Briefe an die Leser | September 2019


Sie, Georg Friedrich Prinz von Preußen,

wollen, weil Sie der Nachfahre des letzten deutschen Kaisers sind, Entschädigungen für Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg, ein paar Kunstwerke zurück und dann gerne auch noch im Schloss Cecilienhof in Potsdam wohnen. Darüber, wie die Medien Ihre Verhandlungen mit der Bundesregierung sowie Berlin und Brandenburg wiedergaben, waren Sie indes nicht erfreut: »Tatsächlich hat das der Öffentlichkeit ein sehr eingeschränktes und schiefes Bild vermittelt«, verrieten Sie der »Welt am Sonntag« während einer Audienz.

Ein schiefes Bild, Preußen-Prinz, ist natürlich nie erfreulich, weshalb wir Ihnen zu einem geraden Schnitt raten. Vielleicht mit der Guillotine, wie es sich für Monarchisten gehört? Fragen völlig ununtertänigst und republikanisch Ihre Prinzesschen von der Titanic

Künstliche Intelligenz, Bundesregierung,

ist doch großartig. Wer anderes befürchtet, ist nach der Lektüre Deines Magazins »Schwarzrotgold« eines Harmloseren belehrt. Darin beantwortest Du nicht nur die brennendsten KI-Fragen (»Profitieren nur große Konzerne von KI? Nein«; »Übernimmt KI die Weltherrschaft? Nein«) und lässt Kanzleramtschef Helge Braun darlegen, welche Rolle Intelligenz in seinem Leben spielt (»Neulich stand mal etwas in einer türkischen Zeitung über mich. Ich kann kein Türkisch und wollte wissen, was dort gesagt wird. Der KI-gestützte Algorithmus in meinem Übersetzungsprogramm hat mir geholfen. Und das ist doch großartig«), sondern köderst geschickt (noch!) KI-fremdelnden Nachwuchs: »›Happy!‹ ruft der kleine Roboter namens Vector, als er eine der Schülerinnen beim Girl’s Day im April im Kanzleramt erblickt. Auf zwei winzigen Ketten rollt er umher und schaut in die Gesichter der neugierigen Mädchen um ihn herum.« Man hat ihm nicht nur »beigebracht, menschliche Emotionen zu erkennen«, vielmehr beherrscht er auch die schönen Künste: Am Ende »beginnt das eifrige Stück Technik auch schon mit seiner Zeichnung. Vector malt die glücklichen Augen der Schülerin auf ein Blatt Papier.«

Mal unter uns, Bundesregierung: Wer hat das geschrieben? Ein Mensch? Dann müsste sich die KI ja geradezu fremdschämen. Oder hat bei »Schwarzrotgold« die KI bereits die Autoren- und PR-Herrschaft übernommen? Dann allerdings gäbe es erst recht Grund, sich vor ihr zu fürchten.

Nicht happy: Titanic

Werter Herr Viehmagnat Clemens Tönnies,

in einer Depesche aus Deutsch-Afrika teilen Sie uns Ihre Besorgnis mit, die Kolonialverwaltung versäume ihren eugenischen Auftrag, indem sie die Bevölkerung ihren Trieben überlasse, ohne ausreichend elektro-mediale Zerstreuung bereitzustellen. Denn nur so würden die »Afrikaner aufhören, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren«.

Unser kompetentes Team aus Voodoo-Priestern und Schamanen hat einen Dämon in Ihrer Körpermitte als Ursache Ihrer Sorgen aufgespürt und rät dringend zur täglichen Einnahme pulverisierten Rudi-Assauer-Extrakts.

In dero freundwilligen Hulden Titanic

Karl Lauterbach, Sie Tier!

Über Ihre Haltung zu Mensch-Tier-Chimären, welche neuerdings in Japan sogar zur Welt gebracht werden dürfen, lasen wir im »Spiegel«: »Lauterbach warnt außerdem vor Versuchen, in die andere Richtung zu gehen: Nach der erfolgreichen Geburt von Tieren mit menschlichen Organen sei der Schritt nicht weit, auch Menschen mit tierischen Eigenschaften auszustatten.« Aber bitte, Herr Lauterbach! Menschen mit tierischen Eigenschaften, das gibt es doch schon längst! Sie zum Beispiel sind ein ganz schöner Esel. Mit Fliege!

Wiehert: Titanic

Huhu, »Zeit«!

