Briefe an die Leser | Juni 2011


Und schließlich, lieber KEKS e.V.,

ausgeschrieben: »Verein für Kinder und Erwachsene mit kranker Speiseröhre« – befürchtest Du denn nicht, daß Deine offizielle Abkürzung dem einen oder anderen potentiellen Mitglied im, räusper, Hals steckenbleiben könnte?

Und nicht wieder krümeln!

Titanic

Clemens Wergin!

In Springers Welt schmähen Sie als Auslandschef die naiven Deutschen, die einfach nicht einsehen wollten, daß bin Ladens Tötung angemessen politisch statt moralisierend zu betrachten sei. Immerhin diene sie, neben »Gefahrenabwehr« und »Gerechtigkeit«, auch folgendem pragmatischen Ziel: »Ein weiterer Aspekt ist die Abschreckung. Wer Ähnliches durchführen will, muß davon ausgehen, daß ihn dasselbe Schicksal ereilt. Möglicherweise wird das muslimische Jugendliche davon abbringen, ihrem Vorbild nachzueifern.«

Klar doch, Wergin! Wenn diese Typen vor etwas Angst haben, dann vor dem Tod. Und wenn die erst einsehen, daß man als Terrorist nicht nur irgendwie theoretisch sein Leben riskiert, sondern unter Umständen auch tatsächlich sterben kann, zehn Jahre nach einem Weltrekordattentat, im Familienkreis, in einer Villa in einem Kurort, dann lassen die natürlich die Finger davon.

Willkommen im Kreis der Gutmenschen:

Titanic

Roberto Blanco, uraltes Haus (73)!

Daß Du ein 40 Jahre jüngeres Weiberfleisch geheiratet hast – prima! Daß sie bei der englischsprachigen Zeremonie statt »I do« vom für sie dabei nötigen Spickzettel »I tut« abgelesen hat – gut! Und daß sie, intellektuell mit Dir auf Augenhöhe, offensichtlich auch nicht ahnt, daß dauergefletschte Zähne unter uns Primaten nicht Freundlichkeit, sondern Aggressionsbereitschaft bedeuten – um so besser!

Nur bei Deinem Ausraster kürzlich auf dieser Münchener Promiparty, Roberto, als Du einen nervenden Reporter angebrüllt hast: »Isch will Reschpekt haben!« – da dachten wir: Respekt? Gern. Nur wofür?

Aber jetzt nicht gleich wieder beißen, gell?

Titanic

»Focus«!

Du hast sie natürlich schon längst wieder vergessen, Deine Ausgabe Nr. 15/2011, aber uns steht sie noch vor Augen. Titelthema: »Warum wir alle schlank sein wollen – Die Diät-Gesellschaft«. Covergirl: eine mühsam à la Vamp aufgebrezelte, irgendwie verrucht feixende Katalogblondine, mit einer auf den Schopf montierten Krone aus Lammkeulen. Bonus: Gratis-DVD »Die einfachste Diät der Welt« (inklusive »Das Plus-Minus-Prinzip von Dr. Stefan Friedrich«, mit Unterstützung von »Diäko«). Eckenbrüller: »Neue Zins-Chancen – Richtig profitieren von der EZB-Entscheidung«.

Quintessenz: Du, Focus, bist und bleibst der Dreck des Drecks. Aber das weißt Du ja selber, nicht wahr?

Hochachtungsvoll:

Titanic

Liebe Berliner Zivilpolizisten,

wenn Euch neuerdings Eure uniformierten Kollegen auf Demos mit Pfefferspray, Reizgas und Schlägen mit dem Quarzsandhandschuh eindecken, wie jüngst am 1. Mai, wie nennt man das dann? Berufsrisiko? Friendly flogging? Oder einfach Tarnungsmaßnahme? Wäre in diesem Fall die Tarnung aber nicht noch besser, wenn Ihr die unbekannten Kollegen nicht verklagtet, sondern kräftig zurückschlüget? Dann könnten nämlich unbehelligt demonstrieren:

Eure Konfliktberater von der

Titanic

Und, Konstantin Neven DuMont,

schlimm, was Sie da bei Facebook über diese Volkszählung zu berichten haben: »Hausbesitzer in Deutschland werden zur Zeit aufgefordert, zahlreiche Angaben bei den Behörden einzureichen. Zum Beispiel muß man Namen von Bewohnern angeben. Warum fragen die nicht einfach beim Einwohnermeldeamt nach? Was machen die mit den ganzen Daten? Bei mir scheint das Statistikamt ein Haus vergessen zu haben. Muß ich das Amt darauf aufmerksam machen?«

Genau darüber hat sich Gunter Sachs vermutlich auch den Kopf zerbrochen.

