Briefe an die Leser | April 2010


Und was, NPD,

fanden wir da in unseren Briefkästen? Eine Unterschriftenliste für einen Volksentscheid in Sachen »Minarettverbot auch in Deutschland!«. Und warum genau sollen wir da unterschreiben? Damit »wir unseren eigentümlichen National- und Volkscharakter« behalten und uns nicht künftig von einer »raum- und kulturfremden Macht in unserem Land Politik, Kultur und Religion diktieren« lassen müssen. Ach so. Bzw. wie? Eigentümlicher National- und Volkscharakter? Lassen Sie uns dazu rasch mal Stoiber zitieren, weil es niemand sagen kann wie er: »Die Juden sind neben den Altbayern, Schwaben und Franken und den heimatvertriebenen Sudetendeutschen in Bayern ein eigener Stamm.« Wenn man jetzt noch all die Stämme in Fries- und Münsterland, in Schwaben und vor allem im Osten Deutschlands dazuzählt, erkennt man in der Tat, wie höchst eigentümlich der deutsche Nationalcharakter doch ist. Was soll jedoch eine »raum- und kulturfremde Macht« sein? Vielleicht so etwas wie ein schwarzes Loch? Ja, das wollen wir in der Tat hier nicht haben. Wo sollen wir unterschreiben? Haha, war nur ein Witz! Schalom, Adios und allahu akbar, quatsch, servus natürlich:

Titanic

Sehr geehrter Gino Imbrogno!

Sie sind Chefredakteur der Darmstädter Obdachlosenzeitschrift Straßenträumer, »von und für Obdachlose & Arbeitslose und für jedermann – überregionale Ausgabe für deutschspachige Länder«. Da ist der Anspruch in der Titelzeile bereits gültig ausformuliert; aber als wir Ihre überregionale Ausgabe 1/2010 mal aufschlugen, da fanden wir – nichts. Oder jedenfalls nichts, was wir nicht auch in unserem Bücherregal finden würden: Gedichte von Eichendorff, Goethe und Fontane sowie ein »Bettelweib von Locarno« von H. v. Kleist; eine Fabel von La Fontaine, Kalendersprüche von Truman Capote und Albert Einstein, eine hochinformative Seite zum Thema Obdachlosigkeit (»Quelle: Wikipedia«), Weises von Konfuzius und Laotse sowie – »Lachen ist gesund« – wunderbar patinierte Schoten, die auf der »Witzeseite« versammelt waren.
Wir, lieber Herr Imbrogno, dachten ja immer, Obdachlosenzeitungen seien dafür da, Obdachlosen ein kleines Auskommen in Würde zu verschaffen und ihnen evtl. sogar Stimme zu sein; und kein Packen Altpapier im Wert von 1,50 Euro. Vielleicht sollten Sie einfach mehr auf Klasse denn auf Masse setzen: Denn zehn Minuten, nachdem wir Ausgabe 1/2010 erworben hatten, kreuzte bereits ein anderer Herr mit Ausgabe 2/2010 auf (Buddha, Wilhelm Busch plus immerhin eine scheint’s selbstgemachte Kurzgeschichte) – kein Wunder, daß Sie dieses Tempo nur mit dem Abkopieren rechtefreier Erbauungsliteratur halten können!
Ihre Straßencaféträumer von

Titanic

Wenn allerdings, Air France/KLM,

Eure Piloten, wie wir jüngst auf dem Münchner Flughafen beobachteten, die ohnehin schon kleinen Fensterchen, die sie zum Rausgucken haben, mit Zeitungen und Sudoku-Heften vollräumen wie Klempner ihre Montagewagen mit Porno-Magazinen, dann wird das alles noch einmal ein schlimmes Ende nehmen. Wie? Die Sudoku-Hefte dienen nur als Schutzumschläge für Porno-Magazine? Dann sind wir ja beruhigt.

Titanic

Yo, Bushido,

altes Pornorapper-Abziehbild, nun bist Du also auch Filmheld. Zwar verschwand der Streifen schon nach drei Wochen aus allen Kinocharts, aber da andere Protagonisten von Bernd-Eichinger-Werken (A. Hitler, A. Baader) ja auch irgendwie etwas mit Politik zu tun hatten, war Dein Gedanke durchaus naheliegend, demnächst Bürgermeister von Berlin werden zu wollen. Worauf es dabei ankommt, meinst Du laut Süddeutscher Zeitung zu wissen: »Ein Politiker ist die Stimme des Volkes, so wie im alten Rom, als der Senat sich mit Caesar getroffen hat.« Das ist zwar wie das meiste, was Du erzählst, totaler Blödsinn; aber für den Fall, daß es dennoch klappt und der Senat Dich eines Tages ausgerechnet um die Mitte des Monats März herum zu einem Besuch einlädt, hier und jetzt schon eine Warnung von uns: Der Auftritt könnte zwar einigermaßen publicityträchtig, aber auch ganz schön gesundheitsgefährdend werden.
Deine Auguren von der

