Vom Fachmann für Kenner | Dezember 2013


Lebenshilfe

Ein Tip für alle, die Schwierigkeiten damit haben, Berufliches und Privates zu trennen: Be-ruf-li-ches, Pri-va-tes.

Piers Trepper

Geschäftsidee

Das Stadtmagazin »Nix los!« hilft Event-Verächtern zu einem ruhigen Abend. Es listet nur Orte auf, die garantiert eventfrei sind. Zur Auflagensteigerung verleiht das Magazin einen Preis an einen Unbekannten, der die Welt mit seiner potentiellen Prominenz verschont. Er wird natürlich namentlich nicht erwähnt.

Jonny Rieder

Schicksal

Es macht mich wütend und traurig, erleben zu müssen, wie ich nach über zehn Jahren vorsorglicher Schönheitsdepression mit Mitte zwanzig ausgerechnet Lachfalten bekomme.

Manuela Kaindl

Große Freiheit

Wenn ich in Hamburg bin und noch etwas Zeit bis zur Abfahrt meines Zugs habe, gehe ich am liebsten in die Schnellimbißbude über der nördlichen Fußgängerbrücke. Da kaufe ich das billigste Getränk, setze mich ein paar Stunden auf einen der sehr bequemen Hocker und beobachte das Ein- und Ausfahren der Züge. Manchmal beobachte ich auch den Zug, mit dem ich eigentlich fahren wollte. Ich sehe ihn einfahren, sehe, wie die Leute ein- und aussteigen, gebe innerlich das Signal zur Abfahrt – und der Zug fährt dann auch tatsächlich ab. Das gibt mir ein prima Gefühl von Freiheit. Wer bin ich denn, daß ich mit dem Zug fahren müßte, den ich mir zuerst ausgesucht hatte? Hier fahren viele Züge, das sehe ich doch. Manchmal fahren sie auch dorthin, wo ich hinfahren will. Die meisten fahren aber ganz woandershin. Manchmal nehme ich dann einen Zug, der ganz woandershin fährt. Das gibt mir ein prima Gefühl von Freiheit. Spätestens in Bremen oder Hannover ist dann meistens Schluß. Da muß ich dann aussteigen, weil der Schaffner das so will, aber meistens will ich das dann auch. Ich muß nicht bis zur Endstation durchfahren. Manchmal warten in Bremen oder Hannover schon zwei Beamte, die mich freundlich empfangen und mitnehmen. In deren Büro gibt’s meistens Kaffee, auf jeden Fall aber kaltes Sprudelwasser. Außerdem sind die Beamten immer zu einer anregenden Unterhaltung über rechtliche und philosophische Themen aufgelegt. Da verstehen sie aber leider nicht soviel von. Die Beamten merken das dann auch immer ganz schnell und schicken mich weg. Das gibt mir ein prima Gefühl von Freiheit.

Ludger Fischer

Kurzweilig

Wenn sie ein gutes Kurzzeitgedächtnis hat – und das bedeutet, ein gutes Gedächtnis für kurze Zeiträume –, dann wird sich die Dame von gestern an unseren One-Night-Stand lange erinnern.

Frederik Moche

Vielleicht schon

Prosagedicht

Wenn man zuerst eine Gewürzgurke ißt
und später eventuell einen Müsliriegel,
Dann ißt man ein Corny vielleicht,
und eine Corni schon.

Christian Kroll

Kinderauge

Bei einer Burgbesichtigung hörte ich, wie ein junger Vater seinem vielleicht zweijährigen Kind erklärte, daß manche Bäume ihre Blätter früher verlieren und manche später. Plötzlich mischte sich die Mutter ein: »Weißt du, woran man erkennt, daß es richtig Herbst ist?« Das Kind antwortete nicht, aber seine Augen schienen zu sagen: »Woher soll ich das wissen, ich habe doch erst einen Herbst wirklich erlebt!«

Uwe Geishendorf

Seniorenservice

Navigationsgerät für den Treppenlift.

