Vom Fachmann für Kenner | November 2007


Vorbildlich

Rauchverbote werden von meinem Freund Tom grundsätzlich mißachtet. So auch neulich auf dem U-Bahnsteig am Münchner Stiglmayerplatz. Unmittelbar nach dem Aussteigen zündete er sich eine Kippe an. Sofort kam eine Mittfünfzigerin auf ihn zugestürmt und rief: »Hior wüdd nisch geroocht!« Toms Antwort wie aus der ­Pistole: »Hier wird aber auch kein Sächsisch geredet!«

Moses Wolff

Frage an die Gewerkschaft

Haben Schwimmeister eigentlich einen Bademanteltarifvertrag?

Jens Radü

Ein idealer Tag

Ich würde lange schlafen. Am Kiosk holte ich mir die neue »Laßt mich bloß in Ruhe«. Im Fernsehen würde ich auf DVD ein paar Folgen meiner neuen Lieblingssoap schauen: »Sofa: Hier holt mich keiner mehr raus«; wahrscheinlich die ganze erste Staffel. Anschließend käme jemand zum Aufräumen, danach ein 45-minütiges Making-Of (»Pizza«), dann eine Pizza. Abends würde ich durch ein paar Shows und Dokus zappen (»Wozu sich anstrengen?«, »Ist doch eh alles Quatsch«, »Und futsch war die Lottomillion«), hinterher einen schönen Fantasy-Film auf RTL II gucken (»VACUUM III: The Void behind the Nothing«). Zum Abschluß noch schnell das »Leckt mich am Arsch, gute Nacht«-Magazin und dann ab ins Bett!

Mark-Stefan Tietze

Einerseits, andererseits

Meine Mutter berichtet mir von einem Hermann-van-Veen-Konzert, das sie besuchte und in dessen Publikum sie auffällig viele Contergan-Geschädigte sah. ­Eine zwiespältige Angelegenheit, vermute ich: Einerseits spricht’s natürlich für das ­soziale Engagement des Künstlers, andererseits schmälert es wohl den ­Applaus.

Tim Wolff

Arbeitsprobe

Wenn man im neuen Job gleich zu Beginn der ersten Dienstreise dem neuen Chef die Hosen von unten bis oben vollkotzt, beweist das eindrucksvoll, daß man zum PR-Manager tatsächlich geeignet ist. Immerhin gab es im ganzen Flugzeug niemanden, der es nicht mitgekriegt hätte.

Theobald Fuchs

Retro-Fun

Neben der DHL-Packstation in meiner Straße entdeckte ich nachts eine Paßfotokabine, wie man sie sonst nur noch auf Amtsfluren findet – dort also, wo sie Sinn ergeben. Weil das hier auf den ersten Blick nicht der Fall war, hatte man den Sinn einfach draufgeschrieben, in Fraktur und mit doppeltem ›ph‹: »Photographiere Dich selbst!« Während ich staunend davor stehenblieb, bog ein schrecklich verliebtes Pärchen um die Ecke. Die beiden lachten, knutschten und blitzten immer wieder mit erhobenen Handys auf sich herab. Dann erblickten sie ebenfalls das Gerät. »Ein Fotoautomat! Ist ja retro!« quietschte die junge Dame verzückt. Als ich das Paar wenig später mit seinen Schwarzweißbildern davonturteln sah – »Cool! Die sind richtig auf Papier! Und ganz ohne Farben!« –, da fragte ich mich, ob ich, wenn nur erst die Handys gelernt hätten, Brot zu toasten, nicht mit alten Toastern enorm reich werden könnte. »Toaste Dein Brot!« würde ich draufdrucken lassen, am ­besten total retro in Mittelhochdeutsch: »Brâte din brôt!«

Markus Liske

Die wahrscheinlich längste Praline der Welt

werde demnächst ich haben. In Zusammen­arbeit mit einem Schokoladenfabrikanten werde ich ein mindestens 15 Zentimeter langes Naschwerk kreieren, »Lüden­scheider Langpraline©« nennen und an die Herrschaften von Duplo spedieren ­lassen. Diese können dann aufhören, am Ende eines jeden Werbespots ihre alt­bekannte und nun widerlegte Vermutung anzustellen. Die Spots werden dadurch drei Sekunden kürzer, was bei einem ­Sekundenpreis von vielleicht 500 Euro und 1000 Ausstrahlungen pro Jahr eine Ersparnis von 1 500 000 Euro bedeutet. Die eine Hälfte können die Jungs in die Neukonzeptionierung der Drehbücher stecken, die andere Hälfte will ich.

