Vom Fachmann für Kenner | März 2008


Hab’s versucht

Mist, mein Sechsjähriger paßt nicht mehr in die Babyklappe.

Emily Wood

Sketch (Walter Benjamin zugeeignet)

Ein Betrunkener steht mit offener Hose vor dem Pissoir und fragt: »Is’ das einglich das Urinal oder nur ’ne Klopie?« Diese hervorragende kleine Sketchidee möchte ich meistbietend an einen TV-Comedian versteigern, am liebsten jedoch an den talentierten Markus Maria Profitlich. Bitte melden!

Mark-Stefan Tietze

Abschreckung

Bei uns auf dem Lande wird Altbewährtes noch geschätzt und über Intimes nicht gesprochen.

Die kleinen Kinder spielen mit Holzspielzeugen im Hof, die etwas älteren pirschen als Raubritter durch den Wald, während die Halbwüchsigen zum Schwanzvergleich noch aufs Foto-Handy verzichten und nach wie vor in ein Maisfeld gehen. Altbewährt ist aber auch, daß bei Verfehlungen, wie zum Beispiel einer eingeschossenen Fensterscheibe oder einer zu Tode gerittenen Sau, so eben noch menschenrechtlich vertretbare körper­liche Züchtigung von Elternseite Anwendung erfährt. Meinem sechzehnjährigen Neffen Paul, einem echten Wildfang, blieben diese Prügelstrafen allerdings erspart, seit ich ihm vor drei Jahren riet, öfter mal ein Sado­maso-Magazin unter seinem Bett zu de­ponieren.

Volker Schwarz

Allerweltsnamen

Viele Meiers, Müllers und Schulzes beschweren sich darüber, daß ihre Namen absolut nichts hermachen. Finde ich, jetzt mal ganz persönlich, auch.

Thorsten Mausehund

Zur Präsidentschaftswahl

Das ist der Unterschied zwischen einer gelenkten Demokratie wie in Rußland und einer normalen Demokratie wie bei uns: In der gelenkten Demokratie gibt es auf dem Wahlzettel eine richtige Stelle fürs Kreuzchen. Bei uns nicht.

Boris Retzlaff

Frankfurter Küche

So sehr hatte er seinen Adorno gelesen, daß er nur noch Halb-und-halb-Knödel kochte (»Das Ganze ist das Unwahre«).

Lino Wirag

Urlaubsgrüße

Von dem verheerenden Tsunami Weihnachten 2004 hat sich Thailand erstaunlich gut erholt, und man kann mit Fug und Recht behaupten, daß der Tourismus dort nun wieder defloriert.

Arno Lücker

Disko in Köln

Fürs Ausgehen in Frankfurt am Main gilt: Einmal angelacht, gleich angemacht! Deshalb hat man es sich als Frankfurter Frollein angewöhnt, in der Disko nur selten zu lachen. Könnte ja falsch verstanden werden. In Köln heißt es aber: Einmal angelacht, gleich guten Tach gesacht! Und dabei sehen auch noch alle gut aus und riechen lecker. Wenn Männchen in Kontakt mit den Weibchen kommen wollen, fragen sie nach einem Kaugummi oder machen ein nettes Kompliment – ganz ohne Anfassen! Die Musik natürlich auch top. Fazit: Die Frankfurter Disko-Szene muß dringend reformiert werden, der Baß kann aber derselbe bleiben.

Anna-Karina Korn

Gute Beziehungen

Schade, daß man heute ohne Ritalin B einfach keinen Kindergartenplatz mehr bekommt.

Valeska Schuh

Pietät

An der elektronischen Tür unseres Super­marktes stand neulich eine alte Frau völlig ratlos vor den geschlossenen Türflügeln. »Was ist hier los?« fragte sie mich, ich aber antwortete nicht, sondern ging einen Schritt in Richtung Tür, die sich sofort öffnete. Dankend ging die alte Dame davon. Ich hatte ihr einfach nicht sagen können, daß sie im toten Winkel stand.

Uwe Geishendorf

Wellness

Meine Freundin meint, nach einem intensiven Workout im Fitnessclub fühle sie sich »wie neugeboren«. Warum sie nun aber jeden Monat soviel Geld ausgibt, um einem nackten, blinden, blutverschmierten Schreihals zu gleichen, bleibt mir schleierhaft.

