Vom Fachmann für Kenner | Januar 2008


Verdacht

Im Kühlschrank fand ich eine »Milchschnitte«, deren rot-weiße Plastikverpackung so stark aufgebläht war, daß sie ­einem Daunenkissen mit dem blauen Aufdruck »Milchschnitte« glich. Das auf dem Kissen aufgedruckte Haltbarkeitsdatum unter dem Hinweis »Bitte zügig aufbrauchen« war schon seit Monaten überschritten, und jetzt habe ich einen schreck­lichen Verdacht: Kann es sein, daß in »Milchschnitte« tatsächlich Milch enthalten ist?

Nils Heinrich

Sprachexperiment

Wenn man noch konsequenter als der ­Autor Wolf Haas die Verben einfach. Dann man doch, daß irgendwas.

Michael Höfler

Machiavelli

Machiavelli für Frauen, Machiavelli für Manager – wo bleibt der Nischen-Niccolò für mich? »Machiavelli für Antriebslose« fände meinen begeisterten Zuspruch. Nun ja. Eventuell würde ich den Kauf ­erwägen. Denn siehe: Ein weiser Fürst kennt zweier­lei Formen klugen Einkaufens. Die ­eine, welche hmpf. Und dann noch die ­andere.

Leo Fischer

Mein Ödipus-Komplex

Der Vater, sonst ein eher humorverständiger Mensch, konnte so recht nicht ­drüber lachen, als ich ihn an seinem Geburtstag besuchte, welcher in diesem Jahr ­etwas ungünstig auf den Tag vor der längst ­fälligen Darmspiegelung fiel, ihm artig gratulierte – und anschließend die hinter mir wartende Gästeschlange mit einem an Dutzenden amerikanischen Polizei­serien erübten lakonischen Wink auf­forderte: »Abführen!«

Frank Schäfer

Ellenbogenpessimismus

Heutzutage muß jeder selbst schauen, wo er auf der Strecke bleibt.

Matthias Sohr

Kultureller Unterschied

Während meines Studiums half ich ge­legentlich in einem kleinen chinesischen Restaurant aus. Nach der Schicht wollten mich die Köche regelmäßig in die Disco einladen. Aber nicht mit mir! Ich halte nämlich überhaupt nichts von diesen ­Afterwokpartys.

Thea Unangst

Gegen die Langeweile

Wenn mir langweilig ist, rufe ich ge­legentlich Freunde an und schreie auf­geregt in den Hörer: »Du, ich sitze hier gerade im Quiz-Taxi von Kabel 1!« Im Anschluß stelle ich eine beliebige Frage, die mir auf der Seele liegt. Mehr Aufmerksamkeit geht nicht!

Max Holzgraf

Unbequeme Wahrheit

Langsam reicht’s aber mit der Al-Gore­isierung der Gesellschaft: Als neulich ­irgendwo der Song »Stand By Your Man« lief, dachte ich sofort: »Das ist doch Stromverschwendung!«

Sven Sakowitz

Alltagsmathematik

Ein lieber Bekannter berichtete mir , daß er im örtlichen T-Punkt in einen unerklärlichen Kaufrausch verfallen sei und ein Heidengeld für irgendwelchen T-Schnickschnack ausgegeben habe. Feixend fügte er an, daß er sich hinterher nicht einmal mehr eine der osteuropäischen Prostituierten hätte leisten können, die, wie Ortskundige wissen, in einer nahegelegenen Seitenstraße ihren Dienst verrichten. Mir führte dieser Bericht vor Augen, wie einfache mathematische Regeln unseren Alltag bestimmen: Punktrechnung geht nun mal vor Strichrechnung.

