne legst Du einer jungen Frau, die so tut, als würde sie von Dir gefragt, was sie sich wünsche, in den Mund: »Ich wünsche mir, dass mit meinen Daten verantwortungsvoll umgegangen wird.«

Die Dame hat also schon akzeptiert, dass Du über ihre Daten verfügst. Andere würden nun fragen, von welchen Daten die Rede ist und was Dir eigentlich einfällt, aber solche Leute verwenden vermutlich immer noch Yahoo und verbreiten nur schlechte Laune. Da ist es doch besser, mit einer strahlenden jungen Frau zu werben, die Dir sofort glaubt, dass Du ihren naiven Wunsch erfüllen wirst, nicht wahr?

Nimmt Dir die Verantwortung gerne ab: Titanic

Und, Till Amelung, Gedenkstätte Bergen-Belsen!

Es ist schön, dass Sie noch »freie Plätze für den Vortrag mit Meron Mendel« hatten, der am 18. Februar »bei Zoom« stattfand und sich mit der »Kontinuität zwischen mittelalterlichen Legenden zur Verbreitung der Pest oder Ritualmorden und den aktuellen Erzählungen von 5G-Strahlen, Mikrochips in Impfungen und der Schaffung einer neuen Weltordnung« beschäftigte. Allerdings: Die Anmeldeadresse »event@bergen-belsen.de«, die ändern Sie bitte.

Ja?

Danke. Titanic

Heda, Marian Wendt (MdB, CDU)!

In fast schon atemberaubender Menschenfreundlichkeit twitterten Sie: »Lieber @Hubertus_heil, wenn wir im Bereich Hartz IV von coronabedingten Mehrbedarfen (Masken) reden, müssen wir auch die durch den #Lockdown verursachten wenigeren Bedarfe (Kultur, Freizeit) mit einberechnen. Das gehört zur Sachlichkeit der Debatte.«

Da ist aber ein Denkfehler drin! Bis man es geschafft hat, sich von seinem Hartz-IV-Satz ein Konzertticket oder ähnliches zusammenzusparen, ist der Lockdown doch längst vorbei.

Hatte selten weniger Bedarfe an Tweets als nach dem Lesen der Ihren: Titanic

Du, FC Schalke 04,

stehst also wieder mal vor dem Abgrund respektive Abstieg. Und musst Dich deshalb, denn entscheidend ist auf’m Allgemeinplatz, »neu aufstellen«. Dafür von uns schon einmal ein Tipp: Nach der nächsten Trainerentlassung, die so sicher kommen wird wie das nächste Gegentor, einfach mal nicht zu Huub Stevens als Interimslösung greifen – weil der zwar Dein »Jahrhunderttrainer« ist, aber eben ein Vorigesjahrhunderttrainer.

Kleiner Wink mit dem Torpfosten: Titanic

Besonders clever, Ursula von der Leyen,

war es ja nicht gerade, als Sie mit den Abzockern von AstraZeneca einen nur fast idiotensicheren Vertrag eingegangen sind. Darin verpflichtete sich der Impfstoffhersteller eben nicht zu bestimmten Liefermengen und festgelegten Terminen, sondern lediglich dazu, sich »nach besten Kräften zu bemühen«, halbwegs pünktlich irgendwas zu liefern.

Im Gegenzug haben Sie und die anderen Profis der EU-Kommission wenige Tage nach Inkrafttreten der Vereinbarung im August 2020 224 Millionen Euro an das Unternehmen gezahlt. Per Vorkasse. Der Rest ist bekannt (Lieferengpässe, die AstraZeneca mit »Produktionsproblemen« erklärt).

Daher, liebe Frau von der Leyen, hier gratis ein paar Musterphrasen für Verträge in kommenden Pandemien: Die EU soll sich beim nächsten Mal dazu verpflichten, nur dann »sehr viel« zu bezahlen, wenn »ziemlich bald« ein Impfserum geliefert wird, und zwar »reichlich«. Bei Finanzierungsproblemen – das als Hintertürchen – »fließt« natürlich »weniger Geld«. Kapiert?

Arbeitet 24/7 daran, ihre Kapazitäten zu erhöhen: Titanic

Schlagersängerin Nena!