Einfühlsame Grüße:

Titanic

Maybrit Illner, Madame!

Im Zeitungsinterview antworten Sie auf die Frage, wie lange Sie noch Talkshow machen wollen: »So lange sie Spaß macht. Alles ist möglich. Oder, wie Martin Walser sagt: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. (…) Ich kann mir allerdings auch vorstellen, irgendwann nur noch zu schreiben.« Hä? Machen Sie also Talkshow so lange, wie sie Ihnen zum Hals raushängt, und hören auf, sobald Sie nicht mehr das kalte Kotzen kriegen, wenn Sie wöchentlich diese jämmerlichen Gestalten vor sich sehen?

Ihre Vorstellung, nur noch zu schreiben, findet allerdings ausschließlich als Gegenteil verlockend:

Titanic

Sehr zu Recht, »Spiegel«,

warnst Du in Deiner Titelgeschichte zur »unheimlichen Eskalation der Jugendgewalt« vor einer »absehbaren Reaktion«, und zwar der, »daß die jungen Schläger vor allem Opfer ihrer Umgebung, ihrer Biographie, ihrer Aussichtslosigkeit« seien. Es stelle nämlich eine »Banalisierung« dar, »wenn die Gesellschaft schuld sein soll an der Aggressivität. Es ist ein beliebtes Argument der Sozialarbeiter, der Soziologen und Strafverteidiger.«

Einverstanden! Denn tatsächlich ist es ja gar nicht mehr zum Aushalten, wie alle immer alles auf die Gesellschaft schieben: »Beide hätten kein richtiges Zuhause gehabt … weil die Frankfurter Jugendstaatsanwälte von einem Berg aus Akten erdrückt werden … täglich blicken er und seine Mitarbeiter den Folgen zerbrochener Familien ins Gesicht: schreienden Kindern, depressiven oder zornigen Jugendlichen … Simon und David wurden als Kinder nicht besonders gefördert … eine Clique der Trostlosen … viele von ihnen haben auf der Straße und zu Hause soviel Angst und Brutalität erlebt … viele kennen ihren Vater nur als Quelle von Gewalt. ›Diese Jungs sind traumatisiert‹«, blablabla und papperlapapp, immer dieselben Entschuldigungen und Ausflüchte, wenn es doch bloß eine harte Hand und Sicherungsverwahrung… –

aber ach, Spiegel, das alles stand ja, rätst Du’s?, bei haargenau: Dir! Im selben Artikel! Aber was Wunder: Als Fachblatt für Banalitäten aller Art kannst Du halt nicht anders.

Und bist vorerst entschuldigt, zumindest von den Sozialarbeitern der

Titanic

Leider, Präsidentengattin Carla Bruni (43),

haben wir trotz massiven Desinteresses erfahren, Sie seien eventuell schwanger. Ach. Und von wem? Clapton? Connery? Jagger? Oder tatsächlich von diesem kleinen französischen Keksmännchen an Ihrer aalglatten Seite? Egal. Wichtig ist doch nur: Von uns war es keiner. Wir haben ja glücklicherweise Geschmack.

Deshalb also die unvermeidlichen Promiprallbauchnacktfotos demnächst bitte nicht schicken an

Titanic

Sehr gefreut, »Gala«,

hat uns diese Meldung auf Deiner Internetseite: »Slipknot: Zukunft ungewiß. Die Mitglieder der Band Slipknot sind sich nicht sicher, ob sie nach ihrer Tournee weiterhin gemeinsam Musik machen werden.« Wir wissen zwar nicht, bei welchem der fiesen Maskenmänner Deine Leserinnen am ehesten dahinschmelzen, aber wir freuen uns schon auf die exklusive Homestory, wenn sich die Jungs noch mal zusammenraufen.

Galavorstellung, findet

Titanic

Roderich Egeler!

