Vom Fachmann für Kenner | März 2009


Endzeit

Ich räume meine Wohnung nicht mehr auf, und vielleicht kacke ich eines Tages sogar mitten auf den Wohnzimmerteppich. Das können die Zeugen Jehovas, die nach Armageddon hier einziehen, dann ja wegmachen.

Eduard Harfst

Praecox

Unter uns: In letzter Zeit komme ich ständig zu früh. Bisher habe ich deswegen glücklicherweise »hinterher« nur Verständnis und Zuspruch erfahren, befürchte aber ernstlich, daß sich das ändern könnte, falls ich jemals Sex mit jemand anderem haben sollte als mit mir selbst.

Thorsten Mausehund

Lob und Preis

Wenn jetzt wegen der Bankenkrise weltweit die Nachfrage sinkt und auch bei uns der Kokainpreis purzelt, dann haben Globalisierung und Kapitalismus endlich auch mal ihr Gutes gehabt.

Tobias Bystry

Rauchen muß nicht tödlich sein

In einer Berliner Kneipe wird lautstark über die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums diskutiert. Einem rauchenden, bärtigen Biker-Typen platzt irgendwann der Kragen. Er steht auf und beendet die Diskussion mit den Worten: »Also mein Vater hat vierzisch Jahre jeroocht und jestorben isser letzten Endes an janüscht. Umjefallen – Ende.«

Thomas Kiesbuy

Skiunfall

Unser Bekannter wurde auf unserem Skiausflug nach der Hüttenrast von einem bösen Darmgrimmen heimgesucht und ließ uns lange vor der Hütte warten, bevor er mit hochrotem Kopf wieder zu uns stieß. Die Rekonstruktion der Ereignisse ergab, daß er sich derart hatte darauf konzentrieren müssen, mit den klobigen Skistiefeln nicht auf dem gefliesten Boden der Toilette auszurutschen, die Ärmel des halb heruntergelassenen Anzuges nicht in die omnipräsenten Wasserpfützen auf dem Boden hängen zu lassen und die Skibrille ordentlich an der Türklinke zu befestigen, ohne die Stöcke und die Handschuhe zu verlieren, daß er nicht bemerkt hatte, daß sich die Kapuze aufnahmebereit zwischen ihn und den Bestimmungsort seiner Notdurft geschoben hatte. Der Ausflug endete an diesem Tag verfrüht. Unser Rat: Künftig immer nur abnehmbare Kapuzen tragen!

Gudrun Bauer

Geht doch!

Eine unkomplizierte Lösung für völlig verdreckte Stellen im Bad bieten einige ältere und neuere Produkte der Putzmittelindustrie. Ich persönlich habe hervorragende Ergebnisse mit General Allzweckreiniger, Biff Scheuermilch, 00-WC-Reiniger, Domestos Grot-Buster, Silit Bang und DenkMit Antikal erzielt. Bei Gelegenheit immer mal wieder ein paar Flaschen kaufen, draufstellen, fertig.

Andreas D. Hesse

Strohwitwer

Einen Bekannten in der Stadt getroffen. »Hallo, was machst du denn hier?« – »Schnaps kaufen, meine Frau kommt am Wochenende zurück.« – »Trinkt sie denn Schnaps?« – »Nein, aber ich. Und jetzt muß ich neue Flaschen auf das Niveau der alten von vor ihrer Abreise runtertrinken.« Klingt plausibel.

Florian Reuter

Requiescat in pace

Hat der Haider jetzt eigentlich schon ein ihm gebührendes Hakenkreuz an der Unfallstelle?

Holger Kuhrts

Häßliche Krankheit

Ein entfernter Verwandter, Arzt im Ruhestand, publiziert unermüdlich weiter. Jüngst beschrieb er als erster ein seltsames Syndrom aus schuppiger und nässender Haut, Intelligenzminderung, Ozaena (Stinknase) und widerspenstigem Verhalten und gab ihm den Namen Morbus Rockstatt. Nun ist es in der Medizin üblich, eine neue Erkrankung mit dem Namen des Erstbeschreibers zu versehen. Überrascht fragte ich also den Pionier, wie es denn zum Namen der neuen Krankheit gekommen sei, wo er doch Schönefeld heiße. Seine Antwort: Diese Erkrankung sei derart häßlich und abstoßend, daß er vorgezogen habe, den Namen der betroffenen Patientin zu verwenden.

