Briefe an die Leser | Juni 2020


Hallihallo, Bill Gates!

Für die einen sind Sie das Zentrum der Weltverschwörung, für die anderen der Nostradamus der Pandemie, der schon seit Jahren vor den Gefahren einer solchen warnt und mit seiner Stiftung eine entschieden bessere Vorbereitung anmahnt. Der FAZ antworteten Sie nun auf die Frage, ob die heutige Gesundheitskrise »schlimmer oder weniger schlimm, als Sie das Anfang des Jahres dachten«, sei: »Es ist vielleicht nicht der allerschlimmste Fall wie ein Bioterrorismus-Anschlag mit Pockenviren. Aber es ist erheblich schlimmer, als ich gedacht habe.«

Und wissen Sie was, Gates? Genau diese Denkungsart, vom Allerschlimmsten auszugehen und deshalb das Zweitschlimmste hinzunehmen, hat uns über die Jahrzehnte geholfen, mit Windows zu leben!

Besten Dank für die harte Lektion: Ihre Titanic

Und hey, Illuminati,

wie läuft’s? Ein kleiner Tipp unter Freunden: Sie sind Euch auf der Spur!

Es grüßt mit geheimnisvollem Handschlag: Titanic

Bonjour und Goede dag, Belgien!

Deutschen Medien mussten wir entnehmen, dass sich in Deinen Grenzen eine Hauskatze mit Corona infiziert hat. Das ist natürlich schlimm für Katze, Herrchen und Frauchen. Allen wünschen wir gute Besserung! Irritierend fanden wir jedoch, dass als Quelle für diese Nachricht Deine Behörde für Lebensmittelsicherheit genannt wurde. Das wirft nach unserem Geschmack ein recht schräges Licht auf Deine Ernährungsgewohnheiten. Aber na ja, frittiert schmeckt schließlich alles, oder?

Bon appétit und eet smakelijk! Titanic

Rama X., König von Thailand!

Was raunten da die ausländerfeindlichen Medien von »Bild« bis RTL? Sie, edler Monarch, haben sich im Vier-Sterne-Etablissement Grand Hotel Sonnenbichl im bayerischen Garmisch-Partenkirchen mit 100 Dienern und 20 Konkubinen niedergelassen und tyrannisieren Ihre thailändische Gefolgschaft mit Schlägen und Peitschenhieben?

Keine Sorge, Herr Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun, Titanic als Vermittlerin zwischen den Kulturkreisen klärt zumindest die eigenen Leserinnen und Leser gern auf: Denn im fortschrittlichen Deutschland mit seinen Menschenrechten und dem ganzen Gedöns mag sich das alles natürlich schlimm und unmenschlich anhören, aber, und das muss man eben auch mal sehen, derartig gewalttätiges Verhalten ist in solchen rückständigen, unzivilisierten Neandertalerländern mit ihren strunzdoofen, ungebildeten, hässlich-grobschlächtigen, triebgesteuerten Dummkopfeinwohnern, also für Hinterwäldlervölker wie die zurückgebliebenen, unterentwickelten, ja barbarischen Bayern ganz normal!

Mit freundlicher Watschn: Titanic

Wieder mal, »Süddeutsche«!

Am 8. Mai, Seite 4: »Die Deutschen wurden erwachsen erst mit der Anerkennung der Schuld.« Am 8. Mai, S. 6: »Wie 75 Jahre danach an den Sieg der Alliierten über den NS-Staat erinnert wird … Nach fast sechs Jahren Krieg rangen die Alliierten die Nazidiktatur nieder … Hitlers Hauptstadt – in Schutt und Asche gelegt … Sieg über die Nazis« –

bist und bleibst halt ein Kindskopf, gell?

Erwachsen grüßt Titanic

Martin Shkreli!

Sie sind der niedliche »Pharma Bro«, der 2015 von sich reden machte, weil er – gerade mal Anfang 30 und spezialisiert auf dubiose Pharmazie-Hedgefonds – das Monopol für die Herstellung von Daraprim übernommen hatte. Das Mittel ist für Aids-Kranke und andere immunsupprimierte Menschen lebensrettend und unersetzlich, ergo haben Sie den Preis schlagartig um das 55fache erhöht. Deswegen sind Sie zwar mittlerweile auch angeklagt, aber für sieben Jahre im Gefängnis sitzen Sie wegen Wertpapierbetrugs. Berichten zufolge wurden Sie auch zeitweise in Einzelhaft genommen, weil Sie es einfach nicht lassen konnten, mittels eines geschmuggelten Handys Ihre mittlerweile umbenannte Firma weiterzuführen. Ach so, und Sie hatten Ärger, weil Sie bei Facebook demjenigen 5000 Dollar geboten haben, der Ihnen ein Haar samt Wurzel von Hillary Clinton bringt – die hatte nämlich angekündigt, Machenschaften wie Ihre zu verbieten.