Schön, eine E-Mail von Dir zu kriegen: »Wir schenken Ihnen ›Die Zeit‹ für den Sommer!«

Aber weißt Du was? Wir hatten uns »Die Zeit« für den Sommer längst geschenkt!

Zeitlos: Titanic

Sehr geehrter Prinz Pi,

Ihnen gebührt selbstverständlich Respekt dafür, dass Sie sich gemeinsam mit Rap-Kollege Capital Bra sowie Sänger Bosse mit Ihrem Song »Messer« gegen Mobbing und Gewalt engagieren.

Besagter Song belegt jedoch die Phrase, dass gut gemeint oft das Gegenteil von gut gemacht ist. So wurden wir vor allem ob der Textzeile »Ein Messer ist ein Messer, wenn es dich durchbohrt« stutzig und fragen uns seitdem, was denn ein Messer wohl ist, wenn es mich bzw. sie oder ihn nicht gerade durchbohrt?

Gabel? Schere? Licht?

Versteht oft diese Rapper nicht: Titanic

Heißer F. J. Wagner!

»Vielleicht hat mich die Hitze verrückt gemacht«, überlegten Sie in Ihrer »Bild«-Kolumne zu den hohen Temperaturen im Sommer. Keine Sorge, diese Diagnose können wir ausschließen: Sie trinken mit Sicherheit genug!

Längst blödgesoffen: Titanic

Kai Gniffke, alter Sack!

Ob Fleischprügel Clemens Tönnies »ein Rassist« sei, fragten Sie an einem Ihrer letzten Tage als Tagesschau-Chef unschuldig – und verneinten sogleich. Denn: »Wir dürfen Rassismus nirgends verharmlosen.« Genau! Besonders, wenn Prominente oder Funktionsträger aus der feinen Gesellschaft etwas Rassistisches sagen. Dann muss man nämlich gerade die kritisieren, weil ihr Nimbus als Leistungsträger und verdiente Gesellschaftsmitglieder solche Kritik ja zuverlässig lähmt. Oder wie sahen Sie das? »Wenn wir nun alles in die Schublade Rassismus einsortieren, was man für gedankenlos gestrig und Altherrengewäsch hält, dann erklärt man sehr viele Menschen in Deutschland zu Rassisten. Dann lässt man die Grenzen verschwimmen.«

Und Grenzen verschwimmen lassen, das kann angesichts Ihrer besorgten Zuschauermassen, des gerade wieder knochendicht zugepflasterten Mittelmeers und nicht zuletzt Ihrer beruflichen Ambitionen doch auch nicht das Richtige sein. Was nicht sein darf, gibt es nicht: Da haben Sie schon recht. Wichtig ist allerdings, dass Sie dann auch mal konsequent bleiben, wenn Sie schon eine neue Schublade öffnen. »Altherrengewäsch in Polizei-Chatgruppen« wäre so eine Schlagzeile, die wir vom Ihnen zukünftig unterstellten SWR gerne läsen. »Generalsekretär konfrontiert mit Altherrengewäsch-Vorwürfen« fänden wir auch toll; »Hat Comedian alte Herrenwäsche gewaschen?« oder »Bekleidungsfirma erntet Shitstorm für mutmaßlich altherrengewäschigen Werbeclip«. Praktische Sprachregelung, denn mit alten Herren muss man, Gniffke, ja im öffentlich-rechtlichen Fernsehen klarkommen, fragen Sie nur Ihre Kollegen.

Wird Ihnen vor lauter Gewäsch nicht irgendwann etwas, nun ja, feucht um die Ohren werden? Wird das nicht langsam mal muffeln?

Fragen: Ihre furztrockenen Jungspunde von Titanic

Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

Sprachvirtuose Joachim Müller-Jung (FAZ)!

Anlässlich der Hitzerekorde im Juli erklärten Sie Ihren Lesern: »Im Irak und in Pakistan gab es dieses Jahr schon stellenweise Temperaturen jenseits der fünfzig Grad. Biologisches Leben ist da kaum noch aufrechtzuerhalten.« Kann es sein, dass Ihr geistiges Leben angesichts 39 Grad Außentemperatur und defekter Klimaanlage zum Zeitpunkt der Niederschrift etwas eingeschränkt war?

Besorgt: Titanic

Jesper Juul (†)!

