Vom Fachmann für Kenner | November 2020


Tatsache

Selbst in seinen allerdunkelsten Stunden sieht das Gesicht eines Delfins immer noch so aus, als würde es lächeln. Nicht anders verhält es sich mit einem Smiley in einem Donald-Trump-Tweet.

Teja Fischer

Abwägungsfrage

Die eigenen unerfüllten Lebensträume auf seinen Nachwuchs zu projizieren, diese Möglichkeit hat man als kinderloser Mensch leider nicht. Anderseits: Ein Kind, das zu jeder einzelnen Sportunterrichtsstunde eine schriftliche Entschuldigung mitbringt, hätte womöglich ernsthafte Schwierigkeiten, was die Bewältigung der schulischen Laufbahn betrifft.

Julia Mateus

Abwechslung

Warum gibt es eigentlich immer mehr Barber-Shops in meiner an Barber-Shops nicht armen Stadt? Vermutlich, weil zwischen zwei Ramen-Bars keine Ramen-Bar passt.

Niels Jürgens

Kunst meets Frankfurt

»Einmal die Krüppel.«
»Wie bitte?«
»Na, die Krüppel-Sammlung da.«
»Mein Herr, Sie meinen unsere Ausstellung ›En passant‹? Sie möchten ein Ticket?«
»Ja, genau.«

Man fremdelte anfangs ein wenig mit den impressionistischen Skulpturen im Städel-Museum in Frankfurt.

Nicolai Hagedorn

Politische Schaumschläger

Während sich die politische Rechte durch eine gewisse Neigung zur Mitgliedschaft in möglichst großen Verbänden auszeichnet, tendieren Linke eher dazu, sich in kleinen und kleinsten Kreisen zu vereinen. Hochgradig albern ist letzteres natürlich dann, wenn es so weit getrieben wird wie einst in Göttingen und heute auf Facebook, wo sich inzwischen zahllose linke »Organisationen« tummeln, die aus einer einzigen Person bestehen. Als wäre das allein nicht schon lächerlich genug, handelt es sich bei dieser oberpeinlichen Gestalt zumeist noch nicht einmal um die Basisgruppe

Andreas Maier

Prädikatenlogik im Urlaub

Dass die supergescheiten Griechen als Begründer der Logik uns weniger beschlagenen Völkern gripsmäßig stets einen Schritt voraus sind, wurde mir abermals verdeutlicht, als mir auf Kreta ein Einheimischer auf die Frage, ob das von mir anvisierte Reiseziel ein gutes sei, antwortete: »Oh yeah, it's a nice place! Everybody goes there. I have never been there.«

Cornelius W.M. Oettle

Wie gewonnen

Seit ich in Berlin wohne, sind rote Ampeln für mich kein Zeichen von Verbot mehr, sondern nur noch ein freundlicher Hinweis, die Straße etwas vorsichtiger als sonst zu überqueren. Da ich, insbesondere beim Radfahren, so nicht mehr auf Grün warten muss, spare ich einiges an Zeit ein. Auf der anderen Seite gehen viele andere Verkehrsteilnehmer, auch Autofahrer, ebenso vor wie ich. Wodurch ich jetzt zwar viele rote Ampeln überfahren kann, dafür aber aus Misstrauen anderen gegenüber an jeder grünen Ampel kurz anhalten muss. Die Zeitersparnis ist damit dahin.

Karl Franz

Gute Ausrede

keine Star-Trek-Fanfiction zu schreiben: »Ich wollte ja, Freunde, aber da war ein Riss im Lust-Zeit-Kontinuum.«

Tim Wolff

Des Pudels Kernseife

Das duftet doch zum Himmel, dachten die Bewohner des kleinen Städtchens Tensid, über dessen dermatologisch getesteten Dächern ein Fabrikschlot ragte, aus dem feine Blubberbläschen stiegen. Am roten Saum dieses Ziegelzipfels hing die Seifenfabrik »Sapo und Söhne«. Seifenfabrikant Eduard Sapo gab sich gern als Saubermann mit weißer Weste und reinem Gewissen. Doch es kursierten Gerüchte, er sei in Wahrheit ein schmieriger Typ, verwickelt in schmutzige Deals der Syndet-Syndikate, etwa Geldwäsche. Außerdem habe er ein Alkalholproblem. Nach Meinung Sapos diente diese Schmutzkübelkampagne einzig dazu, seine Branche mit ausgelaugten Wortspielen in den Dreck zu ziehen. In solchen Momenten kam ihm die Gallseife hoch, und er konnte vor Wut direkt schäumen.

