Briefe an die Leser | Juli 2010


Zu guter Letzt, Punks!

Wenn Ihr, wie kürzlich beim »Ruhrpott-Rodeo«, mal wieder Schwarz-Rot-Gold abfackeln wollt: Stoff- statt Plastikfahne und Brandbeschleuniger benutzen! Sonst gibt’s nur Geschmore und üblen Gestank, und davon habt Ihr ja eigentlich auch so schon genug.
Ansonsten mit Euch aber ganz zufrieden:

Titanic

Und kaum, »Associated Press«,

hatten wir uns am 19. Mai bei Deiner Meldung unter dem Titel »Gegenwind für Koch jetzt aus zwei Richtungen« gefragt, wohin es den hessischen Ministerpräsidenten bei derart ungewöhnlichen Wetterverhältnissen wohl pusten wird, als Roland Koch diese Frage auch schon selbst beantwortete: raus aus dem Amtssessel, stracks in die Wirtschaft.
Stürmischer Beifall von

Titanic

Aigner, Ilse!

Wir wissen selbstverständlich, wie schwer es für Sie als u.a. Verbraucherministerin ist, glaubwürdig Datenschutz zu fordern, kamen Sie doch in einer Regierung ins Amt, welche die zentrale Vorratsdatenspeicherung eingeführt hat. Sie fordern trotzdem ständig – unter anderem mehr Datensicherheit bei Facebook. Leider vergeblich! Weshalb Sie Ihre eigene Seite in dem sozialen Netzwerk jüngst gelöscht haben. Dessen ungeachtet greifen Sie sich nun im Focus unverdrossen die ganz Großen: »Wenn das Vertrauen der Nutzer schwindet, riskieren die Firmen ihr Geschäftsmodell, deshalb mußten sie jetzt reagieren und zurückrudern. Mittlerweile haben auch Unternehmen wie Apple und Microsoft bei mir im Verbraucherministerium um Gesprächstermine nachgefragt – quasi präventiv.« Denn bekanntlich läuft’s ja so: Bevor Weltkonzerne ihre Strategie planen, fragen sie Aigners Ilse. Aber was machen Sie eigentlich, wenn die Gespräche mit Apple und Microsoft ähnlich erfolgreich verlaufen wie die mit Facebook? Werfen Sie in Ihrem Ministerium alle Computer aus dem Fenster? Erklären Sie den digitalen Kampf für siegreich beendet und kehren zu Schiefertafel und Abakus zurück? In Ihren, hihi, aigenen Worten: »Die Menschen haben ein Gespür dafür, wenn sie ausgenutzt werden.« Aber auch, wenn ihnen die Zeit mit unbeholfener Selbstdarstellung gestohlen wird!
Stets nutzerfreundlich:

Titanic

Und wenn, Patricia Dellen

aus Geldern-Lüllingen (NRW), er auch nur für die Leserseite der Zeit war – ein bißchen mehr hätten Sie Ihren Haiku »WM« doch durchdenken sollen: »Nun bricht sie bald los / Die Welle aus Schwarz-Rot-Gold / Sie ist gutartig« – ja, ist da nun die Rede vom Meer oder vom Krebs? Wenn man sich die an Balkonen, Fenstern und Autos explosionsartig metastasierenden Deutschlandfahnen ansieht – und wie sollte man sie übersehen? –, dann ist letzteres wohl passender, mit allerdings deutlich schlechterer Diagnose.
Brechen auch bald los: die National-Onkologen von der

Titanic

Ausnahmsweise, Jan Fleischhauer,

haben Sie einmal recht: »Niemand käme auf die Idee, Gewichtheber zur Griechenlandkrise zu befragen, nur weil sie auch mal in Athen trainiert haben, oder Stabhochspringer, die irgendwann ein paar Aktien erstanden, zur Zukunft der Finanzmärkte. Man würde zu Recht erwarten, daß die Antwort durchschnittlich naiv, im besten Falle unfreiwillig komisch ausfiele. Warum hält sich dann aber der Glaube, Romanautoren hätten zu politischen Fragen besonders viel beizutragen? Irgendein Mißverständnis hat aus Schriftstellern, die schöne Geschichten erfinden, Intellektuelle gemacht, die zu allem möglichen Auskunft geben sollen, zum Klimawandel ebenso wie zu den Nachtseiten der Globalisierung, dem Welthunger oder dem Nahostkonflikt.«
Aber, Jan Fleischhauer, wenn wir mal kurz durch Ihre jüngsten Kommentare blättern (Griechenlandkrise, Mißbrauchsdiskussion, Weltfinanzkrise, Hartz-IV-Debatte, Afghanistan, DDR-Aufarbeitung), dann fragen wir uns doch, warum sich bei Ihnen der Glaube hält, ein Journalistenclown (Der Spiegel) und Märchenbuchautor (»Unter Linken«) wie Sie hätte zu politischen Fragen besonders viel beizutragen. Zumal die Geschichten, die Sie da immer erfinden, ja nicht mal schön sind.
Und warum schweigen Sie eigentlich so beharrlich zum Klimawandel? Dazu hätten Sie doch gewiß auch nichts zu sagen!
Quid pro quo:

Titanic

Bahn!

