Briefe an die Leser | Dezember 2017


Sie wiederum, Aris Fioretos,

Literaturwissenschaftler aus Schweden, bescheinigten in Ihrer Büchner-Preis-Laudatio dem Lyriker Jan Wagner eine Bildsprache von »nahezu unergründlicher Klarheit«.

Sind Sie sich sicher? Betrachten Sie doch Wagners Gedichte einmal genauer: Durchdringt sie nicht vielmehr unverständliche Deutlichkeit? Werden sie nicht grundiert von intransparenter Durchsichtigkeit? Und erzittern sie nicht in unsicherer Gewißheit? Oder soll, Fioretos, Ihr Paradoxon nur einfach die völlige Beliebigkeit der Wagnerschen Teebeutelbetrachtungen zeigen? Dann will nichts gesagt haben: Titanic

O Mann, Deutschlandfunk!

In Deinem Podcast »Der Tag« hast Du kürzlich Deine Asienkorrespondentin für ein Gespräch über die Rohingya-Verfolgung in Myanmar zugeschaltet. Und worüber wurde geredet? Man könnte ja denken, die furchtbaren Zustände dort und wie es so weit hat kommen können, daß Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen werden, wären naheliegende Themen.

Aber statt dessen spracht Ihr fast zehn Minuten darüber, wie sich das eigentlich als Journalistin anfühlt, vor Ort berichten zu müssen. Nämlich so: Das ist schon eine Belastung, und man kriegt manchmal auch ein schlechtes Gewissen, daß es einem selbst so gutgeht, während in Myanmar Frauen vergewaltigt und Kinder verbrannt werden.

Armer Deutschlandfunk! Diese blöden Entwicklungsländer kriegen aber auch wirklich nichts auf die Reihe. Und Du mußt auch noch darüber berichten!

Deshalb unser Tip: Einfach mal abschalten. Titanic

Sie, Joaquín Guzmán, besser bekannt als mexikanischer Drogenboss »El Chapo«,

sind seit zehn Monaten im Metropolitan Correctional Center in Manhattan inhaftiert. Ihr Anwalt hat nun eine neuropsychologische Untersuchung beantragt, da Sie u.a. an Verfolgungswahn litten.

Kann es sein, daß Sie von den mindestens 500 Tonnen Kokain und anderen Rauschmitteln, die Sie laut Anklageschrift in den vergangenen Jahren von Südamerika in die USA schmuggeln ließen, eine nicht unerhebliche Menge selbst konsumiert haben? Schließlich sitzen Sie doch seit Ihrer Auslieferung an die Vereinigten Staaten in Isolationshaft!

Berauscht von so viel Verteidigungsgeschick: Titanic

Du, Deutschpop-Troubadix Marcus Wiebusch,

erklärtest Deine politische Einstellung endlich mal bei »Spon«: »Früher habe ich euch gehaßt, jetzt bin ich froh, daß ihr da seid, ihr NGO-Praktikanten, Flüchtlingshelfer und Greenpeace-Aktivisten: Ich feier’ euch ab dafür, daß ihr noch irgendwas wollt.«

Was aber wäre, Wiebusch, wenn die von Dir abgefeierten Sympathieträger vor allem eines wollten, nämlich daß Du und Deine Schlagerkapelle Kettcar mit dem »Musik«machen aufhört und Euch einer nützlichen Tätigkeit zuwendet? Wale retten zum Beispiel oder dem NGO-Geschäftsführer seinen Kaffee bringen, wenn er aus dem Porsche steigt. Würdet Ihr machen?

Dann fragt doch gleich mal nach bei den routinierten Praktikanten von Titanic

Au weh, Jan Frodeno!

Sie haben sich beim weltweit wichtigsten »Iron Man«-Rennen in Hawaii, das Sie schon zweimal gewannen, in diesem Jahr einen Nerv eingezwickt und kamen daher unter großen Schmerzen nur als Siebzigster ins Ziel. Dies sei, wie Sie dem »Stern« verrieten, ein »erbitterter Kampf zwischen Kopf und Körper« gewesen. Doch nicht nur das! Ein »Gefühlscocktail« sei dieser Wettbewerb für Sie ebenso wie ein »Film«, der »immer wieder solche Dramen« schreibe – kurz: »eine Mischung aus Trotz, Willen, Hoffnung, Respekt«. Jetzt aber laufe »der echte Verarbeitungsprozeß« bei Ihnen, »jetzt gilt es erst mal, Abstand zu gewinnen und Körper und Geist wieder zu heilen«.

Wir wünschen, Jan Frodeno, dabei von Herzen alles Gute. Gerade weil ja in Ihrem Fall weiterhin zu befürchten ist, daß beim Kampf zwischen Kopf und Körper ersterer nicht den Hauch einer Chance hat.

Tief durchschnaufend: Titanic

Rechtskonservative bis Ultrarechte!