Als Präsident des Statistischen Bundesamts mußten Sie zum Start der Volkszählung Sinn und Zweck derselben noch mal kurz in der Tagesschau erläutern: »Um die Einwohner, die hinzugekommen sind, zu verstehen, um entsprechende Integrationspolitiken auszuarbeiten, muß man wissen, wer sie sind, man muß wissen, woher sie kommen, man muß wissen, welcher Religion sie angehören, welchem Kulturkreis sie entstammen, um dann in Deutschland entsprechende Angebote zu machen.« Soso, Roderich Egeler, Sie sind also im Prinzip ein großer Ausländerversteher! Aus lauter Liebe zu unseren ausländischen Mitbürgern brennen Sie darauf, sie zu zählen, daß Ihnen auch nicht einer fehle!

Wir müssen zugeben: Zuvor waren wir skeptisch, aber Ihre Argumentation hat uns auf einen Schlag überzeugt. Schließlich hat es schon bei der großen Volkszählung 1987 geheißen, nur durch diese »zehn Minuten, die allen helfen«, könnten »gezielte Maßnahmen zum Abbau der Benachteiligung der Frau am Arbeitsplatz und zur Verbesserung ihrer Berufschancen getroffen« werden. Damals stand man vor dem Rätsel: Wo leben Frauen? Wie leben sie? Welchem Kulturkreis entstammen sie? Mit den entsprechenden Integrationspolitiken, basierend auf den Erhebungen der Volkszählung 1987, wurde die Frauenfrage anschließend schwuppdiwupp gelöst! – Ja genau, Eklerich Rodeler, an der Stelle kann sich sogar so ein Schmierenkomödiant wie Sie das Grinsen nicht mehr verkneifen. Und irgendwann in eineinhalb Jahren werden Sie feixend das Ergebnis der Volkszählung 2011 verkünden. Es wird so lauten: Die deutschen Türken haben einen Migrationshintergrund! Und das, obwohl sie Tür an Tür mit deutschen Eingeborenen leben! Und es wird die Frage aufgeworfen werden, wo man die 710 Millionen hernehmen soll, die eine anständige Integration kosten würde. Aber die 710 Millionen hat leider schon die Volkszählung gekostet.

Wirklich dumm gelaufen!

Titanic

Ciao, Berlusconi!

Wenn man es recht bedenkt, bedeuten die verschiedenen Schengen-Abkommen von Beginn an eine Verluderung der Rechte für Nicht-EU-Ausländer. Die praktische Umsetzung des entscheidenden »Schengener Durchführungsübereinkommens« findet andererseits erst seit 1995 statt. Es ist also 16 Jahre alt, und daß ausgerechnet Sie es dann noch einmal ficken, sollte niemanden wundern.

Jedenfalls nicht:

Titanic

Spedition Viktoria, Aschaffenburg!

»Wohin Sie auch ziehen – wir ziehen mit«, drohst Du auf Deiner Homepage. Bitte nicht! Wir wohnen weiterhin sehr gern allein.

Und würden notfalls die Polizei rufen:

Titanic

Prima, Alzheimer Forschung Initiative e.V.!

In der Bild konnten Nachwuchs-Playboys, die anläßlich des plötzlichen Freitods ihres Idols Gunter Sachs in ein existentielles Loch gefallen waren, anhand Deines Alzheimer-Schnelltests entscheiden, ob sie ihr Leben noch als lebenswert betrachten können. Dafür mußten sie nur folgende sechs Fragen beantworten: »1. Haben Sie zunehmend Probleme, sich Namen, Telefonnummern oder das Datum zu merken? 2. Fällt es Ihnen in letzter Zeit zunehmend schwerer, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren? 3. Können Sie sich schlechter orientieren? Verlaufen oder verfahren Sie sich? 4. Haben Sie öfter Probleme im Haushalt: Schwierigkeiten beim Kochen, im Umgang mit Haushaltsgeräten, mit der Körperpflege und -hygiene? 5. Brauchen Sie in letzter Zeit mehr Hilfe von anderen als sonst? 6. Haben Sie nicht mehr so oft Lust wie früher, etwas zu unternehmen und bleiben Sie lieber zu Hause?«

Daß man schon bei zwei mit Ja beantworteten Fragen Deiner Ansicht nach schleunigst einen Neurologen aufsuchen sollte – okay. Doch glaubst Du echt, daß es sich bei 98% aller Studenten um Alzheimerkranke im Endstadium handelt?

