Briefe an die Leser | September 2020


Ha noi, Coronaleugner und Rechtsradikale,

die Ihr neulich auf Eurer »Querdenker«-Demo Berlin, nun ja, nicht bevölkert habt: Von zehn-, siebzehn- oder zwanzigtausend Teilnehmenden berichteten die Medien und die Polizei. Ihr dagegen, Leni-Riefenstahl-mäßig unter anderem von der Stuttgarter Initiative »Querdenken 711« in Marsch gesetzt, wollt 1,3 Millionen Spinner ohne Mund-Nasen-Schutz gezählt haben. Dabei bildet Ihr Schwaben Euch doch sonst so viel auf Eure Sparsamkeit ein!

Wünscht Euch und Eurer Bagasch schon mal einen schönen Coronatest: Titanic

Dr. Guttenberg!

Dass Sie eines Tages im Bundeskanzleramt auftauchen würden, damit hat die Welt gerechnet. Nur in welcher Funktion, darüber gingen die Meinungen auseinander. Nun hat Merkel bekanntgeben müssen, dass Sie am 3. September letzten Jahres als »Lobbyist« für Wirecard bei ihr antichambriert haben, und zwar erfolgreich: Am 5.9.2019 flog Merkel nach Peking, wo sie sich bei der chinesischen Staatsspitze »flankierend« für die von Wirecard geplante Übernahme eines chinesischen Unternehmens einsetzte.

Womit sich schon fast filmreif ein Kreis schließt: Die Doktorarbeit, die Sie dereinst vor sich hertrugen, löste sich, wenn man sie aufschlug, in Staub auf, genauso, wie sich die 1,9 Milliarden Euro, die in der Bilanz von Wirecard als Aktiva gebucht waren, bei näherem Hinsehen als Luftbuchung erwiesen.

Kurzum: Wirecard, der Finanzdienstleister aus Aschheim bei München mit dem kometenhaften Aufstieg, gegen den jetzt wegen Geldwäsche und Bilanzfälschung ermittelt wird, hätte sich fürwahr keinen passenderen Fürsprecher als Sie aussuchen können! Und nebenbei hatten Sie auch mal wieder Gelegenheit, die Räumlichkeiten Ihres künftigen Wirkens zu inspizieren. Denn irgendwann muss es ein so gut gegelter Hochstapler wie Sie einfach ins Kanzleramt schaffen, das bezweifelt niemand, schon gar nicht Titanic

Sie, Tim Bendzko,

haben sich im Namen der Wissenschaft dazu bereit erklärt, ein Konzert für 4000 Personen zu geben, mit dem das Corona-Risiko bei Großveranstaltungen ermittelt werden soll. Das ist aller Ehren wert, allerdings hat die Sache ein paar Haken. Erstens fanden sich bis Redaktionsschluss nicht einmal halb so viele Menschen wie geplant bereit, sich der Ansteckungsgefahr durch schlimme Ohrwürmer auszusetzen, und zweitens: Lässt sich da überhaupt unterscheiden, welche Spätschäden an Körper und Hirn auf eine Corona-Infektion und welche auf Ihre Musik zurückzuführen sind?

Fragen die Seuchenexperten von Titanic

So weit, Thilo Sarrazin (ehemals SPD),

ist es nun gekommen, dass Ihre eigenen (ehemaligen) Genossen mit Ihnen umgehen wie die letzten fortschrittshemmenden Islamisten bei der feindlichen Übernahme und Sie einfach aus der Partei werfen, gewissermaßen also den Genossen Sarrazin abschaffen.

Aber wir haben einen Tipp für Sie: In Brandenburg ist gerade der Vorsitz der Landtagsfraktion einer Partei frei geworden, die Sie garantiert nicht wegen irgendwelcher ausländerfeindlichen Auslassungen oder Bücher rauswerfen wird. Ach ja, wie Himmler müssten Sie für den Job übrigens nicht unbedingt aussehen. Aber nicht verschweigen, dass Sie früher in der SPD waren, man mag da nämlich keine Extremisten. Also, einfach mal bewerben und die Bücher beilegen – raten die Bewerbungstrainer von der Titanic

Manfred Weber (CSU)!

Sie, Fraktionsvorsitzender der EVP im Europäischen Parlament, ramenterten im Hörfunk: »Und dann wurde vereinbart, dass wir eine Digitalsteuer bekommen, die zukünftig auch die großen Digitalkonzerne besteuert. Wir haben eine massive Steuerungerechtigkeit, dass die Digitalkonzerne viel zu wenig auf ihren Gewinn Steuern zahlen im Vergleich zur normalen Industrie, und das muss beendet werden und das geht nur europaweit, weil Digitalkonzerne ihre Gewinne schnell verschleiern und verschieben können.«

Ja, Weber, so ist das in Ihrer Welt: Normale Industrie, das sind Autos und Sachen, die man anfassen kann. Und unnormale Industrie, das sind die Digitalkonzerne. Dass die schon für ihre Abweichung vom Normalen eine Extrasteuer zahlen müssten, findet auch: Titanic

Spanischer (Ex-)König Juan Carlos!