Titanic

Sag mal, Anna Boulygina,

gleich die ganze Dopingproblematik so anschaulich im Namen tragen und dann beim Winterolympia-Damenbiathlon nur Vierte werden – soll das irgendwie witzig sein? Anabolisch-verlogene Grüße:

Titanic

Wenn Du, Frauenmagazin »Brigitte«,

im WM-Jahr ein Interview mit Joachim Löw führst und ihn mit elf Fragen zu Mode, Aberglaube, Stil, Kosmetik und Yoga konfrontierst, ist das ja absolut okay. Wenn Du aber in der zwölften Frage sinnierst: »Ein Bundestrainer, mit dem wir über Mode sprechen, über Kosmetik und Yoga: Brechen neue Zeiten in der Machowelt Fußball an?«, dann laß uns mal kurz eingrätschen und für den Yogi antworten: »Donnerwetter, alte Schummelliese, Du erkennst einen Trend, wenn Du ihn selber machst, was?«
Sieht Fußball mit neuen Augen:

Titanic

Bertolli!

Ihr habt also die Rezeptur Eurer Nudelsoßen verändert. Leider nicht zum Besseren, auch wenn »verbesserte Rezeptur« draufsteht, sondern offenbar, um durch günstigere Zutaten Kosten zu sparen. Dumm natürlich, daß es die Leute von »Foodwatch« gemerkt haben und Ihr jetzt abgewatscht werdet.
Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders, und das alles ist eine von langer Hand geplante Strategie? Sollte vielleicht nur das Image einer original italienischen Marke mit dem Negativklischee des betrügerischen Italieners abgerundet werden? Dann ist Euch zumindest das gelungen! Gratulation, Ihr macht uns ein Angebot, das wir künftig ablehnen können.
Ciao:

Titanic

Elke Heidenreich!

Daß Ihr affirmatives Bücher-Bla-bla »Lesen!« im Fernsehen gesendet wurde, bis Sie das Rentenalter erreicht hatten – alle Achtung. Nicht ohne Freude sehen wir nun allerdings, daß Sie mittlerweile bemerkt haben, daß man nicht die ganze Welt zu Tode knutschen kann. Echte Feinde haben Sie ausgemacht, nämlich die Literaturkritik, über die Sie per »Außenansicht« in der Süddeutschen richteten, und zwar im Falle Birnchen Helene. »Ein kranker Betrieb«, fiel Ihnen da ein. »Und ich sehe nur noch selten Respekt vor der Arbeit eines Autors.« Alsdann zitierten Sie Schiller, der »zwischen dem Brotgelehrten und dem philosophischen Kopf« unterschieden habe, und taten schließlich kund, daß Sie sich selbst »da eher als wenn schon nicht philosophischen, so doch freien Kopf« betrachteten.
Und jetzt mal zugegeben: Als Sie da nachts um drei saßen, eine Flasche Roten intus, und für die Seite 2 der SZ über Ihre Zunft nachdachten, hätten Sie fast, ja fast geschrieben, daß Sie ein philosophischer Kopf seien, und sahen sich schon gemeißelt in Stein, Ihr Profil neben dem von Schiller, Schleiermacher, Lukács; aber dann haben Sie einen ruhrpöttischen Ich-bin-ja-doch-nur-die-Elke-Anfall bekommen und sich für den »freien Kopf« entschieden, aber auch nur, weil Ihnen das Wort »hohl« gerade nicht einfallen wollte. Stimmt’s?
Fragt Ihre

Titanic

Jasper von Altenbockum!

Sie haben nicht nur einen schönen tönenden Namen und sind deswegen bestimmungsgemäß FAZ-Leitartikler, Sie haben auch eine ausgeprägte Abneigung gegen einfache Antworten: »Es war schon zu einfach, die Fälle von Kindesmißhandlung und sexueller Übergriffe als ein spezifisches Problem der katholischen Kirche zu begreifen. Es wäre nun auch zu einfach, in diesen Verbrechen an Schutzbefohlenen ein spezifisches Dekadenzsyndrom von Internaten, klosterähnlichen Gemeinschaften oder als Konstruktionsfehler bestimmter pädagogischer Konzepte zu sehen.« Wohl gesprochen! Und nicht minder einfach wäre es nun, alles gewohntermaßen den 68ern oder gar der Piratenpartei zuzuschreiben, wie Sie das dann weiter im Text tun.
Sehr schwer wäre es zum Beispiel, und eine intellektuelle Kniffelleistung erster Güte, den Mißbrauch beispielsweise den Islamisten anzuhängen. Oder den Dinosauriern. Aber es wäre eine Win-Win-Situation für uns alle: Sie hätten endlich mal eine richtig schwere Denksportnuß zu knacken. Und uns bliebe derweil Ihr Geplapper erspart.
Topp?

