Briefe an die Leser | Oktober 2021


Bei Allah, Frau Kramp-Karrenbauer!

Als Verteidigungsministerin haben Sie angekündigt, die Verantwortung für den misslungenen Afghanistaneinsatz der Bundeswehr zu übernehmen: »Was immer da vor Ort passiert: Ich halte den Kopf hin.« Um Gottes Willen, AKK! Ein Rücktritt hätte doch vollkommen gereicht!

Meinen die Halsabschneider von Titanic

Guten Morgen, Tante »FAZ«!

Ein von Deinem Redaktionsmofa Jasper von Altenbockum sicher wieder einmal pfiffig hingeknatterter Meinungsschmus zum Thema »Migrationspolitik unter Merkel« war überschrieben mit: »Erblast der Ära Merkel«.

Ja sag mal, Tantchen, müsste es nicht heißen: »Erblast die Ära Merkel«? Nein? Dann vielleicht »Erbläst der Ara Merkel«? Auch nicht? Und was ist mit »Erblasst der Ärmelkanal?« Ja ja, schon gut, wir hatten’s eh gleich verstanden! Aber lass den Altenbockum bitte nicht mehr tanken und schick mal wieder Taschengeld!

Danke schön: Nichte Titanic

Bahn-Chef Richard Lutz!

Anlässlich des GDL-Streiks appellierten Sie an Weselsky, selbigen zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Tür stehe weit offen. Es liege jetzt an Weselsky, »nicht das ganze Land lahmzulegen«. Aber ist Ihnen, Lutz, eigentlich auch bekannt, dass sämtliche Züge gar nicht losfahren können, solange die Türen offen stehen?

Fragen Ihre Vielfahrer von Titanic

Sie, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing,

sind der Boss eines Vereins, der sich seit Jahrzehnten an vermutlich so ziemlich allen Schweinereien im internationalen Geldgeschäft beteiligt hat: Zinsmanipulation, Devisenbetrug, Bilanzfälschung, Geldwäsche, Kartellvergehen, Justiztäuschung, Deals mit Kriminellen, Betrug am Kunden, Vernichtung von Beweisstücken usw. Unter Ihrer Führung sollte nun endlich ein – zwinkerzwinker – »Kulturwandel« gelingen, hin zum seriösen Geldhaus (was auch immer das sein soll). Und was müssen wir da beim Spiegel lesen: »US-Börsenaufsicht prüft Greenwashing-Verdacht gegen Deutsche-Bank-Tochter DWS. Das Unternehmen werde verdächtigt, mit Nachhaltigkeitskriterien zu lax umgegangen zu sein.« Hammer, oder?

Dass ausgerechnet Ihr Haus beim Etikettenschwindel für die grüne Kundenverarsche ganz vorne mitmischen soll, das hat uns allerdings dann doch kein bisschen überrascht. Ach, Sie auch nicht? Na, dann ist ja gut.

Es grüßt von Reputations-Ruine zu Reputations-Ruine: Titanic

Gute Güte, Yuri Shprits,

was haben Sie uns verblüfft! Im durchaus ernstzunehmenden Journal Space Weather erörterten Sie und Kollegen die Frage, welche schädlichen Wirkungen die ionisierende Strahlung im Weltall während der weiten Reise zum Mars auf die Besatzung eines Raumschiffs haben würde. Ihr Resümee (laut spektrum.de): »Raumschiffe benötigen daher einen guten Strahlungsschutz. Sie dürfen aber auch nicht zu dick armiert werden.«

Na, wenn das nicht mal eine galaktische Erkenntnis ist! Seien Sie ehrlich, Yuri, wie viele »Spritz« braucht man, um derart Geniales zu leisten? Wie, einer reicht?

Nimmt selbst lieber noch einen Aperol und bleibt auf der Erde: Titanic

Hey, McDonald’s,

mit den Worten »… BBBäm! Die besten Sachen fangen mit B an« versuchtest Du uns per Onlinewerbung neulich Deinen »Big Tasty Bacon BBQ« schmackhaft zu machen, was uns natürlich eher nachdenklich machte.

Wirklich? Mit B also? Dann danke für so viel Ehrlichkeit, der Burger King liegt nämlich sowieso gerade näher.

Bye-bye! Titanic

Ösis!