Thorsten Mausehund

Bärenspaß

Wenn man, wie ich, einem Studentenjob im Servicebereich einer Luxusherberge nachgeht, bemerkt man schnell, wie ­viele Manager-Typen Stofftiere aller Art ins Schlafgemach mitnehmen. Neulich kam ich auf der vorabendlichen Tour in ein Zimmer mit laufendem TV-Gerät. Davor thronten, auf zwei Sitzmöbel verteilt, ein ganz großer Elch, ein mittelgroßer Elch, ein kleiner Teddy auf dem Kopf des ganz großen Elchs und artig nebeneinanderhockend etwa zwei Dutzend unterschiedlich große, aber eindeutig der gleichen Familie angehörige Teddybären mit verschiedenfarbigen Zipfelmützen und gestreiften Strickschals. Sie sahen sich ­einen Film auf Premiere an, der mir für Teddys allerdings nicht geeignet schien. Wenigstens hatte ihr Besitzer ihnen die Fern­bedienung griffbereit plaziert; nebst ­einigen Schoko-Riegeln, maulgerecht in Reiter zerteilt und vom Papier befreit. Und einem Zettel, der sich offenbar an mich richtete: »Den Fernseher bitte anlassen, wegen der Bären!«

Melanie Kranz

Erfahrungswerte

Die von Jugendlichen mit Dreadlocks ­gegenüber Polizeibeamten an der deutsch-holländischen Grenze getätigte Aussage »Ich hab keine Drogen bei mir, Sie ­können mich ruhig durchsuchen« zieht in der ­Regel eine Durchsuchung nach sich. Die ­Aussage »Natürlich habe ich Drogen bei mir! Ich komme schließlich aus Amsterdam!« ­übrigens auch.

Moritz Veltmann

Abstinenzler

»Ich heiße Friedrich und bin Workaholic.« Das ­­sage ich jedesmal wieder, Woche für Woche, obwohl ich seit Jahren keinen Handgriff mehr getan habe. Aber Workaholic bleibt man ein Leben lang; man hat eine äußerst verwundbare Stelle, derer man sich jederzeit bewußt sein sollte, wenn es wieder einmal gilt, der Versuchung zu widerstehen.

Friedrich Krautzberger

Schock

Eines meiner äußerst ausgewaschenen ­T-Shirts ist, warum auch immer, rück­seitig mit der sensationellen Erkenntnis ­»IMPOSSIBLE IS NO­THING« bedruckt.

»Paßt zu dir«, meinte neulich ein Bekannter und bemerkte schnell das totale Entsetzen, das sich ob seiner Bemerkung in meinem Gesicht breitmachte. Hastig ­ergänzte er: »Nach unten, meine ich, nach unten ist alles möglich bei dir!«

War das eine Erleichterung! So sehr hatte ich mich lange nicht erschrocken!

Dirk Warnke

Zu Hause glaubt’s wieder kein Schwein!

Auch wenn es sich auf den ersten Blick wie schlechte Provence-Folklore nach Art des Peter Mayle liest: Das folgende Mini­a­turdrama zwischen mehreren Sicherheitsfachkäften (Spezialgebiet Hand­gepäck) und einer deutschen Reisenden (die einem 600-Gramm-Stück Hartkäse die Welt von oben zeigen wollte) hat sich, am Flug­hafen Marseille, tatsächlich so zugetragen. Der Autor hat es lediglich mitangesehen und fachmännisch übersetzt.

 

Sicherheitsfachkraft: Ja, was haben wir denn da?!

Reisende: Käse.

Fachkraft: Ziemlich groß. Da könnten Flüssigkeiten drin versteckt sein.

Reisende: Und nun?

Fachkraft: Den müssen wir zerschneiden!

(Ein Messer wird herbeigeschafft und der Reisenden überreicht)

Reisende: Wie soll ich denn schneiden?

Fachkraft: Na, in Würfel halt.

(Die Reisende tut wie befohlen, auf dem unter den Messerschnitten leidenden Einwickelpapier entsteht eine ­kleine Käsepyramide)

Reisende: Und jetzt?

Fachkraft: Jetzt haben wir ­Käsewürfel. Und Sie ein Verpackungsproblem. Am ­besten, wir essen sie auf.

Reisende: Das glaub’ ich auch.