Da haben Sie sich ein Leben lang als Erziehungskoryphäe und Elternratgeber einen Namen gemacht, und dank was bleibt eben dieser Name nun ausgerechnet bei Jugendlichen im Gedächtnis hängen? Dank einer E-Zigarette aus den kalifornischen Juul Labs! »Viele Millionen Highschool-Schüler ›juulen‹ täglich«, lesen wir im »Spiegel«. »Weil Juul extrem viel Nikotin enthält, macht es besonders schnell abhängig.«

Möchten Sie die verantwortliche Firma nicht posthum verklagen? Andererseits sind Namen nur Schall und Rauch, also bleiben Sie ruhig auf Ihrer Nebelwolke da oben sitzen und seien Sie sanft hüstelnd gegrüßt von Titanic

Hi, Nuremberg (Nürnberg)!

Was müssen wir da in Deinen Bewerbungsunterlagen lesen? »Embracing humanity«, »exploring reality« und »evolving community« – mit Beackerung dieser drei Themenfelder willst Du europäische Kulturhauptstadt 2025 werden? Echt jetzt?

Nur zu. Aber Du weißt schon, dass die Bewerbungsunterlagen vor dem Einreichen noch ins Englische übersetzt werden müssen?

Fühl Dich embraced von den boys und girls der Titanic

Mahlzeit, Jeff Bezos!

Was macht Sie nur so wahnsinnig erfolgreich? Glauben wir dem Onlinemagazin T3n.de, berücksichtigen Sie bei Meetings jedenfalls die sogenannte Zwei-Pizza-Regel. Diese besagt: An einem Meeting sollten nicht mehr Personen teilnehmen, als von zwei amerikanischen Pizzen satt würden, etwa acht Personen also.

Allerdings fragen wir uns, Bezos, ob diese Zahl auf Ihre Gesprächsrunden übertragen werden kann. Denn sichern Sie sich nicht wie stets den Löwenanteil, sodass für andere nicht genug zum Sattwerden bleibt, halten Ihre Meetings ergo allein ab? Oder laden Sie Ihren Vorstellungen gemäß, wovon ein Mensch existieren kann, 1000 Mitarbeiter ein und mampfen denen etwas vor?

Scherz beiseite: Ihr Erfolgsgeheimnis ist natürlich keine irgendwie geartete Pizzaregel, sondern mit viel Glück und Rücksichtslosigkeit erprügelte Marktmacht.

Lässt es klingeln: Ihr Pizzaservice Titanic

Deutsche Wildtier-Stiftung!

In fetten schwarzen Lettern schreibst Du auf eine Deiner Broschüren »Hummeln« und direkt darunter: »Wer summt denn da?«

Wir kaufen ein H und möchten lösen: Es sind – anders kann es doch gar nicht sein – Hummeln.

Deine flotten Bienen bei Titanic

Ganz kurz, »Spiegel«!

»Gesine Schwan brät Buletten für ihre Verwandten, schreibt ein Buch und will mit 76 Jahren für den SPD-Vorsitz kandidieren. Wie irre ist das?«

So irre: Bulettenbraten = 15 %; Buchschreiben = 9 %; Vorsitzkandidatur = 100 %, allerdings weniger bedenklich, da es mittlerweile jeder und jede in der SPD schon gemacht hat. Den auf zwei Seiten ausgewalzten Hausbesuch hättest Du Dir mithin sparen können.

Hat ihn eh nicht gelesen: Titanic

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

Lieber Österreichischer Rundfunk (ORF)!

Wir dachten ja, uns könne keine Schlagzeile über das krude, hinterlistige und geistig umnachtete Verhalten der FPÖ mehr schockieren. Aber was Du auf Deiner Homepage über den Kampf der Freiheitlichen gegen ein Rauchverbot in der Gastronomie titeltest, hat uns doch erschreckt: »FPÖ wird Kippen des Rauchverbots einfordern«.

Verstehen wir das richtig? Die FPÖ fordert sämtliche Zigaretten, die aufgrund des Rauchverbotes nicht konsumiert werden, für sich? Die wollen wohl alle verschmähten Kippen selber rauchen! Dann müssen wir uns dank der lebensverkürzenden Wirkung des blauen Dunstes wenigstens nicht mehr lang mit den Blauen herumärgern.

Atmet erleichtert durch: Titanic

Eltern!

Was Ihr habt, sind Kinder. Was Ihr nicht habt, sind Zwerge, Mäuse, Krümel, Halbe, Kurze oder Kids.

Einfach mal ausprobieren!

Rät mütterlich Titanic

Regierungspräsidium Stuttgart!

