Briefe an die Leser | Oktober 2018


Hans-Georg Maaßen, alter Verfassungsfreund!

Ganz besonders gut gefiel uns ja Ihre Erklärung dafür, warum Sie das Chemnitzer Tötungsdelikt im »Bild«-Interview als »Mord« bezeichnet haben, obwohl die Staatsanwaltschaft doch wegen Totschlags ermittelt. Vor dem Innenausschuss des Bundestags sollen Sie Ihre Wortwahl damit gerechtfertigt haben, dass in der Bevölkerung sonst schnell der Verdacht entstünde, Straftaten sollten heruntergespielt werden. Deswegen hätten Sie ganz bewusst von »Mord« gesprochen – auch wenn es halt gar keiner war.

Richtig so! Nicht immer alles verharmlosen! Dann ist es doch auch sicherlich ganz in Ihrem Sinne, wenn wir Sie fürderhin einen ungewaschenen Lügennazi nennen. Stimmt zwar auch nicht so ganz im Wortsinn, geht aber schon irgendwie in die richtige Richtung.

Auge um Auge: Titanic

Heyho, Politiker und Unternehmenssprecher,

die Ihr immer wieder krakeelt, es dürfe bei Thema xy »keine Denkverbote« geben: Habt Ihr Euch eigentlich mal gefragt, ob sich, sagen wir in den letzten 30 Jahren, in deutschen Medien schon jemals jemand ernsthaft für Denkverbote ausgesprochen hat? Nein?

Und habt Ihr je überlegt, wie die Einhaltung eines Denkverbots, sollte es tatsächlich mal eins geben, überhaupt durchgesetzt werden könnte? Soweit wir informiert sind, stecken sämtliche Methoden der Gedankenkontrolle noch in den Kinderschuhen. Dann sind die Gefahren durch Denkverbote vielleicht gar nicht so groß, wie Euer Geplapper suggeriert, kann das sein?

Da ruhig mal drüber nachdenken, empfiehlt Eure Sprach- und Gedankenmanufaktur Titanic

Seit Tagen, »Zeit online«,

hatten wir darauf gewartet, dass endlich irgendein Pressorgan die Beherrschung verliert und das Wortspiel, das in der Causa Maaßen halt allzu naheliegt, auch tatsächlich bringt! Besten Dank daher für Deine Schlagzeile vom 13.9.: »Horst Seehofers doppelter Maßstab«. Blöd nur, dass »doppelt« höchstens im Baumarkt Sinn ergibt.

Misst bisweilen auch mit zweierlei Maß und gönnt sich eine doppelte solche: Titanic

Schon klar, Ostdeutsche,

dass »bei einem großen Teil der Bevölkerung … die Angst davor, Opfer einer von Flüchtlingen verübten Gewalttat zu werden, viel größer als die Scheu [ist], sich mit Rechtsradikalen gemein zu machen«, wie es die »Mitteldeutsche Zeitung« nach der Gewalttat in Köthen notierte.

Und sie ist natürlich noch viel größer als die Angst, Opfer einer von Deutschen verübten Gewalttat zu werden, weil man auch bei Straftaten lieber unter sich bleiben möchte, wodurch sie gleich nur noch halb so schlimm sind. Im übrigen würde es sich in diesem Fall auch gar nicht lohnen, sich mit Rechtsradikalen gemein zu machen. Immerhin klingt in dieser Formulierung ein wenig an, dass Rechtsradikale gemein sein könnten.

Macht sich dennoch nicht mit Dir gemein: Titanic

Sachsenminister Michael Kretschmer!

Nachdem in Chemnitz Rechtsextreme auf einem »Trauermarsch« ungehindert Hitlergrüße gezeigt, Jagd auf Menschen mit ausländischen Wurzeln gemacht und der ganzen Welt ihre weißen, schwabbeligen Arschbacken präsentiert hatten, gaben Sie öffentlich bekannt, dass es »keinen Mob und keine Hetzjagd gegeben« habe. Die Beobachtungen der Medien seien falsch, weil diese »weit weg« gewesen seien.