(Der Strom der übrigen Passagiere wird kurzfristig in die nächste Schlange umgeleitet, mehrere Fachkräfte und die Reisende entsorgen gemeinsam das Gefahrgut)

Ende

Hans Kantereit

Yakultbuch

»Ein Buch mit Yakultpotential: wäßrig, säuerlich und macht irgendwas Selt­sames mit der Verdauung.« Suche für ­diese von mir verfaßte Rezension noch das ge­eignete Werk.

Ernstgemeinte Angebote bitte an die Redaktion, z. Hd.

Mark-Stefan Tietze

20 Kreuze zuviel

Eine Freundin gab mir aus dem ­Sekretariat des Professors die Fragen des Multiple-­Choice-Tests frisch von der ­Kopiervorlage durch. Im Nachhinein hat mich nur ge­ärgert, daß ich mir das lästige Ankreuzen ebenfalls hätte sparen können, da just diese Freundin das Geschmiere letztlich auch korrigierte.

Florian Haymann

Guido Knopp

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft also wieder eine Fernsehserie im ZDF und das passende Buch bei C. Bertelsmann. Folgende Titel vermisse ich allerdings sogar im gut sortierten Buchhandel: »A. Hitler, J. Goebbels, H. Himmler u.a.: Guido Knopp – Eine Bilanz«, »Knopps ­Manager«, »Knopps Helfer«, »Knopps Frauen« etc.

Daniel Nierwetberg

Für alle Winterdepressiven

Bevor die ägyptischen Zwillingsgott­heiten Schu und Tefnut die Erde und den Himmel hervorbrachten, wurde der ­erstere vom höchsten Schöpfer Atum ausgeniest, wohingegen letztere von Atum aus­gespieen wurde. Und jetzt sehen Sie sich doch bitteschön mal um: Eigentlich gar keine so schlechte Welt, wenn man ­bedenkt, daß sie aus Rotze und Auswurf gemacht wurde.

Thomas Winkler

Kunstszene aktuell

In meinem jüngsten Werk überwinde ich die Grenzen zwischen Rauminstallation und Malerei. Der malerische Gestus läßt den abstrakten Expressionismus wieder aufleben, es finden sich aber auch Anklänge an die schwungvollen Rakelzüge eines K.O. Götz: »Stochastische Farbverteilung«, in Dispersionsfarben auf Heizkörpern, Möbelstücken und Teppichen; wäre mit einer handelüblichen Abdeckfolie (Baumarkt, € 1,99) vermutlich leicht zu vermeiden gewesen.

Helge Möhn

Öhm

Ein Bekannter führt eine Nervenarzt­praxis und heißt Dr. Öhm. Wenn er in seinem pico­bello eingerichteten und das offene Wort geradezu herausfordernden Sprechzimmer einen neuen Patienten empfängt, beginnt er das Gespräch mit den Worten »Öhm. Was führt Sie zu mir?« oder »Öhm. Was kann ich für Sie tun?« Nahezu jeder Patient fragt ihn höchstens zwei Sätze später, wie er denn eigentlich heiße. Jetzt überlegt er, den Namen seiner Frau anzunehmen.

Christof Goddemeier

Nichts dazugelernt

Mittlerweile ist mein knapp zweijähriger Sohn in der Lage, sämtliche ihm gestellten Fragen zumindest mit »Ja« oder »Nein« zu beantworten. Daß er sich, laut eigener Aussage, eine spätere Tätigkeit als Jurist bei einem großen Chemie­konzern genausogut vorstellen kann wie das Entfernen großer, dampfender Kothaufen aus dem Elefantengehege eines ­bekannten norddeutschen Zoos: Damit kann ich umgehen. Daß er aber, wie er mir heute früh um sieben Uhr ­versicherte, immer noch uneingeschränkte ­Sympathien für Kaiser Wilhelm II. und die Monarchie als solche hegt, hat mich dann doch ­wütend gemacht.