Jetzt haben Sie sich wieder zu Wort gemeldet: Sie möchten gerne mal für drei Monate raus aus dem Gefängnis. Sie fungieren als Hauptautor eines Artikels, in dem Methoden beschrieben werden, um Medikamente gegen Covid-19 zu finden. In einem persönlichen Statement darin behaupten Sie: »… ich bin eine der wenigen Führungskräfte mit Erfahrung in ALLEN Bereichen der Medikamentenentwicklung …«, Großbuchstaben und Größenwahn inklusive. Sie stellen auch klar, dass Sie für Ihre großartige Arbeit keinen Profit erwarten und dass Firmen für Ihre Forschungen an Covid-19-Arzneien keine staatlichen Zuwendungen annehmen müssten.

Ach, was muss es schmerzen, da draußen eine solche Goldgrube von Krise vorbeiziehen zu sehen, Herr Shkreli! Aber bedenken Sie eines: In Einzelhaft ist die Ansteckungsgefahr wirklich gering. Titanic

Ralf Rangnick!

Sie sind ehemaliger Fußballtrainer und aktuell »Head of Sport and Development Soccer« bei der Red Bull GmbH. Bei SWR Sport sagten Sie, die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga sei aus psychologischer Sicht »wichtig für die gesamte Menschheit«.

Warum nicht auch für Tiere und Pflanzen? Was ist mit Außerirdischen? Können es nicht letztlich auch unsere lieben Viren kaum abwarten, dass der Ball wieder rollt, schon wegen der potentiellen, die Abstandsregeln nicht einhaltenden Wirte? Alles rhetor(!)ische Fragen. Das ganze Universum fiebert dem Bundesliga-Start entgegen, mit oder ohne Covid-19. Keine falsche Bescheidenheit also, »Head of Sport and Development Soccer« Rangnick!

Ebenfalls wichtig für die gesamte Menschheit: Titanic

Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

Ups, Manuel Neuer,

da haben Sie wohl kurz mal nicht aufgepasst beim Shoppen in der Edelboutique und prompt Ihre Frau mit einem Mädchen aus der Kinderabteilung verwechselt. Kein Grund zur Sorge, das passiert den Besten von uns. Trotzdem wäre es nun wohl angebracht, sich mal die Wiederholung anzuschauen, da hier ja ganz offensichtlich ein Irrtum vorliegt, der sicherlich für alle Beteiligten verstörend ist. Ihre Frau wartet schon seit Wochen bei den Designer-Taschen, und der Teenie wohnt auf einmal in einer Millionen-Villa am See … Ja gut, es ist vielleicht nur für eine Person verwirrend. Trotzdem sollten Sie die Kleine zu ihren Eltern zurückbringen, denn die sind bestimmt in Sorge und haben schon das ganze Bälleparadies nach ihr abgesucht.

Und den Wendler müssen Sie auch nicht zurückrufen.

Gern geschehen: Titanic

Huhu, Hamburger Bürgermeister Tschentscher!

In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel und Markus Söder sagten Sie zum Umgang Deutschlands mit dem Virus und zur Dauer der runterfahrenden Maßnahmen, es sei »wie mit dem Luftanhalten: Die ersten zehn Sekunden sind noch leicht, die nächsten zehn Sekunden werden schwieriger, und nach weiteren Sekunden spürt man plötzlich, wie stark auch die Folgewirkungen sind«.

Exakt, Tschentscher: Dieses Statement zu einer Pandemie, deren starke Folgewirkungen vor allem die Lunge betreffen und nicht nur die Wirtschaft atemlos machen, stärkt sicherlich alle, die gerade um jeden Luftzug kämpfen.

Beim nächsten Mal einfach lautlos ausatmen, möglichst ohne Beteiligung der Stimmbänder – darum bittet Titanic

Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

Servus, Orf.at!

»Kleine Wohnungen: Enge trifft Kinder besonders« – aber warum? Sind Kinder nicht wesentlich platzsparender als Erwachsene?

