Briefe an die Leser | Oktober 2012


Und wie schade, jeder fünfte Deutsche,

daß Du leider gar nicht lesen kannst, was wir hier gerade extra für Dich hinschreiben. Nämlich daß wir uns zutiefst wünschten, daß Du wenigstens lesen könntest, was wir hier schreiben. Und deshalb Schluß mit dieser nutzlosen Mühe.

Titanic

Tag, Theo Waigel!

Zu den Schwierigkeiten im Euro-Raum äußerten Sie im Fernseh-interview: »Eine politische Union Europa werden wir in den nächsten zehn Jahren nicht schaffen.« Bis dahin helfe nur »mehr Zusammenarbeit durch mehr Kooperation«.

Hä, Waigel? Mehr Zusammenarbeit durch mehr Zusammenarbeit? Ob Europa mit dieser Strategie die Zeit bis zur Vollendung der politischen Union klug überbrückt, bezweifelt dann doch sehr: Titanic

Heda, Bund der Versicherten!

Wenn Du schon in Deiner Postille BdV-Info darauf hinweist, daß das Musterbeispiel für einen aggressiven Vertrieb von privaten Krankenversicherungen, die inzwischen insolvente MEG aus Kassel, »von einem türkischen Jungunternehmer« gegründet wurde, solltest Du auch darauf hinweisen, daß die Vorstandsvorsitzenden von Allianz, Axa und R+V, von deren Abmahnung wegen intransparenter Klauseln Du ebenfalls berichtest, gebürtige Deutsche sind.

Güle güle: Titanic

Schwarzkopf und Schwarzkopf Verlag!

In Deiner Reihe »111 Gründe« findest Du jedesmal exakt diese Anzahl, um wahlweise London, Hamburg, Berlin und München zu lieben. Darunter heißt es bei jedem Band: »Eine Liebeserklärung an die großartigste Stadt der Welt.« Und das, Schwarzkopf und Schwarzkopf Verlag, sieht einfach entzückend verlogen aus, wenn in der Buchhandlung alle vier Bände nebeneinander auf dem Tisch liegen, sagt Dir Titanic

Entzückende Angela Merkel!

Daß Sie ein Herz haben, das dachten wir uns schon. Und nun haben Sie es endlich auch offiziell bestätigt, nämlich als Sie Ihr Mitgefühl gegenüber den Pleitegriechen und deren, schnüff, Sparprogrammen mit dem Satz ausdrückten: »Es blutet einem das Herz.«

Wie wahr, Frau Merkel, es blutet und tropft – und kann doch nicht verhindern, daß Ihre Hand dann wieder die nächsten Kürzungen bei den Bankrotthellenen beschließt.

Möchte in Ihrer Haut nicht stecken: Titanic

Moritz Stranghöner!

Als Bild-Ressortleiter versorgen Sie Ihre Leserschaft auf der »Letzten Seite« regelmäßig mit sexy Schmackofatz-Girls. Daß diese oft als Lückenbüßer für das jüngst abgeschaffte Seite-1-Nackedei herhalten, merkt man schon am Vokabular: »Schokobraune Augen, glänzende Mähne, gertenschlanke Figur« hatte etwa jene Dame zu bieten, die Anfang September gut ein Drittel Ihrer Klatschseite zierte. »Dichte dunkle Mähne, Endlosbeine und lässige Natürlichkeit« machten Sie bei ihr aus und lechzten über »knallgelbe Shorts und pinkfarbene Kniestrümpfe«. Das Objekt Ihrer Begierde: die 10jährige Tochter von Cindy Crawford.

Das können wir freilich nur begrüßen: daß neuerdings auch Leute mit leicht abseitigen Vorlieben in einem sonst nicht eben liberalen Umfeld eine Plattform geboten bekommen – zumal Ihr Arbeitgeber ja gerade Personen wie Ihnen gewöhnlich jegliche Menschenwürde abspricht. Also weitermachen, und zwar schnell! Bevor Paris Jackson so alt ist wie die Madonna-Tochter!

Ihre Aktion »Ein Herz für perverse Sex-Ekel« c/o Titanic

Verdammt, deutsche Ingenieure!

