Newsticker

Vorschlag zur Güte #15

Scheinbar unüberbrückbare Differenzen spalten unsere Gesellschaft dieser Tage, wohin man auch schaut. Dem ehemaligen TITANIC-Chefredakteur und Hobby-Mediator Moritz Hürtgen lässt das keine Ruhe, liegt eine versöhnliche Lösung doch oft auf der Hand.

Die Kolumne von Moritz Hürtgen erscheint jeden Dienstag nur bei TITANIC.


Medienberichten zu Folge bringen sich bei den Grünen sowohl Annalena Baerbock als auch Robert Habeck als Kanzlerkandidaten für die nächste Bundestagswahl in Stellung. Ein parteiinterner Konflikt scheint unausweichlich..

Vorschlag zur Güte: Die Zeit bis 2025 nutzen Habeck und Baerbock dafür, je ein Buch zu veröffentlichen. Die Kanzlerkandidatur gewinnt, wessen Ghostwriter weniger Plagiate nachgewiesen werden können. 

 

Die neuen Sommermärchen sind da

Folge 1: Rotkäppchen

Es war einmal ein guter Junge, der Josch vom FC Bayern. Er wurde von allen nur Kimmich genannt oder Rotkäppchen, weil er immer eine rote Basecap (vom FC Bayern) über den Kopfhörern trug. Eines Tages begab es sich aber, dass sein Freund und Kamerad, der Tonikroos, sehr krank wurde und bettlägerig ward. Er hatte sich im Abschlusstraining das Kreuzbande gerissen oder das Schambein oder sowas, der Medikus wollte erst noch die Kernspintomographie abwarten vor der PK. Rotkäppchens Trainer, ein gütiger Nagelsmann, füllte einen großen Korb mit allerlei Leckereien, den sollte der Josch dem Tonikroos bringen, weil der Josch immer liefern muss. Im Korb waren Kuchen und alkoholfreier Wein, auch wertvolle Arcneien und Nahrungsergänzungsmittel, die den Tonikroos schnell wieder gesund machen sollten. Der Tonikroos war dem Nagelsmann sehr wichtig, wegen seiner brutalen Qualität und dem tödlichen Pass durch die Schnittstelle. Als der Korb fertig gepackt war und ganz prächtig und lieb ausschaute mit all dem gezuckerten Brote und den Pfeffernüssen und den Proteinshakes, erklärte der Nagelsmann dem Rotkäppchen ganz genau und ultrapräzise den Weg zum Tonikroos, der in einem kleinen Hutzelhäuschen tief im dichten Wald auf Zimmer 327 im Adidas-Homeground in Herzogenaurach lebte. Das Haus und den Wald hatte der DFB extra bauen lassen wegen der geilen Atmosphäre und als Rückzugsoase. Nagelsmann warnte Rotkäppchen eindringlich davor, das dunkle Treppenhaus zu nehmen (statt den kameraüberwachten Aufzug), weil dort der gefräßige, böse Murinjo lauerte mit seinem unersättlichen Hunger auf Titel und polyvalente Rechtsverteidiger. Kimmich war zum Glück hellwach und voll fokussiert, nahm den Lift und brachte Kroos das ganze Zeug, der wurde schnell fit und schoss dann im Finale das entscheidende Tor (90+4) gegen pomadige Portugiesen durch eine herrliche Direktabnahme, Gänsehautmoment. Das Kurfürstentum Hessen-Kassel war wieder Weltmeister und der böse Murinjo fraß aus Wut den gegnerischen Trainerfuchs und ging elendig zugrunde an all den Nägeln in seinem Bauch. Da tritt der Fußball in den Hintergrund.

DSch

Platz 1 - Die Spitzenkolumne #13

Wann haben Sie das letzte Mal mit einem normalen Menschen gesprochen? Und was hat er Ihnen über Politik gesagt? Vermutlich irgendwas Rechtes – wenn es ein Taxifahrer war. Meine eigene empirische Erhebung im Forschungsfeld Podcasts, Instastorys und Kolumnen kam nämlich zum Ergebnis, dass Medienheinis, Medienlarrys, Medienfritzen, you name it, nur Kontakt zur Bevölkerung haben, wenn sie irgendwo rumkutschiert werden. Der Taxifahrer ist also Platz 1 der Normaloreferenzen. Mit dem, was der mal gesagt hat, erklären sie dann den Erfolg der AfD oder den Islamismus – weil in ihrer Berlin-Mitte-Bubble nie jemand irgendwas Rechtes machen würde, wie zum Beispiel andere ausbeuten, vermieten, Geld horten oder CDU, FDP oder SPD wählen. Kleine Polemik am Anfang, es sind ja gerade mal wieder perfekte Zeiten für Satiriker*innen.  