Daß die Fahrt in Deinem EC am ersten Junisonntag zwischen Berlin und Dresden insgesamt dreimal wegen »Unwetterschäden«, einer »Weichenstörung« bzw. gar »hoher Verkehrsdichte« ausgebremst wurde, wir uns bei der Hitze in dem frischluftfreien Zug nichts zu trinken kaufen konnten, weil der Speisewagen fehlte, und sich anschließend Dein »Reisezentrum« außerstande sah, die versprochene Verspätungsbestätigung auszustellen: Schwamm drüber. Aber daß Du neben diesen Pannen mit der stoisch wiederholten Durchsage »Wir entschuldigen die Verzögerung« auch gleich selbst für Vergebung unsererseits sorgen wolltest, das, Bahn, lassen wir Dir dann doch nicht durchgehen!
Unversöhnlich:

Titanic

»Tagesspiegel«!

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, nannte im Interview mit dem Focus über antisemitische Tendenzen in den Medien auch Dich: »Da wird im Tagesspiegel ein Artikel zu den anstehenden Friedensverhandlungen im Nahen Osten mit dem Foto des amerikanischen Präsidenten gedruckt, der im Gespräch mit orthodoxen Juden in seinem Office gezeigt wird.« Und auf die Frage, was ihn daran störe, antwortete Kramer: »Das Klischee von der jüdischen Lobby, die die amerikanische Politik manipuliert, ist in Bilder gefaßt. Besonders interessant ist, daß das Foto nachweislich ein Jahr zuvor aufgenommen wurde und in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Artikel steht.«
Das klingt ja zunächst recht vernünftig und könnte einer Zeitung, die sich selbst einer liberalen Tradition rühmt, vielleicht Anlaß zu etwas Selbstkritik sein, denn antisemitische Ressentiments, die möchtest Du, Tagesspiegel, ja wohl nicht schüren. Weshalb Du dann auch Deinen Chefmeiner und Kettenhund Malte Lehming losläßt, um jeden Zweifel sicher zu zerstreuen. Und der beginnt seinen Kommentar ganz launig mit einem Anekdötchen: »Chaim Cohen will Radiomoderator werden. Er bewirbt sich beim RBB. Seine Bewerbung wird angenommen, und er darf zum Vorsprechen und zu einer Mikrofonprobe erscheinen. Als er wieder nach Hause kommt, fragt ihn seine Mutter: ›Na? Hat’s geklappt?‹ Chaim schüttelt betrübt den Kopf. ›Und warum nicht?‹ – ›A-a-al-les An-n-ti-s-s-s-emi-t-ten‹, stottert er.« Haha, so ist er halt, der Jude, nicht wahr? Wittert, nur weil ein paar seiner Glaubensbrüder irgendwann mal durch ein paar deutsche Einzeltäter zu Tode gekommen sind und weil deren überlebende Nachkommen heute entweder gleich ganz von der Landkarte getilgt werden sollen (Teheran) bzw. nur unter Polizeischutz ihre Bagel essen können (Berlin), überall Diskriminierung. Obwohl er doch selbst schuld daran ist!
Da stellt sich eine Frage natürlich ganz deutlich: »Was ist bloß aus der guten alten Antisemitismuskeule geworden?« Ja, die gute alte Antisemitismuskeule, jenes Instrument, mit dem die Juden die Deutschen seit Jahrhunderten unterjochen. Doch die Zeiten sind gottlob vorbei: »Deshalb wird der Antisemitismusvorwurf oft nur noch als Teil der jüdischen Folklore wahrgenommen, ein bißchen wie Klezmer-Musik. Der Papst warnt vor Kondom und Pille, die FDP vor ›anstrengungslosem Wohlstand‹, ein Marxist vor dem Privatbesitz an Produktionsmitteln, und die Juden warnen halt vor dem stets zunehmenden Antisemitismus.« Alles also eine Frage der Gewohnheit. Und so gesehen, Tagesspiegel aus Berlin, ist es nur konsequent, wenn Du dergestalt vor dem überbordenden Einfluß des Weltjudentums warnst.
Traditionsbewußt:

Titanic

Hallöchen, Dunja Hayali!

Im Nachrichtenteil des Heute-Journals vermeldeten Sie, das Verfahren gegen den ehemaligen DFB-Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell sei »mangels fehlenden Tatverdachts eingestellt worden«. Mangels fehlenden Tatverdachts? Dann müßte es aufrechterhalten werden, meinen Sie nicht? Oder was meinten Sie?
Fragt:

Titanic

Sagen Sie mal, Alan Posener,

haben Sie schon alle Tabletten aufgebraucht? Oder was hat Sie bewogen, angesichts der jüngsten Labormeldung des Biotechnologen Craig Venter in der Welt zu kommentieren: »Am Anfang war die Information. Und die Information war bei Craig Venter. Und die Information wurde Fleisch und hieß DNA. Und Venter nahm eine tote Zelle und blies DNA in die Zelle, und siehe da, die Zelle lebte und ward fruchtbar und mehrte sich. Denn Venter hatte gesagt: ›Es werde Leben!‹ Und es ward Leben.«
Ehe Sie nun aber vollständig hyperventilieren: Haben Sie sich dieses JCVI-syn1.0. mal angeguckt? Ein Mycoplasma-Bakterium. Genau genommen: Das Erbgut eines Mycoplasma-Bakteriums in der Zellwand eines anderen Mycoplasma-Bakteriums. Sicher ein schöner handwerklicher Erfolg für die Nukleinsäurenbastler, aber unterm Strich eben doch eine Bazille. Eine besonders schlicht gestrickte Bazille sogar.
Gut, es kommt natürlich immer auf die eigene Perspektive an. Was Sie halt so Leben nennen.
Am Anfang war das Wort:

Titanic

»Hells Angels«!