Lange haben wir auf Ihre Wortmeldung zum Thema warten müssen: Per Instagram verbreiteten Sie dann die frohe Kunde, dass Ihre Konzerte auch zukünftig »keine Zweiklassengesellschaft« seien. Grundsätzlich ein netter Ansatz, doch bezogen Sie sich hier darauf, dass es sowohl gegen Corona Geimpften als auch Ungeimpften erlaubt sein werde, Ihre Auftritte zu besuchen. Und da kommt unser internes System an seine Belastungsgrenze: Wenn weder Impfen noch Nicht-Impfen vor einem Konzertbesuch bei Ihnen schützt, was dann? »Dürfen« wir auch kommen, wenn wir Sie für eine abgehobene, pseudo-religiöse Spinnerin halten? Oder wir Sie eben nicht für eine solche halten? Wir bitten um Stellungnahme.

Verwirrte Grüße ins Licht Titanic

Tja, baden-württembergische AfD!

Anlässlich der Landtagswahl beantwortest Du die Wahl-O-Mat-Frage »Soll das Land Pflegekräfte aus dem Ausland anwerben?« nicht mit Ja oder Nein, sondern mit »Neutral«. Hm, des isch au echt blöd mit so einem rassistisch-neoliberalen Parteiprofil, gell? Einerseits sollen die Ausländer ja schon die Drecksarbeit machen, aber andererseits halt nicht hier bei uns, stimmt᾽s?

Fragt ganz neutral: Titanic

Du aber, von Rueden, Partnerschaft von Rechtsanwälten,

suchst in Berlin »Wissenschaftliche Mitarbeiter (m/w/d) für Ordnungswidrigkeiten«. Zu bieten hast Du: »Eine spannende, abwechslungsreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Ordnungswidrigkeiten.« Um das ein bisschen besser einschätzen zu können: Was käme denn so Spannendes in Frage? Einer zuständigen Behörde, Amtsträgern oder zuständigen Soldaten der Bundeswehr einen falschen Namen zu nennen (OWiG § 111)? Lärmbelästigung (OWiG § 117)? Im Vollrausch vorsätzlich oder fahrlässig eine mit Geldbuße bedrohte Handlung zu begehen (OWiG § 122)? Eine falsche Parkscheibe zu benutzen, also nicht die aus Anlage 3, Nummer 11 zu § 42 Absatz 2 der StVO? Keine so schlechte Idee.

Es sucht sich für das Vorstellungsgespräch jedenfalls schon mal eine schöne Berufstracht einer anerkannten religiösen Vereinigung des öffentlichen Rechts raus, bei der hier und da ein bisschen die Fantasie am Werk war, um auch Deine Kenntnis (von § 126 OWiG) zu checken: Deine Rechtsabteilung von der Titanic

Zewa!

Gewiss, dass Werbung kaum je die reine Wahrheit spricht und vieles Unschöne mit euphemistischen Umschreibungen aufhübschen möchte, ist nichts Neues. Die »Haut« aber, die wir laut Verpackungsaufdruck eines Deiner Klopapiere mit »4 ultra soften Lagen verwöhnen« und der wir »einen besonderen Entspannungsmoment« gönnen sollen, ist immer noch in erster Linie: das ... – na, Du weißt schon. Da kannst Du Dich noch so sehr ankumpeln mit dem comedyesken Wortspielk..., -quatsch »Wohlfühl-›PO‹gramm«. Oder sollen wir, Deiner überreinlich-tabuisierenden Forderung gemäß, um den ... – na, Du weißt schon – nur herumwischen?

Mag es eh lieber rau: Titanic

Christian Lindner!

In der Bundestagsdebatte nach der jüngsten Lockdown-Verlängerung übten Sie Kritik an den Beschlüssen: »Viele Menschen haben mehr erwartet als einen frischen Haarschnitt.« Stimmt, Lindner. Aber nicht von Ihnen!

Hauptsache gepflegt: Titanic

Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

Ihnen, Gerd Schmelzer,

unsere Hochachtung zu entbieten, wäre freilich übertrieben, aber Respekt, den haben wir, wenn wir uns ansehen, wie Sie systematisch öffentliche Mittel in Privateigentum (Ihres nämlich) umwandeln. Auch der bayerische Landtag diskutiert derzeit wieder einmal, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen großzügigen Spenden Ihrerseits an die CSU und der Vermietung eines Ihrer Objekte für das Södersche Zukunftsmuseum am Nürnberger Augustinerhof. Für schlappe 230 000 Euro im Monat (kalt). Auf 25 Jahre.