Ihr seid bekanntermaßen schon seit Jahren zu blöd, die Elbphilharmonie in Hamburg, den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven und den Flughafen in Berlin ordentlich hinzukriegen. Jetzt habt Ihr auch noch bei den Pleite-Werften P+S in Stralsund und Wolgast Fähren gezimmert, die 200 Tonnen zu schwer sein sollen. Mal ehrlich: Wollt Ihr nicht lieber woanders anheuern? An der Wursttheke im Supermarkt vielleicht? Da darf’s auch gerne ein bißchen mehr sein.

Die Berufsberater von der Titanic

Kameradin Beate Zschäpe!

In Ihrem Prozeß wegen Mitgliedschaft im »Nationalsozialistischen Untergund« lassen Sie sich also von den Damen und Herren Anwälten Heer, Stahl und Sturm verteidigen. Da wollen wir im Sinne höherer Gerechtigkeit nur hoffen, daß die Anklage von StA Lingrad vertreten wird.

Im Namen des Volkes: Titanic

Huch, Leslie Mandoki (59)!

Früher waren Sie mal Mongole in der Pop-Gruppe Dschinghis Khan, heute komponieren Sie für den VW-Konzern rockige Gitarrenriffs zur Vorführung eines Porsche oder Flamencomusik zum Auftritt der spanischen VW-Tochter Seat. »Integrierte musikalische Kommunikationskonzepte« nennen Sie das: »Jede Marke hat ihr eigenes Image und ihre eigene Musik.« Ihr Verhältnis zu VW-Chef Winterkorn sehen Sie so: »Natürlich gibt es viele Unterschiede zwischen einem Konzernlenker und einem Musiker, aber es gibt auch eine große Gemeinsamkeit: Ihm geht es ums perfekte Auto, mir geht es um die perfekte Musik.«

Ach herrje, Mandoki – ist das nicht ein bißchen dick aufgetragen für ein paar sterile Reklamejingles?

Wie erfrischend unvollkommen wirkte dagegen »Auf Brüder, sauft Brüder, rauft Brüder«, und dazu Ihr Herumgetanze in albernen Plüschhosen, erinnert sich Titanic

»Noma«, Kopenhagen!

Mit Deiner Regionalbezugsküche und Deinen schicken Rohholztischen bist Du das wahrscheinlich beste Restaurant der Welt, und auf Deiner Menükarte gibt es jetzt endlich auch: »Lebende Ameisen aus Jütland in einem Spiegel aus Crème fraîche.«

Mein Gott, sind wir froh, daß es die aus Jütland sind! Die Kopenhagener kitzeln immer so.

Tisch für zwölf: Titanic

Bischof Meisner, alte Kampfratte!

Sie lernen ja dazu! Auf das Thema Sterbehilfe angesprochen, antworteten Sie der Bild-Zeitung: »Das ist weder human noch christlich!« Und Christlichkeit und Humanität als zwei völlig unterschiedliche Kategorien zu begreifen, hätten wir Ihnen gar nicht zugetraut. Andererseits: Einer, der das »Problem der Homosexualität ausschwitzen« will und Abtreibung als »täglichen, beschwiegenen Super-GAU« bezeichnet hat, weiß eben, wovon er spricht.

Weitere An- und Einsichten dieser Güte wünscht: Titanic

Hui, NDR Info!

Als die von Joachim Gauck so treffsicher zum Jahrestag des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen gepflanzte deutsche »Friedenseiche« nur wenige Tage später plötzlich gefällt worden war, berichtetest Du im Brustton der Erschütterung, die unbekannten Täter gehörten einer »linken Splittergruppe« an.

Faktenorientiert wie immer müssen wir Dich jedoch darauf hinweisen, daß es sich wohl eher um eine linke Sägespänegruppe gehandelt hat.

Deine Forstwissenschaftler auf der Titanic

Und Sie, fast vergessener Lothar de Maizière,

setzten uns in Günther Jauchs Sesselschlummersendung »Machtfrau Merkel – wie tickt die Kanzlerin?« auseinander, wie es beim Casting zu Kohls erstem gesamtdeutschen Kabinett zugegangen sei: »Er sagte zu mir, er wolle ein weiches Ressort mit einer ostdeutschen Frau besetzen. Drei Fliegen mit einer Klatsche, also weich, ostdeutsch, Frau.« Woraufhin es Ihnen gelungen sei, Kohl zu diesem Zwecke von Merkel zu überzeugen.