Ja, Herr Kretschmer, als Journalist mitten in einem Nazipulk zu stehen, der einem die Kamera aus der Hand schlägt und Derbheiten ins Gesicht schreit: das ist wahrlich die Definition von »weit weg«. So eine Situation kann man im sicheren Landtagsgebäude, mit einer schönen Tasse Tee in der einen Hand, während man die eingesetzten Polizisten an der anderen Hand abzählt, natürlich viel besser beurteilen.

Aber wir wollen nicht zu hart mit Ihnen sein! Auch mal an die eigene Sicherheit zu denken ist ja völlig okay: In zwanzig Jahren können Sie dann sagen, Sie hätten von nichts gewusst.

Grüßt recht(s) herzlich: Titanic

Sir Paul McCartney!

Seit Sie dem Magazin GQ verrieten, dass Sie gemeinsam mit John Lennon masturbiert haben, während Sie einander die Namen damaliger prominenter Schönheiten zuriefen, erscheinen uns einige Beatles-Nummern noch strahlender, noch schöner. Zum Beispiel »Norwegian Wood« oder »Twist and Shout«. Und es bleibt zu hoffen, dass Sie sich vor »I want to hold your hand« wenigstens selbige gewaschen haben.

Happiness is a warm gun! Titanic

Originell, Dieter Janecek (Grüne),

war Ihre Anfrage an die Bundesregierung, wie diese auf einen Erstkontakt mit Außerirdischen vorbereitet sei, natürlich nicht. Wie jeder Mensch weiß, landen Aliens bevorzugt in den USA, weil sie dort fetziger in den Medien abgefeiert werden. Für Deutschland bleiben dann nur die Extraterrestrischen übrig, die problemlos eine Partei wie die Grünen bevölkern können.

Den Erstkontakt gab es also längst, und sich auf grüne Männchen wie Sie, Janecek, vorzubereiten, ist so öde, dass man es nicht mal der Bundesregierung wünscht. Titanic

Dass Ihr, werte »Sportsfreunde der Sperrtechnik«,

einmal im Monat ein »offenes Treffen« anbietet, ist doch eigentlich so logisch, dass Ihr Euch das »offen« auf Eurer Website auch hättet sparen können. Denn was sollte das Treffen eines Vereins, der sich ausschließlich mit dem Öffnen von Schlössern beschäftigt, sonst sein? Bei einer geschlossenen Gesellschaft würde es Euch doch sicher viel zu sehr in den Fingern jucken, oder?

Abschließend gute Grüße Titanic

Liebe Tijen Onaran!

Auf einem sog. Sharepic des »Handelsblatt« lassen Sie, Ihres Zeichens FDP-nahe »Unternehmerin und Beraterin«, sich mit den Worten zitieren: »Wenn alle bei der Work-Life-Balance tendenziell auf Life setzen, wer gestaltet dann in unseren Unternehmen die Zukunft?«

Ja, wer nur? Man male sich dieses Szenario nur mal aus: Alle Menschen würden nur noch auf ihr eigenes Lebensglück achten, die gewinnorientierten Unternehmen verkümmerten langsam aber sicher, der Kapitalismus bräche zusammen. Am Ende stünde womöglich eine Gemeinschaft hedonistischer Individuen, die nicht in Lohnknechtschaft als Konsumvieh gehalten würden!

Wobei, wo wir das jetzt so lesen, klingt es eigentlich gar nicht so schlecht.

Aber jetzt erst mal genug gearbeitet, Zeit für ein bisschen Entspannung mit Kaffee auf dem Balkon. Aber nicht für Sie! Titanic

Dietmar Woidke (SPD)!

Sie sind Ministerpräsident des vom Durchfahren nach Berlin bekannten Bundeslandes Brandenburg und sorgen sich um dessen Zukunft, für die Sie befürchten: »Ein schneller Kohleausstieg stärkt die AfD.« Und da können wir Ihnen nur zustimmen – in manchen Landstrichen hilft da echt nur noch Wegbaggern.

Glück auf: Titanic

Armin-Paul Hampel!