Christof Goddemeier

Wohngemeinschaft

Eine gute Freundin berichtete mir von einem Gespräch mit einer Kommilitonin, die nach erfolgter Schilderung der WG-Verhältnisse durch die Freundin empört ausrief: »Was, ihr habt in der WG keinen Fernseher? Also ich könnte das nicht, ich muß jeden Abend meine vertrauten Stimmen hören.«

Lukas Münich

Angemessenes Strafmaß

Auf Dilettantismus stehen bis zu fünf Jahre Stümperhaft.

Cornelia Röser

Vor der Hämorrhoiden-OP

Ich sitze in einem kleinen Vorzimmer, die OP-Schwester blickt durch die Tür und fordert mich auf, mich zu entkleiden, eine Haube übers Haar zu setzen, in grüne Plastikschlappen zu steigen und den Kittel anzulegen: »Bitte nach hinten offen«.

Ich gehorche und frage mich, was diesen Hinweis nötig gemacht hat. Wie oft sind Patienten im Stil der Trenchcoat-Exhibitionisten, wie man sie nur noch aus Sketchen und Cartoons kennt, so in den OP-Saal stolziert, daß es nötig wurde, auf die korrekte Trageweise extra hinzuweisen? Was sind das für Menschen, bzw. sicherlich Männer, die ein aus tausend Krankenhausfilmen und -serien bekanntes, nicht zubindbares Kleidungsstück für einen Eingriff im Enddarmbereich so anziehen? Vermutlich die gleichen, die samstagnachts ungeniert an Hauswände pinkeln und dabei fröhlich schiefe Liedchen pfeifen? Vermutlich.

Tim Wolff

Gesetz der Branche

Letzthin bin ich beim Zappen zufällig im Dschungelcamp gelandet. Am nächsten Tag habe ich aus der Zeitung erfahren, daß etwa sieben Millionen Zuschauer eingeschaltet hatten. Bei dem Erfolg kann man mit Sicherheit davon ausgehen, daß demnächst ein Promi-Special produziert wird.

Torsten Harms

Geschichtsstunde

Bei dem Zeichentrickmüll, den SuperRTL und Nickelodeon derzeit ausstrahlen, vermittle ich meiner vierjährigen Tochter lieber mittels DVD die Hochkultur der Maja.

Daniel Sibbe

Rückumwandlung

Irgendwie bizarr, aber trotzdem wahr: Meinen alten Solar-Taschenrechner bekomme ich nur noch dann zum Laufen, wenn parallel zum Tageslicht meine Schreibtischlampe auf die Solarzellen strahlt. Seit meine Schreibtischlampe mit einer Energiesparlampe ausgestattet ist, dauert es außerdem viel länger, bis er überhaupt angeht. Das ist allerdings immer noch günstiger, als den Taschenrechner aus dem geöffneten Fenster rauszuhalten, wenn es draußen kalt ist und ich drinnen heize. Muß wohl endlich mal wieder die Fenster putzen.

Nils Heinrich

Jobgesuch

Suche: sehr gut bezahlte Stelle in der Organisation von Flüchtlingslagern (gern Lampedusa oder ähnlich sonnige Gegenden), Schwerpunkt Quartiersbelegung.

Biete: überdurchschnittliche (fast geniale) Begabung in Sachen Auslastungsoptimierung (Referenz: die WG-Spülmaschine).

Katharina Greve

Strawberry Fields

Ich bewundere Männer, die bei H&M Unterwäsche für ihre Freundinnen kaufen; ich könnte das nie. Mir ist es schon peinlich, wenn ich im Supermarkt Toilettenpapier aufs Laufband legen muß. Um so glücklicher war ich, als ich neulich beim definitiv als pikant einzuschätzenden Kauf einer Matratze keine Schweißausbrüche bekam, weil das Beratungsgespräch im Fachgeschäft zunächst sachlich verlief. Dann empfahl mir die Verkäuferin kurz vorm Bezahlen noch eine Moltonauflage. Begründung: »Das ist immer ganz gut, wenn mal die Erdbeertage kommen…« Mein Kopf wurde rot wie die erwähnte Frucht. Damit der nächste Matratzenkauf erst in vielen, vielen Jahren fällig wird, schlafe ich jetzt jede zweite Nacht auf dem Sofa.

Sven Sakowitz

Trendscouts, hergehört!

Ist die Zeit eigentlich schon reif für ein Guildo-Horn-Revival?

Mark-Stefan Tietze

Sparen mit Spaß

Wer hätte gedacht, daß die Kombination aus »Caribic Creme-Bad Olive/Milch« (Aldi) und »Head & Shoulders Classic Clean« (dm) den Geruch von klassischem Klostein ergibt? Ich nicht, und so habe ich erst stundenlang mit meinen Mitbewohnern gerätselt, was hier so komisch stinkt bzw. wer schon wieder den billigen Toilettenreiniger aus dem Ein-Euro-Shop benutzt hat, bis mir die Erkenntnis kam: »Das sind meine Haare!«

Max Wegner

Damenproblem

Das Damenproblem, schreibt Wikipedia als Artikel des Tages, sei eine schachmathematische Aufgabe. Demnach sollen jeweils acht Damen auf einem Schachbrett so aufgestellt werden, daß sich keine zwei Damen den Schachregeln gemäß schlagen können. In meinem Fall ist das Damenproblem eindeutig keine Aufgabe der Schachmathematik, sondern eine des perfiden Alltags, in dem ich unter großer Anstrengung versuche, gerade mal zwei Damen so aufzustellen, daß sie einander nicht bemerken – schwierig genug!

Moritz Lenhardt

Eigentlich vermessen

In meiner mittlerweile recht ausufernden Pokalsammlung besteht immer noch eine für mich schmerzhafte Lücke, die zu schließen ich mir für dieses Jahr vornahm: Ich möchte endlich in einem Bescheidenheitswettbewerb den zweiten Platz erringen.

Matthias Bader

Neues Fernsehformat

Mein Vorschlag für ein neues Sendungskonzept: Die Kamera folgt dem Ehemann von Angela Merkel dabei, wie er sich telefonisch eine Prostituierte bestellt. Arbeitstitel: »Sauer bucht Frau«.

Billig abzugeben!

Oliver Nagel

Wissenschaftliche Fußnote

Vom aktuellen Stand der Wissenschaftsethik, sprich ihrer methodischen Strenge, ihrer intellektuellen Redlichkeit, ihrer Skepsis, was voreilige Schlußfolgerungen angeht – von all dem konnte ich mir kürzlich ein Bild machen, als ich meinen Namen googelte. Ich stieß auf die wissenschaftliche Arbeit meines früheren Professors, der offensichtlich eine von zwei Kommilitonen und mir verfaßte Seminararbeit geplündert hatte, ohne uns auch nur darauf hinzuweisen. In der Publikation erwähnte er bloß unsere »Mitarbeit«, obwohl er alles von uns übernommen hatte: die statistische Auswertung, die Interpretation der Ergebnisse und die zur Hälfte selbst ausgefüllten Fragebögen.

Friedrich Krautzberger

Doppelleben

Wenn man sieht, wie ich jeden Abend nach Anbruch der Dunkelheit in Jogginghose und Kapuzenpulli durch die verlassenen Straßen meiner Vorstadtsiedlung schleiche und mir dabei hastig eine John Player Special nach der anderen anstecke, könnte man ja durchaus meinen, ich sei irgendein schwer angesagter Prominenter, der sich aus Angst vor besessenen Fans nur des Nachts und inkognito nach draußen traut. Daß ich in Wahrheit vorübergehend wieder bei meinen Eltern wohne und diesen noch immer nicht meine mittlerweile fast zehn Jahre andauernde Nikotinsucht gebeichtet habe, darauf kommt natürlich niemand. Behalten Sie es also bitte für sich.

Lukas Haberland

Wissen macht Ah!

Kürzlich habe ich gelesen, Paläontologen hätten die Überreste eines Vorfahren der Wale gefunden. Ihren Erkenntnissen zufolge verbrachten diese Tiere die meiste Zeit im Wasser und gingen im Grunde nur zum Sex und um zu gebären an Land. Bei unserer Sportlerin des Jahres, der Schwimmerin Britta Steffen, dürfte es sich dann ja wohl ähnlich verhalten.

Uwe Becker

O tempora...

Früher war nämlich doch alles besser. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, in meiner Kindheit jemals einen so ekligen Satz gehört zu haben wie neulich auf dem Spielplatz in Kreuzberg:»Emil! Oskar! Kommt, wir müssen gehen, Oma macht Sushi.«

Steffen Brück

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kurze Frage, »Taz«!

»Als er im Juli 2014 ankommt, spricht der Syrer Tarek Saad kaum Deutsch«, lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Und weiter: »Heute ist er deutscher Staatsangehöriger und überzeugter Sozialdemokrat.«

Sollte man, Taz, nicht vielleicht auch mal über Beispiele geglückter statt immer nur missglückter Integrationsbemühungen berichten?

Nur soʼn Gedanke von Titanic

 Je nun, Markus Feldenkirchen (»Spiegel«),

in einem als »Kolumne« bezeichneten Beitrag versichern Sie, dass Sie in den Siebzigerjahren »größtenteils noch nicht geboren« gewesen seien. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass es Ihr Kopf wenigstens noch im Laufe unseres Jahrzehnts auf die Welt schafft.

Mit Mitgefühl für Ihre Mutter: Titanic

 Aber, »Bild«,

wo bleibt denn Deine Liebe zum blutrünstigen Detail? Bei Deiner Schlagzeile »Deutsche Fleischindustrie hackt auf Bill Gates rum«: da will man doch wissen, was schließlich draus geworden ist! Koteletts? Nackensteaks? Halb und halb?

Leg Dich gehackt! Titanic

 Als Sie, Tom Bartels,

Als Sie, Tom Bartels,

im Rahmen der Übertragung des Fußballspiels Mönchengladbach gegen Dortmund an den noch nicht lange zurückliegenden Winter erinnerten und die Worte aussprachen: »Witterungsbedingt lag auch hier Schnee«, haben wir diese Aussage zunächst reflexhaft als Bartels-gängiges gedankenloses Wortgestöber beiseitegefegt, dann aber, bei vorurteilsfreiem Nachdenken, erkannt, dass Sie natürlich nachgedacht hatten: Schließlich ist es angesichts von Kunstschnee, Kunsteis, Kunstrasen und anderen Erscheinungen des künstlichen Gegenwartssports durchaus richtig, dem Publikum zu erklären, dieses Mal habe es ausnahmsweise witterungsbedingt geschneit. Schnee von gestern? Na dann.

Guten Rutsch: Titanic

 Sie hingegen, Thomas de Maizière,

haben der FAS ein sehr, sehr langes Interview gegeben. Zusammen mit einem alten Spezi aus der Wirtschaft (»mächtigster Aufsichtsrat der Republik«) bramarbasierten Sie über »kluge Führung und die Einsamkeit der Macht«.

Erwartbar bullshittig ging es um »Teamfähigkeit«, »flache Hierarchien« und »sein volles Potential« nutzen. Aber auch darum, »sich nicht zu wichtig zu nehmen«, um »Selbstreflexion« und ein beachtliches »Der Chef ist immer der Chef. Da beißt die Maus keinen Faden ab« aus Ihrem Munde.

Die interessantesten Sätze in diesem mit interessanten Sätzen wahrlich nicht gesegneten Gespräch waren die, als Sie zu selbstreflexiver Hochform aufliefen. Bei der Frage nach Auswahlmechanismen für höhere Ämter fiel Ihnen ein: »Es kommt auf die Konstellation an: Man muss im richtigen Moment verfügbar sein, aus dem richtigen Landesverband kommen, die richtige Härte haben, die eigene Partei muss obendrein in einer Koalition das passende Ressort ergattern. Andererseits wird kein kluger Kanzler, keine kluge Kanzlerin irgendeinen Esel zum Minister machen.«

Sind Sie sich da ganz sicher?! Und warum ist Ihnen das gleich dreimal passiert?

In jeder Hinsicht ministrabel: Team Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bleaching Lounge

Professionelle Zahnreinigung frischt nebenbei auch das Gehirn auf. Durchhängende lange Leitungen straffen sich durch die Vibrationen, Kratzgeräusche schleifen die Synapsen blank. Ich kann anschließend schwierige mathematische Aufgaben lösen, Quittungen den Kontoauszügen zuordnen etc. Deshalb erwäge ich, mir ein kleines Dentallabor mit verstellbarem Sessel und einigen Geräten anzuschaffen, inklusive automatischem Desinfektionmittelzerstäuber. Dorthin begebe ich mich morgens nach dem Kaffee etwa für fünfzehn Minuten und lasse die Geräte walten. Danach bewältige ich den Alltag mit Verve. Ich denke, nach einem Jahr dürfte ich die Investition wieder raushaben.

Miriam Wurster

 Die Zukunft der Arbeit

In der Schlange beim Bäcker schweifen die Augen zum lauten Schild: »Unser Service! Wir schneiden Ihr Brot für Sie!« In der Trägheit der verwarteten Zeit zerstreute Anagrammarbeit: Wir schneiden Sie für Ihr Brot – albern. Allerdings: Ihr Service für uns! Sie schneiden unser Brot – das wird noch kommen, auf jeden Fall.

Nis Jasper Nicolaisen

 Klar getrennt

Anlässlich einer kulinarischen Facebook-Debatte über sog. »Weiße Nieren« bzw. »Prairie Oysters« bemerkt: Stierhoden, die es auf den Teller geschafft haben, sind nicht nur keineswegs »Innereien« – denk mal nach, Wikipedia! –, der Begriff ist insgesamt irreführend. »Ochsenhoden« muss es heißen. Ausnahme: Es hängt beim Essen noch der Stier dran.

Michael Ziegelwagner

 Gebongt

Mein Plan ist es, einen Roman zu schreiben, den man auch mit Kassenbons nachstellen könnte. Inspiriert wurde ich von meinem letzten Einkauf, und der Anfang steht auch schon:

Hass
DuDa
Gemüse-Auf
Dent
Ohren-?

Nun brüte ich zwischen Avocados und Ohrstöpseln nach Dusch-Das duftend bei einem Gemüse-Auflauf über dem zweiten Satz. Fortsetzung folgt nach dem Zähneputzen!

Tina (Arno Schmidt) Manske

 Es war nicht alles gut

Als kleine Gruppe Enddreißiger mit DDR-Hintergrund diskutierten wir über die im Vergleich zu heute wahnwitzig scheinende Sorglosigkeit, mit der Eltern in dem untergegangenen Staat ihre Kinder großzogen. Beispielsweise sei es völlig normal gewesen, dass unsere Mütter, wenn sie kurz in die Fleischerei gingen, uns Babys samt Kinderwagen unbeaufsichtigt vor dem Laden stehen ließen – und hat’s uns geschadet?! Nun gut, wandte jemand in der Runde ein, er erinnere sich an die Geschichte eines bei solcher Gelegenheit gekidnappten Säuglings; worauf eine Freundin erzählte, dass auch sie und ihr Zwillingsbruder einmal Opfer einer versuchten Entführung geworden seien und die verwirrte Täterin erst Hunderte Meter vom Geschäft entfernt aufgegriffen wurde. Nach kurzem Schweigen waren wir uns dann aber doch einig, dass man es mit dem ständigen Behüten auch übertreiben könne!

Torsten Gaitzsch

Vermischtes

Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURStephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURMax Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...
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Das schreiben die anderen

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

  • 24.03.:

    Christian Y. Schmidt erinnert in Junge Welt an Hans Kantereit.

  • 08.03.:

    Die Frankfurter Rundschau hat in Frankfurt eine Open-Air-Performance der "Volksbühne Berlin" gesehen – alle Details zur Theater-Kooperation mit TITANIC in der bald erscheinenden Aprilausgabe.

     

  • 25.02.:

    Die Junge Welt bespricht Christian Y. Schmidts "Corona Updates Bejing".

  • 23.02.:

    Spiegel und Faz berichten über das Comeback von TITANIC im Google Play Store. Mit netzpolitik.org hat Moritz Hürtgen darüber gesprochen.

Titanic unterwegs
23.04.2021 Hannover, Pavillon Max Goldt
24.04.2021 Leer, Kulturspeicher Max Goldt
25.04.2021 Norden, VHS Max Goldt
26.04.2021 Oldenburg, Theater Laboratorium Max Goldt