Und so, de Maizière, alter Fliegenfänger, ist die Kanzlerin also in Wahrheit Ihr Geschöpf? Und Sie harmloser Fusselbart sind mithin verantwortlich für jenen todbringenden Streich, der in Gestalt Merkels neben Frauen, Ostdeutschen und weichen Ressorts später auch noch Kohl, Union, Opposition und überhaupt jede politische Regung im Lande auslöschen sollte?

Dann klatscht vollends begeistert: der Herr der Fliegen c/o Titanic

Liebes »bild.de«!

Wir fassen mal eben Deinen toprecherchierten Spitzenartikel über den Deutschen Radiopreis 2012 zusammen: Die schwangere Barbara Schöneberger moderiert, Robbie Williams gibt ihrem drallen Bauch einen Kuß und findet außerdem Udo Lindenberg cool. Du brauchst dafür 136 Wörter bzw. 820 Zeichen – so weit, so kurz, so sinnlos. Was uns aber wirklich imponiert hat an dem Artikel »Robbie busselt Barbaras Babykugel«, ist die in Versalien gehaltene Autorenliste: »Von LIEN KASPARI, RITA KORUNKA, VOLKER PESCHEL, DORA VARRO, MARCUS HEYL, THOMAS KNOOP, SYBILL SCHNEIDER, HENNING SCHEFFEN, NOÉL ALTENDORF und MARCO ZITZOW« – zehn Menschen, die wahrscheinlich die Axel-Springer-Akademie absolviert haben, um Dir, »bild.de«, Sachen aufzuschreiben, die man sowieso im Fernsehen sehen konnte.

Für diesen vorbildlich unbetriebswirtschaftlichen Ressourceneinsatz ein Chapeau von Titanic

Mmh, McDonald’s!

Neuerdings bietest Du zu Deinen »Happy Meals« statt Figürchen oder anderem Plastikspielzeug Büchlein für die Kleinen an. Ist das wirklich eine »Riesenchance« für die Leseförderung, wie Deine Sprecherin Bettina Müller gegenüber »sueddeutsche.de« meinte, oder verbirgt sich dahinter bloß eine geschickte Weiterverwertung Deiner übriggebliebenen Fritten?

Rülps: Titanic

Waldemar Hartmann, alter Sportsfreund!

Die ARD hat Ihren Ende des Jahres auslaufenden Vertrag als Moderator von Boxübertragungen nicht verlängert, weil Sie bald 65 werden. Sie erklärten daraufhin empört: »Wenn das die Begründung ist, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller über 60jährigen, die sich – so wie ich – noch geistig und körperlich fit fühlen.«

Aber, Hartmann, wenn Sie sich tatsächlich geistig und körperlich fit fühlen, warum haben Sie es dann nie gezeigt?

Fragen Ihre Fitneßtrainer auf der Titanic

Und Du, Peter Maffay,

erlebst bei Deinen Konzerten also mitunter religiöse Momente, wie Du der Zeitschrift Freundin Donna berichtest: »Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das oft so wunderbar – da kann es passieren, daß ich anfange zu beten, während ich singe.« Aber, Maffay, geht das nicht jedem so?

Herr, erbarme dich unser! Titanic

Fluggesellschaft »Emirates«!

Leider haben wir Dein fabelhaftes China-Angebot verpaßt, das im Sommer in Wien groß plakatiert wurde: »Buchen Sie Ihren Platz des himmlischen Friedens.«

Vielleicht in der nächsten Saison!

Schon im Survival-Training: Titanic

Ben Becker, Du vollverrückter Erwartungserfüller!

Nach Bushidos Bravwerdung bist Du ja gottlob wieder Deutschlands anerkannt bösester Bube. Nun hast Du (47) zwar auch vollbrav Deine Lebensgefährtin (39) geheiratet, aber das wenigstens, wie Bild bereitwillig bestätigte, »so verrückt, wie man es von ihm erwartet«: die Nacht des Polterabends durchgezecht, morgens mit Bier weitergemacht, besoffen irgendwo rumkrakeelt und dafür aber rausgeschmissen worden, den Fotografen den traditionellen Stinkefinger gezeigt, ein Stündchen vor der Trauung kurz noch auf der Parkbank gepooft und dann trotzdem in Trachtenlederhose und Rotsamtweste senkrecht vor den Standesbeamten erschienen – naja.

