Briefe an die Leser | Juni 2023


Merhaba, Berichterstatter/innen!

Wie die türkischen Wahlen ausgegangen sind, das konntet Ihr uns zu Redaktionsschluss noch nicht mitteilen; wohl aber, auf welche Weise Erdoğan seinen Gegenkandidaten Kemal Kılıçdaroğlu sowie dessen fortgeschrittenes Alter (74) während des Wahlkampfes lächerlich zu machen pflegte: »mit der veralteten Anrede ›Bay Kemal‹ (Herr Kemal)«. Niedlich, dieser Despoten-Ageismus. Auch wenn Erdoğans Exkurs ins Alt-Osmanische, den uns der Tagesspiegel hier nahebringen wollte, laut FAZ eher einer ins Neu-Englische war: »Der türkische Präsident nennt ihn«, Kılıçdaroğlu, »am liebsten ›Bye-bye-Kemal‹.«

Aber, Türkei-Berichterstatter/innen, mal ehrlich: Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass Erdoğan seinen Herausforderer schlicht als bestechlich brandmarken wollte (»Buy Kemal«)? Ihn als Krämerseele verspotten, als Betreiber einer provinziellen deutschen Spelunke (»Bei Kemal«)? Als »Bay-Kemal«, der den ganzen Tag am Strand von Antalya faulenzt? Als »By-Kemal«, der bald einen »By«-Pass braucht, als Tattergreis, der Nahrung nur noch in Matschform zu sich nehmen kann (»Brei-Kemal«)?

Erwägt doch, liebe Berichterstatter/innen, erst mal all diese Möglichkeiten und gebt byezeiten Bayscheid Eurer Titanic

Dumm gelaufen, Birgit Malsack-Winkemann!

Sie sollen als AfD-Abgeordnete im Bundestag eine Wahrsagerin als Sachbearbeiterin beschäftigt und aus Steuermitteln bezahlt haben. Wäre es aber nicht sinnvoller gewesen, Sie hätten umgekehrt eine Sachbearbeiterin als Wahrsagerin angestellt? Die hätte Ihnen nämlich sicher davon abgeraten, sich der Reichsbürger/innen-Truppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß anzuschließen, die einen bewaffneten Angriff auf den Bundestag plante. Nach dem Umsturz wollten Sie Justizministerin einer Übergangsregierung werden. Stattdessen sitzen Sie, Frau Malsack-Winkemann, jetzt im Knast und haben viel Zeit, über Ihren fehlgeschlagenen Plan nachzudenken. Hätten Sie doch bloß uns vorher um Rat gefragt, Ihnen wäre einiges erspart geblieben …

Orakeln die Astrolog/innen auf der Titanic

Wirklich nicht leicht, Joachim Gauck,

scheint Ihnen die in der Bibel gepriesene Geduld zu fallen. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung anlässlich Ihres neuen Buchwerks platzte es aus Ihrem Bundespräsidenten-a.-D.- und Expastoren-Kopf heraus: »Endlich kommen Sie zu meinem vordringlichen Anliegen.« Gut, es war auch schon die zwölfte von zwanzig Fragen. Aber dass Sie bis dahin ungern geantwortet hätten, war zumindest der Länge Ihrer Welterklärungen nicht zu entnehmen.

Vorschlag: Wenn Sie sich mit den Philister/innen von der Presse partout nicht mehr rumschlagen wollen, interviewen Sie sich künftig doch einfach selbst. Unserem vordringlichen Anliegen, Ihr Gerede endlich komplett auszublenden, kämen Sie damit sehr entgegen.

Bedankt sich herzlich im Voraus: Titanic

Sorgen, Alexander Poitz (Gewerkschaft der Polizei),

machen Sie sich wegen des 49-Euro-Tickets. Denn »wo mehr Menschen sind, findet auch mehr Kriminalität statt«.

Klar, Menschen, die kein Auto fahren, sind suspekt, und dass die Anwesenheit von Personen die statistische Wahrscheinlichkeit für Straftaten erhöht, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wir denken daher, dass Sie uns zustimmen, wenn wir feststellen: Wo mehr Polizist/innen sind, finden sich auch mehr Nazis.