Manche fanden es ein wenig erstaunlich für einen Regierungschef, sich so deutlich in den Wahlkampf bei einem befreundeten Nachbarstaat einzumischen, wie Euer Kanzler Kurz es im Interview mit der Welt vor der Bundestagswahl tat: »Wenn es zu einer Linksregierung in Deutschland kommt, dann ist das ein massives Problem für den Wirtschaftsstandort in Europa.« Wir dagegen meinen: Sich als österreichischer Politiker in die deutsche Innenpolitik einzumischen – das ist doch nur konsequent und traditionsbewusst!

Grüße an Baby-Hitler: Titanic

Matthias Rößler (CDU)!

In Ihrer Funktion als Landtagspräsident haben Sie am Dresdner Elbufer eine sogenannte »Verfassungslinde« gepflanzt, welche an die erste sächsische Verfassung erinnern soll. Dazu sagten Sie: »Die Stadtlinde gilt als hitzeverträglich und frosthart, sie ist also widerstandsfähig gegen Extreme.«

Das ist der Linde, die ja nun wirklich nichts für Sie, Rößler, und Ihre Parteifreunde kann, eingedenk der sächsischen Kohlepolitik auch zu wünschen.

Empfiehlt die Verpflanzung Ihrer ganzen Bande in den unbezahlten Ruhestand: Titanic

Schlagersängerin Beatrice Egli!

Als Sie für Ihr neues Album »Alles was du brauchst« die Werbetrommel rührten, haben Sie gegenüber der DPA noch einmal Ihre Bewunderung für den 2014 verstorbenen Unterhaltungskünstler Udo Jürgens zum Ausdruck gebracht. Wie Sie habe der Österreicher nicht nur über Liebe geträllert, sondern in seinen Liedern auch ernste Themen angesprochen. Und damit meinen Sie gewiss Sujets wie die Volkskrankheit Diabetes (»Aber bitte mit Sahne«), Grundsicherung im Alter (»Mit 66 Jahren«), Pädophilie (»Siebzehn Jahr, blondes Haar«), Quantenphysik (»1000 Jahre sind ein Tag«) oder Gema-Tantiemen (»Vielen Dank für die Blumen«).

Braucht das alles nicht: Titanic

Jens Spahn!

Mit der Bunten sprachen Sie über Ihren Umgang mit Häme und Kritik: »Auch wenn es mal Gegenwind und Kritik gibt. Sich beleidigt ins Schneckenhaus zurückzuziehen, bringt nichts.« Frage: Auch nicht, wenn es ein Vier-Millionen-Euro-Schneckenhaus in Berlin-Dahlem ist?

Glitschige Grüße Titanic

Und so gut, Duden und Fa. Pelikan,

war die alte Zeit dann eben doch nicht, wie wir einem alten, mit Euren Logos bedruckten Heftchen »für kleine Abc-Akrobaten« namens »Mit Paul ins Abenteuer Schule« entnehmen: »Das sind Paul und seine Freunde. Paul stürzt sich in jedes Abenteuer – egal ob im Wald, am See oder in der Schule. Hannah ist Pauls beste Freundin: mutig, klug und hübsch. Sport ist ihr Lieblingsfach. Moses geht mit Paul durch dick und dünn. Marlene – schicke Klamotten, Schmuck und ein geschicktes Händchen für knifflige Aufgaben – das ist Marlene!«

So war das damals, Duden und Fa. Pelikan, dass die Mädchen hübsch und klug waren und ein Händchen für Schmuck hatten, während die Jungen Wald und See unsicher machten und durch dick und dünn Abenteuer erlebten. Ganz schön finstere Zeit, dieses 2017! Aber sagt, »Lieblingsfach Sport« – Handarbeit gab es nicht?

Eure Abc-Akrobaten von Titanic

Kunstsammler und Verleger Lothar Schirmer (76)!

Gefragt, ob Sie sich nicht langsam zur Ruhe setzen wollen, erklärten Sie: »Mir hat ein Arzt gesagt, ich solle eine Stunde am Tag spazieren gehen. Damit das Zusammenspiel der Körperglieder funktioniert.« Und das machen Sie jetzt? »Nein, mache ich nicht, ich versuche andere Techniken, um das Hinfallen zu vermeiden. Ich bleibe länger im Bett liegen, das verkürzt die Zeit, in der man fallen kann.«

Einerseits, Schirmer. Andererseits steigt dadurch in der Zeit außerhalb des Bettes die Hinfallwahrscheinlichkeit. Und ausschließlich im Bett werden Sie sich nicht aufhalten wollen, gell? Haben Sieʼs gegeneinander abgewogen? Nicht? Dann macht das gern für Sie: Titanic

Regisseur Christian Schwochow!

