Vom Fachmann für Kenner | September 2007


Mißtrauische Siegermacht

Neulich beim Berlinbesuch, Kneipe in der Oranienburger Straße, Nebentisch.

Amerikanischer Gast (erkennbar am starken Akzent): »Ein Mineralwasser, bitte.«

Deutsche Bedienung: »Mit oder ohne Gas?«

Amerikanischer Gast (nach kurzer Denkpause): »Lieber ohne – euch Krauts traue ich nicht.«

Thorsten Mausehund

Hufschlag

Ganz genau erinnert sich die Großmutter, daß es nicht Friesen gewesen seien, die der Verstorbene gezüchtet habe, sondern Schleswiger Kaltblutpferde. Mit ihnen sei er seinerzeit bis nach Rußland gefahren und mit den meisten von ihnen auch heil wieder zurückgekehrt. Erst bei seiner Beerdigung habe sich jener Vorfall ereignet, bei dem ein zum Spalier aufgestelltes Pferd gestiegen sei und seiner Halterin Gesicht und Brustbein zertreten habe. Diese Frau, von der es immer heiße, sie sei bei der Beerdigung gestorben, lebe aber immer noch, da ist sich die Großmutter ganz sicher. Seit diesem Unfall sei sie allerdings völlig entstellt, und außerdem habe sie sie auch vorher kaum gekannt.

Ludger Fischer

Vom Wesen der Kühe (2)

Jedes Landkind weiß: Kühe sind sehr neugierige Tiere. Jeder Spaziergänger, der schon mal eine Kuhweide passiert hat, wird die Erfahrung gemacht haben, daß ihn mindestens eine Kuh den gesamten Weg lang verfolgte. Mit anderen Worten: Kühe sind die Stalker unter den Nutztieren.

Volker Surmann

Freiwillig

Vertrauen ist gut – solange der Mann nicht der Frau vertraut. Diese Erkenntnis gewann ich nach mehreren Gerichtsprozessen, die ich in letzter Zeit mitverfolgte. Da wanderten Männer in den Knast, weil ihren Ex-Partnerinnen nach Jahren eingefallen war, daß die eine oder andere Zärtlichkeit wohl doch nicht so ganz freiwillig gewesen war. Ich zog daraus meine Konsequenzen und formulierte ein Schreiben: »Hiermit bestätigt Frau X., daß sie am (Datum) in (Ort) mit Herrn S. vollkommen freiwillig ins Bett gegangen ist.« Diesen Schrieb lege ich den Mädels in den entsprechenden Situationen jetzt immer vor. Aber glauben Sie, daß auch nur eine bisher unterschrieben hat? Nix! Keine einzige! Noch Fragen, was die »Ehrlichkeit« der Frauen betrifft?

Christian Schroeder

Hervorragend gelesen

Unlängst begab es sich, daß ich im Prospekt eines Verlags für Audioprodukte herumblätterte und Headlines und Fettgedrucktes überflog: »Katharina Wackernagel liest Karen Duve«, »Katharina Schüttler liest Jenny Erpenbeck«, »Inga Busch liest Franziska Gerstenberg«, »Cosma Shiva Hagen liest Juli Zeh«, »Hugo Egon Balder liest hervorragend«. Kurz schämte ich mich einer weiteren, frisch enttarnten Wissens­lücke, ließ es aber recht rasch wieder bleiben.

Thomas Schaefer

Ein-Mann-Armee

Ein Blick in den Spiegel offenbart, daß der Begriff »Sportskanone«, auf mich angewandt, weit untertrieben ist. Vielmehr gleiche ich einem »Sportspanzer«, wenn nicht gar einem »Sportsflugzeugträger«. Wenn ich weiter trainiere in meiner Königsdisziplin, dem einarmigen Reißen in der Halbliterklasse, bringe ich es sogar zum »Sportstodesstern«, nehmt euch in acht, prost!

Thomas Tonn

Noch mal Literaturgeschichte

J.R.R. Tolkien war der einzige Schriftsteller, der seinen Hobbit zum Beruf machte.

Thea Unangst

Live dabei

Es ist soo geil! Die neue Technik ermöglicht es jetzt, ganze Reportagen komplett im Handy zu schreiben :) :) :)! Vorteil: Man ist nicht mehr an den Schreib- oder Kaffeehaustisch gefesselt, sondern kann raus ins pralle Leben gehen, z.B. samstags kurz vor Ladenschluß in die Bäckerei, und fragen: »Was ist denn das für ein Brot?« Und gleichzeitig alles mittippen, z.B., daß die Verkäuferin mißvergnügt antwortet: »Das ist eines unserer Biobrote… mit Kirschenkernen.«

Nachteil aber: Wenn sich die Ereignisse überschlagen und man verdutzt nachfragt: »Echt? Mit Kirschenkernen?« und die Verkäuferin ihre Augen verdreht und antwortet: »Nein, mit CASHEWKERNEN!!«, dann kommt man mit dem Tippen nicht mehr nach, hört sich überfordert »Okay, nehm ich« sagen und steht dann draußen vor der Tür, mit einem superteuren Brot, das man gar nicht mag. Und hinter einem wird abgeschlossen :( :( :( !