Als wir gelesen haben, dass Sie nach Korruptionsvorwürfen in Ihrem Land ins Exil gehen wollen, haben wir uns gefragt, wohin es Sie wohl zieht: Nach Aschebaidschan, Geldorgien, Kohleumbien? Oder nach Krötenatien, Monetenegro, vielleicht gar nach Schotterland?

Schreiben Sie doch eine Postkarte! An Titanic

Sat.1!

Obwohl in der achten Staffel Deines Trashformats »Promi Big Brother« nichts von den auf Werbeplakaten angekündigten Figuren Zornböschen, SchneeVIPchen und Rotkippchen zu sehen war, ging es im Big-Brother-Haus sehr märchenhaft zu. Ob’s wohl an den 16 Eseln lag?

Iahaha! Titanic

Da Du, sackclevere Commerzbank,

jeglichem Vorwurf der Vetternwirtschaft dadurch vorbeugst, dass Du einen gewissen Herrn Vetter zum neuen Chef Deines Aufsichtsrats machst, rechnen wir fest mit weiteren bemerkenswerten Neuzugängen in Deinem Hause. Frau Miss und Frau Schatte sollen derzeit ja ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit sein. Und die beiden ehemaligen Wirecard-Banditen Braun und Marsalek haben zwar keine glorreichen Namen, können dafür aber mit starken Referenzen glänzen.

Bestätigen offiziell: die Wirtschaftsprüfer von Titanic

Andreas Cichowicz (NDR)!

In den Tagesthemen kommentierten Sie die Entscheidung der SPD, den Agenda-Freund und G20-Versager Olaf Scholz als Kanzlerkandidat zu nominieren, begeistert: »Ich finde die Wahl gut. Wer hätte es denn sonst machen sollen und wollen?«

Genau! Wenn keiner mehr übrig ist, weil alle anderen verbrannt sind oder keine Lust mehr haben, die alte Tante SPD vollends vor die Wand zu fahren, dann muss man eben nehmen, was die Resterampe hergibt, und sei es einen faulen Eierkopf wie Scholz. »Im Moment liegt die SPD zwar meilenweit weg von der Kanzlerschaft, aber bei der nächsten Bundestagswahl wird es ohne Angela Merkel auch eben keinen Kanzlerinnen-Bonus mehr geben.«

Merkeln Sie was, Cichowicz? Ihre Argumente für Scholz sind so leer wie der Kandidat. Wenn die SPD nicht gewinnen kann, dann liegt es am Kanzlerinnen-Bonus, nicht etwa an einer verfehlten Sozialpolitik à la Hartz IV? »Er ist solide, vertrauenswürdig und auch persönlich bisher untadelig« – abgesehen davon, dass er extrem unsympathisch ist, natürlich. Und er »zeigte Demut, als er den Kampf um den Parteivorsitz verlor«. Und eine verlorene Abstimmung um den Parteivorsitz, Cichowicz, ist ja quasi die conditio sine qua non, um als Kanzlerkandidat einer Partei erfolgreich in eine Wahl zu gehen …

»Corona bot ihm nun ungewollt die Gelegenheit, die SPD-Linken einzufangen. Scholz verteilt jetzt Geld statt schwarzer Null.« Die rote Null verteilt jetzt Geld, weil sie per Gesetz dazu gezwungen wurde, z.B. wegen Bestimmungen zum Kurzarbeitergeld, oder weil die Koalition sich auf ein aberwitziges Bürokratiemonstrum namens befristete Mehrwertsteuerabsenkung geeinigt hat, genauso wie auf Zuschüsse für Selbstständige, die diese auch noch zurückzahlen müssen.

Trinkt lieber frisches Bier aus alten Flaschen, als sich von Ihnen neuen Wein in alten Schläuchen andrehen zu lassen: Titanic

Artur Borst, Tübingen!

In einem Leserbrief an die »Süddeutsche Zeitung« bilanzierten Sie unter der Überschrift »Kapital vor Mensch«: »Neun Milliarden Euro für Lufthansa, 9,05 Milliarden Euro für die Förderung von jungen Menschen und Familien. Daraus ergibt sich: Kapital geht vor Mensch. So geht Kapitalismus.«

Herr Borst, sind Sie sicher? Nach unserer Rechnung geht nämlich Kapital nach Mensch, denn neun Milliarden Euro sind eindeutig weniger als 9,05 Milliarden Euro. Mal abgesehen davon, dass die Lufthansa ja irgendwie auch Menschen transportiert. Ergibt sich bei Ihnen möglicherweise: Leserbriefschreiben geht vor Nachdenken?