Was hätte wohl, auch wenn Du den Vergleich haßt, Dein Böse-Buben-Vorbild Klaus Kinski gemacht? Wenigstens mal gekotzt, um sich geschlagen, geblutet und alle auf ewig verflucht! Aber dafür bist du »Rebellen«-Themenabend-Trailerdarsteller bei Arte.

Hat herrlich gekichert: Titanic

Wenn man, Altonaer »Hexenkessel«,

in Hamburg, der »Hochburg der Szenegastronomie und der Sterne-Köche«, also dort, »wo die alte Imbißkultur fast in Vergessenheit geraten ist«, diese der Kundschaft mit »Liebe, Lust und Raffinesse« zurückgeben will, dann gehen Sachen wie Honig-Senf-Dressing, Pommes mit Trüffelremoulade, Ziegenkäse mit Apfel-Honigkruste und ein riesiger Knoblauchzopf vorm Tresen überhaupt nicht. Aber vor allem, »Hexenkessel«, antwortet man auf die Frage, ob es Kaffee zum Mitnehmen gebe, nicht mit Entschuldigungen wie: »Du, nee, sorry, so was führen wir leider gar nicht.« Das hört sich in der echten, alten, ehrlichen Imbißkultur nämlich folgendermaßen an: »Du, sach ma, Inge, is noch Kaffee da?« – »Ja, nö, hab die Maschine gerade ausgestellt, aber ich kann ihn ja nochma warm machen und in’n Limobecher kippen.«

So geht das und nich anners!

Deine fettigen Frittenfinger auf der Titanic

Ach, Günther Jauch!

Was waren wir erschrocken, als wir Sie gerade googeln wollten und den Ergänzungsvorschlag »günther jauch tot« präsentiert bekamen. Und wir hatten uns schon gefragt, warum Sie nach dem Tatort immer so lethargisch dasitzen und keine guten Fragen haben. Aber dann sahen wir, daß nur Ihr Fragenausdenker Günter Schröder gestorben war, so daß lediglich die Frage offenbleibt: Warum sitzen Sie immer so lethargisch da?

Klären Sie uns auf? Titanic

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung!

So löblich Deine Kampagne für Safer Sex auch ist, bei der allerlei Menschen sagen, wie sie es denn am liebsten wollen würden – bist Du ganz sicher, daß diesem Ziel auch jener junge Herr dient, der da auf Deinen großflächigen Plakaten fordert: »Ich will’s endlich«? Der Endlichkeit käme er doch erheblich schneller nahe, ließe er das Tüterl einfach mal weg!

Ganz auf Nummer sicher: Titanic

Soso, Ralf Wiegand c/o »Süddeutsche«:

»Vor ein paar Jahren – oder ist es Lichtjahre her? – hat man sich noch Sorgen um die Qualität des TV-Programms gemacht.« Es ist jedenfalls, Herr Wiegand, nicht nur viele Lichtjahre her, sondern noch ein paar Megatonnen Alkohol länger, seit Sie das letzte Mal in ein Physikbuch geschaut haben.

Ihr Fachblatt fürs Maßhalten: Titanic

Hochverehrter Clint Eastwood!

Ihr überraschender Gastauftritt beim Parteitag der US-Republikaner in Tampa, bei dem Sie sich mit einem imaginären Barack Obama unterhielten, erntete überwiegend Hohn und Spott und wurde, z.B. von »Spiegel online«, als bizarr bezeichnet. Warum eigentlich? Jeder weiß doch, daß Sie ein grandioser Regisseur und Schauspieler sind. Wir halten Ihre Darstellung eines schrulligen und grenzdebilen rechten Hardliners für oscarreif!

Weiter so, Mr. Heston…, äh, Eastwood, rät Ihnen: Titanic

Werte Qualitätsmedien,

die Ihr nach dem Prozeß gegen Pussy Riot immer wieder darauf hingewiesen habt, die Punk-Girls kämen nun »zwei Jahre für 40 Sekunden« (Süddeutsche Zeitung) in den Knast: Habt Ihr Euch schon mal überlegt, daß so mancher Mörder für nur 20, 10 oder gar 5 Sekunden den Rest seines Lebens im Kittchen verbringen muß? Nein? Dann macht mal weiter mit Eurer aufgeregten Berichterstattung.

Entspannte Grüße: Titanic

Lieber Joko, lieber Klaas!