Mark-Stefan Tietze

Gut versichert

Neulich rief mich mein Versicherungsvertreter an. Ich solle doch unbedingt eine Überspannungsversicherung abschließen, falls ein Blitz einschlägt, wegen dem Computer und so: Seinem Sohn sei da vor kurzem der ganze Rechner flötengegangen. Vor zwei Jahren sollte ich bei ihm unbedingt eine Glasversicherung abschließen: Ein umstürzender Baum habe die Terrassentüren seiner Nichte zerlegt. Letztes Jahr war es eine Unfallversicherung: Seinem Cousin seien gerade beide Arme abgerissen worden. Die Verwandten meines Versicherungsvertreters leben wirklich gefährlich. Nur gut, daß sie einen Fachmann in der Familie haben.

Katharina Greve

Geschichten aus 1001 Nacht

Auf der Rückfahrt vom Theater sitze ich in der U-Bahn, wo drei türkische Mädels, dritte Generation, im knappsten Outfit, das mir jemals vor die Augen gekommen ist, den ganzen Wagen unterhalten. Die kleinste zieht sich jedes Mal, wenn der Zug hält, die Lippen nach. »Als ich zwölf war, hab ich mir die Achseln und Beine rasiert«, läßt sich die zweite vernehmen, »und mit vierzehn die Muschi.«

Dann doch lieber Kopftuch.

Fanny Müller

Kindlicher Konservatismus

Bereits als Kind verfügte ich über umfangreiches Wissen in politischen Fragen. Meine hervorragenden politischen Kenntnisse waren nicht zuletzt meinem ausgeprägten Interesse für das Medium Fernsehen geschuldet. Am liebsten und regelmäßig sah ich die Tagesschau. Ich erinnere mich noch genau daran, daß ich lange Zeit davon überzeugt war, daß der dicke Tagesschausprecher Werner Veigel und der dicke Bundeskanzler Helmut Kohl ein und dieselbe Person seien. Ich dachte, es sei Aufgabe des Bundeskanzlers, sein ihm ergebenes Volk über die neuesten Geschehnisse aus dem In- und Ausland in Kenntnis zu setzen. Eine Sache irritierte mich jedoch, und als die Irritationen zur Qual wurden, fragte ich meine Eltern: »Warum sagt der denn immer Bundeskanzler Kohl und nicht ich

Schon wenig später drängte sich mir eine neue, weitaus bedeutendere Frage auf, denn ich mußte feststellen, daß das Volk seinem Kanzler gar nicht so ergeben war, wie ich dachte. Im Gegenteil: Allerorten wurde schlecht über ihn geredet, keiner schien ihn zu mögen. Aber warum? Uns ging es doch gut. Mir jedenfalls ging es gut. Ich wollte keinen anderen Kanzler, ich mochte Kohl.

Nun, all dies fiel mir wieder ein, als ich vor einiger Zeit via TV Zeuge werden durfte, wie Kinder im Kontext irgendeines Kinderwahlrechtsquatsches von einer Frau mit Mikrofon dazu gezwungen wurden, auf ihre Frage »Na, und wen würdest du denn wählen?« zu reagieren. Ein schüchterner Junge sagte mit sehr leiser Stimme: »Ach, ich will, daß alles so bleibt, wie es ist.« Ich verstand den Jungen so gut.

Peer Schneider

Geschmacklos, aber wahr:

Wenn die Deutschen ihren letzten Weltkrieg gewonnen hätten, wäre ihr Führer Adolf Hitler neben vielem anderen als großer Sozialreformer in die Geschichte eingegangen, denn er hätte ja die Slawerei abgeschafft.

Stefan Gärtner

Überprüftes Sprichwort

Wer anderen eine Grube gräbt, der fällt gar nicht selbst hinein, sondern sitzt nebenan im Bauwagen, trinkt ein Bier und hat bloß »vergessen«, ein Umleitungsschild aufzustellen.