Peter Henrich

Ethik

Zwei etwa vierzehnjährige Schülerinnen diskutieren lauthals ihren Stundenplan. Ein heftiger Streit bricht aus. Schließlich kreischt die eine außer sich vor Wut: »Nee, du Fotze – nach dem Mittag haben wir Ethik!«

Robert Niemann

Einstein im Alltag

Gesetzt, ich stehe an einem Bahndamm, und ein Zug fährt vorbei. Dann läßt sich sowohl behaupten, daß ich mich in Ruhe befinde und der Zug sich bewegt, als auch, daß der Zug sich in Ruhe befindet und ich mich relativ zu ihm bewege: Für die Relativitätstheorie sind beide Standpunkte gleich richtig. So gesehen wird auch die Frage hinfällig, ob die Brezen auf dem Oktoberfest tatsächlich kleiner sind als in meiner Kindheit, oder ob ich nur größer geworden bin.

Friedrich Krautzberger

Voreilig

Die kürzliche Heimkehr in die Hölle, falsch, das Paradies meiner Kindheit, auch Elternhaus genannt, löste bei mir einen Tumult der Gefühle aus. Der Anblick meines alten Zimmers, das immer noch so eingerichtet war wie zu der Zeit, da ich es verlassen hatte, versetzte mich sofort in die Stimmung meiner frühen Jugendtage zurück. Gedankenverloren inspizierte ich mein altes Kassettenregal. Dort fand sich ein uralter Tonträger mit der schönsten Musikzusammenstellung, die sich ein Grundschüler damals wünschen konnte. Künstler waren unter anderem Alf, ­Diether Krebs, Falco, Metallica und L.A. Style. Die Kassette war mit dem hübschen Namen »9 Lieder« betitelt. Jäh erinnerte ich mich daran, wie ich als Grundschüler voller Verzweiflung vor dieser wertvollen Kassette saß, mit dem innigen Wunsch, auch Rolf Zuckowskis »In der Weihnachtsbäckerei« noch draufzuspielen, und der gleichzeitigen Erkenntnis, dem Namen der Kassette damit jeglichen Sinn zu nehmen. Ich brach auf der Stelle in Tränen aus und begab mich wie damals in den tröstenden Arm meiner Mutter.

Maximilian Walther

Versuch zum Dialog der Kulturen (5)

Nachts um zwei in einer Kneipe.

Gast: Und ich hätte gerne noch eine Milch mit Honig.

Kellnerin: Tut mir leid, die Kaffee­maschine ist schon aus.

Dialog gescheitert.

Heiko Werning

Tip

Sollten Sie Ihrer Frau zum Hochzeitstag einmal aus Versehen Rosinen statt Rosen überreichen, trösten Sie sich und Ihre Liebste doch mit dem Hinweis, daß ­Rosen zwar schön anzusehen sind, daß aber auch diese einmal welken und im Gegen­satz zu den bereits verschrumpelten Rosi­nen nicht dazu taugen, am Abend vor dem Fernseher geknabbert zu werden. ­Sollten Sie die Nacht dann allein im ­Hotel verbringen müssen, haben Sie wenigstens schon was zu naschen dabei.

Tibor Rácskai

Brummender Glücksfall

Glück! Ja, Glück – nicht in seiner abstrakten, blutarmen Definition als Lexikoneintrag, sondern als leibhaftig und leiblich wahrnehmbares, unmittelbar existenzialistisch und zugleich heideggeraffin zeughaftes Transzendentalereignis, das geht so: Wenn nämlich die dumme, fette Fleischfliege, die schon seit Stunden orientierungslos durch die Wohnung brummt und im Stupor in unschöner Regelmäßigkeit bald gegen Lampe und Wand, gegen Bildschirm und Birne knallt, ohne daß man sie und sich jedoch erlösen könnte; wenn diese doofe feiste Fettfliege im Rahmen eines letzten verworrenen Loopings mit letzter Kraft sich deckenwärts emporschraubt, den Brummbetrieb plötzlich und final einstellt und sauber abschmiert und exakt in den unter ihr und neben meinem Schreibtisch stehenden Papierkorb platscht und dort für immer vorbildlich reglos liegenbleibt – das, liebe Mitmenschen: das ist Glück.