Jürgen Miedl

Stilllegung

bezeichnet ein neues Genre der bildenden Kunst und widmet sich der Darstellung toter AKWs.

Ronnie Zumbühl

Falsch verbunden

Dass man mehrsilbige Wörter falsch liest, passiert ja gewiss nicht selten. Dennoch gibt es besonders dämliche Fälle. So las ich kürzlich das Wort »Biotoptyp« als »Bio-Toptyp« und stellte mir einen bärtigen Kerl vor, der nur Bio-Produkte kauft oder gar herstellt – ein Bio-Toptyp eben! Natürlich Unsinn in einem Artikel, der von Biotopen handelt. Gut, dass den Verleser, der stumm in meinem Kopf stattfand, unmöglich jemand bemerkt haben konnte. Trotzdem sah ich mich verschämt im Zugabteil um.

Leo Riegel

Diorama des Spätkapitalismus

Seit einiger Zeit liegt auf dem Schulweg meines Kindes ein toter Waschbär am Wegesrand. Es ist jeden Morgen ein großes Hallo. Die Kleinen gruseln sich und lernen noch vor der ersten Stunde etwas über die letzten Dinge. Die Erwachsenen staunen, dass es die possierlichen Langfinger »bei uns« wieder gibt. Das Tier rottet indes äußerlich erstaunlich unversehrt vor sich hin. Es würde mich nicht wundern, wenn es sich nur tot stellte, sei's, um eines Tages effektvoll aufzuspringen, sei's, weil auch Wildtiere nun schon zu Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gezwungen werden können. So oder so scheint mir die ganze Situation irgendwie kennzeichnend für unsere heutige, ja auch gleichsam nur äußerlich intakte ... und bei dieser geistreichen Bemerkung will ich mich gleich selbst vors Auto werfen.

Jasper Nicolaisen

Gönndor

Das beste Wellness-Spa in ganz Mittelerde.

Tobias Speckin

Obenrum öd

Die ICE-Trasse Kassel-Würzburg liegt fast komplett unter der Erde. Das ist durchaus eine gute Idee, denn die Gegend ist so trostlos wie das Liebesleben eines Bahn-Vorstands. Für einen Zwischenhalt erbricht sich der Zug in Fulda kurz an die Oberfläche, und man erkennt auf den ersten Blick die Brillanz der Nato-Strategie aus den Achtzigerjahren: Hier also wäre der Russe damals durchs berühmte »Fulda Gap« in den Westen einmarschiert und mit seiner enormen Panzerflotte vor lauter Langeweile direkt verödet.

Peter P. Neuhaus

Fight fire with fire

In das große Hotel genau gegenüber meiner Wohnung wurden vor einigen Tagen mehrere Hundertschaften Ordnungshüter einquartiert. Offensichtlich sind die Burschen aber durch das zarte Pflücken zauseliger Baumbesetzer und das Wegtragen derselben aus dem Dannröder Forst nicht ordentlich ausgelastet. Das ist ein Quatschen und Lachen und Singen in der Nacht, man mag es kaum glauben. An Schlaf ist nicht zu denken. Heute Abend rufe ich die Polizei!

Martina Werner

Frage

Ist es schon kulturelle Aneignung, wenn ich mir jeden Morgen erst zwanzig Minuten Arbeiterlieder anhören muss, bevor ich es schaffe, aus dem Bett zu kommen?

