Vom Fachmann für Kenner | April 2010


Gedanken an der Nudeltheke

Wenn Nudeln und Pasta dasselbe sind, bedeutet dann »Nudeln al dente« Zahnpasta?

Torsten Gaitzsch

Nichts ist unmöglich

Auf der Autobahn hänge ich mich gerne an lichthupende Drängler, die die linke Spur für mich freiräumen. Bisher waren verspoilerte 3er-BMW oder GTIs älteren Baujahres die Favoriten. Aus gegebenem Anlaß schule ich gerade auf Toyota um.

Stefan Preuss

24/7

Daß mein Freund seiner Arbeit an der Rezeption eines gehobenen Hotels wohl schon zu lange nachgeht, wurde mir erst bewußt, als er mich an seiner Wohnungstür mit den Worten »Vielen Dank für Ihren Besuch, und beehren Sie unser Haus bald wieder mit Ihrer Anwesenheit« verabschiedete. Seither beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl, wenn ich an das nächste Saufgelage bei ihm denke. Muß ich damit rechnen, daß er mir nach durchzechter Nacht, die üblichen Sprach- und Gleichgewichtsstörungen eingeschlossen, die Frage stellt: »War auch alles zu Ihrer Zufriedenheit?«

Andreas Flamme

Wieder zurück

Tip für die Anmache des hübschen Barmannes, der im Café an der Espresso-Maschine wie ein Verrückter einen Cappuccino nach dem andren zaubert: Einfach bei der Bedienung einen dieser Cappuccinos bestellen und dem Barmann zurückbringen lassen. Wenn er dann auf die Worte: »Hier, der ist von der Dame am Tisch da drüben!« fragend und vielleicht etwas verstört rüberschaut, gönnerhaft zwinkern. So was sieht man sonst nur in Filmen! Und selbst da eigentlich nicht.

Monika Stadler

Das Spiel des Lebens

Wer hat es nicht als Kind gespielt und damals schon todlangweilig gefunden? Das liegt an der Lebensferne des Spiels. Hier meine Verbesserungsvorschläge an Parker: Die rosafarbenen Stifte sollten so lange am Fahrstil der hellblauen Stifte herummeckern, bis die hellblauen Stifte die rosafarbenen Stifte auswechseln, was teuer wird. Die kleinen Stifte müßten erst schreien und stinken, dann rülpsen und fluchen und am Ende das Auto kaputtfahren, worauf die Versicherung den Schaden nicht übernimmt. Ach ja, und die Geldscheine müßten permanent zu knapp sein. Das Ganze dann bitte »Das wahre Spiel des Lebens« nennen.

Anna Leuschner

Generation F7

Heute versucht, in einem handgeschriebenen Text ein Wort mit der Word-Synonymfunktion zu ersetzen. Danach entschieden, zu fortgeschritten für die analoge Welt zu sein.

Iris Meyer

Bestbesetzung

Als ich den Abspann des Filmes »Gelübde des Herzens« auf SWR näher betrachtete, kam ich um den Satz »Das liest sich ja wie das Who is Who der No-Name-Schauspieler« nicht herum.

Hauke Prigge

Start up

Für folgende Geschäftsidee benötige ich noch Investorenkapital: Ich beabsichtige, neben dem portugiesischen Restaurant »Casa Manuel« ein Restaurant mit dem Namen »Casa Automatic« zu eröffnen. Dürfte ein Selbstläufer werden.

Heinz Silies

Tempora non mutantur

Überraschenderweise klingt das schreiende Baby in der Wohnung über mir ziemlich genau so wie sein Zeugungsakt vor zehn Monaten.

Volker Surmann

Sauerei

Mein Metzgermeister hat an seiner Verkaufstheke schon seit Jahren einen Aufkleber mit dem Spruch »Wurstesser sind bessere Liebhaber«. So etwas kann einen ganz schön runterziehen, wenn man seine Freundin gerade an einen Veganer verloren hat.

Uwe Becker

Danke, Oma

»Das sage ich dem Schutzmann, der wird euch Mores lehren…« Mit diesem Satz meiner verstorbenen Großmutter, Jahrgang 1900, halte ich die extrem frechen Kinder meiner Nachbarin in Schach. Denen habe ich erzählt, das wäre ein Zauberspruch von Harry Potter.