Da Ihr neben dem »Cicero« nun auch das Magazin »Cato« unters – zumindest teilweise recht völkische – Volk bringt, ist’s wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Ihr uns auch die Römer »Seneca«, »Tacitus«, »Agrippa« und, wer weiß, vielleicht sogar »Caligula« oder »Nero« anbietet. Lesen werden wir den Quatsch aber bestimmt nicht. Grund? Schlicht keine Sallust!

Eure Titanic

Verehrter Dr. Ezekiel Mutua!

Als Vorsitzender des Kenya Film Classification Board erregten, Quatsch: ärgerten Sie sich über Aufnahmen von zwei männlichen Löwen beim Sex: »Wenn unsere Löwen mit homosexuellem Verhalten anfangen, bedeutet das mit Sicherheit das Ende dieser Tierart.« Des weiteren führten Sie aus: »Sie müssen sich das irgendwo abgeguckt haben. Oder sie sind des Teufels.«

Nun ist es aber so, Dr. Mutua: Löwen sind zwar tatsächlich vom Aussterben bedroht, aber nur, weil Ihres- und unseresgleichen ihnen den Lebensraum unterm Hinternfell zu Nutzflächen umwandeln oder sie gleich erschießen. Während Menschen, bei denen homosexuelles Verhalten erheblich häufiger vorkommt, bestens gedeihen und dabei mehr und immer mehr werden, also eine höchst erfolgreiche Spezies sind. Vielleicht sollten Sie sich da einfach mal was abgucken. Oder sind Sie etwa des Teufels?

Vade retro, Satana: Titanic

Huhu, Krauss-Maffei Group!

Du hast Dich im November im Kulturzentrum der Stadt München auf der »JobGate 2017« präsentiert, um Jugendlichen eine Ausbildung bei Dir schmackhaft zu machen. Deinem Anwerbematerial zufolge zählst Du »zu den weltweit führenden Herstellern von Maschinen und Anlagen zur Produktion und Verarbeitung von Kunststoff und Gummi«.

Das war schlau, denn Gummi ist ja gerade für die Zielgruppe der jungen Männer ein sehr wichtiger Rohstoff. Was wir vermißt haben, war ein Hinweis auf Dein Schwesterunternehmen Krauss-Maffei Wegmann, Marktführer im Bereich der militärischen Rad- und Kettenfahrzeuge wie dem Dingo, dem Mungo, dem Boxer, dem Leopard und dem Schützenpanzer Puma, dem Flugabwehrkanonenpanzer Gepard, dem Bergepanzer Büffel oder auch dem Minenwerfer Skorpion. Ein feiner kleiner Zoo. Darum wundert uns, daß Du diesen Umstand verschweigst, denn so könntest Du auch gleich die bekanntlich tierlieben jungen Mädchen anwerben. Aber wir verstehen schon: Ihr Kerle wollt lieber unter Euch bleiben.

Warme Grüße von den Flintenweibern auf der Titanic

Was, Kathrin Spoerr (»Welt«),

ist eigentlich bei Ihnen in der Redaktion los? In einem Kommentar zu Sexismus und #metoo schilderten Sie: Es gebe »Grund genug, sich belästigt zu fühlen«, berichteten Sie und erzählten auch von der Nachwuchsarbeit: »Praktikanten, die bei uns das Handwerk lernen wollen, lernen bei uns noch mehr. Daß es nicht nur alte Männer gibt, die junge Frauen anflirten, sondern auch alte Frauen, die junge Männer anflirten.« Zudem hätten Sie »Kollegen, die einander nur selten beim Namen nennen, weil sie die Anrede ›Zuckerpuppe‹, ›Baby‹ oder ›Liebchen‹ bevorzugen, Frauen genauso wie Männer. Es gibt Kollegen, die sich anschmachten, aufziehen.«

Uff! Nun kritisieren Sie diese Zustände in Ihrem Text aber gar nicht, sondern verteidigen sie und fragen rhetorisch: »Verbieten, was unsere Arbeit, unser Leben bunt macht?« Und da fragten dann wiederum wir uns: »Verbieten, was unser Leben bunt macht« – ist das denn nicht die Maxime von genau jenem im Kern staubgrauen Konservatismus, für den Springer-Schreiber/innen wie Sie seit jeher eintreten, wenn es um Ausländer, Drogen, Politik, kurz: mal nicht ums egomane Befriedigen der grenzenlosen Geilheit von Ihresgleichen geht?

Ihre Schätzelein von Titanic

Gemeinde Obernfeld (Untereichsfeld)!

In Deinen Mauern beherbergst Du den RV Stahlross, der unlängst bei den Deutschen Meisterschaften im Radball und -polo auf sich aufmerksam machte – einen »gesamten Medaillensatz« nämlich konnte ein »Stahlross-Trio« dabei erringen: »Besonders auf den seit Jahren erhofften nationalen Meistertitel im Radball durch Andrè (sic!) Kopp und Manuel Kopp waren alle Anwesenden stolz. Aber auch die Vize-Meisterschaft im Radpolo durch Sandra Rakebrand und Jennifer Kopp wie auch die Bronzemedaille des zweiten Obernfelder Radballteams Julian Kopp und Raphael Kopp standen der Aufmerksamkeit im Range nicht zurück«, lobt mit Recht im »Göttinger Tageblatt« der berichtende Sportreporter Berthold Kopp.