Titanic

Sie wiederum, Martin Scorsese,

planen also angeblich mit ausgerechnet Lars von Trier ein Remake Ihres Klassikers »Taxi Driver«. Angedacht sei dabei auch die Verwendung der Originalbesetzung. Aber wie soll das aussehen? Robert de Niro als siebzigjähriger Irakkriegsheimkehrer, der sich in eine sechzigjährige Wahlhelferin (Cybill Shepherd) verliebt und den über siebzigjährigen Zuhälter (Harvey Keitel) der ältesten Kinderprostituierten der Welt (Jodie Foster) abknallt? Mit einem neuen Monolog vorm Spiegel: »Are you talking to me? Are you – pardon, but could you speak a bit louder when you’re talking to me?« Und alles natürlich mit vielen zusätzlichen Nackt- und Gewaltszenen sowie verwackelter Kamera?
Wir wissen nicht recht… Obwohl, komplett mißlingt Ihnen ja eigentlich nie etwas. So lange Sie nicht noch James Cameron dazu holen und wir das Geknitter und Geknatter in 3D sehen müssen, sitzen also auf jeden Fall im Kino: Ihre Verehrer von der

Titanic

Martin Zips c/o »SZ«,

da wurde ein Schüler der Harriton High School in Pennsylvania von der Schulleitung dabei erwischt, wie er mit Rauschgift handelte, und das gelang ihr mit Hilfe der ferngesteuert aktivierten Kamera im Schullaptop des Schülers. Dazu fiel Ihnen eine Menge Bedenkenswertes ein, z.B., daß Überwachungskameras, beispielsweise in Krisenregionen, ihr Gutes haben, die Informationstechnologie indes auch Gefahren birgt: »Daß aber Computer dabei manchmal ein Eigenleben entwickeln, das an den Rechner HAL in Stanley Kubricks ›2001: Odyssee im Weltraum‹ erinnert, überrascht nicht. Selten ahnt man, ob sie dabei a) von den Lehrern der Harriton High, b) von Michael Endes grauen Herren oder c) einem Zauberlehrling gesteuert werden. ›Das ganze Leben ist ein Quiz‹, sang der Komödiant Hape Kerkeling vor 20 Jahren, ›und wir sind nur die Kandidaten.‹ Heute wirbt der Computerspielehersteller Nitendo [sic!] mit dem Spruch ›Life’s a game‹, das Leben ist ein Spiel. Komisch, daß das im Jahr 2010 so bedrohlich klingt.«
Kubrick, Ende, Goethe, Kerkeling und die Mario Bros. – wissen Sie eigentlich, Zips, was auch komisch ist? Daß wir, ganz ohne a) zur allerneuesten Überwachungstechnik greifen zu müssen, sondern b) nur durch Einschalten unseres analogen Hirnkastels sogar c) wissen, wem der Schüler die Drogen verkauft hat.
Mit dem dritten Auge sieht man besser:

Titanic

Holla, Dirk Niebel (FDP)!

Obwohl Sie Ihr Ministerium eigentlich für überflüssig halten, wollten Sie ursprünglich einmal, wie innerhalb der OECD vereinbart,
0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe ausgeben. Wie Sie das schaffen wollten, haben Sie öffentlich verschwiegen, doch inzwischen kam ans Tageslicht: Sie gaben die Anweisung, einfach so lange rechnen zu lassen, bis es paßt. »Wir suchen überall, in allen Ressorts, bei Ländern und Kommunen, Universitäten und Vereinen nach Beiträgen, die wir der öffentlichen Entwicklungshilfe anrechnen können«, wurde »ein hoher Beamter« Ihres Ministeriums in der Berliner Zeitung zitiert. Und so landeten Schuldenerlasse für den Irak und die Kosten für Studentenaustausche ebenso auf dem Entwicklungshilfekonto wie der Bau von Soldatenunterkünften in Afghanistan oder die Abschiebekosten für Flüchtlinge und abgelehnte Asylsuchende.
Da es aber trotz dieser Tricks offensichtlich immer noch nicht gereicht hat, haben Sie inzwischen die 0,7-Prozent-Marke offen in Frage gestellt. Wieso so einfallslos, Herr Niebel? Wozu so schnell aufgeben? Wie wäre es denn, wenn Ihre Kreativbuchhalter noch sämtlichen Kaffee- und Bananenkonsum deutscher Ministerialbeamter in die entwicklungspolitische Bilanz einbezögen? Das kommt doch auch alles irgendwie aus der Dritten Welt! Und vergessen Sie bitte nicht all die deutschen Waffenexporte in unterentwickelte Länder. So ein Maschinengewehr bekämpft den Hunger schließlich, wenn man so will, direkt an der Wurzel!
Da müßte einem Berufssoldaten wie Ihnen doch das Herz aufgehen, finden jedenfalls Ihre Entwicklungshelfer von der

Titanic

Prof. Rudolf Lill, Köln!