Der Zeitschrift Cinema haben Sie gesteckt, wie Ihr aktueller Kinostreifen »Je suis Karl« zustande gekommen ist, nämlich als eine Art thematische Verlängerung Ihres NSU-Films »Die Täter«: »Das Ganze ist nicht auserzählt. Wir saßen beim Zschäpe-Prozess und fragten uns: Was sind das für Leute im Publikum? Sie sehen nicht aus wie typische Nazis oder Schläger, sondern wie moderne, hippe Menschen.«

Ja, scheißrein, Schwochow! Könnte es nicht sein – und hier lehnen wir uns mal weit aus dem Fenster –, dass im Zuschauerbereich einer Verhandlung über rechtsextreme Taten nicht ausschließlich Rechtsextreme sitzen? Sondern im Gegenteil vielleicht auch eher linke Beobachter/innen, Angehörige von Opfern, Medienmenschen, interessierte Laien oder sogar Filmemacher, die zu Recherchezwecken in die Szene eintauchen?

Glauben Sie nicht? Und was für eine Klientel erwarten Sie eigentlich bei den Vorführungen Ihrer Filme? Hoffentlich nicht die unmodernen Hippies von Titanic

Moin, Gemeinde Dranske (Rügen)!

Da hat Dir Poseidon aber einen ordentlichen Schuss vor den Bug gesetzt: Die Investorinnen und Investoren fürs geplante Ferienresort auf der Landzunge Bug sind wie vom Meeresboden verschluckt, mussten wir in der Freien Presse lesen! Regelrecht untergetaucht sind sie und sorgen nun also dafür, dass das gesamte Projekt auf Ostseeeis liegt. Doch, Dranske, steck den Kopf nicht in den Sandstrand!

Wir rügen das Kapital und bleiben dranske. Deine Freizeitdetektivinnen von Titanic

Du, Max Giesinger,

bist unter den vielen singenden Nervensägen hierzulande ohnehin eine der größten. Wie Du Dich aber in Zeiten der Sorge um die Menschen in Kabul mit Deinem Song »Der letzte Tag« zwischen den Radionachrichten immer wieder an die afghanische Katastrophe rangewanzt hast, das ist schon ein Top-Placement im Ranking der Schamlosigkeiten wert. »Der letzte Soldat wird nach Hause geschickt / Alle Lichter gehen aus, der letzte Laden macht dicht«, greinst Du munter und tantiemengeil drauflos und hältst dieses Niveau so konsequent, dass sich schon jetzt vor Deinem Remix des »Knallroten Gummiboots« zur nächsten Flutkatastrophe fürchtet: Titanic

Abermals, Mey & Edlich (Klamotten)!

Wie freuen wir uns immer über Deinen Katalog: Ob der Blitzlichtpullover aus effektvollem Fantasiegarn, Volkers Weste mit männeraffiner Taschenanzahl, das Aufstrebende Businesshemd oder der Futopia-Anzug – alles toll und so ein Riesenspaß wie das Zeit-Raum-Sweatshirt, »optimal, um sich der Condicio humana, den grundlegenden Fragen des Menschseins zuzuwenden«. Aaaaber, Mey & Edlich: dass Deine Hausboot-Lederjacke »spontan, sympathisch, unbedarft« sei, beruht auf einer Verwechslung: Denn unbedarft, das bist doch Du!

Spontan, sympathisch, bedürfnislos grüßt Titanic

Roland »Sensatio« Nelles!

Sie fragten uns am 26. August auf spiegel.de: »Wird Afghanistan das Las Vegas für Terroristen?« Wie das? Lebt Elvis und ist jetzt bei den Taliban? Tritt er demnächst wieder auf, zusammen mit Siegfried, Roy und den Tigern, in der Pul-e-Khishti-Moschee? Gibtʼs gute Cocktails in der Allahu Ak-Bar in Dschalalabad? Und wie hoch ist momentan der Jackpot im Sands-Hotel von Kabul?

Fragt nunmehr Sie live aus dem El Dorado für Metonymie-Analyse (aka Frankfurt): Titanic

Servus, Horst Seehofer!

Sie erzählten dem Stern, Sie würden Ihre Rentenzeit gern nutzen, um die Programmiersprache C++ zu lernen. Was wollen Sie denn damit programmieren, Seehofer? Eine Fernsteuerungsapp für Ihre Modelleisenbahn im Keller? Ein Handyspiel mit dem Namen »Angie Birds«, in dem man die Kanzlerin mit einer Schleuder durch die Gegend schießen kann? Oder gar ein Game mit dem komplizierten Titel »(De)Portal(tion)«, bei dem man Menschen per Teleportation abschieben muss?

