Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 63

»Mai 2020 – von Deutschen gestochen!«

1.5. Corona immer noch »in aller Munde«. Etwas seltsames Statement von BM Olaf Scholz zur Krise: »Das Leben ist ein einziger Scheißhaufen. Und wir sind gerade reingetreten.« Die nervliche Anspannung, über so lange Zeit schon!

2.5. Corona-Hassfiguren: Lothar Wieler (RKI-Chef): »Das ödeste Gesicht der Krise« (»Wild und Hund«), »Lutscher und Schlaftablette« (»Tina«), »Die Rückkehr des furchtbaren Spießers« (»Spon«). Besonders gefürchtet ist sein Händedruck: schlaff, quallig-weich, feucht-nass, sehr warm, leblos, als würde man in eine volle Windel greifen. »Ich empfehle nach einer Begegnung mit diesem Seuchenexperten fünfminütiges heiß-kaltes Händewaschen und anschließende Ganzkörper-Desinfektion.« (Karnevalspräsident Helge Braun)

Corona-Lieblinge: Abmahnanwälte, die Frauen verklagen, weil deren (ehrenamtlich) selbst genähte Atemmasken Patente verletzen. Sympathisch!

3.5. Ums Eck hat ein neues Ladengeschäft mit dem unaussprechlichen Namen Novoinox (Gastronomie- und Großküchen, Neu- und Gebrauchtgeräte) eröffnet. Lange Jahre (1977–2007) war in den Räumlichkeiten Hamburgs erste Frauenkneipe beheimatet, danach der Nasenbär (»alles fürs Mutterglück« – na, das erklärt natürlich alles), zuletzt die Fischköppe (Fischbrötchen und allerhand MEER aus Neptuns Reich). Nun also Novoinox. Wie kommt man auf die Idee, sein Geschäft NOVOINOX zu nennen? Ein abstoßendes Wortungetüm, Insolvenzbeschleuniger, Rohrkrepierer, bei dem die Pleite schon eingebaut ist. Intensive Recherchen der Schatulle haben ergeben, dass Novoinox nur die Spitze des Eisbergs ist. Weitere Firmen, die auch vor der neuartigen Corona-Krise eher überschaubare Erfolgsaussichten hatten:

  • Nuhsrepah KGaH (Bürokleinartikel)
  • Mesaahnre & Friends (Autozulieferer)
  • Roboinetra AG (Industriedichtungen)

4.5. Tödliche Antriebslosigkeit.

5.5. Das »innere Nilpferd freigelassen«. Geiles Gefühl hinterher.

6.5. Clevere Corona-Erfindungen: Atemmaske »Infekt« – die Maske, die man nach dem Tragen essen kann // Das brennbare Toupet »Covid« // Handyburger »19« – der erste Burger, der beim Essen klingelt

7.5. Schlagzeilen, mit denen niemand gerechnet hätte: QUARANTÄNEHAMMER: MACHER DER INTIMSCHATULLE SPURLOS VERSCHWUNDEN // CORONA-GEHEIMNIS: WO SIND DIE MACHER DER INTIMSCHATULLE? // VIRUSIRRSINN: ERSTES BUNDESLAND (SACHSEN-ANHALT) SETZT BELOHNUNG FÜR HINWEISE AUF INTIMSCHATULLEN-MACHER AUS

8.5. Um mich von der Krise abzulenken, den ganzen Tag in Franz Kafkas Tagebüchern 1910–1923 gelesen:

  • »Auf eine dringliche Frage, ob denn nichts ruhe: Ja, der fliegende Pfeil ruht.«
  • »Befürchtungen darüber, ob mein Augenlicht für mein ganzes Leben genügen wird.«
  • »Kleine Städte haben auch kleine Umgebungen für den Spaziergänger.«
  • »Ein vertikal gehender Schmerz im Kopf über der Nasenwurzel, wie von einer zu scharf gepreßten Stirnfalte.«
  • »Die Kraft meiner Träume, die schon ins Wachsein vor dem Einschlafen strahlen.«

9.5. Tagesüber Angst, abends beim TV Jieper auf Süßes: Marzipankartoffeln, Hagebuttenkompott, ostpreußische Zitronenspeise. Interessante Info aus dem Netz gesaugt: Ein hessischer Superspreader hatte Kontakt mit 600 Personen und hat niemanden angesteckt! Auch (und gerade) in Corona-Zeiten gibt es Wunder. Gott heilt täglich viele tausend Kranke. Aus Dankbarkeit noch lange in den Psalmen gelesen.