Mit kalter Mathematik: Titanic

Hehe, Florian Dörr,

Sie sind offenbar Redakteur der Frankfurter Neuen Presse und haben einen Artikel über einen Brand in Nieder-Eschbach auf dem Schreibtisch gehabt, wie ein Einschub im Text wissen lässt: »Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung bearbeitet und vor der Veröffentlichung von der Redakteur Florian Dörr sorgfältig geprüft.«

Aber eben nicht sorgfältig genug, was?

Lieben Gruß von die Grammatikprüfung der Titanic

Strengen Sie sich mal an, Kevin Kühnert!

Dass die SPD bei Umfragen zum Klimaschutz verhältnismäßig schlecht abschneidet, erklären Sie so: »Viele haben bei Klimaschutz noch Sonnenblumen und Latzhosen vor Augen. Das sind einprägsame Klischees. Die Klimaschützer von heute legen Leitungen, recyceln Akkus oder tauschen Fenster aus.«

Das mag ja sein, Kühnert. Aber anstatt zu lamentieren, könnten Sie sich dieser alten, aber wirkungsvollen Klischees auch bedienen, oder nicht? Einfach mal die Zotteln lang wachsen lassen, Gummistiefel an- und Strohhut aufziehen, bevor es in den Bundestag geht, und dort mit der Klampfe ein konsumkritisches Liedchen anstimmen. Oder sind Sie sich dafür etwa zu fein?

Für jede noch so abgedroschene Symbolik empfänglich: Titanic

Hoppla, Leipziger Fußballtrainer Marco Rose!

Sie meinten nach einem Spiel Ihrer Mannschaft, während dessen einem Ihrer Spieler eine Münze an den Kopf geworfen wurde, »ein, zwei Idioten« gebe es in einem Stadion immer. Rose, da scheinen Sie sich versprochen zu haben: Richtig müsste es »ein, zwei Nicht-Idioten« heißen.

Immer gern: Titanic

Rawr, liebe »Tagesschau«,

nun ist es endlich so weit: Die Zeit der Urzeitechsen läuft ab. »Wird Paraguays Dinosaurier-Partei abgewählt?« fragst Du sorgenvoll. Überraschend, dass die Viecher in diesem Winkel der Welt so lange durchhielten und obendrein imstande waren, sich politisch zu organisieren. Aber gut, wenn die Leute die Nase voll haben, sorgen eben die Stimmzettel fürs Aussterben.

Rebelliert in diesem Fall nicht gegen Extinction: Titanic

Obacht, Karl Lauterbach!

Angesichts des Prozessbeginns gegen die »Vereinten Patrioten«, die Ihre Entführung planten, gaben Sie Auskunft über Ihr Leben mit verschärftem Personenschutz. Beziehungsweise gaben Sie natürlich keine Auskunft, weil das Ihre Sicherheit nicht gerade erhöhen würde: »Ob mir jemand eine Pizza bringen darf, darüber kann ich nicht reden.« Und dann fügten Sie hinzu: »Aber es gibt wenige Bereiche, wo ich noch verletzlich bin.«

Lauterbach, Lauterbach! Wenn Sie sich da mal nicht täuschen! Denn erstens weiß sowieso jede/r Pizzabäcker/in in Berlin Bescheid, wenn die Bestellung »Einmal Thunfisch ohne Salz« eingeht, zweitens führt das zum heimtückischen Anschlagsplan, die georderte Pizza mit einer Prise Salz zu versehen, was drittens unweigerlich zur Folge haben würde, dass Sie, sonst salz- und alkoholarm, anschließend nach einem Pils verlangen, und dann – Lauterbach, dann brechen alle Dämme, und Sie werden – wie sollen wir es Ihnen sagen? Einen lustigen Abend verbringen!

Wir haben Sie gewarnt!

Ihre Personenschützer/innen von der Titanic

Mach’s gut, Corona-Warnapp!

Ja, Du hast richtig gelesen: Wir machen Schluss mit Dir. Der Deinstallationsantrag ist eingereicht. Dass es zuletzt nicht mehr so richtig gepasst hat, musst Du doch selbst gemerkt haben. Dabei haben wir uns wirklich reingekniet in die Beziehung, hatten stets unser Bluetooth aktiviert wie am ersten Tag, haben nie mit der Luca-App geliebäugelt, stattdessen all unsere Impfzertifikate brav in Dich reingeladen, obwohl das unsere Privatsache ist. Schutz lag uns immer am Herzen!