Konstantin Hitscher

Kaltstart

Erst wenn die letzte Ölquelle versiegelt, die letzte Tankstelle geschlossen, der letzte Verbrenner von der Straße verbannt ist, werdet ihr merken, dass Elektrobusse euch nicht wärmen, wenn ihr mit dem Fahrrad im Winter vor der Ampel hinter ihnen wartet.

Burkhard Niehues

Lügenpresse

Dass der Redakteur der Heimatzeitung sich aufgehängt habe, sagt die Großmutter, habe sie kommen sehen, schließlich sei auch sein Vorgänger schon eines grausamen Todes und vor Schreck gestorben, als er gesehen habe, wie die beiden Redaktionsräume in die Luft geflogen seien, weil der Bodenverleger die Dämpfe des Klebers unterschätzt und beim Lichteinschalten, wie die Polizei festgestellt habe, die Redaktionsräume zur Explosion gebracht habe. Als wir nachfragen, was mit dem Bodenverleger geschehen sei und was das Ganze mit dem Nachfolger des Redakteurs zu tun habe, der sich jetzt aufgehängt habe, sagt die Großmutter bloß, dass es zeige, dass auf der Heimatzeitung kein Segen liege, weshalb sie das Käseblättchen zwar abonniere, es aber niemals lese. Wahrscheinlich sei genau das die so genannte Lügenpresse, von der jetzt immer die Rede sei.

Ludger Fischer

Märchen, im Titel gespoilert:

Rohhäppchen und der böse Wolf.

Fabio Kühnemuth

Ich habe die Schnauze voll

von den kruden Personen, die einem am Frankfurter Hauptbahnhof ständig begegnen. In altbackenen Klamotten wollen sie einem scheinheilig lächelnd ihr ominöses Blatt andrehen. Ihre Gesinnung ist fragwürdig, und sie glauben, die Wahrheit zu verkünden. Aber nein, nein und nochmals nein: Ich möchte kein FAZ-Probeabo!

Paula Irmschler

Herbstschmerz

Ein stark übergewichtiger Mann wirbelt mittels eines höllisch laut dröhnenden Laubbläsers nasses Laub von einer Seite des Radwegs auf die andere. Er trägt rote Ohrenschützer, raucht eine krumme Zigarette und hat den Mund-Nasen-Schutz am Kinn kleben. Auf der Jeans-Kutte, die er über seiner orangefarbenen Warnweste trägt, steht »FCK WNTR«. Ich weiß, dass mir dieses Bild irgendetwas über den Zustand der Menschheit sagen will, doch ich schaffe es einfach nicht, die Botschaft zu enträtseln. Ich bin auf einmal nur noch sehr, sehr müde.

Theobald Fuchs

Kriegsführung 2020

So unzuverlässig, wie die Deutsche Post ist, musste ich mir einfach Brieftauben zulegen. Mehrmals kam es jedoch schon vor, dass der Wanderfalke meines Nachbarn meine kleinen Helferlein abfing. Deshalb statte ich sie ab jetzt mit einem netten Sprengstoffsatz aus, der sich per Fernzünder auslösen lässt. Der Triumph in der Hochhaus-Luftschlacht von Berlin-Marzahn wird mein sein, wenn sich der Himmel rot färbt und es Federn wie Konfetti regnet. Das Finanzamt muss warten.

Nick Hertzberg

Langzeitfolgen

Sollte Hanf legalisiert werden? Ich als langjähriger Konsument sage dazu: Pfff ... joa, schon, aber lass das mal morgen machen.

Tilman Birr

Marktlücke

Dass man heute auch Brillen online kaufen kann und sich nicht mehr von irgendwelchen falsch fröhlichen, smalltalkenden Fielmännern mit Fenstergläsern vor der Nase asymmetrische, »freche« Gestelle einschließlich lila-grünen Bügeln vorschlagen lassen muss – das ist schon mal ein großer gesellschaftlicher Fortschritt. Was jetzt noch dringend fehlt, ist ein Online-Friseur.

Robert von Cube

Meine beiden Lieblingskomponisten

Back & Hendl

Elias Hauck

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

Vermischtes

Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
20.03.2021 Frankfurt, Mousonturm Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner (Livestream)
25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
04.04.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«