Mai 2025

»Es ist viel leichter, ein ernsthaftes Buch zu schreiben als ein lustiges Buch. Man bringt die Leute schwerer zum Lachen, als man sie zum Weinen bringt. Menschen stehen immer am Rande eines Tränenausbruchs.«
Fran Lebowitz

Besser nie als Späti

»Gibt es eine bessere Arena, um den Zeitgeist und die Alltagsprobleme der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten im Kiez zu beobachten? Zwischen Kita, Immobilienverwaltung, Dönerbude und Fetisch-Club und damit mittendrin in der Kultur- und Partymetropole Berlin: der Späti; ein Mikrokosmos und ein Stück zuhause [sic] auf 44 Quadratmetern Ladenfläche.« Schwer zu sagen, ob es sich hier um den pitch der bekannten Produktionsfirma »Bild- und Tonfabrik« (BTF) handelt, mit dem diese ihre Comedy-Serie »Späti« an den Kunden (ZDF-Neo) gebracht hat, oder schlicht um Stadtmarketing. Nachlesen lässt sich der Sums jedenfalls in der Mediathek des Senders, wo er eine Serie anpreist, die, besessen von »Mikrokosmos« und Gegenwart, vor allem in alten Klischees wühlt – lockeres Leben in der Partymetropole, Dönerbude, Fetischclub – und als einzige Erkenntnis auswirft, dass »nah am Zeitgeist« letztlich auch die Lindenstraße war.

Zum Programm: Der junge Fred, gespielt von Wilson Gonzalez Ochsenknecht, übernimmt spontan Hakans Spätverkaufsstelle in Berlin. Und der »Späti«, er wäre ja durchaus eine dankbare Kulisse für allerlei Komisches. Was man aber zu sehen bekommt, sind vor allem sinnlose Auftritte reichweitenstarker Promis: Bill Kaulitz gibt sich die Ehre, auf dass man auf der Produzenten-Checklist schon den ersten Haken setzen kann, auch Sophie Passmann läuft bald darauf ein, und so manch anderer folgt.

Und die Comedy? Sieht so aus: Eine Lampe, gerade vom Protagonisten gekauft und unachtsam an der Ecke abgestellt, ist plötzlich weg – einfach geklaut, sapperlot. Oder: Ein Slushy-Automat, der sich störrisch zeigt, spritzt nach einigem Herumfuhrwerken plötzlich seine blaue Flüssigkeit in alle Richtungen. Ojemine. Fred verliert beim Hantieren mit der Überwachungskamera die Balance und fällt mitsamt dem Ladenregal polternd auf den Boden. Auweia! Einmal läuft das Klo über und man muss sich mit einer Kontrolleurin des Ordnungsamts herumschlagen. Wozu braucht man da noch Berlin? Großstadt? Späti? Ja, gibt es derlei Abenteuer nicht unter jedem Stein zu finden? Wenn es wirklich einmal urban wird und vom benachbarten Fetischclub ein Mann samt angeleintem Hund (genauer: einem Menschen im Fetisch-Hundekostüm) in den Laden kommt, wird vor allem Witz-Potential ignoriert: Der Besitzer verschwindet flugs, Fred hat den »Hund« fortan an der Backe und muss ihn Gassi führen. Daraus ergibt sich leider nichts, nicht einmal, als Fred dabei seiner Ex über den Weg läuft.

Sich auf ein Bier vor den nächsten Späti zu setzen dürfte unterhaltsamer sein, als sich durch alle acht Folgen zu schleppen.