Oliver Maria Schmitt

Code für Kenner

Wer bei Burger King am Heidelberger Hauptbahnhof auf die Toilette will, muß an der Klotür einen Zahlencode eingeben. Den bekommt man beim Erwerb von Burger-King-Produkten – er steht auf dem Kassenzettel. Ich habe meinen neulich nicht gebraucht und gebe ihn hiermit gern weiter: 3527. Wenn’s nicht klappt, war ­jemand anderes schneller.

Nils Heinrich

Keine Details, bitte!

Zumindest beim Proktologen kann man im Wartezimmer noch einen respektablen Lacherfolg erzielen, wenn man nach der Behandlung »Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt!« ruft. Auch wenn’s natürlich gelogen ist.

Oliver Nagel

Haarspalterei

Mein Freund neulich ganz begeistert: »Guck mal, du hast ein Haar, aus dem wächst ein zweites heraus!« Schon ­erstaunlich, wie sich Männer an Spliss ­erfreuen können.

Steffi Thul

Gutes Personal

Im Skater-Shop will ich nach all den Vans und Chucks auch mal die ­Schuhe aus dem Schaufenster anprobieren, die so schön spießig nach Mephisto aussehen. Bei der Wahl der Schuhgröße bin ich jedoch unsicher, habe ­wieder vergessen, wie das mit den amerikanischen Größen ist. Der Verkäufer, einen Kopf größer und auch sonst ein völlig anderer Menschentyp, aber vor Empathie und Hilfsbereitschaft strotzend: »Also ich nehm’ meistens 11 oder so.«

Florian Haymann

Spülmaschine, die erste

Wenn sich drei Studenten zu einer Männer-WG zusammengefunden haben und der freundliche Vermieter die WG-Küche durch den Kauf einer Spülmaschine wieder in einen menschenwürdigen Ort der Begegnung verwandeln will, ist die Spannung vor dem ersten vollautomatischen Spülen groß; und hinterher natürlich erst recht.

Nachdem wir zu dritt eine Stunde vor unserem großen neuen weißen Freund gesessen und jedes Knacken und Rumpeln, das den Vollzug der Spülarbeit dokumentierte, genüßlich und voller Wonne in uns aufgesogen hatten, machte es plötzlich »Klick«, und die Spülung war beendet. Voller Erwartung öffneten wir die Lade, hielten zu dritt unsere Köpfe in die Appa­ratur, inspizierten kritisch das Innere und führten folgenden Dialog:

»Riechst Du das? Das riecht doch ­irgendwie ganz eigenartig.«

Pause, Gedankenblitz und die etwas unsichere Antwort:

»Vielleicht riecht es so, wenn etwas wirklich sauber ist.«

Mark Pelzer

Mit einer scharfen Braut

Das fällt einem durchaus mal ein, wenn man auf der Zugtoilette die Ermahnung liest: »Bitte verlassen Sie diesen Ort so, wie Sie ihn vorfinden möchten.«

Marcel Vega

Tourismus invers

Der weltweite Aufschwung bringt es mit sich, daß man an immer mehr Orten Natio­n­al­­itäten antrifft, die man dort nicht vermutet hätte. In meinem Beispiel war es eine Kolonie indischer Touristen, die mit dem Zug auf das Jungfraujoch fuhr, um sich dort geschlossen in einem »Bollywood-Restaurant« einzufinden. Trotz ­aller Begeisterung über diese neue exotische Note im Alpenraum frug ich mich aber ein wenig, was die Inder dort wollten, wo sie doch den Himalaya praktisch vor der Haustür haben. Als ich dann jedoch während der Talfahrt das Treiben auf den saftigen Wiesen studierte, wurde mir die ­Sache klar wie ein gutgebrannter Enzian: Die Kühe sind in der Schweiz einfach viel hübscher als in Indien.

Michael Höfler

Reden ist Silber

Eine Sonderschulpädagogin versicherte mir am Wochenende, der Vorteil der Arbeit an Sprachbehindertenschulen sei der, daß der Unterricht nicht dauernd durch Zwischenrufe gestört werde.

Frank Scheller

Feuilleton

Mit seiner neuen CD ist dem Aushängeschild des deutschen Jazztrompetens, Till Brönner, wiederum ein Werk gelungen, ohne das die Musikredakteure der Infokanäle wohl nicht wüßten, wie sie die Lücken zwischen den Textbeiträgen ­füllen sollten.