Und was machst Du jetzt? Versetzt Dich in den »Schlafmodus« und lässt Dir keine Updates mehr verpassen. Wow. Nicht mit uns, sorry, Krankheitsverhütung ist Sache beider Partner/innen. Ohne Updates steigt nun mal das Risiko für Sicherheitsschwachstellen und somit für – Virenbefall. Musst Du selber wissen, ob Du Dich dem aussetzen willst. Hast Dich ja ohnehin ganz schön gehen lassen, bist inzwischen auf 63 MB angewachsen. Diesen Platz haben wir einfach nicht mehr für Dich.

Wir hatten trotzdem eine schöne Zeit mit Dir und werden noch lange an Dich denken. Die Zugriffsberechtigungen für Dich lassen wir bis Mitte des Monats offen.

Au revoir! Titanic

PS: Du solltest Dich testen lassen.

Gut Überleben, Fritz Meinecke!

In einem Interview zu Ihrer Show »Fritz Meinecke – Facing the Unknown« berichteten Sie von einem lebensbedrohlichen Fauxpas in der Wüste: »Wir hatten einmal die Situation in der Sahara, dass wir zu wenig Wasser dabei hatten.« Da fragen wir uns doch, Meinecke, an was haben Sie als Survivalexperte denn gedacht, wenn nicht an genug Wasser für die Wüste?

Überleben gerade so Ihre Show:

Ihre Extremhumorist/innen von Titanic

Wohl bekomm’s, FDP!

Wir sind von Dir ja unideologische Vorstöße zum Thema Auto gewöhnt, und jetzt hast Du Dir da wieder etwas überlegt: die »Brötchentaste« am Parkautomaten (in Bayern wohl »Semmelschieber«), die Du bundesweit einführen willst. Gegängelte Autofahrer/innen können dann endlich aufatmen, ermöglicht ihnen die Taste doch kostenloses Kurzparken. Außerdem willst Du im eingeschränkten Halteverbot das Parken für bis zu fünf Minuten erlauben, um die Attraktivität der Innenstädte zu erhöhen. Aber kannst Du Dir vorstellen, dass Menschen sich vielleicht gerade gern länger als fünf Minuten da aufhalten, weil dort recht wenige Autos herumstehen?

Empfiehlt Dir ganz dringend, kleinere Brötchen zu backen: Titanic

Knifflig, anonymes englisches Museum!

In Deiner Ausstellung in Worcester wurde eine historische Statue mit blauem Buntstift beschmiert, nachdem Du blaue Buntstifte Kinder ausgegeben hattest.

Lass uns raten: Derzeit sind Hercule Poirot, Miss Marple und Sherlock Holmes auf Hochtouren damit beschäftigt, den Fall aufzuklären?

Fragen mit rauchenden Köpfen

Deine Hobbykriminalist/innen von Titanic

Farewell, Boris Palmer!

Man soll nicht nachtreten, und da Sie jetzt zum einen die Grünen verlassen haben (die ohne Sie immer noch ein Sauhaufen sind) und zum anderen eine Auszeit vom Wirken außerhalb Tübingens angekündigt haben, verkneifen wir uns die Beleidigungen, die uns bei Ihnen stets auf der Zunge liegen. Wir wünschen Ihnen sogar gute Erholung!

Nur eine Frage: »Ich werde daher in einer Auszeit professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und den Versuch machen, meinen Anteil an diesen zunehmend zerstörerischen Verstrickungen aufzuarbeiten«, posteten Sie auf Facebook. Sie meinen, OB Palmer, mit professioneller Hilfe aber nicht eine Gesprächstherapie bei Markus Lanz, oder? Denn dann würde alles noch viel schlimmer mit Ihnen! Gehen Sie doch lieber ins Schweigekloster. Am besten für immer!

Wir meinen es nur gut mit Ihnen! Titanic

Recht haben Sie, Quentin Tarantino!