Vermutung von Titanic

Vorfreudig sind wir, Elon Musk,

ob Ihrer Entscheidung, ein Tesla-Entwicklungszentrum in Berlin-Schöneberg zu eröffnen. Natürlich, die Mieten werden steigen und Gentrifizierung dräut. Doch eine Sache können wir kaum erwarten: dass Sie mit gewohnt großer Geste vor dem Schöneberger Rathaus eine Rede halten und den Deutschen versichern: »Ich bin ein Verbrenner!«

Schon ganz elektrisiert: Deine Hartspritschlucker von Titanic

Polizei Nürnberg!

Nachdem Du mehreren Radaktivisten die Luft aus den Reifen gelassen hattest und dies als geeignete Maßnahme gegen unbelehrbare Teilnehmer der Critical-Mass-Bewegung deklariertest, appelliertest Du just darauf »an die Vernunft der Verantwortlichen im Sinne des fairen Miteinanders im Straßenverkehr.«

Vorbildlich, gute Polizei; wir wollen in Zukunft noch mehr Engagement von Dir sehen! Was hältst Du davon, all den unbelehrbaren Rasern, die Radfahrer und Fußgänger tödlich überfahren, die Räder von der Karosserie zu montieren und erst wieder zurückzugeben, wenn sie ihr dauerhaft rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr unter Beweis stellen?

Hoffnungsvoll: Titanic

O Deutschlandfunk,

Du bist uns ein verlässlich sprudelnder Quell von Schlechtsprech und Sudeldeutsch, von hohlem Wirtschaftsjargon, unerträglichen Kommentatorenimperativen und nicht zuletzt: von die Unverständlichkeit touchierenden Rechtschreibfehlern in Deiner App. Und dann vermeldetest Du im Juli unter dem Rubrum »In eigener Sache« ganz bescheiden: »Media-Analyse mit Rekortwerten (sic) für den Deutschlandfunk.«

Heißt das, alter Schlandfunk, dass, je fehlerhafter, ja deformierter die Sprache ist, desto breiter wird das Publikum?

Dann würde auf das akribische Lektorat und pedantische Feilen an der richtigen Formulierung zugunsten von mehr Lesern sofort verzichten: Titanic

Ex-Weltmeister Thomas Berthold!

Sie erklärten auf einer Sonderlinge-Demo bezüglich der auch von Ihnen abgelehnten Corona-Maßnahmen: »Die Gesellschaft wird mit Spekulationen von ein, zwei Wissenschaftlern oder Vertretern des RKI besudelt.«

Nun ja, selbst wenn das stimmte: Wären Spekulationen bezüglich einer Viruspandemie von ein, zwei Wissenschaftlern und Vertretern des Robert-Koch-Instituts nicht immer noch glaubhafter als Spekulationen von ein, zwei Gemüseköchen und Fußballspielern?

Denn merke: Ein Tor mehr tut meist dem Fußballspiel gut, nie aber Diskussionen über virologische Fragen. Titanic

Metallica-Drummer Lars Ulrich!

Bei einem Auftritt in der sog. »Trunk Nation«-Show gaben Sie, wie der »Rolling Stone« berichtete, zum Besten, was Sie derzeit gedanklich umtreibt: der Snare-Sound auf Ihrem Album »St. Anger« von 2003.

»Ich höre St.Anger, das sind eineinhalb Schläge, und da ist eine Menge unglaublicher, roher Energie, und es ist so ›Woah!‹. Es ist ein bisschen herumgeschlagen worden. Aber die Snare-Sache, das war super-impulsiv, kurzzeitig …«

Einmal im Flow, flowen Sie weiter: »Ja, das ist cool, das ist anders. Das wird einige Leute verrückt machen. Das klingt, als gehöre das zum Prügeln dazu. Heilige Scheiße! Das haben wir nicht kommen sehen …«

Heilige Scheiße, Ulrich, was man allerdings durchaus kommen sehen kann: Wenn ein stinkreicher Trommelfell-Quälix wie Sie nach geschlagenen 17 Jahren glaubt, immer noch über den Klang seiner Schnarr-Trommel schwadronieren zu müssen, dann dürfte es langsam an der Zeit sein, sich in die Heavy-Metal-Rente zu verabschieden.

Weil: Something else matters. Titanic

Hallo, Julia!

Du hast bei »Spiegel online« unter die Nachricht, dass in München sechs Personen mit einem Pkw in eine Menschenmenge gefahren sind, um anschließend auf die Opfer einzuprügeln, kommentiert: »6 Personen. Da weiß jeder, was das für Leute sind.«

Natürlich weiß das jeder: Das müssen sechs Clowns gewesen sein, sonst hätten die niemals alle in das Auto gepasst.

Honk-honk! Titanic

Dr. Cornelia Klisch (SPD)!