Allzulange haben wir geglaubt, daß es irgendwie ungehörig sei, in Italien einzumarschieren und dort Wehrmachtsbordelle zu eröffnen, Zivilisten zu erschießen und Juden zu jagen. In der FAZ sind wir von Ihnen dankenswerterweise eines Besseren belehrt worden: »Abgesehen von den seit mehr als 20 Jahren von italienischen und deutschen Historikern aufgearbeiteten Exzessen an italienischen Truppenteilen, welche im September 1943 die Kapitulation verweigerten, verhielt sich die Wehrmacht in Italien weitaus korrekter, als heute behauptet wird.«
Wie schön! Und es steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt, daß die Wehrmacht in Italien an und für sich einen Scheißdreck zu suchen hatte.
Korrekt?

Titanic

Dank auch an Dich, »faz.net«!

»Seit einer Woche ist der Trierer Bischof Stephan Ackermann Beauftragter für Fälle sexuellen Mißbrauchs in der katholischen Kirche. Mit ihm sprach Daniel Deckers über die Schwierigkeiten, in die seine Kirche angesichts immer neuer Fälle steckt.«
Darüber freilich, was genau sie in die Schwierigkeiten namens Opfer steckt, hielt sich der Text zum Glück dann doch bedeckerst.
Und dafür dankt

Titanic

Tobias Kaufmann,

Ihre verläßlich ebenso schlecht geschriebenen wie durchgeknallten Plemplem-Kommentare haben uns auch in der Causa Westerwelle vs. Sozialstaat nicht enttäuscht. So schrieben Sie im Kölner Stadtanzeiger, ohnehin das intellektuelle Pendant zur U-Bahn der Stadt: »Wie sehr sich Westerwelle vom Mainstream entfremdet hat, sieht man daran, daß er den Hinweis auf ›sozialistische Züge‹ in der Hartz-IV-Debatte als dringende Mahnung empfindet. Der FDP-Chef hat offenbar noch nicht gemerkt, daß die vom Kapitalismus wohlgenährte geistige Elite dieses Landes verbal längst aus den Limousinen der Marktwirtschaft ausgestiegen ist und vor den sozialistischen Zügen Schlange steht, um noch einen Sitzplatz im Salon zu ergattern.« Aber stimmt das denn auch wirklich, Tobias Kaufmann? Ist es denn nicht vielmehr so, daß die ja tatsächlich in jüngster Zeit zahlreich auf Bahnhöfen Schlangestehenden vor allem darauf warten, daß überhaupt mal ein Zug oder, wie in Berlin, eine S-Bahn kommt, weil die in den Limousinen der Marktwirtschaft wohlgenährte geistige Elite das ganze Volksvermögen unbedingt an Privat verhökern will und deshalb auf Teufel komm raus Wartungseinheiten und technische Ausstattung eingespart hat, bis schon ein Frosteinbruch im Winter ausreicht, um das halbe Schienennetz stillzulegen?
Noch weiter zurückbleiben bitte!

Titanic

Hey, »Kinder in Gefahr«,

Du bist eine Aktion der »Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur« und forderst in einem Appell an die Regierung: »Stoppt endlich BRAVO!« Denn die sei für ein »Massaker an der Kindheit« verantwortlich, weil in ihr »jede Woche ein Junge und ein Mädchen splitternackt abgebildet« sind, und »so gut wie in jeder Ausgabe werden Jugendliche beim Geschlechtsverkehr gezeigt«.
Nun fragen wir uns natürlich, wo da eigentlich genau der »Skandal« ist, gegen den »ernsthaft etwas unternommen werden« muß, nach allem, was wir in den letzten Wochen so über die christliche Kultur gelernt haben. Daß die Bravo immer nur zeigt, daß Jugendliche untereinander Sex haben? Und niemals mit Lehrern, Priestern oder Mönchen?
Will es gar nicht wissen:

Titanic

Bernhard Taubenberger!