Sie wehren sich gegen die Bezeichnung »Nerd« und teilen mit, dass Sie lieber »Filmexperte« oder gar »Filmgenie« genannt werden wollen.

Folgen Ihrem Beispiel gern und versprechen, Sie in Zukunft nicht mehr »überheblicher Arsch« zu nennen, sondern lieber den Begriff »Arroganzgenie« zu verwenden:

Ihre Expert/innen von Titanic

Kompliment, »Focus online«!

Eine schöne Attacke wider Technikfeindlichkeit, Naturkitsch und selbstklebende Klima-Aktivist/innen, die Du da reitest, mit der so bedrohlichen wie warnenden Artikelüberschrift: »Die Klima-Kleber müssen lernen, dass die Erde die Menschen töten will«.

Gut, wir hätten zwar eher gesagt, dass es meist Autofahrer/innen sind, die die sog. Klima-Kleber/innen töten wollen, aber klar: Diese Autofahrer/innen stammen von der Erde, also lässt sich schlüssig argumentieren, dass die Erde den Klimaaktivismus auszulöschen beabsichtigt. Allerdings sind – bitte glaub uns das jetzt – die jungen Aktivist/innen ebenfalls »von hier«, vulgo: Erdlinge. Und somit selbst Sendbot/innen irdischen Vernichtungswillens!

Wird sich da, Online-Focus, die Erde bald selbst zerstören, im Kampf »aller gegen alle« (Hobbes), in einem riesigen finalen Hup- und Klebe-Armageddon? Und heißt deshalb Dein Autor, der hier seine schwülen Todesstern-Fantasien verbreiten darf, während er auf dem einzigen bewohnbaren Planeten des bekannten Universums sitzt, vorausschauend (und nur leicht verrutscht) »Christian Masengarb«?

Erde zu Erde: Titanic

Ey, Edeka- »Gut-&-Günstig«-Semmelknödel fein gewürzt im Kochbeutel!

Ihr seid Convenience-Food. Das heißt, Ihr seid dazu da, uns Faultüten den kapitalistisch getakteten Alltag zu erleichtern. Wenn sich aber, Edeka-»Gut-&-Günstig«-Semmelknödel fein gewürzt im Kochbeutel, der kochendheiße, glitschige Beutel von Hand und ohne Küchenscherengefummel nicht öffnen lässt, weil die Perforation zu schwach ist, was seid Ihr dann: Inconvenience-Food? Entschleunigungsessen? Letztlich Systemkritik?

Dann will nichts gesagt haben: Titanic

Ei Gude, Boris Rhein (CDU),

ständig vergessen wir, dass Sie ja hessischer und somit »unser« Ministerpräsident sind, und das immerhin schon seit einem guten Jahr! Es kann halt nicht jeder das Charisma eines Volker Bouffier haben, gell?

Immerhin hat ein großes Bunte-Interview uns nun an Sie erinnert. Dort plauderten Sie erwartungsgemäß aus dem Nähkästchen, wie bei der Frage, ob die erste Begegnung mit Ihrer Frau Liebe auf den ersten Blick gewesen sei: »Nein. Sie hielt mich für einen stockkonservativen JU-Fuzzi, mir hat sie zu grün gedacht, weil sie gegen die Atomversuche der Franzosen in der Südsee war.« Wie bitte? Ihre Frau war dagegen, idyllische Pazifik-Atolle in die Luft zu jagen? Haha, was für eine Hippie-Tante haben Sie sich denn da angelacht, Rheini?

Später im Interview wurde es dann sogar noch politisch. Zum Thema Migration fanden Sie: »Jeder, der uns hilft und unsere Werte akzeptiert, ist hier herzlich willkommen. Manche Migranten babbeln Frankfurterisch wie ich. Einige sogar besser.« Soso! Das sind also »unsere Werte«, ja? Wie gut jemand »Aschebäschä« sagen und mit Badesalz-Zitaten um sich werfen kann?

Bleibt zu hoffen, dass Sie nicht herausfinden, dass unsere Redaktion hauptsächlich aus unangepassten (Nieder-)Sachsen, Franken und NRWlerinnen besteht.