Sie sind Ärztin, Sozialdemokratin und Mitglied des Thüringer Landtags. Für Ihr Abgeordnetenbüro haben Sie sich einen besonders pfiffigen Namen ausgedacht: »Die Politik-Praxis«!

Nun, nichts gegen Ihren Berufsstand grundsätzlich, aber einige Grundprobleme der SPD haben Sie damit unfreiwillig auf den Punkt gebracht: Ein Großteil der Patienten (sprich: Wähler) – nämlich arme Schweine mit Kassenversicherung – dürfen, bevor überhaupt etwas passiert, erst mal Ewigkeiten im Wartezimmer die Zeit totschlagen, und wenn sie einmal dran sind, wird lediglich ein wenig an den Symptomen rumgedoktert.

Lässt sich lieber krankschreiben: Titanic

Stark, Reinhard Bingener (FAZ)!

Wer in einem Bericht über die Hells Angels von »Rockerkollegen« spricht, der kennt sich einfach aus in der Welt der schweren Jungs mit den Maßanzügen und den grauen Aktentaschen und fährt – geben Sie’s zu! – höchstwahrscheinlich sogar selbst ein E-Bike der Marke Harald-Davidson.

FAZ forever, forever FAZ! Titanic

Heilig’s Blechle, Hagia Sophia!

Musste das denn sein, dass Du Dich von diesem populistischen Ersatzsultan und seinem osmanischen Bundesverwaltungsgericht tausendundeinenachtmäßig vom Museum zur Moschee zurückverwandeln lässt?

Die Wunderfunzel FAZ kriegte sich gar nicht mehr ein und war in Tränen aufgelöst: »Das Mosaik von Maria mit dem Jesusknaben in der Apsis der Hagia Sophia wurde vor dem gestrigen Freitagsgebet mit Vorhängen verhüllt, weil es in der Richtung von Mekka liegt, in die sich die muslimischen Gläubigen während des Gebets verneigen. Ebenso ging es dem Gesicht des Erzengels Gabriel aus dem zwölften Jahrhundert in einem Pendentifzwickel unter der Kuppel des Isidor von Milet.«

Was ein Pendentifzwickel ist, kannst Du selber im Wörterbuch nachschlagen. Oder bei Google. Apropos: Wer sich bei der Googlesuche nach Dir vertippt, bekommt u.a. den Hagebaumarkt vorgeschlagen, der zwar noch (!) keine Moschee und kein Weltkulturerbe ist, aber immerhin die heilige Halle des deutschen Do-it-yourself-Kleinbürgers. Außerdem wird gemunkelt, dass Sophia soviel wie Weisheit bedeutet. Da hätte Dir doch etwas einfallen können, um der freien Welt des christlichen Abendlandes samt ihrem Frankfurter Provinzblättchen für Kalte Krieger, bei denen jegliches »Mutabor!« vergeblich ist, diese unsägliche Schmach zu ersparen.

Oder bist bei so viel muslimischer Aggression gegen Maria, ihren Bankert und den Erzengel Gabriel auch Du mit Deinem Griechisch am Ende? Denk mal nach. Aber lass bloß nicht wieder eine Kirche aus Dir machen.

Bittet Deine Titanic

So, so, Nürnberger,

Ihr wollt also, dass Euer Städtchen im Jahr 2025 Europäische Kulturhauptstadt wird. Wenn allerdings in Eurer Zeitung auf Platz vier der »12 Gründe, warum Nürnberg Kulturhauptstadt wird« schlicht »Stadt der Reichsparteitage« steht, dann sehen wir einigermaßen schwarz für einen Sieg. Jedenfalls, solange es kein Endsieg ist.

Gruß an Eure Stadtführer: Titanic

Sie, Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft Sebastian Gemkow (CDU),

versuchten sich im Leipziger Oberbürgermeister-Wahlkampf mithilfe derjenigen Werbeagentur als Law-and-Order-Hipster zu profilieren, die auch schon Baby-Hitler in Österreich an die Macht gebracht hat.

Sobald die Corona-Reisebeschränkungen aufgehoben sind, könnten Sie doch von Dresden aus das Erzgebirge überqueren (bitte wegen der Eierschecke die Kühlkette beachten!) und hernach die Alpen. Und wenn Sie, Gemkow, dann schon dabeisind: Wie wäre es mit einem Ausflug nach Ibiza? Dort haben die Freunde des Kinder-Kanzlers bis dato nur gute Erfahrungen gemacht.

Überlegt sich schon Hashtags und hält Sonnencreme und Kamera bereit: Titanic

Ihr Hinterwäldler vom »Spiegel«!

In Eurem Porträt von Attila Hildmann, an dessen Seite Ihr durch den Forst flaniert seid, schildert Ihr gleich zu Beginn, wie der Veganer einen auf dem Rücken liegenden Käfer umdreht und am Wegesrand absetzt. Habt Ihr prima gemacht, denn genau das will man als Attila Hildmann ja über sich lesen, wenn man sich bei solcher Gelegenheit dermaßen pathetisch selbst inszeniert.