Neue Tests! Fordert:

äh…Dings

Welt online!

Auf einem Berliner Spielplatz tollt eine Gruppe von Kindern herum. Dabei verletzt sich ein Junge an einem Zaun und fängt an zu weinen. Ein 29jähriger Anwohner fühlt sich gestört und wirft kurzerhand einen illegalen polnischen Knallkörper auf die Kindergruppe, die zum Glück mit dem Schrecken davonkommt.

Und für diese Tat, liebe Welt, hast Du wie immer die richtigen Worte gefunden: »Übler Fall von Selbstjustiz«. Genau! Denn wenn am hellichten Nachmittag ein Kind schreit, dann ruft man gefälligst die Polizei, vielleicht das SEK oder, wenn’s sein muß, auch die GSG 9, aber eigenhändig Polenböller aus dem Fenster schmeißen – so geht’s ja nun nicht. Das Gewaltmonopol hat immer noch der Staat!

Bumm-bumm:

Titanic

Verehrter Bastian Schweinsteiger!

Lassen Sie uns kurz rekapitulieren, was vorgefallen ist. Die Unterschichten-Zeitschrift Sport-Bild hat sich süffisant über Ihre sportlichen Qualitäten geäußert. Darauf haben Sie mit den Worten reagiert: »Wegen so einem Pisser brauche ich mich nicht so zutexten zu lassen. Arschloch…« Daraufhin wiederum hat der Vorstand des Deutschen Journalisten-Verbandes Ihre Bestrafung gefordert und eine öffentliche Entschuldigung von Ihnen verlangt, und die FAZ hat zwischenbilanziert: »Schweinsteiger, einst als ›Schweini‹ hofiert und zur Kultfigur stilisiert, wird, das ist wohl klar, jetzt ein Springer-Feindbild sein. Eine Entschuldigung von ihm ist nicht zu erwarten.«

Wunderbar. Halten Sie bitte durch! Und falls Sie um weitere klare Worte verlegen sein sollten, helfen wir Ihnen gern aus, von »Arschgesicht« bis »Zwiebelficker«.

Fair geht vor.

Titanic

Ben Becker, Sie pseudoböses Bürschchen!

Wie wir hören, hassen Sie den Vergleich mit Klaus Kinski. Recht so. Wie kann man auch einen vorlauten Schulbub mit dem Beelzebub vergleichen, einen bemühten Tunichtgut mit dem Teufel, ja, einen dauerpubertierenden Rotzlöffel mit einem erwachsenen Mann! Und wenn so ein kreuzbraver Schlingel wie Sie mal über den Tod befragt wird, den er gerade beim Salzburger »Jedermann« sicherlich ultraböse auf die Bretter simuliert, dann weicheiert er als Antwort der Oldenburger Nordwest-Zeitung ins Mikro: »Ich habe Angst, die anderen nicht mehr zu sehen, aber auch Angst, daß es für die anderen schmerzhaft ist, mich nicht mehr zu sehen.«

Nun, was den zweiten Teil des Satzes angeht, Bennybärchen, und jedenfalls soweit es uns betrifft: davor bloß keine Angst! Wir an Ihrer Stelle – Gott bewahre! – hätten ja vielmehr einen durchfallstarken Mörderschiß davor, im Jenseits auf Kinski zu treffen und für Ihre schwammig-schleimige Bibellesungskopie vollfett verdient und ohne Vorwarnung eine aufs Schnullermaul zu kriegen.

Ja, böse, o so böse:

Titanic

Hui, Sigmar Gabriel!

Da sind Sie dem grünen Neuministerpräsidenten Kretschmann mit seiner Forderung nach weniger Autos aber schön von links reingegrätscht: »Die Menschen in den Schwellenländern werden auf ihre individuelle Mobilität doch nicht verzichten, nur weil Politiker aus früheren Kolonialstaaten sich das so wünschen.« Bleibt’s denn die nächsten Wochen erst mal bei dieser antiimperialistischen Rhetorik, Gabriel? Oder brüten Sie bereits über antifaschistischen Argumenten zugunsten des Industriestandorts – etwa: »Die Menschen in Frankreich werden auf ihre Atomkraft doch nicht verzichten, nur weil Politiker aus dem früheren Nazideutschland sich das so wünschen«?