Diesmal sogar ohne Kellerwitz: Titanic

Nicht nur den Löffel, Reiner Strangfeld,

haben Sie 2018 abgegeben, sondern auch Ihr als Erfinder erwirtschaftetes Vermögen in Höhe von sieben Millionen Euro. Wie jetzt bekannt wurde, gab es dabei eine glückliche Alleinerbin: die AfD. »Es ist die größte bekannte Einzelzuwendung in der bundesdeutschen Parteiengeschichte«, berichtete nun der »Spiegel«, der uns auch darüber aufklärte, wie Sie den Nazigoldsegen in Ihrem Testament begründeten: »Darin hatte Strangfeld geschrieben, er hinterlasse sein Vermögen jener Partei, ›die sich am ehesten gegen den Zuzug von Ausländern wendet‹. Die AfD fügte der Millionär wohl erst später als Erben ein.«

Einerseits zeigt uns das, dass Sie – 100 Patentanmeldungen hin oder her – ein kompletter Vollpfosten waren. Andererseits: Ist es angesichts der Tatsache, dass Sie den Großteil Ihres Vermögens mit der Erfindung neuartiger WC-Spülungen verdient haben, nicht auch bloß folgerichtig, die ganze Knete zuletzt in den stinkenden, braunen Orkus zu spülen?

Fragt sich eigentlich nicht wirklich Titanic

Gott zum Gruße, liebe Kirchen!

Bass erstaunt nahmen wir zur Kenntnis, dass Ihr im Zuge der Lockdown-Lockerungen zu Gottesdiensten mit bis zu 50 Personen laden und Eure Pforten also wieder öffnen durftet. Und wir dachten immer, Ihr hättet zwischen Ostern und Weihnachten geschlossen!

Eure U-Boot-Christen von Titanic

Äußerst lobenswert, Heuchelberg Weingärtner,

finden wir ja, dass Ihr auch an Menschen denkt, die nichts oder nur eine Kleinigkeit zu sich nehmen möchten und daher bestimmt gern Euren Lemberger »Nichts« und Euren Acolon »Kleinigkeit« trinken. Sehr viel weniger erfreulich hingegen, dass in Eurem Sortiment der Trollinger »Viel«, der Dornfelder »Oft«, der Spätburgunder »Exzessiv« und natürlich der Chardonnay »Bis es kracht« fehlen.

Danke für »Nichts«: Titanic

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

Wie kommen Sie, Hans-Ulrich Jörges,

nur immer auf Ihre überaus originellen Vergleiche? Die Gesichtsmaske sei »der Maulkorb des Volkes«? Das RKI »der Vatikan der Coronisten«? Professor Wieler (der Papst?) »verkündet ›ex cathedra‹« seine Botschaften, und ins Gesicht fassen ist gar »die Todsünde der Corona-Gläubigen«. Warum Christian Drosten dagegen nur als »Kardinal-Virologe« wegkommt und Frank Ulrich Montgomery als ordinärer Präsident des Weltärztebundes gleich überhaupt nicht von Ihnen geadelt wird, dürfen Sie, Pitbull des »Stern«, gerne für sich behalten.

Wie lange dauert es eigentlich, so einen Metaphernrausch auszuschlafen? Titanic

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung!

Von schweren Schnappatemgeräuschen aus den Dax-Vorständen und der FDP-Parteizentrale begleitet, prognostizierten Sie via Deutscher Presse-Agentur: »Ich würde schon sagen, dass die Corona-Krise so etwas wie der letzte Sargnagel für den Neoliberalismus ist.« Staatliche Hilfen für Arbeitnehmer, Unternehmen, Krankenhäuser oder Schulen seien in der aktuellen Situation alternativlos gewesen: »Der Markt kann in entscheidenden Bereichen nicht mehr allein funktionieren.« Dies haben Ihrer ökonomischen Expertise nach bereits die derzeitigen Auswirkungen des Klimawandels, die Flüchtlingskrise von 2015 als auch der Zusammenbruch der Finanzmärkte im Jahr 2008 gezeigt.

Na, dann bedarf es ja nur noch weiterer zwölf Jahre, bis Sie nach der bevorstehenden Rezessionsdekade inkl. Pleitewelle im Mittelstand, Rekordarbeitslosigkeit, einer Antragsflut bei den Arbeitsagenturen sowie dem einen oder anderen Rettungs-Airbag für die deutsche Autoindustrie mit Ihrer Einschätzung auch wirklich auf Nummer sicher gehen können.