Günter Flott

Rohreime

Seit Wochen spukt mir ein Doppel-Schüttelreim im Kopf herum, vier Zeilen! D.h.: nicht in seiner Endform, aber immerhin Personal und Requisiten sind schon da. Die Hauptfigur ist der 2005 verstorbene SPD-Politiker Peter Glotz. Schwer verschnupft, mit zwei riesigen »Rotzglocken« unter der Nase, sitzt Glotz im Wartezimmer seines Arztes, wo er mit einer jungen Frau ins Gespräch kommt. Stellt sich heraus: Die Dame möchte eine Band gründen. Und mit wem möchte sie das? Richtig: mit Peter Glotz selbst; sie will mit niemand anderem als mit »Glotz rocken«. (Spoiler-Alarm: Die Dame hat eine Selbstladepistole in ihrem Strumpfband. Bitte behalten Sie das im Hinterkopf, denn der Markenname dieser Waffe wird reimtechnisch noch eine wichtige Rolle spielen.) Inzwischen hantiert Peter Glotz auffällig mit einem Handspiegel, der ihm angeblich auf den Boden gefallen ist. Warum dies? Erklärung: Der renommierte Staatsmann ist heimlicher Voyeur, immerzu will er Frauen unter den »Rock glotzen«! Auch dieser! Da ist er aber natürlich an die Falsche geraten: Gnadenlos zieht die Fast-Ausgespähte ihre Pistole und hält sie Glotz vor die heillos verschnupfte Nase. Was tun? Wie soll der ertappte Glotz sich verteidigen? Er hat doch nichts, kein Klappmesser, keine Steinschleuder, nix, nicht einmal ein Taschentuch… doch halt! Hat er nicht wenigstens – sein Nasensekret? Ja, das könnte klappen! Er muß seinen Schleim einsetzen, er muß der Dame auf die Waffe niesen, er muß seine ganze Zielfertigkeit zusammennehmen und der Frau punktgenau auf die »Glock rotzen«!

Soweit die Handlung. Spätere Verfilmung durch Til Schweighöfer nicht ausgeschlossen. Aber wer in Dreigsellasnamen staucht mir diesen umständlichen Quatschplot auf vier Zeilen zusammen? Heiliger Gernhardt, hilf!

Michael Ziegelwagner

Typo

Selbst unter Grafikern ist nur den ausgefuchstesten Spezialisten bekannt, in welcher Schrift das »I.N.R.I.«-Schild am Kreuze Jesu gesetzt war: in der Times Roman nämlich.

Theobald Fuchs

Rasch

Es raschelt. Sie raschelt. Die Frau mit der Tasche raschelt. In der Tasche hat sie eine Plastiktüte, so eine dünne vom Obststand, darin weitere Plastiktüten, große und kleine. Alles raschelt. Die Tüten, die Tasche, die Frau. Alles raschelt, weil sie etwas sucht. Sie sucht in der großen Tüte nach anderen Tüten. In einigen schaut sie genauer nach, berührt sie raschelnd, öffnet und schließt sie raschelnd, vergewissert sich raschelnd, entknotet und verknotet raschelnd. In der letzten Tüte findet sie raschelnd endlich, was sie raschelnd suchte: eine Scheibe Knäckebrot.

Peter P. Neuhaus

Zum Aufhängen

Eine Gruppe Jugendlicher stürmte meinen Zug, und einer der Halbstarken, seine Jacke hochhaltend, fragte laut und quer durch das Abteil: »Gibt’s einen Haken?«
Es muß der Montagmorgen-Stimmung geschuldet gewesen sein, daß mich sofort ein einziger Gedanke durchschoß: »Ganz bestimmt! Den gibt’s doch immer!«

Alexander Waldhelm

Von wegen barrierefrei

Ich warte immer noch auf Autokennzeichen in Blindenschrift.

Wolfgang Beck

Theorie aus einer Praxis

Es kann peinlich werden, wenn man im Rahmen der Anamnese einen von heftigem Tremor geschüttelten Parkinsonpatienten fragt, ob er »Zucker« habe.

Tina Wirtz

Subtile Rache

Der Truthahn heißt im Englischen turkey, zu deutsch: »türkischer Hahn«, obwohl es vor der Entdeckung Amerikas im Osmanischen Reich kein solches Tier gegeben haben kann. Im Türkischen wurde das englische Wort jedoch nicht einfach übernommen, dort heißt das Tier vielmehr hindi; wahrscheinlich, um den Amerikanern das Thanksgiving zu versauen, da fast alle Hindus an die Reinkarnation glauben und es nichts Unappetitlicheres gibt, als zu Thanksgiving darüber nachzudenken, ob man nicht vielleicht doch gerade die kürzlich verstorbene Tante verspeist.