Hofft auf nichts davon: Titanic

Landgericht Bremen!

Im Berufungsverfahren gegen den evangelischen Pastor Olaf Latzel hast Du einen interessanten Gutachtenauftrag verteilt. Zur Klärung der Frage, ob es Volksverhetzung ist, wenn Latzel sagt, Homosexualität sei eine »Degenerationsform von Gesellschaft« und »überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day«, soll der Theologieprofessor Christoph Raedel beurteilen, ob diese Aussagen »noch von der Bibel gedeckt« sind. Raedel wiederum bekennt sich selbst dazu, Homosexualität für eine (heilbare) Sünde zu halten und für »ein Symptom für den gefallenen Zustand der Welt, der die Entfremdung des Menschen von Gott beschreibt«. Zusammengefasst soll also ein Quatschkopf beurteilen, ob der Quatsch eines anderen Quatschkopfes mit dem Quatsch eines jahrtausendealten Quatschtextes übereinstimmt.

Hast Du, hohes Gericht, etwa vor, bei der Gelegenheit gleich die ganze Bibel der Volksverhetzung zu überführen?

Löblich, aber vielleicht gar zu emsig, findet: Titanic

Hallo, Maximilian Viessmann!

Aus etwas, das wir zunächst für die Werbeanzeige eines Herrenausstatters hielten, lachten Sie uns mit den Händen in den Hosentaschen an und sagten: »Werte sind mehr als eine Grundeinstellung. Sie sind das Fundament unseres täglichen Miteinanders und bestimmen damit auch unsere Zukunft.« Nageln Sie uns nicht fest, vielleicht stand da auch »Werte sind mehr als ein Fundament, sie sind eine Grundeinstellung« oder »Grundeinstellungen sind mehr als Werte« oder so. Uns war nämlich schon ganz schwummrig im Kopf von dem Gedicht, das um Ihr Bild und Ihre Worte herum angeordnet war:

»WERTE ZEIGEN GESICHT / WERTE / KOMMISSION / INITIATIVE / WERTE BEWUSSTE / FÜHRUNG«

Wir haben dann glatt vergessen zu googeln, wer Sie eigentlich sind. Aber sicherlich ein aufstrebender Da-Da-Dichter?

WITZE BEWUSSTE Titanic

Hey, Christian Lindner,

Sie können ja auch, was man so auf den ersten Blick gar nicht für möglich hält, richtig komisch sein. In der Rubrik »Rolling Stone stellt Christian Lindner (FDP) 10 Pop-Fragen« antworteten Sie auf Frage Nr. 5 »Waren Sie mal Teil einer Subkultur oder Protestbewegung?«: »Bei den Liberalen.« Hihi, bei den Liberalen, hoho, Protestbewegung … Sie, mit schwarzem Aktenköfferchen und grauem Anzug … Subkultur. Hahaha, erst mal die Tränen abwischen! Ah, das war echt witzig.

Was sagen Sie, das sollte gar nicht witzig sein, das war ernst gemeint? Sie waren Teil einer Subkultur bei den Liberalen, quasi aus Protest gegen das liberale Establishment? Sie haben recht: Witze, die man glaubt erklären zu müssen, sind alles andere als komisch.

Wieder todernst: Titanic

Sie, Springer-Erbe Mathias Döpfner,

haben dem immer wieder neurechten Querkopf Henryk M. Broder zum 75sten gratuliert, indem Sie seine »Polemik als Florettkunst« und ihn als den »Kurt Tucholsky unserer Zeit mit der Seele eines Clowns« lobten. Leider stimmt daran überhaupt nichts. Broder arbeitet allenfalls als Axt im Blätterwald und ist bekanntlich ein gichtiger Paul Ronzheimer in Altersteilzeit mit der Seele eines Franz Josef Wagner. Und Sie, Döpfner, wären vielleicht gern der Alfred Hugenberg unserer Epoche, dilettieren aber nur zeitlos peinlich als Friedes Ziehsohn.

Findet jedenfalls Titanic

Herbert Grönemeyer (*1956)!

Unter dem Titel »20 Jahre Mensch« bewirbst Du Deine Jubiläumskonzerte im nächsten Jahr. Grundgütiger, was warst Du denn die 46 Jahre vorher?