Kann warten: Titanic

Aber, aber, Xavier Naidoo!

»Wir müssen so tun, als gäbe es eine tödliche Pandemie, wir müssen diese Dinger (Mundschutz, Anm. d. R.) tragen und damit zeigen, dass wir unser Hirn abgegeben haben.« Worüber Du Dir absolut keine Gedanken zu machen brauchst. Du untermauerst mit jedem Video, dass Du sie nicht mehr alle hast.

Ist schon gespannt auf die Fortsetzung: Titanic

Danke für die Warnung, Jürgen Drews!

»Jemand versucht, mit meinem Namen an schnelles Geld zu kommen und zu betrügen. Über alle möglichen Social-Media-Kanäle. Uns liegen mittlerweile mehrere Nachrichten vor«, ließen Sie uns auf Instagram wissen: »Bitte passt gut auf Euch auf und meldet uns sofort, wenn Ihr von einem vermeintlichen ›Jürgen Drews‹ seltsame Nachrichten bekommt.« Ist hiermit gemeldet!

Aber Spaß beiseite, Herr Mallorcakönig: Das finden sogar wir unverschämt, als Fake-Schlagersänger unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gutgläubige Leute um ihr hart verdientes Geld zu bringen. Solch eine Dreistigkeit hätten wir allenfalls einem echten Schlagersänger zugetraut!

Ihre aufmüpfigen Untertanen von Titanic

»Stuttgarter Zeitung«!

»Asiatische Hornisse bedroht Bienen« lesen wir in Deiner Online-Ausgabe. Wann, wo und wie hat sich besagter Vorfall denn zugetragen? Wie viele Bienen wurden bedroht? Und kam die Hornisse aus dem nahen oder dem fernen Osten?

Bitten um Aufklärung: die fleißigen Satire-Bienen von Titanic

Denis Scheck!

Im Deutschlandfunk führten Sie ein Interview mit der Schauspielerin Bibiana Beglau zu deren Arbeit an der Hörspielfassung von Thomas Pynchons »Die Enden der Parabel« und zu ihrer Rolle: Katje Borgesius. Als sie erwähnte, dass sie wegen der perversen, dominanten Aspekte der Figur an Pasolinis Film »Salo« gedacht hatte, kam von Ihnen ein kleiner Exkurs: Wie Sie anno dunnemals vor Widerwillen gegen das Gezeigte aus dem Kino gegangen seien. Wie Sie dann mit sich gerungen hätten und sich doch sagten, dass Sie den Film nicht verpassen dürften. Der Schwank aus Ihrer Jugend dauerte so lange, dass Frau Beglau schon fast verlegen den Faden wieder aufgriff: »Um noch einmal auf Katje Borgesius zurückzukommen …«

Dass Sie eine Labertasche sind, in die mühelos ein Elefant passt, wissen wir, also: Warum machen Sie nicht halt endlich die Sendung, die Sie schon immer machen wollten – Denis Scheck spricht mit Denis Scheck?

Schaltet garantiert nicht ein: Titanic

»Zeit«!

In einem Leitartikel über, klar, die Wirtschaft während Corona erkennst Du rasiermesserscharf: »Wachstum fehlt den Menschen nie so sehr wie zu Zeiten, in denen es in weite Ferne rückt.«

Wer kennt es nicht? Kaum ist etwas weg, schon fehlt es einem. Wenn Dinge aber nah und erreichbar sind, vermissen die meisten Menschen sie nicht. Es gibt also zwei Möglichkeiten: entweder schleunigst die Wirtschaft zum Wachsen bringen oder die Menschen dazu, Dinge, die nicht da sind, weniger zu vermissen.

Haben keine Ahnung, was einfacher ist: Deine Wirtschaftsprofis von der Titanic

So kann man’s machen, Ralph Brinkhaus (CDU)!

