Briefe an die Leser | Oktober 2010


Es dürfte, Oskar Roehler,

sehr schwierig sein, einen Vorwurf zu finden, den man Ihrem Werk »Jud Süß – Film ohne Gewissen« und Ihrer dortigen Regieleistung nicht machen könnte. Aber das, was die FHM in einer Filmkritik behauptet: »Dabei läßt er sogar Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck wie talentfreie Provinz-Knalltüten aussehen« – das kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen.
»Sogar« Ihnen nicht!
Gewissenhafte Grüße:

Titanic

Mensch, Heute-Journal,

Du berichtetest vor einer Weile aufgeregt, daß ein großer Eisbrocken vom Petermann-Gletscher in Grönland abgebrochen sei. Das stand aber drei Tage vorher schon in allen Zeitungen. Mit dem Unterschied, daß dort der Eisklumpen viermal so groß wie Manhattan gewesen sein soll. Bei Dir hatte er jedoch die Ausdehnung von – Bielefeld.
72 Stunden für die Umrechnung von New York in Bielefeld fürs deutsche Publikum? Wieviel das indes in Saarland-Einheiten ist, hätte gern gewußt:

Titanic

Gott zum Gruß, Dalai Lama!

Im Sommerurlaub verschlangen wir den von Ihrer »Inkarnation« Tendzin Gyatsho verfaßten Fantasy-Schmöker »Das Buch der Freiheit: Die Autobiographie des Nobelpreisträgers«, in dem Sie in Ich–Erzählerperspektive das Leben des listigen Bodhisattva »Ozean der Weisheit« und seinen unermüdlichen Kampf um seinen rechtmäßigen Platz auf dem Herrscherthron Tibets schildern. Und wie wir da so lasen und lasen, wurde uns mit einem Mal die Erleuchtung zuteil, daß das vorliegende Buch eigentlich unvollständig ist und nur der abschließende Band eines größer angelegten Zyklus sein kann. Und darum wollten wir mal fragen: Wann ist denn mit der Veröffentlichung der vorhergegangenen Geschichten zu rechnen, in denen Sie z.B. die im Jahre 1900 von Ihrem Alter Ego Thubten Gyatsho begangene Anbiederung an den russischen Zaren schildern oder die Inthronisierung Ihres früheren Ichs Sönam Gyatsho durch den Mongolen Altan Khan im Jahre 1578?
Harren gebannt der dreizehn Prequels Ihrer »Autobiographie«:
Die Leseratten auf der

Titanic

Frank Plasberg @ »Hart aber fair«!

Mit dem reißerisch betitelten Thema »Mörder in Freiheit, Bürger in Angst – versagt unsere Justiz?« meldeten Sie sich kürzlich aus der Sommerpause zurück. Dabei diskutierten Sie und ein sechsköpfiges Panel das prominente Urteil aus Straßburg, welches die nachträglich verhängte Sicherungsverwahrung in Deutschland für unzulässig erklärt und damit der Wandlung vom Rechts- zum Präventivstaat einen unschönen Dämpfer versetzt hatte. Die Sendung lief wie gewohnt ab, es wurde an den richtigen Stellen applaudiert, doch am Ende mußten wir folgendes von Ihnen hören: »Normalerweise gibt es immer eine Schlußrunde bei ›Hart aber fair‹, da ist mir bei dem Thema heute keine Frage eingefallen, deswegen gleich zu Susanne Holst.«
Och Menno, Plasberg! Da wäre doch so einiges möglich gewesen! Etwa: »Wem aus dieser Runde trauen Sie am ehesten einen mehrfachen Sexualmord zu?« Oder: »Welchem Gast würden Sie die Giftspritze zur Sicherheit persönlich verabreichen?«
Zu hart? Fair enough:

Titanic

Harald Martenstein!

Als Vielzweckkolumnist schreiben Sie oft über Dinge, von denen Sie wenig oder gar nichts verstehen, aber als Sie sich im Tagesspiegel zu dem Thema »dumme Menschen« äußerten und bei der Gelegenheit feststellten, daß es Schlimmeres gäbe – »zum Beispiel die bösen, die ignoranten oder die lästigen Menschen« –, da waren Sie ganz bei sich, gelle?
Dumme Frage:

Titanic

Bayerischer Rundfunk!