Als Sprecher der Schörghuber-Gruppe, zu der die Paulaner-Brauerei gehört, die wiederum das alljährliche »Politiker-Derblecken« am Münchner Nockherberg veranstaltet, mußten Sie sich diesmal nach der Fastenpredigt des Schauspielers Michael Lerchenberg alias Bruder Barnabas rechtfertigen. Lerchenberg war heftig gescholten worden, weil er folgende Westerwelle-Vision ausgemalt hatte: »Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er« – Westerwelle – »in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumherum ein großer Stacheldraht – hamma scho moi g’habt. Dann gibt’s a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuß gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: ›Leistung muß sich wieder lohnen.‹« Nachdem sich zuerst Charlotte Knobloch und dann in deren Schlepptau Westerwelle & Co. schwer empört hatten und Lerchenberg daraufhin seinen Rücktritt von der Rolle des Fastenpredigers erklären mußte, standen anschließend Sie, Bernhard Taubenberger, unter Rechtfertigungszwang; schließlich hatte Ihnen die Rede vorher vorgelegen, und Sie hatten sie unzensiert durchgehen lassen. Und Sie redeten sich nun erfolgreich darauf hinaus, Lerchenberg habe an zwei Stellen der Passage den ursprünglichen Text verschärft: Im Manuskript sei statt »Stacheldraht« nur »Zaun« gestanden, und die Worte »hamma scho moi g’habt« hätten gefehlt. Wir schließen daraus: Gegen ein Konzentrationslager, das mit Zaun und elektronischer Überwachung auskommt und auf unschönen Stacheldraht verzichten kann, ist nichts einzuwenden. Hauptsache, der Wiedererkennungseffekt hält sich in Grenzen, gell! Und wenn in dieser brave new concentration camp world auch noch statt Wassersuppe das bekannt süffige Paulaner-Dünnbier ausgeschenkt wird, ist sowieso alles in Butter, stimmt’s?Hat’s geahnt:

Titanic

Liebe Margot Käßmann!

Das war schon ein bischöfliches Glanzstück, wie Sie sich da in einer wahnwitzigen Sektlaune in sämtliche Medien katapultiert haben. Und erst Ihr Rücktritt: Paukenschlag und Stille! Viele Menschen haben gerätselt: Was sollte das? Warum tut sie das? Wir indes verstehen schon: Jetzt können Sie endlich all Ihre schmutzigen Träume wahrmachen und ohne die Bürde des hohen Amtes die Sau rauslassen. Wir hätten da auch ein paar Tips, wie Sie die journalistische Aufmerksamkeit weiterhin garantiert auf sich ziehen: Besuchen Sie Swingerclubpartys, schnupfen Sie Kokain, beginnen Sie eine Affäre mit einem katholischen Priester – oder schreiben Sie einfach ein autobiographisches Bekenntnisbuch, in dem Sie restlos alles auspacken, sich komplett entblößen, und das Sie am besten »Wer von euch ohne Sünde ist…« nennen oder vielleicht noch besser: »I did it my way«.
Ach? Was meinen Sie? Wird grad schon an den Buchhandel ausgeliefert?
Dann will nichts gesagt haben:

Titanic

»Poco« Einrichtungsmarkt Bergkamen/Hardegsen,

unter der Überschrift »Erst zum Arzt, dann zu Poco« präsentierst Du in einer Pressemitteilung Deine neueste Marketingidee: »Für viele Patienten und Ärzte ist die Praxisgebühr nach wie vor ein großes Ärgernis. Wer dennoch sparen will, wenn er zum Arzt geht, sollte anschließend in einem Poco- oder Poco-Domäne-Einrichtungsmarkt vorbeischauen.« Denn siehe: »Wer dort für mindestens 50 Euro einkauft, erhält einen Warengutschein in Höhe der Praxisgebühr – Kunden müssen einfach nur ihre aktuelle Praxisgebührenquittung vorlegen und sich ausweisen.« Und obgleich diese Idee an Albernheit kaum zu überbieten ist, versucht Dein Geschäftsführer auch noch, witzig zu sein: »Bei uns sparen die Leute nicht nur, bis der Arzt kommt, sondern auch, wenn sie gerade bei ihm waren.« Noch spaßiger, Poco, könnt’s aber doch sein, wenn es zusätzlich produktbezogene Rabatte gäbe: Wer eine Quittung vom Psychiater ins Möbelhaus mitbringt, kriegt die Couch besonders günstig; wer schnurstracks vom Urologen zu Poco kriecht, wird mit einem verbilligten Nierentisch belohnt; und legt jemand mit letzter Kraft die Gebührenquittung vom Onkologen vor, gibt’s das Sterbebett zum Schnäppchenpreis. Auch ganz »witzig«, oder?
Findet zumindest:

Titanic

Zum Appell, Bundeswehr!