Weil Hildmann aber längst nicht mehr nur als Veganer, sondern auch als Menschenfeind übelster Sorte bekannt ist, schreibt Ihr einordnend: »Tiere schützen, Menschen schlachten, so recht passt das nicht zusammen.« Nun ist es eine Sache, einem Aufmerksamkeitsabhängigen wie Hildmann so einen Spaziergang samt Artikel zu schenken, die sich ja vielleicht noch damit erklären lässt, dass Ihr Euch in den letzten Jahren halt weniger mit der Funktionsweise neuer Medien beschäftigt, sondern Euch lieber unter Euresgleichen im behaglichen Hamburger Redaktionshäuschen selbst abgefeiert habt. Aber um sich als Journalist*in im Jahre 2020 derart blauäugig einem Nazi zuzuwenden und dabei weder vom schäferhundliebenden Führer noch von rechtsextrem unterwanderten Tierschutzdemos zu wissen, dafür muss man eigentlich schon dekadenlang im Wald gewohnt haben.

Schreibt, was ist: Titanic

Und Doppel-Wow, Spiegel,

was für eine Erkenntnis! »Kleidung, Möbel, Taschengeld – Woran es armen Kindern in Deutschland mangelt« schon im Titel und dann weiter: »Eine Urlaubsreise, ein Restaurantbesuch oder ein eigenes Zimmer«.

Willst Du etwa sagen, dass Kinder mit wenig Geld keine Dinge haben, die Geld kosten? Einfach genial, Deine Recherche.

Kann den Pulitzer schon riechen: Titanic

Belarussischer Machthaber AlexanderLukaschenko!

Vor und nach der Präsidentschaftswahl in Ihrem Land sowie währenddessen haben Ihre Leute laut Medienberichten unter anderem Wasserwerfer, Gummigeschosse und Lärmgranaten gegen Demonstranten eingesetzt.

Seltsam. Wir dachten, Methoden der Europäischen Union seien Ihnen zuwider. Aber passen Sie bloß auf! Ehe Sie sich’s versehen, werden Ihnen noch Preise verliehen oder Sie werden zu CSU-Veranstaltungen eingeladen.

Präsidiale Grüße Titanic

Robert Habeck!

Anlässlich des 75. Geburtstages der CDU haben Sie und Annalena Baerbock der Union einen Präsentkorb und obendrein einen Gastbeitrag in der FAZ geschenkt. Im Interview darauf angesprochen, sagten Sie, Herr Habeck, man müsse Sie natürlich auch zu lesen wissen. »Das ist eine Kampfansage!« verteidigten Sie sich daraufhin, dem Verdacht ausgesetzt, sich bereits im Vorfeld in eine schwarz-grüne Koalition kuscheln zu wollen. Und wie klingt nun eine solche Ansage ihrerseits? So zum Beispiel: »Es hat ein paar Jahre gedauert, bis wir als Parteien hinter dem politischen (Kultur-)Kampf an der jeweils anderen Partei Eigenschaften wie Verbindlichkeit und guten Umgang miteinander als Tugenden im politischen Wettstreit anerkannt haben.« Oha. Das hat gesessen.

Und weiter? »Heute wissen wir, dass kein Automatismus der Geschichte die Koordinaten setzte, sondern unter anderem der klare Kompass der CDU.« Wow, da will es aber einer wissen.

Mit dem kommenden Absatz dürften Sie, Herr Habeck, dann aber endgültig klare Fronten geschaffen haben: »… irgendwie haben wir, die wir Euch jahrelang herausgefordert haben mit unserem Drang, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen – und vielleicht auch mit einem kleinen Hang zur Arroganz –, Euer Selbstverständnis im Umgang mit politischer Macht heimlich doch bewundert.«

Donnerwetter, ob denen bei der CDU angesichts solch harscher Worte der Bio-Aufstrich aus Ihrem Präsentkörbchen überhaupt noch recht schmecken mag? Aber sei es drum, die Revolution fordert eben immer ihre Opfer, nicht wahr?

Der Kampf geht weiter! Ihre Titanic

Holy shit, Katharina Wolff,

Personalstrategieberaterin für die digitale Wirtschaft, Ex-CDU-Politikerin und Podcasterin! Auf der Webseite Meedia, die wir vor Urzeiten mal als echtes Medienmagazin wahrgenommen hatten, sabbelten Sie: »Fehl-Hires im Executive Bereich kosten bis zu 500 000 Euro.« Weiter wussten Sie, praktisch nicht zu vermeiden, einen »Headhunter« in Ihren Text zu basteln, teilten mit, was »der CMO eines Grown Up« durchschnittlich im Jahr verdiene, wie viel so ein »Onboarding durch die HR« koste, wovon »mehr als »6000 HR Professionals« sprächen, und gaben sodann »6 Hiring-Hacks«.