Pathologisiert: Titanic

Monika Maron, Sie Pfeife!

Jetzt ist es lt. Wikipedia so, dass Sie sich »seit 2010 wiederholt islamkritisch« äußern, in Folge natürlich Pegida besuchten, schließlich 2020 nach 40 Jahren als Autorin bei S. Fischer rausflogen – und zu alldem haben wir eigentlich gar nichts zu sagen, denn Sie sagen ja schon genug. Aber eine Kleinigkeit am Rande dann doch: Neulich diktierten Sie dem NDR Ihre Forderung, »dass solche Diskussionen«, also die über den Islam, »sachlich geführt werden«. Weiter gaben Sie sachlich zu Protokoll, dass im Koran »überall« stehe, dass der Islam »weltliche Herrschaft beansprucht« – und antworteten auf die Nachfrage, ob Sie denn eine solche Stelle aus dem Koran nennen könnten: »Ich kann Ihnen das nicht zitieren, weil ich das nicht im Kopf habe. Aber das ist einfach so, und da können Sie jeden Menschen fragen, der sich darin auskennt.«

Gottesherrschaftszeiten, Maron! Seit über einem Jahrzehnt sind Sie von dem Thema wie verhext – da sollte man doch meinen, dass Sie sich endlich mal eine oder zwei Stellen draufschaffen könnten. Und jetzt schreiben Sie zur Strafe zehnmal »Allah hat mich bei S. Fischer rausgeworfen« an die Tafel!

Sonst kommt Ihnen demnächst äußerst unsachlich mit »Faule Ossis«-Witzen: Titanic

SPD-Bundestagskandidatin Yasmin Fahimi!

Das Internetphänomen Vong-Sprache, war das nicht bereits vor dem Erscheinen von Shahak Shapiras Buch »Holyge Bimbel – Storys vong Gott u s1 Crew« bei immerhin Rowohlt (siehe TITANIC8/2017) schon völlig aus der Mode und wurde, mit Ausnahme von Willy Nachdenklich, höchstens noch metareferentiell verwendet? Gegen Ihre Wahlkampf-Postkarte mit dem Claim »Halo, i bims 1 Ausbildungsgarantie« jedenfalls wollen wir nicht einmal mehr ein »2016 hat angerufen und will seine Lingo wieder« einwenden. Höchstens fragen: Haben Sie die vielleicht auch zur Bundestagswahl 2017 schon verwendet?

Weder vong gestern noch vong vorgestern: Titanic

Anatomisch interessant, Antje Passenheim,

Leiterin des ARD-Hörfunkstudios in New York, war es, was Sie von einem Konzert im Central Park berichteten: »Als die New York Philharmonics das Konzert eröffnen, zieht sich eine Gänsehaut durch das Publikum.« Einfach so, ganz ohne Gans und ohne Beinchen? Und war sie roh oder gebacken?

Es schälen sich jedenfalls mal einen schönen Big Apple

Ihre Gourmets von Titanic

Sehr geehrter Arminion Laschet,

die ADAC-Redaktion fragte Sie gleich zu Beginn eines Interviews: »Haben Sie schon einmal die Hilfe der Gelben Engel in Anspruch genommen?« Folgendes stellte sich heraus: »Wann immer es möglich ist, fahre ich gerne selbst. Und tatsächlich hatte ich mal zu wenig Sprit auf der Autobahn. Da hat mir ein Gelber Engel geholfen.«

Jetzt, da mittlerweile ganz Deutschland weiß, dass Ihnen in Gesprächen und Ihrem Wirken allgemein öfter mal der Saft ausgeht: Wollen Sie nicht endlich anhalten und den Warnblinker anschalten, bevor Sie Menschen weiter behindern? Bzw. das Wrack namens Union gleich auf die Halde schleppen lassen?

Gruß nach ganz oben Titanic

Spanische Stierkämpfer!

Welche gesellschaftlichen Werte Ihr als Traditionalisten so vertretet, ist den meisten ja bekannt. Nun habt Ihr den Bogen aber überspannt beziehungsweise den Spieß zu tief gerammt: Bei einem Kampf in Gijón habt Ihr zwei Stiere »Nigerianer« und »Feminist« getauft, um sie dann von einem Star-Torero, der außerdem Unterstützer der rechtsextremen Vox-Partei ist, erlegen zu lassen. Empört hat die Bürgermeisterin von Gijón der Stierkampf-Tradition in ihrer Stadt ein jähes Ende gesetzt.