Dumme Frage:

Titanic

Und was, DDR (†),

haben wir in einem Interview mit dem Musiker Mick Harvey gelesen? Auf die Frage, wie es seiner ehemaligen Band Nick Cave & The Bad Seeds im Berlin der achtziger Jahre gelungen sei, trotz allerausführlichsten Heroin- und Alkoholkonsums so ungeheuer produktiv gewesen zu sein, antwortete Harvey, das habe am ebenfalls großzügig zugeführten Speed gelegen. Am »besten Speed der Welt«, um genau zu sein, hergestellt in ostdeutschen Laboratorien im Auftrag Deiner politischen Führung und von der Stasi im Westen vertrieben, »um die Moral der Westjugend zu zersetzen«.

Jetzt hätten wir doch zu gern gewußt, wie die Dialektik, wäre ihr genug Zeit zur Entfaltung geblieben, es wohl gedreht hätte, ein eh schon hochtourig laufendes kapitalistisches System ausgerechnet durch die weitere Befeuerung seiner Bevölkerung mit Amphetaminen zu zerstören. Aber dazu ist es ja leider nicht mehr gekommen. Du hättest eben auch Deinen Handwerkern das eine oder andere Näschen oder Spritzchen gönnen sollen, dann hätten sie schneller und höher mauern können.

Schade, Chance verpaßt!

Titanic

Grönemeyer, alter Kumpel!

Bei Beckmann hast Du auf die Frage, ob Dich Deine an Alzheimer erkrankte Mutter, der Du auch ein Lied gewidmet hast, denn noch erkenne, geantwortet: »Ja, sie erkennt mich und lacht. Das Lied beschreibt eben dieses Stadium des beginnenden Sich-Entfernens.« Mensch, Gröni! Könnte es sein, daß Deine Mutter in Wahrheit kerngesund ist? Dich sehen, lachen und sich dann zu entfernen beginnen – da drängt sich doch der Verdacht auf, daß sich die Frau Mama an Deine »Musik« nur allzugut erinnert!

Macht es jedenfalls genauso:

Titanic

Göttinger Kulturkneipe und -instanz Apex!

Leider sind wir verhindert, wenn Ende Mai ein »Poetryslam-Workshop« über Deine Bühne geht. Dabei hatte uns der Ankündigungstext in Deinem Veranstaltungsprogramm sehr neugierig gemacht, weil auch wir zur Zielgruppe jener zählen, die »schon immer den Drang zum kreativen Schreiben und poetischen Ausdruckt« verspürten: »Zunächst werden zwei Nachmittage lang geprobt und geübt und im Anschluß kann man dann in einem öffentlichen Slam sein Können zum Besten geben. Workshop-Leitung hat Felix Römer statt, einem der bekanntesten, deutsch-sprachigen Slampoeten«. Da kann dann ja nichts schiefgehen – zumindest ist die dichterische Freiheit im Umgang mit dem orthographischen Ausdruckt garantiert!

Beim nächsten Mal bestimmt dabei: einem der bekanntesten, deutsch-sprachigen Poetrymagazine

Titanic

@ Mario Vargas Llosa:

Du alter Nobelpreis-Nerd hast neulich über die SMS- und Chatsprache geschrieben. Die findest Du ja offenbar eher -_-

Deine Meinung: »Wenn du so schreibst, sprichst du auch so. Wenn du so sprichst, denkst du auch so. Und wenn du so denkst, dann denkst du wie ein Affe.« Das is’ iwie geil! Kurze Sätze, und paßt auch noch genau in eine SMS rein! ^^