Alexander Klank

Faith No More

Ein Kollege von mir, der in den neunziger Jahren bei einem Konzertveranstalter als Roadie arbeitete, erzählte mir, wie einmal bei einem Konzert von Faith No More im Zürcher Volkshaus ein muskulöser, mit allerhand Tätowierungen und unbekannten Drogen aufgepeppter Indianer auf dem seitlichen Saalbalkon herumwütete und er, der Kollege, vom Veranstalterboß den Auftrag erteilt bekam, diese Person zu beruhigen. Im Nu befand sich das eher schmächtige Bleichgesicht im Handgemenge mit dem Indianer, wurde von diesem an der Gurgel gepackt und rücklings mit dem Kopf voran über das Balkongeländer gedrückt. Als weitere Sicherheitskräfte die Dramatik der Situation erkannten und zu Hilfe eilten, sprang die ebenfalls besoffene Freundin des Indianers plötzlich vom etwa fünf Meter hohen Balkon auf die Bühne herunter, mitten auf das Keyboard von Faith No More, das dem Keyboarder auch prompt an den Kopf knallte. Nachdem die Band schon vorher nur noch unsicher dahingedudelt und verdutzt nach oben geschaut hatte, unterbrach sie das Spiel nun vollends. Der Tastenmann mußte schließlich verarztet werden; der Kollege konnte von Glück sprechen, daß außer der durchgeknallten Squaw niemand anderes vom Balkon gestürzt war, vor allem nicht er selbst. Es tat ihm aber nachher trotzdem alles weh. Und so schüttelt er heute noch den Kopf: Man könne ja auf Faith No More stehen, aber doch nicht auf Faith No More hinunterspringen!

Ruedi Widmer

Wie mir Karneval doch gefällt

Folgende Geschichte aus dem Jecken­milieu erzählte mir ein Gewährsmann aus dem Rheinischen: Einer aus seinem Dorf, der sich sehr für Karneval begeistere, ­habe sich aus Pappmaché ein Dinosaurier­kostüm gebaut. Nach Ende der Feierlichkeiten habe er sich ein Taxi bestellt, »aber ein Großraumtaxi, ich habe einen Riesenschwanz«.

Gunnar Homann

Obsoletes Wissen

Was hatte ich mich darauf gefreut, eines Tages meine Kinder dadurch zu beeindrucken, daß ich Pippilottas und Hadschi Halef Omars vollständige Namen sowie das gesamte Asterix-Latein drauf habe! Und nun halten die mich für den Totalversager, weil ich ihre Potter-Flüche, mit denen ich allabendlich empfangen werde, nicht parieren kann. Finite Incantatem!

Rolf Karez

Kindermund

Völlig mühelos faßte letzthin der dreijährige Sohn eines Freundes das Lebenswerk Arthur Schopenhauers zusammen, als er dessen überlebensgroßer Statue auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ansichtig ­wurde: »Der Opa sagt nein!« – eine ­Exegese, für die Philosophiestudenten schon mal mehrere hundert Seiten benötigen. ­Warum eigentlich?

Oliver Nagel

In Amerika

müßte ich aufpassen, daß mich meine Hand nicht wegen sexuellen Mißbrauchs verklagt.

Andreas Schriewer

Überwachen und Strafen

Die ältere Dame, die mir im Kneipen­gespräch ihre Meinung zu Vorratsdatenspeicherung, Kameraüberwachung und Volkszählung mit den Worten zusammenfaßte: »Dagegen war ja Orwell noch ein Zucker­knabe!« – kann man diese Frau nicht irgend­wie beobachten lassen? Sie scheint zu allem fähig.

Leo Fischer

Mädchen-WG

In meiner drogenaffinen Mädchen-WG stand unter der Küchentischplatte ein Satz, den unsere Gäste nur dann lesen durften, wenn sie schon unterm Tisch ­lagen. Manchmal lag ich in den frühen Morgenstunden selbst da, und die Worte »Blutvergießen ist die eine Sache, es wieder aufwischen eine ganz andere« überraschten und bewegten mich jedes Mal aufs neue. Klar, ich vergaß sie ja auch sofort wieder. Wegen der Drogen.

Doris Sakala

Minimiere deine Chancen!

Daß sich von den Adressaten meiner elektronischen Bewerbungsanschreiben weder nach vielen Wochen noch in Form auch nur einer schlichten Absage je einer bei mir meldete, beruhte, wie sich später herausstellen sollte, auf der einfachen Tatsache, daß ich beim Benennen des Dokuments »Anschreiben« das erste ›n‹ versehentlich mit einem ›r‹ vertauscht hatte. Und dazu – Glück im Unglück vermutlich – wollte sich offenbar keiner der Adressaten bereitfinden.