Auch wir sind schockiert, ja geradezu angewidert! Diese Übertragung gesellschaftspolitischer Themen auf Objekte und Tiere erinnert uns an miefige Polit-Karikaturen der alten Bundesrepublik (und der Süddeutschen Zeitung von heute) – einfach grausam und ekelhaft!

Außerdem bleibt die Frage, wofür der Torero in dem Zusammenhang eigentlich steht. Für »linker Irrsinn« oder »Identitätspolitik« oder so? Oder doch schlicht für »dummer Haufen ultrakonservativer Faschisten«?

Olé! Titanic

Wenn Du, »Hanauer Anzeiger«,

in einem Artikel über ein Comedy-Dinner »Jerry Lee Louisʼ Typewriter Dance« nicht weißt, dass der Musiker Jerry Lee Lewis und der Komiker Jerry Lewis zwei sehr unterscheidbare Personen waren, von denen nicht mal eine »Louis« hieß, so wie auch generell die berühmte Schreibmaschinennummer aus dem Film »Der Ladenhüter« nicht eigentlich ein »Dance« ist, aber na gut, und im gleichen Artikel dann aber auch die Rede ist von »›I will survive‹ von ABBA«, also einem Lied, das noch nie von ABBA gesungen, gesummt oder gepfiffen wurde, und Du diesen Mirvölligwurstsalat dann mit der Titelzeile »Improvisationstalente brillieren« versiehst – dann meinst Du doch sicher Deine eigenen Fachkräfte, oder?

Fragt sich Dein Kölner Satiremagazin S.O.S. Titanic an Bord

Äffinnenstark, Makaken-Weibchen Yakei!

Während sich Deine Verwandten aus dem Menschenreich immer noch fest im Affengriff des Patriarchats befinden, hast Du, wie wir bei geo.de lasen, die Sache selbst in die Greifhand genommen: »In Japan … hat sich nun eine Makaken-Dame an die Spitze ihrer Gruppe geprügelt. Den ungewöhnlichen Karrieresprung beobachteten Mitarbeiter eines Reservats in der Nähe der südjapanischen Stadt Oita.« Ganze 677 Affen hast Du als Alpha-Weibchen unter Dir. Und auch wenn wir nicht all Dein Tun bejubeln möchten (um die Karriereleiter in der Reservats-Ordnung hochzuklettern, hast Du etwa regelmäßig Deine Mutter verprügelt), sind wir doch der Überzeugung: Sollte bei uns in Sachen Gleichberechtigung weiterhin alles so quälend langsam vorangehen, holen wir einfach Dich zum Durchgreifen in die Vorstands- und Regierungssitzungen. Du hast die Sache sicherlich sofort erledigt, wissen Deine Primatenkolleginnen auf der Titanic

Sie, Stefanie Giesinger,

sind Model und machen Werbung für einen Webhoster mit dem bescheuerten Namen »GoDaddy«. In einem Filmchen loben Sie die Website einer Sportlerin und finden es toll, wie diese »superstark ihre Messages transportiert«. Haben Sie da nicht etwas verwechselt? Die Dame ist Kunstturnerin und nicht Briefträgerin. Das ist zwar auch ein schwerer Beruf, aber trotzdem keine Sportart. Wenn Sie Botschaften transportieren wirklich so toll finden, machen Sie doch eine Ausbildung bei der Rohrpost. Hohl sind Sie ja schon.

Abt. Berufsberatung c/o Titanic

Jo, Aksoy-Kiosk Bonn!

Dass die Preissteigerungsrate in diesem Sommer mit 3,8 Prozent so hoch wie seit den Siebziger Jahren nicht mehr ausgefallen war, ist sicher keine gute Nachricht für Sparer wie Verbraucher im Land, aber meinst Du nicht, dass Du in Deiner Hyperinflationsangst etwas über das Ziel hinausschießt, wenn Du Deinen halbrunden Langnese-Papierkorb neuerdings ostentativ zu Füßen Deines neu aufgestellten Geldautomaten plazierst?

Bleibt Dir weiterhin treu verbunden, solange Du Deine Kaffeepreise nicht erhöhst: Titanic

Einen Stich, orf.at,

versetzte uns Deine Schlagzeile »Impfpflicht für Züge in Mumbai«. Bei aller Freude über jede einzelne verabreichte Impfung: Das Jaukerl, wie man bei Euch angeblich sagt, hätte man doch besser in die Arme der Fahrenden gedrückt als in die Züge, oder?