Tibor Rácskai

Siehe Anhang

Es ist allgemein bekannt, daß bei schätzungsweise der Hälfte aller E-Mails, an die ein Attachment angefügt werden soll, dieses vergessen wird und man eine peinliche »Jetzt aber mit Attachment!«-Mail hinterherschicken muß. Mir aber kam die Idee: Warum nicht einfach die Mail-Programme so umprogrammieren, daß sie vor dem Absenden jeder Mail fragen: »Haben Sie auch an das Attachment gedacht?« Ein gleichwohl einfacher wie auch praktikabler Einfall, dachte ich, den mußt du dir patentieren lassen, dann hast du für die Zukunft ausgesorgt. Gesagt, getan. Keine zwei Wochen später kam eine Mail vom Deutschen Patentamt in München: Sie hätten in meiner Mail den Anhang mit dem angekündigten patentierungswürdigen Vorschlag nicht finden können.

Ich mag es nicht, wenn Ämter sarkastisch werden.

Peter Alberts

Aus dem Tagebuch eines Bungee-Jumpers

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA

aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

hhhhhhhhhhhhhhh!!!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAA

aaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

hhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!!!!

Niko Burger

In der U-Bahn

Das gleichförmige Rattern der U-Bahn. Dunkle Tunnelwände. Langsam fallen die Augen zu. Da – plötzlich – ertönt diese nasale Stimme: »Sehr verehrte Damen und Herren, entschuldigen Sie bitte die Störung! Der Herr mit den fauligen Zähnen hier heißt Horst, und mein Name ist Robi. Ich bin arbeitsloser Sozialarbeiter und habe auf Ein-Euro-Basis die Einzelfallbetreuung von Horst übernommen, um Ihnen in Zukunft an seiner Statt die Obdachlosenzeitung ›Die Stütze‹ zu verkaufen. Dies steigert Horsts Umsatz und verbessert Ihren Fahrkomfort. Leider mußte der Preis der Zeitung dafür angehoben werden. Sie kostet nun glatte 5 Euro, wovon ein Euro an Horst geht, ein Euro an die Redaktion, ein Euro an mich und zwei Euro an den privaten Arbeitsvermittler, der mich im Auftrag des Job-Centers hierher vermittelt hat.«

Und beim Aussteigen dann diese Unsicherheit, ob es wirklich ein Traum war…

Markus Liske

Brüder im Geiste

Heinrich Mann ist der Ralf Schumacher der Literaturgeschichte.

Kajo Strauch

SMS-Terror

Falls sich jemand fragen sollte, ob das neue iPhone von Apple auch SMS-Botschaften versenden kann: Es kann, sehr gut sogar – bis zu 50 am Tag. Im Grunde habe ich auch gar nicht daran gezweifelt, sah mich aber trotzdem veranlaßt, dies an einem der ausgestellten iPhones im New Yorker Ap­ple Store zu testen. Ich hätte jedoch die Nummer meiner Frau aus dem Gerät löschen sollen, nachdem ich ihr einen kurzen Gruß gesendet hatte. Am Anfang fanden wir die zahllosen SMS irgendwelcher New Yorker und vor allem Touristen noch lustig, jetzt ist es aber nur noch lästig. Daß der Apple Store 24 Stunden am Tag geöffnet hat, hilft auch nicht gerade. Ich habe zudem die Vermutung, daß meine Frau mit einem spanischen Touristen eine SMS-Affäre angefangen hat. Sie behauptet allerdings, nur ihr schriftliches Spanisch trainieren zu wollen.

Felix Waldthausen

Maß und Einheit

Meine chemische Lieblingsmaßeinheit bezeichnet die Konzentration von Metall­ionen im Wasser und nennt sich »deutsche ­Härte«. Zwar kennen die Chemiker auch noch die »französische Härte« – aber die kann unmöglich hart genug sein.

Leo Fischer

Beim Spaziergang

An einem kleinen Spielplatz im malerischen Örtchen Frankenthal hat die Dorfjugend hier (Rutsche) und da (Wippe) einige Gedanken notiert:

»Lesbem-WG!«

»Goofy du Flach-Wixxa«

»Du kannst Blasen, während ich auf Klo sitz und scheiß Nutte!«

Wahrscheinlich sind sie verliebt. Romantische Jugendzeit!

Dirk Warnke

Paradox

Ich verstehe nicht, warum die Angst vor Selbstmordattentätern steigt. Die werden doch ständig weniger.

Jonas Haas

Wenn‘s nicht mehr geht

Für alle, die schon öfter vergeblich versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören, habe ich meines Erachtens die ultimative Methode gefunden: Einfach den langjährig geliebten Partner durch rüdes Verhalten dauerhaft in die Arme eines anderen treiben und kraft des Liebesleids den Nikotinhunger ganz lässig und müde lächelnd wegstecken.