Wird sonst womöglich von Ihnen persönlich abgeschoben: Titanic

Wirklich kein schlechtes Gewissen, sachsen-anhaltische Abiturient/innen,

müsst Ihr haben, weil Ihr Abi-Aufgaben im Fach Geschichte vorab in Chat-Gruppen geteilt habt. Im Gegenteil, das ist sehr lobenswert von Euch. Immerhin habt Ihr Euch in geheimen Chats über korrekte geschichtliche Fakten ausgetauscht. Das kann man über die Telegram-Gruppen Eurer Eltern wohl nicht behaupten.

Vergibt eine Eins mit Sternchen für diese Aktion: Titanic

Du, »Bild«,

titeltest prominent auf Deiner Internetpräsenz zu den Vorwürfen gegen den deutschen Kinoliebling Til Schweiger: »Jetzt spricht der Filmfirma-Boss«. Diese Komposition konnte uns zwar nicht zum Weiterlesen animieren, weckte jedoch freudige Erwartungen an andere Überschriften in dem Stil: »Skandal um Nagelsmann: Jetzt spricht der Fußballvereins-Vorstand« oder »Unzureichend geputzte Toiletten: Jetzt spricht die Gebäudereinigungsfirma-Chefin«. Oder etwas aus Deiner Welt: »Überschriften-Gate: Jetzt spricht die Arschzeitungs-Verlegerwitwe«.

Da nicht für:

die Satiremagazin-Redaktion der Titanic

Huhu, Schwarzblauer Ölkäfer!

Du breitest Dich gerade fleißig aus im Lande, enthältst aber leider eine Menge des Giftstoffs Cantharidin, die, wie unsere Medien nicht müde werden zu warnen, ausreichen würde, um einen erwachsenen Menschen zu töten.

Wir möchten dagegen Dich warnen, nämlich davor, dass bald Robert Habeck oder Annalena Baerbock bei Dir anklopfen und um Dein Öl betteln könnten. Dass Rohstoffe aus toxischen Quellen oder von sonstwie bedenklichen Zulieferern stammen, hat uns Deutsche schließlich noch nie von lukrativen Deals abgehalten.

Kabarettistische Grüße von den Mistkäfern auf der Titanic

Sie, Klara Geywitz,

kamen uns als Bundesbauministerin bisher immer etwas dröge vor. Aber dann: »Niemand muss am 2. Januar, nachdem er die Reste seiner Silvesterparty weggeräumt hat, in den Heizungskeller gehen und irgendwas tun«, verrieten Sie der Braunschweiger Zeitung in einem Interview zum neuen Heizungsgesetz.

Und da, Frau Geywitz, erkennen wir in Ihnen endlich doch ein Feierbiest, denn Silvesterpartys, nach denen man sich erst am 2. Januar wieder in der Wohnung umguckt, gehören erfahrungsgemäß zu den besseren ihrer Art.

Beeindruckt, aber wahrscheinlich auf Ihre Einladung zum Jahreswechsel vergeblich hoffend: Titanic

Moingiorno, Italien!

Dein Norden leidet an Dürre, der Wasserstand des Gardasees ist für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrig.

In der FAZ lasen wir zur Causa Folgendes: »Italien hat einen Sonderkommissar für den Kampf gegen Trockenheit und Dürre ernannt. Er heißt Nicola Dell’Acqua, was man etwa mit ›Nicola vom Wasser‹ übersetzen könnte.« Unabhängig von der Frage, was (abgesehen von einem Regentanz) ein einzelner Mensch da genau tun kann, können wir nur gratulieren. Eine gute Wahl, Worte sind bekanntlich Macht! Wir hoffen inständig, dass Deine »postfaschistische« Regierung weitere Sonderkommissar/innen ernennt. Wie wäre es zum Beispiel mit Chiara Dello Socialismo?

Arrivederci ruft staubtrocken und trotzdem al dente: Titanic

Apropos: Giorgia Meloni, altes Fascho-Früchtchen!

Anglizismen sind ein bisschen wie Ausschlag: Als sprachhygienischer Mensch ekelt man sich vor ihnen, ist genervt, kratzt hin und wieder dran rum und achtet im Übrigen darauf, sich höchstens mit den alleransteckendsten Formen zu infizieren; zur Immunisierung, oder weil’s halt manchmal doch funky aussieht.