Christian Dahlenburg

Geheimer Klopfcode

Als ich mein Diplomzeugnis bei der TU Berlin abholen wollte, hatte ich eine falsche Öffnungszeit des für mich zuständigen Sekretariats im Kopf; es war geschlossen. Wo ich nun aber schon mal da war, klopfte ich trotzdem – »Tok tok«, wie man halt so klopft; vielleicht war ja jemand drin. Es dauerte auch nur einen kurzen Moment, da öffnete sich die Tür und ich stand einer wutschnaubenden Sekretärin gegenüber. Eingeschüchtert trug ich mein Anliegen vor, wobei ich mich gleichzeitig dafür entschuldigte, außerhalb der Öffnungszeiten erschienen zu sein. Die zornige Antwort der Sekretärin: Sie habe die Tür nur geöffnet, weil sie dachte, ich sei ein gewisser Student, der telefonisch einen Termin außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart hatte. Ich aber hätte das für ihn reservierte »geheime Klopfzeichen« benutzt, und so dachte sie, ich sei er! Auf meine Bemerkung, sie müsse sich dann wohl einen raffinierteren Klopfcode überlegen, reagierte sie nicht. Immerhin übergab sie mir mein Zeugnis, eisigen Blickes. Gratuliert hat sie mir nicht.

Stefanie Enneper

Selbstversuch

Da saß ich also schwer angetrunken zu Hause herum und überlegte, wie ich mir aus dem zu erwartenden Filmriß einen Spaß machen könnte. Ich schrieb auf die Rückseite meiner immer offenstehenden Wohnzimmertür: »Wir kriegen dich!«. Beim Staubsaugen, zwei Wochen später, bin ich dann doch gehörig erschrocken. Versuch gelungen.

Christof Gahrtz

Zielgruppenwerbung

Nazis sind eine von der Werbung vernachlässigte Zielgruppe, die man in Zeiten der Wirtschaftskrise und im Interesse der Konsumsteigerung nicht vergessen darf. In diesem Sinne möchte ich dem IKEA-Konzern einen Slogan anbieten, um ihn in national befreiten Zonen auf großformatige Plakate drucken zu lassen: »Das Billy-Regal: So was hätte man im Dritten Reich an die Wand gestellt!«

Björn Högsdal

Gute Nacht!

Nachdem in München inzwischen nicht nur »Die lange Nacht der Museen«, »Die lange Nacht der Musik«, »Die lange Nacht des Tanzes«, die »Blade Night« sowie ein Dutzend anderer Themennächte vorübergegangen sind, schlage ich den Nachtaktiven vor, es zur Abwechslung mal mit einer langen Nacht des Schlafes zu versuchen, oder, wenn Sie partout nicht stillhalten können, dann eben mit einer langen Nacht des Sie-wissen-schon. Kann auch sehr lehrreich sein.

Tibor Rácskai

Beleidigen 2.0

Deine Mutter kommentiert doch auf Youtube!

Thea Unangst

Fairständnisfrage

Der Antwort auf die alte Frage, warum die Banane krumm ist, bin ich jetzt nähergekommen; ist sie doch heutzutage in der Regel fairtrade.

David Duijkers

Das gute Leben mit der digitalen Generation

Wenn junge Studenten in die von alten Bildungsbürgern verlassenen Nachbarwohnungen ziehen, hat das den Vorteil, daß in der Papiermülltonne endlich immer Platz ist.

Tim Wolff

Wälsungenblut

An einem durchschnittlichen Samstagabend sitzen mein Bruder und ich, rauchend und an Longdrinks nippend, in der Lounge eines Clubs. Aus dem Nichts erscheinend, kniet sich ein Mann vor uns hin. Hektisches Umschauen, gefolgt von einem offensiven Kinn-Nicken in unsere Richtung: »Seid ihr ‘n Paar?« – »Nee, Geschwister.« – »Ja, äh, nee, dann lieber doch nicht.« Und verschwindet.

Margaux Jeanne Erdmann

Nicht fürs Finanzamt

Die Behauptung meiner Neider und Feinde, ich kontrollierte im Halbstundentakt das sog. Amazonranking meiner übrigens sehr schönen Bücher, ist nicht nur unverschämt, sondern, mit Adorno zu reden, von »einfacher Unwahrheit«: Ich kucke im Halbminutentakt und war kürzlich hellauf entsetzt, als meine neue und übrigens sehr schöne »Offenbacher Anthologie« von einem zum anderen Kucken vom passablen Verkaufsrang 476 auf desaströse 65375 gefallen war. Zwar kam dann heraus, daß ich versehentlich beim Kontostand gelandet war, aber ein Schock war’s natürlich trotzdem.

Thomas Gsella

Mathe zur Nacht

Als Einschlafhilfe nutze ich neuerdings die Digitalanzeige meines Radioweckers, indem ich die dort aufleuchtenden Rechenaufgaben löse, wie z.B. 22:53 oder 23:17. Die Methode funktioniert, hat jedoch den Nachteil, daß ich morgens bei eingeschalteter Nachttischlampe inmitten von bekritzelten Zetteln aufwache.

Thorsten Mausehund

Korrektur

Nachdem mein Auto mich mit diversen Pannen und Werkstattbesuchen des öfteren zum Fußgänger degradiert hat, habe ich beschlossen, es umzubenennen: VW Passant.

Helge Möhn

Das einfache Geschlecht

Im Rahmen meiner privatwissenschaftlichen Untersuchungen habe ich in den letzten Wochen 20 Männer mit dem medizinischen Faktum konfrontiert, daß die Wahrscheinlichkeit, an Blasenentzündung zu erkranken, umgekehrt proportional zur Länge der Harnröhre ist. Zwei Probanden wußten nicht, was »umgekehrt proportional« bedeutet. Die anderen 18 vertraten die wenig überraschende Meinung, ausgesprochen gut geschützt zu sein.

Andrea Maisy

Faktscanner

Ich: »Könnten Sie die Tomaten von dem Schinkenbrötchen nehmen?« – Bäckerin: »Kann ick. Sie mögen wohl keen Jemüse, wa?« – Ich: »Och, es geht so.« Kurze Pause. Bäckerin (kritischer Blick): »Aber junges Jemüse mögnse schon, wa?« Schnauze, Berliner Schnauze!

Gerrit Pohl

Was Frauen dürfen

In der losen Serie »Dinge, die nur Frauen dürfen« möchte ich heute von einem Erlebnis in einem Berliner Lokal berichten. Wir standen dort als kleine gemischtgeschlechtliche Runde herum und nahmen alkoholische Getränke zu uns. Es war schon spät und ich mußte gähnen. Dummerweise tat ich das, ohne mir die Hand vor den Mund zu halten, was die Freundin einer Freundin offenbar als Ausdruck von Langeweile interpretierte. Vermutlich empfindet sie gelangweilte Menschen in ihrer Gegenwart als Beleidigung, jedenfalls schüttete sie mir aus ihrem Glas in hohem Bogen Rotwein in meinen sperrangelweit offenen Mund. Dabei sprach sie streng: »Hör auf zu gähnen!« Ich war und bin bis heute völlig perplex und voller Bewunderung angesichts ihrer Geistesgegenwart und schier unglaublichen Zielgenauigkeit: daß der Wein nämlich tatsächlich in meinem Mund und nicht in meiner Nase, meinen Augen oder meinen Haaren landete. Diese akrobatische Leistung würde ich zu gern noch einmal in Zeitlupe sehen.

Steffen Brück

Jetset

Ein Kreditkartenbetrüger hat sich meine Daten unter den Nagel gerissen und damit allerhand Unfug angestellt. Laut der Buchungen muß er sich innerhalb eines Tages in Ägypten, Brüssel und Istanbul aufgehalten haben. Damit führt er ziemlich genau das Leben, das ich immer habe führen wollen. Immerhin: mit meinem Geld.

Friedrich Krautzberger

Der Sommer-Spartip

Spinnweben: das Fliegengitter des kleinen Mannes.

Thomas Tonn

Echt passiert!

Ist man als Jude unterwegs, wähnt man sich häufig verfolgt. So war’s auch mit Lufthansaflug 215 ab Berlin-Tegel. Der Schweiß trat mir auf die Stirn, als es gleich nach dem Anschnallen aus den Bordlautsprechern säuselte: »Flugkapitän Demjanjuk und seine Crew wünschen Ihnen eine angenehme Reise«. Bin dann aber doch unbehelligt in München angekommen.

Holger Christoph

Wartezeit

An der Terminvergabekompetenz meiner Hausärztin kamen mir erste Zweifel, als ich in ihrem Wartezimmer zwischen den Zeitschriften »Der Medicus«, »Der Schatten des Windes« und »Die Säulen der Erde« entdeckte.

Cornelia Borg

Strassenpflege

Alte Autobahnen sehen aus wie neu, wenn man sie im Winter nicht streut, sondern peelt.

Tanja Hötzle

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Und Du, hyperaktives Berlin,

hast Dich bei der Entwicklung Deiner neuen Werbekampagne mal wieder nicht richtig konzentriert. Denn sonst wäre Dir doch sofort aufgefallen, dass in dem Motto »Berlin. Auch das« glatt das »noch!« fehlt.

Sieht genau hin: Titanic

 Kuckuck, Daniel Kehlmann!

Von der »Sprengkapsel des Infektionsschutzgesetzes«, das wie eine »Bombe« in »unser Gesetzeswerk« eingelassen sei, faselten Sie unlängst bei denen von der »Welt« und kritisierten wieder einmal die Corona-Maßnahmen aus Angst um Ihre Freiheitsrechte. Immerhin sei eine Sterberate von 0,5 Prozent nun mal nicht die Cholera.

Und trotzdem mussten Sie, Herr Kehlmann, all das durchstehen: Da haben Sie sich in ein »ganz kleines Haus« in Montauk eingemietet, vorher einen »großen Fernseher« und eine Playstation gekauft und ausgeharrt. Ja Himmel, ist das denn überhaupt noch ein Leben? Überdies würden Sie sich in der westlichen Zivilgesellschaft nie wieder so sicher fühlen können wie früher. Was, man ahnt es, nicht das Virus und dessen Gefahren meint.

Aber was auch immer die Zukunft bringen mag, Herr Kehlmann: Wir wissen nun immerhin, dass wir uns im Falle erneuter Klopapierengpässe den Hintern guten Gewissens mit Ihren Büchern abwischen können.

Danke dafür: Titanic

 Oskar Lafontaine, alter Gourmet!

Sie waren Gesprächsgast bei der Vorstellung des neuen Sarrazinbuches über irgendwas mit Flüchtlingen und Ausländern, deren Aufenthalt in Deutschland auch Ihnen nicht behagt. Denn schließlich, so sagten Sie, sei es wenig sinnvoll, einen von hundert hungernden Menschen ins »Feinschmecker-Lokal« einzuladen, wenn die dortige Rechnung allemal dafür ausreiche, allen Betroffenen Brot zu geben.

Wohl wahr! Allerdings machte es Ihnen niemals etwas aus, in Feinschmecker-Lokale, Fünf-Sterne-Hotels, Privatjets und Luxus-Fincas eingeladen zu werden, auch wenn die Rechnungen dafür ausgereicht hätten, die ganze Wählerschaft der Linkspartei mit Brot für Jahre auszustatten.

Aber was sollten die damit auch anfangen, nicht wahr? Die können ja schließlich auch Kuchen essen!

Schenkt Ihnen immer gerne ein: Titanic

 Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Im »Focus« wurden Sie – Guts-Chefin Bettina, Ehemann und DFB-Präsident Fritz Keller sowie Ihre drei Söhne – in der Reihe »Generationengespräch« über dies und das befragt, und was ein leidlich als Journalismus getarntes Alkoholwerbefeature hätte werden können, explodierte gleich zu Beginn derart, dass man glauben konnte, man läse das Transkript einer durchschnittlichen Maischberger-Sendung.

»Herr Keller, sind Sie auch Patriarch?« hob der Interviewer an, worauf es aus Ihren Mündern u.a. schallte: »Wer? Ich? Warum?«, »Ja, ja«, »Mein Mann will schon der Bestimmer sein«, »Was!? Das habe ich ja noch nie gehört«; dann, auf die Frage »Wollten Sie ihn je verlassen?« ging es weiter mit: »Eigentlich täglich«, »Ich will jetzt auch mal was sagen«, »Das stimmt einfach nicht«, »Das stimmt nicht«, »Doch« und so fort über anderthalb Spalten hinweg, und wenn der »Focus«-Mann nicht elegant zum Thema Fußball gewechselt wäre, wie lange hätte es dann wohl gedauert, bis der erste Dekanter durch die Luft geflogen wäre? Oder torkelt für gewöhnlich ein jeder von Ihnen, ein übervolles Glas schwenkend und giftige Vorwürfe speiend, in sein jeweiliges Zimmerchen? Und: Kommt so etwas täglich vor in Ihrem Weinkeller, liebe Kellers? Wie haben Sie eigentlich die Quarantäne überstanden?

Empfiehlt eine Familienaufstellung im Mineralwasser-Lager: Titanic

 Schöpfer der Kampagne »Werde Maler!«

Was ging uns das Herz auf – und mit uns wohl Zigtausenden ambitionierter Schulabgänger –, als wir auf Bussen und Plakaten Euren oben genannten Aufruf lasen, darunter die verheißungsvollsten Satzperlen: »Eintrittskarte in eine kreative Branche«, oder gar, wo pandemiebedingt zur Zeit so vieles den Bach runtergeht: »Meine Zukunft ist gesichert!«

Wer träumt nicht davon: endlich, und das nach offizieller Aufforderung, in die Fußstapfen von Gerhard Richter und Jonathan Meese treten, dazu Geniekult, Aktmalorgien, Koks und Heavy-Petting mit Myriaden von Musen. Doch Basel-, äh, Mumpitz: Bei genauerem Studium von www.werde-maler.de entpuppt sich die rosige oder auch polychrome Zukunft als ein billiges Trompe-l’œil, löst sich in Neo und Rauch auf. Leider seid Ihr nicht der Deutsche Künstlerbund, sondern die schnöde Innung der Maler und Lackierer. Aber sagt, ein bisschen Koks während der Achtstunden-Frühschicht gibt’s bei Euch vielleicht auch?

Fragt mit Restinteresse: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Herbstschmerz

Ein stark übergewichtiger Mann wirbelt mittels eines höllisch laut dröhnenden Laubbläsers nasses Laub von einer Seite des Radwegs auf die andere. Er trägt rote Ohrenschützer, raucht eine krumme Zigarette und hat den Mund-Nasen-Schutz am Kinn kleben. Auf der Jeans-Kutte, die er über seiner orangefarbenen Warnweste trägt, steht »FCK WNTR«. Ich weiß, dass mir dieses Bild irgendetwas über den Zustand der Menschheit sagen will, doch ich schaffe es einfach nicht, die Botschaft zu enträtseln. Ich bin auf einmal nur noch sehr, sehr müde.

Theobald Fuchs

 Obenrum öd

Die ICE-Trasse Kassel-Würzburg liegt fast komplett unter der Erde. Das ist durchaus eine gute Idee, denn die Gegend ist so trostlos wie das Liebesleben eines Bahn-Vorstands. Für einen Zwischenhalt erbricht sich der Zug in Fulda kurz an die Oberfläche, und man erkennt auf den ersten Blick die Brillanz der Nato-Strategie aus den Achtzigerjahren: Hier also wäre der Russe damals durchs berühmte »Fulda Gap« in den Westen einmarschiert und mit seiner enormen Panzerflotte vor lauter Langeweile direkt verödet.

Peter P. Neuhaus

 Prädikatenlogik im Urlaub

Dass die supergescheiten Griechen als Begründer der Logik uns weniger beschlagenen Völkern gripsmäßig stets einen Schritt voraus sind, wurde mir abermals verdeutlicht, als mir auf Kreta ein Einheimischer auf die Frage, ob das von mir anvisierte Reiseziel ein gutes sei, antwortete: »Oh yeah, it's a nice place! Everybody goes there. I have never been there.«

Cornelius W.M. Oettle

 Abwägungsfrage

Die eigenen unerfüllten Lebensträume auf seinen Nachwuchs zu projizieren, diese Möglichkeit hat man als kinderloser Mensch leider nicht. Anderseits: Ein Kind, das zu jeder einzelnen Sportunterrichtsstunde eine schriftliche Entschuldigung mitbringt, hätte womöglich ernsthafte Schwierigkeiten, was die Bewältigung der schulischen Laufbahn betrifft.

Julia Mateus

 Kunst meets Frankfurt

»Einmal die Krüppel.«
»Wie bitte?«
»Na, die Krüppel-Sammlung da.«
»Mein Herr, Sie meinen unsere Ausstellung ›En passant‹? Sie möchten ein Ticket?«
»Ja, genau.«

Man fremdelte anfangs ein wenig mit den impressionistischen Skulpturen im Städel-Museum in Frankfurt.

Nicolai Hagedorn

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.
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Das schreiben die anderen

  • 14.10.:

    "Von wegen forever young": Die TAZ über das Buch "Der Untergang des Abendkleides" von Ella Carina Werner.

  • 05.10.:

    Ella Carina Werner berichtet in der "Taz" über ein Altersheim für verarmte Künstler.

  • 09.09.:

    Die "Abendzeitung" interviewt Rudi Hurzlmeier.

     

  • 04.09.:

    Ella Carina Werner klärt in der "Taz" über den Alterskult im westlichen Sumatra auf.

  • 03.09.:

    Moritz Hürtgen spricht mit ZDFheute über Satire nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo".

Titanic unterwegs
28.10.2020 Osnabrück, Lagerhalle Max Goldt
29.10.2020 Gütersloh, Die Weberei Max Goldt
29.10.2020 Schweinfurt, Bayernkolleg Gerhard Henschel
29.10.2020 Bad Oeynhausen, Begegnungszentrum Druckerei Ella Carina Werner