Und zwar weil ja die AfD die Europawahl gewonnen hat – auf ’ne Art. Ihr Zuwachs ist jedenfalls am allerstärksten, gewonnen hat natürlich die vermaledeite CDU. Nun fragt man eben sich und seinen Taxifahrer, woran das liegt – und es liegt natürlich an allem, außer daran, dass Leute, die quasi sagen „Hallo, wir sind rechts und für rechte Politik, rechts rechts rechts – das ist unser Ding, rechts – lieben wir!, rechts forever, rechty-rechts, da steh’n wir drauf!“, rechts sind. Mein Taxifahrer dritten Grades hat gesagt, wenn der verschissene Kapitalismus nicht jeden Lebensbereich komplett im Griff hätte, hätten die Menschen mehr Zeit und Kraft, sich politisch zu engagieren, eine wählbare linke, antifaschistische Partei, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, zu gründen oder einer beizutreten und sie zu gestalten, ohne dass zum Beispiel irgendwelche elitären Parteileute, denen es nur um Kohle und Prestige geht, ihnen die Arbeit schwer machen oder sie für ihre beknackte Querfrontscheiße missbrauchen. Außerdem bräuchten wir natürlich eine konsequente antirassistische, antisexistische, antiantisemitische Erziehung und den Sozialismus. Hat er so gesagt.  

Aber das ist jetzt erst mal alles egal. Fußball, schalalala, wir gehen rein. Heute (14.6.) geht ES los, beziehungsweise EM. Wir sind alle heiß drauf, ob wir wollen oder nicht. Abkühlung gab’s in der Zeitung Die Welt, die mir zufällig in die Patschehändchen gefallen ist, ohne dass ich 2,70 Euro für sie zahlen musste. Da hieß es nämlich, es sei das teuerste Fußballereignis ever für Fans, weil alles teurer geworden ist – auch für Zugereiste (außer für Schweizer, Dänen und so). Bier kostet jetzt z. B. 7 Euro auf der Fanmeile. Das Gute ist, dass hierzulande eh kein Schwein irgendwo mit Karte zahlen kann, und wahrscheinlich kommt eh niemand an, weil Bahnchaos herrscht, das gleicht dann alles wieder aus, hahaha. Im Ausland gingen bereits Warnungen rum, man solle auf keinen Fall die Bahn nehmen, sondern lieber Uber benutzen – uns erwarten also herrliche neue Taxianekdoten über das Weltgeschehen. 

Platz 1 – die Spitzenkolumne von Paula „the one“ Irmschler erscheint jeden Samstag in voller Länge nur bei TITANIC.

TITANIC Sports: Der Pre-Liveticker

Diesmal: Deutschland vs. Schottland  

Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Robert-Koch-Institut und die superlaute Nachbarin von gegenüber empfehlen Ihnen sechs bis acht Stunden Schlaf? Und doch haben Sie gerade gelesen, dass das Fußballspiel erst 21:00 Uhr angepfiffen wird? TITANIC meint: Pfeifen Sie drauf! Wir prophezeien die wichtigsten Szenen des Kicks, sodass Sie wie gewohnt ab 20:00 Uhr auf der Couch wegdämmern und morgen an der Autowaschanlage trotzdem mitschimpfen können!

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Cześć, Koma-Transporte aus Polen!

Wir sind ja nicht anspruchsvoll, aber von einem Speditionsunternehmen erwarten wir schon, dass die Fahrer/innen zumindest zwischendurch mal bei Bewusstsein sind.

Da entscheiden wir uns doch lieber für die Konkurrenz von Sekundenschlaf-Logistik!

Wache Grüße von Titanic

 Höchst bedauerlich, Verkehrsunternehmen RVSOE,

dass Dir der Fachkräftemangel – wie so vielen anderen Unternehmen auch – zu schaffen macht. Also leuchtet es uns schon ein, dass Du bei der Suche nach neuem Personal nicht wählerisch sein kannst. Aber sag mal: Wie ernst ist es Dir mit der Aussage, dass sich »auch Quereinsteiger« melden könnten, um Deine Busse zu steuern? Passen die denn überhaupt durch die schmalen Türen?

Ist schon längst ausgestiegen: Titanic

 Grüß Gott, Jan-Christian Dreesen!

Als Vorstandsvorsitzender vom FC Bayern München fanden Sie nach dem Ausscheiden aus der Champions League gegen Real Madrid die richtigen Worte: »Das ist das, was die FC-Bayern-Familie auszeichnet – dass wir nach so bitteren Niederlagen stärker als zuvor zurückkommen. Das ist das, was wir als unseren Mia-san-mia-Reflex bezeichnen.«

Wir sind, Dreesen, medizinisch und anatomisch nicht so firm. Aber dieser »Mia-san-mia-Reflex« – ist das jener, der 2017 dafür sorgte, dass Sie sich bei einem Jagdunfall den eigenen Zeigefinger weggeballert haben? Klick-peng!