In »Zukunft Jugend« wolltest Du innerhalb weniger Sekunden die 68er erklären, indem Du Deinen Sprecher raunen ließest, man habe damals gesagt: »Wer einmal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.« Einmal? Ganz taufrisch ist unsere Erinnerung an die Revoluzzerzeit ja auch nicht mehr, aber das, lieber BR, dürfte es höchstens an vereinzelten theologischen Fakultäten gegeben haben.
Grüße von den 69ern auf der

Titanic

Sigmar Gabriel (SPD)!

Bevor der Genosse Sarrazin dazwischenkam, ging’s Ihnen eine Weile offenbar wie dem sprichwörtlichen Mops im Haferstroh. Beflügelt von einigen mal nicht ganz so katastrophalen Umfragewerten forderten Sie die Grünen in der Taz dazu auf, sich zwischen Bündnissen mit Ihrer Partei und solchen mit der CDU zu entscheiden. Die Haltung »Wir wollen regieren – egal mit wem« führe nämlich »sicher nicht dazu, daß sich Menschen wieder mehr für Politik interessieren«.
Mensch, Gabriel, das ist für diese Wendehälse von der grünen Partei doch mal ein Expertenratschlag! Gerade Sie als Vorsitzender der Partei, die außer mit der NPD schon mit allem und jedem regierte und regiert, wissen ja nun wirklich am besten, wie man Menschen für Politik desinteressiert.
Von Mensch zu Mops:

Titanic

Liebe Eva Herman!

Gerne machen wir Sie an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß Ihr, nun ja, Sachbuch »Die Wahrheit und ihr Preis« in deutschen Buchhandlungen unter der Rubrik »Schicksale« verkauft wird – und besser läßt sich Ihr Fall ja wirklich nicht zusammenfassen.
Ihre Freunde unbequemer Wahrheiten c/o

Titanic

Kicker.de!

Ferienzeit, Praktikantenzeit. So erklären wir uns jedenfalls folgenden schönen Satz anläßlich der Ausschreitungen nach der 0:7-Heimpleite des FC Carl Zeiss Jena Mitte August: »Außerdem wurde ein Verfahren wegen Ladenfriedensbruch gegen Unbekannt aufgenommen.« Andererseits: Wurde je der Kommerzialisierungsquatsch des Fußballs bis hinab in die 3. Liga unaufgeregter kommentiert? Sollten sich die übrigen Journalisten in unserem schönen »Deutschladen« daran nicht ein Vorbild nehmen?
Fragen die Praktikanten von der

Titanic

Frauenförderung, Commerzbank,

braucht ja einiges an sprachlicher Verve, um in der Geschäftswelt, wo die Männer den Hut aufhaben, Gehör zu finden. Wie aber dürfen wir es verstehen, wenn Du Dein »Karriere-Event WomenUp2010« mit folgender Frage anpreist: »Suchst Du den perfekten Aufschlag für Deine Karriere?«
Daß frau ihre Karriere bei Dir besonders effektiv in den Sand setzt? Daß so ein Aufschlag stärker schmerzt, wenn der Fall von weit oben erfolgt?
Bleibt lieber auf dem Teppich:

Titanic

An sich, »Spiegel«,

ist es ja eine gute Idee, ständig neue Ableger zu produzieren: Was in Deiner Hauptredaktion an Themen liegenbleibt, kann jederzeit in Spiegel Geschichte, Spiegel Wissen oder den Jugend-Spiegel Dein Spiegel verklappt werden. Und wie wir in der Bahnhofsbuchhandlung selbst überprüfen konnten, treiben diese Ableger sogar bunte und abwechslungsreiche Blüten: Können doch Mittelalterfans jetzt »Die Welt der Staufer« im Geschichts-Spiegel kennenlernen, pubertierende Mittelalterfans das »Abenteuer Mittelalter« in Dein Spiegel und mittelalte Pubertätsfans wiederum »Die Pubertät« im Wissens-Spiegel.
Grüße vom Satirespiegel:

Titanic

Und wenn Sie, Waldemar Hartmann,

wirklich recht damit hätten: »Die K-Frage spaltet ganz Deutschland«, dann wäre an dem Gewese um die Besetzung des Kapitänsamtes der deutschen Fußballnationalmannschaft ja doch ein Gutes gewesen. Und Ballack könnte auf der Position spielen, auf der er am stärksten ist: direkt hinter der Mauer.
Womit auch unser Auftrag erfüllt wäre:

Titanic

Inhabergeführte Labels o.ä.,

die Ihr Eure Läden in der Rosa-Luxemburg-Straße, Berlin-Mitte habt: Ihr seid zu siebt, verkauft superteuren, aber trendigen Edelramsch für nichtsnutzige Werber und findet, daß Ihr noch viel mehr verkaufen könntet von Euren »facettenreichen Unikaten« aus »ausschließlich edlen Materialien«, von Eurem »floralen Dekorationsinterieur«, der »globalen Balkon- und Terrassenbepflanzung« sowie eurer »floralen Eventgestaltung«. Und deshalb habt Ihr »eine gemeinsame Plakat-, Print-, Aufkleber- und Social-Media-Kampagne gestartet«, unter dem einprägsamen Namen »Rosa Luxemburg goes shopping«, »die in Anlehnung an den Vornamen der Straßennamensgeberin in knalligem Rosa gehalten ist«, denn: »›Rosa Luxemburg‹ steht für ein authentisches Berlin-Mitte-Shoppingerlebnis mit inhabergeführten Läden, Labels mit Werkstatt und individuell gestalteten Geschäftspräsentationen.«
Und da sagt Ihr ja auch was Wahres: Für wenig sonst steht Rosa Luxemburg so sehr wie für ein authentisches Berlin-Mitte-Shoppingerlebnis. Außer vielleicht für die Bekämpfung der Konkurrenzgesetze des Marktes, der ungerechten Verteilung des gesellschaftlich produzierten Reichtums sowie die Aufhebung der strukturellen Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Kapitaleigner, die man auch proletarische Revolution nennt.
Dann beschwert Euch aber auch nicht, wenn Ihr demnächst, eingewickelt in Eure »kompromißlosen Entwürfe mit Modedetails und Accessoires« bzw. in Euren »in dutzenden Architektur- und Reiseführern« empfohlenen »Dessous und Homewear«, im Landwehrkanal treibt.
Bis es soweit ist, heißt es für uns allerdings immer noch: Freiheit ist immer auch die Freiheit der Anderskaufenden.
Geht sowieso lieber zu Woolworth:

Titanic

Christoph Schlingensief †,

Ihnen ist ja schon genug nachgerufen worden, aber interessieren würde es uns dennoch: Wenn Gestalten wie Elfriede Jelinek einem in der Süddeutschen Dinge nachsagen wie: »Er war DER KÜNSTLER schlechthin. Er hat eine neue Gattung geprägt, die sich jeder Einordnung entzogen hat. Es kann keinen wie ihn mehr geben« – kann einen dann die Hölle noch schrecken?
R.I.P.

Titanic

Hey Amis!

Seit Jahren seid Ihr die globalen Trendsetter im Anti-Terror-Kampf und gebt Unsummen aus für die Verteidigung, die Flughafenkontrollen und die Erarbeitung neuer, noch strengerer und vor allem noch schwachsinnigerer Einreisebestimmungen, die Euch vor potentiellen Terroristen schützen sollen. Diese Investitionen geben Euch ein Gefühl der Sicherheit und lassen Euch ruhig schlafen. Aber könnt Ihr Euch nicht vorstellen, daß Euer erklärter Erzfeind, al-Qaida, vielleicht ein paar Kröten übrig hat, um ein paar Sombreros zu kaufen, die Turbane seiner Gotteskrieger damit zu ersetzen und die so geschmückten Herren unter die Heerscharen verzweifelter Latinos zu mischen, welche täglich zu Hunderten die mexikanisch-amerikanische Grenze passieren?
Da besser nicht drüber nachdenken, raten die Schlafmediziner auf der

Titanic

Liebe Buckelwale!