Von anderen »Gschäftln« mit den sogenannten Grundig-Türmen, der Fläche für die neue Polizeiwache am Tillypark und weiteren Zehntausenden Quadratmetern Grund allein in der Stadt Nürnberg, die Sie klammheimlich schnäppchenmäßig einkauften – dabei wohl gut beraten durch Ihre Ehefrau Dr. Julia Lehner, die seit fast zwanzig Jahren als Kulturwärterin im Nürnberger Stadtrat sitzt –, um sie hernach zu Wucherpreisen an die öffentliche Hand zu verticken, ganz zu schweigen.

Wenn es in naher Zukunft so weit ist und Sie den kompletten Freistaat Bayern aufgekauft haben und hochprofitabel an die Staatsregierung vermieten, sollten wir Ihnen dann unsere Steuern nicht gleich persönlich vorbeibringen?

Würde ein Tässchen Tee bei der Übergabe nicht ablehnen: Titanic

Dass Sie, Heribert Prantl,

ein vehementer Kämpfer für die Erhaltung der Grundrechte sind, konnten Sie erst neulich wieder eindrucksvoll beim »Talk im Hangar 7« unter Beweis stellen, und das im Verbund mit einem menschlichen Hefekloß, der entfernt an den RTL-Quoten-Thoma erinnerte, sowie der haselnussbraun gelockten Harpyie Cora Stephan, deren Meinungs- und Redefreiheit von Ihrem Furor gänzlich verschont blieb.

Ganz anders dagegen erging es Ihrem Gegenüber, einem Mediziner mit Beatles-Frisur, der es wagte, für einen kurzen, aber harten Lockdown zu plädieren, um die Infektionszahlen langfristig niedrig zu halten. Der bekam Ihren geballten Zorn knallhart ins Gesicht gepustet, wobei Sie immer wieder mit dem gestreckten Zeigefinger zustießen, dass man Angst um die Nasenspitze des Moderators neben Ihnen haben musste: »Passen Sie mal auf! Jetzt sag ich Ihnen mal was! Sie wollen die Grundrechte abschaffen! Wie in der RAF-Zeit!« Und das Schlimmste: »Lachen Sie doch nicht!« Ach ja, nicht zu vergessen die Werbeeinblendung zu Ihren Gunsten: »Neues Buch erscheint im März«. Dann hat sich die ganze Aufregung ja gelohnt, für Sie zumindest. So, und jetzt:

Tief einatmen … langsam ausatmen … Fäuste entballen … Danke. Titanic

So was, »Kicker«!

Da schreibst Du so verlässlich wie ernüchternd Woche für Woche über Defensiven, die »Beton anrühren«, damit »die Null steht«, obwohl »ein Tor dem Spiel guttun würde« – und das seit inzwischen mehr als 100 Jahren (»Hier wird Tradition großgeschrieben«, würdest Du dazu wohl sagen). Doch die Niederlage des 1. FC Köln im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Jahn Regensburg betitelst Du plötzlich so: »Konstanz – für die Kölner nur eine Stadt am Bodensee«.

Ha, bzw. haha, ließe sich dieses Prinzip denn nicht ausweiten, gar über die »Welt des Sports« hinaus? Etwa mit: »Singen – für Herbert Grönemeyer auch nur eine Stadt am Bodensee« oder »Essen – für Topmodels nur eine Stadt wie jede andere«? Und als selbstreferentiellen »Ehrentreffer« dann noch: »Wachwitz – für die Kicker-Redaktion nur ein Stadtteil von Dresden«?

Lässt weiterhin keine Punkte liegen: Titanic

Göttliche Bayern,

wer außer Gott, im Alten Testament Jahwe genannt, dessen Name bekanntlich bedeutet »Ich bin, der ich bin«, kann sich durch eine Tautologie beschreiben? Nur Ihr, die Ihr von Euch sagt: »Mia san mia« (auf Deutsch: Wir sind wir). Auch sonst redet Ihr am liebsten in Redundanzen, wie zum Beispiel »Wer ko, der ko« oder »Des is ja des«. Oder »Dahoam is dahoam« (eine mindestens zweimal täglich im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlte Serie). Besonders schön ist der tautologische Chiasmus »Wenn i nimma mog, mog i nimma.«

Verratet uns aber bitte eins: Woher habt Ihr himmlischen Bayern dieses ausgesprochene Talent zu Inhaltsleere und Bedeutungslosigkeit? Bei Gertrude Ein-Stein-ist-ein-Stein abgeschaut? Nein? Ach so, entweder man hat’s oder man hat es nicht. Ja dann. Titanic

Liebwerter Prof. Dr. Kartoffel aka Hans Kantereit!