»… ich habe das Gefühl, dass im Stundentakt jemand mit neuen Forderungen um die Ecke kommt, wem man noch helfen muss. Das läuft aus dem Ruder. Am Sonntag bin ich früh aufgestanden und habe mir den Nachrichtenticker angeschaut. Sieben Uhr: Wir brauchen ein Rettungspaket für die Gastronomie. Acht Uhr: Wir müssen was für die Kulturschaffenden tun. Neun Uhr: Wir brauchen mehr Geld für die Entwicklungshilfe. Ich habe dann ausgeschaltet.«

Knips, aus, Problem weg – so leicht ist das also! Dabei ging es noch munter so weiter. Zehn Uhr: Subventionen für den Umweltschutz. Elf Uhr: Gelder für Sportvereine. Zwölf Uhr: Rettungspaket für den Taubenzüchterverband usw. Aber keine Sorge: Sie können jederzeit einfach wieder einschalten. Das Programm läuft noch eine Weile.

Zappt indes weiter: Titanic

Seelsorgeeinheit Freiburg Wiehre-Günterstal!

In Deinem »Osterbrief 2020« schriebst Du: »Die Welt ist in einem riesigen Veränderungsprozess, den das Coronavirus beschleunigt oder erst richtig in Gang gesetzt hat. Wir erkennen endgültig: weiter so wie bisher geht es nicht. Junge Menschen fragen: Hinterlassen wir ihnen eine Welt, in der man leben kann? Wir alle realisieren, wie recht der Apostel Paulus hat, wenn er davon spricht, dass die Schöpfung in ›Geburtswehen‹ (Röm 8,22) liegt.«

Echt jetzt? 2000 Jahre Geburtswehen der Schöpfung? Weiß das der Führer, äh: Schöpfer? Wer sagt ihm Bescheid? Ist bei derart schwerer Geburt ein Kaiserschnitt indiziert? Gar ein Abbruch der ganzen Chose?

Fragt bang: Titanic

Cameron Carpenter, alter Orgler!

Musste das sein: eine Digi-Orgel auf einen Lkw schnallen, zu Berliner Seniorenresidenzen knattern und die Alten dann von außen volldröhnen? Ja, musste es? Na, hoffentlich hast Du dann auch alle Register gezogen!

Organische Grüße: Titanic

Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

Helau, Attila Hildmann!

Und, äh, puh, wo sollen wir anfangen? Jedenfalls scheint Ihnen, dem lustigen, muskeligen Vegan-Koch und Porsche-Protz aus Berlin, der Lockdown mehr als anderen aufs Gemüt geschlagen zu haben; so sehr nämlich, dass Sie genauer wissen wollten, was sich hinter der Corona-Pandemie verbirgt, und dabei auf ganz erstaunliche Verschwörungen stießen. An Ihrem neuen Wissen ließen Sie fortan alle Welt ununterbrochen teilhaben, ballerten Post um Post ins Netz, in denen Sie über die geheimen Machenschaften von Superschurke Bill Gates aufklärten, dessen Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung nämlich u.a. die WHO und diverse Pharmafirmen mit Milliardensummen bezuschusse. Das ließe sich bei Interesse zwar auch stilistisch trockener auf der Stiftungsseite nachlesen – dort fehlte jedoch Ihre Schlussfolgerung, dass nämlich sämtliche finanzierten Unternehmen und Organisationen in Gates’ Hörner stießen, also an der ultimativen Versklavung der Menschheit mittels gechippter Impfung arbeiteten. Insbesondere um Deutschland und die Demokratie sorgten Sie sich: Mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes werde »Hochverrat am deutschen Volk begangen«. Daraus leiteten Sie nach Art. 20 des Grundgesetzes das Recht ab, zur Rettung der Verfassung in den bewaffneten Kampf einzutreten, verkündeten lauthals, Sie seien »bereit für dieses Land zu sterben«, wenngleich Sie nachfolgend den Platzverweis durch einen Ordnungshüter kleinlaut hinnahmen.

Was uns nun ein bisschen wundert, Hildmann, ist weniger Ihr Hang, unappetitliche Grütze von sich zu geben, als dass Sie als studierter Physiker nicht zwischen Korrelation und Kausalität unterscheiden können. Soll das heißen, Aussagen wie »21 kg in 56 Tagen abgenommen mit #VEGANFORFIT plus #MATCHAKUR ?Nach 2 Wochen Lieferenengpass ist mein BIO Matcha endlich wieder da! Gebe euch 30% Rabatt ab 5 Dosen (11 Euro pro Dose statt 16 Euro)! ? Weiß nicht wie lange ich so gute Angebote noch bringen kann« sind am Ende auch übles Geschwurbel, durchgedrehter Schwachsinn, m.a.W.: veganer Käse? Können es daraus nicht ableiten: Ihre argumentativen Superfrüchtchen von Titanic

Sigmar Gabriel!