Nachdem der Bundestag beschlossen hat, das deutsche Kontingent in Afghanistan aufzustocken, werden sich künftig 1400 deutsche Soldaten, statt wie zuvor 280, um die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte kümmern. Da drängt sich uns allerdings die Frage auf, wie elendig inkompetent denn diese Muselmanen da unten sein müssen, wenn sie sich nach beinahe neun Jahren ununterbrochener deutscher Schulung immer noch nicht von alleine um das Training des Nachwuchses kümmern können.
Ja, merkt Ihr es denn nicht, Kameraden? Die Afghanen, spätrömisch-dekadent wie sie sind, nutzen Eure selbstlose Leistungsbereitschaft doch nur aus! Wacht auf, ehe dort alles in anstrengungsloser Sicherheit versinkt.
Uuuund wegtreten:

Titanic

Huhu, Frau Schröder, geb. Köhler!

Auf die Frage der Bams, ob Sie ministeramtshalber erwogen hätten, Ihre Hochzeit zu verschieben, antworten Sie ebenso quick wie idiomatisch: »Darüber habe ich null nachgedacht.« Gut und richtig! Noch richtiger wäre freilich die gleiche Antwort – nur eben mit dem entscheidenden Großbuchstaben am Wortanfang.
Dazu steht wie eine Eins:

Titanic

Matthias Matussek!

In Ihrer brillanten Spiegel-Titelgeschichte über die sieben Todsünden sind wir auf einen Gedanken gestoßen, der Ihren branchenintern bereits sprichwörtlich gewordenen Scharfsinn schlagend unter Beweis stellt: »Wollust ist im wahrsten Wortsinn ein abgefucktes und kaltes Geschäft geworden, ohne jedes Interesse an echter Lust oder Ekstase oder gar Liebe. Was sie interessiert, ist Geld. Rund hundert Milliarden Dollar setzt die Porno-Industrie um.«
Und wie war es einst im Mai vor hundert oder hunderttausend Jahren doch so schön, als die Wollust sich noch kein bißchen fürs Geld interessiert hatte und ein viel wärmeres Geschäft war! Aber trösten Sie sich, wenn Sie als rasender Reporter und praktizierender Katholik dafür die Zeit finden können: Einem Kulturpessimisten sollte die Sicherheit der Arbeitsplätze in der florierenden Porno-Industrie weitaus geringere Sorgen bereiten als die Tatsache, daß ein Hanswurst wie Sie elf Seiten in einem abgefuckten Nachrichtenmagazin vollseiern darf und dafür auch noch Geld bekommt.
Ohne jedes Interesse an Ihrer Auffassung von echter Lust oder Ekstase oder gar Liebe:

Titanic

Und Ihr, verehrte Berufsmörder –

könntet Ihr womöglich die Freundlichkeit aufbringen, Euch den Begriff »Killer« rechtlich schützen zu lassen? Damit die ganzen Beben, Wellen und Wale, die in letzter Zeit unter diesem Rubrum frei von jeglicher Finesse Eurem Geschäft nachgingen, die hohe Kunst des professionellen Meuchelns nicht weiter in den Schmutz ziehen oder zumindest gelegentlich mal wieder »Erd-«, »Monster-« und »Orca-« genannt werden?
Ansonsten aber wunschlos glücklich:

Titanic

Als, Achim Berg,

Deutschland-Chef von Microsoft haben Sie Ihren Angaben zufolge »ein enges Verhältnis« zu Microsoft-Chef Steve Ballmer. Der Süddeutschen Zeitung verrieten Sie im Interview sogar, wie das aussieht: »Er mailt mich von Zeit zu Zeit an, wenn er an meiner Meinung interessiert ist. Die Nachrichten sind nur wenige Zeilen lang. ›Was hältst du von unserem neuen Produkt?‹ fragt er etwa.«
Nein, Berg, das ist ja irre – tatsächlich so eng? Daß Sie beide so viele Minuten füreinander übrig haben! Sie gehören halt zu dieser völlig relaxten Generation neuer Manager, die sich wieder Zeit für Menschlichkeit und echte Begegnungen nimmt.
Vor-bild-lich, jubeln Ihre Nerds auf der

Titanic

Michael Kretschmer,

als CDU-Generalsekretär in Sachsen lassen Sie auf CDU-Veranstaltungen interessierte Unternehmen zwischen vier »Präsentationsstufen« wählen. Die Stufen drei und vier beinhalten auch ein »kurzes Gespräch mit dem Landesvorsitzenden Stanislaw Tillich«. Nun ist der, das wird Ihnen nicht entgangen sein, nebenbei auch Sachsens Ministerpräsident. Im Hörfunk äußerten Sie dazu: »Das ist ein völlig normaler Vorgang. Herr Tillich besucht die einzelnen Stände und sagt guten Tag. Das ist mit einem kurzen Gespräch gemeint.«
Kretschmer! Unternehmen bezahlen bis zu 8.000 Euro dafür, daß Herr Tillich ihnen den Tagesgruß entbietet? Und an denen, die nichts bezahlen, marschiert er grußlos vorbei, das Haupt erhoben, sich jede menschliche Regung versagend? Das glaubt Ihnen ja nicht mal König Stanislaw!
Geschweige denn Ihre Untertanen auf der

Titanic

Lieber Michael Frank, »Süddeutsche«!