cu l8r – Deine Affenbande von der

T. <3

Daß Ihr Dachschaden, Matussek,

immer wieder frische Luft aus Ihren Kopfritzen pfeifen läßt, wissen wir. Daß Sie aber so viel warmen Wind an nur einem Tag machen können, nötigt uns fast schon Respekt ab. Freuten Sie sich doch mit diesen Worten im Spiegel-Essay über die Ermordung bin Ladens: »Wenn wir nicht gerade mit moralisierender Selbstgerechtigkeit beschäftigt sind, atmen wir auf und legen eine wüste, gespenstische, zehnjährige Mördergeschichte zur Seite« – und waren gleichzeitig im Focus-Interview zu Ihrem Katholizismusfimmel mit moralisierender Selbstgerechtigkeit beschäftigt: »Ich bin subversiv geblieben. In einer verlogenen, verklemmten Gesellschaft war freie Liebe eine wundervolle, fast utopische Sache. In einer fast völlig enthemmten Gesellschaft ist das Gegenteil die revolutionäre Parole: Leute, nehmt die Liebe ernst, lebt treu, lebt, wenn es sein soll, zölibatär! Die Avantgarde muß sich heute zur Tradition bekennen. Wir müssen die Hacken eingraben im kulturellen Treibsand.«

Mal abgesehen davon, daß Sie bin Ladens Terrorismus offensichtlich als Literatur wahrgenommen haben: War der Osama nicht auch eine Art avantgardistischer Traditionalist? Nein? Aber zumindest ein Gegner der enthemmten Gesellschaft, der sicherlich nicht so doof gewesen wäre, seine Hacken ausgerechnet im Treibsand eingraben zu wollen.

Schaltet jetzt wieder auf Durchzug:

Titanic

N-tv.de!

»10:16 Shirley MacLaine packt aus; 10:18 Taylor Swift will sich nicht ausziehen; 10:20 Bridget Moynahan zieht sich aus« – dank Eurem »Nachrichtenticker« ist man wirklich ganz nah dran am Promileben. Gebt uns doch bitte Bescheid, wenn sich die Schicksen untereinander geeinigt haben und es endlich ein paar Bilder zu sehen gibt. Ihr findet uns derweil bei Youporn, da ist zu jeder Tages- und Nachtzeit was los.

Bussi:

Titanic

Sehen Sie, Monica Lierhaus,

es liegt uns fern, über körperliche Probleme Scherze zu machen, doch bei zusätzlichen geistigen Komplettausfällen müssen wir leider nachhaken. Denn nicht genug, daß sich uns bei Ihrem Hochzeitsantrag coram millionenpublico bereits die Fußnägel hochkrümmten, mußten wir nun in einem Interview in der Zeit auch noch folgendes von Ihnen hören:

Die Zeit: »Würden Sie das heute noch mal genauso machen?« – Lierhaus: »Ich glaube, ja.« – »Hat Sie je der Gedanke gestreift, daß man, wenn man auf so einer Bühne diese Frage stellt, dem Partner keine andere Wahl läßt, als zuzustimmen?« – »Das stimmt, das habe ich mir nicht so gut überlegt. Tat mir hinterher auch leid.« – »Aber Sie würden es trotzdem noch mal so machen?« – »Ich würde es noch mal so machen.«

Sehen Sie, Frau Lierhaus, und da fallen unsereinem die Fußnägel dann endgültig ab. Und wir überlassen Sie nur allzugern Ihrem nicht nur bedauerlichen, sondern offensichtlich auch behämmerten Schicksal. Verstehen Sie? Nein? Dachten wir uns.

Herzliches Beileid:

Titanic

Rolf Eden, Playboy (81)!

In der TV-Sendung »Durch die Nacht mit Rosa von Praunheim« bekannten Sie, Sie wollten hienieden »nur schöne Dinge erleben«. Dazu gehört: Einen Mann könnten Sie nicht einmal küssen, von Frauen lassen Sie sich gerne einen blasen – »das macht Spaß« –, aber Frauen befriedigen Sie oral »nicht so gerne«. Statt dessen haben Sie stets ein paar Dildos dabei, »damit die auch ihren Spaß haben«. Obwohl Sie sich Ihrer Mutter sehr verbunden fühlten, waren Sie bei deren Tod nicht traurig: »Tod ist halt Tod, da kann man nichts machen.« Und in Ihrem ganzen Leben haben Sie nicht einmal geweint: »Männer sollten nicht weinen, sonst sind sie keine richtigen Männer.« Hey, Eden, altes Reptil, haben Sie schon mal dran gedacht, in den Jurassic Park zu ziehen? Tyrannosaurus-Männer wollen sicher auch nicht geküßt werden!

Immer Ihre

Titanic

Politologe Herfried Münkler!