Florian Gehri

Arm dran

Seit uns der Frauenarzt beim letzten Ultraschall sagte, die Arme unseres Babys entwickelten sich vermutlich während unseres Urlaubs in Mecklenburg-Vorpommern, habe ich Angst, es könnten zwei Rechte werden.

Thomas Kuhlmann

Beim Chinesen

Als ich meiner Freundin nach dem Mahl zärtlich den Rücken streichelte, dachte ich zuerst: Mein Gott, ist die verspannt. Bei näherer Betrachtung bemerkte ich aber, daß ich die Rückenlehne erwischt hatte.

Uwe Becker

Die Jahre in F.

Will man sich den unbeirrbaren »Lauf der Zeit« (W. Wenders) vergegenwärtigen, die unermüdliche Abfolge von gestern–heute–morgen, die uns eben nimmt, was sie uns vorhin noch gegeben hat; möchte man sich vor Augen führen, wie vollkommen schutz- und hilflos man dem ewigen Mahlstrom der Vergänglichkeit ausgesetzt und geradezu ausgeliefert ist, Wesen aus Staub und Schuppen, das man ist und das sich in ebendiese Bestandteile früher oder später wieder auflösen wird; ist man überdies bereit und willens zu begreifen, daß die eigene Geschichte ­eine des ständigen Verfalls ist, der in den ­Ritzen und Winkeln unseres Daseins ­lauert wie nur je ein Speiserest in einer Polstermöbelfalte und aber dem Leben, wie es, eine mehr oder minder katastrophale Schmutzspur hinter sich herziehend, notwendig auf den Tod zukrümelt, genau dadurch Schwere, Würde und Bedeutung gibt –; möchte man sich also in einer raschen Minute von der eigenen Geschichtlichkeit, Kreatürlichkeit und letztlich Humanität überzeugen, empfiehlt es sich, nach sieben Jahren erstmals den Bezug vom Ikea-Klippan-Sofa abzunehmen und unter die jüngere Vergangenheit dann einen Schlußstrich zu ziehen (60 Grad Buntwäsche, Flusensieb hinterher wegschmeißen).

Stefan Gärtner

Erlebniserzählung

Neulich am Nürnberger Flughafen. Rentner – dem Dialekt nach aus Thüringen – darf nicht durch die Sperre, weil die im Handgepäck mitgeführte ungeöffnete Wodkaflasche die erlaubten 200 ml deutlich überschreitet. Rasch kommt ihm die rettende Idee: Er schraubt die Pulle auf und trinkt sie vor den Augen des Sicherheitspersonals auf ex aus. »Des habter nu davon!« Einer der Sanitäter, die ihn eine halbe Stunde später abtransportieren: »Und so was in Ihrem Alter!« Der Rentner, im Komplett-Delirium: »Des macht mer so schnell keener nach!«

Moses Wolff

Aus dem Patriarchat

Kürzlich war ich Gast bei einer griechischen Hochzeit; am besten gefielen mir die Geistlichen mit ihren durchaus unorthodoxen Kopfbedeckungen.

Theobald Fuchs

Junge Eltern

Den Originalitätsterror bei der Namensgebung von Neugeborenen nehme ich eigentlich nicht mehr wahr. Gewöhnt habe ich mich längst an Zoé-Delphine, Luna-Soleil, Pepsi-Carola, Jolina-Bob und Corvin-Leonard. Bei einem Namen zuckte ich jetzt aber doch zusammen: Justin-Horst. Da fragte ich mich kurz, wie die Eltern auf diesen Namen gekommen sind, welche Namen sie auf dem Weg zu ­Justin-Horst verwarfen. Kevin-Heinz? Marvin-Fritz? Marlon-Jens? Norman-Hans?

Nico Walser

Einschlafprobleme?