Es ist traurig, wenn einer von Euch vor der australischen Küste liegt, sich im Sand wälzt und drauf und dran ist, so elendig zu verrecken, daß sich die Behörden entschließen, ihn »human« dahingehen zu lassen. Das von der Internationalen Walkommission empfohlene Mittel zur Tötung kranker Wale lautet indes: »Sprengstoff«.
Wir, Buckelwale, wollten uns dieses blutige Massaker gar nicht vorstellen; trotzdem mußten wir immer an zerfetzte Fleischbrocken denken, herumspritzende Blutfontänen und dergleichen unschöne Dinge. Folgende Agenturmeldung hat uns aber schnell wieder beruhigt: »Todkranker Wal mit Sprengstoff eingeschläfert«.
Sanfte Träume!

Titanic

Dieter Hallervorden!

Im Interview anläßlich Ihres fünfundsiebzigsten Geburtstags vermeldeten Sie über ungeliebte Kollegen: »Wenn man acht Fressen kann und zwölf Sprüche drauf hat und sich dann auf die Bühne stellt, macht mich das einigermaßen fassungslos. Da bedient man ein extrem schmales Segment.« Hallervorden, Sie können nicht mal acht Fressen und machen das durch vierzehn Sprüche weniger als wett! Hat Sie das je von irgendwas abgehalten? Sehen Sie.
Um Fassung ringend:

Titanic

Robin »Bee Gee« Gibb!

Wirklich mal konsequent ist es, wenn eine Luftschutzsirene wie Du sich dafür einsetzt, daß die Bomberstaffeln, die im Zweiten Weltkrieg Dresden zerstört haben, endlich auch ein Ehrenmal erhalten.
Stay alive, brother! You win again!

Titanic

Verehrter Henryk M. Broder!

Im Tagesspiegel deckten Sie auf, wie unsinnig die Datenschutzbedenken gegen Google Street View sind: »Es sind nicht Menschen, deren Privatsphäre verletzt wird, sondern Häuser beziehungsweise Häuserfassaden.« Die zahlreichen Proteste seien demnach nicht nur unsinnig, sondern geradezu absurd: »Das ist so absurd, als würde Amnesty International oder Human Rights Watch gegen den Abriß von Gebäuden protestieren, die zu alt und zu baufällig sind, um sich selbst zur Wehr setzen zu können.« Völlig zu Recht gossen Sie deshalb einigen Spott über die protestierenden Hysteriker: »Und jetzt kommt Google! Wie Godzilla aus der Tiefe des Meeres, und bedroht unsere Idylle. Die Margeriten im Garten lassen die Köpfe hängen, die Hortensien hören auf zu blühen. Der Hund wird depressiv und der Kuchen geht nicht auf, weil Oma statt Backpulver Kukident in den Teig getan hat. Aber an unsere Hausfassade lassen wir keinen ran! Wir werden sie bis zum letzten Mauerbrösel verteidigen!«
Trefflich formuliert, altes Haus! Jetzt haben wir nur noch einen Wunsch: Gucken Sie doch mal samt Hund, Kuchen und einer Packung Kukident depressiv aus dem Fenster auf Ihre Hortensien und warten, bis Godzilla kommt. Wie das aussieht, sehen Sie demnächst vielleicht im Internet. Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!
Immer Ihre

Titanic

Norbert Bolz!

In einer Hörfunkdiskussion über Thilo Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« plädierten Sie als sog. Medienwissenschaftler dafür, daß jedermann jederzeit auch politisch Unkorrektes sagen dürfe: »Das Schlechteste, was man tun kann, damit ein Volk sich wieder attraktiv und liebenswert findet, ist, ihm die Äußerung eigener Erfahrungen und Gefühle zu verbieten.« Bon. Aber daß die Deutschen sich ausgerechnet dann mehr lieben werden, wenn sie sich ungebremst als überspannte Rassisten zu erkennen geben dürfen, die in den letzten 150 Jahren nichts dazugelernt haben, bezweifelt dann doch ganz doll

Titanic

Hallihallo, Judith Holofernes!