Schon ganz lustig soweit. Aber angenommen, jemand hielte sich an Ihre ganzen Advices, das hieße dann ja, dass die sich damit befassenden Berufe bzw. Jobs bzw. Employees bzw. Consultants usw. usf. sich selbst abschaffen würden, gell? Und wollen Sie uns diesen Gefallen nicht tun? Please! Titanic

Wenn einem, »Neue Westfälische«,

zum 70. Geburtstag von Iris Berben für den Teaser zum Artikel nichts anderes einfällt, als dass die Branche mit Berben entdeckt habe, »wie umfassend attraktiv Frauenfiguren jenseits der 50 sein können« – könnte das eventuell daran liegen, dass man selbst so eine umfassend unattraktive Nachrichtenschleuder ist?

Hingegen attraktiv wie zwei 70jährige: Titanic

Stillgestanden, Bundeswehr!

Was mussten wir vom ehemaligen Militärseelsorger Pascal Kober aus der FAZ erfahren? »Kommandosoldaten operieren im Einsatz stets unter akuter Lebensgefahr, teilweise auch im Training, wenn sie auf wenige Zentimeter genau aus der Bewegung heraus in unübersichtlichen Situationen aneinander mit scharfer Munition vorbeischießen, um die realen Einsatzsituationen zu antizipieren.«

Wir sind ja keine Experten, aber wir schlagen vor, dass Du diese Methode mal ad acta legst. Gerade, weil Du Dich sonst immer über Nachwuchsmangel beschwerst.

Gern geschehen und abtreten! Titanic

Ihr Verlag, Bernhard Schlink,

bewirbt Ihre Prosa mit einem Kritikerzitat, dem zufolge sie »verständlich, durchsichtig, intelligent« sei. Genau so ist es! Und natürlich trifft dieses Lob auch auf all die Metaphern und Vergleiche zu, die Sie tierisch gern verwenden, so auch in Ihrem neuen Werk, der Erzählungssammlung »Abschiedsfarben«: »Sein Kopf lag an ihrem Hals auf ihrer Schulter – so behütet, dachte er, fühlt sich ein Pferd, wenn es seinen Kopf auf den Nacken eines anderen Pferdes legt.«

Wir fragen uns jetzt, Schlink, ob Sie das mal in natura ausprobiert und am Hals auf der Schulter einer Frau aus Ihrem Kopf herausbekannt haben: »Ich fühle mich gerade wie ein Pferd, wenn es …«

Wie’s dann weitergegangen ist, will dann doch nicht wissen: Titanic

En passant gefragt, Laufsportmagazin »Aktiv laufen«:

Wie macht man’s denn passiv? Titanic

Huhu, britische Extrem-Metalband Cradle of Filth!

Ihr macht Euren staunenden Fans soeben ein unwiderstehliches Angebot, wie wir den Online-News des »Metal Hammer« entnehmen. Ihr bietet nämlich schwarzen Tee in den Geschmackssorten »Dark Blood« und »Sweetest Maleficia« feil und habt dazu erklärt: »Zwei Tees. Einer, um Antrieb zu geben, und einer zum Entspannen. Beide sind von Cradle-of-Filth-Songs inspiriert. Diese von Experten hergestellten Getränke sind nicht nur mit bösartigem Geschmack versehen, sondern auch randvoll mit waschechter Hexerei gefüllt.«

Wir, die wir uns bei Eurem Namen immer gruseln, weil wir dabei an randvolle Staubsaugerbeutel denken müssen, können uns den »bösartigen Geschmack« in etwa vorstellen und finden das Angebot auch angemessen britisch. Aber ist es auch exzentrisch genug? Sagt uns doch mal lieber, wann der Cradle-of-Filth-Energy-Drink kommt! Und wann der Cradle-of-Filth-Fitnessriegel!

Reaktionsgeschwindigkeit ist keine Hexerei, meint Titanic

Respect, »Zeit online«!

Nicht nur, dass Du einen Artikel über den Zustand der US-Gesellschaft saukomisch mit »Die entzweiten Staaten von Amerika« betiteltest, auch das illustrierende Foto zeigt zwei wehende Flaggen, eine mit weißen Sternen auf blauem Hintergrund, die andere rot-weiß gestreift. Da schlägt die Kreativität Funken! Das Spielchen hättest Du aber ruhig weiter treiben können. Warum ist der Text nicht in zwei Spalten geteilt mit einem dicken Riss dazwischen? Warum keine Illu von Abraham Lincoln mit zwei Bärten und zwei Hüten oder dem World Trade Center mit zwei Türmen statt nur einem?

Beim nächsten Mal bitte etwas mehr Ausdauer!

Fordert: Titanic

Wieso, Katrin Lompscher?!