Als ehemaliger Auslandskorrespondent empfehlen Sie sich in Ihrer Partei (AfD) für außenpolitische Fragen und durften daher im Deutschlandfunk über Syrien sprechen. Und während Sie dort Verständnis für sämtliche beteiligten Diktatoren zeigten, waren Sie redlich um Tonfall und Ausdruck eines richtigen Politikers bemüht. Als Sie dann aber äußerten, in Ihren »Gesprächen« Bedingungen an Herrn Assad formuliert zu haben, da fragte die Gegenseite mehrmals nach, mit wem Sie denn da gesprochen hätten, bis Sie schließlich kleinlaut erklärten: »Diplomatie ist eine Sache, die man im Verborgenen und nicht in der Öffentlichkeit diskutieren sollte, denn sonst erreichen Sie nichts, wenn Sie ein solches Ziel anstreben.«

Und wir sehen es lebhaft vor uns: wie Sie konspirativ mit dem Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen die beste Syrienstrategie verhandelt haben, verborgen im Fond, das Ziel (Terminal 1) klar vor Augen.

Heute nicht diplomatisch: Titanic

TV-Koch und Foodwatcher Nelson Müller!

Beim Essen sind Sie achtsam, umsichtig und passen auf. In Essen hingegen nicht. Dort rammten Sie unlängst mit Ihrem Flitzer eine Verkehrsampel. Also, zukünftig bitte bloß noch in der Küche mit dem heißen Ofen heizen. Da richten Sie allenfalls Backblechschaden oder Pfannenkratzer an.

Ihre Smutjes von der Titanic

Hehe, »Focus online«!

»Gesund leben: Sport macht laut neuer Studie so glücklich wie Geld«.

Also gar nicht?

Trinkt lieber noch einen: Titanic

Smarte »Frankfurter Allgemeine«!

In Deiner Rubrik »Meine Finanzen« durften wir Deinen ganz eigenen Blick auf das Verteilungsproblem lesen: »Die Reichen vergrößern ihre Vermögen immer weiter, die Armen kommen nicht hinterher – so lautet das landläufige Klischee. Ob das auf Dauer stimmt, ist hoch umstritten. Sicher ist aber: Die Reichen legen ihr Geld zumindest geschickter an.«

Die vielen hirnlosen Habenichtse sind also einfach nur zu blöd dafür, das Geld, das sie nicht haben, richtig anzulegen. Doch Markt sei Dank ist das Armutsproblem, das für Dich ohnehin nur ein landläufiges Klischee ist, bald Geschichte: »Eine neue Studie zeigt, was (die Reichen) genau tun, wie das die Vermögen der Reichen vergrößert – und dass jeder diese Strategie nachmachen kann.«

Und wie funktioniert dieser mit einer derart ungelenken Formulierung angekündigte Finanzstein der Weisen? »Die Kleinsparer konzentrierten ihr Geld auf ein oder zwei Aktien … Die großen Depots verteilten das Vermögen dagegen auf durchschnittlich fast 29 unterschiedliche Aktien … Bei so einer großen Zahl von Aktien kann auch mal eine schlecht laufen, eine andere gleicht das dann aus.«

Heureka! Hier liegt also das wahre Verteilungsproblem: Die Armen streuen ihr Vermögen in zu wenige Wertpapiere! Mit Verlaub: Wie viele, sagen wir Dath-Artikel braucht es eigentlich, um solchen Textabfall »auszugleichen«?

Legt sich gern mit Dir an: Titanic

Behindert, Bestsellerautor Thilo Sarrazin,

der Sie sich als SPD-Mitglied seit Jahren an vorderster Front gegen »Kopftuchmädchen« und »Tugendterror« engagieren und damit weite Teile der Bevölkerung auf Ihre Seite gebracht haben – also noch mal, behindert der Islam denn wirklich den Fortschritt und bedroht die Gesellschaft, wie es der Untertitel Ihrer neuen Rassistenbibel »Feindliche Übernahme« behauptet? Bei der Vorstellung des Buches in Berlin sagten Sie jedenfalls dauernd bemerkenswerte Dinge, zum Beispiel, gestützt auf eine gewissenhafte Lektüre des Korans: »Natürlich kann man sagen, Bildungsmangel kommt aus der Rückständigkeit, aber letztlich – woher kommt die Rückständigkeit? Sie kommt aus dem Islam, und insofern kommt auch der Bildungsmangel aus dem Islam.«

Okay, Herr Sarrazin, wir haben den Koran natürlich nicht so umfänglich studiert wie Sie, aber woher kommen denn der Bildungsmangel und die Rückständigkeit, wenn sie zufällig nicht aus dem Islam kommen? Etwa schnurstracks aus – Ihren Büchern?