Auf Ranga Yogeshwars Einwurf, dass ein Beamter vielleicht falsche Zahlen nach oben pushen könnte, wenn viel davon abhinge, erwiderten Sie in irgendeiner doofen Corona-Talkshow, dass man einem deutschen Beamten ganz sicher vertrauen könne, denn es gelte der alte Kommiss-Spruch: »Wer meldet, macht sich frei.« Da fragen wir Dich, Siechmar: Nur Oberkörper, oder auch untenrum?

Doktor Titanic

Gelber Journalist Helmut Markwort!

Sie, »Focus«-Gründer und FDP-Abgeordneter im bayerischen Landtag, ärgerten sich im »Focus« über den »roten Bischof« Heinrich Bedford-Strohm, weil er Beruf und Politik vermische: »Mithilfe seines Kirchenamts verbreitet er linke Gesinnung, was Kenner seines Lebenswegs nicht überraschen wird. Bevor er in der Hierarchie der Kirche aufstieg, hatte er sich in der SPD engagiert.«

SPD-Engagement und linke Gesinnung – das überrascht einen tatsächlich, sofern man die Politik der letzten Jahrzehnte auch nur grob verfolgt hat. Dass Sie das aber nicht überrascht, überrascht uns als Kenner Ihres Lebenswegs wiederum überhaupt nicht.

Die roten Kapläne von Titanic

Nice, Internationaler Währungsfonds (IWF)!

Du hast Pakistan im Kampf gegen die Coronakrise einen Notkredit in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro gewährt. Mit der Finanzhilfe könne mehr Geld für Gesundheit ausgegeben werden. Nun hat Pakistan Milliarden in Atomwaffen gesteckt, die Taliban finanziert und führt zugleich seit Jahrzehnten einen Krieg gegen Indien, der sicher auch kein Schnäppchen ist. Du, IWF, scheinst da sehr nachsichtig zu sein, oder hat man Dir ein Angebot gemacht, das Du nicht ablehnen konntest?

Die nächste Milliarde bitte zu uns, Schufa ist okay! Titanic

Na Mahlzeit, Alexander Djordjevic!

Als Chef des Online-Lebensmittelhändlers »Foodist« vom »Stern« zu neuen Viktualien-Trends befragt, nahmen Sie den Mund ganz schön voll und ließen folgenden Satz vom digitalen Warenstapel: »Die Tage der Tiefkühlpizza sind gezählt.«

Wir möchten ja nicht an Ihrem keck innovativen Out-of-the-Kühlbox-Thinker-Image kratzen, aber die Tage der Tiefkühlpizzen waren immer schon und hochoffiziell für jeden ersichtlich gezählt: Das nennt sich Ablaufdatum.

Hat Sie und Ihr Geschwurbel satt: Titanic

Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

Abgebrannt, Britney Spears,

haben Sie vor einem halben Jahr mit der Hilfe zweier Kerzen das Fitnessstudio in Ihrer Villa, oder wo immer Sie auch hausen mögen, wie Sie jetzt in einem Video erzählten. Dazu schrieben Sie die erleuchtenden Details: »Ich ging an der Tür zum Fitnessraum vorbei und Flammen BOOM!!!!!!« Sie dankten Gott, dass niemand verletzt worden sei, und führten dann vor, wie Sie jetzt trainieren.

Sehr sportlich soweit. Aber könnten Sie zur Abwechslung nicht demnächst mal an einem Lager Ihrer CDs oder dem Serverraum eines Streaminganbieters mit ein paar Kerzen vorbeijoggen, hm? Gerne dürfen Sie unserthalben dazu »Oops, I Did It Again« intonieren. Achten Sie nur darauf, die Kerzen richtig zu platzieren. Vielleicht schmettert Ihnen zum Dank ein »Baby One More Time«: Ihr Kinderchor von der Titanic

Wissen Sie, Boris Palmer,

wir hatten erwogen, mal wieder richtig über Sie herzuziehen. Schließlich hatten Sie im Sat-1-Frühstücksfernsehen vermutet: »Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.« Gewohnt störrisch verteidigten Sie zunächst Ihre Worte, um dann alles glitschig zu revidieren. Dabei hatten Sie ja, wie Sie mürrisch betonten, nur auf Fakten hingewiesen. Zum Beispiel diesen: »Wir wissen, die meisten Menschen über 80 sterben irgendwann.« Das ist allerdings so nicht ganz richtig, Herr Palmer. Alle Menschen über 80 sterben irgendwann und auch alle über 12. Oder rechnen Sie damit, dass der liebe Gott in Ihrem grandiosen Sonderfall eine Ausnahme machen wird?