Musste es denn wirklich gleich ein Rücktritt sein? Okay, Sie haben als Berliner Bausenatorin einige Nebenverdienste falsch abgerechnet und nicht sachgerecht versteuert. Aber reicht dafür nicht auch ein zweiwöchiges Untertauchen mit anschließender Entschuldigung via Instagram? Und wussten Sie denn überhaupt nicht, dass seit 2019 die Obergrenze für veruntreute Steuergelder bei 560 Millionen Euro liegt?

Ihr bei der Linken müsst noch viel lernen!

Verständnislos: Titanic

Wie, Schröder-Gerd,

haben Sie das wieder angestellt? Äthiopien hat sich ein Jahrhundertbauwerk gegönnt und es Ihnen gewidmet: Der Grand-Ethiopian-Renaissance-Dam (»Gerd«) ist bis zu 155 Meter hoch, also nur geringfügig kleiner als Ihr Ego, und durchschneidet mit seiner Mauer kilometerweit das Niltal. Sein Reservoir soll dreimal so groß werden wie der Bodensee. Hut ab. Irgend etwas müssen Sie wohl richtig gemacht haben, aber was?

Ratlos: Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Glückwunsch, Bill Kaulitz,

Glückwunsch, Bill Kaulitz,

zu Ihrer Autobiografie »Career Suicide«! Mit deren Erscheinen haben Sie im Alter von 31 Jahren – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Lebensabend eingeläutet. Folgende Tätigkeiten stehen Ihnen somit noch zur Verfügung: Sentimental aus dem Fenster schauen; über die Zeitläufte sinnieren; im Ohrensessel sitzend ein Glas Cognac schwenken; imkern; Leute, die an Ihrem Haus vorbeigehen, böse anstarren; in Talkshows über Social Media und Gendersterchen schimpfen; Pfeife rauchen; im Hunsrück wandern; mit der Armbrust auf leere Erbsendosen schießen.

Jedenfalls nicht: Ihre Karriere als Musiker weiterverfolgen. Und dafür möchten wir uns im Voraus herzlich bedanken.

Ihre Jungspunde von Titanic

 Als Generalbundesanwalt, Dr. Peter Frank,

sollten Sie sich in Zukunft lieber doch wieder auf Ihre dröge Amtssprache beschränken und bildliche Ausdrücke strikt vermeiden. Denn wenn Sie in einem Interview mit dem SWR behaupten, dass Terroristen nicht vom Himmel fallen, sind Sie ja fast schon selbst ein Fall für den Generalbundesanwalt. Manchmal – Stichwort »11. September« – tun Terroristen nämlich genau dies.

Grüßt ohne Metaphern: Titanic

 Ein paar Gedanken, Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt,

mussten wir uns nach einem Ihrer Facebook-Einträge neulich schon über Sie machen. Nicht nur, weil Sie in dem nicht enden wollenden Text extra darauf hinwiesen, keine »Corona-Verleugnerin« oder »Lockdown-Gegnerin« zu sein. Dünnes Eis. Dann schrieben Sie, dass Ihre Trainerin Frau Müller früher aus Solidarität bzw. »Teamwork!« immer mit Ihnen gehungert habe, wenn sie meinte, Sie seien zu dick fürs Eis. Wenn wir es richtig verstanden haben, fordern Sie das jetzt auch von »der Politik«, aber nur im übertragenden Sinne, also zastermäßig.

Mit den Kufen vom Eis haute es uns jedoch bei diesem Satz: »Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.« Fernsehauftritte sind für Sie Glück? Quizshows halten Sie für fröhliche Angelegenheiten? Ist Ihre Birne jetzt total vereist?

Vielleicht machen Sie sich doch besser mal Gedanken über einen heißen Grog, empfehlen Ihnen wärmstens Ihre Ernährungsberaterinnen von der Titanic

 Annalena Baerbock!

»Die CDU hat kein Abo aufs Kanzleramt«, konstatieren Sie im Stern-Interview. Sind Sie sich da auch wirklich sicher? So ein Abo wird, wenn es einmal abgeschlossen wurde, nämlich gerne vergessen und automatisch verlängert. Die letzten Bundestagswahlergebnisse sprechen zumindest dafür. Lassen Sie vorsichtshalber prüfen, ob die Merkel auch fristgerecht gekündigt hat!

Rät Ihr Abo-Service von Titanic

 Nicht die Bohne, Rowohlt-Verlag,

interessieren uns Kalauer, und für Witze mit Namen und für Alliterationen haben wir bekanntlich auch nichts übrig. Deshalb ist es uns auch komplett egal, ja, wir nehmen es nicht mal ansatzweise zur Kenntnis, dass Du Dein für März als »Spitzentitel« angekündigtes Werk »Die Botschaft der Pflanzen. Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt« unbedingt von einem Autor hast anfertigen lassen müssen, der laut Deinen Angaben »Burkhard Bohne« heißt. Schon klar, Rowohlt, Burkhard Bohne, wie Benjamin Blümchen. Oder Arnfried Astel. Wir haben’s kapiert. Sehr, sehr witzig. Aber uns geht’s zum Glück ja nichts an!

