Juni 2025

»Ich bin es gewohnt, dass keiner meine Witze komisch findet. Sehr oft denke ich, dass der reinste Künstlertypus doch der Humorist ist, der einsam über seine eigenen Scherze lacht.«
W. Somerset Maugham, »Cakes and Ale«

Im Osten nichts Neues

Ist es, wie meine Mottogeberin Fran Lebowitz im letzten Heft verfügte, wirklich leichter, ein ernsthaftes Buch zu scheiben als ein lustiges? Bei der Doppellektüre der DDR- resp. Post-Ostromane von Jakob Hein und Domenico Müllensiefen, »Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste« (Galiani) und »Schnall dich an, es geht los« (Kanon-Verlag), hatte ich den umgekehrten Eindruck. Beide Herren haben nämlich den hohen Stil nicht erfunden; aber während das bei »Grischa«-Autor Hein nicht viel macht, weil seine hübsch ausgedachte, dem Rubrum »vergnüglich« verpflichtete Geschichte um halboffiziellen DDR-Haschischhandel nach größerer Höhe nicht ausdrücklich verlangt, hatte ich bei Müllensiefens Nachwendebericht aus den perspektivlosen Baseballschlägerjahren rasch das Gefühl, dass mir der unpolierte, »authentische« Ich-Erzählstil so bekannt vorkommt wie die ganze Geschichte im Grunde auch; und was nützt mir die gesammelte Feuilleton-Begeisterung, wenn sich die Form als so grau erweist, wie es dem Stoff entspricht? »Ich machte einen fetten Kleckser Mayo auf die Pommes. Luca war ein Mayo-Kind. Fand ich gut. Ich war auch schon immer für Mayo. Mit Ketchup konnte ich nie viel anfangen. Immer Mayo! Luca wusste, was gut war.«