Gut, daß Sie mit Ihrer Band »Wir sind Helden« wieder da sind! Auf die Frage der FAZ, welche Exzesse Sie sich nach Erfolgen gerne leisten, antworteten Sie: »…mit leckerem Essen auf dem Balkon, tief im Sitzsack versunken. Danach lasse ich mit diabolischem Lächeln alles liegen, was runtergefallen ist, und gehe ohne die Zähne zu putzen schlafen.«
Witzig! Witzig aber auch, daß Ihre aktuelle Musik genauso klingt: nämlich nach Sitzsack, heruntergefallenem Essen und ungeputzten Zähnen.
Lächelt diabolisch zurück:

Titanic

Steffen Seibert!

Gleich am ersten Tag Ihres neuen Jobs als Pressesprecher der Bundesregierung mußten Sie dem »Säbelrasseln« der vier Atomkonzerne entgegentreten, die damit gedroht hatten, ihre Atomkraftwerke abzuschalten, sollte Merkel ihnen eine »Brennelementesteuer« aufbrummen. Um dieses Horrorszenario vom Tisch der Bundespressekonferenz zu wischen, machten Sie klar: »Wenn Gespräche laufen, ist es wirklich nicht hilfreich für Gespräche, wenn irgendwelche Drohgebärden oder so nach außen dringen. Ich glaube, das dient nicht, und das wird sicherlich auch das Ergebnis der Gespräche nicht beeinflussen.«
Sauber, Seibert! Unnachahmlich, wie Ihnen da die Wahrheit unfreiwillig über die Lippen flutschte! Wir schließen daraus: Wenn irgendwelche Drohgebärden von Konzernherren nicht nach außen dringen, dann ist das durchaus hilfreich für Gespräche und wird deren Ergebnis einwandfrei beeinflussen. Denn die Bundesregierung ist es erstens gewohnt, daß ihr von Konzernherren aller Art gedroht wird. Sie ist zweitens jederzeit bereit, solchen Drohungen nachzugeben. Nur sollten die Herren, drittens, doch bitte so freundlich sein und Diskretion wahren. Weil sonst wieder so ein armes Regierungssprecherwürstchen dasitzt und alles dementieren muß. Und sich dabei im Eifer des Gefechts selbst dementiert.
Ein furioser Einstand! Weiter so!

Titanic

Und Du, Branchendienst »Kress«,

peppst die öden Meldungen zu den TV-Quoten des Vortags täglich zielgruppengerecht mit duften Formulierungen und brillanten Wortspielen auf. So auch neulich, als Sat.1 mit der Übertragung eines Fußballspiels eine beachtlich hohe Zuschauerzahl verzeichnen konnte. Einem Deiner Redakteure fiel dazu ein: »Fußball, Fußball, über alles: Auf Sat.1 taumelte Werder Bremen in die Champions League.«
Aber hätte man, Kress, das Ganze nicht noch unverkrampfter und partypatriotischer formulieren können? Viel besser gefallen hätten uns etwa »Bremens Sturmabteilung ballert Sat.1 zum Endsieg« oder »Sieg Heil! Werder macht Sat.1 zum (Markt-)Führer!« Nächstes Mal, ja?
Schwarz-rot-geile Grüße: Deine

Titanic

Arend Oetker (71)!

Als Chef der »Dr. Arend Oetker Holding« verkaufen Sie vor allem Schwartau-Marmelade. Und als CDU-Mitglied und Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft passen Sie auf, daß Stifter keine Nachteile haben. Auf die Frage, warum für die Pakistaner jetzt weniger gespendet wird als für Tsunami-Geschädigte und Haitianer, antworteten Sie in einer Talkshow, die Menschen seien zurückhaltender, wenn sie nicht sicher seien, daß ihr Geld auch da ankomme, wo es gebraucht werde. Und fuhren fort: »So wie die 100 Euro, die ich heute morgen in der Kirche – nur 100 Euro – für Pakistan in den Klingelbeutel gegeben habe.« Soll heißen: Wenn Sie sicher wären, daß Ihr Geld da ankommt, wo es gebraucht wird, hätten Sie sich auch von 1000 Euro getrennt? Oetker, Sie alter Pharisäer! Dann wäre Ihre anbiedernde und scheinheilige Prahlerei ja noch weniger erträglich gewesen.
Klingelingeling:

Titanic

Werte Jessica Biel!