Wahrlich hast Du uns zeit Deines zu kurzen Lebens mit reichlich Spitzenkomik jedweden Formats (Glossen, Gedichte, Sottisen, Drehbücher etc. pp. ad lib.) versorgt; ja selbst Dein allerletzter Beitrag vom Fachmann für Kenner (TITANIC 2/21) war flamboyant wie stets – keine Frage!

Außer dieser: Und nun? Wer erklärt uns nun die Welt? Die ja angesichts von immer illustreren und sinistreren Trotteln, Trollen und Trumpen nicht leichter zu begreifen ist als 1994, zuzeiten von Teil I Deines heimlichen Hauptwerks »Dr. Kartoffel erklärt uns die Welt«. Sehnen wir uns doch heut’ erst recht nach konzis-luziden Erläuterungen von Phänomenen wie »Das Schipf«: »Warum geht das Schipf nicht unter?« Weil »jedes ein Fliehkraftbarometer besitzt«. D.h. »genau genommen zwei«. Und schon sank der Blutdruck von uns desorientierten Chrononauten signifikant. Und auf Idealwerte anno 2006, als, inzwischen habilitiert, Professor Kartoffel Teil II raushaut: 44 Essays über »Die Briefmarke«, »Das Arschgeweih« etc.

Ach, Kartoffel! Wer das Vergnügen hatte, nicht nur Deinen Schriften zu begegnen, sondern auch Dir persönlich – sei’s in der Redaktion von TITANIC oder Kowalski, Gala (!) oder Effilee, sei’s in luftigen italienischen oder südfranzösischen Refugien, sei’s in Deinen Flagship-Offices in Brüssel, Aachen oder der langjährigen nikotinversiegelten in Eimsbüttel (geschweige im Berliner Pflegeheim) –, der wird Stil, Witz und Würde à la pomme de terre bald hart vermissen.

Und nie Deine Aufklärung vergessen, welche Bewandtnis es denn mit jenem Aufsteller-Foto auf Deinem Brüsseler Schreibtisch in den 90ern hatte. Es zeigte ein Stockfoto, Motiv Happy Family: Hochglanz-Papa, -Mama und -Gören, allesamt strahlend, als gäb’s kein Morgen. »Ach«, so Du mit Deinem legendären Generalbass, »das ist nur, falls mal ein Behördenvertreter kommt, dann sag ich: Ach ja! Das alles war vor dem schlimmen Unfall.«

Danke für alles davor, vor allem für das Fliehkraftbarometer!

Deine Titanic

Entwicklungsminister Gerd Müller!

Im Gespräch mit dem Magazin der Bundesregierung sagten Sie: »Die Welt setzt seit 50 Jahren auf Freiwilligkeit, um Menschenrechte umzusetzen. Ich habe mit Kindern in Steinbrüchen und Plantagen gesprochen und kenne ihr Leid.«

Die Tatsache, dass Sie nach 50 Jahren Freiwilligkeit noch mit Kinderarbeitern in Steinbrüchen sprechen, lässt Sie nicht am Ansatz der Freiwilligkeit zweifeln? Hier muss wohl noch ein Betonkopf zerschlagen werden. Vielleicht haben die Kinder ja Lust.

Klopf, klopf: Titanic

Ähm, Peter Dausend?

Sie schrieben für die Zeit über die neue App Clubhouse, auf der sich Journalisten, Promis und Politiker tummeln, um miteinander zu diskutieren. Aufgrund der Trivialität vieler dieser Gespräche fragten Sie sich: »Haben die denn kein Leben?« Wir wissen ja nicht, wo Sie das letzte Jahr waren, Herr Dausend, aber wir können Ihnen versichern: Momentan hat wirklich niemand ein Leben.

Grüße hinter den Mond schickt Ihnen Titanic

Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

Baden-württembergische Polizei!

Laut Strafanzeige einer Familie in Singen bei Konstanz soll deren elfjähriger Sohn vor der Haustür seiner Oma von Polizisten nach seinen Personalien befragt, durchsucht, mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und auf die Polizeiwache verschleppt worden sein. Grund der Festnahme sei ein in der Hosentasche des Elfjährigen gefundenes Taschenmesser gewesen. Grund der Personenkontrolle bzw. Leibesvisitation indes war offensichtlich die Tatsache, dass es sich um ein Sinti-Kind handelte.