Jetzt nur mal ganz wertfrei als persönliche Frage zwischendurch: Wenn man über sich selbst in der Bild-Zeitung lesen muß: »Ihnen ist nichts peinlich, das macht sie symphatisch«; wenn einen also nun sogar schon Bild dafür »symphatisch« findet, daß einem selbst für völlig haltlose Bild-Geschmacksbegriffe nichts, aber auch gar nichts peinlich ist – ist es da nicht vielleicht wenigstens so, daß einem so ein Lob dann aber doch schon etwas peinlich ist? Nein? Wieso denn?

Dachte sich schon: Titanic

Mensch, sächsische Nazis!

Euch mal zu loben, fällt uns zugegebenermaßen schwer, aber daß Ihr neuerdings Crystal Meth unter Euresgleichen vertickt, eine Substanz, die zu rapidem körperlichen Verfall führt und auch unter dem Szenenamen »Hitler-Speed« bekannt ist – Respekt!

Muß Euch so auch nicht mehr mühsam die Zähne einschlagen: Titanic

Fraktionsvorsitzender Volker Kauder (CDU)!

Tina Hildebrandt von der Zeit wollte anscheinend unbedingt ein Porträt über Sie schreiben, in dem Sie irgendwie widersprüchlich, innerlich zerrissen, ja fast schon dreidimensional erscheinen. Und so stellte sie Ihrem Spießertum, Ihrem Opportunismus und Ihren Ressentiments dies entgegen: »Ein Betonkopf ist er trotzdem nicht. Kauder geht gerne ins ›Sprechtheater‹, wie er sagt, ist im Förderkreis des Deutschen Theaters, vor allem die Thalheimer-Inszenierungen haben es ihm angetan. Er glaubt nicht, daß Kinder in homosexuellen Partnerschaften aufwachsen wollen, aber er hört gerne Musik von der Schwulen-Ikone Freddy Mercury.« Sie sind also Freund einer bildungsbürgerlichen Institution, die Sie, um sie noch langweiliger erscheinen zu lassen, »Sprechtheater« nennen. Insbesondere gefallen Ihnen die Inszenierungen Michael Thalheimers, der weißen Schauspielern gerne ein Schuhcreme-Makeup mitsamt dicken, roten Lippen verpaßt, wenn mal ein Neger in der Handlung vorkommt. Und darüber hinaus schätzen Sie die Kunst von sensiblen Schwulen, wollen ihnen aber nicht alle Rechte zukommen lassen.

Wenn das, Kauder, Ihre unbetonköpfige Seite sein soll – also, wie sollen wir sagen? Läuft da eigentlich was zwischen Ihnen und der Hildebrandt? Oder ist die einfach nur hoffnungslos verschossen?

Fragen Ihre good old-fashioned lover boys von der Titanic

Professor Dieter Riemann, Schlafforscher!

Zum Thema Müdigkeit nach dem Mittagessen (»Post-Lunch-Dip«, »biologisches Mittagstief«) verrieten Sie der Süddeutschen Zeitung: »Dieser Einbruch der Vigilanz um die Mittagszeit ist die Voraussetzung dafür, daß man schlafen kann.« Also Müdigkeit als Voraussetzung fürs Schlafen? So wie jener Einbruch der Somnolenz um die Morgenzeit die Voraussetzung dafür ist, daß man aufwacht?

Dann ist künftig wohl mit größerem Ernst als bisher bei der Sache: Titanic

»Taz«-Leser Anonymus!

In der Rubrik auf der Taz-Homepage, in der Leser ihre Meinung zum freiwilligen Zahlen fürs Online-Angebot kundtun dürfen, schreibst Du: »Die Taz unterstütze ich gerne und das Hospiz in meiner Stadt« – tja nun, es sind halt beides so mitleiderregende Institutionen voller Sterbenskranker, nicht wahr?

Morituri te salutant: Titanic

Liebes MDR-Fernsehen!

Dein frisch eingestellter Unterhaltungschef heißt Peter Dreckmann. Wäre aber angesichts Deiner seit zwei Jahrzehnten unveränderten Qualität ein Herr Schleim- oder Sülzmann nicht passender gewesen?

Mit mitteldeutschem Gruß: Titanic

He, »Graf«!