Ausweislich der Süddeutschen glauben Sie ewiges Filmsternchen also, daß alle Menschen auf der Welt etwas gemeinsam haben: »Ich wache selbstverständlich wie alle anderen Menschen auf der Welt mit einem riesengroßen Pickel auf der Stirn auf.« Wir aber fragen: Sind Sie da ganz sicher? Haben Sie’s überprüft? Und was steckt in Ihrem so drin? Ein dicker Pfropf Eitel?
Angewidert:

Titanic

Hallo »Aktion Demenz e.V.«!

Dein Wahlspruch lautet: »Besser leben mit Demenz«. Bei allem Respekt für dieses hehre Anliegen – meinst Du nicht, daß es ohne Demenz insgesamt noch ein bißchen besser geht?
Schon ganz verwirrt:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Entlarvend, lieber Kapitalismus,

ist ausgerechnet die Arte-Doku »An den Ufern des Nil: Zwischen Assuan und Luxor«. Darin erklärt der Sprecher mit gewohnt sonorer Stimme: »Die losgesprengten Felsbrocken werden zum Nil geschleppt und auf Frachtkähne verladen. Eine Szene wie vor Jahrtausenden. Heute schultern keine Fronsklaven die zentnerschwere Last für die Tempel der Pharaonen. Die Männer arbeiten freiwillig und schuften für einen kargen Lohn.«

Einfach toll, was Du, Kapitalismus, in 4000 Jahren so geschafft hast. Nächste Revision dann in weiteren 4000 Jahren, vielleicht sogar zum Mindestlohn?

Glaubt aber eher nicht: Titanic

 Huhu, Frank Thelen!

Huhu, Frank Thelen!

Sie sind ein teiggesichtiger deutscher Unternehmer, Investor bei der strunzdummen Show »Höhle der Löwen« und außerdem noch Autor von Büchern, in denen ehrlich das Allerdämlichste steht, was man aus eh schon schwachsinnigen Wörtern wie »Mindset« im Jahr 2020 noch machen kann. Ihr neustes Schundwerk heißt »10xDNA«, und darin erklären Sie u.a., dass bald Flugtaxis durch unsere Städte sausen werden. Aber das wissen Sie ja alles selbst!

Warum wir Ihnen schreiben? Weil Sie der behämmerten Münchner »Abendzeitung« im Interview steckten, dass ein Start-up aus Ihrem »Portfolio« sich das »retronasale Riechen zunutze gemacht« habe und daher naturgemäß eine Flasche entwickeln musste, aus »der man pures Wasser trinkt und dennoch Geschmack über Geruch wahrnimmt«. Das habe es »bislang so noch nicht gegeben«.

Und hier möchten wir entschieden widersprechen! In unserer Gestaltungsabteilung sitzt nämlich ein Herr namens Thomas Hintner, und dieser hat das retronasale Riechen schon vor vielen Jahren so weit auf die Spitze getrieben, dass er herbes Pilsbier trinken kann – und dabei nichts als Wasser schmeckt. Dafür braucht er nicht mal Flaschen wie Sie! Und wenn Ihnen, Esel Thelen, dieser Brief zu frech ist, dann schickt Kollege Hintner Ihrem idiotischen Start-up eine Patentklage.

Gluck, gluck! Titanic

 Roland Tichy, alter Einblicker!

Auch in zweiter Instanz haben Sie Ihre Klage gegen Claudia Roth verloren, die Ihnen zugeschrieben hatte, dass Ihr »Geschäftsmodell«, das in der Herausgabe des rechten Blogs »Tichys Einblick« besteht, »auf Hetze und Falschbehauptungen beruht«, was Sie als falsche Tatsachenbehauptung gewertet und untersagt wissen wollten.

Und ob Sie es glauben oder nicht, Tichy: Wir können Ihren Ärger verstehen. Wozu macht man sich schließlich die ganze Mühe? Weshalb wir also gegen Roths dreiste Ehrabschneiderei ein für alle Mal klarstellen wollen: Selbstverständlich beruht Ihr Geschäftsmodell nicht nur auf Hetze und Falschbehauptungen, sondern mindestens ebenso sehr auf Dummheit, Infamie, bewussten Lügen, Perfidie, Täuschung und nicht zu vergessen einem ordentlichen Schuss Narzissmus.