Nachdem der Bandenzank Eurer Motorrad- und Rotlichtbande mit den »Bandidos« die Öffentlichkeit gründlich erschreckt hatte und die konservativen Politiker Euch folglich ans Leder wollten, grifft Ihr zu dem alten Trick von Helmut Kohl und ließt Euren Sprecher Frank Hanebuth im Stern etwas widerlegen, das überhaupt nicht zur Debatte steht: »Die halten uns für besonders schlau. Aber ganz ehrlich: So schlau sind wir gar nicht.«
Ist klar, Höllenengel, denn fürs Schlausein habt Ihr schließlich Eure prallgefüllte Zuhälterkasse bzw. die daraus bezahlten Anwälte, gell?
Hält sich von Euren Puffs fern, aber ganz ehrlich:

Titanic

Wir, Markus Lanz,

wußten gar nicht, daß Sie sich selber auch nicht ertragen können. Doch während unsereinem die Fernbedienung genügt, um mit diesem Problem fertig zu werden, müssen Sie in die Ferne reisen – und zwar bevorzugt ins leise, eisige Grönland, wie Sie der Bunten gestanden: »Man lernt in der Stille, sich selbst zu ertragen. Wir können das nicht mehr und lenken uns ständig ab. Dabei sind wir mit niemandem so lange zusammen wie mit uns selbst. Ich mußte das wieder lernen – das ging im Eis am besten.«
Zu unser aller Leidwesen können Sie jedoch nicht ewig in der Eiswüste verweilen und müssen zurück ins laute TV-Studio, um mit Ihrer Moderationsmethode des noch nicht mal mehr vorgetäuschten journalistischen Anspruchs unbedarfte Menschen ständig abzulenken: »Ich frage mich dann oft: Was mache ich hier eigentlich? Das kann sogar zu Anflügen von Panik führen. Dann merke ich erst, wie sehr wir alle überdreht sind, wie unglaublich viele Impulse, Signale wir verarbeiten müssen.« Sie als Kerner-Nachfolger müssen zum Beispiel das von vielen Seiten gesendete Signal verarbeiten, daß Sie Ihren Erfolg nur Ihrem Äußeren zu verdanken hätten. Was Ihnen offenbar nicht so leicht fällt: »Das ist ein ganz wunder Punkt! Du machst Dich als Mann, der nicht aussieht wie ein Eimer, immer der Doofheit verdächtig.«
Nun ergab eine Spontanumfrage in unserem weiblichen Bekanntenkreis, daß Sie tatsächlich nicht wie ein Eimer aussehen, sondern eher an ein »Schäufelchen«, einen »Besen« oder gar »Kehricht« erinnern. Doch lassen Sie sich beruhigen: Um Sie der Doofheit zu verdächtigen, braucht man Sie gar nicht unbedingt anzusehen.
Versichert ohne jeden Anflug von Panik:

Titanic

Lieber Thomas de Maizière!

Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger Wolfgang Schäuble kennt Sie zwar kaum jemand. Aber als Innenminister sind Sie auch verantwortlich für die mindestens ebenso bekannte Islamkonferenz, »die eine bessere religions- und gesellschaftspolitische Integration der muslimischen Bevölkerung« zum Ziel hat. Neulich wurde wieder konferiert – allerdings hatten Sie die Unruhestifter vom Islamrat ausgeladen. Das wiederum brachte den Zentralrat der Muslime dazu, das Treffen aus Protest zu boykottieren. Auf die Frage eines Radioreporters nach dem Fehlen dieser Gruppen antworteten Sie, wenn unsere Ohren sich am frühen Morgen nicht getäuscht haben: Es sei halt wie auf dem Dorffest. Man tanze mit den Mädchen, die gekommen sind. Aber, lieber de Maizière, was ist, wenn diese Mädchen einen leicht reizbaren Vater, Bruder oder Onkel haben? Und das Dorffest dann nicht nur mit der üblichen Rauferei, sondern mit Mord und Totschlag endet?
Lieber noch mal eine Nacht drüber schlafen, raten Ihre Völkerverständigungs-Experten auf der

Titanic

Und noch mal, Lena!

Laut Flensburger Tagblatt beweist Dein Erfolg, »daß ein guter Auftritt auch ohne Windmaschine, viel Schminke oder nackte Haut gelingen kann: mit Ausstrahlung, Charakter und einem guten Lied. Das macht Hoffnung in einer Zeit, in der wir uns, sobald wir den Fernseher anschalten, vor lauter Casting-Teilnehmern namens Menowin oder Mehrzad mit Skandalvergangenheit nicht retten können. Lena ist anders. Und deswegen ist sie Deutschlands Liebling.« Und das freut natürlich auch uns: daß sich nämlich ein braves deutsches Frollein gegen charakterlose Skandalausländer immer noch durchsetzen kann – auch wenn die noch so viel Wind machen! Und natürlich auch, daß so eine fesche BDM-Diseuse den ganzen Neocons in den Redaktionen, für die ein exotischer Vorname schon eine Provokation darstellt, noch ein klein bißchen altdeutsche Behaglichkeit zu spendieren vermag. Die haben’s nämlich auch nicht leicht, heutzutage!
Gotta tell you how we feel about you:

Titanic

Hey, Kapitalismus!

Wenn Du schon aus der anhaltenden Wirtschaftskrise nichts gelernt hast – ist Dir der Tod von Louise Bourgeois wenigstens ein warnendes Omen?
Nein? Gar nicht? Alles weiter wie immer, volle Pulle Richtung Abgrund?
Wundert sich so gar nicht:

Titanic

Und außerdem, »Süddeutsche«!