Ja, Sie, mit dem anstrengend außergewöhnlichen Backenbart! Es ist wirklich so, nicht? Sie finden wirklich, Sie als Schlagerrockpopstar hätten »Vorbildfunktion« und deshalb »Verantwortung«, und die Konsequenz daraus müßte sein: keine Drogen, kein Alkohol? »Bei uns gibt es totales Alkoholverbot. Hinter der Bühne, während der Tour, während der Show.« Sie Held der Mädchenmassen, das meinen Sie ernst, nicht wahr? Sie wären eben doch lieber bei Heilig als bei Unheilig, oder? Na, uns ja eh egal.

Geboren, um zu trinken: Titanic

Nachrichtenseiten im Internet!

Die umstrittene Äußerung des CSU-Kettenhundes Alexander Dobrindt, der EZB-Chef Draghi sei ein »Falschmünzer«, kommentierte Parteichef Seehofer mit den Worten: »Ich denke, er wird diesen Begriff nicht wiederholen.« Daraufhin war bei Euch reihenweise zu lesen: »Seehofer stutzt Dobrindt«, »Seehofer distanziert sich von Dobrindt«, »Seehofer rügt seinen Sekretär« usw. Aber habt Ihr Seehofer eigentlich genau zugehört? Und ist Euch nicht in den Sinn gekommen, daß Dobrindt zahlreiche Synonyme zur Verfügung stehen? Zum Beispiel: Blender, Betrüger, Fälscher, Beutelschneider, Gauner, Bauernfänger, Schwindler, Ganove, Bandit?

Muß Euch mal wieder rügen: der Presserat der Titanic

Hohes Gericht in Santa Monica, Ca.!

Du hast einem Stalker, der drohte, die Sängerin Sheryl Crow zu erschießen, verboten, sich ihr auf weniger als 300 Meter zu nähern. Für einen Scharfschützen mit Großkalibergewehr ist das eine reizvolle Distanz. Wie viele Fehlversuche sind ihm denn gestattet?

Fragen sich die Schützenkönige auf der Titanic

Berg Heil, Reinhold Messner!

Angesichts der regelmäßigen tödlichen Abstürze von Kletterern fühlten Sie sich wieder mal bemüßigt, ein mahnendes Wort an alle »Sonntagsbergsteiger« zu richten. Ihre Fans, warnten Sie, sollten die Kletterhalle, in der sie glänzten, nicht mit draußen verwechseln, denn am Berg herrsche die Natur, und die sei »alle Tage neu und alle Tage kreativ«. Weil’s aber bis hierher nur eine ordinäre Durchsage des Bergwachtmeisters und noch kein echter Messner gewesen wäre, fügten Sie dalailamamäßig hinzu: »Die Fehler im Zusammenhang Mensch und Berg macht immer nur der Mensch.« Wohl wahr, Messner, alter Berggecko! Also zumindest im Prinzip. Denn es kommt schon auch mal vor, daß der Berg einen Fehler macht. Doch, doch: Nehmen Sie nur die vierzehn Achttausender, die Sie als erster ohne Sauerstoff bestiegen haben – die fragen sich heute noch, warum sie sich nicht aufgetan und Sie verschluckt haben, samt Ihrem riesengroßen Superschlaumeiermaul!

Alle Tage kreativ: Titanic

Und wenn, Anna Kyrieleis (Tagesthemen),

die Flugbegleiter der Lufthansa ihren Streik nicht »auf dem Rücken der Passagiere« austragen sollen, wie von Ihnen so erfrischend gefordert, dann verraten Sie uns doch bitte, auf wessen Rücken dann. Denn auf irgend jemandes Rücken muß der Streik ja ausgetragen werden, sonst ist es ja keiner, nicht wahr! Oder höchstens ein Anna-Kyrieleis-Spezialstreik, wo man zwar streikt, dabei aber brav weiterarbeitet, damit der Standort brummt und öffentlich-rechtliche Gedankenarmutsopfer nicht warten müssen, wenn’s zum Friseur nach Paris geht.

Kyrie eleison! Titanic

Franz-Peter Tebartz-van Elst!

Als Limburger Bischof sind Sie derzeit gehörig im Gerede: Freihändig gewährten Sie sich eine neue Residenz in Domnähe, mit Sauna, Sportplatz, Privatpark und eigener Hauskapelle; dazu gab es Luxusflüge für 8000 Euro, weil Sie in Indien die Kinderarbeit in Steinbrüchen besichtigen wollten; schließlich statteten Sie Ihr neues Heim mit schicken Antiquitäten aus, alles mit dem Geld Ihrer Schäflein. Und weil die Limburger Katholiken fast schon für Ihre Beerdigung sammeln, weinten Sie zur Verteidigung ins Bistumsblatt: »Ich brauche diesen Luxus nicht. Ich mag keinen Kaviar, und mit Champagner macht man mir auch keine Freude.« Je nun, so was ist ja sowieso immer Geschmackssache, und sollte Ihr Gaumen statt dessen an Kobe-Rind, kandierten Kroko-Eiern und gefüllten Kolibriherzen hängen, können Sie naturgemäß nichts dafür, daß Ihnen gerade die teuren Sachen so gut schmecken.