Mit ganz tiefem Einblick: Titanic

 »Spiegel«!

»Schwimmen im Freibad ist wie ein Besuch bei McDonald’s«, heißt es im Teaser einer Deiner Artikel. Weil man nie hundertprozentig weiß, ob nicht vielleicht irgendwo jemand reingespuckt hat, aber zumindest auf die Pommes immer Verlass ist?

Fragen Deine Freunde in Fett schwimmender Nahrungsmittel aus der Redaktion von Titanic

 Otto Schenk! Otto Schenk!

Als 91jähriges Urgestein der deutschsprachigen Theaterlandschaft plauderten Sie in der TV-Sendung »Willkommen Österreich« über Ihre Tierliebe im Allgemeinen und zu Papageien im Besonderen. Einem von Ihnen so genannten »Leihpapagei« wollen Sie den Satz »Heut red’ i nix« beigebracht haben. Und wie nebenbei konstatierten Sie: »Nicht sprechende Papageien sind für mich keine Papageien.«

Aber aber, Herr Schenk, gehen Sie doch nicht so hart ins Gericht mit unseren kunterbunt gefiederten Freunden. Selbst der beredteste aller Papageien ist von Zeit zu Zeit unpässlich oder schlecht aufgelegt oder womöglich im Alter taub geworden. Denken Sie bitte noch mal darüber nach!

Will ’nen Keks: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Metaphysik

Wahre Physiker sterben nicht, es reorganisieren sich nur ihre Teilchen.

Jürgen Miedl

 Ohne Worte

Man kann das Wesen eines Menschen ja in vielem erkennen. Zum Beispiel darin, wie er über seine Badezimmertürschwelle stolpert. Oder darin, wie er ein Glas Wasser fallen lässt. Vielleicht auch darin, wie er auf sein Bett springt und wie er sich abrollt, wenn er hinunterfällt. Aber was für ein Wesen hat einer, frage ich mich, der, wie mein neuer Nachbar, all dies im selben Moment tut?

Teja Fischer

 Genusspunkte

Dass Umlautzeichen appetitanregend wirken können, wird einem so richtig bewusst, wenn man beim Lesen einer Speisekarte zum ersten Mal mit »Raucherlachs« konfrontiert wird.

Julia Mateus

 Revolte

Schon seit Jahrtausenden lassen sich die Bienen vom Menschen nach Strich und Faden ausbeuten und hinters Licht führen. Wilde Instinkte und Resistenz gegen Milben und Krankheiten wurden zugunsten von Zahmheit und ungesundem Fleiß weggezüchtet, hochwertiger Honig wurde immer wieder entwendet, im Tausch gegen billige Glukoselösung. Doch damit ist jetzt Schluss. Widerstand regt sich in den Bienenstöcken, zumindest bei meiner Nachbarin, deren Bienen dazu übergegangen sind, den Honig lieber gleich zu verputzen und die Waben mit dem lauen Zuckerwasser vollzupumpen.

Miriam Wurster

 Schlechter Werbeslogan

Mit Sagrotan läuft Sack rot an

Elias Hauck

Vermischtes

Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Das schreiben die anderen

  • 07.07.:

    Hans Zippert schreibt in der FAZ über 80 Jahre Ringo Starr.

  • 03.07.:

    Das Online-Magazin Bookster unterhält sich mit Pit Knorr über sein Alter Ego "Opa Corona".

     

  • 23.06.:

    Stefan Gärtner schreibt in der "Jungen Welt" über den Film "Übers Reck", der Clemens Meyers Rede zu den ausgefallenen Ruhrfestspielen 2020 zeigt. 

  • 15.06.:

    Christian Y. Schmidt erinnert im "Neuen Deutschland" an den Verleger und Autor Jörg Schröder.

  • 02.06.:

    Culturmag.de bespricht Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod".

Titanic unterwegs
15.07.2020 Berlin, Literaturforum im Brecht-Haus Oliver Maria Schmitt, Michael Sowa u.a.
17.07.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Thomas Gsella, Gartenlesung
19.07.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve: »Die dicke Prinzessin Petronia«
27.07.2020 Leipzig, Werk 2 Martin Sonneborn