»Leute: Marcel Reich-Ranitzki, 89, Literaturkritiker, haßt es, im Bett zu lesen« – ist also kein Problem, das Vermischte komplett von Praktikanten zusammenlöten zu lassen. Zwei Drittel des Namens sind ja dann doch richtig geschrieben.
In wachsender Verehrung:

Titanic

Rainer Speer!

Als brandenburgischer SPD-Innenminister fanden Sie sich anläßlich des Oder-Hochwassers nicht nur von den Fluten, sondern ebenso unvermutet von einem Kamerateam der Tagesschau umzingelt und gaben in Ihrer Not zu Protokoll: »Äh, es is, äh, nich vorhersehbar jewesen, man ging wohl davon aus, daß auf der polnischen Seite noch an dieser oder jener Stelle Deiche nicht standhalten, die halten aber, und so kommt’s Wasser runter.«
Sehen wir das richtig, Herr Speer? Eine wesentliche Komponente des Hochwasserschutzes in Brandenburg ist also die Annahme, die im Nachbarland errichteten Dämme fielen unter die Kategorie »polnische Wirtschaft«, so daß man Polen praktischerweise als ein einziges großes Hochwasserrückhaltebecken betrachten könne? Und diese Annahme erweist sich jetzt als falsch? Tja, auf nix ist mehr Verlaß.
Nur auf die Deichwächter von der

Titanic

Guttenberg!

Kolossal schlagfertig, was Sie da bei Beckmann auf die Frage antworteten, ob Angela Merkel angesichts des ewigen Hickhacks innerhalb der Union nicht mal den einen oder anderen Minister in der Kabinettsitzung zurückpfeife. Nämlich: Sie hätten die Frau Bundeskanzlerin überhaupt noch nie pfeifen hören. Noch grandioser war nur Ihr verschmitzter Zusatz, das mit den Frauen und dem Pfeifen sei ja überhaupt so eine Sache. Worauf Sie kurz stockten und sich selbst innerlich zur Ordnung riefen: Naja, also irgendwie nicht ganz unproblematisch sei es, das weibliche Pfeifen, Punkt. Und weder Beckmann zu Ihrer Linken noch Scholl-Latour zu Ihrer Rechten kapierten, was Ihnen da auf der Zunge lag, auf die Sie sich im letzten Moment noch bissen. Nur wir wissen, was in so einem gutgegelten Gutsherren- und Kasinooberstübchen wie dem Ihren in so einem Fall herumspukt. Nämlich das altdeutsche Versgut: »Mädchen, die pfeifen, und Hühnern, die krähn, soll man beizeiten den Hals umdrehn!« Als gelerntem Machtmenschen  fiel Ihnen freilich eine Zehntelsekunde später ein, daß dieser Reflex aus dem Repertoire des fränkischen Herrenhauses vor einem Millionenpublikum eher zum Bumerang geraten könnte und wohl besser der vertrauten Männerrunde vorbehalten bleiben sollte, hohoho! Wir dagegen sehen nur mal wieder die alte Bauernweisheit bestätigt: Minister, die blaffen, und Ochsen, die bocken, soll man am Nasenring stets anpflocken.
Kikeriki:

Titanic

Und apropos, Broder!

Als Laudator auf der x-ten Preisverleihung an den greisen Reich-Ranicki beklagten Sie, der Geehrte habe sich in seinem Leben nicht hinreichend pro Israel und contra Islam geäußert. Aber wenn Sie schon MRR kritisieren, warum dann nicht für etwas, was in dessen Zuständigkeitsbereich fällt: daß er nämlich in diesen unendlichen Jahrzehnten niemals interessante oder gar gute Literatur empfohlen hat?
Gern geschehen:

Titanic

Du schon wieder, »Taz«!

Zusammen mit der Organisation »Handicap international« veranstaltest Du einen »Journalistischen Wettbewerb für Jugendliche«, Thema: »Streubomben in Laos«. Die Aufgabenstellung ist durchaus anspruchsvoll: »Du recherchierst selbständig zum Thema: Worin besteht das Problem? Wer tut etwas dagegen? Was wird aus den Opfern?« Und diesen Preisausschrieb, liebe Taz, den wollen wir natürlich unbedingt gewinnen! Wohlan: Das Problem mit den Streubomben besteht darin, daß sie oft sehr teuer sind und immer weniger Kriegsherren auf deutsche Qualitätskracher setzen, sondern lieber billige Imitate aus dem Ausland nehmen. Tuen tut dagegen was natürlich die nimmermüde Taz, und die Opfer haben leider das Nachsehen.
Soweit, so gut! Nur auf den Hauptpreis, die »Reise in das Land«, vulgo ins bombige Laos, auf die täten wir gern verzichten. Oder war das gar Deine Absicht, Taz? Begabte Nachwuchsjournalisten ködern und dann auf ein Himmelfahrtskommando ins Streubombengebiet schicken? Auf daß ein paar lästige Rivalen aus dem Weg geräumt wären?
Wie immer superkritisch nachhakend:

Titanic

Und Sie, Sandy Meyer-Wölden,

flüchteten einst, weil Sie keine Becker wurden, zu einem Pocher und gebaren ihm prompt ein Kind, weshalb Sie sich nun in der Bunten als »Stil-Ikone«, überdies »gereift durch ihre Mutterrolle«, zurückmelden dürfen. Für den Weg von der Schmuckdesign-Nudel zur gereiften Stil-Ikone braucht es natürlich gehörig was im bzw. auf dem Kopf: »Wer mich besser kennt, weiß, daß mir Mode wichtig ist, aber es ist falsch, mich immer nur darauf zu begrenzen. Als ich eine Zeit lang einen Hut trug, fragte man mich zum Beispiel, woher ich diesen Trend hätte. Dabei hatte ich durch den Hut lediglich das Gefühl, mehr Privatsphäre in meinen Alltag zu bekommen.« Huch! Etwa, weil die von Ihnen selbst eingeladenen Klatschreporter dann nicht sehen, wie ungewaschen Ihr strähniges Problemhaar ist?
Die Privatsphäre scheint Ihnen denn auch so wichtig, daß Sie prompt noch aus der heimischen Stube plaudern, was für ein toller Vater Pocher sei und daß Sie – Mütter sind ja immer so pathetisch, wenn es um den eigenen Wurf geht – mit ihm und Tochter Nayla »am Ziel einer langen Reise mit einigen Irrwegen« angelangt seien. Gewiß, Sandy Meyer-Wölden – man nennt dieses Reiseziel auch: Sackgasse.
Hut ab!

Titanic

Gelungene Aktionskunst, Edeka,

hätten wir Dir ja nun eigentlich am wenigsten zugetraut, aber für die Idee, Klopapier in einer »WM-Edition« auf den Markt zu bringen, eingerahmt in Schwarz-Rot-Gold und mit auf die Blätter gedruckten Fußballspielern, auf daß selbst dem Dümmstdeutschen spätestens auf dem Klo auffällt, was von diesem ganzen Nationalbrimborium zu halten ist, um ihm dann, nachdem er sich ein paar Nationalspieler durch die Kimme gezogen hat, mit einem sinnesbetäubenden »Rasen-Duft« zu Boden zu schicken – Chapeau!
Hätt’s kaum besser hinbekommen:

Titanic

Henryk M. Broder,

alter Dampfplauderer! Da hatten Sie von Horst Köhler im Mai 2009 noch gefordert, »daß er Klartext redet, den ich verstehen kann. Daß er nicht Gutmenschenversammlungen anführt, sondern den Unsinn, den diese verbreiten, beim Namen nennt«, wie wir zumindest bei »Bild online« nachlesen. Nun aber ist Horst weg, Versöhnung angesagt, und Sie greifen auf »Spiegel online« tief in die Vergleichskiste: »Köhler war kein Idealist. Er war Pragmatiker, der sein Amt ernst nahm. Er schaute sich die Gesetze, die er unterschreiben sollte, genau an, er las allen die Leviten. Am Ende machte er es Niki Lauda nach, der mitten in einem Rennen anhielt, aus dem Wagen stieg und sagte: Es gibt wichtigere Dinge im Leben, als mit einem Auto im Kreis herumzufahren.«
Nun ist es, Broder, alles andere als pragmatisch, sich erst bei einem Motorsportunfall das halbe Gesicht wegzugrillen, 42 Tage danach schon wieder Rennen zu fahren, später den eben zitierten Ausstieg zu feiern, nur um nach Jahren erneut Formel-1-Pilot zu werden, wie es der Lauda nämlich gemacht hat. Dabei wäre der Vergleich Ihre Chance für eine Analyse von seltener Klarheit gewesen, ist doch im Kreis herumschreiben und -denken Ihre Paradedisziplin. Steht also zu hoffen, daß Ihr eigener Ausstieg pragmatischer daherkommt. Und vor allem schneller!
Brennende Grüße von Ihrer

Titanic

Heda, Motor- bzw. Oldtimerjournalisten!

Um anzuzeigen, welch Luxusgut ein Auto in den fünfziger und sechziger Jahren noch war, ist Euch ein Maßstab der allerliebste: der des Arbeitermonatsgehalts. »8475 Mark – soviel kostet ein VW-Sondermodell als Achtsitzer, er ist damit 1500 Euro teurer als die einfach ausgestattete Standardversion. Doch schon das entspricht vier Monatsgehältern eines Arbeiters« (Motor Klassik). Weil die Zeiten halt noch hart waren und das Glück für alle uns erst in letzter Zeit so richtig eingeholt hat, nicht wahr? Denn der Arbeiter verdient heute so gut, daß er sich für kein VW-Standardmodell der Welt mehr vier Monatsgehälter vom Mund absparen muß!
Sondern, sofern er sich den kleinsten erhältlichen Golf wünscht, Listenpreis ab 16500 Euro, nur noch fünf.
Ja, der Fortschritt!
Trotzdem gute Fahrt:

Titanic

Polnische Regierungskreise!

Da Ihr nun also mit Sicherheit wißt, wer für die neue Flutkatastrophe verantwortlich war, nämlich Biber, habt Ihr sicherlich auch festgestellt, was den Flugzeugabsturz Eurer Führungselite verursachte. Laßt uns raten: Bienen? Heuschrecken? Oder gar der, hihi, Polenflug?
Schon ganz gespannt:

Titanic

Widersprüche, liebe Facebook-Nutzerin Nadja,

sind bekanntlich gesellschaftskonstituierend und im Kapitalismus praktisch nicht wegzudenken. Trotzdem hat uns Dein Profil, auf dem Du auflistetest, wer und was Dir seit neustem so gefällt, ein wenig ratlos gemacht. Dort steht also: Nadja gefällt Walter Benjamin, Nadja gefällt Theodor W. Adorno, Nadja gefällt Guy Debord, Nadja gefällt Max Horkheimer, Nadja gefällt Paul Celan, Nadja gefällt Claude Lanzmann, Nadja gefällt… Shoah?
Aber zählt eben diese nicht besonders zum ganz und gar nicht richtigen Mögen im Falschen? Ist der Tod mittlerweile gar ein Meister auf Facebook? Oder heißt das nun, daß die Entfremdung im Zeitalter sozialer Netzwerke einfach schneller ist, als der Paradigmenwechsel erlaubt?
Für heute mal geschmackssicher:

Titanic

Lena Meyer-Landrut!