Benjamin Bäder

Ray Charles

Das wahre Ausmaß von Ray Charles’ Genie wurde mir erst bewußt, als ich versuchte, mit Sonnenbrille Klavier zu spielen.

Bodil Schwerer

Tagwerk

Oma Grete, die weder meine Oma war noch Grete hieß, aber von allen Hausbewohnern so genannt wurde, hatte die Angewohnheit, sich an schönen Tagen im Hof aufzuhalten. Da saß sie dann auf einem Küchenstuhl, den kleinen Hund auf dem Schoß, und wartete. Der Hof war nicht mehr als ein am unteren Ende asphaltiertes, fünfstöckiges, quadratisches Loch, das aus dem Häuserblock herausgestanzt worden war und in dem die Mülltonnen an meinem Fenster vorbei gen Himmel stanken. Gegen Mittag verirrte sich mitunter ein Sonnenstrahl hinein. Dann faltete Grete ihre faltigen Hände über der Brust, und Hund wie Mensch hoben die Köpflein und ließen sich stumm genießend von der Sonne wärmen. Die übrige Zeit vertrieb sich Grete damit, Brotkrümel aus den Taschen ihres Kittels zu pulen und den Tauben hinzuwerfen, die, mißtrauisch äugend, oben auf den Dachrinnen hockten. Sie hatten auch allen Grund, der Sache nicht zu trauen, denn sobald sich eine herabließ, stürzte sich Gretes kleiner Hund kläffend auf den Vogel. Am frühen Abend dann sammelte Grete ein, was die Tauben nicht erwischt hatten, steckte es in ihre Kitteltaschen und trug den Stuhl zurück in ihre Tiefparterrewohnung. Dabei sah sie immer sehr zufrieden aus, und wenn man sie in diesem Moment fragte, wie es ihr gehe, sagte sie stets: »Oj, Mensch muß Arebeit, sunst kapputt!« Wer wollte daran zweifeln?

Tibor Rácskai

Geographie nach Brecht

Duisburger sollten bedenken: Erst kommt Essen, dann der Ural!

Peter Mühlendahl

Freierabend

Es gibt eine große Anzahl von Freiern, die bereit sind, für sogenannten Girlfriend-Sex (der zärtliches Kuscheln einschließt) etwas mehr zu bezahlen; andererseits gibt es da auch die breite Mehrheit, die das weniger liebevolle Standardprogramm bevorzugt. Eine ganz spezielle Sorte von Freiern sind allerdings die, die zwar den Aufpreis für den Girlfriend-Sex bezahlen, ihre »Freundin« aber dann doch wie eine Nutte behandeln wollen.

Raphael Dillhof

Empirie des Säens

Wer bei Sturm sät, wird höchst unregelmäßige Wuchsformen ernten.

Sebastian Klug

Oh, wie schreibt sich das?

Immer wieder liest man davon, die im Deutschen noch heute gebräuchliche Buchstabiertafel sei von den Nazis bereinigt worden: So sei der wenig arisch anmutende »Samuel« eben dem »Siegfried«, »Nathan« dem »Nordpol« gewichen usw. Ich verwende daher schon seit längerem eine unverfänglichere Buchstabiertafel: das Tourette-Alphabet. »Gestatten? Baborka, mein Name! Blödmann, Arschloch, Blödmann, Ochse, Rotze, Kacke, Arschloch! Wie man’s spricht!«

Christoph Baborka

Warnsignal

Auf einem Privatsender lief wieder einmal eine Dokumentation über eine dieser total versifften Messiebuden. Das brachte mich zu dem Entschluß, doch demnächst etwas Ordnung in dem Chaos meiner Wohnung zu schaffen; denn, offen gestanden, war mir gar nicht aufgefallen, daß sich zwischen meinen Zeitungsstapeln ein Kamerateam bewegt hatte.

Helge Möhn

Christliche Werte

St. Martin wird aus Rücksicht auf andere Religionen umbenannt in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest, die demographische Entwicklung wird die restlichen christlichen Traditionen auch noch zu Fall bringen, aber: Ich weiß nicht, ob ich die Abschaffung von Weihnachten nicht doch ein bißchen gut finden werde. Erstens käme ein bestimmter Song dann nicht mehr aus jedem Lautsprecher – und zweitens erführe sein Titel, »Last Christmas«, eine ganz neue Bedeutung.

