Briefe an die Leser | Dezember 2018


Gratulation, Hubert Aiwanger!

Jetzt bist Du nicht mehr nur Vorsitzender und Chef-Metaphoriker der Freien Wähler in Bayern, sondern auch noch frischgebackener stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Freistaates! Den Erfolg bei den Landtagswahlen hast Du unter anderem Deiner zutiefst humanen Einstellung gegenüber Flüchtenden zu verdanken, die Du »als Gäste auf Zeit« betrachtest und schleunigst wieder in ihrer kaputten Heimat sehen möchtest. Zu Deinen neuen Aufgaben gehört nun, wie die Tagesschau anmerkte, auch »die Ausweisung von Gewerbegebieten«.

Wie jetzt, Hubert, jetzt weist Du auch noch Gewerbegebiete aus? Aber doch nur solche, in denen Gebetsteppich-Knüpfereien, Halal-Schlachtfabriken und Burka-Schneidereien sitzen? Durchweg deutsche Gewerbegebiete mit Hakenkreuz-Manufakturen und Springerstiefel-Schustereien dürfen hoffentlich bleiben, oder?

Fragen ängstlich die Shopping-Queens von Titanic

Au weia, Ursula von der Leyen,

ein bisschen nervös macht selbst uns Dienstverweigerer, was Sie in den Nachrichten zur größten Nato-Übung aller Zeiten in Norwegen kundtaten. Als das häufig defekte deutsche Gerät zur Sprache kam, wichen Sie aus: »Ein kleines Beispiel bei den Panzern: Da ist noch nicht alles so, wie wir es wollen.« Und auch was Sie zur Luftwaffe sagten, bereitet uns Bauchschmerzen: »Bei den Eurofightern musste man zum Beispiel eine Software updaten, und man musste Computer modernisieren.« Auch wenn Sie danach noch versprachen, dass längst wieder alles paletti sei: »Aber heute zum Beispiel fliegen alle vier Eurofighter wieder.«

Was uns, von der Leyen, zum Beispiel viel mehr sorgte als das morsche Kriegsgerät: Wenn z.B. die Verteidigungsministerin beispielsweise einen Hänger im Kommandozentrum Sprache hätte. Das wäre beispiellos gefährlich, weil uns bspw. kein Mensch einfiele, der Ihnen noch ein Softwareupdate geben könnte.

Beispielhafte Grüße: Titanic

Auf ein Wort, FAZ.net!

Im Ringen um Angela Merkels Nachfolge titeltest Du unter den Konterfeis von Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn: »Das Duell um den CDU-Vorsitz«.

Du weißt aber schon, was ein Duell ist?

Fragt Titanic

Respekt, Dennis Hof!

Ihnen ist es gelungen, im November die Midterm-Wahlen in Nevada für die Republikaner zu gewinnen – obwohl Sie bereits seit Oktober tot sind. Und das passt doch zu den Umständen in Ihrem Land, wo einer wie Ihr Idol Trump Präsident sein kann und wo Sie (Besitzer von fünf Bordellen und einem Stripclub, Autor von »The Art of the Pimp«) dem ganzen Rummel durch Ihr Totsein bloß eine Extraportion Wahnsinn aufgesetzt haben.

Gruß in die Wahlurne: Titanic

Sie, Peter Altmaier,

erklärten der Tagesschau nach der Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi, dass Deutschland aufhören werde, Waffen nach Saudi-Arabien zu liefern, wenn die EU sich einige. Schön. Alternativ könnten Sie natürlich auch versprechen, die Waffenlieferungen zu beenden, wenn die SPD nach einer Bundeswahl die absolute Mehrheit hat, wenn Söder einsieht, dass Verkleidungen blödsinnig sind, und wenn Sie vernünftige Argumente für eine Waffenlieferung nach Saudi-Arabien finden.

Konditionale Grüße von Ihrer Titanic

Herzlichen Glückwunsch, Taz.de-Leser Bernd N.!

Am Tag, nachdem Horst Seehofer den rechten Nachwuchspolitiker Hans-Georg Maaßen endlich an die Luft gesetzt hatte, überschlug sich die Presse mit Meinungen und Kommentaren zu dem prickelnden Thema, und im Internet schäumten die Leserkommentarspalten nur so über von weiteren Meinungen und Kommentaren, und inmitten dieses rasenden, wie wahnwitzig kreiselnden und taumelnden Meinungs- und Kommentarinfernos stach Ihre Mitteilung unter einem vage kritischen Einlass des Parlamentsbüroleiters der »Taz« doch als wahrlich singuläres Ereignis hervor. »Hab’s gelesen, alles ok«, beschieden Sie nämlich den eifernden Schreihälsen um Sie herum in angenehmster Bescheidenheit, Lakonie und Unaufgeregtheit – dergestalt demonstrierend, dass wahrer Durchblick auch ohne Besserwisserei, Verschwörungstheorien und formulierungstechnische Katastrophen auskommen kann.

Würde Ihren Leserbeitrag jederzeit zur verpflichtenden Schullektüre machen: Titanic

Hey, Moritz Bleibtreu!

Sie wollen das Internet abschaffen. Grund seien vor allem die vielen Gewaltvideos. »Dafür würde ich sogar auf die Straße gehen. Sofort!« teilten Sie der »Welt am Sonntag« mit. Das hat uns sofort elektrisiert: Sie auf der Straße und nicht am Set! Die körperliche und seelische Gewalt, die uns damit erspart bliebe, die ganzen nie gedrehten Gewaltvideos also, da könnten Sie glatt wieder zum Dreh zurü– halt, nur ein Scherz!! Manfred Spitzer und die anderen brauchen Sie!

Gegen Gewalt jeder Art: Titanic

Und Sie, Siemens-Chef Joe Kaeser,

haben lange überlegt, ob Sie an einer Investorenkonferenz in Riad teilnehmen sollen. Schließlich sagten Sie offenbar eher widerwillig ab: »Ich habe Hunderte, wenn nicht Tausende Mails und Social-Media-Posts erhalten, in denen ich aufgerufen wurde, nicht teilzunehmen.« Und weiter: »Nur zwei Menschen haben mir empfohlen, hinzugehen. Es ist erwähnenswert, dass diese beiden Menschen verstanden haben, wie kompliziert die Situation ist.«

Hm, lassen Sie uns mal überlegen: Der eine, der das empfahl, wird wohl der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman gewesen sein, nicht? Dem ist es bestimmt echt zu kompliziert, überhaupt darüber nachzudenken, warum ein Geheimdienstmord einen wie ihn an irgendwas hindern soll. Und der zweite, Kaeser, das müssen einfach Sie gewesen sein, in einer Nachricht an Sie selbst. Denn dass es noch mehr moralisch so Verkommene gibt, die Ihnen dann auch noch schreiben, will ausnahmsweise mal nicht glauben: Titanic

Toll, Bundesverkehrsministerium!

Dein Bestreben, den Bürgern umweltfreundliche Mobilität näherzubringen, ist wirklich vorbildlich. Jetzt gibt es sogar einen Telefondienst für besorgte Dieselfahrer: »Bei ›Sauber Fahren‹ können Sie mit Experten sprechen«, heißt es in der dazugehörigen Werbung. Etwas widersprüchliche Angaben machst Du dann aber doch: In dem Spot heißt es nämlich weiter, manchmal gehe sogar Herr Scheuer persönlich an den Apparat.

Schreibt weiter sauber: Titanic

Treue Wetter-Apps!

Es ist Herbst in Deutschland. Sagt uns zumindest unser Kalender; allein aufgrund der Witterung kam man in letzter Zeit nicht darauf. Weswegen Ihr es auch für nötig hieltet, uns permanent Push-Nachrichten mit Warnungen nicht etwa vor Blizzards oder straußeneigroßen Hagelkörnern zu senden, sondern vor meteorologischen Banalitäten wie Schauer, mäßigen Windböen oder Nebel.

Seht uns bitte nach, dass wir darüber lachen müssen: Hahaha, was kommt als nächstes? »Wetterwarnung: Leichter Regen!«? »Obacht: Bedeckter Himmel!«? »Temperaturen unter zehn Grad!!!« Und nun entschuldigt uns, wir machen Feierabend … Was zur – wo ist unser Auto? Wir sehen nichts! Ist das Niesel? Igitt, da wird die Brille nass! Google? Siri? Alexa? Hilfe! Titanic

Nanu, »Bild online«,

was war denn da los: »Hoffenheim sperrt ›Bild‹-Reporter aus«. Ach, steht ja direkt oben drüber: »Weil er seinen Job machte …«

Hat jetzt Feierabend: Titanic

Sie, Svenja Gümbel,

sind die Tochter von Kult-Loser Thorsten Schäfer-Gümbel, wie wir dem grundsympathischen Familieninterview in der Wahlkampfzeitung der hessischen SPD entnehmen. Auf die Frage »Warum wäre Ihr Vater ein guter Ministerpräsident?« antworten Sie weise, wenngleich nicht ganz schlüssig: »Weil er immer den Mut hatte, Schritte zu gehen, die man nicht hundertprozentig voraussehen kann.«

Und doch nimmt er den gleichen vorhersehbaren Weg wie die SPD: den in die Bedeutungslosigkeit.

Empfehlen überdies einen kollektiv-familiären Besuch beim Neurologen sowie offene Augen, vor allem beim Treppensteigen:

Ihre Schlafwandler von Titanic

WTF, Brettspielautoren!

Freud und Leid liegen bei Euch von Berufs wegen näher beieinander als vermutet. Nach durchlaufener oraler Phase mit Spielen wie »Obstgarten« oder »Kraut und Rüben« seid Ihr mittlerweile in die anale Phase übergegangen und habt via Mattel und Hasbro die Familienspiele »Kacka-Alarm«, »Mister Pups«, »Pipi Party« und »Ach du Kacke!« ausgeschieden.

Was mag da wohl in der folgenden phallischen Phase von Euch kommen: »Phalli Galli«, »Lottis Karotti« und »Ich bin spitz, pass auf!«?

Sitzen in der Jury zum Dildospiel des Jahres: die Psychoanalytiker von der Titanic

Hoch verehrtes ZDFneo!

Einen feinen Riecher für subtile Scherze hast Du unter Beweis gestellt, indem Du es nicht unterlassen konntest, in die Besetzungsliste Deiner Serie »Parfum« auch die Schauspielerin Siri Nase aufzunehmen.

Das findet entsprechend dufte: Titanic

Kurze Frage, »DB mobil«!

Wie kriegst Du es eigentlich hin, regelmäßig Deine Seiten zu füllen, ohne über Preiserhöhungen, Verspätungen und andere unschöne Bahn-Dinge zu berichten? Zum Beispiel, indem Du die Hammernachricht, dass die »Bordgastronomie … Heißgetränke zukünftig in drei Größen« anbietet, zunächst einleitest mit einem »Warum? Das fragten wir Christine Stockmann, Leiterin Produktmanagement Bordservice«, dann im Text fortfährst: »In den Bordbistros und -restaurants der Deutschen Bahn gibt es jetzt die gewohnten Kaffeespezialitäten in drei Größen, mit den folgenden Bezeichnungen: klein (S), mittelgroß (M) und groß (L). Wir fragten die Leiterin Produktmanagement Bordservice, Christine Stockmann, was es damit auf sich hat«, um schließlich Frau Stockmann (das ist die vom Produktmanagement Bordservice, wir erinnern uns) als für Kaffeespezialitätenbechergrößen zuständige Bahnbordbistro- und -restaurant-Expertin in einem Interview mal ganz direkt zu fragen: »Frau Stockmann, warum bietet die DB jetzt Kaffee in drei verschiedenen Größen an?«

So kriegst Du das hin! Und dann willst Du abschließend sogar noch wissen: »Wird Tee zukünftig auch in verschiedenen Größen angeboten?«

Findet Dein Seitenfüllverfahren beeindruckend: Titanic

Kurze Frage, »DB mobil«!

Wie kriegst Du es eigentlich hin, regelmäßig Deine Seiten zu füllen, ohne über …

Kleiner Scherz! Titanic

Guten Tag auch, Britta Ernst (SPD)!

Sie sind Bildungsministerin von Brandenburg und gaben dem »Tagesspiegel« zu Protokoll: »Ich kann keine Politik mit westdeutscher Brille machen.« Nun lässt sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten; das Modell Honecker hält aber modisch trotzdem für gewagt:

das endgültige Style-Magazin Titanic

Heil, Jonathan Meese!

Das »Süddeutsche Zeitung Magazin« hat Sie gefragt, was das denn nun eigentlich mit diesem ewigen Hitlergruß-Gezeige solle. Sie erklärten daraufhin, Sie hätten »den Hitlergruß in der Kunst durch Kunst zum Meesegruß gemacht. Eine Körpergeste wurde entideologisiert und mit neuer Bedeutung gefüllt.«

Puh. Abgesehen davon, dass Sie Ihre Wirkung womöglich ein wenig überschätzen – meinen Sie, die hetzjagenden Nazis im Lande seien plötzlich allesamt Kunstfans? –: Denken Sie diese Neu-Ideologisierung doch mal zu Ende! Soll es in Talkshows bald unseriöse »Meesevergleiche« geben? Soll man künftig behaupten, Charlie Chaplin habe einen »Meesebart« getragen? Und vor allem: Fürchten Sie sich nicht vor Sätzen wie »Also er war ja ein passabler Diktator, aber halt nur ein bestenfalls mittelmäßiger Postkartenmaler«?

Winkt von der Autobahn: Titanic

Und Du, »Welt«,

versuchst es mal wieder mit
Twitter-Clickbait: »Das ist der Grund, wieso Frauen bei gewissen Männern mehr Alkohol trinken.«

Wir möchten lösen: Das nennt man für gewöhnlich Schönsaufen.

Keine Ursache: Titanic

Was, Bastian Schweinsteiger,

braucht Deutschland? Es brauche legale Spielhallen, »die sich an Recht und Gesetz halten«, meinen Sie und sind darum zur Zeit als Werbebotschafter der Deutschen Automatenwirtschaft omnipräsent. Deren Vorstandssprecher sagt, ding-ding-ding!, Dinge wie: »Wir brauchen eine Stärkung des legalen Angebots, um das illegale zu schwächen.«

Dieser Logik folgend könnte man auch eine Stärkung legaler Raubüberfälle fordern, um die illegalen zu schwächen. Aber in der Branche herrscht eben wachsende Panik. Daher freue man sich über Ihr Engagement, weil Sie, Schweinsteiger, »beispielhaft für ein faires Spiel und die Einhaltung der Regeln im Sport« stünden. Was Glücksspiel mit Fairness und Sport zu tun hat, müssten Sie uns mal erklären. Doch es stimmt schon: Wie Sie da mit blecherner, monotoner Stimme emotionslos Ihren Text aufsagen, zeigt, dass die Spielautomaten in Ihnen den idealen Botschafter gefunden haben.

Immer fair: Titanic

Unglücklich argumentiert, Schweini,

fanden wir zudem Ihre Einlassung: »Das Allerwichtigste ist, dass du sauber spielst, egal wo und was du spielst.«

Unterliegt das Automatenspiel nicht den bekannten Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, nach denen die Automatenbetreiber auf lange Sicht gegen die Spieler gewinnen? Hm, wie erklären wir Ihnen das? Das ist ungefähr so fair, als wenn immer wieder dieselben Mannschaften gegen den FC Bayern um die Meisterschaft spielen!

Siegerin nach der Fairplaywertung: Titanic

Hallöchen auch, Filmvorführer bzw. Grünen-Vorsitzender Robert Habeck!

»Als ich heute Morgen die ›Bild‹ las, dachte ich, ich bin im falschen Film«, gaben Sie sich auf Facebook empört. Denn die Zeitung hatte, so monierten Sie, aus Ihrer Kritik an der Bundesregierung, Fluchtbewegungen vor 2015 ignoriert zu haben, doch tatsächlich einen Artikel unter der Überschrift »Wegen offener Grenzen: Grünen-Chef greift Merkel an« gedruckt.

Dabei hätten Sie, Habeck, nur »dieses Auf-Sicht-Fahren« als Problem beanstandet. Um Sie gar nicht erst mit dem Hinweis auf Haupt- und Nebenwidersprüche mit verständnislosem Gesicht dastehen zu lassen, fragen wir der Einfachheit halber, worüber was Sie sich als nächstes wundern wollen: Dass Flüsse von Berg zu Tal fließen, Kinofilme gar nicht die Realität sind, der Papst katholisch ist? Dass »Bild« lügt, obwohl die Grünen neoliberales Establishment sind? Ja, das wollen Sie?

Wundert sich über gar nichts mehr: Titanic

»Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«!

»GEGEN DAS RENTENPAKET! Für eine bessere Bildung«, agitierst Du mit einer nicht ganz billigen Anzeigenkampagne. Außer »in Bildung« solle die Regierung auch lieber in »Infrastruktur und Digitalisierung« investieren – »statt in unwirksame und milliardenschwere Wahlgeschenke«. Warum ein paar Euro mehr für Millionen Senioren, die diese wahrlich gut gebrauchen können, »unwirksam« sein sollen, verrätst Du nicht. Bzw. ist es für Dich anscheinend arschklar, dass Renten und der ganze sonstige Sozialklimbim nichts als unverantwortliche Abzüge von jenem Reichtum sind, auf den es in Deiner heißgeliebten Marktwirtschaft einzig ankommt. Auch mal eine Klarstellung, insoweit danke!

Für eine bessere Bildung: Titanic

Eine Bitte, Mick Jagger!

Wenn Sie nur einmal eines der Konzerte Ihrer Band nach der letzten Zugabe beenden könnten mit: »We are the Rolling Stones! Visit rollingstones.com! Follow us on Instagram!« – wir würden es liken, faven undwasnoch!

Erwartet Satisfaction: Titanic

Hochgeschwindigkeitsfresse Christian Lindner!

Sie ließen sich auf der Website Liberale.de zur Gefährdung des Lebensraums fahrbarer Dreckschleudern befragen: »Glauben Sie, dass die Bundesregierung Diesel-Fahrverbote noch abwenden kann?« Und da hatten Sie gleich einen Vorschlag auf Lager: »Wir reden permanent über Fahrverbote, Entschädigungen und ähnliche Dinge. Ich schlage vor: Erst einmal sollten wir über Grenzwerte und Messverfahren sprechen … Meine Vermutung ist, dass an vielen Stellen falsch gemessen wird. Aus diesen Fehlern resultieren lästige Fahrverbote. Der Bundesverkehrsminister sollte einheitliche Methoden verbindlich für alle Kommunen vorschreiben.«

Wir erlauben uns, das mal zusammenzufassen: Die deutschen Automanager hätten überhaupt nicht dreist betrügen müssen, Opfer der emissionsnahen Messung wie Audi-Chef Stadler hätten nicht in den Knast gemusst, und VW-Boss Winterkorn bräuchte jetzt nicht den Verlust seines ergaunerten Milliardenvermögens zu befürchten. Statt dessen hätte es die Politik sein sollen, die einen einheitlichen und grenzenlosen Schwindel durch ergebnisorientierte Messung des Schadstoffausstoßes anordnet – am besten im Leerlauf.

Denn im Leerlauf würden vielleicht sogar Sie als sauber gelten! Titanic

Apropos, Bayerische Motorenwerke!

Sehr haben wir uns über das wundervolle Poster eines aktuellen Spitzengefährts aus Deinem Hause gefreut, welches der Wochenendausgabe einer renommierten Tageszeitung beilag. Wir haben die siebenundfünzig mal hundertachtundfünzigkommafünf Zentimeter direkt an die Wand gehängt, hinter einen Schrank. Besonders ansprechend fanden wir den Werbespruch: »Gebaut, um den Atem zu rauben.«

So viel Einsicht und Selbstkasteiung hatten wir der deutschen Automobilindustrie bis dahin nicht zugetraut. Da sage noch jemand, sie bewege sich nicht. Titanic

Geschätzte Tagesschau.de-Redaktion!

Du hast zwischen all den bedrückenden Nachrichten aus aller Welt eine Meldung plaziert, die uns doch einen kleinen Funken Hoffnung gibt. Passend zum Start des Winternotprogramms vermeldetest Du: »Obdachlose werden jünger und weiblicher«.

Sehr gut! Mit dieser Perspektive lässt sich das unattraktive Image der Obdachlosigkeit vielleicht endlich aufpolieren.

Gibt die Hoffnung nicht auf: Titanic

Sie, Frankfurter Kreiswahlleiterin Regina Fehler,

sind laut FAZ verantwortlich für allerlei Wahlpannen: »So wurden die Ergebnisse von Parteien vertauscht, Zahlen verdreht und Stapel mit Stimmzetteln bei der Auszählung vergessen. Zudem wurden in einigen Bezirken die Ergebnisse nur geschätzt.«

Und wer weiß, was noch alles.

Dem Weltgeist jedenfalls zum demütigen Gruße: Titanic

Und Sie, Reisejournalist Dirk Steffens,

konnten uns Quatschheftredakteure für Ihren Kampf für Artenvielfalt und Klimaschutz mit dieser Analogie sofort begeistern: »Wir benehmen uns wie ein Affe am Schaltpult im Atomkraftwerk. Er ist intelligent genug, die Knöpfe zu bedienen, aber er ahnt nicht, was passiert, wenn er einen bestimmten Knopf drückt. Wenn es gut läuft, geht im Klo nur das Licht aus. Aber wenn es schlecht läuft, gibt es eine Kernschmelze.« Genau das haben wir auch schon öfter gedacht! Nun sagen Sie: Was können wir für den Klimaschutz tun? Mal schauen:

»Es geht eben nicht nur um Eisbären und Pandas. Wenn die Eisbären morgen aussterben, hat das keine Folgen für unseren Alltag. Die spielen für uns gar keine Rolle.« Gut, Eisbären und Pandas egal! Weiter: »Man muss sein Leben nicht auf links drehen, es helfen kleine Schritte. Nicht jeder muss gleich Vegetarier werden.« Weiterhin Fleisch essen, wird gemacht! Was noch? »Wenn ich beim St. Pauli-Heimspiel im Millerntorstadion bin, schnacke ich nicht plötzlich andere Fans an: Leute, keine Currywurst mehr!« Sie selbst essen ja auch hin und wieder eine, wie wir kurz darauf erfahren, denn: »Es ist nie entscheidend, etwas ganz zu lassen. Sonst wird das ja quasi religiös, wie oft beim Thema Ernährung … Dieses Schwarzweiß-Denken ist das, was Menschen gegeneinander aufbringt.«

Damit wären wir beim Kern des Problems angelangt: »Diese moralinsauren Besserwisser finde ich unerträglich.« Wir auch! Ist das Thema nicht eh viel zu komplex? Doch: »Das Ganze ist so übergroß, und es hat Besitz von meinem Leben ergriffen … das finde ich manchmal furchteinflößend, weil auch ich einfach mal surfen gehe, statt mich ständig mit den Weltproblemen zu beschäftigen.«

Ganz ehrlich: Wir finden Ihren Ansatz einfach phantastisch! Voll glühender Hingabe machen wir jetzt genauso weiter wie bisher und werden nur ab und an mit dem Surfbrett unterm Arm ins Fußballstadion ziehen, um dort einem besserwissenden Panda die Currywurst aus der Pfote zu schlagen.

Man sieht sich dann dort: Titanic

Seht’s mal so, liebe Bauern!

Ärgerlich ist’s freilich, dass in Zukunft unsere Pommes frites kleiner werden, weil Eure Kartoffeln wegen des heißen Sommers dünner als üblich ausgefallen sind – aber Euch wird da schon was einfallen, die Dümmsten unter Euch werden dann ja auch viel klüger!

Eure dicken Kartoffeln von Titanic

Evangelische Kirche Freiburg!

In Deinem Zentralgottesdienst darf natürlich auch eine Orgel nicht fehlen, und zum Glück hast Du einen passenden Organisten gefunden: Julian Handlos. Das klingt ja fast nach einer göttlichen Fügung!

Dazu gratuliert herzlich: Titanic

Du, Hajo Schumacher,

bist nicht nur eines der penetrantesten TV- und Sackgesichter der Gegenwart, sondern hast in den letzten Jahren auch, zum Teil unter Deinem Pseudonym »Achim Achilles«, laufend Bücher wie »Männerspagat«, »Restlaufzeit«, »Sehnen lügen nicht«, »Keine Gnade für die Wade« sowie weitere Werke veröffentlicht, vor denen man als seelisch noch nicht völlig erloschener Mensch nur wegrennen möchte.

Sehr beruhigend daher, dass das nicht ewig so weitergehen kann, sondern dass auch Dein Lebenslauf irgendwann endet – und sei’s am Erscheinungstag von knalldummen letzten Bemerkungen mit dem Titel »Schlussspurt«.

Hals- und Beinbruch! Titanic

Du aber, Spielbank Bad Homburg,

hast Dein letztes Black-Jack-Turnier, bei dem es ein maximales Preisgeld von 28 000 Euro zu gewinnen gab, unter das Motto »28 000 gute Gründe für Bad Homburg« gestellt. Und dabei zweifellos ein glückliches Händchen gehabt. Denn Geld war nun ja schon immer das einzige, was für Deine Heimatstadt spricht.

Gruß aus dem armen Frankfurt Titanic

Erzählonkel Michael Kellner (Grüne)!

Als politischer Geschäftsführer Ihrer Partei sitzen Sie schon seit längerem nach Wahlen in den »Berliner Runden« der ARD herum und äußern dort bedächtige Dinge, die man genauso schnell wieder vergisst wie Ihr Gesicht und Ihren Namen. In die Schlagzeilen gerieten Sie jetzt allerdings, weil Sie in einem internen Analysepapier angeregt hatten, die Schwäche der SPD hemmungslos auszunutzen und den Sozialdemokraten weitere Wähler abzujagen: »Wichtig bleibt, dass wir die Betonung von Gerechtigkeitsthemen, die wir seit Beginn des neuen Bundesvorstands entschiedener erzählen, weiterführen.«

Und da können wir – hurra! – nicht anders, als Ihnen sozialdemokratisch entflammt zuzurufen: Ja, bitte führen Sie die entschiedener erzählte Betonung von Gerechtigkeitsthemen weiter und weiter und weiter! Hauptsache, der Ton bleibt so originär funktionärshaft und verschwiemelt, wie Sie’s nun mal draufhaben, und das Ganze nichts weiter als eine schöne Erzählung.

Hin und weg: Ihre andächtigen Zuhörer von der Titanic

Das erklärt einiges, Jan Fleischhauer!

»Wenn wir wissen, dass wir etwas nicht tun sollen, gibt es eine Stimme in uns, die sagt: Mach es doch, mach es doch.« So schrieben Sie in Ihrer Kolumne auf »Spiegel online«. Ist das vielleicht der Grund dafür, dass weiterhin jede einzelne Woche eines Ihrer Mach-Werke erscheint?

Hat darüber lang genug gerätselt: Titanic

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Wie Ihr Euch als Gäste verhaltet, liebe »Zeit online«-Redaktion,

ist uns wirklich schleierhaft. Immerhin empfehlt Ihr allen guten Besucher/innen, beim Verlassen des Gästezimmers »mehr als eine Unterhose« anzuziehen. Da drängen sich uns einige Fragen auf: Ist Euch im Höschen öfters kalt? Ist das wieder so ein Modetrend, den wir verpasst haben? Gibt es bei Eurem Gastgeber keine Toilette und Ihr müsst vorbeugen?

Und wie trägt man überhaupt mehr als eine Unterhose? Muss man sich Buxen in aufsteigenden Größen kaufen oder reicht ein erhöhter Elastan-Anteil? Wie viele Schlüpferlagen empfiehlt der Knigge?

Denkbar wäre etwa, bei engen Freund/innen zu zwei, bei Geschäftskolleg/innen jedoch zu mindestens fünf Slips zu greifen. Aber wie sieht es aus bei der nahen, aber unliebsamen Verwandtschaft?

Trägt zur Sicherheit immer mindestens drei Stringtangas: Titanic

 Gott sei dank, »Focus«!

Du schreibst: »Fleischkonsum sinkt, Mitarbeiter fehlen. Fachkräftemangel trifft die Wursttheke«. Aber sieh es doch mal positiv, lieber Focus: Es wäre doch viel schlimmer, wenn aufgrund des hohen Fleischkonsums die Mitarbeiter/innen verschwinden würden …

Grüße aus der Fleet Street schickt Titanic

 Adieu, Hvaldimir!

Adieu, Hvaldimir!

Als Belugawal hast Du Dich jahrelang vor der norwegischen Küste herumgetrieben und Dich mit Kameraausrüstung am Leib angeblich als russischer Spion betätigt, was Dir viel mediale Aufmerksamkeit und Deinen Decknamen, Hvaldimir, beschert hat. Jetzt bist Du leider tot in der Risavika-Bucht gefunden worden, und da fragen wir uns, Hvaldimir: Hast Du nicht rechtzeitig die Flossen hochbekommen, oder warst Du einfach nicht geübt in der Kunst des Untertauchens?

Mit einem Gläschen Blubberwasser gedenkt Deiner heute: Titanic

 Tatütata, LKA Niedersachsen!

»Ganz viel Erfolg morgen bei der Prüfung, liebe Karin«, sagt angeblich das gesuchte ehemalige RAF-Mitglied Burkhard Garweg gut gelaunt in einem Video, das bei der Fahndung im Presseportal unter der Rubrik »Blaulicht« veröffentlicht wurde. Die Fahnder/innen erhofften sich dadurch, so heißt es, neue Hinweise, und richten sich deshalb mit den Fragen an die Bevölkerung: »Wer ist ›Karin‹ bzw. ›Carin‹?« und: »In welchem Zusammenhang steht sie zu Burkhard Garweg?«. Schön und gut, da möchten wir nach einem derartigen Cliffhanger nun aber auch die Frage hinzufügen: Wie ist Karins Prüfung denn nun eigentlich gelaufen?

Hinweise an Titanic

 Und Du, »Braunschweiger Zeitung«,

hast uns mit Deiner Überschrift »Diese beiden tödlichen Keime bekämpfen Forscher aus Braunschweig« einen kleinen Schrecken eingejagt. Viel lieber wäre uns in eh schon schweren Zeiten die Headline »Forscher aus Braunschweig bekämpfen diese beiden tödlichen Keime« gewesen.

Bitte auf uns arme Seelen achten, wünscht sich

Deine Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Im Unterzucker

Wenn man sich bei seinem Lieblingsitaliener keine Pizza bestellen kann, weil man nicht alle Vespas auf den Fotos gefunden hat – liegt das dann am nicht bestandenen Turin-Test?

Lara Wagner

 Obacht!

Die Ankündigung von Mautgebühren ist furchterregend, aber so richtig Gänsehaut bekomme ich immer erst, wenn bei Google Maps als »Warnhinweis« auftaucht: »Diese Route verläuft durch Österreich.«

Norbert Behr

 Jeder kennt ihn

Die Romantrilogie auf der Geburtstagsfeier, das Raclettegerät auf der Taufe, die Gartenfräse zur Beerdigung: Ich bin der Typ in deinem Bekanntenkreis, der dir geliehene Sachen in den unmöglichsten Situationen zurückgibt.

Leo Riegel

 Kurzzeitgenossen

Bei der Meldung zu Anton Bruckners 200. Geburtsjubiläum (4. September) und dem tags darauf sich jährenden Geburtstag Heimito von Doderers (5. September) mit Interesse bemerkt, dass beide Herren im Jahr 1896 kurz gleichzeitig am Leben waren: nämlich fünf Wochen und einen Tag lang, von Klein-Heimitos Entbindung bis zu Bruckners Tod am 11. Oktober. Solche ganz knapp verpassten Möglichkeiten der Seelenwanderung faszinieren mich. Was wäre gewesen, hätte man Doderer etwas später zur Welt gebracht, wäre Bruckners Geist schon ein paar Wochen früher »frei« gewesen? Hätte Wien / Ansfelden ein reinkarniertes Doppeltalent Heimtoni von Brucknerer überhaupt ausgehalten, hätte die literarisch-musikalische Welt unter dem Eindruck der »Strudlhofsinfonie«, des »Rondo in c-Moll für Streichquartett und einen Merowinger« (Alternativtitel: »Die tonale Familie«) oder der kurzen vierstimmigen Motette »Die Peinigung der Orgelpfeifelchen« vor Entzücken und Überwältigung alle viere von sich gestreckt, aufgegeben und ihren Kulturbeutel auf immerdar zusammengepackt? – Dass das Spekulieren über solche vergeigten Leider-nicht-Seelenwanderungen nur sehr ausnahmsweise Sinn ergibt, dämmerte mir aber, als ich ad notam nahm, mit welchen Gruselgestalten und potentiellen Reinkarnationsgefäßen seinerseits Doderer seine allerletzten Tage im Herbst 1966 verbringen musste: Stefan Raab (*20.10.66), David Cameron (*9.10.66), Caroline Beil (*3.11.66) und sogar noch haarscharf David Safier (*13.12.66, »Miss Merkel – Mord am Friedhof«; »Der kleine Ritter Kackebart«). Dann schon lieber die Seele mit in die Hölle nehmen.

Michael Ziegelwagner

 Reality-TV

Bei der Fernsehserie »Die Nanny« gibt es diese eine Szene, in der die Mutter der Nanny, Sylvia Fine, in einem Pariser Restaurant mit dem Kellner kommunizieren will. Da sie kein Französisch spricht, nutzt sie zum Austausch ausschließlich den Text des französischen Kinderliedes »Frère Jacques«: Mit »Frère Jacques« ruft sie den Kellner, mit »Ding-ding-dong« fordert sie einen neuen Kaffee und so weiter. In der Serie klappte das sehr gut, und als Kind fand ich es auch ausgesprochen lustig, war mir allerdings sicher, dass das in der Realität nie funktionieren würde – bis es mir selbst gelang. Das kam so: Im Fitnessstudio wartete ein junger Mann am Tresen vergeblich auf einen Trainer. Vergeblich, weil er die im Tresen eingelassene Klingel nicht betätigt hatte. Nun hatte ich ihn während des Trainings Französisch sprechen hören, sprach allerdings selbst keines. Da ich aber der Einzige war, der sein vergebliches Warten bemerkte, ging ich schließlich hin, zeigte auf die Klingel und sagte »Sonnez les matines! Sonnez les matines!« Er verstand sofort und klingelte ausgiebig. Kurz darauf erschien der Trainer und ließ ihn hinaus. Da soll noch mal einer sagen, Fernsehen würde im Leben nicht helfen.

Karl Franz

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 03.10.: Der MDR kramt bei der Debatte, ob Ostdeutschland in den Medien schlechtgeredet wird, die Zonen-Gaby wieder hervor.
  • 26.09.:

    Noch-Grünenchefin Ricarda Lang retweetet "ihren" Onlinecartoon vom 25.09.

  • 18.09.: TITANIC-Zeichnerin Hilke Raddatz ("Briefe an die Leser") ist mit dem Wilhelm-Busch-Preis geehrt worden. Die SZLZ und der NDR berichten.
  • 12.09.:

    "Heute detoxe ich im Manager-Retreat im Taunus": TITANIC-Chefredakteurin Julia Mateus im Interview mit dem Medieninsider.

  • 29.08.:

    Die FR erwähnt den "Björnout"-Startcartoon vom 28.08.

Titanic unterwegs
23.10.2024 Karlsruhe, Tollhaus Max Goldt
23.10.2024 Berlin, Walthers Buchladen Katharina Greve
24.10.2024 Stuttgart, Im Wizemann Max Goldt
25.10.2024 Potsdam, Waschhaus-Arena Thomas Gsella