10.5. Nach langem Gerangel endlich die gute Nachricht, dass der deutsche Spargel vor dem Verrotten gerettet ist. Das Landwirtschaftsministerium macht’s möglich und lässt zweimal (Mai/Juni) je 40 000 Erntehelfer einfliegen. Nicht nur Ioan T. (Rumänien) ist begeistert: »Deutschland kann auf mich zählen.« Wäre vielleicht gar nicht nötig gewesen, denn auch mehr als 16 000 Deutsche haben sich als Erntehelfer gemeldet. »Sogar Fußballer waren dabei.« (J. Klöckner). ABER: »Ohne oder mit wenig Erfahrung kann man bei der Spargelernte nicht richtig helfen.« (Erwin Wihn, Landwirt) Schade, denn wie überzeugend würde folgendes »Güteprädikat« klingen: DEUTSCHER SPARGEL KLASSE 1 – VON DEUTSCHEN GESTOCHEN. Die Schatulle meint: Chance vertan!

11.5. Atemmasken, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung, Hygieneartikel werden als das »neue Gold« gehandelt. Fragwürdig. Geiler Corona-Song (Quarantäne-Hit): »Machen wir das Beste draus« der DDR-Band Silbermond.

12.5. Burning feet unerträglich.

13.5. In-&-Out-Liste Mai

IN: Extraschub Motivation, tonnenschwere Nashornliebe, Fun Facts, die RTL-2-Abschleppprofis, der Spruch »Willst du meinen Ausknopf finden, dann rede mit mir über Politik«, Flexi Life & Flexi People, ein romantisches Schnaps-Buffet, der Spruch »Ich geh mal auf Klo und dann heißt es Free Willy«

OUT: Zufälliger Untergang & zufällige Verschlechterung, sich immer nur »irrtumsfrei und regelkonform« verhalten (langweilig!), Kirchheim unter Teck, Schmalzgebackenes (besteht praktisch nur aus Fett)

14.5. Lebensoptimierende Maßnahmen:

  • Schaffen Sie sich einen hochwertigen Wassersprudler der Marke »Kitchen Aid« an.
  • Nehmen Sie Abstand von Haustieren (auch von Kleinsäugern und Fischen).
  • Parken Sie auf Ihrem Girokonto mindestens 50 000 Euro (Corona-Notgroschen).

15.5. Nach dem Breakfast (Weißbrot mit italienischer Salami und Hartkäse) ausführliche Dentaltoilette mit Zahnseide und anschließender Mundspülung. Am Schreibtisch eingelocht, trotz Virusangst weiter, immer weiter am Roman, Tempo machen. Anschließend im Café 2 Talk Wiener Würstchen und Kartoffelsalat. Die Schlagzeilen in den ausliegenden Zeitungen drehen sich wieder mal ausschließlich um die neuartige Corona-Krise: CORONA-VERMÄCHTNIS: TODKRANKE MUTTER NIMMT EIN HÖRBUCH AUF // CORONA-NOSTALGIE – BAKTERIEN FRESSEN NAZI-U-BOOT AUF // CORONA-VORAHNUNG – MANN HORTETE SIEBEN JAHRE SEIN FEIERABENDBIER

Firmen, die dem Untergang geweiht sind

16.5. Rubrik Demütigungen beim Laufen. Ich mal wieder (trotz Krise) im dummen Wohlers Park (Runde à 640 Meter) unterwegs, nutze die stumpfe Lauferei, um Ideen/Gedanken/Gags zu sammeln und sie in die Notizen-App zu sprechen. Dann passiert Folgendes: Ein Mann, ca. 30, austrainiert, Typ Bachelor, Big Brother, Temptation Island, jedenfalls irgendwas RTL/RTL2-mäßiges, überrundet mich, dreht sich zu mir um und ruft mir (noch nicht mal besonders unfreundlich) zu: »Jetzt steckst du mal dein Handy weg. Los, durchziehen, da geht noch was.« Nächste Überrundung: »Ich hab auch mal 120 Kilo gewogen.« (Was soll das denn heißen?!?) Übernächste Überrundung: »Durchziehen, durchziehen!« Offensichtlich bin ich jemand, der dazu einlädt, verspottet zu werden.

17.5. Krisenprofiteure: Sozialphobiker. Es gibt für derartig traurige Exemplare nichts »Geileres«, als ohne schlechtes Gewissen daheimzubleiben. Wie die Maden im Speck glucken sie in ihrer verdunkelten Wohnung, feixen sich einen, verspotten ihre unter der Enge leidenden Nachbarn, lassen es sich gut und besser gehen. Fies!