Jörg Schedlinski

Tutorium für Ethnologen

Bei der Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Wahrsagerei sollte im Literaturverzeichnis auch der Kaffeesatz eingeklebt werden, und zwar unter Angabe der Sorte, des Anbaugebiets und des Jahrgangs; und in genau dieser Reihenfolge.

David Schaible

Groovy

Als meine Freundin heute morgen die Treppe im Hausflur runterfiel und auf jeder dritten Stufe mit dem Kinn aufschlug, klang das erfreulicherweise wie der Anfang von »We Will Rock You«.

Frank Scheller

Praktisch

Natürlich sind die dicken Staubflocken, die sich in jeder Ecke meiner kleinen Wohnung befinden, nicht unbedingt eine Augen­weide. Macht man aber mit einem großen Glas und einem Blatt Papier Jagd auf eine Spinne, die sich auf ihrer Flucht in immer dickeren grauen Flusen verfängt und somit so langsam wird, daß sie problemlos einzufangen ist, dann muß man schon zugeben: Ganz schön praktisch, so Hausstaub!

Christian Martin

Erinnerungsarbeit

Ich hasse es, unleserliche Schrift ent­ziffern zu müssen. Darum finde ich es wirklich gut, daß in Berlin nun endlich der Bau der Gedenkstätte »Typographie des Terrors« beginnt.

Katharina Greve

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Dass Sie, Frau Dr. med. Irene Jung,

als praktische Ärztin im altehrwürdigen Städtchen Detmold neben »Naturheilverfahren« und »ästhetischer Dermatologie« als »besonderen Schwerpunkt« Ihrer Tätigkeitspalette »Altersprävention« anbieten, ist naheliegend, können Sie doch ganz überzeugend mit sich selbst als Vorbild werben: Sie zumindest bleiben ja forever Jung.

Kalauert heute etwas altbacken: Titanic

 »Soester Anzeiger«!

Wenn es laut Ausgabe vom 3.7. in Deinem Wirtschafts-Ressort heißt: »Edeka schluckt Netto komplett«, hätte es dann nicht genügt, der Einfachheit halber zu titeln: »Edeka schluckt Brutto«?

Fragen die Betriebswirtschaftsgelehrten von Titanic

 Susanne Viernickel!

Sie sind Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig. Die jetzt durchgeführte OECD-Befragung von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung enthält zum ersten Mal internationale Vergleichsdaten zu deren Selbstverständnis und Arbeitsbedingungen.

Im Deutschlandfunk benannten Sie als ein wesentliches Ergebnis der Studie den Fachkräftemangel in Deutschland: »Personal, Personal, Personal.« Und: »Auch Leitungskräfte klagen, denn sie können nicht leiten.« Soweit klar; wenn niemand da ist, der sich führen lässt, können Führungskräfte nicht führen. Aber statt darüber zu klagen, könnten diese beispielsweise vorübergehend aufs Leiten und Führen verzichten und direkt in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung tätig werden. Die Kinder tät’s womöglich freuen.

Tipp von Ihrer Titanic

 Mary Trump!

Mary Trump!

Sie sind die Nichte des amtierenden US-Präsidenten und haben ein Enthüllungsbuch veröffentlicht, das wir aus Sorge um unser Seelenheil leider nicht lesen können. Trotzdem nett, von Ihrer Existenz erfahren zu haben. Und die nächsten beiden Bücher über Onkel Donald schreiben dann Ihre Schwestern Miry und Mury, ja?

Quak-quak! Titanic

 Philipp Amthor!

Um weiter an Ihrem konservativen Profil zu feilen, machten Sie – wie einfallsreich! – einen Jagdschein und ließen es sich nicht nehmen, sich auf der Jagd vom »Spiegel« begleiten zu lassen: »Wenn Philipp Amthor über die Jagd redet, spricht er gern in Jägerdeutsch.« Was unter anderem so klingt: »Natürlich ist .300 Winchester Magnum jagdlich ein relativ großes Kaliber.« Oder: »Ein Maisfeld, sagt Amthor, sei für einen Jungjäger keine einfache jagdliche Situation.« Einmal klagen Sie über das Fehlen von »jagdbarem Wild« und bezeichnen irgendeinen Stephan als Ihren »jagdlichen Mentor«.