Helge Möhn

Entwarnung

Nur um hier mal mit einem weitverbreiteten Mythos aufzuräumen: Ich habe die Lektüre des erfolgversprechenden Ratgebers »Endlich Nichtraucher« von Allen Carr unbeschadet überstanden und ­rauche jetzt sogar ein bis zwei Päckchen mehr am Tag.

Gregor Mothes

Logisch

Als ich neulich las, daß 90 Prozent aller Frauen Intimrasur bei Männern attraktiv finden, habe ich ganz schön gestutzt.

Arno Lücker

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sie hingegen, Thomas de Maizière,

haben der FAS ein sehr, sehr langes Interview gegeben. Zusammen mit einem alten Spezi aus der Wirtschaft (»mächtigster Aufsichtsrat der Republik«) bramarbasierten Sie über »kluge Führung und die Einsamkeit der Macht«.

Erwartbar bullshittig ging es um »Teamfähigkeit«, »flache Hierarchien« und »sein volles Potential« nutzen. Aber auch darum, »sich nicht zu wichtig zu nehmen«, um »Selbstreflexion« und ein beachtliches »Der Chef ist immer der Chef. Da beißt die Maus keinen Faden ab« aus Ihrem Munde.

Die interessantesten Sätze in diesem mit interessanten Sätzen wahrlich nicht gesegneten Gespräch waren die, als Sie zu selbstreflexiver Hochform aufliefen. Bei der Frage nach Auswahlmechanismen für höhere Ämter fiel Ihnen ein: »Es kommt auf die Konstellation an: Man muss im richtigen Moment verfügbar sein, aus dem richtigen Landesverband kommen, die richtige Härte haben, die eigene Partei muss obendrein in einer Koalition das passende Ressort ergattern. Andererseits wird kein kluger Kanzler, keine kluge Kanzlerin irgendeinen Esel zum Minister machen.«

Sind Sie sich da ganz sicher?! Und warum ist Ihnen das gleich dreimal passiert?

In jeder Hinsicht ministrabel: Team Titanic

 Je nun, Markus Feldenkirchen (»Spiegel«),

in einem als »Kolumne« bezeichneten Beitrag versichern Sie, dass Sie in den Siebzigerjahren »größtenteils noch nicht geboren« gewesen seien. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass es Ihr Kopf wenigstens noch im Laufe unseres Jahrzehnts auf die Welt schafft.

Mit Mitgefühl für Ihre Mutter: Titanic

 Kurze Frage, »Taz«!

»Als er im Juli 2014 ankommt, spricht der Syrer Tarek Saad kaum Deutsch«, lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Und weiter: »Heute ist er deutscher Staatsangehöriger und überzeugter Sozialdemokrat.«

Sollte man, Taz, nicht vielleicht auch mal über Beispiele geglückter statt immer nur missglückter Integrationsbemühungen berichten?

Nur soʼn Gedanke von Titanic

 Aber, »Bild«,

wo bleibt denn Deine Liebe zum blutrünstigen Detail? Bei Deiner Schlagzeile »Deutsche Fleischindustrie hackt auf Bill Gates rum«: da will man doch wissen, was schließlich draus geworden ist! Koteletts? Nackensteaks? Halb und halb?

Leg Dich gehackt! Titanic

 Als Sie, Tom Bartels,

Als Sie, Tom Bartels,

im Rahmen der Übertragung des Fußballspiels Mönchengladbach gegen Dortmund an den noch nicht lange zurückliegenden Winter erinnerten und die Worte aussprachen: »Witterungsbedingt lag auch hier Schnee«, haben wir diese Aussage zunächst reflexhaft als Bartels-gängiges gedankenloses Wortgestöber beiseitegefegt, dann aber, bei vorurteilsfreiem Nachdenken, erkannt, dass Sie natürlich nachgedacht hatten: Schließlich ist es angesichts von Kunstschnee, Kunsteis, Kunstrasen und anderen Erscheinungen des künstlichen Gegenwartssports durchaus richtig, dem Publikum zu erklären, dieses Mal habe es ausnahmsweise witterungsbedingt geschneit. Schnee von gestern? Na dann.

Guten Rutsch: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bleaching Lounge

Professionelle Zahnreinigung frischt nebenbei auch das Gehirn auf. Durchhängende lange Leitungen straffen sich durch die Vibrationen, Kratzgeräusche schleifen die Synapsen blank. Ich kann anschließend schwierige mathematische Aufgaben lösen, Quittungen den Kontoauszügen zuordnen etc. Deshalb erwäge ich, mir ein kleines Dentallabor mit verstellbarem Sessel und einigen Geräten anzuschaffen, inklusive automatischem Desinfektionmittelzerstäuber. Dorthin begebe ich mich morgens nach dem Kaffee etwa für fünfzehn Minuten und lasse die Geräte walten. Danach bewältige ich den Alltag mit Verve. Ich denke, nach einem Jahr dürfte ich die Investition wieder raushaben.

Miriam Wurster

 Klar getrennt

Anlässlich einer kulinarischen Facebook-Debatte über sog. »Weiße Nieren« bzw. »Prairie Oysters« bemerkt: Stierhoden, die es auf den Teller geschafft haben, sind nicht nur keineswegs »Innereien« – denk mal nach, Wikipedia! –, der Begriff ist insgesamt irreführend. »Ochsenhoden« muss es heißen. Ausnahme: Es hängt beim Essen noch der Stier dran.

Michael Ziegelwagner

 Es war nicht alles gut

Als kleine Gruppe Enddreißiger mit DDR-Hintergrund diskutierten wir über die im Vergleich zu heute wahnwitzig scheinende Sorglosigkeit, mit der Eltern in dem untergegangenen Staat ihre Kinder großzogen. Beispielsweise sei es völlig normal gewesen, dass unsere Mütter, wenn sie kurz in die Fleischerei gingen, uns Babys samt Kinderwagen unbeaufsichtigt vor dem Laden stehen ließen – und hat’s uns geschadet?! Nun gut, wandte jemand in der Runde ein, er erinnere sich an die Geschichte eines bei solcher Gelegenheit gekidnappten Säuglings; worauf eine Freundin erzählte, dass auch sie und ihr Zwillingsbruder einmal Opfer einer versuchten Entführung geworden seien und die verwirrte Täterin erst Hunderte Meter vom Geschäft entfernt aufgegriffen wurde. Nach kurzem Schweigen waren wir uns dann aber doch einig, dass man es mit dem ständigen Behüten auch übertreiben könne!

Torsten Gaitzsch

 Gebongt

Mein Plan ist es, einen Roman zu schreiben, den man auch mit Kassenbons nachstellen könnte. Inspiriert wurde ich von meinem letzten Einkauf, und der Anfang steht auch schon:

Hass
DuDa
Gemüse-Auf
Dent
Ohren-?

Nun brüte ich zwischen Avocados und Ohrstöpseln nach Dusch-Das duftend bei einem Gemüse-Auflauf über dem zweiten Satz. Fortsetzung folgt nach dem Zähneputzen!

Tina (Arno Schmidt) Manske

 Die Zukunft der Arbeit

In der Schlange beim Bäcker schweifen die Augen zum lauten Schild: »Unser Service! Wir schneiden Ihr Brot für Sie!« In der Trägheit der verwarteten Zeit zerstreute Anagrammarbeit: Wir schneiden Sie für Ihr Brot – albern. Allerdings: Ihr Service für uns! Sie schneiden unser Brot – das wird noch kommen, auf jeden Fall.

Nis Jasper Nicolaisen

Vermischtes

Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…
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Das schreiben die anderen

  • 29.03.:

    Das Neue Deutschland befragt Ella Carina Werner u.a. zu ihrer neuen TITANIC-Kolumne.

  • 24.03.:

    Christian Y. Schmidt erinnert in Junge Welt an Hans Kantereit.

  • 08.03.:

    Die Frankfurter Rundschau hat in Frankfurt eine Open-Air-Performance der "Volksbühne Berlin" gesehen – alle Details zur Theater-Kooperation mit TITANIC in der bald erscheinenden Aprilausgabe.

     

  • 25.02.:

    Die Junge Welt bespricht Christian Y. Schmidts "Corona Updates Bejing".

  • 23.02.:

    Spiegel und Faz berichten über das Comeback von TITANIC im Google Play Store. Mit netzpolitik.org hat Moritz Hürtgen darüber gesprochen.

Titanic unterwegs
21.04.2021 Köln, Gloria Theater Max Goldt
23.04.2021 Hannover, Pavillon Max Goldt
24.04.2021 Leer, Kulturspeicher Max Goldt
25.04.2021 Norden, VHS Max Goldt