Überschätzte Lebensmittel (LV)
Heute: Spekulatius
Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Und mit ihm all jene Gemeinheiten, welche die ach so herrliche Weihnachtszeit für uns traditionell bereithält. Schreckliche Musik, Lichtverschmutzung durch Festbeleuchtung und als schillernde Krone des Wahnsinns: der Spekulatius.
Der Spekulatius ist ein “flaches Formgebäck”: Ein Begriff, der sich auch eignet, um irgendwelche verschnarchten Beamten zu schmähen. Beispiel: “Wo bleibt mein Ausweis, Sie flaches Formgebäck?”
Aber ein Beamter ist harmlos und ein Spekulatius im Prinzip ein dreister Anschlag auf die Gesundheit. Das muss man erst einmal hinkriegen, ein Gebäck staubtrocken zu backen – und gleichzeitig nicht mal knusprig, sondern so bröselig, dass einem die Wut kommt. Möglich macht es der Mürbeteig. Genau: “Mürbe”-Teig. Der Name sagt schon alles. Bzw. ist er im Falle des Spekulatius nur ein Teil des Grauens.
Gewürzt ist das X-Mas-Kultgebäck mit Kardamom, Gewürznelke und Zimt. Kardamom und Zimt will man noch durchgehen lassen – aber mit Nelken, das ist bekannt, werden die widerlichsten Zigaretten aromatisiert, die sich die verbrecherische Tabakindustrie je hat einfallen lassen. Wenn sie es nicht glauben, rauchen Sie mal eine Nelkenzigarette. Aber beschweren Sie sich hinterher nicht! Sie waren gewarnt.
Ein letztes Mal zurück zum Spekulatius, bevor wir ihn für immer ignorieren wollen. Laut Wikipedia wird die Herkunft des schrecklichen Gebäcks in Belgien und den Niederlanden vermutet. Es ist kein Geheimnis, dass diese Völker nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Aber auch am Niederrhein beansprucht man irrerweise, Schöpfer dieser kulinarischen Infamie zu sein. Man wundert sich, aber die meisten Kriminellen zeigen sich irgendwann geständig, wenn das schlechte Gewissen zu groß wird.
Fassen wir zusammen: Der Spekulatius ist ein Gebäck der Niedertracht. Es ist falsch, ihn herzustellen, zu verschenken oder ins Regal zu stellen. Es muss bald ein Ende haben.