Jetzt will Sie Ihre Partei endlich loswerden, nämlich nicht mehr als Bürgermeisterkandidaten aufstellen und vielleicht sogar ganz ausschließen. Und da dachten wir uns, wozu noch groß Witze über Sie machen – wir mokieren uns hier möglicherweise über einen Menschen, der in einem halben Jahr sowieso politisch tot ist.

Verabschiedet sich daher an dieser Stelle: Titanic

Richard David Precht!

Sie fragen: »Doch wer entwirft die Bilder dieser neuen Gesellschaft? Wer zeigt auf, was und wie sie zu gestalten ist?«

Wir fragen uns auch andauernd, was die Gesellschaft zu gestalten ist, kommen aber nicht drauf. Wir können Ihnen immerhin genau sagen, wie zu tun ist. Uns schweben nämlich Bilder der Gesellschaft vor, auf denen Sie nicht drauf sind. Titanic

Wen, »Kaffeerösterei Martermühle«,

musstest Du eigentlich foltern, damit Deine Produkte im Supermarktregal mit dem Fair-Trade-Kaffee stehen dürfen?

Fragen untertänigst: Deine Honorarsklaven auf der Titanic

Vielen Menschen unverständlich, Tierpark Neumünster,

war Deine Entscheidung, im Notfall, bei weiterhin geschlossenem Park und unzureichenden Spenden, nach und nach Tiere zu schlachten. Wir hingegen finden diese Idee gar nicht so schlecht, wäre es doch besser so, als wenn die Tiere langsam und qualvoll verhungerten. Doch Dein Vorgehen hat uns dann doch verwirrt: Du willst erst die kleinen Tiere schlachten und sie dann an die noch lebenden, größeren verfüttern. Warum aber willst Du das größte Tier, Eisbär Vitus, zuletzt schlachten? Schließlich frisst der doch am meisten. Wäre es nicht viel schlauer, Vitus zuerst zu schlachten?

Denn überleg mal: Von so einem Eisbären kann eine Gruppe Erdmännchen doch bestimmt wochenlang leben!

Immer mit einem guten Schlachtplan bei der Hand: Deine Zoo-Logiker von Titanic

Michael Kretschmer (Sachsen)!

In einem Durchhaltebrief, den Sie Millionen Ihrer Untertanen vor Ostern in den Briefkasten werfen ließen, finden sich sage und schreibe acht Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler. Nun überrascht es uns nicht unbedingt, wenn ein Büroinformationselektroniker bzw. Wirtschaftsingenieur (FH) nicht so der Rechtschreibungsfreak ist, auch wenn er ständig von irgendeiner »Leitkultur« schwurbelt und ein »Problem bei der Integration von Migranten« sieht, von denen einige ein besseres Deutsch schreiben dürften als er selbst.

Dass Sie, Kretschmer, es allerdings in Ihrer relativ kurzen Regierungszeit geschafft haben, jede philologische und somit auch humanistische »Kompetenz« aus Ihrer Staatskanzlei zu vertreiben, wundert dann doch: Titanic

Und Du, Tschernobyl,

musstest natürlich mitten in der Pandemie die beleidigte Leberwurst spielen! Ja klar, für uns bleibst Du die Mutter aller Ausgangsbeschränkungen, Sperrgebiete und Fußballspielabsagen. Aber in der Hinsicht ist Corona nun mal eine andere Nummer und 1986 außerdem doch schon – ganz ehrlich – ’ne Weile her. Da nützen auch exzessive Radioaktivitäten wie zuletzt Dein albernes Rumzündeln eher wenig. Wir haben hier nämlich irgendwie gerade genug Ärger. Also lass einfach gut sein. Titanic

Und was, niedersächsischer Umweltminister Olaf Lies,

ist eigentlich aus Deinen bärtigen Fans geworden, die jahrelang deutsche Fußgängerzonen penetriert haben? Haben die keine Lust mehr auf die Lies!-Kampagne?

Kann’s kaum glauben: Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
17.01.2022 Mannheim, Alte Feuerwache Max Goldt
21.01.2022 Braunschweig, Staatstheater Max Goldt
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella