Vom Fachmann für Kenner | Dezember 2019


Kulturkritik

Typisch – im Internet die Songs vorhören und dann doch die Vinyl-Platte beim kleinen Einzelhändler kaufen. Verratzte Hipsterbande!

Tina Manske

Gläserner Bürger

Wenn der Staat irgendwann meine Bewegungsdaten sammelt, wird man mich nach jedem Wochenende für tot erklären.

Ringo Trutschke

Anmeldung

Da sich offenbar genügend konsumfreudige Besserwisser finden, um einem gewissenlosen Geschäftemacher seine »Bei Stau – Rettungsgasse bilden«-Aufkleber abzukaufen, nehme ich hiermit Gebrauchsmusterschutz in Anspruch für: »Bei Regen – Schirm aufspannen«, »Bei Durst – Kneipe gehen« sowie »Bei plötzlichem Herztod – nichts zu machen« in allen Schreibweisen und Darstellungsformen.

Frank Jakubzik

Rätsel

Wie nennt man chinesische Aristokratentöchter auf Instagram? Mingfluencer.

Dominik Mauer

Rapper!

23 Jahre nach dem lauchigen Larryhit »Ich bin der Picknicker« muss erst ein lauchiger Larry wie ich kommen, um Euch auf die reizvolle Verpimmelhornung »Ich bin der Dickpicer« zu (no homo!) stoßen? Euer Ernst? *micdrop*

Jasper Nicolaisen

Knapp vorbei

Als Herr H. letztens aus einer Laune heraus die Unterpfaffenhofener Kathedrale betreten hatte, unternahm Gott einen erneuten Versuch, Herrn H. zu erleuchten, verfehlte jedoch sein Ziel. Dafür traf er ein paar der zum Altar führenden Stufen und einen Mülleimer, die seitdem mit naseweisen Bemerkungen den Gottesdienst stören. Das Pfarramt hat freilich eine Eingabe gemacht, die jedoch wie stets unbeantwortet blieb.

Tibor Rácskai

Im Radio gehört

Ein 30jähriger steht vor Gericht, weil er seine Eltern »aus offenbar niedrigen Beweggründen« umgebracht hat. Welche Beweggründe werden einem denn anerkannt? Frage für einen Freund.

Meggie Christoph

So gesehen und gehört

Biergarten Aindl im Murnauer Moos. Ein Mann mit zwei exotischen Hunden, die einander stark ähneln, sitzt am Tisch. Ein anderer Gast mustert vom Nebentisch die beiden Vierbeiner japanischer Herkunft: »Is des a Akita?« Hundehalter: »Jo, des is a Akita.« Pause, hundeloser Gast schaut den anderen Hund an: »Des do? Is des a a Akita?« Hundemann: »Jo, des is a a Akita.«

Ekkehard Kaapke

Allergiker

sollten gerade jetzt im Spätherbst, wenn Eichhörnchen und Mäuse wieder ihren Wintervorrat angelegt haben, die heimischen Wälder und Parks meiden. Die Wege dort könnten Spuren von Nüssen enthalten.

Daniel Sibbe

Wer nie sein Brot im Bette aß ...

Warum jemand im Bett Brot essen und so, laut Volksmund, erfahren soll, »wie Krümel piken«, ist mir nie so ganz aufgegangen. Die Gefahr, welche von im Bett abgeschnittenen Fußnägeln ausgeht, allerdings umso mehr: besonders, wenn sie schon seit einer Viertelstunde in der Halsschlagader stecken und man sich vor dem Notarzt wieder schämen muss.

Adrian Schulz

Per Nachfahre

Meine Nachbarin erzählte mir letztens, dass sie immer noch an ihren Mann adressierte Briefe bekäme. Dabei sei der seit vier Jahren tot. In diesem Moment verstand ich endlich die wirkliche Bedeutung des Begriffes »Post mortem«.

Jürgen Miedl

Ersatzdroge

Den Trend der Kirchen beider Konfessionen, in meinem Stadtviertel sonntags nach der Messe einen Kaffeetreff im Pfarrzentrum, bei gutem Wetter auch draußen vor der Kirche, anzubieten, könnte man in leichter Abwandlung eines berühmten Zitats eines atheistischen Großdenkers und scharfen Religionskritikers mit den Worten »Religion ist Koffein fürs Volk« bezeichnen. Immerhin: diese Droge ist weit weniger gefährlich. Wann werden die verirrten Schafe mit ihrer Hilfe endlich aufwachen?

Burkhard Niehues

Sehr kleine Gastronomiekritik

Diese Street-Food-Trucks sind auch nur die Tiny Houses der Restaurantwelt.

Julia Mateus

Kundenbindung

Endlich den nie gelesenen Newsletter dieses Uhrenherstellers abbestellt. Und direkt bestätigt worden, ohne Moment-mal-Klickorgie, Bitte-nicht-Rumgejammer oder Warum-nur-Fragenkatalog. Einfach nur Danke und Tschüs. Da konnte ich nicht anders, als mich direkt wieder anzumelden.

Teja Fischer

Amtlicher Claim

Slogan-Fragment für deutsche Bürgerämter: »Willkommen im Meldorado. Der Ort, an dem Sie uns Ihre neue Adresse geben – und wir sie mit zwei Fingern abtippen.«

Felix Scharlau

Tipp an alle Eltern

Wenn Ihr Kind ein Haustier möchte und es im gleichen Moment nach Ihrem Lieblingstier fragt, weil es vermutlich dann genau dieses als Haustier haben möchte, dann einfach mal das Wort »Schnecke« fallen lassen. Schnecken sind klein und können nicht weglaufen, sie zu füttern dauert nicht lange. Sollen die kleinen Fratze doch Hunde kaufen, wenn sie selbst die Zeit und das Geld dazu haben.

Karina Hentges

Halbe-halbe

Teils schmeichelte es mir, dass zwei hippe, hübsche Mädels im Schwimmbad meine »krass feingestochenen« Waden-Tattoos bewunderten. Teils altersdeprimierte es mich, da es sich schlicht um Krampfadern handelt.

Thorsten Mausehund

Frage

Dad-Joke
des Monats!

Wenn sich im All befindende Astronaut*innen eine Person anhimmeln, schauen sie dann auf sie herab?

Cornelius W. M. Oettle

Auswahl

Vor einiger Zeit sollte ich als Pianist mit einem Geiger ein Benefizkonzert für die Aids-Hilfe Freiburg gestalten. Mein Geiger brachte zur ersten Probe, neben den geplanten Stücken von Mozart, Beethoven und Debussy, ein paar »lockere Stücke« als mögliche Zugaben mit. Von dem Arrangement des Liebeslieds »Bésame mucho« haben wir dann aber doch abgesehen.

Arno Lücker

Kritikkritik

Hotelkritiker mit Hausverbot – Sie können zwar austeilen, aber nicht einchecken.

Karl Franz

Theologische Frage des Monats

Wenn die Dornenkrone Jesu ursprünglich nichts anderes war als ein Taubenvergrämer, damit keiner dieser Höllenvögel sein Nest auf dem Haupt des Heilands errichtet, wie konnte sich dann später der Hl. Geist auf dem Kopfe Christi niederlassen?

Theobald Fuchs

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hallo, Allos-Brotaufstriche!

»Leckere Linsen mit ausgewählten Gewürzen und Gemüse machen den Allos-Linsenaufstrich so besonders lecker« – ist das nicht ein bisschen halbherzig? Macht neben den leckeren Linsen nicht auch das leckere Gemüse Deinen leckeren Linsenaufstrich so besonders lecker? Ja? Nein?

Schluck’s runter.

Darum bittet Titanic

 Kennen, Hagen Hultzsch (FDP Thüringen),

muss Sie natürlich niemand, dennoch hat es uns beeindruckt, dass Sie auf einem Wahlplakat, über das wir im Weimarer Straßendreck gestolpert sind, gewissermaßen prophetisch gefordert haben, den Menschen mehr zuzutrauen. Völlig daneben lagen Sie allerdings mit Ihrem Gruß »Hallo übermorgen«. Das hätte doch wohl treffender heißen müssen: »Hallo vorgestern«!

Kann sich das auch gut als künftigen Gruß an Ihre Partei vorstellen: Titanic

 Platsch, Bestsellerautor Frank Schätzing!

Wie hörten wir Sie jüngst aus dem Radio rausraunen? »Wenn Sie sich einmal in die Politik reinbegeben, verlieren Sie Ihre Freiheit – auch die Freiheit, Dinge auszusprechen. Die Parteistrukturen, in denen Politiker sich von der Pike auf hocharbeiten, sind wie Flüsse, und Sie sind der Kiesel. Sie werden rund geschliffen, ob Sie das wollen oder nicht. Andernfalls kommen Sie ja gar nicht oben an!«

Au weia. Was also, Frank Schätzing, tun? Flusskiesel künftig ungeschliffen lassen, damit sie besser oben ankommen und auf der Wasseroberfläche schwimmen? Strukturen entwässern, damit sie aufhören, wie Flüsse zu sein? Die Pike aus dieser feuchten Metapher nehmen, bevor sie rostet? Ja? Und wenn Politiker dann endlich die Freiheit haben, »Dinge auszusprechen« – was schätzen Sie: Wird das dann so eloquent und bildstark klingen, als hätte es ein gelernter Schriftsteller formuliert?