Mia san neugierig: Titanic

 Ach so, Jella Haase!

Ach so, Jella Haase!

Auf das Thema patriarchale Strukturen in der Filmbranche angesprochen, sagten Sie: »Frauen sind Teil meiner Filmfamilie geworden.«

Wir freuen uns schon auf Ihre nächsten Interviews mit ähnlich aussagekräftigen Zitaten wie: »Stühle sind Teil meiner Einrichtung geworden«, »Kohlenhydrate sind Teil meiner Ernährung geworden« oder »Dämliche Statements rauszuhauen, ist Teil meiner Tätigkeit als Schauspielerin geworden«!

Grüßt erwartungsvoll: Ihr Briefeteil der Redaktionsfamilie Titanic

 So sieht’s aus, Kai Wegner (CDU)!

Über ein Jahr schon arbeiten Sie als Berlins Regierender Bürgermeister daran, in der deutschen Hauptstadt für Zucht und Ordnung zu sorgen. Längst könnten Magnetschwebebahnen und Flugtaxis über die eingezäunten (oder wie Ihre Verwaltung sie nennt: befriedeten) Parkanlagen der Metropole hinweggleiten – würden sich nicht irgendwelche grünen Bezirksbürgermeister/innen und Initiativen dem Fortschritt in den Weg stellten.

Jetzt weihen Sie den RBB in die Machtfantasien ein, die Sie in schwachen Momenten überkommen: »Ich würde mir manchmal wünschen, ich sage heute: ›Morgen passiert das.‹« Aber: »Aber: Dass wir demokratische Strukturen, Prozesse haben, wo einer nicht allein alles sofort entscheiden kann, ist, glaube ich, schon ganz gut.«

So und nicht anders, Wegner, klingt ein flammendes Plädoyer für die Demokratie aus dem Munde eines leidenschaftlichen Demokraten. Glauben wir. Vielleicht.

Ganz gute Grüße von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Neuer Schüttelreim

Soeben in fünf Minuten erzwungener Wartezeit vor dem Limette-Minze-Mandarine-Aufguss die ausführliche Saunaordnung meines Stadtteilschwimmbades an der Wand studiert. In dem peniblen Regelwerk unter anderem erfahren, dass in den Räumlichkeiten neben Wäschewaschen und anzüglichen Bemerkungen auch Kratzen und »Schweißschaben« verboten sind, was immer das sein mag. Sofort Gedichtidee gehabt: »Wer denkt sich ein Wort aus wie Schweißschaben? / Das waren bestimmt diese« – na, ihr könnt es euch ja denken.

Mark-Stefan Tietze

 Energievampir

Wie groß doch der Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und dem auf dem Land ist, fiel mir wieder auf, als ich mit meiner Tante vom Hof telefonierte und wir uns über unsere Erschöpfung austauschten: Ich erklärte mir meine große Müdigkeit damit, dass ich den Tag zuvor in der Therapie eine neue Erkenntnis gewonnen hatte, gegen die ich mich aber noch sperre. Das verbrauche natürlich schon viel Energie, außerdem wolle sich mein Gehirn so wenig mit der neuen Erkenntnis beschäftigen, dass es lieber in die Schläfrigkeit flüchte. Sie wiederum begründete ihre Mattheit mit den Worten: »Ich glaube, mich hat was gebissen, das müde macht.«

Laura Brinkmann

 Falscher Titel

Kürzlich habe ich einen Brief meiner ehemaligen Universität erhalten, dass ich mich, da ich in meiner Abschlussarbeit in Gletscherwissenschaften plagiiert haben soll und mir mein Titel nun aberkannt wird, fortan bitte nicht mehr Glaziologe, sondern lediglich Halbglaziologe nennen soll.

Ronnie Zumbühl

 Morgengrauensport

Mitten in der Nacht, halb drei vor der Szenekneipe in München: Ein volltrunkener Totalspack wankt hinter seiner Suffbraut her aus der Fußballzeige-Gaststätte, beide laut auf bairisch aufeinander einbrüllend. Draußen, zwischen dem halben Dutzend Rauchern, hievt sie ihren Quellkörper mit einer trägen Drehung herum, verlagert die Schwere auf den hinteren Krautstampfer und zimmert ihrem imbezilen Begleiter mit Effet eine knallharte Linke flach auf die Fresse. Public Watsching in Bayern eben.

Theobald Fuchs

 Verrücktes Kapitalismus-Experiment

Was würde wohl passieren, müssten alle Soldaten ihre Munition selbst bezahlen?

Katharina Greve

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
21.06.2024 Husum, Speicher Max Goldt
23.06.2024 Kiel, Schauspielhaus Max Goldt
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«