Menschen, die unter Einschlafproblemen leiden, sollten nicht versuchen, den Schlaf mit Macht zu erzwingen. Oft reicht es schon, sich mit Martin Walsers neuestem Roman »Angstblü

Daniel Sibbe

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Schöpfer der Kampagne »Werde Maler!«

Was ging uns das Herz auf – und mit uns wohl Zigtausenden ambitionierter Schulabgänger –, als wir auf Bussen und Plakaten Euren oben genannten Aufruf lasen, darunter die verheißungsvollsten Satzperlen: »Eintrittskarte in eine kreative Branche«, oder gar, wo pandemiebedingt zur Zeit so vieles den Bach runtergeht: »Meine Zukunft ist gesichert!«

Wer träumt nicht davon: endlich, und das nach offizieller Aufforderung, in die Fußstapfen von Gerhard Richter und Jonathan Meese treten, dazu Geniekult, Aktmalorgien, Koks und Heavy-Petting mit Myriaden von Musen. Doch Basel-, äh, Mumpitz: Bei genauerem Studium von www.werde-maler.de entpuppt sich die rosige oder auch polychrome Zukunft als ein billiges Trompe-l’œil, löst sich in Neo und Rauch auf. Leider seid Ihr nicht der Deutsche Künstlerbund, sondern die schnöde Innung der Maler und Lackierer. Aber sagt, ein bisschen Koks während der Achtstunden-Frühschicht gibt’s bei Euch vielleicht auch?

Fragt mit Restinteresse: Titanic

 Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Im »Focus« wurden Sie – Guts-Chefin Bettina, Ehemann und DFB-Präsident Fritz Keller sowie Ihre drei Söhne – in der Reihe »Generationengespräch« über dies und das befragt, und was ein leidlich als Journalismus getarntes Alkoholwerbefeature hätte werden können, explodierte gleich zu Beginn derart, dass man glauben konnte, man läse das Transkript einer durchschnittlichen Maischberger-Sendung.

»Herr Keller, sind Sie auch Patriarch?« hob der Interviewer an, worauf es aus Ihren Mündern u.a. schallte: »Wer? Ich? Warum?«, »Ja, ja«, »Mein Mann will schon der Bestimmer sein«, »Was!? Das habe ich ja noch nie gehört«; dann, auf die Frage »Wollten Sie ihn je verlassen?« ging es weiter mit: »Eigentlich täglich«, »Ich will jetzt auch mal was sagen«, »Das stimmt einfach nicht«, »Das stimmt nicht«, »Doch« und so fort über anderthalb Spalten hinweg, und wenn der »Focus«-Mann nicht elegant zum Thema Fußball gewechselt wäre, wie lange hätte es dann wohl gedauert, bis der erste Dekanter durch die Luft geflogen wäre? Oder torkelt für gewöhnlich ein jeder von Ihnen, ein übervolles Glas schwenkend und giftige Vorwürfe speiend, in sein jeweiliges Zimmerchen? Und: Kommt so etwas täglich vor in Ihrem Weinkeller, liebe Kellers? Wie haben Sie eigentlich die Quarantäne überstanden?

Empfiehlt eine Familienaufstellung im Mineralwasser-Lager: Titanic

 Oskar Lafontaine, alter Gourmet!

Sie waren Gesprächsgast bei der Vorstellung des neuen Sarrazinbuches über irgendwas mit Flüchtlingen und Ausländern, deren Aufenthalt in Deutschland auch Ihnen nicht behagt. Denn schließlich, so sagten Sie, sei es wenig sinnvoll, einen von hundert hungernden Menschen ins »Feinschmecker-Lokal« einzuladen, wenn die dortige Rechnung allemal dafür ausreiche, allen Betroffenen Brot zu geben.

Wohl wahr! Allerdings machte es Ihnen niemals etwas aus, in Feinschmecker-Lokale, Fünf-Sterne-Hotels, Privatjets und Luxus-Fincas eingeladen zu werden, auch wenn die Rechnungen dafür ausgereicht hätten, die ganze Wählerschaft der Linkspartei mit Brot für Jahre auszustatten.

Aber was sollten die damit auch anfangen, nicht wahr? Die können ja schließlich auch Kuchen essen!

Schenkt Ihnen immer gerne ein: Titanic

 Kuckuck, Daniel Kehlmann!

Von der »Sprengkapsel des Infektionsschutzgesetzes«, das wie eine »Bombe« in »unser Gesetzeswerk« eingelassen sei, faselten Sie unlängst bei denen von der »Welt« und kritisierten wieder einmal die Corona-Maßnahmen aus Angst um Ihre Freiheitsrechte. Immerhin sei eine Sterberate von 0,5 Prozent nun mal nicht die Cholera.

Und trotzdem mussten Sie, Herr Kehlmann, all das durchstehen: Da haben Sie sich in ein »ganz kleines Haus« in Montauk eingemietet, vorher einen »großen Fernseher« und eine Playstation gekauft und ausgeharrt. Ja Himmel, ist das denn überhaupt noch ein Leben? Überdies würden Sie sich in der westlichen Zivilgesellschaft nie wieder so sicher fühlen können wie früher. Was, man ahnt es, nicht das Virus und dessen Gefahren meint.