Du herrlich frische Sommersirene und quietschsympathische Trällerursel, Du Botschafterin geschickt selektierter Unbedarftheit und Zugpony eines neuen Deutschlandbildes: Hast Du Dir eigentlich schon einmal Gedanken gemacht, was Dein bereits errungener Sieg und der ja jetzt schon sichere beim nächsten »Eurovision Song Contest« unseren Kommunen antut? Die Ausrichtung des Schalala-Vergleichs kostet doch locker
35 Millionen! So was kann sich der Norweger vielleicht noch leisten, aber bei uns sind doch alle richtig klamm im Säckel. Willst Du, daß Deinetwegen noch mehr Schwimmbäder schließen, Opernhäuser die Heizungen abdrehen und Kindergärtnerinnen verhungern müssen? Das fändest du doch sicherlich eher nicht so gut, oder?
Unser Vorschlag: Zieh Deinen absehbaren Abstieg ins mediale Vergessen einfach etwas vor – dann ist allen gedient, Dir, Deinem Land und ganz besonders:

Titanic

Sie, Otto Fricke,

sind FDP-Haushaltsexperte und äußern sich als solcher auch zur Mehrwertsteuer: »Es ist niemandem zu erklären, daß etwa Babywindeln mit 19 und edle Zuchtpferde mit sieben Prozent besteuert werden.« Aber Herr Fricke! Unerklärlich sind diese Tatsachen auf keinen Fall. Da gibt es zum Beispiel einen Guido Westerwelle, der lange Zeit als das beste Pferd in Ihrem Saustall galt. Westerwelles Lebenspartner heißt Michael Mronz, der u.a. als Geschäftsführer der Aachen-Reitturnier-GmbH für die Vermarktung des CHIO Aachen – des sogenannten Weltfestes des Pferdesports – zuständig ist. Finden Sie es da wirklich noch unerklärlich, daß »edle Zuchtpferde« unter den ermäßigten Mehrwertsteuersatz fallen? Und wenn Sie sich jetzt noch vergegenwärtigen, daß Westerwelle und Mronz zwar auf vielen Hochzeiten tanzen, in ihrer Lebensplanung allerdings eher wenig Platz für Kinder sehen, dann dürfte auch der volle Satz für Babywindeln verständlich sein.
Was für uns hingegen schwer erklärlich ist: Wie hat es einer, der offenbar nicht mal die Basics in Sachen Klüngelei und Networking begriffen hat, bis zum haushaltspolitischen Sprecher der FDP gebracht? Sollte Ihre Partei inzwischen schon so weit heruntergekommen sein, daß sie für solche Posten nicht mal mehr halbwegs geeignete Mitarbeiter findet? Das erklärte jedenfalls einiges, findet

Titanic

Großartig auch, Nikolaus Schneider,

wie Sie als designierter EKD-Boß und Käßmanns Nachfolger auf dem Kirchentag die Position Ihres stets revolutionären Protestantenvereins zum Welthunger formulierten: »Die Hungernden sollen gesättigt werden – aber ohne daß wir Reichen dafür hungern. Die Schwachen sollen mitreden, aber ohne daß wir Starken den Mund halten.« Da geben wir Ihnen völlig Recht, Schneider, denn das mit den Reichen, die die Armen sein werden, gilt schließlich erst für den Himmel. Und solange Starke wie Sie was zu kauen haben, ist wenigstens das Sprechorgan abgelenkt.
Wünscht weiter besten Appetit:

Titanic

Liebe Nachrichtenagenturen,

die von Euch per Großbildschirm in deutschen U-Bahnhöfen verbreitete Nachricht, der Vulkan mit dem lustigen Namen hätte soundsoviel Milliarden »globales Bruttoinlandsprodukt« gekostet, nehmen wir Euch bedenkenlos ab, doch kratzt uns das nicht im geringsten. Wirklich interessieren täten wir uns vielmehr für den globalen Außenhandel, der offenbar mit von Aschewolken unbeeindruckten Bewohnern benachbarter Planeten und angrenzender Sonnensysteme wie eh und je in voller Blüte steht.
Geht sofort den nächstgelegenen Import-Export-Laden inspizieren:

Titanic

Was aber, Peter Boudgoust,

könnten Sie wohl gemeint haben, da Sie als ARD-Vorsitzender anläßlich der Verpflichtung Günther Jauchs für das sonntagabendliche Politgeseier Ihres Ersten der Presse kundtaten: »Wir bieten dem Großmeister der journalistischen Unterhaltung ein Programmumfeld, das seinen Fähigkeiten entspricht.« Daß Jauch mit seinem stumpfbissigen und grundsaturierten Gelaber hervorragend zum Umfeld der senilen Dame ARD paßt? Daß Jauchs schlaffördernde Unterhaltung, sein haltungsfreier Journalismus und überhaupt seine Durchschnittskompatibilität gerade bei Euch in der ARD als große Meisterschaft durchgehen? Oder daß sich Jauch bei RTL bereits dermaßen die Birne leergefaselt hat, daß seine Fähigkeiten als Harmlos-Souffleur der immer gleichen Politnasen sogar die lästigen Parteienvertreter im Rundfunkrat wegdämmern lassen werden?
Schnarcht jetzt schon in der ersten Reihe:

Titanic

Pfiffiger Hans-Olaf Henkel!

