[16.03.2014]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Cold War Cuts

Ich habe vergessen, wo ich es gelesen habe, weil soviel Quark aus allen Kanälen rinnt, daß die Übersicht irgendwann abhanden kommt; und jedenfalls stand da, wo ich es gelesen habe, ungefähr, Rußland sei verrückt und von gestern, denn die Zeit der Einflußzonen sei vorbei; die neue Zeit, das sei die Zeit der Europäischen Union, mit welcher das Denken in Einflußzonen sich überlebt habe.

Man kann, so steht zu fürchten, hier nicht einmal mehr Goebbels bemühen, mit seinem Wort von den möglichst dreisten Lügen, die am ehesten glaublich seien; es verhält sich eher wie mit den zwei fünfzehnjährigen Migrantenjungs in meinem Unterschichten-Fitneßclub, denen die Bildungsrepublik Deutschland noch soviel Wortschatz übriggelassen hat, daß es für ein Gespräch über Bäume gar nicht mehr, für eins über die Geschmacksrichtungen von Eiweißpräparaten noch eben so reicht. Die Gymnasiasten, die in den Redaktionen über den neuen Kalten Krieg räsonieren, an dem allein das rückständige Rußland schuld sei, weil es das mit den Einflußzonen nicht kapiert habe (die EU ist nämlich keine Einflußzone der Deutschen Bank, und der europäische Osten, der in die EU will, nicht die kommende Einflußzone Deutschlands), glauben das wirklich, daß der Westen ganz arg- und absichtslos „Partnerschaften aller Art“ anstrebe (FAZ) und ja auch nichts dafür kann, daß arme Osteuropäerinnen auf reiche Westler stehen: „Es mag überdies für den Sowjetunion-Nostalgiker Putin belanglos sein oder unerhört klingen: Aber das Ende des Kalten Kriegs war für viele Millionen Europäer der größte Glücksfall. Es eröffnete die Aussicht auf Freiheit, etwas Wohlstand und ein Leben in Würde und ohne staatliche Schikane. Daß viele Russen das nicht so sehen, weil sie bittere Erfahrungen des Niedergangs gemacht haben, ist vielleicht verständlich. Aber wessen Schuld ist das?“ (Ebd.)

„Warte, warte nur ein Weilchen, / Bald kommt Haarmann auch zu dir / Mit dem kleinen Hackebeilchen / Und macht Leberwurst aus dir.“ Volksweise, um 1924

Natürlich die von Marx und nicht von Reagan; und wenn es jetzt ein Teil der Ukraine lieber mit IWF und Weltbank halten will, durchaus karitativen Institutionen, denen Würde, Freiheit und Leben erfahrungsgemäß über alles gehen, dann ist das eben Herzenssache bzw. der Wunsch nach einem Leben ohne wohlfahrtsstaatliche Schikane: „Schon im November letzten Jahres hieß es in einem Papier der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ausdrücklich, die Umsetzung des Assoziierungsabkommens werde ,scharfe und zum Teil äußerst schmerzhafte soziale Anpassungen' erfordern. Im Januar bestätigte ein Experte in der DGAP-Zeitschrift Internationale Politik, bei einer ,Öffnung der Märkte' durch die Assoziierung der Ukraine an die EU wären ,enorme Anpassungskosten angefallen und die Arbeitslosenzahlen in die Höhe geschnellt'“ (Jörg Kronauer, Konkret).
Und so übt die – nebenbei: demokratisch nicht legitimierte, sogar ein bißchen faschistisch-antisemitische – ukrainische Revolutionsregierung namens des von ihr nur sehr teilweise vertretenen Volkes ihr gutes Recht aus, sich ihren Metzger selbst zu wählen, und der verschmähte Metzger muß martialisch das Hackebeil schwingen, weil ihm das Bio-Siegel der Zivilgesellschaft fehlt. Doch ein Schlachthof ist kein Streichelzoo, sondern die natürliche Einflußzone dessen, dem er gehört: „US-Regierung prüft Militärhilfe für Ukraine“ (t-online.de, 14.3.). Aber wessen Schuld ist das? – Na kommen Sie; wir sind doch, der Besatzung des völkischen Revolverblattes Der Spiegel gleich („Der Brandstifter. Wer stoppt Putin?“), alle Gymnasiasten.




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Das schreiben die anderen
  • 26.09.:

    Bei Arte im Portrait: Ex-TITANIC-Chef und PARTEI-EU-Abgeordneter Martin Sonneborn.

Titanic unterwegs
28.09.2016 Hanau, Café des Vereins Lebensgestaltung
  Thomas Gsella
28.09.2016 Wiesbaden, Gemeindezentrum
  Gerhard Henschel
29.09.2016 Sassnitz, Grundtvighaus
  Max Goldt
29.09.2016 Madrid, Cafeteria der Deutschen Schule
  Thomas Gsella

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Briefe an die Leser

 Hallo, Gema!