Erinnern Sie sich noch? Wie Ihre Kollegen aus den Ressorts Auslandselend und Katastrophenchronik im Januar aus Haiti berichten durften? Was sie uns da von Erdbeben, Todesopfern und schlechter Bausubstanz erzählten? Und wie sie nach einigen Tagen begannen, ihre schon etwas schal gewordenen Gruselgeschichten aufzupeppen mit Phantasien der Art, die Katastrophe sei zwar schlimm, aber noch schlimmer, noch furchtbarer werde es dann, wenn ein zweites Erdbeben dazukomme oder eine Seuche bzw. ein, Gott verhüt’s, hungerbedingter Bürgerkrieg, Tsunami oder Kometeneinschlag?
Klar erinnern Sie sich noch, Michael Frank! Sonst hätten Sie sich doch nicht gedacht: »Das kann ich auch!« Und Ihren eher opferarmen Bericht über einen Unfall bei Wien, durch den bloß ein paar »blutüberströmte Verletzte« wankten, daneben ein »schwer beschädigtes Wrack« mit »zerknautschtem Führerhaus« in einer »Szene totaler Zerstörung«, in der aber leiderleider nur sechs Tote herumlagen, nicht mit dem superspannenden Cliffhanger abgeschlossen: »Wäre dazu noch ein Brand ausgebrochen, hätte es noch mehr Opfer geben können.«
Chapeau!

Titanic

Hallo, Berliner Verkehrsbetriebe!

Unter dem Motto »Bus- und Bahnfahrzeiten immer zur Hand« macht Ihr uns im Kundenmagazin BVG plus auf Euren neuen Service aufmerksam, an der Haltestelle jederzeit per Internethandy den Fahrplan einsehen zu können: »Wer nun an seiner Haltestelle wissen möchte, wann genau der nächste Bus fährt oder welche Umsteigemöglichkeiten vorliegen, der hält sein Handy mit der Kamera einfach kurz über den Code und wird sofort über den Reader mit der mobilen BVG-Auskunft verbunden« – um dann auf dem Handy den Fahrplan zu lesen, der auch neben dem Code auf dem Haltestellenschild zu lesen ist. Eine pfiffige Idee!
Noch eine Spur komfortabler wäre es jedoch, wenn die Technik schon so weit wäre, uns zu verraten, was wir wirklich wissen wollen, z.B.: »Jetzt kommt erst mal eine ganze Weile gar nichts und dafür nachher gleich drei Busse auf einmal« oder: »Pech gehabt! Der Bus kam fünf Minuten zu früh.« Nützlich wären auch Ratschläge für Touristen, etwa die alte Berliner Weisheit: »Warte nie an einer Haltestelle, an der nicht mehr als eine Buslinie fährt.«
Aber egal, wir sitzen eh schon im Taxi: Eure Berlin-Ausflügler von der

Titanic

Sie indes, Boris Becker,

antworteten unlängst auf die Frage, ob Sie sich nach Ihrem vierten Kind, dem ganz entzückend benannten Amadeus Benedict Edley Luis, noch mehr Nachwuchs wünschten: »Sobald Lilly signalisiert, daß sie dazu bereit ist, steh’ ich Gewehr bei Fuß.« Mensch, Becker, alter Nahkampfsoldat! So genau wollten wir doch gar nicht wissen, wie Sie Ihr kregles Reproduktionswerkzeug zu nennen pflegen. Wir würden in Ihrem Fall ohnehin dazu raten, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Bringt doch nur Elend in die Welt, von den Querschlägern ganz zu schweigen.
Besser: Familienfrieden schaffen ohne Waffen!

Titanic

Polizei von Athen,

gegen Demonstranten, die ihre Abneigung gegen die Sparpläne der Regierung kundtaten, setztest Du nach Angabe der Nachrichtenagenturen Tränengas und Schlagstöcke ein. Okay. Nach Äneas und Augias, Leonidas und Pythagoras nun also Tränengas. Aber wer ist Schlagstöcke?
Fragt

Titanic

Wolfgang Bergmann!