Als Schutzpatron der deutschen Wirtschaft machten Sie in einer Talkshow zum Thema »Wir sind die Griechen von morgen« bedenkenswerte Sparvorschläge: »Man kann auch in der Bildung sparen. Da gibt es jede Menge Dinge, die mit Bildung gar nichts zu tun haben – Bafög, Gehälter und sowas.« Gut gegeben, Henkel! Reine Bildung, abgepackt in unsichtbare Klarsichtfolien, kostet nämlich praktisch gar nichts. Ein Jammer nur, daß Bildende und zu Bildende essen, trinken und wohnen müssen. Doch Sie zeigen, wie es geht: Man trennt schlicht die Begriffe von den Menschen, und im Nu haben wir einen ausgeglichenen Haushalt. Denn auch reine Verteidigung, reine Gesundheit und reine Arbeit verursachen keine Kosten.
Wissen zumindest Ihre Philosophen auf der

Titanic

Tanja Dückers, Fußballexpertin!

Sie durften in der Jungle World sagen, wen Sie sich als Fußballweltmeister wünschen, und sagten »Kamerun (stellvertretend für Schwarzafrika). Ich bin für einen afrikanischen Weltmeister, und zwar einen schwarzafrikanischen – auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist. Ghana, Elfenbeinküste, Nigeria oder Kamerun kämen in Frage.«
Und wieso? Weil diese Mannschaften attraktiven Fußball spielen? Weil der Eurozentrismus des Weltfußballs schon eine lange währende Ungerechtigkeit ist? Weil die Teams sympathisch sind und es einfach mal verdient haben? Alles denkbare Gründe, aber nein, Sie wollten nur den abgeschmacktesten Negerscherz unter den Wortwitzen anschließen können:
»Wenn eines dieser Länder die WM gewinnt, ärgern sich die Nazi-Pappnasen, die in den hiesigen Stadien Dumpfbackiges von sich geben, schwarz.« Kamerun soll also Weltmeister werden, damit sich deutsche Nazis ärgern? Mal so gesagt: In puncto Pappnasentum und Dumpfbackigkeit können Sie, gute Frau Dückers, sich in den hiesigen Stadien getrost einreihen.
Olé olé olé olé!

Titanic

Werte »Volksbank Solling«, Uslar!

Der stolzen Mitteilung auf Deiner Webseite entnehmen wir, daß Du kürzlich einen Defibrillator angeschafft und in der Hauptgeschäftsstelle stationiert hast. Er »soll bei Kunden zum Einsatz kommen«, die plötzlich von Herzrhythmusstörungen befallen werden. Das ist in Zeiten von Finanzkrise, Geldverbrennung und drohender Inflation eine ungewöhnlich realitätsaffine Idee. Wo hängt denn das Gerät? Gleich neben dem Kontoauszugdrucker? War nur geraten!
Macht sowieso lieber Online-Banking:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Entlarvend, lieber Kapitalismus,

ist ausgerechnet die Arte-Doku »An den Ufern des Nil: Zwischen Assuan und Luxor«. Darin erklärt der Sprecher mit gewohnt sonorer Stimme: »Die losgesprengten Felsbrocken werden zum Nil geschleppt und auf Frachtkähne verladen. Eine Szene wie vor Jahrtausenden. Heute schultern keine Fronsklaven die zentnerschwere Last für die Tempel der Pharaonen. Die Männer arbeiten freiwillig und schuften für einen kargen Lohn.«

Einfach toll, was Du, Kapitalismus, in 4000 Jahren so geschafft hast. Nächste Revision dann in weiteren 4000 Jahren, vielleicht sogar zum Mindestlohn?

Glaubt aber eher nicht: Titanic

 Roland Tichy, alter Einblicker!

Auch in zweiter Instanz haben Sie Ihre Klage gegen Claudia Roth verloren, die Ihnen zugeschrieben hatte, dass Ihr »Geschäftsmodell«, das in der Herausgabe des rechten Blogs »Tichys Einblick« besteht, »auf Hetze und Falschbehauptungen beruht«, was Sie als falsche Tatsachenbehauptung gewertet und untersagt wissen wollten.

Und ob Sie es glauben oder nicht, Tichy: Wir können Ihren Ärger verstehen. Wozu macht man sich schließlich die ganze Mühe? Weshalb wir also gegen Roths dreiste Ehrabschneiderei ein für alle Mal klarstellen wollen: Selbstverständlich beruht Ihr Geschäftsmodell nicht nur auf Hetze und Falschbehauptungen, sondern mindestens ebenso sehr auf Dummheit, Infamie, bewussten Lügen, Perfidie, Täuschung und nicht zu vergessen einem ordentlichen Schuss Narzissmus.

Mit ganz tiefem Einblick: Titanic

 Huhu, Frank Thelen!

Huhu, Frank Thelen!