Sebastian Dingler

Zugabe

Jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit fahre ich an einem Gebäude vorbei, an dem ein großes Schild hängt, auf dem steht: »Meister Buntschmied – Mehr als nur ein Maler!« Und jedes, wirklich jedes Mal denke ich: Ja – zwei Maler, oder was?

Florian Schußmann

Die Eitelkeit des Brillenträgers

All jenen, die mir immer mal wieder eine unauffälligere Sehhilfe empfehlen, sei gesagt: Ich verkaufe meine Schönheit doch nicht für ein Kontaktlinsengericht!

Mark-Stefan Tietze

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kurze Frage, »Taz«!

»Als er im Juli 2014 ankommt, spricht der Syrer Tarek Saad kaum Deutsch«, lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Und weiter: »Heute ist er deutscher Staatsangehöriger und überzeugter Sozialdemokrat.«

Sollte man, Taz, nicht vielleicht auch mal über Beispiele geglückter statt immer nur missglückter Integrationsbemühungen berichten?

Nur soʼn Gedanke von Titanic

 Je nun, Markus Feldenkirchen (»Spiegel«),

in einem als »Kolumne« bezeichneten Beitrag versichern Sie, dass Sie in den Siebzigerjahren »größtenteils noch nicht geboren« gewesen seien. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass es Ihr Kopf wenigstens noch im Laufe unseres Jahrzehnts auf die Welt schafft.

Mit Mitgefühl für Ihre Mutter: Titanic

 Aber, »Bild«,

wo bleibt denn Deine Liebe zum blutrünstigen Detail? Bei Deiner Schlagzeile »Deutsche Fleischindustrie hackt auf Bill Gates rum«: da will man doch wissen, was schließlich draus geworden ist! Koteletts? Nackensteaks? Halb und halb?

Leg Dich gehackt! Titanic

 Als Sie, Tom Bartels,

Als Sie, Tom Bartels,

im Rahmen der Übertragung des Fußballspiels Mönchengladbach gegen Dortmund an den noch nicht lange zurückliegenden Winter erinnerten und die Worte aussprachen: »Witterungsbedingt lag auch hier Schnee«, haben wir diese Aussage zunächst reflexhaft als Bartels-gängiges gedankenloses Wortgestöber beiseitegefegt, dann aber, bei vorurteilsfreiem Nachdenken, erkannt, dass Sie natürlich nachgedacht hatten: Schließlich ist es angesichts von Kunstschnee, Kunsteis, Kunstrasen und anderen Erscheinungen des künstlichen Gegenwartssports durchaus richtig, dem Publikum zu erklären, dieses Mal habe es ausnahmsweise witterungsbedingt geschneit. Schnee von gestern? Na dann.

Guten Rutsch: Titanic

 Sie hingegen, Thomas de Maizière,

haben der FAS ein sehr, sehr langes Interview gegeben. Zusammen mit einem alten Spezi aus der Wirtschaft (»mächtigster Aufsichtsrat der Republik«) bramarbasierten Sie über »kluge Führung und die Einsamkeit der Macht«.

Erwartbar bullshittig ging es um »Teamfähigkeit«, »flache Hierarchien« und »sein volles Potential« nutzen. Aber auch darum, »sich nicht zu wichtig zu nehmen«, um »Selbstreflexion« und ein beachtliches »Der Chef ist immer der Chef. Da beißt die Maus keinen Faden ab« aus Ihrem Munde.

Die interessantesten Sätze in diesem mit interessanten Sätzen wahrlich nicht gesegneten Gespräch waren die, als Sie zu selbstreflexiver Hochform aufliefen. Bei der Frage nach Auswahlmechanismen für höhere Ämter fiel Ihnen ein: »Es kommt auf die Konstellation an: Man muss im richtigen Moment verfügbar sein, aus dem richtigen Landesverband kommen, die richtige Härte haben, die eigene Partei muss obendrein in einer Koalition das passende Ressort ergattern. Andererseits wird kein kluger Kanzler, keine kluge Kanzlerin irgendeinen Esel zum Minister machen.«

Sind Sie sich da ganz sicher?! Und warum ist Ihnen das gleich dreimal passiert?