Auf den ersten Blick scheint es in Dir, Gemeinde Obernfeld, ein bißchen arg kopplastig zuzugehen, aber im Grunde wird wohl alles Inzucht, pardon: in Zucht und Ordnung sein. Und S. Rakebrand ist vermutlich eine geborene Kopp? Oder verkoppelt als eine in spe?

Heute überhaupt nicht verkopft: Titanic

Übrigens, Trump,

in die Kameras der Welt zu rufen: »Ich bin ein intelligenter Mensch!« – würde so etwas ein wirklich intelligenter Mensch von sich behaupten? Ist das nicht so, als würde ein bescheidener Mann seinem Gegenüber erklären: »Ich bin bescheiden, viel bescheidener als Sie begreifen können«?

Ach, das haben Sie neulich auch schon von sich gegeben? Sie machen es uns langsam echt zu einfach. Titanic

Grüß Gott auch, »Süddeutsche Zeitung«!

Investigativ und kritisch wie immer hast Du noch vor den Paradise Papers einen weiteren Mißstand aufgedeckt: »Tausende Mieträder verstopfen europäische Großstädte.« Ist ja auch schon schlimm, wenn man vor lauter Fahrrädern seinen SUV nicht mehr auf dem Radweg parken kann. Was allerdings noch fehlt, sind Deine Top-Storys »Fußgänger atmen jährlich Tonnen von Kohlendioxid aus« und »Wie Ampeln den Straßenverkehr behindern«.

Brummbrumm: Titanic

Julia Hackober!

Für die Verhaltensauffälligenselbsthilfegruppe »Iconist« bei »Welt online« irren Sie erwachsenenjobmäßig durch das Berliner Nachtleben – wo Sie aber erstaunlicherweise niemand hereinlassen will. »Ohne Connections zu Pressefrauen, Partyveranstaltern und Künstlern verbringt man einen Samstagabend in Berlin hauptsächlich mit Rumstehen, Warten und Hoffen. Unbeschwert losziehen und feiern, das ist in dieser Stadt einfach nicht drin. Egal, ob es um ein Konzert, eine Party oder eine verdammte Popupshoperöffnung geht – überall stehen mehr Menschen auf der Gästeliste, als in den Club, den Shop, den Konzertsaal überhaupt reinpassen«, beschweren Sie sich im gerechten Zorn der geprellten Popupshopbesucherin, finden das »superunwirtschaftlich« und müssen sagen, was Sie finden: »Ich muß sagen, ich finde, man kann so einen Samstagabend auch netter verbringen, als sich stundenlang mit irgendwelchen Strategien zu beschäftigen, wie man es am Gästelisten-Counter vorbei schaffen könnte.« Sodann fordern Sie: »Das muß aufhören! Ich habe wirklich keine Lust mehr, vor jeder Party krampfhaft meinen Facebook-Account nach Leuten zu durchsuchen, die jemanden kennen könnten, der jemanden kennt und so weiter.«

Vielleicht aber, Frau Hackober, ist genau das Ihr Problem: Wenn die Leute vorher mitbekommen, wer da anrauschen will, und womöglich schon mal etwas von Ihnen gelesen haben, stehen eben plötzlich sogar in der nächsten Dönerbude mehr Leute auf der Gästeliste, als hineinpassen. Versuchen Sie es doch mal inkognito.

Aber bitte nicht bei der nächsten Party der Titanic

Deine Geschäftsidee, Wix.com,

die Erstellung »schöner Online-Fotoalben« zu ermöglichen, überzeugt uns nicht. Zwar bietest Du Vorlagen an und »Do-it-yourself per einfacher Drag-and-Drop-Methode«, »Wix Stories«, die »Wix Arena«, eine »Wix Lounge« und »Wix on the Road«, und wir halten Deine Schätzung: »Über 100 Millionen Menschen aus über 180 Ländern haben sich für Wix entschieden« sogar noch für sehr konservativ – aber: Das alles gibt es doch schon seit Jahren, sogar in HD-Bewegtbildern, und macht bekanntlich einen Großteil des Datenverkehrs im Internet aus.

Meinst Du wirklich, es gäbe genügend User, die aus Spaß an Retro oder weil sie nur ein 56k-Modem besitzen, Deinen Aktienkurs »hoch« bringen?

Diese Vorlage war zu steil: Titanic

Kopf hoch, Dietmar Woidke!