Zumal Sie auch entsagen können: So hätten Sie während Ihres Aufenthalts in Indien mit Ihrem Generalvikar in einfachsten Unterkünften ohne fließend Wasser gelebt: »Als Dusche habe ich mir einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet.« Aber lassen Sie uns raten, Teerbatz-van Elster: Ihnen behagt nicht jedes Wasser überm Schädel – es mußte schon handgeschöpfter Himalaya-Blütentau sein! Uns scheint jedenfalls, als wäre die Kirche mit Ihrer Art des Wirtschaftens in wenigen Jahren da, wo sie sein sollte: am Ende.

Und das ganz ohne Mithilfe von Titanic

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller!

Als Sie dem Spiegel verrieten: »Ich habe die Sprache gegessen«, da haben wir endlich verstanden, warum bei Ihren Büchern immer das herauskommt, was nun mal herauskommt.

Es danken: Ihre Ko(s)tverächter von der Titanic

Jasper von Altenbockum (»FAZ«)!

Das war ein feiner Kommentar, den Sie da zur Erinnerung ans Pogrom von Rostock-Lichtenhagen verfaßten: »Der Terror brachte manchen Sozialromantiker zur Besinnung und machte den Weg für eine gesteuerte Einwanderungspolitik frei.« Der Satz wurde leider kommentarlos aus der Onlineversion Ihres Textes entfernt.

Und der Grund, nicht wahr, liegt auf der zum Deutschen Gruß erhobenen Hand.

Ihre Sozialromantiker von Titanic

Huhu, Milkana!

Im Fernsehen wirbst Du damit, ab sofort »ohne Gentechnik« auszukommen. Glaubst Du denn, daß eine Kundschaft, die sich Deine »Schmelzkäsezubereitungen« aufs Brot klatscht, so etwas zu schätzen weiß? Und überhaupt: War die Gentechnik darin nicht immer das Appetitlichste?

Fragt Dein besorgtes Käseblatt Titanic

Putin, alter Kommunistenzar!

In einem Staatsfernsehinterview hast Du im Zusammenhang mit angeblich schon früheren »Gruppensex-Inszenierungen« der drei Pussy Riots uns fernen Westlern einen erschreckenden Einblick in die russische Seele und Swingerclub-Atmosphäre gewährt: »Manche Anhänger von Gruppensex sagen, daß Gruppensex besser sei als individueller Sex. Denn dabei, wie bei jeder Teamarbeit, kann man auch faul sein und unbemerkt bleiben.« Ist das, Putin, die russische Volksteamarbeitsmentalität? Selbst bei einer Orgie noch faul und unbeachtet rumliegen wollen? Und das natürlich stockbesoffen?

Schlimm, wie schlimm’s um Euch Väterchen in Rußland steht! Titanic

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sicher, Matthew Healy,

dass Sie, Sänger der britischen Band The 1975, die Dinge einigermaßen korrekt zusammenkriegen? Der Süddeutschen Zeitung sagten Sie einerseits: »Ich habe ›Krieg und Frieden‹ gelesen, weil ich die Person sein wollte, die ›Krieg und Frieden‹ gelesen hat.« Und andererseits: »Wir sind vielleicht die journalistischste Band da draußen.« Kein Journalist und keine Journalistin da draußen hat »Krieg und Frieden« gelesen, wollten mal gesagt haben:

Ihre Bücherwürmer von der Titanic

 Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Nichts läge uns ferner, als über Ihren Steuerhinterziehungsprozess zu scherzen, der für Sie mit drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe geendet hat. Etwas ganz anderes möchten wir ansprechen, nämlich Ihre Einlassung am zweiten von insgesamt vier Verhandlungstagen, während der Sie laut Handelsblatt »lang und breit über die Vorzüge« von Ingwer palaverten, »aber auch über Knoblauch, Kardamom oder Rosmarin«, bis Sie schließlich einsahen: »Ich könnte stundenlang über Gewürze reden, aber das ist wohl der falsche Zeitpunkt.«

Und ob das der falsche Zeitpunkt war! Mensch, Schuhbeck, die gute alte Gewürz-Verteidigung, die hebt man sich doch für ganz zum Schluss auf, die pfeffert man dem Gericht (!) nach den Kreuzkümmelverhören prisenweise entgegen. Wozu zahlen Sie denn gleich zwei Anwälten gesalzene Stundensätze? Bleibt zu hoffen, dass Sie bei der Revision die Safranfäden in der Hand behalten!

Die Gewürzmühlen der Justiz mahlen langsam, weiß Titanic

 Helfen Sie uns weiter, Innenministerin Nancy Faeser!

Auf Ihrem Twitter-Kanal haben Sie angemerkt, wir seien alle gemeinsam in der Verantwortung, »illegale Einreisen zu stoppen, damit wir weiter den Menschen helfen können, die dringend unsere Unterstützung brauchen«. Das wirft bei uns einige Fragen auf: Zunächst ist uns unklar, wie genau Sie sich vorstellen, dass Bürgerinnen und Bürger illegale Einreisen stoppen. Etwa mit der Flinte, wie es einst Ihre Bundestagskollegin von Storch forderte? Das können Sie als selbsternannte Antifaschistin ja sicher nicht gemeint haben, oder? Außerdem ist uns der Zusammenhang zwischen dem Stoppen illegaler Einreisen und der Hilfe für notleidende Menschen schleierhaft.

Außer natürlich Sie meinen damit, dass die von Ihrem Amtsvorgänger und der EU vorangetriebene Kriminalisierung von Flucht gestoppt werden müsse, damit Menschen, die dringend unsere Unterstützung brauchen, geholfen wird.

Kann sich Ihre Aussage nicht anders erklären: Titanic

 Nichts für ungut, Tasmanischer Tiger!

Nachdem wir Menschen Dich vor circa 100 Jahren absichtlich ein bisschen ausgerottet haben, um unsere Schafe zu schützen, machen wir den Fehltritt jetzt sofort wieder gut, versprochen! Du hast uns glücklicherweise etwas in Alkohol eingelegtes Erbgut zurückgelassen, und das dröseln wir nun auf, lassen Dich dann von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus in Melbourne austragen, wildern Dich in Australien aus und fangen dann ziemlich sicher an, Dich wieder abzuknallen, wie wir es mit den mühsam wiederangesiedelten Wölfen ja auch machen. Irgendjemand muss ja auch an die Schafe denken.

Aber trotzdem alles wieder vergeben und vergessen, gell?

Finden zumindest Deine dünnschwänzigen Breitfußjournalist/innen von der Titanic

 Stillgestanden, »Spiegel«!

»Macht sich in den USA Kriegsmüdigkeit breit?« fragst Du in einer Artikelüberschrift. Ja, wo kämen wir hin, wenn die USA die Ukraine nur nüchtern-rational, aus Verantwortungsbewusstsein oder gar zögerlich mit Kriegsgerät unterstützten und nicht euphorisch und mit Schaum vor dem Mund, wie es sich für eine anständige Kriegspartei gehört?

Spiegel-müde grüßt Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Heimatgrüße

Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme.

Leo Riegel

 Schwimmbäder

Eine chlorreiche Erfindung.

Alice Brücher-Herpel

 Vom Kunstfreund

Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild.

Theobald Fuchs

 Auf dem Markt

– Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut!
– Ja, das ist unser Bestsellerie!

Cornelius W.M. Oettle

 Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter

Wer nichts wird, wird Fehlwirt.

Julia Mateus

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

  • 19.10.:

    Stefan Gärtner bespricht in der Buchmessenbeilage der Jungen Welt Moritz Hürtgens Roman "Der Boulevard des Schreckens".

  • 12.10.: Der Tagesspiegel informiert über den anstehenden Chefredaktionswechsel bei TITANIC.
Titanic unterwegs
04.12.2022 Enkenbach-Alsenborn, Klangwerkstatt Thomas Gsella mit den Untieren
06.12.2022 Kassel, Staatstheater Hauck & Bauer mit Kristof Magnusson
06.12.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Nikolaus-Lesung
08.12.2022 Köln, Senftöpfchentheater Moritz Hürtgen