In jeder Hinsicht ministrabel: Team Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bleaching Lounge

Professionelle Zahnreinigung frischt nebenbei auch das Gehirn auf. Durchhängende lange Leitungen straffen sich durch die Vibrationen, Kratzgeräusche schleifen die Synapsen blank. Ich kann anschließend schwierige mathematische Aufgaben lösen, Quittungen den Kontoauszügen zuordnen etc. Deshalb erwäge ich, mir ein kleines Dentallabor mit verstellbarem Sessel und einigen Geräten anzuschaffen, inklusive automatischem Desinfektionmittelzerstäuber. Dorthin begebe ich mich morgens nach dem Kaffee etwa für fünfzehn Minuten und lasse die Geräte walten. Danach bewältige ich den Alltag mit Verve. Ich denke, nach einem Jahr dürfte ich die Investition wieder raushaben.

Miriam Wurster

 Die Zukunft der Arbeit

In der Schlange beim Bäcker schweifen die Augen zum lauten Schild: »Unser Service! Wir schneiden Ihr Brot für Sie!« In der Trägheit der verwarteten Zeit zerstreute Anagrammarbeit: Wir schneiden Sie für Ihr Brot – albern. Allerdings: Ihr Service für uns! Sie schneiden unser Brot – das wird noch kommen, auf jeden Fall.

Nis Jasper Nicolaisen

 Klar getrennt

Anlässlich einer kulinarischen Facebook-Debatte über sog. »Weiße Nieren« bzw. »Prairie Oysters« bemerkt: Stierhoden, die es auf den Teller geschafft haben, sind nicht nur keineswegs »Innereien« – denk mal nach, Wikipedia! –, der Begriff ist insgesamt irreführend. »Ochsenhoden« muss es heißen. Ausnahme: Es hängt beim Essen noch der Stier dran.

Michael Ziegelwagner

 Es war nicht alles gut

Als kleine Gruppe Enddreißiger mit DDR-Hintergrund diskutierten wir über die im Vergleich zu heute wahnwitzig scheinende Sorglosigkeit, mit der Eltern in dem untergegangenen Staat ihre Kinder großzogen. Beispielsweise sei es völlig normal gewesen, dass unsere Mütter, wenn sie kurz in die Fleischerei gingen, uns Babys samt Kinderwagen unbeaufsichtigt vor dem Laden stehen ließen – und hat’s uns geschadet?! Nun gut, wandte jemand in der Runde ein, er erinnere sich an die Geschichte eines bei solcher Gelegenheit gekidnappten Säuglings; worauf eine Freundin erzählte, dass auch sie und ihr Zwillingsbruder einmal Opfer einer versuchten Entführung geworden seien und die verwirrte Täterin erst Hunderte Meter vom Geschäft entfernt aufgegriffen wurde. Nach kurzem Schweigen waren wir uns dann aber doch einig, dass man es mit dem ständigen Behüten auch übertreiben könne!

Torsten Gaitzsch

 Gebongt

Mein Plan ist es, einen Roman zu schreiben, den man auch mit Kassenbons nachstellen könnte. Inspiriert wurde ich von meinem letzten Einkauf, und der Anfang steht auch schon:

Hass
DuDa
Gemüse-Auf
Dent
Ohren-?

Nun brüte ich zwischen Avocados und Ohrstöpseln nach Dusch-Das duftend bei einem Gemüse-Auflauf über dem zweiten Satz. Fortsetzung folgt nach dem Zähneputzen!

Tina (Arno Schmidt) Manske

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURMax Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!
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Das schreiben die anderen

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

  • 24.03.:

    Christian Y. Schmidt erinnert in Junge Welt an Hans Kantereit.

  • 08.03.:

    Die Frankfurter Rundschau hat in Frankfurt eine Open-Air-Performance der "Volksbühne Berlin" gesehen – alle Details zur Theater-Kooperation mit TITANIC in der bald erscheinenden Aprilausgabe.

     

  • 25.02.:

    Die Junge Welt bespricht Christian Y. Schmidts "Corona Updates Bejing".

  • 23.02.:

    Spiegel und Faz berichten über das Comeback von TITANIC im Google Play Store. Mit netzpolitik.org hat Moritz Hürtgen darüber gesprochen.

Titanic unterwegs
21.04.2021 Köln, Gloria Theater Max Goldt
23.04.2021 Hannover, Pavillon Max Goldt
24.04.2021 Leer, Kulturspeicher Max Goldt
25.04.2021 Norden, VHS Max Goldt