18.5. In Erwartung der nächsten Karnevalssaison (vorauseilender Gehorsam) Text für einen potentiellen Gute-Laune-Hit geschrieben: Wat macht de Flus in de Nas? (Was macht die Fluse in der Nase). Kennt man, hat jeder schon mal gehabt und sich drüber geärgert (hohes Identifikationspotential). Karnevals-Vorfreude statt Corona-Frust. Hier der vollständige Refrain:

»Wat macht de Flus in de Nas?
Da macht dat Leben kein Spaß!
Denn mit ’ne Flus im Jesicht Musst du vors Flusenjericht.«

19.5. Firmen mit nur geringem Wachstumspotential (Corona-Flaute hin oder her):

  • Siistraal eGmuH (Lagerhallenvermietung)
  • Normahliv SE (Fensterbau)
  • Rehfehsus EWIV (Tierversicherungen)

20.5. Groteske Erscheinungen, die in Corona-Zeiten eine überraschend gute Figur machen: Florian Silbereisen, Susanne Daubner, Kassetten-DJ Stumpi.

21.5. Durchfall.

22.5. 1) Hoher Sexualdruck in Virus-Zeiten. Harte Frage (Schatulle radikal): Werden wir bald so weit sein (notgeil), uns auf Margot Käßmann oder Heidi Klum einen runterzuholen? 2) Wieder mal bringt es Peter Sloterdijk auf den Punkt: »Zwei Drittel der politischen Gebilde, die heute in den United Nations vertreten sind: Was man Nation nennt, sind zum großen Teil Staaten ohne Staatsbürger, improvisierte Synthesen heterogener Populationen.«

23.5. Angst, daher Schnaps. Abends Schach gegen den Computer – chess against (the) computer.

24.5. Neuer, absolut zuverlässiger Indikator für Knallchargen, Supertrottel und Vollidioten: Der »Ellbogengruß«. Mit unfehlbarer Instinktsicherheit einigen sich Knallchargen, Supertrottel und Vollidioten sofort auf Scheiße aller Couleur.

25.5. Das Alter erfordert täglich etwa eine Stunde von mir. Anziehen der Strümpfe, Suche nach der ewig verschwundenen Brille, Verschüttungen. Abends mit Bertram Leyendieker gekocht (Polnische Zunge süß-sauer mit Ravigotebutter und gefüllten Salzgurken, zum Nachtisch Quarkcreme mit Waldmeister).

26.5. Auf SWR 3 »Patienten im Visier«, Reportage über unverschämte Patienten. Was sich manche Kassenpatienten so alles rausnehmen! Vom Stamme Nimm. Nicht nur nehmen, auch mal geben, möchte man ihnen zurufen/sie niederbrüllen. Unverschämte Sausäcke mit ihren bescheuerten (meist eingebildeten) Beschwerden. Zetern und motzen, wenn sie nicht sofort ans teure Beatmungsgerät gehängt werden. Mein Gefühl: Ohnmacht, ich bin nämlich genau nie krank und muss für solche Schmarotzer blechen (Solidargemeinschaft, hahaha, dreimal laut gelacht, verhalten DIE sich denn solidarisch MIR gegenüber?).

27.5. Das Allergrößte für Knallchargen, Supertrottel, Vollidioten und Arschgeigen sind CHALLENGES. »Witzig, kreativ und durchgeknallt.« Nun zeichnen sich gerade die Corona-Challenges durch geradezu atemberaubende Einfallslosigkeit aus. Die derzeit beliebtesten Bewerbe: 1) #klopapierchallenge – Fußball spielen mit Klopapierrollen. 2) #coronadancechallenge – Es wird getanzt (je verrückter, desto besser), und das Ganze dann als »Coronadance« ins Netz gestellt. 3) #NakedChallenge – sich nackt ausziehen und den »Partner« in komplett unpassenden Situationen splitterfasernackt überraschen 4) #oldpicturechallenge – Fotos aus Kindertagen posten.

28.5. Coronahelden, denen niemand applaudiert: Laubbläser.

29.5. Dank Krise achten die Deutschen wieder aufeinander! Doch »aufeinander achten« bedeutet auch prüfen, sichten, kontrollieren, »aufeinander aufpassen« – eben auch: sich gegenseitig überwachen. Gerade DDR-Bürgern hilft dabei ihre Stasi-(Spitzel-)Vergangenheit. Ein Auto mit »fremdem« Kennzeichen etwa, das grundlos durch den Ort cruist? Hilf dir selbst: Fahrzeug beschädigen (reintreten, Scheinwerfer einschlagen, Außenspiegel abbrechen etc.), Insassen rauszerren und zur Rechenschaft ziehen. Auch gut: bei Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen der Spruch »Das ist aber keine Kernfamilie«, anschließend zügig die Ansammlung auflösen.