Klaus Weidenbrücher

Original und Fälschung

Markenpiraten sind wenigstens ehrlich. Die lassen zwar auch in fiesen fernöstlichen Sweatshops billigen Ramsch zusammenstückeln; während aber die hippen Klamottenfirmen dessen Marktwert ungefähr verhundertfachen, indem sie ihr Logo draufbügeln, verkloppen die Markenpiraten das Zeug später für nur unwesentlich mehr, als es auch wert ist.

Sebastian Mecklenburg

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Schöpfer der Kampagne »Werde Maler!«

Was ging uns das Herz auf – und mit uns wohl Zigtausenden ambitionierter Schulabgänger –, als wir auf Bussen und Plakaten Euren oben genannten Aufruf lasen, darunter die verheißungsvollsten Satzperlen: »Eintrittskarte in eine kreative Branche«, oder gar, wo pandemiebedingt zur Zeit so vieles den Bach runtergeht: »Meine Zukunft ist gesichert!«

Wer träumt nicht davon: endlich, und das nach offizieller Aufforderung, in die Fußstapfen von Gerhard Richter und Jonathan Meese treten, dazu Geniekult, Aktmalorgien, Koks und Heavy-Petting mit Myriaden von Musen. Doch Basel-, äh, Mumpitz: Bei genauerem Studium von www.werde-maler.de entpuppt sich die rosige oder auch polychrome Zukunft als ein billiges Trompe-l’œil, löst sich in Neo und Rauch auf. Leider seid Ihr nicht der Deutsche Künstlerbund, sondern die schnöde Innung der Maler und Lackierer. Aber sagt, ein bisschen Koks während der Achtstunden-Frühschicht gibt’s bei Euch vielleicht auch?

Fragt mit Restinteresse: Titanic

 Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Alles in Ordnung, Winzerfamilie Keller?

Im »Focus« wurden Sie – Guts-Chefin Bettina, Ehemann und DFB-Präsident Fritz Keller sowie Ihre drei Söhne – in der Reihe »Generationengespräch« über dies und das befragt, und was ein leidlich als Journalismus getarntes Alkoholwerbefeature hätte werden können, explodierte gleich zu Beginn derart, dass man glauben konnte, man läse das Transkript einer durchschnittlichen Maischberger-Sendung.

»Herr Keller, sind Sie auch Patriarch?« hob der Interviewer an, worauf es aus Ihren Mündern u.a. schallte: »Wer? Ich? Warum?«, »Ja, ja«, »Mein Mann will schon der Bestimmer sein«, »Was!? Das habe ich ja noch nie gehört«; dann, auf die Frage »Wollten Sie ihn je verlassen?« ging es weiter mit: »Eigentlich täglich«, »Ich will jetzt auch mal was sagen«, »Das stimmt einfach nicht«, »Das stimmt nicht«, »Doch« und so fort über anderthalb Spalten hinweg, und wenn der »Focus«-Mann nicht elegant zum Thema Fußball gewechselt wäre, wie lange hätte es dann wohl gedauert, bis der erste Dekanter durch die Luft geflogen wäre? Oder torkelt für gewöhnlich ein jeder von Ihnen, ein übervolles Glas schwenkend und giftige Vorwürfe speiend, in sein jeweiliges Zimmerchen? Und: Kommt so etwas täglich vor in Ihrem Weinkeller, liebe Kellers? Wie haben Sie eigentlich die Quarantäne überstanden?

Empfiehlt eine Familienaufstellung im Mineralwasser-Lager: Titanic

 Kuckuck, Daniel Kehlmann!

Von der »Sprengkapsel des Infektionsschutzgesetzes«, das wie eine »Bombe« in »unser Gesetzeswerk« eingelassen sei, faselten Sie unlängst bei denen von der »Welt« und kritisierten wieder einmal die Corona-Maßnahmen aus Angst um Ihre Freiheitsrechte. Immerhin sei eine Sterberate von 0,5 Prozent nun mal nicht die Cholera.

Und trotzdem mussten Sie, Herr Kehlmann, all das durchstehen: Da haben Sie sich in ein »ganz kleines Haus« in Montauk eingemietet, vorher einen »großen Fernseher« und eine Playstation gekauft und ausgeharrt. Ja Himmel, ist das denn überhaupt noch ein Leben? Überdies würden Sie sich in der westlichen Zivilgesellschaft nie wieder so sicher fühlen können wie früher. Was, man ahnt es, nicht das Virus und dessen Gefahren meint.