Sie sind Erziehungswissenschaftler und Familientherapeut und machen die Ratgeberregale in den Kaufhäusern voll mit Büchern wie »Gute Autorität: Grundsätze einer zeitgemäßen Erziehung« oder »Kleine Jungs – große Not: Wie wir ihnen Halt geben«. Und als wäre das nicht genug, schreiben Sie auch noch über »verweichlichte« und gar »verweiblichte« Pädagogik, etwa in der Welt: »Kleine Männer wollen laut sein, raufen, sich beweisen und trotzdem geliebt werden. Doch dafür ist in der pädagogisch korrekten Frauenwelt von heute kaum noch Platz. Jungs werden mehr und mehr mit weiblichem Verständnis in Watte gepackt, harmonisiert und verweichlicht.« Sie beklagen, daß die Jungs keine Scheiben mehr einschlagen und sich nicht prügeln dürfen, denn allüberall lauert das Böse: »Weibliche Pädagogik und Leistungsdenken, das ist eine schwer erträgliche Mischung für Jungen.«
Das war in Ihrer Kindheit ganz anders: »In wilden territorialen Kämpfen sind wir aufeinander losgegangen, mit Stöcken und selbst geschnitzten Schwertern, und haben aufeinander eingedroschen, daß moderne Kinderärzte kopfschüttelnd ›vielleicht doch eine ADS‹ gemurmelt hätten.« Und wissen Sie was, Wolfgang Bergmann? Vielleicht haben moderne Kinderärzte manchmal auch einfach nur recht. Vielleicht hätte eine frühzeitige Therapie bei Ihnen ja das Schlimmste verhindern können. Nun allerdings würde wohl nur helfen, Sie kämen mal auf ein wildes territoriales Kämpfchen bei uns vorbei. Aber Vorsicht – wir kratzen und beißen!
Ihre verweiblichten Jungs auf der

Titanic

Und Sie, Stephan Ackermann,

sind Bischof von Trier und ab sofort im Auftrag der Bischofskonferenz für das Thema »Sexueller Mißbrauch« zuständig. Ihre Eignung für das Amt unterstrichen Sie, indem Sie auf Ihren eigenen Lernprozeß hinwiesen: »Heute würde ich den Teufel tun und wie als Kaplan mit Kindern übermütig im Freibad herumtollen.«
Nun sind Sie zwar inzwischen auch vom Hilfsgeistlichen zum Bischof aufgestiegen, aber gegen das Herumtollen mit Kindern im Schwimmbad spricht unserer bescheidenen Meinung nach nicht viel. Eine Badehose sollten Sie halt dabei tragen.
Rät übermütig herumtollend:

Titanic

Willy Bogner, sportliches Schneiderlein!

Während der Winterspiele rühmten Sie im ZDF die von Ihnen kreierten Outfits der deutschen Olympioniken: Sie und ihr Team hätten sich jahrelang Gedanken um ein repräsentatives und originelles Erscheinungsbild der Mannschaft gemacht. Doch was kam dabei raus? Männer in hellblau, Frauen in rosa. Das ist ja sagenhaft originell! 150 Sportler im klassischen Pampers-Look. Was war los bei Ihren Designern? Wie in Vancouver: zu wenig Schnee?

Titanic

Hallo mal wieder, Thilo Sarrazin!

In Ihrer nicht enden wollenden Serie brillanter Unterschichts-Expertisen machten Sie vor kurzem den Vorschlag, Hartz-IV-Empfänger sollten einfach kalt duschen, um Geld zu sparen. »Kalt duschen ist doch eh viel gesünder«, führten Sie aus. Und: »Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben.« Das, Thilo Sarrazin, stimmt nun aber nicht. Es soll, wie wir gehört haben, sogar Leute geben, die regelmäßig zu heiß baden und trotzdem zum Finanzsenator und zum Vorstandsmitglied einer großen Bank aufsteigen können.
Feuchte Grüße von Ihrer

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 20.01.:

    In Göttingen eröffnete die große Eugen-Egner-Ausstellung im Alten Rathaus. Bilder vom Event zeigt das Göttinger Tageblatt und die Stadt Göttingen hat alles aufgezeichnet.

  • 20.01.:

    Mit Daumen und Rechenschieber erstellte Oliver Maria Schmitt in der FAZ das Horoskop fürs Reisejahr 2022, der Cartoon dazu stammt von Katharina Greve.

Titanic unterwegs
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella
31.01.2022 Meiningen, Kunsthaus K. Greve, H&B und A. Plikat: »Corona revisited«
08.03.2022 München, Valentin-Karlstadt-Musäum »Herr Haas zeigt Hasen«