30.5. Firmen, die es wohl nicht in den Dax schaffen werden TEIL 1:

Vormauhns e.K. (Druckvorlagen)

Mohjutereh AG (Badezusätze, Hotelseifen)

Suhsises GmbH (Prothesen)

31.5. Schatullen-Empfehlung: Genießen wir die Corona-Zeit, denn sie kommt in der jetzigen Form vielleicht nie wieder. Die Welt wird ohne Corona-Ticker, ohne Breaking Covid News, ohne tägliche Virologen-PKs nicht mehr dieselbe sein, die sie vorher schon nicht war.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Annegret Kramp-Karrenbauer!

Das RND konfrontierte Sie mit folgender Frage: »Höhere Rüstungsausgaben sind nicht gerade populär in Deutschland. Sind Sie bereit, die Forderungen zu erfüllen?« Darauf Sie u.a.: »Wenn wir sicher und in Wohlstand leben wollen, müssen wir in unsere Sicherheit investieren.«

Die Frage, die sich nun aber ganz Deutschland stellt, lautet: Wer schützt uns bei der nächsten Wahl vor Ihnen? Die SPD? Die Grünen? Die FDP?

Dieses Land ist dem Untergang geweiht, weiß Titanic

 Bitte lächeln, Paparazzi!

»Schwere Zeiten für Promi-Fotografen«, heißt es ebenda in der SZ, weil ja auch Prominente zu Hause bleiben beziehungsweise Maske tragen müssen und dann von Euch nicht erkannt werden. Hoffentlich beschwert Ihr Euch deshalb bald bei der Regierung, denn zu gerne läsen wir die Schlagzeile: »Paparazzi protestieren: Maßnahmen greifen zu sehr ins Privatleben ein!«

Sagt mal »Cheese«: Titanic

 German Genetic Schweinezuchtverband Baden-Württemberg e.V.!

Dass Du auf den »Wunsch vieler Betriebe nach ruhigen und umgänglichen Tieren mit der Möglichkeit zur Langschwanzaufzucht« reagiert hast und seit März 2020 »in den Stationen der Besamungsunion Schwein (BuS) den GENTLEMAN-Eber« anbietest, finden wir saugut. Denn wenn es eins gibt, was noch wichtiger ist als »Ruhe im Stall«, dann ja wohl die »Unversehrtheit von Schwänzen«!

Zumindest den kleinen Ferkeln von Titanic

 Du, Deutsch-Rapper Aykut Anhan aka »Haftbefehl«,

Du, Deutsch-Rapper Aykut Anhan aka »Haftbefehl«,

hast Dich von einigen Deiner früheren Tracks losgesagt. Im Spiegel-Interview gibst Du Dich als geläuterter Anhänger eines verschwörungstheoretischen, antisemitisch konnotierten Weltbildes aus: »Ich habe über Chemtrails gerappt. Ich habe auch über die Rothschilds gerappt. In Anführungsstrichen, weil ich damals nicht überzeugt von diesen Dingen war. Ich war jung und wirklich noch auf der Straße unterwegs. Auf der Suche nach irgendwas. Eine verlorene Seele. Mittlerweile sehe ich das ganz anders.« Nämlich so: »Ich war ja selber mal Verschwörungstheoretiker, in Anführungsstrichen, aber, ganz ehrlich: Corona, das gibt’s.«

Das gibt’s doch gar nicht! Gratulation zu dieser Erkenntnis! Aber ganz ehrlich? Als Du damals auf Deinem 2015er-Album »Unzensiert« kreisende »Chemtrails« und die »Rothschild-Theorie« besprechsangst, warst Du mit 30 Jahren schon nicht mehr ganz so jung und bereits öfter in den Mainstream-Charts als auf der Straße unterwegs. Von Deinem Imagewandel von der verlorenen Seele auf der Suche nach irgendetwas zum schwarzen Schlafschaf sind wir heute dennoch überzeugt. In Anführungsstrichen. »Weiter so!«

»Deine« Titanic

 Hendrik Munsberg (»SZ«)!