Angela Merkels Bekenntnis, sie freue sich über bin Ladens Tod, halten Sie naserümpfend für »eine verunglückte Äußerung« und erklären im Interview mit »Spiegel online«: »Sie zeigt die semantische Unsensibilität einer gelernten Naturwissenschaftlerin. Merkel hätte statt dessen etwa sagen können: ›Ich freue mich, daß es gelungen ist, das Problem eines frei herumlaufenden Osama bin Ladens zu lösen‹ oder ›Ich freue mich, daß mein Kollege Obama einen solchen Erfolg erzielt hat.‹«

Und wissen Sie, was das Verrückte ist, Münkler, altes Sensibelchen? Mit einem Mal sind uns semantisch unsensible Naturwissenschaftler voll sympathisch! Jedenfalls, wenn man deren Äußerungen neben das verlogene Knigge- und PR-Gequatsche eines gelernten Ungeisteswissenschaftlers hält.

Freude über Freude:

Titanic

Hans W-Punkt Geißendörfer!

Pünktlich zu Ihrem 70. Geburtstag erklärten Sie der versammelten deutschen Weltpresse, was an Ihrer einst aus Großbritannien abgekupferten Dauerserie (»Lindenstraße«) eigentlich »das Besondere« ist. Daß die Serienfiguren nämlich gemeinsam mit den Zuschauern altern: »Hans und Helga Beimer, Anna Ziegler, Gaby Zenker – sie alle sind im Laufe der Zeit älter geworden, haben Falten oder Furchen bekommen, genau wie im richtigen Leben.«

Wahnsinn. Wie machen diese Schauspieler das bloß? Etwa, indem sie 25 Jahre lang einfach jeden Abend ins Bett gehen und am nächsten Morgen wieder aufstehen? Bis es dann irgendwann morgens überraschend dunkel bleibt im Hirn? So wie bei Ihnen unterm Käppi schon seit 70 Jahren?

Gute Nacht!

Titanic

Und Sie, Salaheddine Mezouar,

sind Marokkos Finanzminister. Nach dem Terroranschlag auf ein Café in Marrakesch, bei dem sechzehn Menschen starben, äußerten Sie: »Es ist schrecklich, daß jemand in den Urlaub fährt und tot zurückkehrt.« Wenn Sie es sagen. Zum Glück ist es ja häufiger umgekehrt: Man fährt so was von tot in die Ferien und kehrt halbwegs lebendig zurück, wissen Ihre Tourismusexperten auf der

Titanic

Lieber Oliver Kahn!

Gerade waren Sie zu einer Geldbuße von 125000 Euro verurteilt worden, weil Sie leider »vergessen« hatten, mehrere in Dubai erstandene Kleidungsstücke und Manschettenknöpfe zu verzollen, als uns das Handelsblatt-Investor-Magazin vom Beginn des Jahres in die Hand fiel – auf dem Titel, groß und bunt: »Oliver Kahn: Meine Geld-Strategie – Ideen für moderne Anleger«.

Da ahnten wir dann ja schon, was da so drinsteht, und konnten uns auf diese Weise schön was sparen!

Herzlichsten Dank:

Titanic

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Helfen Sie uns weiter, Innenministerin Nancy Faeser!

Auf Ihrem Twitter-Kanal haben Sie angemerkt, wir seien alle gemeinsam in der Verantwortung, »illegale Einreisen zu stoppen, damit wir weiter den Menschen helfen können, die dringend unsere Unterstützung brauchen«. Das wirft bei uns einige Fragen auf: Zunächst ist uns unklar, wie genau Sie sich vorstellen, dass Bürgerinnen und Bürger illegale Einreisen stoppen. Etwa mit der Flinte, wie es einst Ihre Bundestagskollegin von Storch forderte? Das können Sie als selbsternannte Antifaschistin ja sicher nicht gemeint haben, oder? Außerdem ist uns der Zusammenhang zwischen dem Stoppen illegaler Einreisen und der Hilfe für notleidende Menschen schleierhaft.

Außer natürlich Sie meinen damit, dass die von Ihrem Amtsvorgänger und der EU vorangetriebene Kriminalisierung von Flucht gestoppt werden müsse, damit Menschen, die dringend unsere Unterstützung brauchen, geholfen wird.