Tut, tut! Titanic

Lieber, hochwerter Eugen,

wir wissen, dass es sich nicht ziemt, vorab zu gratulieren, es gar Fluch und Verderben bringen mag, allein: wir haben Dich in der Zukunft nicht erreicht. Pünktlich zu Deinem Geburtstag am 10. Oktober hatten wir uns in Deinem Lieblingsimbiss »Mao, der lachende Cherusker« eingefunden, mit Dir gemeinsam eine Rostbratwurst »Goethe« in Benzin zu vertilgen und etwas Bier der Marke »St. Bierfaß-Brauerei, Burmesquick« zu verklappen, doch statt Deiner fanden wir nur einen völlig leeren Tisch vor (an Fäden aufgehängt).

Darum ganz klassisch und unvermeidbar ein paar Tage verfrüht alles Herzliche & Wunderbare zum Jubiläum »70 Jahre Eugen Egner«, und, um es mit Deinen eigenen Worten zu sagen: »Wir wollen Tee trinken, Kekse essen, Kerzen anzünden und übers Sterben sprechen.«

Grüße auch an die Bergmann-Buben von immer Deiner Titanic

Gack-gack, Judith Rakers!

Der Thüringer Allgemeinen verrieten Sie: »Die Hühner freuen sich immer gleich, wenn ich nach Hause komme. Sie springen über jedes Hindernis und rennen im Galopp auf mich zu.« Sie als Hofbäuerin machen sich aber nichts vor: »Denn ich bringe ihnen jeden Tag, was in der Küche übrigbleibt.«

Also, erstens, wenn sich die Hühner jeden Tag gleich freuen, könnte das auch inszeniert sein. Zweitens: Legen Sie nach dem Galopp den Federträgern das Zaumzeug an und reiten eine Runde durchs Gebirge? Und drittens, wenn in der Küche ein wenig Wein übriggeblieben ist, den Sie dann den Hühnern bringen, dürfen Sie aber anschließend nicht auf öffentlichen Wegen reiten! Sonst kommen Sie noch in die Nachrichten. Und das will natürlich niemand, am wenigsten: Titanic

Ganz entzückend, Polizeipräsidium Mittelfranken,

finden wir den Zeugenaufruf, den Du Mitte Juni ins (echte) Internet stelltest: Es ging um eine Betrugsserie durch »falsche Wunderheilerinnen«. Das ist ja ein dickes Ding! Was sagt denn der Bundesverband der staatlich geprüften Wunderheilerinnen dazu? Und hat sich die Landeszentrale der zertifizierten Wahrsager schon zu Wort gemeldet?

Dass am Ende noch die Diplom-Hochstaplerinnen unschuldig in Verdacht geraten, möchte unbedingt verhindern: Titanic

Ihr, Autodiebe,

habt in letzter Zeit eine Pechsträhne. Während in Dresden einer von Euch »mit 1,4 Promille auf der A4 gestoppt« wurde (Dresdner Neueste Nachrichten), erwischte ein Kollege in Denver versehentlich das Fahrzeug des Ultimate-Fighting-Kämpfers Jordan Williams. Dieser verteilte »dem Ahnungslosen einige Hiebe und prügelt ihn in die Flucht« (nau.ch). Immerhin: Ein anderer, »der seine weißen Sportschuhe beim Weglaufen verloren hatte, war jedoch auch ohne Schuhe noch gut zu Fuß. Er entkam den Beamten unerkannt, vermutlich auf Socken in Richtung der Lindenstraße«. (Rhein-Sieg-Anzeiger) Und schließlich schaffte es ein anderer sogar auf zeit.de: »Ein mutmaßlicher Autodieb ist in Frankfurt von der Polizei festgenommen worden – eingeschlafen auf dem Rücksitz eines von ihm gestohlenen Wagens.«

Und da wünscht doch glatt eine geruhsame Nacht und mehr Erfolg morgen: Titanic

Auf Deine Frage, »Tagesspiegel«,

»Werden Bienen durch Wahlplakate gefährdet?« gibt es von uns ein klares Ja. Zumindest dann, wenn die Immen sich überzeugen lassen, CDU zu wählen.

Immer gut für eine Stichelei: Deine Bienchen bei der Titanic

Wohingegen Sie, Heiko Maas,

Als erfahrener Fernsehmoderator und Unterhaltungskünstler, Guido Cantz,

mutig bekanntgaben: »Wir werden keinen Cent mehr nach Afghanistan geben, wenn die Taliban das Land komplett übernommen haben, die Scharia einführen und das Land ein Kalifat wird.« Und wenn sich die Taliban zur Nato bekennen?