Sie sind, das muß man stets mit dazuschreiben, Ministerpräsident von Brandenburg und mußten jetzt den Abbruch Ihres Opus magnum, der Kreisgebietsreform, verkünden. Als »größte Niederlage« Ihrer Karriere schalt die Presse diese Entscheidung. Wir meinen: Ihr ursprünglicher Plan, aus den derzeitigen 18 Kreisverwaltungen zwölf zu machen, war einfach nicht konsequent genug. Reichen denn nicht auch drei? Saarenwamal: 1. Cottbus, 2. Großraum Randberlin-Potsdam und 3. der ganze traurige Rest, Sie wissen schon, diese dünnbesiedelte Steppenlandschaft, die auf den Karten mit dem Hinweis »Hier sind Wölfe« gekennzeichnet ist. Und natürlich sollten Sie es sich nicht nehmen lassen, die Kreise in »Woidwodschaften« umzubenennen.

Verschlankte Grüße Titanic

Neulich, Matthias Horx,

guckte Ihr bleiches Haupt wieder einmal aus dem Labermagazin »Galore« heraus, in das Sie keck eine küchenpsychologische Spitzenweisheit nach der anderen hineinbehaupteten: »Man bleibt aufeinander scharf, wenn man einander fremd sein kann, und das wiederum funktioniert nur, wenn man sich immer wieder neu und anders begegnet.«

Das mag sein. Da wir Sie nun seit gut dreißig Jahren in- und auswendig kennen und Sie wirklich immer wieder nur den alten Schnarch bringen, gibt es aber inzwischen wirklich nichts mehr, was uns an Ihnen interessieren könnte.

Gänzlich unscharf: Titanic

Hoppla, Schlagerbrüder »Die Amigos«!

Wie wir der Presse entnehmen, erlitt erst der eine von Euch, Karl-Heinz Ulrich (68), beim Stolpern auf einer Treppenstufe einen Schlüsselbeinbruch, dann der andere, Bernd Ulrich (66), einen Oberschenkelhalsbruch beim Austausch einer Glühbirne.

Und was lernen wir daraus? Wenn man zusammen 134 Jahre alt ist und noch mal deutlich älter aussieht, dann ist es zu Hause einfach zu gefährlich!

Auf der Bühne bleiben! In den Schlagerstiefeln sterben!

Rät: Titanic

Daniel-Pascal Zorn!

Nachdem Sie zusammen mit zwei anderen hochreputierten Jungautoren die bestsellende Fibel »Mit Rechten reden« herausgebracht hatten, platzte Ihnen nahezu täglich die Hutschnur: Da erfrechten sich die Rezensenten doch tatsächlich, das Buch obskur zu finden oder einseitig auf die Fehler der Linken fixiert! Das ging natürlich nicht: Damit alle das Buch richtig, d.h. in Ihrem Sinne interpretierten, rasten Sie wie nur Jörg Haider selig durch die Kommentarlandschaft, stellten jeden noch so unbedeutenden Kritiker auf Twitter und Facebook zur Rede und erschlugen jeden Widerspruch mit dem unzerstörbaren Meta-Argument: »Sie sprechen mit einem promovierten Argumentationslogiker.«

Wir haben uns in ihrem Umfeld ein bißchen umgehört. Ehemalige Kommilitonen berichten, daß Sie regelmäßig gemeinsame Seminare durch auftrumpfendes, pathetisches Gehabe platzen ließen. Ihre riesige Dissertation, versichern uns Fachleute, besteht im wesentlichen aus dem so energischen wie eigenbrötlerischen Abkanzeln aller anderen Autoren als Idioten. Gleichzeitig sagt uns einer, der mit Götz Kubitschek über Sie gesprochen hat, daß der sich nicht erinnern könne, Sie oder Ihre Koautoren je im Gespräch mit einem aus seiner Szene erlebt zu haben.

Womit sich uns eine Frage stellt, die auch schärfste Argumentationslogik nicht beantworten könnte: Mit wem reden Sie eigentlich, wenn Sie reden?

Bedauert jedenfalls ausnahmsweise mal die Rechten: Titanic

Halleluja, Vatikan!

Freude kam bei uns auf, als wir die Mitteilung lasen, daß nun der Zigarettenverkauf in Deinem kleinen Staat verboten wurde. Mit der Begründung: »Der Heilige Stuhl kann nicht zu einer Aktivität beitragen, die ganz klar der Gesundheit der Menschen schadet.« Mit diesem Argument als nächstes gleich den ganzen Laden dichtmachen!

Wird ja wohl noch träumen dürfen: Titanic

Noch einmal, Tagesschau!

Investigativ wie immer berichtetest Du über die Verhandlungen zur Reform der Entsenderichtlinie in der EU. Dabei erfuhren wir, daß bei der alten Regelung ausländische Arbeitskräfte nur halb so teuer waren wie einheimische. An dieser Stelle stutzten wir kurz, fanden die Perspektive ungewöhnlich, von Menschen, die weniger Lohn als andere erhalten, zu sagen, sie seien weniger teuer. Und nicht schlechter bezahlt. Die Irritation löste sich auf, als Du immerhin erklärtest, daß das aber unfair sei. Allerdings ließ uns Deine Begründung dann doch wieder verwundert zurück: Durch diese Regelung komme es nämlich zu einem Wettbewerbsnachteil für einheimische Unternehmen und Arbeitnehmer.

Nach dieser Achterbahnfahrt der Gefühle sind wir aber zu erschöpft, um Dir zu erklären, warum das nicht nur für gute deutsche Unternehmen, sondern auch für die geringverdienenden Arbeitnehmer ungerecht ist.

Legt sich erst mal hin: Deine Titanic

Wie interessant, Michael »Der« Wendler!

Da sind Sie, »der ultimative Discofox- und Schlager-Hitgarant« (michaelwendler.de), also in die USA übergesiedelt, haben dort bereits ein vielsagendes neues Album (»Flucht nach vorn«) aufgenommen, planen als »German King of Pop« in Florida ein deutschsprachiges Konzert und verraten der »Bild«: »Ich bin sehr gespannt, ob es ein Erfolg wird.«

Das können wir von uns zwar nicht annähernd behaupten, aber dafür, Wendler, daß Sie wenigstens erst gar nicht versuchen, im Sunshine State so etwas ähnliches wie Englisch zu singen, für soviel Rücksichtnahme auf unser Ansehen in den USA muß Ihnen im Namen Ihrer deutschen Pop-Untertanen ausnahmsweise danken: Titanic

Hör mal, Metz-Neun-Synchron Studio- und Verlags GmbH!

Du bist für die Synchronfassung des gerade in Deutschland angelaufenen schwedischen Spielfilms und kunstsinnigen, öchel, Satiredramas »The Square« verantwortlich. Neulich hörten wir in einer Radiokritik einen kurzen Ausschnitt: Darin forderte ein Vater sein Kind wiederholt zur Lektüre von etwas auf, das wir vergessen haben. Gemerkt haben wir uns aber seine Worte: »Les noch mal, les noch mal.« Hast Du Dich mit dem Rest des Filmes genauso angestrengt?

Wirtet ab: Titanic

Jens Spahn, alter Hobel!

»Europäer urlauben in Tunesien und Marokko, das sind sichere Herkunftsländer.« Genau! Tunesier und Marokkaner liegen umzäunt faul herum und lassen sich 24 Stunden all-inclusive bedienen. Was kommen die hierher? Doch sehen Sie es mal so: Für Menschen mit auch nur einem Funken Empathie ist bereits die Art, wie Europäer dort urlauben, Grund genug, nicht dort leben zu wollen.

Und da die Umkehrung Ihres Satzes auch aus Ihrer Sicht zutreffend sein dürfte, daß Länder also, in die Ihre Regierung und Partei abschieben lassen, auch gute Urlaubsziele darstellen, hätten wir einen Tip für Sie: Urlaub in Afghanistan.

Gute Reise! Titanic

Keine Frage, Palmolive Gourmet,

Deine neuen Cremeduschen schmecken wirklich köstlich. Sie sind halt nur zu kalorienreich.

Ißt lieber weiterhin Domestos: Titanic

Aloha, Olaf Gersemann!

Als Leiter des Wirtschaftsressorts bei der »Welt« vertellten Sie uns per Videokommentar »drei Gründe, warum wir Steueroasen brauchen«.

Nämlich erstens: »Bankkonten in Steueroasen sind das Bargeld des reichen Mannes.« Wer sein Geld als Bargeld verwahre, schütze es vor staatlicher Willkür, vor Übergriffen, »davor, daß es in der virtuellen Welt einfach per Mausklick verschwindet«. Gleiches gelte, so Sie, »auch für Geld, das in Steueroasen geparkt wird – von Leuten, die einfach zu viel Geld haben, als daß es sich in Matratze oder Wandtresor unterbringen ließe«. Das könne »auch sehr legitimes, sehr legales Geld« sein. Zweiter Grund: »Steueroasen schützen Bürger in autoritären Regimen.« So so, also der gleiche Grund wie der erste.

Und der dritte? »Steueroasen bieten Schutz vor der Gier der Finanzminister.« Diese werde sich mit der demographischen Alterung noch verstärken, wenn es schwieriger werde, den Sozialstaat zu finanzieren. »Deshalb ist es gut, wenn man ein Korrektiv hat in Form von Steueroasen.«

Jawoll: Millionenvermögen von Privatkunden verschwinden mit einem Mausklick und sind dann weg. Wie oft erleben wir es! Und als Geldsack parkt man sein ganz legales Geld natürlich sicherheitshalber lieber in einer halbseidenen Bananenrepublik als in einer stabilen Demokratie, gerade auch, weil das Austüfteln von Briefkastenfirmengeflechten soviel Spaß bringt. Und natürlich ist es gut, daß es diese Steueroasen gibt, sonst müßten Reiche am Ende noch die von demokratisch gewählten Volksvertretern erlassenen Gesetze einhalten!

Sagen Sie mal, Gersemann, Sie wollen doch mit Ihrem durchsichtigen Geschwafel am Ende nicht bloß Straftaten legitimieren?

Korrektiv für Widerlinge: Titanic

Ups, Obi-Kassiererin Frau H.!

In Anbetracht der aktuellen Tabellenstände in der Fußballbundesliga und der Euro-League hätte es leicht zu einem Eigentor kommen können, als Sie den Kunden im 1.-FC-Köln-Trikot beim Bezahlen fragten, ob Punkte gesammelt werden. Immerhin hatte der grimmig dreinschauende FC-Fan u.a. eine Axt und eine Rolle Stacheldraht auf dem Kassenband liegen.

Augen auf im Fankundenverkehr! Titanic

Klute, Hilmar!

Mit den Rechten wollen ja neuerdings alle reden, und als einer der Politkorrektheitsbeauftragten der SZ haben Sie es immer schon gesagt, daß die ständige Übervorsicht im sprachlichen Miteinander eher schädlich ist: »Es hat sich in Deutschland ohnehin die Gewohnheit eingebürgert, sprachliche Äußerungen öffentlicher Menschen mit übertriebener Empfindlichkeit zu bewerten. Als die frisch gewählte SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles scherzte, die CDU werde in den kommenden parlamentarischen Auseinandersetzungen ›in die Fresse kriegen‹, kamen sofort die publizistischen Tischsitten-Gouvernanten und drohten mit dem Schrubber.«

Wir, Klute, wissen ja, daß Sie den Mund gern voll nehmen; aber daß man mit einem derart vollen Mund nicht spricht, hätte Ihnen Ihre Tischsitten-Gouvernante ruhig beibringen können!

Denn wer muß es hernach wegschrubben?

Sehen Sie.

Weiterhin guten Hunger: Titanic

Sehr geehrte Anne Frank,

die Idee der Bahn, einen ICE nach Ihnen zu benennen, weil Sie »neugierig auf die Welt« gewesen seien, ist nicht der erste und größte Spaß in Ihrem Namen. Wir tanzen hier zum Beispiel immer noch zu den Hits aus dem Anne-Frank-Musical und vermuten, daß bestimmt auch Sie gerne Freude hatten. Weswegen wir vorschlagen wollen: Wie wäre es mit einem Anne-Frank-Vergnügungspark, mit Geisterbahn durch einen Dachboden, total sensibel durchdachten Shows wie »Anne Frank on Ice«, aber auch zwei oder drei nachdenklich formulierten Plaketten im Ausgangsbereich?

Wenn das in Ihrem Sinne ist, melden Sie sich bitte. Wenn nicht, vergessen wir es einfach.

Denn wir sind ja nicht die Bahn, sondern Titanic

Sehen Sie es doch mal so, Thomas Middelhoff!

Zwar haben Sie Ihr Vermögen verloren, Ihren Job, Ihr Ansehen und jetzt auch noch Ihre Villa in der Nähe von Bielefeld, aber dafür müssen Sie eben nicht mehr in der Nähe von Bielefeld wohnen. Das ist doch was, oder?

Ihre Glücksbringer von der Titanic

»Bild«!

»Sind die kleinen Leute wirklich ehrlicher als die Reichen? Die Wahrheit über Steuer-Betrug in Deutschland«, prangte es da als Reaktion auf den neuesten Steuerleak von Deiner Titelseite. Hat da am Ende jemand Bammel bekommen? Denn klar: Ob nun schwarz putzen, bei der Erklärung in puncto Fahrtweg ins Büro ein paar Kilometer hinzumogeln oder eben mit seinem Privatvermögen eine Scheinfirma gründen, um mit deren Hilfe ein paar Milliönchen mehr durchs Jahresziel zu bringen, ist, mit einem Hirn, das weiß, wie man mit falscher Moral noch die größte Schweinerei zu einer göttlichen Gegebenheit macht – eben einem solchen, wie man es als Springermitarbeiter mitbringen muß –, natürlich einerlei.

Und so wie auf dem Sterbebett angeblich alle wieder katholisch werden (Harald Schmidt), hält es der Klassenfeind selbstverständlich nur dann plötzlich mit der Gleichheit aller, wenn er daraus Gewinn ziehen kann. Und wenn der auch nur darin besteht, daß Otto-Normal-Leser vor lauter Schuldbewußtsein über seine eigene popelige Steuererklärung nicht darauf kommt, daß sein mühsames Ein- und Durchkommen möglicherweise System hat. Dafür gibt es halt die »Bild«.

Wir lesen derweil dann vielleicht doch mal rein, in diese Paradise Papers. Titanic

Huch, Merkel (Kanzlerin),

da ist Ihnen während der Jamaika-Verhandlungen doch mal wieder eine prägnante Formulierung gelungen: »Aber ich glaube nach wie vor, daß wir die Enden zusammenbinden können, wenn wir uns mühen und anstrengen.« Lange haben wir überlegt, wie Sie gerade auf dieses Sprachbild gekommen sind, bis uns klar wurde: Sie können keine Schuhe binden!

Oder zumindest nur unter Mühen und Anstrengungen. Haben wir recht? Wir sehen es lebhaft vor uns: wie sie mit den Senkeln kämpfen und kämpfen, die Zunge zwischen den Lippen, die Augen aufgerissen, zittrige Finger, links eine Schlaufe, das Band von rechts herum geführt, Hasenohr, Hasenohr, einmal rum, und dann durchs – Mist, wieder daneben! –, bis endlich Ihr Altmaier sich hinunterbeugt und die Sache einfädelt. Ja, so wird ein Schuh draus!

Den sich jedenfalls nicht anziehen möchte: Titanic

Yeehaw, Präsident Trump!

Anläßlich des von Ihnen ausgerufenen Gesundheitsnotstands wegen der sogenannten Opioid-Krise sprachen Sie vor Medien über Ihren verstorbenen alkoholkranken Bruder: »Er hat mir gesagt: Trink nicht! Trink nicht! ... Und bis zum heutigen Tag habe ich kein einziges Glas Alkohol getrunken.«

Glückwunsch! Mit dem Alkoholismus anderer Leute hingegen scheinen Sie weniger Probleme zu haben. Anders können wir uns nämlich die Marke »Trump Vodka« nicht erklären, die Sie 2005 mit dem erklärten Ziel gegründet haben, in Sachen Wodka der neue US-Marktführer zu werden. Und die 2011 trotz des einwandfreien Werbespruchs »Success Destilled« eingegangen ist.

Nicht aufgeben! Wie wäre es etwa, die Probleme mit den Opioiden jetzt einzudämmen, indem man deren Hersteller mittels einer profitablen Koks-Manufaktur einfach vom Markt drängt?

»Huge success« wünscht Titanic

Tagesschau-Redaktion!

Immer wieder lesen wir bei Dir die Beschreibung »islamistisch-extremistisch« für vermutliche und tatsächliche Terroristen. Aber ist das wirklich präzis bzw. ausreichend? Sind das nicht vielmehr radikal-islamistisch-extremistische Gesellen, oder gar vielleicht radikal-islamistisch-extremistisch-fundamentalistische Dogmatiker?

Fragt kritisch-skeptisch: Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Försterfürst Peter Wohlleben!

Försterfürst Peter Wohlleben!

Irre, was Sie im Spiegel-Interview so vom Stapel lassen. Vor allem hacken Sie auf die Methoden der Forstwirtschaft ein: »Viele Förster reagieren auf meine Argumente und Ideen wie Terrier, die an die Wand gedrängt werden.« Landwirtschaftsministerin Klöckner wolle nicht in Talkshows mit Ihnen sitzen, Bäume aus Baumschulen bezeichnen Sie als »Weicheier, gedopt mit Dünger«. Und: »Die klassische Forstwirtschaft geht oft superbrutal vor, mit Riesenkahlschlägen. Als ob die Förster irgendwelche Substanzen geschluckt hätten.«

Und das lassen wir an der Stelle einfach mal stehen wie einen schönen, heimischen Feldahorn, den Sie gegenüber den Baumschul-Weicheiern klar bevorzugen.

Gut Holz, alte Weichbirne: Titanic

 Recht medizinisch, Digitalisierungs-Staatsministerin Dorothee Bär,

gingen Sie im Tagesspiegel die Steuersenkungspläne für den so genannten Mittelstand Ihrer CSU und der CDU an: »Viele Unternehmen haben während Corona stark geblutet, ihnen müssen wir jetzt den Rücken stärken.«

Hm, das könnte vielleicht die falsche Therapie zur Diagnose sein. Und abgesehen davon, dass Sie damit womöglich noch mehr Geld in Umlauf bringen, an dem Blut klebt, können so ein paar labbrige Scheinchen einen Rücken überhaupt richtig stärken? Oder denken Sie etwa nur an einen Stapel stabiler Münzen? Auch wackelig; und das lassen Sie mal besser nicht Ihre Wählerinnen und Wähler hören, rät Ihnen Dr. Google von der Titanic

 Birne Merz!

Stimmt das, was wir da lasen? Dass der geplante Ausbau des Flugplatzes Arnsberg-Menden, an dem Sie als Anwohner und »passionierter Pilot« (Spiegel) großes Interesse haben, in Gefahr ist? Grund dafür ist neben den 4500 Quadratkilometern Wald, die gerodet werden müssten, die wenige Millimeter große Quellschnecke, deren Lebensraum ebenfalls geopfert würde. Es soll deshalb nun Klage eingereicht werden.

Und da stehen wir selbstverständlich felsenfest hinter Ihnen, Merz. Denn die Vorstellung, dass Sie nach den Niederlagen gegen Kramp-Karrenbauer und Arminion Laschet nun auch noch gegen ein winziges Weichtier den Kürzeren ziehen, können wir schlicht nicht ertragen.

Lass Dich nicht zermürben, Fritz! Titanic

 Exquisit, Rowohlt Verlag,

ist abermals das Herbstprogramm Deines – wie man so sagt – Labels »Kyss«, mit welchem Du deutschsprachige Heranwachsende zu kompetenter Leserschaft fortbilden möchtest.

Die bewährte Anya Omah (»eine im Selfpublishing bereits erfolgreiche Autorin mit großer Fanbase«) verheißt eine erbauliche »New-Adult-Trilogie mit deutschen Settings«, bestehend aus dem Roman »Regenglanz« (»so schmerzlich schön wie ein Tattoo«), sodann »Nebelschimmer« (»Eine Own Voices Romance. Divers, positiv und selbstverständlich«) und schließlich »Gewitterleuchten« (»Forbidden Love, Second Chance, Enemies to Lovers«), während Kira Mohn in ihrem Werk »The Sky in Your Eyes« die Problemfelder »Body Positivity und Naturschutz« thematisiert, wohingegen Jen deLuca »Fake Relationship« angeht, »eines der beliebtesten Romance-Motive, kombiniert mit dem absolut einzigartigen Setting Mittelalterfestival«, und zwar in ihrem Roman »A History of Us – Nur drei kleine Worte« (aber sind das nicht genau genommen vier kleine Worte? Nun, eine Petitesse).

Urdeutsche Settings à la Naturschutz plus Mittelalter, kombiniert mit Body Positivity und Fake Relationship: da kommen die New Adults unseres Vaterlands garantiert ins gepflegte Schmökern.

Geben Dir dennoch keine Second Chance: die Erwachsenen von Titanic

 Allergieinfodienst!

Du schreibst auf Twitter: »Allergiker sollten sich bei essbaren Insekten informieren«, ob Kreuzreaktionen mit anderen Nahrungsmittelallergien möglich seien. Aber wenn die Insekten auch nur ein bisschen Hirnschmalz haben, was werden die wohl antworten? Vermutlich so etwas wie »Esst keine Insekten! Hochallergisch!«, um die eigene Haut respektive den Chitinpanzer zu retten.

Informieren sich doch lieber bei echten Fachleuten:

Deine Spaßvögel bei Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Ungeduldige Frage

Wie alt muss ich eigentlich werden, damit ich mir endlich einen Porsche wünsche?

Katharina Greve

 Ironie. Ein Schüttelreim

Ich hab’ mir am Buch »Wundversorgung Grundwissen« ironischerweise den Finger wund g’rissen.

Jürgen Miedl

 Private Vorsorge

Man hat da einen bösen Verdacht und beginnt eine Nabelschau. Man betastet Spitzbauch, Nasenhaar, Krähenfuß und Gemüt: Midlife-Crisis! Man sucht Rat bei den Raunern im Netz und stößt auf die teilnahmsvolle Warnung, dass bisher Erreichtes jetzt zur Last, gar zum Feind werden könne. Man unterzieht die Erfolge der Vergangenheit einer Inventur, mit der man sehr schnell fertig ist, und dankt, gänzlich unbelastet, seinem jüngeren Ich. An der Front muss wohl kaum mit einem Angriff gerechnet werden.

Sascha Lützeler

 Exklusive Expertise

Wer sich immer schon über die Merkwürdigkeit des Ausdrucks wunderte, jemand sei ein »Dahergelaufener« und allein angesichts dessen nicht qualifiziert, in puncto eines bestimmten Sachverhalts etwas zu äußern oder zu tun und daher von vornherein unbedingt auszuschließen, dem sei gesagt: Richtig so! Denn: Da könnte ja jeder kommen!

Andreas Meinzer

 @o_tempora_._o_mores

Die Jugend wird immer dümmer? Ja, ja, das behaupten gnatzige Tattergreise schon immer, von den alten (haha) Griechen bis zu den Sumerern vor 5000 Jahren. Heute sind wir weiter: Die Alten müssen diesen Vorwurf nicht mehr umständlich in Tontafeln ritzen oder auf Papier drucken – die Jugend trägt die Einfalt bereits im Namen, genauer: im TikTok-Benutzernamen! Sind die Wunschnamen »anna«, »bayernfan« oder »björn« schon weg, gibt es noch Fantastilliarden Möglichkeiten, ein originelles, nicht vergebenes Alias zu finden; etwa indem man einfach ein paar Alltagsvokabeln zusammenschraubt: »doppelpferd«, »eieralarm«, »elektrononne« – alle noch frei und alle ohne eine bescheuerte Kombination aus Zahlen, Unterstrichen und Punkten! War das so schwer, @elina_123____, @klausklausiii und @.miiiniiischnuff.? Der alte @sookraatees__philo.king würde schmunzeln.

Alexander Grupe

Vermischtes

Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 20.09.:

    In der Jungen Welt würdigt Stefan Gärtner den 80jährigen Eckhard Henscheid.

Titanic unterwegs
23.09.2021 Köln, Comedia Max Goldt
24.09.2021 Essen, Zeche Carl Max Goldt
24.09.2021 Berlin, Mehringhof-Theater Ella Carina Werner
25.09.2021 Bremen, Havengalerie Katharina Greve: »Satire gegen rechts«