Naturgemäß ohne Botschaft: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kreativ beleidigen

Neues Schimpfwort für Urdeutsche in Jack-Wolfskin-Jacken: Mandarinenpeller!

Alexander Thiemann

 Redensarten und woher sie kommen

»Einen Zahn zulegen«: Wenn eine Person »kein D-Zug ist«, obwohl sie »die Düse machen« oder »Rennwasser trinken« soll – dann fragen wir uns auch heute noch ganz unwillkürlich, ob besagte Person nicht »einen Zahn zulegen« könnte. Diese Redensart geht zurück auf die Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg. Kurz nach seiner Erfindung kam Gutenberg mit der Produktion kaum nach; Martin Luther schrieb seine beliebten antisemitischen Pamphlete schneller, als sie gedruckt werden konnten. Gingen den Setzern wichtige Buchstaben aus, wurden sie deshalb oft nicht aufwendig nachgegossen, sondern durch einen der stets reich vorhandenen Lehrlingszähne ausgetauscht (ihnen hatte man zuvor »die Fresse poliert«, wie eine andere Wendung aus jener Zeit lautet). Obwohl das Schriftbild durch den Zahn deutlich litt, beschleunigte der in den Setzkasten »zugelegte« Zahn die Produktion erheblich und half den Setzern bei der Aggressionsabfuhr. Wenn Sie also heute jemandem auf die Sprünge helfen wollen, sollten sie ihm zunächst ordentlich aufs Maul geben – vielleicht legt er ja auf diese Weise selbst einen Zahn zu. Oder mehrere!

Leo Fischer

 Zeitumstellung

Jedes Jahr im Frühling, kurz nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dringen überall aus der Umgebung vertraute Geräusche und Gerüche in Ohr und Nase. Und man weiß: Es ist wieder angekärchert!

Markus Berger

 Enjoy the screening!

Den Ausfall der Berlinale in diesem Winter habe ich ganz gut verkraftet. Ich habe ja alles hier daheim: viele schlechte und einige wenige gute Filme (Netflix), das überlegene Gefühl, Filme im Originalton und mit Untertitel sehen zu können (dito Netflix), drinnen stickige Luft und wenig Sonnenlicht, draußen Kälte und ungeräumte Gehwege, Besserwissergetue aus der Reihe hinter mir (wegen dünner Wände zum Nachbarn), schlechtes überteuertes Essen aus Einmalverpackungen. Sogar auf den obligatorisch einsetzenden Harndrang zehn Minuten nach Beginn des Films kann ich mich verlassen, und den Weg zum Klo lege ich natürlich im Dunkeln zurück, durch einen mit aufgereihten Amazon-Kartons gelegten Parcours von nachgeahmten Kinohipster-Käsemauken.

Tina Manske

 Pee-Bottle

Aus Insiderkreisen weiß ich, was für Polizisten auf Demos das Schlimmste ist: stundenlang nicht auf Klo können. Da stehen sie, Reih in Reih, mit ihren Schlagstöcken, Visieren und Wasserwerfern, und gucken gequält. Klar, dass man da mal aggressiv wird. In Polizisten-Foren wird geraten, die Stunden vorher nichts zu trinken, das ist aber schwer: Wie auf den morgendlichen Mutmach-Korn verzichten? Praktikabler: Viele Einsatzkräfte gestehen in Foren, sich eine Urinflasche bzw. Pee-Bottle oder auch »Uriwell, die Notfall-Toilette« unterzuschnallen. Deshalb Tipp für Protestler: einfach die eigenen Demosprüche daran anpassen und Kennerschaft beweisen. »Bullenschweine, lauft jetzt schnell / sonst klau’n wir euer Uriwell!« oder irgendwas mit »Trottel / Pee-Bottle«. Reimtechnisch und metrisch noch nicht perfekt, aber in der Sache clever.

Ella Carina Werner

Vermischtes

Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Martin Sonneborn & Benjamin Schiffner: "Quatsch und mehr" (signiert)
Das hat der Menschheit noch gefehlt: ein einziges Buch mit sämtlichem Quatsch der Geschichte – oder zumindest aus 15 Jahren "Partner TITANIC", der beliebt-kultigen TITANIC-Nonsensrubrik. Fotorätsel, Pflegehinweise, Antwort ohne Frage, unberühmte letzte Worte, Kochen mit Tieren, Kerzen-Fakten, Ediotiral, Tinas Strumpfband und tausend weitere schöne Rubriken – erstmals versammelt auf nicht weniger als 256 vielfarbigen Seiten.
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
20.03.2021 Frankfurt, Mousonturm Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner (Livestream)
25.03.2021 Kiel, Kulturforum Max Goldt
04.04.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«