Aber was auch immer die Zukunft bringen mag, Herr Kehlmann: Wir wissen nun immerhin, dass wir uns im Falle erneuter Klopapierengpässe den Hintern guten Gewissens mit Ihren Büchern abwischen können.

Danke dafür: Titanic

 Und Du, hyperaktives Berlin,

hast Dich bei der Entwicklung Deiner neuen Werbekampagne mal wieder nicht richtig konzentriert. Denn sonst wäre Dir doch sofort aufgefallen, dass in dem Motto »Berlin. Auch das« glatt das »noch!« fehlt.

Sieht genau hin: Titanic

 Oskar Lafontaine, alter Gourmet!

Sie waren Gesprächsgast bei der Vorstellung des neuen Sarrazinbuches über irgendwas mit Flüchtlingen und Ausländern, deren Aufenthalt in Deutschland auch Ihnen nicht behagt. Denn schließlich, so sagten Sie, sei es wenig sinnvoll, einen von hundert hungernden Menschen ins »Feinschmecker-Lokal« einzuladen, wenn die dortige Rechnung allemal dafür ausreiche, allen Betroffenen Brot zu geben.

Wohl wahr! Allerdings machte es Ihnen niemals etwas aus, in Feinschmecker-Lokale, Fünf-Sterne-Hotels, Privatjets und Luxus-Fincas eingeladen zu werden, auch wenn die Rechnungen dafür ausgereicht hätten, die ganze Wählerschaft der Linkspartei mit Brot für Jahre auszustatten.

Aber was sollten die damit auch anfangen, nicht wahr? Die können ja schließlich auch Kuchen essen!

Schenkt Ihnen immer gerne ein: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Obenrum öd

Die ICE-Trasse Kassel-Würzburg liegt fast komplett unter der Erde. Das ist durchaus eine gute Idee, denn die Gegend ist so trostlos wie das Liebesleben eines Bahn-Vorstands. Für einen Zwischenhalt erbricht sich der Zug in Fulda kurz an die Oberfläche, und man erkennt auf den ersten Blick die Brillanz der Nato-Strategie aus den Achtzigerjahren: Hier also wäre der Russe damals durchs berühmte »Fulda Gap« in den Westen einmarschiert und mit seiner enormen Panzerflotte vor lauter Langeweile direkt verödet.

Peter P. Neuhaus

 Prädikatenlogik im Urlaub

Dass die supergescheiten Griechen als Begründer der Logik uns weniger beschlagenen Völkern gripsmäßig stets einen Schritt voraus sind, wurde mir abermals verdeutlicht, als mir auf Kreta ein Einheimischer auf die Frage, ob das von mir anvisierte Reiseziel ein gutes sei, antwortete: »Oh yeah, it's a nice place! Everybody goes there. I have never been there.«

Cornelius W.M. Oettle

 Kunst meets Frankfurt

»Einmal die Krüppel.«
»Wie bitte?«
»Na, die Krüppel-Sammlung da.«
»Mein Herr, Sie meinen unsere Ausstellung ›En passant‹? Sie möchten ein Ticket?«
»Ja, genau.«

Man fremdelte anfangs ein wenig mit den impressionistischen Skulpturen im Städel-Museum in Frankfurt.

Nicolai Hagedorn

 Abwägungsfrage

Die eigenen unerfüllten Lebensträume auf seinen Nachwuchs zu projizieren, diese Möglichkeit hat man als kinderloser Mensch leider nicht. Anderseits: Ein Kind, das zu jeder einzelnen Sportunterrichtsstunde eine schriftliche Entschuldigung mitbringt, hätte womöglich ernsthafte Schwierigkeiten, was die Bewältigung der schulischen Laufbahn betrifft.

Julia Mateus

 Herbstschmerz

Ein stark übergewichtiger Mann wirbelt mittels eines höllisch laut dröhnenden Laubbläsers nasses Laub von einer Seite des Radwegs auf die andere. Er trägt rote Ohrenschützer, raucht eine krumme Zigarette und hat den Mund-Nasen-Schutz am Kinn kleben. Auf der Jeans-Kutte, die er über seiner orangefarbenen Warnweste trägt, steht »FCK WNTR«. Ich weiß, dass mir dieses Bild irgendetwas über den Zustand der Menschheit sagen will, doch ich schaffe es einfach nicht, die Botschaft zu enträtseln. Ich bin auf einmal nur noch sehr, sehr müde.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
29.10.2020 Gütersloh, Die Weberei Max Goldt
29.10.2020 Schweinfurt, Bayernkolleg Gerhard Henschel
29.10.2020 Bad Oeynhausen, Begegnungszentrum Druckerei Ella Carina Werner
29.10.2020 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Die Neue Frankfurter Schule«