Sie sind ein teiggesichtiger deutscher Unternehmer, Investor bei der strunzdummen Show »Höhle der Löwen« und außerdem noch Autor von Büchern, in denen ehrlich das Allerdämlichste steht, was man aus eh schon schwachsinnigen Wörtern wie »Mindset« im Jahr 2020 noch machen kann. Ihr neustes Schundwerk heißt »10xDNA«, und darin erklären Sie u.a., dass bald Flugtaxis durch unsere Städte sausen werden. Aber das wissen Sie ja alles selbst!

Warum wir Ihnen schreiben? Weil Sie der behämmerten Münchner »Abendzeitung« im Interview steckten, dass ein Start-up aus Ihrem »Portfolio« sich das »retronasale Riechen zunutze gemacht« habe und daher naturgemäß eine Flasche entwickeln musste, aus »der man pures Wasser trinkt und dennoch Geschmack über Geruch wahrnimmt«. Das habe es »bislang so noch nicht gegeben«.

Und hier möchten wir entschieden widersprechen! In unserer Gestaltungsabteilung sitzt nämlich ein Herr namens Thomas Hintner, und dieser hat das retronasale Riechen schon vor vielen Jahren so weit auf die Spitze getrieben, dass er herbes Pilsbier trinken kann – und dabei nichts als Wasser schmeckt. Dafür braucht er nicht mal Flaschen wie Sie! Und wenn Ihnen, Esel Thelen, dieser Brief zu frech ist, dann schickt Kollege Hintner Ihrem idiotischen Start-up eine Patentklage.

Gluck, gluck! Titanic

 Otto Schenk! Otto Schenk!

Als 91jähriges Urgestein der deutschsprachigen Theaterlandschaft plauderten Sie in der TV-Sendung »Willkommen Österreich« über Ihre Tierliebe im Allgemeinen und zu Papageien im Besonderen. Einem von Ihnen so genannten »Leihpapagei« wollen Sie den Satz »Heut red’ i nix« beigebracht haben. Und wie nebenbei konstatierten Sie: »Nicht sprechende Papageien sind für mich keine Papageien.«

Aber aber, Herr Schenk, gehen Sie doch nicht so hart ins Gericht mit unseren kunterbunt gefiederten Freunden. Selbst der beredteste aller Papageien ist von Zeit zu Zeit unpässlich oder schlecht aufgelegt oder womöglich im Alter taub geworden. Denken Sie bitte noch mal darüber nach!

Will ’nen Keks: Titanic

 »Spiegel«!

»Schwimmen im Freibad ist wie ein Besuch bei McDonald’s«, heißt es im Teaser einer Deiner Artikel. Weil man nie hundertprozentig weiß, ob nicht vielleicht irgendwo jemand reingespuckt hat, aber zumindest auf die Pommes immer Verlass ist?

Fragen Deine Freunde in Fett schwimmender Nahrungsmittel aus der Redaktion von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Genusspunkte

Dass Umlautzeichen appetitanregend wirken können, wird einem so richtig bewusst, wenn man beim Lesen einer Speisekarte zum ersten Mal mit »Raucherlachs« konfrontiert wird.

Julia Mateus

 Schlechter Werbeslogan

Mit Sagrotan läuft Sack rot an

Elias Hauck

 Revolte

Schon seit Jahrtausenden lassen sich die Bienen vom Menschen nach Strich und Faden ausbeuten und hinters Licht führen. Wilde Instinkte und Resistenz gegen Milben und Krankheiten wurden zugunsten von Zahmheit und ungesundem Fleiß weggezüchtet, hochwertiger Honig wurde immer wieder entwendet, im Tausch gegen billige Glukoselösung. Doch damit ist jetzt Schluss. Widerstand regt sich in den Bienenstöcken, zumindest bei meiner Nachbarin, deren Bienen dazu übergegangen sind, den Honig lieber gleich zu verputzen und die Waben mit dem lauen Zuckerwasser vollzupumpen.

Miriam Wurster

 Ohne Worte

Man kann das Wesen eines Menschen ja in vielem erkennen. Zum Beispiel darin, wie er über seine Badezimmertürschwelle stolpert. Oder darin, wie er ein Glas Wasser fallen lässt. Vielleicht auch darin, wie er auf sein Bett springt und wie er sich abrollt, wenn er hinunterfällt. Aber was für ein Wesen hat einer, frage ich mich, der, wie mein neuer Nachbar, all dies im selben Moment tut?

Teja Fischer

 Metaphysik

Wahre Physiker sterben nicht, es reorganisieren sich nur ihre Teilchen.

Jürgen Miedl

Vermischtes

Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSerdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.
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Das schreiben die anderen

  • 07.07.:

    Hans Zippert schreibt in der FAZ über 80 Jahre Ringo Starr.

  • 03.07.:

    Das Online-Magazin Bookster unterhält sich mit Pit Knorr über sein Alter Ego "Opa Corona".

     

  • 23.06.:

    Stefan Gärtner schreibt in der "Jungen Welt" über den Film "Übers Reck", der Clemens Meyers Rede zu den ausgefallenen Ruhrfestspielen 2020 zeigt. 

  • 15.06.:

    Christian Y. Schmidt erinnert im "Neuen Deutschland" an den Verleger und Autor Jörg Schröder.

  • 02.06.:

    Culturmag.de bespricht Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod".

Titanic unterwegs
15.07.2020 Berlin, Literaturforum im Brecht-Haus Oliver Maria Schmitt, Michael Sowa u.a.
17.07.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Thomas Gsella, Gartenlesung
19.07.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve: »Die dicke Prinzessin Petronia«
27.07.2020 Leipzig, Werk 2 Martin Sonneborn