Kann sich Ihre Aussage nicht anders erklären: Titanic

 Stillgestanden, »Spiegel«!

»Macht sich in den USA Kriegsmüdigkeit breit?« fragst Du in einer Artikelüberschrift. Ja, wo kämen wir hin, wenn die USA die Ukraine nur nüchtern-rational, aus Verantwortungsbewusstsein oder gar zögerlich mit Kriegsgerät unterstützten und nicht euphorisch und mit Schaum vor dem Mund, wie es sich für eine anständige Kriegspartei gehört?

Spiegel-müde grüßt Titanic

 Sicher, Matthew Healy,

dass Sie, Sänger der britischen Band The 1975, die Dinge einigermaßen korrekt zusammenkriegen? Der Süddeutschen Zeitung sagten Sie einerseits: »Ich habe ›Krieg und Frieden‹ gelesen, weil ich die Person sein wollte, die ›Krieg und Frieden‹ gelesen hat.« Und andererseits: »Wir sind vielleicht die journalistischste Band da draußen.« Kein Journalist und keine Journalistin da draußen hat »Krieg und Frieden« gelesen, wollten mal gesagt haben:

Ihre Bücherwürmer von der Titanic

 Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Nichts läge uns ferner, als über Ihren Steuerhinterziehungsprozess zu scherzen, der für Sie mit drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe geendet hat. Etwas ganz anderes möchten wir ansprechen, nämlich Ihre Einlassung am zweiten von insgesamt vier Verhandlungstagen, während der Sie laut Handelsblatt »lang und breit über die Vorzüge« von Ingwer palaverten, »aber auch über Knoblauch, Kardamom oder Rosmarin«, bis Sie schließlich einsahen: »Ich könnte stundenlang über Gewürze reden, aber das ist wohl der falsche Zeitpunkt.«

Und ob das der falsche Zeitpunkt war! Mensch, Schuhbeck, die gute alte Gewürz-Verteidigung, die hebt man sich doch für ganz zum Schluss auf, die pfeffert man dem Gericht (!) nach den Kreuzkümmelverhören prisenweise entgegen. Wozu zahlen Sie denn gleich zwei Anwälten gesalzene Stundensätze? Bleibt zu hoffen, dass Sie bei der Revision die Safranfäden in der Hand behalten!

Die Gewürzmühlen der Justiz mahlen langsam, weiß Titanic

 Nichts für ungut, Tasmanischer Tiger!

Nachdem wir Menschen Dich vor circa 100 Jahren absichtlich ein bisschen ausgerottet haben, um unsere Schafe zu schützen, machen wir den Fehltritt jetzt sofort wieder gut, versprochen! Du hast uns glücklicherweise etwas in Alkohol eingelegtes Erbgut zurückgelassen, und das dröseln wir nun auf, lassen Dich dann von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus in Melbourne austragen, wildern Dich in Australien aus und fangen dann ziemlich sicher an, Dich wieder abzuknallen, wie wir es mit den mühsam wiederangesiedelten Wölfen ja auch machen. Irgendjemand muss ja auch an die Schafe denken.

Aber trotzdem alles wieder vergeben und vergessen, gell?

Finden zumindest Deine dünnschwänzigen Breitfußjournalist/innen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter

Wer nichts wird, wird Fehlwirt.

Julia Mateus

 Auf dem Markt

– Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut!
– Ja, das ist unser Bestsellerie!

Cornelius W.M. Oettle

 Vom Kunstfreund

Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild.

Theobald Fuchs

 Heimatgrüße

Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme.

Leo Riegel

 Schwimmbäder

Eine chlorreiche Erfindung.

Alice Brücher-Herpel

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo:&nbsp;117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

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    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

  • 19.10.:

    Stefan Gärtner bespricht in der Buchmessenbeilage der Jungen Welt Moritz Hürtgens Roman "Der Boulevard des Schreckens".

  • 12.10.: Der Tagesspiegel informiert über den anstehenden Chefredaktionswechsel bei TITANIC.
Titanic unterwegs
26.11.2022 Konstanz, Theater Max Goldt
26.11.2022 Burbach, Heimhof Theater Thomas Gsella
26.11.2022 Dortmund, Fritz Henßler Haus Ella Carina Werner mit Hannes Richert
27.11.2022 Zürich, Kaufleuten Max Goldt