So allergisch wir aber auf die modisch dauerinformierten Daherquaker/innen sind, die keinen Satz ohne »sich committen« und »I feel you« und »meine Learnings in 2023« hinbekommen, so wahnhaft dünken uns Sprachreiniger. Oder, da es um Sie geht, Ministerpräsidentin Meloni: Sprachreinigerinnen. (Oder, da es um Sie geht, Gendergegnerin Meloni: Sprachreiniger.) Die nämlich, wenn sie an die Macht gelangen, im Furor jener Symbolpolitik, die sie auf geschlechtersprachlicher Ebene für sowohl albern als auch autoritär halten, den ihnen unterstellten Ämtern bei Strafe verbieten wollen, ausländisch zu reden. Als klänge Faschismus auf Italienisch besser als auf Englisch.

Nun, uns soll’s recht sein, Meloni! Denn wenn die von Ihnen so vergötterte Nationalsprache jetzt unter staatlichem Schutz und Stacheldrahtverhau steht, dann ist unser holpriges Speisekarten-Italienisch im Urlaub künftig kein Grund zum Schämen mehr, sondern Sabotage an Ihrem, Meloni, Reinheitsdiktat. Und das Bestellen von Tschianti, Gnotschi und Schpagetti praktizierter Antifaschismus.

Tschau, Bella! Titanic

Lieber »Stern«,

Deinen Titel »Elefantenbaby badet neben Krokodil – Mutter kämpft gegen das Reptil« möchten wir wie folgt weiterführen: »Reime in Titeln – infantil?«

Findet mindestens skurril

Deine Titanic

Wow, FDP-Verkehrsminister Volker Wissing!

Hellauf begeistert sind wir von Ihrem neuesten Einfall zur Mobilitätswende: »Ich würde mir wünschen, dass wir, auch wenn ein Auto in Deutschland verkauft wird, quasi ganz selbstverständlich auch das Deutschlandticket zumindest mit dabeihaben«, sagten Sie bei einem Auftritt im Berliner Hauptbahnhof. Autokäufer/innen würden so eingeladen, die brandneue Karre auch mal zugunsten der öffentlichen Verkehrsmittel stehen zu lassen.

Genial, Wissing! Aber warum das Ganze nicht noch ein bisschen weiterdrehen? Wie wäre es zum Beispiel mit einem kostenlosen Fahrrad zu jedem zehnten Kurzstreckenflug? Mit einem Fitnessgutschein in jeder Packung Zigaretten? Oder vielleicht bringt ja ein Bündel Bio-Sellerie zum argentinischen Rindersteak die Leute auf andere Gedanken?

Immer hungrig auf Innovationen: Titanic

Ein tolles Geschenk, Comiczeichner Ralph Ruthe,

haben Sie da Ihrer Heimatstadt Bielefeld gemacht. In Zusammenarbeit mit einem Graffitikünstler wurde eine komplette Hauswand mit einem Ihrer Comics bemalt. Das 135 m² große Kunstwerk ist schon aus der Ferne, aus vorbeifahrenden Zügen und von der Stadtautobahn aus sichtbar. Als wäre man als Bewohner/in der grauen Schnarchstadt im Nirgendwo Ostwestfalens nicht schon gestraft genug!

Jetzt muss man also, neben den täglichen Ausdünstungen der Dr.-Oetker-Fabrik, auch noch Ihre debilen Knollennasenfigürchen hinnehmen. Wir hoffen, die Anwohner/innen bekommen wenigstens eine Mietminderung.

Organisiert schon mal die Sammelklage:

Ihr Bürgerrechtsressort von Titanic

Eigentlich, Jordan B. Peterson,

ist Deine Geschichte so austauschbar wie schnell erzählt: Ein dauerbeleidigter Ratgeberschreiber und Youtube-Plauderer befasst sich im Hauptamt mit misogyn-faschistoiden Verschwörungsfantasien und seiner panischen Angst vor Gender-, Woke- und Cancel-Wahnsinn. Beim Schmökern in Deinem Wikipedia-Artikel sind wir aber jetzt über folgenden Satz gestolpert: »Von 1993 bis 1998 lehrte Peterson als Assistenzprofessor an der Harvard-Universität und konzentrierte sich auf das durch Drogen und Alkoholismus bedingte Aggressionsverhalten« – blieb, Peterson, da denn noch genug Zeit für die Lehre?