Schon klar, baden-württembergische Polizei: Wir haben das jetzt durch unsere polizeifeindliche Brille gesehen, und Deine Ermittlungen gegen Deine tadellosen Beamten werden die falschen Vorwürfe sicher schnell entkräften. Und Du wirst uns mitteilen, wie es wirklich war: Vermutlich wird der Elfjährige die beiden Beamten mit einer Stichwaffe bedroht, ihnen die Handschellen entwendet und ihnen anschließend die Hände auf den Rücken gefesselt haben. Nein? Das wäre dann doch ein bisschen übertrieben und unglaubwürdig?

Schon jetzt gespannt auf die Räuberpistole, die Du Dir einfallen lässt: Titanic

Hey, Feiertage 2021!

Weil ja viele von Euch dieses Jahr aufs Wochenende fallen: Können wir da als Ausgleich nicht ein paar neue erfinden? Zum Beispiel den Ostermittwoch am 7. April, den Pfingstdienstag am 25. Mai und den vierten Weihnachtsfeiertag am 28. Dezember?

Notiert sich’s schon mal im Kalender: Titanic

Dr. Manfred Klinkhardt!

Während wir Ihre Bücher »Tilapia: Der Zukunftsfisch« und »Pangasius: Der Markterfolg vom Mekong« noch für experimentelle Epik hielten, sind wir bei der Lektüre von »Hummer: Der König der Krustentiere« und natürlich »Hering: Silber des Meeres« etwas ins Schwimmen geraten. Was sind Sie denn nun? Ein ernstzunehmender Romancier wie Robert Musil und James Joyce? Ein sprachferner Fachmann für aquatisch lebende Wirbeltiere mit Kiemen wie Frank Schätzing (»Der Schwarm«) und Günter Grass (»Der Butt«)? Oder fischig wie Thea Dorn?

Blubb, blubb: Titanic

Großstädter!

Wie wir neulich erfuhren, will jeder dritte von Euch die Stadt verlassen und aufs Land ziehen. Ein Schock für uns, die wir hier in Frankfurt ansässig sind! Wie sollen wir es ohne Euch nur aushalten, wenn plötzlich kein Wohnungsmangel mehr herrscht und dadurch Mieten wieder bezahlbar werden? Wie schrecklich das nur sein wird, wenn sich plötzlich Hunderttausende Menschen weniger in die stets überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel drängeln? Wie soll man denn noch Spaß am Leben haben, wenn unsere Kinder plötzlich mit Leichtigkeit einen Kita-Platz bekommen?!

Wir bitten Euch also, bleibt in der Stadt und genießt die schönen Seiten. Die gute Luft zum Beispiel!

Kann man auch besser in der Stadt kaufen: Titanic

Wie Sie, US- Schauspielerin Jamie Lee Curtis,

nun stolz auf Instagram verkündeten, haben Sie seit 22 Jahren Ihre Abhängigkeit unter Kontrolle. Na, wenn sich Ihr Suchtgedächtnis da mal nicht täuscht! Aber sollten Sie sich inzwischen tatsächlich von dem gruseligen, elendig gestreckten Stoff losgesagt haben, sehen wir auch über »Halloween: Ressurection« (2002), »Halloween« (2018) sowie das bereits abgedrehte und für dieses Jahr angekündigte »Halloween Kills« als erwartbare Rückfälle in Ihrer langen Junkie-Karriere hinweg.

Maske auf und durch! Titanic

Stehengeblieben, Bertram Weisshaar!

Sie sind Promenadologe oder Spaziergangswissenschaftler und konstatieren bzgl. der Coronapandemie eine neue Wertschätzung für das Gehen: »Ein Spaziergang ist weitgehend zweckfrei … Durch Home-Office und Lockdown fühlen sich viele zu Hause eingesperrt. Deshalb erlebt man das Rausgehen jetzt als besonders bedeutungsvoll.«

Bon, Herr Weisshaar, noch mal zum Mitschreiben: Wenn man sich eingesperrt fühlt, erhält das Rausgehen eine ganz besondere Bedeutung. So ähnlich wie: Wenn man kein Geld hat, erlebt man das Geldhaben als besonders bedeutungsvoll? Wenn man im Winter keine Anziehsachen anhat, erlebt man das Reingehen als besonders bedeutungsvoll?