»Das Regierungspräsidium Stuttgart will im nächsten Luftreinhalteplan für die Landeshauptstadt 40 Kilometer pro Stunde als neue maximale Geschwindigkeit in der Innenstadt anordnen«, lasen wir in der »Stuttgarter Zeitung«. Dadurch sei nämlich »eher mit einer Verringerung der Verkehrsmenge und damit einhergehend mit Verringerungen der Emissionen zu rechnen«.

Und wir erst so: Wow! Da hast Du wohl über Metastudien rausgefunden, dass Tempo 40 statt 50 schon ausreichend ist? Dass die Leute schon dann nicht mehr mit dem Auto fahren, wenn sie 18 Sekunden länger durch die Stadt brauchen? Krass! Doch schon im nächsten Satz wurden wir aufgeklärt: »Das Regierungspräsidium nennt auf Anfrage eine ›abgeschätzte Wirkung von null bis fünf Prozent Reduktion‹ der Stickstoffdioxidbelastung.« Hehe, null bis fünf Prozent! Oder wie wir sagen: null!

Deine blinden Aktivisten von Titanic

Und Sie, Slavoj Žižek,

Europas »Elvis der Kulturtheorie«, drehten jüngst im SZ-Interview mal wieder ganz groß auf und hauten gleich im Sekundentakt Ihre geliebten Radikalmeinungen heraus, von »Ich stehe auf weiße Frauen« bis »Die schönste Zeit meines Lebens hatte ich als Soldat«. Ferner rissen Sie alte Auschwitzwitze und gaben in gewohnter Manier Antworten auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden (»Niemals würde ich bei Gruppensex mitmachen«). Nachts stellten Sie sich gerne vor, »wie ich Menschen, die ich nicht mag, öffentlich erniedrigen könnte« – nun ja, wer tut das nicht –, und orakelten sich geheimnisvoll durchs Interview (»Irgendetwas muss sich ändern«, »Es gibt einflussreiche Menschen, die so denken, aber ich darf Ihnen die Namen nicht verraten«).

Alles so wie immer. Aber dass Sie freimütig kundgaben, deutsches Essen zu lieben und gerne kleine Souvenirs in Museumsshops zu kaufen, war uns in Sachen Radikalansichten am Ende dann doch zu krass.

Ihre Konsensfreunde von Titanic

Freundin der Epidermis Annegret Kramp-Karrenbauer!

Sie ließen die Welt wissen, was Ihnen widerfuhr, als Sie mit Militärkapellen-Unterstützung das Amt der Bundesverteidigungsministerin übernahmen: »Die Fahne, die Nationalhymne, die aufmarschierten Soldaten, da bekomme ich eine Gänsehaut«, sagten Sie der FAZ.

Und was mit Ihnen erst los sein wird, wenn Sie die Truppen zum Verrichten ihres tödlichen Handwerks in fremde Länder abmarschieren lassen? Oder Sie ein paar Soldaten nach ungünstig verlaufener Arbeit im Sarg zurück daheim begrüßen? In welch freudige Erregung das dann Ihren Körper versetzen wird, AKK, behalten Sie doch bitte für sich.

Befehl von Titanic

»Mit diesem Trick«, Elle.de,

clickbaitetest Du, »haben Nudeln, Kartoffeln & Co. fast keine Kalorien mehr«. Der Trick besteht nun darin, dass man die genannten Lebensmittel »kalt verzehren« könne, da sie dann weniger Kalorien hätten.

Das mag stimmen, und es gehört nicht viel dazu, sich Deine Leserschaft vorzustellen, wie sie künftig geduldig wartet, bis Bratkartoffel, Tortellini und Reispfanne zu Eis erkaltet sind, um sie dann kalorienreduziert hinunterzuwürgen. Aaaber, noch besserer Top-Trick: Wenn man die Speisen extrem erhitzt, also gewissermaßen zu Asche werden lässt, sinkt ihr Kaloriengehalt sogar gegen null!

Immer rank und schlank: Titanic

Zum Glück, »Hamburger Abendblatt«,

behältst Du in Deiner Berichterstattung immer einen kühlen Kopf und kannst deswegen aktuelle Ereignisse für Deine Leserinnen und Leser einordnen. So berichtetest Du beispielsweise über die CSD-Parade in Hamburg, dass hier »halb nackte Männer in Glitzer … völlig normal« seien.

Das ist natürlich beruhigend. Vielen Dank, dass Du uns die Angst genommen hast, dass sich so was auch im Alltag durchsetzen könnte.