Übt noch die flüssige Aussprache: Titanic

 Huhu, »Süddeutsche«!

Unter der Überschrift »Lauter Millionäre« gabst Du Arbeitnehmern in Deutschland sieben Tipps, wie sie im Lauf ihres Berufslebens eher 2,8 Millionen als 900 000 Euro brutto verdienen könnten. Neben wertvollen Ratschlägen wie »Berufswahl stellt Weichen«, »Lücken im Lebenslauf kosten«, »Bildung zahlt sich aus«, »Gehalt wächst mit dem Alter« und »Auf die Region kommt es an« heißt es unter »Führungsposten lohnen sich«: »Reichwerden klappt am ehesten, wenn man einen Chefposten ergattert.«

Echt, SZ? Bisher waren wir immer davon ausgegangen, dass man reich wird, wenn man möglichst lange einen subalternen Posten innehat, an dem einem alle anderen sagen, was man zu tun hat: Titanic

 Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Wegen eines technischen Fehlers ist Dein Lambrusco in die Wasserleitungen des Örtchens Castelvetro di Modena gelangt und sodann hellrot und schäumend in einigen Häusern aus den Wasserhähnen geperlt. Der Unfall sei aber »nicht mit hygienischen oder gesundheitlichen Risiken verbunden« gewesen, teiltest Du mit.

So begrüßenswert natürlich im allgemeinen eine Alkoholversorgung aus dem Wasserhahn sein mag, müssen wir doch fragen: Hast Du noch alle Spaghetti im Topf, Kellerei Settevetro? Lambrusco zu verabreichen ist nach Recherchen in unserer famiglia sogar der Mafia zu eklig!

Es grüßt mit einem kühlen Konterbier: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Offener Widerstand

Ohne mein Wissen ist aus der Telefonzelle im Dorf ein beschissener offener Bücherschrank geworden. Aus Trotz gehe ich dort jetzt immer telefonieren.

Ronnie Zumbühl

 Frage nach dem Sinn des Lebens

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Handvoll auserwählter Menschen gibt, denen eine höhere Macht den allgemeinen Sinn des Lebens bereits erläutert hat, aber leider sind das wahrscheinlich allesamt solche »Mich fragt ja niemand!«-Typen.

Cornelius W.M. Oettle

 Wesentlich werden

Neulich im Café bildete ich mir ein, am Nebentisch die Schriftstellerin Karen Duve zu sehen, um dann auf den zweiten Blick zu bemerken, dass es sich in Wahrheit um die Schauspielerin Catherine Deneuve handelte. Meine Hoffnung, es könne sich bei mir in Wahrheit um den Maler Jasper Johns handeln, erfüllte sich allerdings nicht.

Jasper Nicolaisen

 Es gibt nur Innen

Großstädte haben keinen Stadtrand. Es kommt immer noch ein Imbiss, noch eine Baustelle, eine Industriehalle, ein Depot. Geografinnen, Immobilienmakler und Raumplaner starteten Expeditionen, um an den Rand einer Großstadt zu gelangen. Nie sind welche zurückgekommen.

Miriam Wurster

 Pragmatismus

Die Oma einer Freundin pflegte in der Nachkriegszeit, als es nichts zu essen gab, ihren hungrigen Kindern einen pfiffigen Ausweg aufzuzeigen, wie sich die Lust aufs Essen leicht vergessen lasse: »Jetz hauma uns halt as Maul am Tischeck an!« Und tatsächlich ist kaum etwas besser geeignet, den knurrenden Magen zu übertönen, als der Schmerzensschrei nach einer an der Tischkante blutig geschlagenen Lippe.

Tibor Rácskai

Vermischtes

Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 31.03.:

    Der "Spiegel" befragt TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen zu Corona als Gegenstand von Satire. 

  • 30.03.:

    "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt ist Buchtipp bei radioeins, die erste Lesung dazu gibt es hier. Auch MDR-ARTOUR stellt das Buch vor. Einen weiteren Livestream gibt es ab dem 1.4. jeden Mittwoch um 19 Uhr.

  • 13.03.:

    Stefan Gärtner in der "Jungen Welt" über Lutz Seiler.

     

  • 07.03.:

    Über den internationalen Frauentag schreibt Mark-Stefan Tietze in der Taz.

  • 06.03.:

    Der "Focus" berichtet darüber, wie TITANIC als "Tesla-Europabüro" die Bürger von Grünheide über die geplante Giga-Factory von Elon Musk aufklärte.