Weitgehend zweckorientiert: Titanic

Moin, Thomas Collien,

Ihres Zeichens Chef des »St. Pauli Theaters« in Hamburg! Nachdem wir im Lockdown all die üblichen Streamingangebote (Arte, SWR, 3sat) durchgebinget hatten, lotste uns der Youtube-Algorithmus auf eine leicht angestaubte und prä-pandemische NDR-Dokumentation über Ihr Haus.

Eines vorab: Wie Sie sicher wissen, sind (nach Jahrzehnten des extern an uns herangetragenen »Sinkens des Satiredampfers« etc. pp.) maritime Anspielungen in unserer Redaktion verpönt und mit viel Leidensdruck verbunden. Wir sind in dieser Hinsicht also an einiges gewöhnt. Was allerdings Sie, Collien, da im Interview vom Stapel ließen (wohlgemerkt über ein Theater!), bringt das Wortspielfass dann doch zum Überlaufen: »Also das Schiff ist ja schon manövrierbar dadurch, dass es klein und flink ist seit 175 Jahren. Das heißt, wir sind am längsten über Wasser bisher. Und ich glaube, dass dieses kleine, gut drehbare Schiff auch weiter Chance (sic!) hat auf diesem Markt, weil wir ganz schnell, wenn mal kein Wind ist, anfangen können zu rudern, um es zu bewegen.«

Puh. Wir als Abstinenzler bitten mit Nachdruck: Wenn Sie das nächste Mal so lospoltern, setzen Sie vorher eine Content-Note!

Lässt sich gern einfach mal treiben: Titanic

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersternchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

Ach ja, Kaulitz,

wie kam es eigentlich zur Veröffentlichung Ihrer Autobiografie? Sie hatten halt Zeit, denn Corona hat Sie und Ihre Tokio-Hotel-Kollegen »kurz nach dem Start unserer lang geplanten Lateinamerika-Tour, genau wie den Rest der Welt, heftig in den Arsch gefickt«.

Das ist schlimm für die Welt, abgesehen von jenem Teil, der heftig in den Arsch gefickt zu werden nicht als Belästigung empfindet und dessen Liebesleben synonym fürs Üble per se zu nehmen ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass einen wer ins Hirn gefickt hat.

Gell?

Kau, schau, wem: Titanic

Sie wiederum, Franziska Zimmerer,

hielten in der Welt eine Lobrede auf Norbert Röttgen (CDU). Dieser sei »zu galant, zu modern und zu gut aussehend für diese Partei.«

Nun wollen wir nicht gern Zweifel an Ihrer Liebe säen, aber doch zu bedenken geben, dass das »George-Clooney-eske«, das Sie ihm ebenfalls attestieren, eventuell einer optischen Täuschung geschuldet sein könnte, Stichwort krasser Kontrast, Sie wissen schon: Merz, Laschet, Bouffier und so.

Zu galant, modern, gutaussehend und clooneyesk für diese Welt ist eh nur Titanic

Und, Mr. Castor,

einen Anwalt mit einem treffenderen Namen als dem Ihren hätte Donald Trump für sein zweites Impeachment wohl nicht finden können. Oder wessen lustige Idee war das mit dem Mülleimer?

Beeindruckt: Titanic

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Stillgestanden, »Spiegel«!

»Macht sich in den USA Kriegsmüdigkeit breit?« fragst Du in einer Artikelüberschrift. Ja, wo kämen wir hin, wenn die USA die Ukraine nur nüchtern-rational, aus Verantwortungsbewusstsein oder gar zögerlich mit Kriegsgerät unterstützten und nicht euphorisch und mit Schaum vor dem Mund, wie es sich für eine anständige Kriegspartei gehört?

Spiegel-müde grüßt Titanic

 Helfen Sie uns weiter, Innenministerin Nancy Faeser!

Auf Ihrem Twitter-Kanal haben Sie angemerkt, wir seien alle gemeinsam in der Verantwortung, »illegale Einreisen zu stoppen, damit wir weiter den Menschen helfen können, die dringend unsere Unterstützung brauchen«. Das wirft bei uns einige Fragen auf: Zunächst ist uns unklar, wie genau Sie sich vorstellen, dass Bürgerinnen und Bürger illegale Einreisen stoppen. Etwa mit der Flinte, wie es einst Ihre Bundestagskollegin von Storch forderte? Das können Sie als selbsternannte Antifaschistin ja sicher nicht gemeint haben, oder? Außerdem ist uns der Zusammenhang zwischen dem Stoppen illegaler Einreisen und der Hilfe für notleidende Menschen schleierhaft.