Unglitzrige Grüße Titanic

Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

Astrophysiker Neil deGrasse Tyson!

Nach den Schusswaffenattacken in Dayton und El Paso, bei denen innerhalb 48 Stunden 34 Menschen getötet worden waren, mahnten Sie via Twitter zur Besonnenheit: »Often our emotions respond more to spectacle than to data.« Statistisch gesehen kämen in derselben Zeit 500 Personen in den USA durch ärztliche Fehler, 300 durch die Grippe, 250 durch Suizid, 200 durch Autounfälle und 40 durch Individualmorde mit Handfeuerwaffen ums Leben.

Aber, aber, alter Erklärbär, bitte differenzieren Sie! Die Grippetode und die Verkehrsunfälle sind doch allesamt gottgewollt. Das wissen wir aus einer wissenschaftlich topseriösen Quelle!

Emotionslos: Titanic

Kurz aus der Lethargie aufgeschreckt, Wissensmagazin »Scinexx«,

sind wir bei Deiner Meldung »Alzheimer: Tagesmüdigkeit als Vorbote«. Leider haben wir den genauen Inhalt längst wieder vergessen und sind auch kurz drauf wieder friedlich eingeschlummert, aber danke für den Hinweis. Wir hatten schon befürchtet, es läge am Bierkonsum.

Drückt Dich mit geschlossenen Augen: Titanic

Toll, ZDF!

Da räumst Du lächerliche elf Minuten Deiner Sendezeit für ein »ZDF-Spezial« zur nunmehr unumkehrbaren Verdampfung der Welt frei, und dann entschuldigst Du Dich für die Verschiebung von »Notruf Hafenkante«.

Dabei würden sich Deine betagten Stammzuschauer doch so gerne von derselben ins Hafenbecken stürzen, trauten sie sich angesichts der Höllenhitze noch aus den wie zu Kriegszeiten verdunkelten Häusern!

Also, wärm doch gleich wieder die Knopp-Konserven aus dem Hause Hitler auf, oder, noch besser, dampfe Dein Programm ein, auf null Sendeminuten,

empfiehlt Titanic

Deutsche Fernsehlotterie!

Seit 1956 schon stärkst Du nach eigener Aussage das »solidarische Miteinander« und stehst, wie wir in Deiner Satzung nachlesen konnten, für die Förderung »der Hilfe für politisch oder religiös Verfolgte«. Dafür verlost Du derzeit unter allen, die ihr soziales Gewissen mit einem Mega-Los erleichtert haben, eine Flugreise in ein Fünfsterne-Urlaubsresort an der türkischen Riviera.

Wir Christen finden das ganz schön perfide! Während Ablasshandel nach römisch-katholischer Lehre die Zeit in der Vorhölle doch verkürzen soll, schickst Du die Ungläubigen schon zu Lebzeiten dorthin.

Geht dann doch lieber beichten: Titanic

Zum Wohle, Barbara Stamm (CSU)!

Als ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtags engagieren Sie sich jetzt für den Ausschank fränkischen Weins bei Empfängen, was Ihnen jüngst den »Goldenen Bocksbeutel« eingetragen hat. Das finden wir hochverdient, zumal Sie im Nachgang sogar empfahlen: »In den Ministerien sollte der Frankenwein eigentlich selbstverständlich sein!«

Da dürfen wir Ihnen wohl auch zum Namenspatronat für Wein-Stammtische in bayerischen Amtsstuben gratulieren!

Grüßt zwischen zwei Flaschen Grauburgunder vom Schreibtisch: Titanic

Meghan, Herzogin von Sussex!

Eher beiläufig, weil eigentlich zu belanglos haben wir Ihr Mitwirken als Gastherausgeberin der Septemberausgabe der britischen »Vogue« zur Kenntnis genommen. Was uns dann aber doch aufhorchen ließ, war, dass Sie darin auch Ihren Prinzgemahl Harry einspannten, und zwar als Gesprächspartner für die renommierte Primatenforscherin Jane Goodall. Denn das – buzzword: Inselaffe! – ist für eine neu-royale US-Amerikanerin ganz in unserem Sinne schon remarklebly (hihi!) British.

Sincerely yours Titanic

Ein klares Go!, Dresdner Verkehrsbetriebe,

erhaltet Ihr von uns, und zwar für Eure Buslinie 76, die unter der Endhaltestellen-Anzeige »Justizvollzugsanstalt« Deinen Slogan »Volle Ladung Zukunft« zeigt.