Dann fassen wir die lieber nicht an! Wollen ja nicht bei Pegida enden. Titanic

Wunderbar hingegen, Universität Innsbruck,

ist, dass an Deinem Institut für Systematische Theologie ein Professor Palaver lehrt.

Lol in Tirol: Titanic

Iggy Pop, zappelnde Dauerwurst!

Ist schon erstaunlich, zu welchen Hochleistungen Ihr mittlerweile 71jähriger Körper auf der Bühne immer noch fähig ist.

Fast noch erstaunlicher war es jedoch, als Sie uns neulich vom Titelbild von »DB mobil« anblickten. Wie der Geist des Rock’n’Roll deutlich sichtbar aus Ihren Augen wich – und das bei einem Print-erzeugnis! –, dieses Schauspiel bekommt man nicht alle Tage zu sehen.

Roll on! Titanic

Ihr Kampf, Michael Theurer (FDP),

gegen die Zeitumstellung ist ja nun gewonnen, EU-weit wird sie bald abgeschafft. Kurz vorher hatten Sie noch so argumentiert: »Aber entscheidend ist, dass etwa ein Viertel der Menschen – vor allen Dingen kleine Kinder – und auch Tiere Probleme mit der Zeitumstellung haben … Es ginge auch ohne die Zeitumstellung, und deshalb, warum sollen wir die Menschen mit etwas belasten, auf das man auch verzichten kann?«

Recht haben Sie. Vor allen Dingen kleine Mastschweine sind beim Verstellen ihrer Armbanduhren zweimal im Jahr auf fremde Hilfe angewiesen.

Aber warum wir die Menschen mit etwas belasten sollten, auf das man auch verzichten kann, wissen Sie selbst am besten. Denken Sie nur an Ihre Partei!

Erinnerung von Titanic

Alle Achtung, SZ!

Auf Deiner Medienseite lesen wir: »Popsänger Justin Timberlake hat die Idee zu einer Gameshow geliefert, die demnächst bei Fox ausgestrahlt wird … In ›Spin the Wheel‹ haben die Kandidaten die Chance, mehr als 20 Millionen Dollar pro Folge zu gewinnen. Durch das richtige Beantworten von Fragen können die Kandidaten ihre Chance auf einen hohen Geldbetrag steigern, falsche Antworten bergen das Risiko, leer auszugehen.«

Das ist ja ein phänomenaler Knüllervorschlag! Wir schlagen Dir vor, Mr. Timberlake gleich mal zu fragen, was er noch so in petto hat. Vielleicht eine TV-Sendung, bei der talentarme Jedermänner auftreten und am Ende dank ihrer nun ausgeweiteten Bekanntheit selbst Moderatoren bzw. später Sänger von Boybands werden? Oder noch besser: eine Sammlung von ironiefrei vermeldeten »Nachrichten«, die dann gedruckt und verkauft (!) werden. Ach so, das gibt es alles schon lange? Aber Du musst zugeben: Wir haben immerhin was gemerkt! Titanic

Eieiei, »Design for Wellbeing«!

Du bist ein »Förderprojekt CreateMedia.NRW« und veranstaltetest im September schon den dritten »Design for Wellbeing Summit«, um Deinen »Design- & Innovationsprozess« vorzustellen, »der die Frage ›Wie werden aus zufriedenen Kunden glückliche Kunden?‹ beantwortet und die unternehmerischen Potentiale der Wohlbefindenszentrierung hebt.«

Und nach drei Jahren »Entwicklung wohlbefindenssteigernder Innovationen« gibt es von Dir jetzt endlich auch ein erstes Produkt: den Pausenwürfel! Dieser dient dazu, sich mit anderen für eine Pause zu verabreden. Die Bedienung ist ganz einfach, wie ein Auszug aus der Beschreibung zeigt:

»Bei Pausenwunsch wird der Pausenwürfel zuerst um 180° in die eine und dann in die andere Richtung gedreht (›Aufziehen‹), so dass alle vier Flächen auf der Front des Würfels blau erleuchtet sind. Ein mehrmaliges Blinken zeigt das erfolgreiche Pausen-Initialisieren, danach sollte die obere Fläche grün und zwei andere Flächen blau bzw. rot leuchten ... Wenn jemand eine Pause angefordert hat, versuchen die anderen Pausenwürfel durch blaue Lichtsignale, die Aufmerksamkeit der jeweiligen Nutzer zu erregen, und bieten danach Antwortmöglichkeiten in Form von verschiedenen Farben an ...«

Da fragt man sich natürlich: Ist das noch Zufriedenheit oder schon Glück?