Lachen im Luftschutzkeller: Ihre Humoraufrüster bei Titanic

Hä, »Spiegel«?

Zum Ende der Amtszeit Angela Merkels schreibst Du, diese sei das Gegenteil von Donald Trump: »Sie redete viel und sagte wenig, während Trump viel sagte und wenig meinte.« Du jedoch redest Sachen, von denen weder klar ist, wie Du sie meinst, noch was Du damit sagen möchtest.

Verwirrte Grüße Titanic

Glückwunsch, Manuela Schwesig (SPD)!

Der unverhoffte Aufschwung Ihrer Partei hat sich offenbar auch für Sie bereits ausgezahlt, jedenfalls vermeldet ndr.de: »Umfrage: Schwesig in Wählergunst deutlich vor Sack«. Die CDU wird die ganze Sache offenbar künftig ernster nehmen und wieder echte Menschen aufstellen müssen.

Drücken dem Kollegen trotzdem die Daumen: die Säcke von Titanic

Hallöchen, Jobcenter!

Einem dank Corona verarmten Künstler schreibst Du: »Im Falle der minimalen Einkommenserwartungen stellt sich die Frage, ob die Selbständigkeit weitergeführt werden soll.«

Denkst Du da nicht etwas kurz? Überleg mal: Wenn es keine Arbeitslosen mehr gibt, gäbe es doch sofort ganz viele neue Arbeitslose, nämlich Deine Angestellten selbst. Und wer soll sich dann um Dich kümmern? Na?

Jedenfalls nicht Titanic

»Süddeutsche Zeitung«!

»Angst vor dritter Streikwelle« lautete Deine Überschrift nach zwei »Streikwellen« der GDL à 48 Stunden. Leuchtet natürlich total ein, dass – wen eigentlich? Dich? – vor weiteren Kampfmaßnahmen der Lokführer die nackte »Angst« befällt.

Auf Aufmacher wie »Lokführer können Mieten kaum noch stemmen: Angst vor Kündigung«, »Lokführer: Angst vor Altersarmut«, »Massenhaft Überstunden: Angst vor Herz-Kreislauferkrankungen bei Lokführern«, ganz abgesehen von »Angst vor DB-Management: Keine Verständigungsbereitschaft mit Lokführern« können wir bei Dir sicher lange warten; dafür ist Deine Angst vor noch so marginalen Schwächungen deutscher Wirtschaftsmacht einfach zu groß.

Furchtlos: Titanic

In anderem Zusammenhang, »SZ«,

empfahlst Du dann unter der Überschrift »Nicht zu lange warten« dies: »Die Übergabe eines Familienunternehmens will gut und frühzeitig geplant sein.« Und konstatiertest bedauernd: »Einen Königsweg beim Generationenwechsel gibt es nicht.«

O doch, Süddeutsche! Nämlich von den Jungen auf die Alten! Die verfügen viel souveräner über die Sekundärtugenden Fleiß, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Disziplin usf. Und sollte ein Familienunternehmen nicht willkürlich, ungeplant und chaotisch übergeben werden?

Das dachte bisher immer: Titanic

Und, Maschmeyer!

Im Namen aller geprellten Kleinanleger, die von Ihrer AWD mit unhaltbaren Versprechungen zum Kauf hochspekulativer Finanzprodukte verleitet wurden, ohne über die Risiken aufgeklärt worden zu sein, und infolgedessen alle Ersparnisse verloren haben, hoffen wir, dass die Pillen, die Sie in Ihrer Tablettensuchtphase vor zehn Jahren »wie Tic-Tac-Bonbons« (Bild) eingenommen haben, wenigstens genauso bitter waren.

Bonmot auf Ihre Kosten vom Satiredienstleister Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 20.01.:

    In Göttingen eröffnete die große Eugen-Egner-Ausstellung im Alten Rathaus. Bilder vom Event zeigt das Göttinger Tageblatt und die Stadt Göttingen hat alles aufgezeichnet.

  • 20.01.:

    Mit Daumen und Rechenschieber erstellte Oliver Maria Schmitt in der FAZ das Horoskop fürs Reisejahr 2022, der Cartoon dazu stammt von Katharina Greve.

Titanic unterwegs
21.01.2022 Braunschweig, Staatstheater Max Goldt
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella
31.01.2022 Meiningen, Kunsthaus K. Greve, H&B und A. Plikat: »Corona revisited«