Mit Dir für klare Ziele im Leben: Titanic

Sie, Gerhard Ludwig Müller,

ehemaliger Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, sind mit dem gegenwärtigen Papst, der 2017 auf eine Verlängerung Ihrer Amtszeit verzichtete, nicht einverstanden. In Ihrem gerade erschienenen Buch »Römische Begegnungen« konstatieren Sie: »Die Selbstsäkularisierung der Kirche nach dem Modell des liberalen Protestantismus ist nicht der erste Schritt ihrer Modernisierung, sondern der letzte vor ihrer Selbstabschaffung.«

Müller, Ihr Wort in Ihres Gottes Ohr!

Frohlockt: Titanic

Fordernd, fordernd, »Zeit«!

Für ein Abo Deines Kindermagazins »Zeit Leo« wirbst Du mit Prämien wie dem Buch »365 Experimente für jeden Tag«. Das Angebot richtet sich wohl nur an sehr ambitionierte Eltern? Oder Kinder, die wirklich viel Freizeit haben?

Experimentelle Grüße von Deiner Titanic

»Freiburger Wochenbericht«!

Mit »Krebspest hat sich rasant ausgebreitet« überschriebst Du kürzlich eine Meldung. Oha, dachten wir verwundert, hat hier eine verfluchte Geschwulstart epidemisches Ausmaß angenommen? Doch dann lasen wir von einer Pest, die im Oberlauf der Brugga geschützte Dohlenkrebse befallen hat und deren Bestand gefährdet.

Kein Grund zum Aufatmen für Titanic

Radio-Rotschopf Ed Sheeran (28)!

Mit Ihrer Junge-von-nebenan-Masche wirken Sie für Fans unerhört nahbar. Doch tun Sie sich mit größeren Menschengruppen schwer, wie Sie jüngst mitteilten: »Es ist komisch, wenn die Leute mich filmen und mich anstarren.« Es wundere Sie manchmal, dass Ihre Frau Sie trotz Ihrer sozialen Phobien geheiratet habe.

Sagen Sie: Sind Ihre Konzerte, bei denen Sie für gewöhnlich von Tausenden gefilmt und angestarrt werden, so gesehen als bloße Konfrontationstherapie zu begreifen? Wenn ja, wünschen wir Ihnen schnellstmögliche Erfolge – denn umso eher ist das alles wieder vorbei!

Mach Ed jut! Titanic

Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

Moin auch, Oldiesender Hamburg Zwei,

hast Du eigentlich mal ausgerechnet, wie viel mehr Musik Du spielen könntest, wenn Du nicht so ungefähr alle drei Minuten mit diesem Jingle ankämst, in dem Du »mehr Musik« versprichst?

Fragt knallhart kalkulierend: Titanic

Bayerischer Innenminister Joachim Herrmann (CSU)!

Angesichts der ins mediale Interesse gerückten Gräueltaten im öffentlichen Raum polterten Sie in der »Passauer Neuen Presse«: »Jetzt kommen unübersehbar Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in deren Heimat die Gewaltlosigkeit, wie wir sie pflegen, noch nicht so selbstverständlich ist.« Und: »Man muss das ganz deutlich aussprechen: Da kommen Leute zu uns, die sehr viel schneller Konflikte mit Gewalt austragen. Die folglich auch selbst ein deutlich höheres Niveau an Gewalt erlebt haben als wir. Wir haben hier ein erhöhtes Risiko, das zeigen die Kriminalstatistiken ganz eindeutig.«

Da sprechen Sie einerseits ganz unmissverständlich ein wahres Wort, sind auf der anderen Seite aber auch selbst schuld! Wer mit der letztjährigen Novellierung des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes aus seiner Landespolizei einen legalen Fightclub schafft, darf sich schließlich nicht wundern, wenn mittlerweile ganze Horden von Schlägern und Sadisten ins Bullenparadies Bayern migrieren.

Knüppelsuppe serviert von: Titanic

Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

Neuer Freund von Helene Fischer!

Im Interview mit der »Zeit« sagtest Du selbstbewusst: »Ich habe einen eigenen Namen.«

Da fragen wir uns: Ist es »Unwichtiger Nebencharakter« oder aber doch schlichtweg »Tanz-Marionette«?

Hat Dich bis zu Deiner Rückmeldung vermutlich schon wieder vergessen: Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

Vermischtes

Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
20.03.2021 Frankfurt, Mousonturm Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner (Livestream)
25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
04.04.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«