»Zur politischen Klugheit gehört aber auch diese Einsicht: Die ökonomischen Folgen der Pandemie und die enormen Staatsschulden werden sich nicht beseitigen lassen, indem der Staat nur darauf setzt, von Reich zu Arm umzuverteilen. Unverzichtbar ist in den nächsten Jahren ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum. Das aber erfordert es, besonders die produktiven Kräfte im Land zu stärken«, statt bloß die unproduktiven Armen, den Ausschuss, ja Abschaum – es muss einmal gesagt werden. Und wird es darum immer wieder, zumal von politisch allerklügsten Köpfen, die für ihren armseligen Antibolschewismus auch wirklich schon genug Geld bekommen.

Eine Einsicht Ihrer produktiven Kräfte von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Dienstleistermentalität

So, wie man zu viel Salz nicht mit der gleichen Menge Zucker neutralisieren kann, kann man Respektlos-behandelt-Werden nicht dadurch neutralisieren, dass man Geld dafür bekommt. Dann ist das Leben zu salzig und zu süß zur gleichen Zeit.

Teja Fischer

 Kohlerischer Anfall

Manchmal bin ich so wütend, dass ich am liebsten irgendwas kaputtmachen will, aber mit Gegenständen zu werfen ist mir zu anstrengend. Deswegen kaufe ich einfach Gemüse und koche es so lange, bis die Vitamine zerstört sind.

Loreen Bauer

 Ausgeplaudert

»Ich schlurfe gerade in die Eckkneipe, grüße die Bardame und schnipse nach dem ersten Schnaps …« Zahllose Geschichten, ob aus den Fächern Poetry Slam, Lesebühne oder Hochliteratur, fangen genau so an. Doch Obacht: Glauben Sie das nicht! Es sind Scharlatane und Scharlataninnen, die ihre arglosen LeserInnen trickreich hinters Licht führen. Die AutorInnen hocken, während sie ihre Texte schreiben, ja alle gerade am heimischen Schreibtisch, im Schein ihrer Louis-Poulsen-Designerlampe, und checken zwischendurch ihre Hello-Fresh-Aktien. Nur das mit dem Saufen stimmt.

Ella Carina Werner

 Psychologischer Lifehack

Wirklich erstaunlich oft finde ich auf der Straße Eincentstücke, die ja bekanntlich Glück bringen. Da ich davon aber schon so viel habe, lasse ich sie meist liegen für Passanten, denen das Leben weniger freundlich gesonnen ist. Bei der Vorstellung, wie das gramgebeugte Mütterchen oder der trübsinnige Nerd hinter mir den kleinen Kupferling aufhebt und sich freut, wird mir jedes Mal ganz warm ums Herz! Das Beste daran ist jedoch, dass ich damit meine gute Tat des Tages getan habe und den Rest der Zeit ganz entspannt einfach das sein kann, was ich bin: ein egozentrisches Arschloch.

Katharina Greve

 Kopfgeld

Als die Friseure nach monatelangem Lockdown endlich wieder öffnen durften, habe ich noch circa drei Wochen zugewartet, bis ich mich dann aufraffen konnte hinzugehen. Einmal, um den ersten Ansturm zu umgehen, andererseits aber auch, weil ich zu meiner anfänglichen Freude entdeckt hatte, dass meine Treuekarte bereits randvoll war. Ich dachte, wenn ich da direkt nach der langen Durststrecke des Kappers direkt nach der Öffnung freudestrahlend meinen Gratisschnitt geltend mache, reißen die mir direkt den Kopf ab! Obwohl: Dann hätte ich mir über so etwas in Zukunft ja auch keinen Kopf mehr machen müssen, und Geld gespart hätte es dann obendrein!

Burkhard Niehues

Vermischtes

Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURMax Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 14.05.:

    Das nd erinnert an den Satiriker und TITANIC-Autor Michael Rudolf, der heute 60 Jahre alt geworden wäre.

  • 12.05.:

    Zum 100. von Joseph Beuys war Oliver Maria Schmitt für die FAZ am Niederrhein unterwegs. In Filzpantinen.

  • 07.05.:

    Gerhard Henschel im Gespräch mit Kulturnews über "SoKo Fußballfieber" 

  • 05.05.:

    Über Stefan Gärtners "Terrorsprache" schreiben das Neue Deutschland und die Taz.

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

Titanic unterwegs
17.05.2021 Berlin, Berliner Ensemble Martin Sonneborn mit Gregor Gysi
29.05.2021 Radio, WDR 5 Ella Carina Werner
30.05.2021 München, Volkstheater Max Goldt