Hatte bereits bei »Wohlbefindenszentrierung« den ersten Pausenwunsch: Titanic

Enttäuscht, Linda Zervakis,

zeigten Sie sich vom 2018er Sommer, hat der doch die erhoffte Leistung nicht gebracht, sondern vielmehr dummer-, fauler-, auf alle Fälle aber schwer versagenderweise laut einer von Ihnen in der Tagesschau verlesenen »Nachricht« den freilich nur unter erheblichen Anstrengungen zu knackenden Wärme-, wenn nicht gar Hitze-»Allzeitrekord« »knapp verfehlt«. Das heißt: Er ist leider unter der »Bestmarke von 2003« geblieben.

Nun wüssten wir natürlich brennend gern, wie es derzeit um andere sportive »Bestmarken« steht. Ist z.B. die der venezolanischen Inflation gefallen? Gibt es neue Kriegstotenallzeitrekorde aus dem Jemen zu vermelden? Gelang es der Tagesschau, in neue Dumm-Dimensionen vorzustoßen, oder verharrt sie konstant auf dem vertrauten Allzeit-Verharmlosungslevel? Tragen Sie’s uns vor!

Simply the best: Titanic

Noch was, Kretschmer!

»Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird«, twitterten Sie, nachdem der Nazimob durch Chemnitz gefegt war. Machen Sie sich da mal keine Sorgen: Das Bild, das wir von dem Land haben, für das Chaoten wie Sie verantwortlich zeichnen, kann gar nicht mehr beschädigt werden.

Ihre Sachsen-Basher von der Titanic

»Pur«-Frontmann Hartmut Engler!

Uns stößt wie unseren Leserinnen und Lesern natürlich seit Jahrzehnten immer wieder auf, was für ein nervtötender Rucksack Sie sind – aber jetzt haben Sie uns tatsächlich einmal wertvollen Input gegeben. Wie wir also erfuhren, finden Sie es »erfrischend«, buddhistische Lehren auf Ihr deutsches Alltagsleben anzuwenden: »Wenn man zum Beispiel im Stau steht und sich aufregt, geht das Ego in ein höheres Bewusstsein über. Man lacht dann über sich selbst, warum man sich über etwas aufregt, das man nicht ändern kann.« Wow!

Weshalb wir uns über Sie, Engler, fürderhin auch nicht mehr ärgern wollen. Ja, wir möchten tief in unserem Inneren Frieden damit machen, dass es auf dieser vermaledeiten Welt eben auch scheiß-erfolgreiche Esel wie Sie geben muss, die einen Arsch voll Kohle mit schwachsinniger Kirmesmusik machen. Na ja, klappt schon fast.

Ooommmmmmm: Titanic

Geschmackvoll, »Bild der Frau«,

was Du uns auf dem Titel einer Deiner letzten Ausgaben versprachst: »Abnehm-Wunder vom Mittelmeer. 3 super SOS-Suppen«. Wobei wir uns vorstellen könnten, dass der ein oder andere, äh, Mittelmeer-Reisende das von Dir versprochene Ziel »jeden Tag 1 Kilo weg« locker übererfüllt. Da geht also noch einiges.

Vermuten Deine Mayday-Gourmets von Titanic

Salām, CDU-Abgeordnete Veronika Bellmann!

Dem Hitlerjugendmitgliedsblatt »Junge Freiheit« steckten Sie, dass Muslime in der CDU nichts verloren hätten, selbst die nicht praktizierenden. »Heute geben sie sich säkular und morgen doch wieder streng gläubig«, glauben Sie.