Das fragt Dich ganz nüchtern

Deine Titanic

Sie, Lukas Köhler,

sind laut FAZ »das klimapolitische Gesicht der FDP, die sich mehr denn je als Stimme der Autofahrer versteht«. Die Zeitung fragt unschuldig: »Geht das?« Nun leben wir in einer komplexen Welt, aber trotzdem sind hin und wieder einfache Antworten jenseits aller schiefen Bilder möglich. So in diesem Fall: Nein.

Eindeutig wie immer: Titanic

Zur klebefreudigen »Letzten Generation«, Dr. Irene Mihalic,

Erste Parlamentarische Geschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, fiel Ihnen ein: »Mit ihrem elitären und selbstgerechten Protest bewirkt die ›Letzte Generation‹ das Gegenteil dessen, was wir in der aktuellen Lage bräuchten, nämlich eine breite Bewegung in der Gesellschaft, für konsequente Klimaschutzpolitik.«

Aber wäre es nicht eigentlich Ihr Job, für eine solche Bewegung zu sorgen? Oder sind Sie ganz elitär daran gewöhnt, andere für sich arbeiten zu lassen? Dann macht das Rummäkeln am Ergebnis aber schnell einen recht selbstgerechten Eindruck, und der kann ziemlich lange an einem kleben bleiben.

Wollte Ihnen das nur mal sagen:

Ihre breite Bewegung von der Titanic

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hey, »Zeit«,

Deine Überschrift »Mit 50 kann man noch genauso fit sein wie mit 20«, die stimmt vor allem, wenn man mit 20 bemerkenswert unfit ist, oder?

Schaut jetzt gelassener in die Zukunft:

Deine Titanic

 Vielleicht, Ministerpräsident Markus Söder,

sollten Sie noch einmal gründlich über Ihren Plan nachdenken, eine Magnetschwebebahn in Nürnberg zu bauen.

Sie und wir wissen, dass niemand dieses vermeintliche High-Tech-Wunder zwischen Messe und Krankenhaus braucht. Außer eben Ihre Spezln bei der Baufirma, die das Ding entwickelt und Ihnen schmackhaft gemacht haben, auf dass wieder einmal Millionen an Steuergeld in den privaten Taschen der CSU-Kamarilla verschwinden.

Ihr Argument für das Projekt lautet: »Was in China läuft, kann bei uns nicht verkehrt sein, was die Infrastruktur betrifft.« Aber, Söder, sind Sie sicher, dass Sie wollen, dass es in Deutschland wie in China läuft? Sie wissen schon, dass es dort mal passieren kann, dass Politiker/innen, denen Korruption vorgeworfen wird, plötzlich aus der Öffentlichkeit verschwinden?

Gibt zu bedenken: Titanic

 Kurz hattet Ihr uns, liebe Lobos,

Kurz hattet Ihr uns, liebe Lobos,

als Ihr eine Folge Eures Pärchenpodcasts »Feel the News« mit »Das Geld reicht nicht!« betiteltet. Da fragten wir uns, was Ihr wohl noch haben wollt: mehr Talkshowauftritte? Eine Homestory in der InTouch? Doch dann hörten wir die ersten zwei Minuten und erfuhren, dass es ausnahmsweise nicht um Euch ging. Ganz im Sinne Eures Formats wolltet Ihr erfühlen, wie es ist, Geldsorgen zu haben, und über diese Gefühle dann diskutieren. Im Disclaimer hieß es dann noch, dass Ihr ganz bewusst über ein Thema sprechen wolltet, das Euch nicht selbst betrifft, um dem eine Bühne zu bieten.

Ihr als Besserverdienerpärchen mit Loft in Prenzlauer Berg könnt ja auch viel neutraler und besser beurteilen, ob diese Armutsängste der jammernden Low Performer wirklich angebracht sind. Leider haben wir dann nicht mehr mitbekommen, ob unser Gefühl, Geldnöte zu haben, berechtigt ist, da wir gleichzeitig Regungen der Wohlstandsverwahrlosung und Realitätsflucht wahrnahmen, die wir nur durch das Abschalten Eures Podcasts loswerden konnten.

Beweint deshalb munter weiter den eigenen Kontostand: Titanic

 Aaaaah, Bestsellerautor Maxim Leo!

In Ihrem neuen Roman »Wir werden jung sein« beschäftigen Sie sich mit der These, dass es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein wird, das maximale Lebensalter von Menschen mittels neuer Medikamente auf 120, 150 oder sogar 200 Jahre zu verlängern. Grundlage sind die Erkenntnisse aus der sogenannten Longevity-Forschung, mit denen modernen Frankensteins bereits das Kunststück gelang, das Leben von Versuchsmäusen beträchtlich zu verlängern.

So verlockend der Gedanke auch ist, das Finale der Fußballweltmeisterschaft 2086 bei bester Gesundheit von der heimischen Couch aus zu verfolgen und sich danach im Schaukelstuhl gemütlich das 196. Studioalbum der Rolling Stones anzuhören – wer möchte denn bitte in einer Welt leben, in der das Gerangel zwischen Joe Biden und Donald Trump noch ein ganzes Jahrhundert so weitergeht, der Papst bis zum Jüngsten Gericht durchregiert und Wladimir Putin bei seiner Kolonisierung auf andere Planeten zurückgreifen muss? Eines will man angesichts Ihrer Prognose, dass es bis zum medizinischen Durchbruch »im besten Fall noch 10 und im schlimmsten 50 Jahre dauert«, ganz bestimmt nicht: Ihren dystopischen Horrorschinken lesen!

Brennt dann doch lieber an beiden Enden und erlischt mit Stil: Titanic

 Hallo, faz.net!

»Seit dem Rückzug von Manfred Lamy«, behauptest Du, »zeigt der Trend bei dem Unternehmen aus Heidelberg nach unten. Jetzt verkaufen seine Kinder die Traditionsmarke für Füller und andere Schreibutensilien.« Aber, faz.net: Haben die Lamy-Kinder nicht gerade davon schon mehr als genug?

Schreibt dazu lieber nichts mehr: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Treffer, versenkt

Neulich Jugendliche in der U-Bahn belauscht, Diskussion und gegenseitiges Überbieten in der Frage, wer von ihnen einen gemeinsamen Kumpel am längsten kennt, Siegerin: etwa 15jähriges Mädchen, Zitat: »Ey, ich kenn den schon, seit ich mir in die Hosen scheiße!«

Julia Mateus

 Kapitaler Kalauer

Da man mit billigen Wortspielen ja nicht geizen soll, möchte ich hier an ein großes deutsches Geldinstitut erinnern, das exakt von 1830 bis 1848 existierte: die Vormärzbank.

Andreas Maier

 Parabel

Gib einem Mann einen Fisch, und du gibst ihm zu essen für einen Tag. Zeig ihm außerdem, wie man die Gräten entfernt, und er wird auch den folgenden Morgen erleben.

Wieland Schwanebeck

 Neulich

erwartete ich in der Zeit unter dem Titel »Glückwunsch, Braunlage!« eigentlich eine Ode auf den beschaulichen Luftkurort im Oberharz. Die kam aber nicht. Kein Wunder, wenn die Überschrift des Artikels eigentlich »Glückwunsch, Braunalge!« lautet!

Axel Schwacke

 Frühlingsgefühle

Wenn am Himmel Vögel flattern,
wenn in Parks Familien schnattern,
wenn Paare sich mit Zunge küssen,
weil sie das im Frühling müssen,
wenn überall Narzissen blühen,
selbst Zyniker vor Frohsinn glühen,
Schwalben »Coco Jamboo« singen
und Senioren Seilchen springen,
sehne ich mich derbst
nach Herbst.

Ella Carina Werner

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
24.04.2024 Trier, Tuchfabrik Max Goldt
25.04.2024 Köln, Comedia Max Goldt
27.04.2024 Schwerin, Zenit Martin Sonneborn mit Sibylle Berg
28.04.2024 Lübeck, Kolosseum Martin Sonneborn mit Sibylle Berg