Täuscht das, oder besteht Ihr Jägerdeutsch vor allem im Voranstellen des Wortes »jagdlich«?

Und wie kann es sein, dass ein ach so gewiefter Jägerjunge einen solchen Bock schießt wie Sie mit Ihrer Affäre um Augustus Intelligence? Ach, das Wortspiel machten Sie im Interview selbst? Dann lassen wir Sie dieses Mal noch davonkommen!

Bleibt Ihnen satirlich auf den Hufen: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Wo das wahre Outdoor beginnt

Dass du dich in einer echten Wildnis aufhältst, merkst du spätestens dann, wenn du im lichtlosen Gestrüpp stolperst und dir während des Fallens in Sekundenbruchteilen überlegst, ob es sicherer wäre, den Sturz aufzufangen oder die Hände in den Hosentaschen stecken zu lassen. Brennnesseln, Nacktschnecken, Jauchepfützen, das sind alles extrem schwer einzuschätzende Landezonen. Profis fallen übrigens erst gar nicht hin.

Theobald Fuchs

 Körpereigene Alarmanlage

Mittlerweile gibt es ja allerhand Smartwatches und Apps zur Überwachung und Optimierung des Schlafes auf dem Markt. Dass aber auch die natürliche Schlafregulation ganz gut funktioniert, merkt man, wenn man nach versehentlichem Wegdösen am Nachmittag vom eigenen Schnarchen prompt wieder geweckt wird.

Julia Mateus

 Fahrt in den Urlaub

Wer schon mal auf der Autoroute unterwegs war, dem ist es bestimmt aufgefallen: In Frankreich und nur in Frankreich überholt man alle paar Kilometer ein einsam auf der rechten Spur vor sich hin blinkendes Auto. Wo ist man mit seinen Gedanken, fragen wir Deutschen uns da entzückt, wenn man nach dem Spurwechsel nicht nur vergisst, den Blinker auszuschalten, sondern es sogar schafft, sein enervierendes Klacken dauerhaft aus der Wahrnehmung zu verdrängen? In jedem Fall nicht auf der Straße, das verdient schon mal Bewunderung. Vielleicht sogar überhaupt nicht unterwegs, sondern auf Seite 93 der buchstäblich fesselnden Ménage-à-trois, die zu Hause aufgeschlagen vor dem Kamin liegt und sich bereits darauf freut, am Abend wieder einen Tropfen Chardonnay abzubekommen? Oder bei den zwei kleinen Töchtern und ihrer bezaubernden Mutter, von der man in genau diesem Moment angerufen wird, aber nur, weil sie sich am Piano auf das Telefon gesetzt hat und einem jetzt unbemerkt ein Ständchen spielt? Es wird wohl immer ein süßes Geheimnis bleiben.

Teja Fischer

 Ethische Frage

Gesetzt den Fall, der Bandwurm wäre vom Aussterben bedroht –, sollte man ihn dann retten? Und wenn ja: Wer meldet sich freiwillig?

Katharina Greve

 Beauty-Tipp

Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: »Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.« Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: Der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt, und als die Kosmetikerin erläuterte: »Horst Tappert, Sie wissen schon, der Derrick, der schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera«, entschloss ich mich, fürs erste auf diesen Stift zu verzichten.

Miriam Wurster

Vermischtes

Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHeiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
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Das schreiben die anderen

  • 10.08.:

    Martin Sonneborn gibt der "Berliner Zeitung" ein großes Sommerinterview.

     

Titanic unterwegs
14.08.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Christian Y. Schmidt
20.08.2020 Düsseldorf, Zakk Paula Irmschler
26.08.2020 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
26.08.2020 Hamburg, Kampnagel Paula Irmschler mit Linus Volkmann