Außer natürlich Sie meinen damit, dass die von Ihrem Amtsvorgänger und der EU vorangetriebene Kriminalisierung von Flucht gestoppt werden müsse, damit Menschen, die dringend unsere Unterstützung brauchen, geholfen wird.

Kann sich Ihre Aussage nicht anders erklären: Titanic

 Sicher, Matthew Healy,

dass Sie, Sänger der britischen Band The 1975, die Dinge einigermaßen korrekt zusammenkriegen? Der Süddeutschen Zeitung sagten Sie einerseits: »Ich habe ›Krieg und Frieden‹ gelesen, weil ich die Person sein wollte, die ›Krieg und Frieden‹ gelesen hat.« Und andererseits: »Wir sind vielleicht die journalistischste Band da draußen.« Kein Journalist und keine Journalistin da draußen hat »Krieg und Frieden« gelesen, wollten mal gesagt haben:

Ihre Bücherwürmer von der Titanic

 Nichts für ungut, Tasmanischer Tiger!

Nachdem wir Menschen Dich vor circa 100 Jahren absichtlich ein bisschen ausgerottet haben, um unsere Schafe zu schützen, machen wir den Fehltritt jetzt sofort wieder gut, versprochen! Du hast uns glücklicherweise etwas in Alkohol eingelegtes Erbgut zurückgelassen, und das dröseln wir nun auf, lassen Dich dann von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus in Melbourne austragen, wildern Dich in Australien aus und fangen dann ziemlich sicher an, Dich wieder abzuknallen, wie wir es mit den mühsam wiederangesiedelten Wölfen ja auch machen. Irgendjemand muss ja auch an die Schafe denken.

Aber trotzdem alles wieder vergeben und vergessen, gell?

Finden zumindest Deine dünnschwänzigen Breitfußjournalist/innen von der Titanic

 Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Nichts läge uns ferner, als über Ihren Steuerhinterziehungsprozess zu scherzen, der für Sie mit drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe geendet hat. Etwas ganz anderes möchten wir ansprechen, nämlich Ihre Einlassung am zweiten von insgesamt vier Verhandlungstagen, während der Sie laut Handelsblatt »lang und breit über die Vorzüge« von Ingwer palaverten, »aber auch über Knoblauch, Kardamom oder Rosmarin«, bis Sie schließlich einsahen: »Ich könnte stundenlang über Gewürze reden, aber das ist wohl der falsche Zeitpunkt.«

Und ob das der falsche Zeitpunkt war! Mensch, Schuhbeck, die gute alte Gewürz-Verteidigung, die hebt man sich doch für ganz zum Schluss auf, die pfeffert man dem Gericht (!) nach den Kreuzkümmelverhören prisenweise entgegen. Wozu zahlen Sie denn gleich zwei Anwälten gesalzene Stundensätze? Bleibt zu hoffen, dass Sie bei der Revision die Safranfäden in der Hand behalten!

Die Gewürzmühlen der Justiz mahlen langsam, weiß Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Auf dem Markt

– Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut!
– Ja, das ist unser Bestsellerie!

Cornelius W.M. Oettle

 Schwimmbäder

Eine chlorreiche Erfindung.

Alice Brücher-Herpel

 Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter

Wer nichts wird, wird Fehlwirt.

Julia Mateus

 Heimatgrüße

Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme.

Leo Riegel

 Vom Kunstfreund

Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

  • 19.10.:

    Stefan Gärtner bespricht in der Buchmessenbeilage der Jungen Welt Moritz Hürtgens Roman "Der Boulevard des Schreckens".

  • 12.10.: Der Tagesspiegel informiert über den anstehenden Chefredaktionswechsel bei TITANIC.
Titanic unterwegs
04.12.2022 Enkenbach-Alsenborn, Klangwerkstatt Thomas Gsella mit den Untieren
06.12.2022 Kassel, Staatstheater Hauck & Bauer mit Kristof Magnusson
06.12.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Nikolaus-Lesung
08.12.2022 Köln, Senftöpfchentheater Moritz Hürtgen