Wir möchten uns hiermit selbst anzeigen: Heute morgen beim regulären Gang zur Toilette entfleuchten einem unserer Mitarbeiter die ersten fünf Töne des White-Stripes-Hits »Seven Nation Army«. Wir bitten daher um Berechnung der gesetzmäßigen Gebühr gemäß folgender Parameter: Raumgröße 6 m², Anzahl Zuhörer: 1, Spitzenlautstärke 76 Dezibel, Eintritt auf Spendenbasis. Es wurde nicht getanzt. Meinst Du, wir kommen da mit unter 1000 Euro davon?

Mit total schechtem Gewissen: Titanic

 Kann es sein, Weinhaus Gröhl in Hamburg-Eppendorf,

daß Du die Philosophie des kultivierten Weintrinkens nicht wirklich verinnerlicht hast? Oder bist Du einfach nur darauf aus, die ewige Begeisterung für promilleselige Massenveranstaltungen auszunutzen, um in den entsprechenden Kreisen Kunden zu akquirieren?

In diesem Fall solltest Du vielleicht doch lieber auf Bier umsatteln. Meinen zumindest die Önologen auf der Titanic

 Herrgottsakra, Söder (CSU), wie genial!

»Der beste Schutz vor Terrorismus ist, keine Terroristen ins Land zu lassen«, verkündeten Sie in der Münchener Abendzeitung. Hätte man das doch nur schon bei der RAF gewußt! Oder beim NSU! Und wäre die Pränataldiagnostik des Verfassungsschutzes damals schon soweit gewesen. Dann hätte man die kleinen Verbrecher, noch ehe sie das Land betreten haben, ohne Umschweife dahin zurückschicken können, wo sie hergekommen sind!

Nichts gegen Ihre Mutter, aber dahin wünscht Sie auch manchmal: Titanic

 Walter Hildebrandt, deutscher Vater!

Als Direktor eines Steinbeis-Instituts für Digitale Verblödung, nein: Innovation in Berlin rauschen einem naturgemäß die krudesten Dinge durchs Hirnkastl. Bei Podiumsgesprächen lassen Sie Ihre Umwelt daran teilhaben und sagen dann solche Sachen: »Ich als deutscher Vater glaube, daß wir die Digitalisierung des Kindes hinkriegen.« Bei der Digitalisierung Ihrer deutschen Brut wünschen wir Ihnen viel Erfolg, wie auch immer Sie sie bewerkstelligen mögen. Techno-Faschisten wie Ihnen würde trotzdem gerne die Stecker ziehen: Titanic

 ARD- und NDR-Moderator Alexander Bommes!

Vom Tagesspiegel gefragt, was Sie von Millionengagen für prominente Ex-Sportler als Kommentatoren im Fernsehen halten und ob Sie selbst schon Millionär seien, sagten Sie: »Wer die Besten haben will, der muß auch etwas dafür bezahlen. Und wenn man die Besten hat, könnte man ja auch stolz darauf sein, wie wäre es damit?« Was ja bedeutet, daß Sie umsonst arbeiten und niemand stolz auf Sie ist!

So viel Ehrlichkeit hätte Ihnen nicht mal für Millionen zugetraut

Ihre Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Walter Benjamin

suchte als Philosoph oft Halt bei Haschisch und Huren. Viel Handfestes kam nicht dabei heraus. Auch nicht bei seinen Beschreibungen von Paris, wo es Orte gebe, die aussähen, »als sei über das Photo einer« (abgebrochen). Über den Charme der Stadt dürfe man sagen, es liege »in dieser Atmosphäre eine weise abgewogene Mischung, daß einer« (abgebrochen). Den Charme von Benjamins Schreibweise hingegen kann jeder erfassen, der schon einmal unter Cannabis-Einfluß z.B. Schatten für »eine Brücke über den Lichtstrom der Straße« gehalten hat. Mir aber bleibt es überlassen, das Flanieren als Methode zum Entdecken des Unerwarteten

Ludger Fischer

 Zeichen und Wunder

Kürzlich stutzte ich, als ich auf meiner neuen PC-Tastatur direkt unter dem »F« noch ein kleines rundes Zeichen entdeckte. Ein Smiley? Oder ein zusätzliches @? Weder zusammen mit ALT, CTRL oder sonst einer Kombination ließ sich etwas auf den Bildschirm zaubern. Lange dauerte der klappernde Versuch jedoch nicht, dann wurde mir klar: Man sollte einfach während des Zähneputzens keine E-Mails checken.

Tobias Jelen

 Abgelehntes Stadtmotto

»Im Westen nichts: Neuss«

Torsten Gaitzsch

 Beim Beobachten der Jugend

Ich bin nicht überrascht, als ein junger Mann im Rewe eine Getränkedose aus der Palette nimmt und in zwei Zügen austrinkt. Schließlich sieht man ja immer öfter angebrochene Tafeln Schokolade, Kekspackungen oder Weinflaschen in Supermärkten. Gestaunt habe ich aber, als er dann ganz selbstverständlich die leere Dose in den Rücknahmeautomaten gesteckt und anschließend den erhaltenen Bon an der Kasse eingelöst hat.

Wolfgang Beck

 Erfassung

Jetzt mal bitte alle die Hände hoch, die nicht gerne an Umfragen teilnehmen.

Ernst Jordan