Wir können Ihren Standpunkt verstehen, denn in der CDU muss es ja seit jeher genau andersrum laufen: Sie geben sich heute gläubig und morgen doch wieder streng unchristlich.

Bigott zum Gruße: Titanic

Ganz kurz, Schokoladenpapst Georg Bernardini!

Werden Sie wegen Ihres Titels eigentlich oft durch den Kakao gezogen?

Zartbitter: Titanic

Befürworter autonomer Waffensysteme,

Ihr führt als Argument unter anderem an, dass sie frei von Emotionen wie Rachsucht und Hass ihre Gegner eliminierten. Nun, dem Gegner kann es gleichgültig sein, ob ihm hasserfüllt, rachsüchtig oder bar jeden Gefühls der Kopf vom Rumpf geschossen wird. Und für Emotionen ist ja noch genug Raum bei den wehklagenden und trauernden Angehörigen, nicht wahr? Oder werden die emotionsarm gleich mitentsorgt?

Kühle Frage von Titanic

Krawallpopulist Söder!

Für Ihren Bierzeltvergleich »Bayern ist ein Sprungbrett und Schutzschild, Bundesländer wie Berlin sind dagegen die Resterampe der Republik« kassierten Sie milde mediale Dresche. Dabei ist das Bild des Sprungbretts in Ihrem Fall gar nicht so schlecht; geht es von so einem Sprungbrett doch nur anfangs aufwärts, und dann, Schwerkraft sei Dank, wieder nach unten.

Verortet Sie nach der Wahl in den Resterampen EU oder Hanns-Seidel-Stiftung: Titanic

Respekt, Julia Klöckner (CDU),

wie Ihnen der Job als Landwirtschaftsministerin bereits nach wenigen Monaten in Mark und Bein übergegangen ist! Ja, man kann sagen, Sie haben schon ordentlich Stallgeruch. Der »Stern« konfrontierte Sie mit der rustikal formulierten Frage, »was Sie fühlen, wenn Sie in einen Schweinestall kommen, in dem die Tiere auf 0,75 Quadratmeter stehen und in der eigenen Scheiße liegen«. Bauernschlau konterten Sie: »Es gibt sehr unterschiedliche Ställe. Ich betrachte die Landwirtschaft differenziert ... Groß ist nicht gleich böse. Es gibt ganz kleine Betriebe, die ihre Tiere nicht artgerecht halten. Oder große, die sehr viel fürs Tierwohl tun ... Dort laufen Kühe frei herum, gehen selbstständig zum Melkroboter, ihr Gesundheitszustand wird ständig durch digitale Halsbänder überwacht.«

Und ist das nicht das perfekte Sinnbild für den Zustand aller Regierungsparteien? Die großen sind nicht zwangsläufig böse, stinken kann es überall, ehemalige Volksparteien dümpeln im Kot, Wähler werden nicht artgerecht zur Schlachtbank geführt – ach, sagen Sie: Was vermeldet Annegret Kramp-Karrenbauers Digitalhalsband gerade? Und schafft es Jens Spahn schon ganz allein zur Melkmaschine?

Muh! Titanic

Isabel Vollmer (Schauspiel)!

Im neuen Til-Schweiger-Film »Klassentreffen 1.0« lutschen Sie drehbuchbedingt an des Meisters Fingern und berichteten hinterher über den Dreh: »Es war lustig, denn später steckte ich auch meinen Finger in Til Schweigers Mund. Er konnte seine Regieanweisungen dann nur nuschelnd geben.«

Ach, interessant, das erklärt einiges. Nur nicht: Steckt Ihr Finger wirklich erst seit diesem Dreh da drin? Und wann nehmen Sie ihn endlich mal heraus?

Würdeingserträglchrmachnfür: Titanic

Hey, Ernst!

Du denkst bitte daran, dass zwei Seiten in diesem Heft von Dir befüllt werden wollen? Und erholst Dich deshalb bitte recht bald, ja?

Das wünschen sich Kahl-Fans allerorten und ganz besonders Deine Freunde von der Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
21.01.2022 Braunschweig, Staatstheater Max Goldt
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella
31.01.2022 Meiningen, Kunsthaus K. Greve, H&B und A. Plikat: »Corona revisited«