Aber was auch immer die Zukunft bringen mag, Herr Kehlmann: Wir wissen nun immerhin, dass wir uns im Falle erneuter Klopapierengpässe den Hintern guten Gewissens mit Ihren Büchern abwischen können.

Danke dafür: Titanic

 Und Du, hyperaktives Berlin,

hast Dich bei der Entwicklung Deiner neuen Werbekampagne mal wieder nicht richtig konzentriert. Denn sonst wäre Dir doch sofort aufgefallen, dass in dem Motto »Berlin. Auch das« glatt das »noch!« fehlt.

Sieht genau hin: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Prädikatenlogik im Urlaub

Dass die supergescheiten Griechen als Begründer der Logik uns weniger beschlagenen Völkern gripsmäßig stets einen Schritt voraus sind, wurde mir abermals verdeutlicht, als mir auf Kreta ein Einheimischer auf die Frage, ob das von mir anvisierte Reiseziel ein gutes sei, antwortete: »Oh yeah, it's a nice place! Everybody goes there. I have never been there.«

Cornelius W.M. Oettle

 Herbstschmerz

Ein stark übergewichtiger Mann wirbelt mittels eines höllisch laut dröhnenden Laubbläsers nasses Laub von einer Seite des Radwegs auf die andere. Er trägt rote Ohrenschützer, raucht eine krumme Zigarette und hat den Mund-Nasen-Schutz am Kinn kleben. Auf der Jeans-Kutte, die er über seiner orangefarbenen Warnweste trägt, steht »FCK WNTR«. Ich weiß, dass mir dieses Bild irgendetwas über den Zustand der Menschheit sagen will, doch ich schaffe es einfach nicht, die Botschaft zu enträtseln. Ich bin auf einmal nur noch sehr, sehr müde.

Theobald Fuchs

 Kunst meets Frankfurt

»Einmal die Krüppel.«
»Wie bitte?«
»Na, die Krüppel-Sammlung da.«
»Mein Herr, Sie meinen unsere Ausstellung ›En passant‹? Sie möchten ein Ticket?«
»Ja, genau.«

Man fremdelte anfangs ein wenig mit den impressionistischen Skulpturen im Städel-Museum in Frankfurt.

Nicolai Hagedorn

 Obenrum öd

Die ICE-Trasse Kassel-Würzburg liegt fast komplett unter der Erde. Das ist durchaus eine gute Idee, denn die Gegend ist so trostlos wie das Liebesleben eines Bahn-Vorstands. Für einen Zwischenhalt erbricht sich der Zug in Fulda kurz an die Oberfläche, und man erkennt auf den ersten Blick die Brillanz der Nato-Strategie aus den Achtzigerjahren: Hier also wäre der Russe damals durchs berühmte »Fulda Gap« in den Westen einmarschiert und mit seiner enormen Panzerflotte vor lauter Langeweile direkt verödet.

Peter P. Neuhaus

 Abwägungsfrage

Die eigenen unerfüllten Lebensträume auf seinen Nachwuchs zu projizieren, diese Möglichkeit hat man als kinderloser Mensch leider nicht. Anderseits: Ein Kind, das zu jeder einzelnen Sportunterrichtsstunde eine schriftliche Entschuldigung mitbringt, hätte womöglich ernsthafte Schwierigkeiten, was die Bewältigung der schulischen Laufbahn betrifft.

Julia Mateus

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Das schreiben die anderen

  • 14.10.:

    "Von wegen forever young": Die TAZ über das Buch "Der Untergang des Abendkleides" von Ella Carina Werner.

  • 05.10.:

    Ella Carina Werner berichtet in der "Taz" über ein Altersheim für verarmte Künstler.

  • 09.09.:

    Die "Abendzeitung" interviewt Rudi Hurzlmeier.

     

  • 04.09.:

    Ella Carina Werner klärt in der "Taz" über den Alterskult im westlichen Sumatra auf.

  • 03.09.:

    Moritz Hürtgen spricht mit ZDFheute über Satire nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo".

Titanic unterwegs
28.10.2020 Osnabrück, Lagerhalle Max Goldt
29.10.2020 Gütersloh, Die Weberei Max Goldt
29.10.2020 Schweinfurt, Bayernkolleg Gerhard Henschel
29.10.2020 Bad Oeynhausen, Begegnungszentrum Druckerei Ella Carina Werner